Gestern lag die SOL 83, die Mitgliederzeitung der PERRY RHODAN FanZentrale im Briefkasten. Leider hatte ich am Abend nur Zeit, um sie einmal durchzublättern und die ersten beiden Artikel zu lesen.
Das schöne blaue Cover gefällt mir und natürlich gefällt mir auch das Layout meiner NEO-Kolumne »NEOisiert« die zum ersten Mal in der SOL erschienen ist. Im Grunde ist es eine leicht überarbeitete Zusammenfassung meiner NEO-Rezensionen aus dem Blog. Die einen oder anderen Perryfans, die hier regelmäßig vorbeischauen, werden den Text kennen. Aber das Gros der Mitglieder kennt ihn eben nicht und was lag näher als die Rezensionen einem größeren Publikum zugänglich zu machen.
In der Kolumne in der SOL 83 geht es um die Posbi-Staffel, während ich gerade den letzten Roman der Staffel »Arkons Ende« lese. Das heißt, dass auch in der nächsten SOL eine NEO-Kolumne von mir enthalten sein wird.
Neben der Besprechung der Romane der Erstauflage von Markus Gersting enthält die SOL 83 außerdem eine ziemlich lange Geschichte von Holger Döring, ein Interview mit meinem Schreibcoach Roman Schleifer, Artikel über William Voltz, Teil 3 der »Unterwegs mit Gucky«-Reihe, Dr. Robert Hektor schreibt über den kosmologischen Hintergrund der PERRY RHODAN Erstauflage, Herbert Keßel erzählt aus der Vergangenheit der PRFZ und es gibt wieder eine »Coming of Rhodan«-Challenge zwischen Autor und Fan. Genug Material also, damit es mir in den nächsten Tagen nicht langweilig wird.
PERRY RHODAN NEO Band 87 – »Rückkehr der Fantan« von Michelle Stern
Mit einem soliden und spannenden Roman setzt Michelle Stern endlich die Ereignisse aus Band 85 fort, zumindest, was die Handlung um Thora betrifft. In Band 86 waren wir mit Rüdiger Schäfer an den Rand des Sonnensystems gereist. Ich muss zugeben, das mir dieses Durcheinander verschiedenster Handlungsstränge über mehrere Romane verteilt, so gar nicht gefällt. Für meinen Geschmack geht da Spannung verloren. Denn wenn auf einen Cliffhanger im nächsten Roman keine Auflösung erfolgt, sondern erst ein paar Romane später, kann das schon ziemlich frustrierend sein. Ich weiß nicht, was sich Exposéautor Frank Borsch dabei gedacht hat und vielleicht funktioniert das für andere Leser auch, für mich leider nicht.
Doch zurück zum Roman. Thora wurde also von den Mutanten Olf Stagge und Wuriu Sengu gerettet und arbeitet jetzt zusammen mit Free Earth an einem Plan, um Reekha Chetzkel zu entführen. Allein der Plan ist eine Ungeheuerlichkeit von der ich als Leser sofort weiß, dass er nicht gelingen kann und werde auch darin bestätigt, als der Einsatz von Thora und den Mutanten scheitert. Dann stellt sich jedoch heraus, das alles nur ein Übung war. Diese Finte macht die Angelegenheit nun wieder spannend. Dennoch habe ich wenig Hoffnung, als das Einsatzteam um Thora überstürzt zur Mission an den Kilimandscharo aufbricht.
Ganz ehrlich, ein Liebesnest des Reekha für sich und seine terranische Geliebte, das finde ich ziemlich abwegig. Chetzkel ist ein knallharter Kerl. Als Oberbefehlshaber der Truppen, wird er sicher nicht den Fehler begehen und persönlich gegen das Fraternisierungsverbot verstoßen. Da will man dem Arkoniden mit dem Schlangengesicht nachträglich noch eine menschliche Komponente verleihen, was aus meiner Sicht so gar nicht funktioniert. Interessant ist allerdings die Information, dass seine Augmentation in eine Schlange nicht freiwillig geschah. Wobei ich schon wieder zweifele, wie das Volk einer Marginalwelt über medizinische Kenntnisse verfügen kann, um tiefgreifende Veränderungen an Arkoniden durchzuführen, ohne das das Imperium davon weiß. Aber gut, die Information ist wichtig genug, damit sie in den nächsten Bänden noch eine Rolle spielen kann.
