Interstellarer Wirrwarr

PicStreet-InterstellarWenn man zu viele Botschaften in eine Geschichte packt, dann macht das meist mehr kaputt, als gut für sie ist. Genau dieses Gefühl hatte ich bei „Interstellar“, den wir uns gestern auf Blu-ray angesehen haben. Der Film ist nicht schlecht, hat aber nicht die Qualität, die ich mir erhofft hatte.

Eigentlich wollten wir den Film im Herbst im Kino anschauen, leider war der Streifen schneller aus den Kinos raus, als man Popcorn sagen kann. Seit gestern weiß ich auch warum. Der Film ist modernes intelligent gemachtes Kino, das Mitdenken erfordert und eben nicht der übliche SF-Action-Popcorn-Kinofilm, den die meisten Zuschauer erwarten. Er ist eine Mischung aus „2001-Odyssee im Weltraum“ und „Contact“, wobei er jedoch an die Qualität beider Filme nicht heranreicht. Das liegt weder an der Idee noch an den Effekten, auch nicht an dem phänomenalen Soundtrack, es liegt daran, dass sich die Geschichte in zu vielen Botschaften verzettelt. Da werden szenenlang Diskussionen geführt und viele unterschiedliche Probleme gewälzt, das Hauptproblem aber, die Vernichtung der irdischen Ressourcen und die Gründe der sich verändernde Umwelt werden nur beiläufig angesprochen. Hier wäre die Reduktion auf ein Thema besser gewesen. Eine gestraffte Handlung hätte den Film zwar kürzer gemacht, ihm aber besser getan. Außerdem ist der Plot, um das sich selbst erfüllenden Paradoxon, schon früh vorhersagbar.

Mir fehlte an „Interstellar“ das überraschende Element und auch ein bisschen die Vision. Einerseits können die Menschen der Zukunft Habitate im All bauen, aber die Geräte im Krankenhaus sehen aus wie heute. Genauso wie der Umgang mit der zerstörten Umwelt: Die Atmosphäre ist verpestet, aber die Autos fahren immer noch mit Benzin und in den Büros der NASA trinkt man Kaffee aus Pappbechern. Auch das Monokulturen keine dauerhafte Lösung sind, weiß man heute schon.
Was mir besonders negativ aufgefallen ist, ist die stark amerikanisierte Sichtweise. Wie es scheint, sind es in der gezeigten Zukunft nur die Amerikaner, die etwas tun. Ein solches Projekt, wie es im Film dargestellt wird, kann aber nur in einem globalen miteinander funktionieren.

Es gab auch viel Positives. Witzig und irgendwie treffend fand ich die Stelle, in der die Lehrerin dem Vater erklärt, dass die Mondlandungen in den 60ern nie wirklich stattgefunden haben. Das war ein Seitenhieb auf das amerikanische Schulsystem. Klasse!
Gut finde ich auch, dass der Film vor allem mit den Niederungen des menschlichen Charakters spielt. Ob es der Wissenschaftler Dr. Mann ist oder der Astronaut und Familienvater Cooper, jeder ist am Ende doch nur ein Mensch mit Fehlern. Auch die Aussage, das Emotionen wie Liebe die Zeitschranke überwinden können, macht den Film besonders.
Vom wissenschaftlichen Standpunkt aus, haben sich die Macher um Regisseur Christopher Nolan sehr viel Mühe gegeben, obwohl ich bei manchen Szenen doch den Kopf schütteln musste. Allein die Besiedelung eines Planeten in Erwägung zu ziehen, der sich in so großer Nähe zu einer Singularität befindet, war Unsinn. Die Gezeitenkräfte, die an einem solchen Objekt zerren, verbieten eine Besiedelung schon in der Theorie, was sich dann in der Realität auch so herausgestellt hat. Auch das Eintauchen in das Schwarze Loch gegen Ende des Films ist ein wenig fragwürdig, wenn auch schwer zu beweisen, weshalb ich mich dazu nicht weiter äußern möchte.
Gestört hat mich die wechselnde Aussage, wohin das Wurmloch führt: Einmal hieß es in eine andere Galaxie, dann wieder an den Rand unserer Galaxis. Ich muss mir dazu unbedingt mal die Originalfassung ansehen.

