Mutantenzirkus

Quelle: Perrypedia

PERRY RHODAN NEO Band 158 – »Halle der Baphometen« von Arno Endler

Das war nichts! Der Roman lässt mich höchst unbefriedigt zurück und ich kann nicht einmal sagen, woran es genau liegt. An dem »Mutantenzirkus« auf Siren oder an der Tatsache, dass ich die Geschichte des Moduls Baar Lun fast eins zu eins aus der Erstauflage noch einmal zu hören bekam.

Dabei hat der Handlungsstrang um den Modul auch seine schönen Momente. Man spürt die Einsamkeit mit der Baar Lun kämpft und leidet mit ihm, als er erfährt, dass er der Letzte seiner Art ist. Wobei ich mich frage, wieso ihm der Meister das überhaupt mitgeteilt hat. Das war ein taktischer Fehler, der einem Meister der Insel nicht unterlaufen sollte. Zumindest nicht wenn man bedenkt, wie sie in den vergangenen Romanen dargestellt wurden, kalt und berechnend. Sie haben ja keinerlei persönliches Interesse an ihren Hilfsvölkern, außer dass diese ihnen zu Diensten sein müssen. Zurück zu Baar Lun … auch wenn der Charakter einfühlsam beschrieben wurde, ich wollte bei NEO keine Nacherzählung der EA, sondern eine Neuinterpretation, dazu fehlte hier aber das Alleinstellungsmerkmal.

Das Zusammentreffen Perry Rhodans mit dem Modul war zumindest interessant erzählt. Auch das Gleam ein Planet voller Pilze und Sporen ist, war gut beschrieben wenn auch nicht wahnsinnig originell. Was mich dabei massiv gestört hat, war die Darstellung von Eric Leyden. Die Figur war sowas von »out of character«, dann hätte der Autor lieber auf den guten Doktor verzichten sollen. Was er zwischenzeitlich wohl selbst eingesehen hat, als er Leyden zurück zum Schiff schickte.

Richtig schlimm fand ich aber den Einsatz der Mutanten auf Siren. Das war stellenweise so abgehoben, dass ich nur noch verständnislos den Kopf darüber schütteln konnte. Sue Miraflores nutzt ihre Heilkräfte, um Joshua Moncadas ein Loch in den Kopf zu bohren, um den Druck der geplatzten Arterien vom Gehirn zu nehmen! Ernsthaft? Mann, Mann, Mann … schon in Star Trek IV sagte Dr. McCoy: »Löcher in seinen Kopf zu bohren bringt gar nichts. Die Arterie muss geflickt werden.« Tut mir leid, aber ich glaube nicht, dass Sues Parakräfte so funktionieren, da wäre sie ja zusätzlich Telekinetin.

Aber das war nicht das Hauptproblem der Mutantentruppe um John Marshall. Sie agierten von Beginn an unüberlegt, zuweilen sogar kopflos. Zu behaupten, es läge nur an der Strahlung in dem dreifachen Magnetar-System, die ihre Parakräfte überlädt, war mir eine zu billige Erklärung. Aus welchem Grund kommt John Marshall eigentlich auf die Idee einen Baphometen zu befreien? Es hat sicher einen Grund, warum sie von einem Kraftfeld umschlossen sind. Warum also tut er es? Aus Forschungszwecken? Dazu bestand keine Notwendigkeit. Nein, das hätte man auch anders lösen können oder einfach Marshalls Intensionen besser darlegen müssen.

Überhaupt, die ganze Sache mit den Baphometen hatte in meinen Augen einen riesigen Haken. Ich habe mich nämlich den ganzen Roman über gefragt, was diese Baphometen eigentlich sind. Sie tauchten in den vergangenen NEOs immer mal wieder auf, aber so eine richtige Erklärung, warum, wieso und weshalb, habe ich nicht bekommen. Dazu hätte Arno Endler zu Beginn des Romans die Chance gehabt, hat sie aber nicht genutzt. Ich bekam das Gefühl, dass der Autor mehr Informationen besitzt, als er dem Leser preisgeben möchte/darf und das empfand ich als zutiefst störend. Da fühlt man sich irgendwie nicht ernstgenommen. Auch warum sich der Baphomet letztendlich gegen seinen Meister wendet und ihn tötet, hat sich mir nicht erschlossen. Der Tod des MdI hat in dieser Form nicht die Bedeutung, die er haben sollte. Dann wäre es mir fast lieber gewesen, die Terraner selbst hätten den Meister erledigt.