In dem Zusammenhang kommen wir zu Mia. Die zu einer Katze umgewandelte Berlinerin hat den schlangenhaften Arkoniden anscheinend um den Finger gewickelt, um ihre Augmentation zu vervollkommnen. Obwohl sie Angst vor ihm hat und ihm nicht traut, hält sie zu ihm. Da helfen auch nicht die Informationen, die sie von der Free Earth Aktivistin bekommt, dass Chetzkel ihren Ex-Freund Paul auf dem Gewissen hat. Nur kurz denkt sie daran, den Arkoniden an die Bewegung zu verraten, entschließt sich aber im entscheidenen Moment dagegen. Das war sehr glaubhaft umgesetzt, denn eine Person, die so weit geht, sich selbst zu verändern, wird nicht kurz vorm Ziel aufgeben.
Während die Autorin in dieser Hinsicht Wert auf Glaubwürdigkeit legt, funktioniert das am Beispiel der Free Earth Bewegung nicht so ganz. Das sich Free Earth nach so kurzer Zeit der Besatzung durch die Arkoniden schon an so vielen Orten der Welt organisiert und Widerständler rekrutiert hat, halte ich für umstritten. Auch der Aufbau einer Widerstandsorganisation braucht Zeit, denn nicht jeder Terraner scheint mit der Besatzung durch die Arkoniden ein Problem zu haben. Viele arbeiten ja freiwillig mit ihnen zusammen. Da braucht es schon ausgefeilte Methoden, um die Spreu vom Weizen zu trennen, wenn man nicht die falschen Leute rekrutieren will.
Im namengebenden Handlungsstrang des Romans geht es um den Fantan Set-Yandar, der auf der Jagd nach dem Besun seines Lebens ist. Es ist ihm so wichtig, dass er trotz arkonidischer Besatzung eine Rückkehr zur Erde wagt. Unter dem Vorwand die, beim letzten Besuch gestohlene, Golden Gate Bridge zurückzubringen, verschafft er seinem menschlichen Besun – dem Koreaner Bak Kien – Zeit, um das Besun aufzuspüren. An dieser Stelle kann ich Administrator Homer G. Adams nicht verstehen, wie er dem Fantan blind vertrauen kann. Er muss doch wissen, dass Set-Yandar etwas im Schilde führt, denn ein Fantan, der ein Besun zurückgibt, ist mehr als verdächtig. Hier ein großes Lob an die Autorin, der es gelingt die Fremdartigkeit der Fantan überzeugend mit allen Sinnen zu schildern. Auch der Charakter von Bak Kien ist ihr mehr als gelungen. Schön erzählt finde ich die Nebengeschichte um seinem Großvater und der Blick auf seine Freunde und das Leben, das er bis vor seiner Entführung durch die Fantan geführt hat.
Im dritten Handlungsstrang, der sich mit dem Zweiten am Ende überschneidet, geht es um Crest, Julian Tifflor und Mildred Orson. Set-Yandar ist hinter Crest’s Zellaktivator her. Und als Set-Yandar erkennen muss, das Crest nicht unsterblich ist, bricht für ihn eine Welt zusammen. Die Konfrontation ist sehr spannend und emotional geschildert und hat mir gut gefallen. Während ich mir jedoch nicht sicher bin, ob der Fantan wirklich so naiv ist, zu glauben, dass Crest ihm die richtigen Koordinaten jener Welt gibt, auf der er den Zellaktivator erhalten hat.
»Rückkehr der Fantan« ist ein spannender Roman, der wieder mal an der Zerrissenheit der NEO-Handlung leidet. Für mich beinhaltete diese NEO-Staffel zu viele parallele Handlungen, zu viele Geschichten, deren lose Fäden erst Bände später wieder aufgenommen werden. Das ist eine echte Herausforderung an den Leser. Was mir persönlich nicht gefallen hat, waren die Ortsdarstellungen, die meist wie Beschreibungen aus einem Reiseführer klangen. Sei es Südkorea, der Schauplatz am Kilimandscharo oder zum Schluss auf den Azoren. Da hatte ich oftmals das Gefühl, dass die Autorin ihre eigenen Reiseerlebnisse unterbringen wollte. Das ist gut gemeint, kommt mir an den Stellen (besonders bei den Azoren) durch zu viele Details zu aufgesetzt vor.