Die Theorie allerdings, dass es die Menschen selbst sind, die sich zu fünfdimensionalen Wesen entwickelt haben und nun versuchen ihre Vorfahren und damit sich selbst zu retten, finde ich grandios, kann aber angesichts der derzeitigen Situation auf unserer Welt nicht wirklich dran glauben.

Mein Fazit: Interstellar ist ein Film, der zu viel wollte und gerade deshalb nicht das geworden ist, was er hätte sein können. Durch die beeindruckenden Bilder und die Musik von Hans Zimmer, ist er dennoch sehenswert.

Autorin in der Depression

young_adult-poster_ukCharlize Theron machte als rotzige Enddreissigerin in dem Streifen „Young Adult“ gehörigen Eindruck auf mich.

Die Geschichte handelt von der Autorin Mavis, die für eine Romanreihe für junge Erwachsene schreibt. Dabei ist sie sowas wie ein Ghostwriter, denn statt ihrem Namen erscheint auf dem Cover nur der der Herausgeberin. (Da haben die Perry Rhodan-Autoren ja richtig Glück. Aber das nur nebenbei.)
Mavis‘ Problem ist, dass sie ihr Leben als Erwachsene nicht in den Griff bekommen hat. Sie lebt zusammen mit ihrem Hund in einem anonymen Hochhaus der Metropole Minneapolis. Außer ihrer Schönheit und den Erinnerungen an die tolle Highschoolzeit ist ihr nichts geblieben. Als sie die E-Mail ihres Highschool-Schwarms Buddy mit dem Foto seiner neugeborenen Tochter erreicht, zerbricht ihr Leben endgültig zu einem Scherbenhaufen. Sie beschließt in ihre Heimatstadt zu reisen, um den glücklich verheirateten Buddy, zurückzuerobern. Das sie Buddy nicht zurückgewinnen kann, wird dem Zuschauer schnell klar. Mavis dagegen braucht bis zum Schluss und eine öffentliche Bloßstellung, um es zu begreifen.

Der Film zeichnet das Leben einer amerikanischen Kleinstadt in schlichten starken Bildern und blickt hinter die Kulissen einer vom Schönheitswahn getriebenen Frau, die mit ihrem Leben hadert. Jeder bewundert Mavis weil sie den Absprung geschafft hat und sich aus dem Kleinstadtmief lösen konnte und als Autorin erfolgreich ist. Viele möchten so sein wie sie, doch keiner ahnt, dass hinter Mavis‘ Fassade ein verletzter unsicherer Mensch steckt, der alles andere als erfolgreich ist. Ausgerechnet ein ehemaliger Mitschüler und Krüppel durchschaut sie und hält ihr einen Spiegel vor. Nach einem offene Ende, bei dem der Zuschauer nicht erfährt, wie es mit Mavis weitergeht, kann dann jeder seine eigene Fantasie spielen lassen.
Charlize Theron stellt die depressive Schönheit Mavis mit all ihren Macken wie Alkoholismus und Trichotillomanie (das Herausreißen von Haaren) so intensiv dar, dass man emotional mitgerissen wird und jede Minute mit ihr leidet.

„Young Adult“ ist ein wunderbarer Film darüber, wie Schönheit und Erfolg allein nicht glücklich machen, sondern das dies nur die Liebe vermag.

Der Film ist aus dem Jahr 2011. Wer mag kann sich den Trailer hier ansehen.

Die etwas andere Biografie

Brussig_RussenfilmWenn ein Autor ein Buch über sich selbst schreibt, nennt man das zumeist Autobiografie. Was aber Thomas Brussig über Thomas Brussig schreibt, ist …
Nun ja, ich bin mir noch nicht sicher, als was ich es bezeichnen soll. Es ist ein Roman und es ist eine Biografie, aber eine die in einer Parallelwelt spielt und nie wirklich stattgefunden hat. Es kommen viele existierende Persönlichkeiten darin vor, es wird von realen Ereignissen erzählt, die tatsächlich passiert sind und doch bleibt der Hintergrund ein irrealer. Brussig zeichnet ein Bild von einer DDR, die nie die Wende erlebt hat. Es gab keine Montagsdemos, keinen Mauerfall und keine Wiedervereinigung. Dabei bleibt er stets bei sich selbst, erzählt von sich und seinen fiktiven Erlebnissen mit den Organen des Arbeiter- und Bauernstaates aber auch aus seiner Warte als Autor, seinen Schreibproblemen, seinen Wünschen und Fantasien.