Das Bewusstsein von Sid wechselt also zu Sue und die wird von dem Situativ durch den Situationstransmitter geschickt, den kein Mensch überleben kann. Ich ahne, welchen Grund die Amme des Situativs hat. Sue soll mit ihren Fähigkeiten den Modul ersetzen. Das die Amme das Risiko eingeht, die Terranerin durch den Transmitter zu schicken, kann nur bedeuten, dass ein Transmitterdurchgang unter Umständen nicht so tödlich ist, wie alle denken. Zumindest konnte mich der Autor nicht vom Tod der Mutantin überzeugen.

Nach acht Romanen kann man sagen, die aktuelle Handlungsstaffel dient dazu, den Feind vorzustellen und zu zeigen wie skrupellos er handelt. Wohl um die Taten eines Perry Rhodan moralischer aussehen zu lassen, als sie tatsächlich sind. Denn der Terraner hat sich mit seinem Verhalten bisher nicht mit Ruhm bekleckert. Immer wieder wurde er in Situationen gebracht, die seine moralische Gesinnung auf eine harte Probe gestellt haben und in denen er gezwungen war, seine Moral zu opfern. Das ist aus meiner Sicht oftmals zu hart und zu übertrieben. Wo bitte bleibt da die gepriesene Menschlichkeit, die die Perry Rhodan Serie auszeichnet?

Arno Endler liefert mit »Halle der Baphometen« einen stilistisch soliden Roman ab, der aber nur zur Hälfte zu überzeugen weiß. Besonders bei der Darstellung der Mutanten verliert sich der Autor in irrwitzigen Beschreibungen, die jeder Bodenhaftung entbehren und nur schwer nachvollziehbar sind. Einzig der Handlungsstrang um Baar Lun lässt ein bisschen Andromeda-Feeling aufkommen, klebt aber zu sehr an der Vorlage aus der EA. In meinem Augen ist Band 158 der bisher schwächste Roman der Staffel »Die zweite Insel«.

BuCon Erlebnisse 2017

MADDRAX-Autor Ben Calvin Hary zusammen mit der Blogautorin

Der Cappuccino verströmt einen verführerischen Duft. Draußen vor den Fenstern des Terminals wuseln die Fahrzeuge emsig um die großen Maschinen, bringen Gepäck, liefern Essen oder fahren Fluggäste an die Außenpositionen. Gerade dreht sich eine Boeing fast auf der Stelle, bevor sie an ihrer Parkposition zum stehen kommt. Es wirkt wie in einem Bienenstock: Immen, die sich um die Königin kümmern. Nur das es hier viele Königinnen gibt.

Ich sitze am Gate und warte auf den Abflug. Der BuCon ist Geschichte. Ein aufregender Tag liegt hinter mir. Inzwischen hat sich auch mein Puls wieder normalisiert. Heute Vormittag kam ich mir oftmals wie ein Kolibri vor …

***

Nach meiner Ankunft und den ersten Kontakten mit Freunden und Bekannten besuchte ich Madeleine Puljic, die aus ihrem preisgekrönten Roman »Noras Welten« las. Sicher ein Buch, dass ich auch bald lesen werde, obwohl ich Fantasy eigentlich nicht mag. Aber der kleine Drache in ihrem Roman hat mir beim Zuhören viel Spaß bereitet.

Danach spazierte ich erst einmal durch die Händlerreihen, bewunderte aufwendig gestaltete Buchcover und nahm mir ganz fest vor, nichts zu kaufen. Obwohl ich mich von manchem Titel angesprochen fühlte. »Der Tag der toten Katze« machte mich zum Beispiel neugierig. Ich nehme an dieser Stelle vorweg: Ich blieb eisern und kaufte bis zum Abend kein einziges Buch. Dafür schleppte ich den ganzen Tag die prallgefüllte Contüte durch die Gegend.

Zwischendurch hielt ich immer mal wieder Ausschau nach einem bekannten Gesicht, aber es waren an diesem Vormittag nicht so viele, wie erwartet. Einige steckten wohl noch im Verkehr um Frankfurt fest.