Der 8. September ist etwas Besonderes. In diesem Jahr ist er noch wichtiger als sonst.
Heute vor 50 Jahren startete mit »Das Letzte seiner Art« die erste STAR TREK Episode im amerikanischen TV. Keiner der Beteiligten konnte auch nur erahnen, welchen Weg die Serie gehen sollte und welche Spuren sie in der Kultur des zwanzigsten Jahrhunderts und darüberhinaus hinterlassen würde. 6 (bald 7) Serien, 13 Kinofilme und eine Unzahl an Romanen – STAR TREK ist Kult – heute mehr denn je.
Ich freue mich im Fandom einen kleinen Teil dazu beigetragen zu haben.
Live long and prosper und auf die nächsten Fünfzig!
Damit sind wir aber nicht am Ende, denn es gibt noch ein Jubiläum zu feiern.
Am 8. September 1961 startete nämlich die größten Science Fiction Serie der Welt – PERRY RHODAN. Ab morgen liegt Band 2874 in den Kiosken. Als ich 1990 mein ersten PERRY RHODAN Heft las, war die Serie bereits 29 Jahre alt. Ungeachtet vom Ölkrise, Fall der Mauer oder 9/11 erschien jede Woche ein Romanheft. Was für eine Leistung von Autoren und Redaktion. Der Umfang an geschriebenem Text macht die Serie auch zur größte fortlaufenden Heftromanserie der Welt. Andreas Eschbach hat es mal ausgerechnet; allein die Erstauflage hat einen Umfang von zirka 500 Harry Potter-Bänden. Mit allen Miniserien und der ATLAN-Serie ist es sicher noch viel mehr.
Die letzte Woche stand ganz im Zeichen des Newsletters der PERRY RHODAN FanZentrale e. V.
Nachdem ich in den vergangenen Wochen einiges an Material gesammelt hatte, ging’s ab Mittwoch ans Layout, während die Lektorin noch die Fehler in den Artikeln ausbügelte. Am Freitag konnte ich dann die letzten Texte einfügen und am Samstag kümmerte ich mich um den Feinschliff. Das war dieses Mal schweißtreibende Arbeit. Wer schon mal versucht hat, Tabellen in der Layoutansicht von Word 2011 genau zu positionieren, weiß wovon ich spreche. Das geht nur über gemeine Tricks. (Notiz an Affinity Serif: Ich brauche dringend ein professionelles Layoutprogramm. Macht hin!)
Der Inhalt der zehn Seiten ist wieder kunterbunt gemischt und beschäftigt sich unteranderem mit der Perrypedia, den neuen Publikationen aus dem Space Shop der PRFZ und des Terranischen Club EdeN. PR-Chefredakteur Klaus N. Frick hat exklusiv einen Artikel zu PERRY RHODAN NEO verfasst. Außerdem ist das aktuelle Programm des Austria Con »abgedruckt«.
Der Newsletter trägt übrigens die Nummer 15 und ist damit bereits der Zehnte, den ich für die PRFZ redaktionell und gestalterisch betreut habe. Ich finde ja, dass er nicht nur inhaltlich richtig gut gelungen ist und hoffe, dass die Leser viel Spaß haben, wenn sie ihn morgen in ihren Postfächern finden werden.
Für den Newsletter können sich alle Mitglieder der PRFZ hier anmelden.
PERRY RHODAN NEO Band 129 – »Im Tal der Zeit« von Oliver Plaschka
Das ist der zweite NEO-Roman von Oliver Plaschka den ich innerhalb kurzer Zeit gelesen habe. Das passierte rein zufällig, denn ich hatte von dem Autor zuvor noch nichts gelesen. Vielleicht deswegen ist mir etwas Bemerkenswertes an seinem Stil aufgefallen. Oliver Plaschkas Geschichten zeichnet eine besondere Harmonie aus. Sie wirken mit jedem Satz stimmig, und er vermag mittels phantastischer Beschreibungen lebhafte Bilder im Kopf des Lesers zu erzeugen. Aufgefallen war mir das bereits bei den Schlafbäumen in »Das Licht von Terrania«. In Band 129 sind es die Zeitfelder auf dem Planeten Parok, die mich faszinieren. Die Idee ist großartig visualisiert, auch wenn ich als Naturwissenschaftlerin lieber nicht so genau darüber nachdenken wollte. Wie soll man ein physikalisches Phänomen beschreiben, das gegen die uns bekannten Naturgesetze verstößt? Ich finde dennoch, es ist dem Autor ziemlich gut gelungen.