Je weiter man in den Roman hineinliest, desto mehr verändert er sich. Die Geschichte gleicht einer Zwiebel die man entblättert und je mehr Schichten fallen, umso näher gelangt man dem Kern. Was als lustige Erinnerung beginnt, entwickelt sich mit Fortschreiten des Romans zu einer bitteren Karikatur eines Staates, der sich selbst zu ernst nimmt, und in dem es darum geht durch Anpassung zu überleben. Thomas Brussig will sich aber nicht anpassen und schlittert von einer Katastrophe in die nächste. Sein zähes Ringen mit der Literatur und ihren Repräsentanten sowie den Machenschaften von Stasi und Co liest sich im Mittelteil des Buches ebenso zäh wie es der Autor empfindet. Besonders bitter, es trifft nicht nur ihn, sondern vor allem sein Umfeld. Personen, die sich mit ihm abgeben, bekommen die Macht des Staatsapparates mehr zu spüren als er selbst. Situationen in denen trotz der augenzwinkernden Erzählweise, dem Leser das Lachen im Halse steckenbleibt.

Später ist der Text plötzlich sehr zeitkritisch und hinterfragt auch die schöne Glitzerwelt des Kapitalismus mit aufrichtiger Ernsthaftigkeit. Am Ende spürt man die Hoffnungslosigkeit Brussigs, dass sich doch nie etwas ändern wird, auch wenn sich alles in seiner fiktiven DDR geändert hat.

Was ist dieses Buch? Als Satire möchte ich eigentlich nicht bezeichnen. Ist es eine Biografie, eine Tragikomödie oder gar ein Science Fiction-Roman? Das sind Fragen die sich viele Leser am Ende stellen werden. Und es scheint, als wäre es ein bisschen von allem, nur eines ist es sicher nicht: Leicht! Viele der Gedanken sind nur schwer verdaulich, weil sie trotz Fiktion der Wahrheit ganz nahe kommen.
Es ist vor allem eines – ein Buch übers Schreiben. Als angehende Autorin konnte ich dem Roman viele wertvolle Gedanken entnehmen. Doch ich fürchte, dass gerade das einen Erfolg bei einer nichtschreibenden Leserschaft verhindern wird. Ich glaube, dass es für Menschen, die sich nicht mit dem Schreiben beschäftigen, stellenweise einfach nicht interessant genug ist, gerade im Mittelteil, in dem es fast ausschließlich um seine Karriere als Schriftsteller geht.
Dafür, dass er viele realexistierende Personen agieren lässt, bewundere ich seinen Mut. Ich hätte das nie gewagt. Doch wahrscheinlich muss man erst ein etablierter Autor sein, bevor man sich so etwas erlauben darf. Aber genau das könnte dem Roman zum Verhängnis werden. Die Zielgruppe wird stark eingegrenzt, weil man sich schon sehr genau in Politik und Literaturszene der vergangenen fünfundzwanzig Jahre auskennen muss, um all die Personen wiederzukennen, mit denen Thomas Brussig spielt. Einem jüngeren Leser könnte der Reiz daran abgehen, weil er mit vielen der Namen nichts anzufangen weiß. Auch die Vergangenheit der potentiellen Leser wird eine Rolle spielen. So gefällt mir die Geschichte des Romans, weil ich als Ostdeutsche viele Dinge aus meiner Vergangenheit wiedererkannt habe, die aber einem Westdeutschen manchmal etwas schräg vorkommen werden.