Die Mittagspause verbrachte ich in der Sonne im angrenzenden Park und genoss ein wenig die herbstliche Stimmung und vor allem die Stille. Bei dem Geräuschpegel, der im Bürgerhaus herrschte, brauchte ich einige ruhige Minuten. Ich werde eben auch nicht jünger.

Tommy Krappweis – den Namen kannte ich bisher nur aus dem Blog von Sandra. Persönlich habe ich den Comedian, Filmemacher, Erfinder von »Bernd das Brot« und Autor noch nie gesehen. Ich war gespannt und wurde in beiden Vorträgen von ihm blendend unterhalten. Schlagfertig und witzig erklärte er wie Komik funktioniert und wie man sie in Romanen richtig einsetzt. Zusammen mit Prof. Rudolf Simek, einem Fachmann für Nordische Mythologie, erzählte er im zweiten Vortrag von ihrer Zusammenarbeit bei dem Roman- und Filmprojekt »Mara und der Feuerbringer«. Es war lehrreich und unterhaltsam, aber nach zwei Stunden wurde der Sauerstoffvorrat im Saal arg knapp und so wankte ich leicht benommen die Treppe hinauf ins Freie, um wieder einigermaßen atmen zu können.

Es war inzwischen 15 Uhr und es herrschte viel Andrang im Bürgerhaus. Jetzt traf ich auch auf die Freunde und Bekannten, die ich bisher vermisst hatte, und wegen denen ich eigentlich gekommen war. Wir plauderten, tauschten Neuigkeiten aus und redeten über aktuelle Romanprojekte. Besonders gefreut hat mich das Gespräch mit Oliver Plaschka, der sich viel Zeit nahm. Im vergangenen Jahr hatte ich nur die Gelegenheit ihn kurz zu begrüßen, bevor er zu seiner Lesung gerufen wurde. Dieses Mal nutzten wir die Zeit, um über die aktuelle Entwicklung bei PERRY RHODAN NEO und den Umgang der Exposé-Autoren mit astronomischen Phänomenen zu reden.

Wenn man redet, vergeht die Zeit wie im Flug und so war es gegen 18 Uhr, als ich mich zu meinem letzten Programmpunkt an diesem Tag aufmachte – die Lesung von Klaus N. Frick, aus seinem Fantasyroman »Das blutende Land«. Souverän wie immer las der PERRY RHODAN-Redakteur vor »vollem Haus« und hatte sichtlich Spaß daran, seine Geschichte zu präsentieren. Ich begrüße den Ansatz, die Fantasy ein wenig aus der Ecke der Heile-Welt-Romantik herauszuholen. In mehr oder weniger drastischer Weise schildert er in seinem Buch das Schicksal normaler Menschen, die die Kriege für die Helden ausfechten müssen. Und ich freute mich mit ihm, dass er während der Lesung das Grundthema seines Romans – sozialer Aufstieg – entdeckt hat.

Geniale Zusammenfassung des BuCon

Das abschließende Perry-Panel musste ich leider ausfallen lassen, weil ich befürchtete meinen Flieger zu verpassen. Rückblickend, hätte ich es wahrscheinlich sogar trotz Panel geschafft. Aber man soll sein Glück bekanntlich nicht herausfordern.

***

… zurück zum Flughafen. Das Ballett der Versorgungsfahrzeuge vor dem Terminal folgt einer unsichtbaren Choreografie. Ich bewundere die Logistik, die dahinter steckt und die alles anscheinend reibungslos funktionieren lässt. Wie ein staunendes Kind klebe ich mit aufgerissenen Augen an den Scheiben des Busses, der die anderen Passagiere und mich zum anderen Ende des Flugfelds bringt. Die vielen Flugzeuge, die am Fenster vorbeiziehen, ragen wie riesige Vögel neben dem Bus empor. Ich bin immer noch nachhaltig beeindruckt, als mich die Trägheit beim Start in die Sitze presst und sich das Flugzeug in den nächtlichen Himmel über Frankfurt erhebt.

Mit dem Flieger zum Con

Eine leider verwackelte Aufnahme vom Einsteigen in Salzburg.

Kurz vor acht. Über dem Rollfeld geht gerade die Sonne auf. Ihre Strahlen schälen die Konturen der Flughafengebäude aus dem Dunst. Eine Maschine sinkt dröhnend auf die Rollbahn. Reifen quietschen, als sie aufsetzt. Die Luft riecht nach einer Mischung aus Kerosinabgasen und Herbst.