Vier Frauen, die auf Rachefeldzug gehen, machen den Handlungsstrang zu einem Novum. So viel geballte Frauenpower ist bei PERRY RHODAN selten und wenn sie dann noch so glaubhaft umgesetzt wird, kann man sich nur freuen. Auch bin ich froh, dass Thora, Thi Tuong Chi und Sue Mirafiore von der Imperatrice Theta nach der Explosion der MAYA gerettet wurden. Man hätte mit einem so frühen Tod von Thora einiges an Potential für die Serie verschenkt. Gerade in »Im Tal der Zeit« wird das besonders deutlich. Sie bietet Theta die Stirn und verteidigt die Loyalität ihrer Mitstreiterinnen. Das ihr Erzfeind Agaior Thoton am Ende durch einen Unbekannten vor der sicheren Hinrichtung gerettet wird, fand ich nicht nur für die Spannung in der Serie wichtig, sondern auch vom moralischen Standpunkt her einen gelungenen Schachzug.
Im zweiten Handlungsstrang steht Pete Roofpitter – der Tom Selleck von NEO – im Mittelpunkt. Er ist mit dem Leyden-Team und den Mutanten nach wie vor auf der Suche nach den beiden Mehandor-Frauen und den gestohlenen Plänen der Transformkanone. Auf dem Zirkusschiff eines Mehandor geraten er und seine Mitstreiter in kuriose und gefährliches Situationen. Auch hier zeigt der Autor sein Können. Die von ihm erdachte Zirkuswelt ist gleichermaßen vertraut aber auch fremd. Wer käme schon auf die Idee Dinosaurier in der Manege auftreten zu lassen oder Swoons als Clowns darzustellen? Ich bin mir sicher, dass der Tod der Empona-Schwestern nur gestellt ist, und sie uns in den kommenden Romanen wieder über den Weg laufen werden. Denn so einen platten sinnlosen Tod traue ich den Expokraten nicht zu.
Perry Rhodan selbst hat im Roman nur wenige kurze Auftritte, die dafür mit reichlich Gefühl geschildert werden. Vor allem die Szene am Ende, als er noch überlegt, wie er seinem Sohn den Tod der Mutter erklären soll und dann doch Thora in die Arme schließen kann, ist genau das, was ich lesen möchte. Ich bin mir aber durchaus bewusst, dass ich da unter den Perryfans eher zur Minderheit zähle.
Stilistisch war der Roman trotz einiger auktorialer Passagen gut bis sehr gut. Der Autor hat geschickt Informationen aus seinen Vorgängerromanen eingestreut und damit den Kreis geschlossen, was wiederum zu der von mir empfundenen Harmonie führt.
Fazit: »Im Tal der Zeit« ist eine schöne und vor allem lesenswerte Geschichte, die mir viel Spaß gemacht hat. Der Roman zählt für mich mit zu den besten der Staffel um »Arkons Ende«.
PERRY RHODAN NEO Band 85 – »Das Licht von Terrania« von Oliver Plaschka
Bei hochsommerlicher Hitze einen Roman zu lesen, der am 22. Dezember 2037 spielt und in großen Teilen von einer Weihnachtsfeier handelt, ist merkwürdig.
In »Das Licht von Terrania« erzählt Oliver Plaschka von Fürsorger Satrak, der den arkonidischen Besatzern vorsteht. Eigentlich sehnt sich der Waldbewohner nach dem Wald seiner Heimat Istrahir. Doch stattdessen kämpft er gegen ausständige Terraner und Widersacher in den eigenen Reihen. Ihm ist gelungen Perry Rhodan sowie Reginald (Bully) Bull und Thora gefangen zu nehmen und er versucht nun das Geheimnis des populären Terraners zu ergründen. Dazu nutzt er Bäume aus seiner Heimat, die Rhodans Erinnerungen und sein Wissen für den Fürsorger bergen sollen. Doch dabei rechnet Satrak weder mit Rhodans Enteron, noch mit dem terranischen Administrator Adams. Der möchte Rhodan sowie Bully und Thora befreien und inszeniert für die Besatzer eine üppige Weihnachtsfeier zur Ablenkung.