Brussigs Thema ist eines mit dem auch ich mich zumindest geistig schon beschäftig habe. Was wäre aus mir geworden wenn es die Wiedervereinigung nicht gegeben hätte? Wo hätte ich Stellung bezogen? Was für eine Person wäre ich heute? Die tiefgründige Auseinandersetzung Brussigs mit sich selbst und diesen Fragen erinnert mich daran, wie dankbar ich sein muss, dass ich die DDR nicht als Erwachsener erleben musste.

Mein Fazit: Ein ungewöhnliches Buch mit einer Vielzahl erstaunlicher Gedanken, von denen ich mir einige notieren werde, wenn ich es ein zweites Mal lese.

Mehr als eine Rentner-WG

Hin und wieder sehe ich mir gern deutsche Filme an, denn mitunter sind sie besser als ihr Ruf und können überraschende Geschichten erzählen, so wie der Freitagsfilm vom 20.3.2015 in der ARD.

„Alleine war gestern“ ist eine Geschichte über fünf Freunde, die die Sechzig überschritten haben und gemeinsam in Köln eine WG gründen. Die schön gezeichneten Figuren sind sehr individuell: Da gibt es den Arzt, Philip, der Jahrzehnte in Afrika verbracht hat; die Psychologin, Ricarda, die sich aus ihrer Praxis zurückziehen, aber weiterhin über alles und jeden bestimmen möchte; der alternde Rocker, Harry, der mit Taxifahren das Geld verdient, was er auf der Rennbahn verzockt; die Teilzeit-Wurstverkäuferin, Uschi, die alle bekocht und als gute Seele alles zusammenhält und der introvertierte Witwer, Eckhard, der auch nach zwanzig Jahren den Grabstein seiner Frau aufbewahrt. Alle haben entweder keine Kinder oder kaum Kontakt zu ihnen.

Was als fröhliches Zusammenleben beginnt, endet nach nur ein paar Wochen, als Uschi einen Schlaganfall erleidet und fortan halbseitig gelähmt ist. Die Freunde stehen vor der Entscheidung sie in ein Heim abzuschieben oder sich selbst um sie zu kümmern. Das Urteil fällt für Uschi, wenn auch nicht einstimmig. Fortan kämpfen alle mit den Folgen: Die Altbauwohnung im dritten Stock ist nicht behindertengerecht, es gibt keinen Aufzug und jeder wird in seinen gewohnten Freiheiten eingeschränkt. Trotz intensiver Physiotherapie geht es mit Uschis Genesung nicht voran. Unweigerlich kommt es zu Streitigkeiten und die wahren Gesichter der Freunde treten zu Tage. Harry hat Probleme Verantwortung zu übernehmen, Ricarda versucht alles und jeden unter ihre Kontrolle zu bringen und Philip erklärt, dass er nur in die WG gezogen ist, um Ricarda nahe zu sein, weil er sie seit dreißig Jahren heimlich liebt. Aber auch Uschi hadert mit ihrem Schicksal, sie will den Freunden nicht zur Last fallen …

Die Geschichte wird sehr feinfühlig und realistisch, ohne jeden Kitsch erzählt. Den Schauspielern gelingt es, die Chemie zwischen den Freunden auf den Fernsehzuschauer zu transportieren und Emotionen zu wecken.

„Alleine war gestern“ ist ein toller Film übers älter werden bzw. übers alt sein. Ich hoffe nur, dass der Film auch sein angestrebtes Zielpublikum erreichen konnte. Meine Eltern waren nämlich nicht sonderlich an dem Streifen interessiert und haben lieber eine Musiksendung gesehen.

Der etwas andere Perry Rhodan Film

ForbiddenPlanetErst kürzlich fielen mir meine Urlaubsfotos von Teneriffa wieder in die Hände. Und als ich die Bilder vom Teide betrachtete, musste ich unwillkürlich an den ersten und einzigen Perry Rhodan Film denken. Der lief vor gut einem Jahr auf Tele 5 unter der Rubrik: „Die schlechtesten Filme aller Zeiten“. Naja so ganz unrecht haben die Fernsehmacher damit nicht. Er ist wirklich nicht besonders gut. Als faszinierend empfand ich noch den Drehort, denn ein Großteil der Szenen entstand in der Caldera des Teide auf Teneriffa. Wenn man aufmerksam hinsieht, kann man im Hintergrund den Gipfel des Vulkans erkennen.

Aber eigentlich will ich gar nicht über „SOS aus dem Weltall“ sprechen, sondern über einen anderen Film mit einem ähnlichen Titel, der jedoch schon fünf Jahre vor dem Start der Heftromanserie in die Kinos kam und den man getrost als die Mutter aller Science Fiction Serien bezeichnen kann. Gestern Abend habe ich ihn wieder aus dem Regal geholt und angesehen; und bin wie immer fasziniert daran hängen geblieben.

„Forbidden Planet“ oder „Alarm im Weltall“ wie der deutsche Titel lautet, ist ein Meisterwerk und seiner Zeit weit voraus, nicht nur was die Tricktechnik angeht. Es ist eigentlich eine SF-Verfilmung von Shakespeares „Der Sturm“, woran man mal wieder sieht, wie viel Potenzial in den Klassikern steckt.
Es ist schon kurios wie sehr sich die deutschen Titel der beiden Filme ähneln und nicht nur das: Schon mal daran gedacht, das „Forbidden Planet“ der perfekte Perry Rhodan Film wäre? Eine neue Synchronisation und vielleicht ein paar Spezialeffekte am Beginn würden genügen, um daraus den Film zu machen, den sich die Fans schon immer wünschen.

Schaut man genau hin, so landet Perry Rhodan mit einer Spacejet auf einem fremden Planeten, der einst von einer hochentwickelten Rasse besiedelt war. Zusammen mit Bordarzt Manoli lüftet er ein Geheimnis der Spezies, die sich selbst als Lemurer bezeichneten. Am Ende muss er mit seiner Crew fliehen, bevor die alte Station der Lemurer sich selbst vernichtet …

Okay! Ich gebe zu, es gibt ein paar Einschränkungen:
Erstens, die Terraner würden nicht nur mit einer Spacejet landen, sondern mit einem Schlachtschiff der Imperiumsklasse. Zweitens, würden sie alles tun, um sich die Technologie der Lemurer für das Solare Imperium einzuverleiben. Naja zumindest bekommen sie im Film den Roboter. Und drittens, und das ist am unwahrscheinlichsten, Perry Rhodan würde nie das Mädchen verführen, obwohl mir das gefallen würde, im Gegensatz zu vielen anderen Perryfans.

Dennoch gibt es viele Parallelen. Ich kann mir gut vorstellen, dass nicht nur Gene Roddenberry seine Ideen aus diesem Film gezogen hat, sondern auch die Herren Ernsting und Scheer.

Im Übrigen finde ich Leslie Nielsen in der Rolle des Kommandanten perfekt. Das traut man ihm nicht zu, wenn man seine späteren Filme kennt.

Manta, Manta

Quelle: Perrypedia

Keine Angst, ich erzähle hier nichts über Mantafahrer, obwohl ich das könnte. :)
Nein, ich möchte über den PR 2788 „Die drei Tage der Manta“ von Christian Montillon berichten.

Schon die letzten vier Perry Rhodan-Romane habe ich verschlungen, aber diesen fand ich besonders gelungen. Das ist genau die Art Science Fiction bei Perry Rhodan die ich mag: Keine abgedrehten Figuren, keine komplizierten Beschreibungen von absurden Phänomenen, keine Namen, die ich nicht aussprechen kann; dafür jede Menge interessante Charakter, eine spannende Spionagegeschichte und viel intergalaktische Politik und alles an einem außergewöhnlichen, aber dennoch greifbaren Ort. Das machte unheimlich viel Spaß.
Neben Perry Rhodan und dem USO-Chef „Monkey“, erfährt man mal wieder von Vetris Molaud, jenem Bösewicht und Gegenspieler, der neben dem Atopischen Tribunal auf eine sehr clevere Art und Weise die Milchstraße unsicher macht. Das Ende des Romans ist tragisch, aber schlüssig und auch dieses Element hat mich grundlegend überzeugt.