Oliver Plaschkas Roman liest sich leicht. Man erfährt weitere Hintergründe der Figur Satrak und lernt allerlei Weihnachtstraditionen kennen. Der Autor lässt den Leser anhand einer Ara-Medikerin erleben, wie die Menschen unter der arkonidischen Besatzung leiden. Das alles ist nett verpackt, reißt mich aber nicht mit.
Faszinierend umgesetzt, finde ich die Idee mit den Schlafbäumen, in die Satrak Rhodan und seine Freunde steckt. Das war originell, wurde aber in dem Moment zerstört, als das Enteron zusammen mit dem Stock die Steuerung übernahm und die Bäume anfingen zu wandern. Eine unglaubwürdige Lösung, die viel zu schnell und hektisch geschieht und an deren Ende eine Schlacht um die Befreiten beginnt. Rhodan und Bully können sich am Ufer des Goshunsees in ein fremdes »Raumschiff« flüchten, während Thora von zwei Unbekannten verschleppt wird.
Der emotional starke Beginn mit Satrak und seinem Wald, sowie dem sterbenden Mongolen und der Ara Leyle, deren Charakter erfreuliches Entwicklungspotential nach oben bietet, schwächt sich mit der voranschreitenden Handlung ab. Das Geschehen um die Weihnachtsfeier trägt indes schon Züge einer Karikatur und gipfelt schließlich in dem zweifelhaften Ende am See.
Band 85 ist Start einer neuer Staffel. Ein Aufdruck auf dem Cover fordert Leser auf einzusteigen. Doch ich bezweifle stark, dass Neuleser mit der Handlung mitkommen werden, denn der Roman ist nichts anderes als die Fortsetzung der vergangenen Bände.
Für eine nette Zwischenlektüre ist »Das Licht von Terrania« durchaus tauglich. Die Geschichte ist routiniert und sauber geschrieben mit einigen sehr guten Passagen aber einem konstruiert wirkendem Ende, das nicht befriedigt.
Das wären die Worte einer Nebenfigur meiner Fan-Edition, wenn sie sehen könnte, dass »Am Abgrund der Unsterblichkeit« in derselben Liste auftaucht wie die Romane von Andreas Eschbach, Andreas Brandhorst und Robert Corvus. Ich finde das ja ein bisschen unheimlich, auch wenn es meinem Ego schmeichelt. Auf der Seite des AustriaCon 2016 gibt es seit gestern Informationen zu den Con-Goodies und eine Liste von Publikationen der teilnehmenden Ehrengäste. Da steht mein Name zusammen mit richtigen Autoren und ihren Werken, das ist schon irgendwie cool bzw. kruun, wie man im Jahr 5101 sagen würde.
Nochmal zur Info: der AustriaCon 2016 findet vom 30.9. bis zum 2.10. in Wien statt. Der Eintritt ist frei. Und die ersten 250 Besucher bekommen ein prallgefülltes Con-Package.
PERRY RHODAN NEO Band 128 – »Der Verräter« von Kai Hirdt
Ich gebe ja zu: der Roman war spannend. Aber … Da wurde der Spannung mal wieder die Logik geopfert. Kai Hirdt kann sehr gut Charaktere entwickeln und die Figuren miteinander interagieren lassen. Nur seine Actionszenarios sind … ich wage es gar nicht auszusprechen, reichlich an den Haaren herbeigezogen. Ich erinnere mich noch an den Ritt auf den Posbis bei fünf Prozent Lichtgeschwindigkeit. Etwas ähnliches macht er auch in »Der Verräter«. Hier steigen Perry Rhodan und sieben Begleiter aus der auf halbe Lichtgeschwindigkeit beschleunigenden VENTURE in eine Leka-Disk um, während sie sowohl von der Disk als auch von der arkonidischen Flotte beschossen werden. Bei der Umstiegsszene konnte ich nur tief einatmen und stumm mit dem Kopf schütteln. Da hat a das Timing nicht gestimmt, und b ist es unmöglich, weil beide Schiffe beschleunigen und sogar Ausweichmanöver fliegen. Vom Beschuss durch die Arkoniden mal ganz abgesehen. Sorry, das ist völliger Blödsinn. Es würde funktionieren, wenn beide Schiffe in exakt der gleichen Geschwindigkeit unterwegs wären. Denn die Aussteigenden behalten ja die relative Geschwindigkeit des Schiffs. (Siehe STAR TREK – Into Darkness) Aber sobald eines der Schiffe beschleunigt (und wir reden hier von massiver Beschleunigung) verlieren sie sich im All. Da helfen auch keine Anzüge mit Schubdüsen. Nein! Das war definitiv nix.