Christian Montillons Romane klingen immer ein bisschen nach Jugendbuch, nun, schließlich schreibt er auch für „Die drei Fragezeichen“. Aber das soll keine Kritik sein, im Gegenteil, mit dieser Art des Erzählens kann er sicher sein, mehr als nur eine Generation anzusprechen.

Das beeindruckende Titelbild von Arndt Drechsler, welches den Ort der Handlung, eine gigantische Station im Orbit eines fremden Planeten zeigt, unterstreicht den positiven Eindruck, den der Roman bei mir hinterlassen hat. Von dieser Sorte Romane hätte ich gerne mehr.

Punkiger Vertipper

Ein Satz auf Seite 5 im PR 2787 von Christian Montillon zauberte mir heute morgen ein Lächeln aufs Gesicht. Ja, da war tatsächlich ein genialer Tippfehler. Wer auch immer den gemacht hat, und an alle die ihn im Anschluss übersehen haben. Danke, danke, danke! :)
Warum ich mich so darüber freue? Seht selbst:

„… Wenn das Atopische Tribunal in diesem Punk recht hatte …“

Wenn aus einem „Punkt“ ein „Punk“ wird, dann hat das bei Perry Rhodan einen tieferen Sinn als irgendwo anders.

Genial!
Wobei … der Tippfehler wäre im ersten Satz des nächsten Abschnitts noch besser gekommen. :)

vertippt

Survival-Handbuch für den Mars

Quelle: Amazon

„Der Marsianer“ von Andy Weir

Wow! Als ich heute die Lektüre dieses Romans beendete, musste ich zunächst tief durchatmen. Das war Spannung bis zum letzten Satz.
Die Erzählung aus der Ich-Perspektive ist so direkt geschrieben, dass sich die 512 Seiten fast von allein lesen. Die Handlung ist fesselnd: Der Astronaut Mark Watney wird auf dem Mars zurückgelassen und versucht unter allen Umständen zu überleben.

Der Mars ist ein äußerst lebensfeindlicher Ort, man kann dort viele Tode sterben. Watney kommt mehr als nur einmal haarscharf mit dem Leben davon. Was ihm dabei hilft, ist sein unbändiger Wille zum Überleben, wissenschaftliches Verständnis und ein Improvisationstalent, was nur wenige Menschen besitzen. Weirs als Logbucheinträge verfasste Erzählung ist so lebensnah, dass sie einen sofort mitreisst. Das ist die Stärke des Buchs. Sein Held Watney zaubert eine Idee nach der anderen aus dem Hut, viele funktionieren, manche scheitern meist an leichtsinnigen Fehlern. Man lernt als Leser viel über wissenschaftliche Zusammenhänge, während die Beschreibungen der technischen Vorgänge stets nachvollziehbar bleiben. Watneys Risikobereitschaft ist so erfrischend gegenüber dem Kontrollzwang der NASA, dass dies mehr als amüsant ist.
Unterbrochen wird die Erzählung immer wieder von den Reaktionen der NASA-Verantwortlichen auf der Erde. Diese eingestreuten Szenen schwächeln gegenüber Watneys ausgefallenen Logbuchberichten. Die Handlung auf der Erde besteht mehr oder weniger aus Dialogen. Da hätte ein bisschen mehr Figurenbeschreibung Not getan, denn ich hatte Schwierigkeiten die handelnden Charaktere zu unterscheiden.

Das sich der Autor seit seiner Kindheit mit Raumfahrt beschäftigt, merkt man. Auch seinen eigentlichen Beruf als Softwareentwickler kann er nicht verhehlen. Dabei bot Weir die Geschichte zunächst kostenlos auf seiner Webseite an, weil kein Verlag an dem Manuskript Interesse zeigte. Auf Drängen von Freunden veröffentlichte er „Der Marsianer“ als E-Book für 99 US-Cent im Kindle-Store. Die Kindle-Edition verkaufte sich so gut, dass die Verlage darauf aufmerksam wurden. Das beweist mal wieder, welche Chancen der E-Book Markt einem unbekannten Autor eröffnen kann und mit welcher Ignoranz etablierte Verlage am Leser vorbei wirtschaften. Wenn du keinen bekannten Namen vorweisen kannst, bist du in der Verlagswelt ein Nichts. So gesehen kann man Amazon für den Kindle-Store nur dankbar sein.

Fazit: „Der Marsianer“ ist eines der spannendsten Bücher, die ich je gelesen habe und unbedingt zu empfehlen, nicht nur, wenn man zum Mars fliegen will.

Blu-ray mit Beigeschmack

Quelle: Amazon

Seit Anfang des Monats ist sie auf dem Markt… Ich spreche von der Blu-ray zum Kultfilm „Galaxy Quest“. Warum die deutschen Fans so lange darauf warten mussten, ist leider nicht bekannt. Denn die Star Trek Parodie gehört zu einem der beliebtesten Filme im Fandom.
Zum Inhalt muss ich hier nichts sagen. Der Film ist 16 Jahre alt, und inzwischen sollte jeder das Abenteuer um die Crew der Galaxy Quest kennen. Alles andere wäre eine echte Bildungslücke. Ich selbst kann nicht sagen, wie oft ich mir diesen Film schon reingezogen habe. Ich erinnere mich, ihn zum ersten Mal im Ilmenauer Kino während meines Studiums gesehen zu haben, zusammen mit einem ganzen Haufen echter Nerds. (Hey, ich hab schließlich Elektrotechnik studiert!)
Der Streifen hat mich sofort begeistert. Allein die Szenen auf der Convention … das war so lebensnah, dass man sich fast selbst im Publikum sitzen sah. :) Und die Schauspieler waren einfach grandios. Tim Allen als Kirk-Verschnitt; Sigourney Weaver als Quotenfrau, die mit dem Computer spricht; Tony Shalhoub (Monk) als introvertierte Chefingenieur, der ständig am Essen ist und last but not least, Allen Rickman als Dr. Lazarus. (Für mich immer noch seine beste Rolle.) Zu dieser Zeit wäre Rickman die ideale Besetzung als Atlan in einem Perry Rhodan Film gewesen, inzwischen ist der Schauspieler leider zu alt.

Gestern Abend haben wir uns nun die Blu-ray angesehen: Die Bildqualität scheint etwas besser als die der DVD zu sein, man erkennt ein paar Details, die einem zuvor nicht aufgefallen sind. Der Sound ist okay, aber das war es dann auch schon. Es gibt nur zwei Sprachen zur Auswahl (Deutsch & Englisch) und keinerlei Extras. Die DVD von 2006 hatte wenigstens ein paar Extras. Doch das Allerschlimmste ist: Es fehlen mindestens zwei Szenen! Die Erste könnte man noch verschmerzen, darin zeigt einer der Thermianer Dr. Lazarus sein leeres Quartier. Die Zweite ist aber von essentieller Bedeutung für den Film: Hier bittet der Commander den Fan auf der Erde, ihm bei der Landung des Schiffes zu helfen. Auf der Blu-ray sieht man aber nur, wie das Schiff in die Atmosphäre eintaucht und dann den Jungen mit den Leuchtfackeln aus dem Haus rennen. Ich habe den Film sooft gesehen, dass ich meine, das es dazwischen mindestens eine Minute Dialog gab. Vielleicht fehlen noch mehr Szenen. Leider kann ich die Blu-ray-Version nicht mehr mit unserer DVD vergleichen, weil wir diese bereits verkauft haben.
Laut Amazon scheint es zwei Versionen des Films zu geben, eine 98 minütige Fassung und eine mit 102 Minuten. Unsere DVD beinhaltete die Fassung mit 102 Minuten. Es sieht ganz so aus, dass auf der Blu-ray nur die 98 Minuten Fassung drauf ist, ob wohl es anders angegeben wird.

Auf alle Fälle habe ich mich gestern Abend tierisch darüber geärgert. Verglichen mit anderen Filmen, war die Blu-ray ziemlich teuer. Für das Geld sollte man zumindest einen ungekürzten Film erwarten dürfen, wenn es schon keine Extras gibt.

Das gibt eine ganz böse Bewertung bei Amazon.