Die darauf folgende Szene macht es nicht besser. In der Leka-Disk angekommen, werden sie von Atlan in Empfang genommen, der ihnen Perücken aufsetzt, um sie zu Arkoniden zu machen. Während die Disk die VENTURE beschießt und draußen das Gefecht weitergeht. Zu guter Letzt lassen sie sich in der Disk auch noch abschießen, in der Hoffnung die arkonidische Flotte würde sie bergen. Was viel länger dauert, als sich das unsere Helden ausgemalt haben. Eine Flotte mit 45 000 Schiffen! Diese Gigantomanie aus der EA ist mir schon mehrmals sauer aufgestoßen. Geht’s nicht eine Spur kleiner? (By the way, was ist eigentlich aus der VENTURE geworden?)
Und als sei das nicht schon fragwürdig genug, erfährt der Leser, dass nicht Agaior Thoton die arkonidische Flotte in Snarf-System reaktiviert und zur Zufluchtsstätte der Arkoniden gebracht hat, sondern Crest. Dabei hat er die verbliebene Flotte der Imperatrice vernichtet, sie vom Thron gestoßen und herrscht jetzt mit brutaler Gewalt als neuer Imperator Zoltral XIII. Ob es an seinen Posbi-Implantaten liegt, oder an seiner Behandlung durch Agaior Thoton, wird verschwiegen. Aber auch so, erscheint die Information nicht nur Perry Rhodan etwas unglaubwürdig. Auch die Stimmung, die nach dem Umsturz unter den Arkoniden herrscht, finde ich reichlich umstritten. Da gibt es kaum einen der sich dagegen wehrt? Obwohl, die beschriebenen Zustände erinnern an die aktuelle Lage in der Türkei. Mhm, ein Bezug, der … mich ein wenig überfordert. Ich stufe es als überraschenden Plotpoint ein, um die Spannung im Zyklus aufrecht zu erhalten, ganz zufrieden bin ich mit der Lösung aber nicht.
Da wende ich mich lieber der Handlung auf der Erde zu. Die ist weitaus stimmiger. Im Fokus stehen Polizist Pete Roofpitter, der die beiden Mehandorfrauen und die Daten der Transformkanone jagt; Julian Tifflor der feststellen muss, das Genies wie Eric Leyden die eine oder andere Macke haben und Sonderermittler Ovald Figgs, der für den Administrator nach Tifflor fandet. Das alles kombiniert mit Interimsprotektor Bull, jeder Menge Mutanten und natürlich Leydens Team erzählt die Geschichte abwechslungsreich und unterhaltsam. Der Showdown in der Hotelsuite macht den verkorksten Anfang des Romans so gut wie wett. Das war spannend, witzig und dennoch glaubhaft und hat mir ausgesprochen gut gefallen. Das war Kai Hirdt wie ich ihn gern lese. Davon wünschte ich mir mehr.