Nachtrag vom 16.2.2015:
Nachdem meine Rezension bei Amazon hohe Wellen geschlagen hat, hat sich jetzt herausgestellt, dass die Szenen an die ich mich erinnere, Bestandteil geschnittener Szenen waren, die es als Extras auf der DVD gab. Ist schon seltsam was sich das Gehirn so alles zusammenreimt. Aber das wäre nicht passiert, wenn es die geschnittenen Szenen als Extras auch auf der Bu-ray geben würde.

Sternenkinder

Quelle: Perrypedia

Perry Rhodan NEO 86 – Sternenkinder; von Rüdiger Schäfer

Mit Perry Rhodan NEO verbindet mich so etwas wie eine Hassliebe. Von den ersten vier Bänden der Serie war ich hellauf begeistert. Nur leider ließ diese Begeisterung sehr rasch nach. Beim Wega-Zyklus habe ich mich an den Hörbüchern versucht und enttäuscht aufgegeben. Die Handlung war mir zu hastig, zu verzettelt und der Versuch aus Perry Rhodan einen Teamplayer zu machen endete darin, dass er zu einem Waschlappen mutierte. Ich gab auf.
Mit Band 50 versuchte ich nochmals einzusteigen, weil ich der Serie und mir eine Chance geben wollte. Doch das ging genauso daneben. Mit dem Zyklus „Protektorat Erde“ haben mich die Macher letztendlich doch gekriegt, auch wenn ich immer noch meine, dass die Handlung zu verworren und viel zu überstürzt geschieht. Wenigstens haben sie aus Perry Rhodan das gemacht, was er sein sollte – einen Helden. (Na, ja zumindest ein bisschen.)

Ich lese nicht jeden der zweiwöchig erscheinenden Romane, sondern suche mir meist die mit dem Perry Rhodan Handlungsstrang raus oder von jenen Autoren, die ich mag. So zum Beispiel die Romane von Rüdiger Schäfer.

Mit Band 86 hat er sich übertroffen. Das Schöne an „Sternenkinder“ ist, das man nicht viel Hintergrundinformationen über PR-NEO benötigt. So gesehen, könnte der Roman als solcher auch alleine stehen … Ja, er würde sogar ohne das Label Perry Rhodan funktionieren.
Der Roman spielt komplett in der Schwerelosigkeit und stellt eine Zivilisation in den Mittelpunkt, die am Rande unseres Sonnensystems heimisch ist. Faszinierend und sehr intensiv beschreibt der Autor die Abenteuer von Ras Tschubai und seinem Begleiter, die im Kuipergürtel von den „Sternenkindern“ gefangen wurden. Diese verborgene Zivilisation wird sehr sorgfältig und spannend beschrieben. Neben gesellschaftlichen und sozialen Einblicken erfährt der Leser auch über innenpolitische Spannungen, die sich durch das Auftauchen der Arkoniden im Solsystem ergeben. Das alles ist gleichzeitig sehr fremd, aber auch so vertraut, dass man sich gut in die Charaktere hineinversetzen kann. Die geheimnisvolle Vergangenheit des Volkes trägt das Ihre dazu bei.
Allein mit dem plötzlichen Auftauchen einer weiteren ähnlichen Spezies am Ende des Romans wird die kompakte Erzählung auseinandergerissen. Der Leser fragt sich zurecht, was das soll und wohin ihn die Geschichte führen wird… Wieder so ein unbefriedigendes, weil überstürztes Ende, wie bei den meisten NEO-Romanen zuvor. Die große Frage ist, wann werden wir wieder etwas über die „Sternenkinder“ erfahren? Denn im Folgeroman geht es um eine der vielen anderen Baustellen im NEO-Universum. Ich finde, dass sich die Exposéautoren zu sehr in der Zyklushandlung verzetteln. Die Anzahl an Handlungssträngen ist zu groß und zu komplex und verlangt dem Leser viel Ausdauer ab. Für „Sternenkinder“ hätte ich mir ein anderes, ein versöhnlicheres Ende gewünscht. Doch der billige Cliffhanger führt wiederholt dazu, dass mein Lesevergnügen geschmälert wurde. Schade! Eigentlich!