Der eigentliche Schocker des Romans kommt ganz zum Schluß. Wiedererwarten können sich Atlan und die Gruppe um Perry Rhodan nach Aarakh Ranton durchschlagen, sich von ihren Wächtern befreien und dank Tani Hanafe auch entkommen. Sie dringen in den Regierungsbezirk ein und befreien Thora, die von Crest gefangenen gehalten wird. Sie erreichen die CREST und die MAYA in dem unterirdischen Hangar, wo sie entdeckt werden und es zu einem Scharmützel kommt. Thora ergreift die Initiative und droht Crest den Regierungspalast mit einer Bombe zu sprengen, die Atlan in Thoras Gemächern zurückgelassen hat. Der alte Arkonide scheint ihr zu glauben, lässt die beiden Schiffe starten und schickt ihnen erst reichlich spät die arkonidische Flotte auf den Hals. Perry Rhodan ist wütend auf den Alleingang seiner Frau, die sich mit Sue Mirafiore, Thi Tuong Chi auf der MAYA befindet. Vier Sekunden vor der rettenden Transition wird die MAYA von der Flotte vernichtet.
Ich bin mir nicht sicher, ob das nur ein genialer Cliffhanger ist, oder ob die Expokraten die schwangere Thora tatsächlich haben sterben lassen. Erster Kommentar meines Mannes: »Wenn die Thora wirklich umgebracht haben, lese ich nie wieder einen NEO-Roman.«
Mein Fazit fällt gemischt aus. Die großartig inszenierte Handlung auf Terra versöhnt mich gegenüber der reichlich fragwürdigen Geschichte um die Arkoniden. Dann noch Thoras »Tod« mit dem ich mich genauso wenig anfreunden kann, wie mit der Tatsache das Crest jetzt der Böse sein soll. Das kam meiner Meinung nach zu plötzlich, als das es glaubhaft gewesen wäre. Es gab nicht mal den Versuch einer Erklärung. Selbst Thora schien sich nicht all zu viel Gedanken, über das brutale Vorgehen ihres Ziehvaters gemacht zu haben. Was die Szene im Hangar, als sie an ihn appelliert, um so seltsamer erscheinen lässt. Das Highlight war jedoch Thoras Angriff auf Atlan. Das Bild, wie sie auf dem am Boden liegenden Arkoniden kniet, allein deswegen, wäre es schade, wenn man sie ernsthaft aus der Handlung herausgeschrieben hätte.
Das die Person auf dem Titelbild Bully sein soll, habe ich erst nach dem Lesen des Romans begriffen.
Nachdem es jetzt bereits auf der Homepage der PRFZ angekündigt wird, darf ich endlich auch verkünden, woran ich in den vergangenen sechs Monaten gearbeitet habe. Hier der Text aus dem Intro:
Mai 1514 NGZ. In der Milchstraße brodelt es.Während im Sol-System der mysteriöse Techno-Mond die Terraner verängstigt, versucht Polyport-Präfekt Perry Rhodan den Konflikt zwischen Northside-Tefrodern und Jülziish um den Polyport-Hof ITHAFOR-5 zu entschärfen. Ausgerechnet zu diesem Zeitpunkt verübt ein Unbekannter einen Giftanschlag auf einen engen Freund Perry Rhodans. Sofort mischt sich der Unsterbliche in die Ermittlungen ein – sehr zum Leidwesen der verantwortlichen TLD-Agentin Fiona Foniqi.Trotz der gegenseitigen Animositäten jagen sie gemeinsam den Attentäter, der ihnen immer einen Schritt voraus scheint. Als sich der Zustand des Freundes verschlechtert und ihm nur noch wenige Tage zum Leben bleiben, treffen Rhodan und Foniqi eine folgenschwere Entscheidung. Es beginnt ein Wettlauf mit der Zeit …
Die Fan-Edition 18 ist mein zweiter Roman im Perryversum. Das ich gerade einen Thriller/Krimi geschrieben habe, habe ich Roman Schleifer zu verdanken, der mich auf die Tatsache in meinem Exposé aufmerksam gemacht hat. Nachdem der Zeitrahmen durch den Wettbewerb festgelegt war, musste ich nicht lange überlegen. Ich wollte eine Vorgeschichte zu Andreas Eschbachs »Der Techno-Mond« schreiben. Der Roman war damals mein Wiedereinstieg in die PERRY RHODAN-Erstauflage. Mir gefiel, wie der Autor Perry Rhodans Privatleben schilderte. Auch ich wollte den Polyport-Präfekten von seiner menschlichen Seite zeigen, vor allem die Verantwortung, die auf ihm lastet. »Am Abgrund der Unsterblichkeit« bedeutet: jede Entscheidung, die ein Unsterblicher wie Perry Rhodan trifft, führt ihn an den Abgrund. Ein Schritt in die falsche Richtung und er gefährdet das Leben von Menschen.
Macht euch bereit auf eine spannende Geschichte mit viel Action, die mir so einige schlaflose Nächte bereitet hat. Und natürlich will ich niemandem das sensationelle Cover vorenthalten, das Hans-Jochen Badura zur Fan-Edition 18 beigesteuert hat.
Ich werde das Buch zusammen mit meinem Schreibcoach Roman Schleifer zum Austria Con 2016 in Wien Ende September präsentieren. Ab dann wird die Fan-Edition im SpaceShop der PRFZ erhältlich sein.
PERRY RHODAN NEO Band 127 – »Jagd im Sternenmeer« von Rainer Schorm
Ich erspare mir an dieser Stelle den Inhalt des Romans wiederzugeben, weil die Handlungsebenen zu zahlreich und äußerst komplex sind.
Die Geschichte liest sich spannend, wenn auch aus einer gewissen Distanziertheit heraus, die ich schon häufiger in Rainer Schorms NEO-Romanen wahrgenommen habe. Die Figuren agieren wie gewohnt, aber es stellt sich bei mir nicht der emotionale Bezug zu ihnen ein. Stattdessen kämpfe ich stellenweise mit den allzu häufigen Passagen über technische oder wissenschaftliche Vorgänge, die der Autor ohne Zweifel beherrscht, mich aber stets fordern. Nicht, dass ich sie nicht verstünde, nur bremsen sie meinen Lesefluss.
Damit habe ich auch schon alles Negative zusammengefasst und kann nun auf die positiven Aspekte des Romans eingehen. Jeder Handlungsstrang hat seine Stärken, ob es Perry Rhodans verzweifelte Suche nach seiner Frau, Eric Leydens Kampf mit der terranischen Bürokratie oder Bullys Ermittlungen im Fall der Mehandorfrauen ist. Die Geschichten sind allesamt bodenständig und glaubhaft. Vieles hat einen allzu aktuellen Bezug, der mich manchmal frösteln lässt. Im Falle des Interimsadministrators beschleicht mich immer mehr das Gefühl, dass sich da etwas sehr Böses zusammenbraut. Aber auch bei der Suche nach Thora und Crest oder der Jagd nach den Plänen der Transformkanone müssen Perry Rhodan und seine Mitstreiter einen Fehlschlag nach dem anderen verbuchen. Wie in der Realität wenden sich die Dinge immer mehr zum Schlechten. Und gerade das macht es dem Leser leicht, sich hineinzufühlen, zu verstehen und zu folgen. Überaus positiv bewerte ich die Darstellung der Koreanischen Behörden. Zeigt es doch, dass auch die Einheit der Terranischen Union noch auf jungen und wackeligen Füßen steht. Ich bin höchst dankbar für so viel Glaubhaftigkeit.
Anmerken sollte ich noch, dass ich ein wenig vom Handlungsstrang mit Sue Miraflores und Thi Tuong Nhi enttäuscht war. Da scheint den Exprokraten die Luft ausgegangen zu sein oder sie wollten es als zusätzliches Konfliktpotential einbauen, was meiner Meinung nach, aber gehörig in die Hose ging. So wie sich der Konflikt aufgelöst hat, wirkte es zu konstruiert. Da hätte ich mir eine längere und vor allem eine ausgefeilter Handlung erwartet, als einen Besuch im Puff (der durch den Mooff im übrigens sehr amüsant war).
Ein bisschen zu pathetisch fand ich auch die Konferenz auf der CREST ziemlich zu Beginn des Romans, als es um die Maahks und ihre Erschaffer ging. Da sollte wohl Verständnis geschürt werden für Atlans Wut auf die Methans und Perry Rhodans friedvollere Neigung. Das gefiel mir nicht so gut, weil es auf mich ein wenig aufgesetzt wirkte.
Mein Fazit: »Jagd im Sternenmeer« ist trotz vieler Handlungsstränge ein sehr spannender Roman, der in mir böse Vorahnungen weckt. Meine Hoffnung auf eine positive NEO-Zukunft schwindet. Ich glaube, da stehen uns Lesern schwere Zeiten bevor.