Ich steige die Gangway hinunter und folge den Menschen vor mir zum Bus. Der schlängelt sich quer über den Flughafen zwischen den parkenden Flugzeugen hindurch zum Gate. Der Weg von da bis zum Ausgang zieht sich genauso lang. Ich muss an die Worte aus Edmund Stoibers legendärer Rede zum Transrapid denken: »…, dass zehn Minuten … Sie jederzeit locker in Frankfurt brauchen, um ihr Gate zu finden.« Ich glaube, man braucht fast noch länger. Aber gut, ich habe Zeit, zumindest heute morgen. Am Abend könnte es etwas eng werden, denn auf der Bordkarte, die ich aus dem Automaten ziehe, steht 20:45 Uhr als Uhrzeit für’s »Bording«.

Für mich als passionierte Bahnfahrerin fühlt sich das alles komisch an. Vor allem weil der Flug nur wenig länger gedauert hat, als der Weg von der Landebahn bis zum Gate. Gerade mal vierzig Minuten für eine Strecke, für die ich mit dem Zug mindestens fünf Stunden gebraucht hätte. Das ist schnell – wenn da nicht die schlechte Umweltbilanz wäre. Na gut, ich mache das ja nicht so oft und für PERRY RHODAN darf man das schon mal, denn ich bin auf dem Weg zum BuCon.

Jetzt noch in Ruhe frühstücken und dann ein Taxi suchen, dass mich nach Dreieich ins Bürgerhaus bringt. Der Bus wäre billiger, weil ich aber für heute Abend wissen will, wie lange man mit dem Auto bis zum Flughafen braucht, entscheide ich mich dagegen.

Ich bin mehr als aufgeregt und ziemlich gespannt, als ich vor dem Bürgerhaus aus dem Taxi steige. Was wird mich erwarten? …

Der Gucky und der Moby

Quelle: Perrypedia

PERRY RHODAN NEO Band 157 – »Requiem« von Kai Hirdt

Die Mobys sind zurück! Vor gut zwei Jahren quälte ich mich durch den Silberband 25 und schrieb anschließend darüber, wie schwer ich mich mit der Geschichte getan habe. Damals ging es um die Mobys der Erstauflage, um die Twonoser und wie Perry Rhodan und seine Leute einen Aufstand anzettelten. Die Handlung war lang und zäh und ich war am Ende heilfroh, wie sie zu Ende war.

Kai Hirdt hatte das Vergnügen oder die Pflicht den Mobys im Neoversum Leben einzuhauchen. Auch hier war ich froh, als ich den Roman zu Ende gelesen hatte. Dabei war er weder zäh noch langweilig, im Gegenteil. Kai Hirdt gelingt es wie immer die Leser über das Agieren seiner Figuren in den Bann zu ziehen. Doch im Gegensatz zur Erstauflage, baut der Autor eine Brücke zwischen Leser und Figuren, welche die Brutalität der Meister der Insel noch erschreckender wirken lässt, als es die Geschichte aus den Sechzigern vermochte.

Eine der Hauptfiguren ist Poohik, ein Erstrüssel. Das klingt zunächst nach einem niedlichen und witzigen Kerlchen. Leider ist der Twonoser so durchtrieben und bösartig, dass jeder Versuch in lustig zu finden, spätestens nach wenigen Seiten endet. Er ist ein Ausbeuter, ein Sklaventreiber bestialischen Ausmaßes, dem es nur um das eigene Vorankommen geht. Wie in der EA sind auch in diesem Moby die Twonoser in Kasten aufgeteilt. Während die Rotrüssel die Anführer sind, die sich von ihren Sicherheitsleuten den Blaurüsseln beschützen lassen, sind die Weißrüssel willenlose Arbeiter, die bis in den Tod ausgebeutet werden. Sie sind es auch, welche die Metalle dem Moby bei lebendigem Leib aus dem Fleisch schneiden müssen.

Als die MAGELLAN ins System springt, muss sie zwei Geheimnisse lösen. Was ist mit der Spacejet passiert, die durch den Situationstransmitter hierher transmittiert wurde? Und was hat es mit den Planetengroßen steinernen Geschöpfen auf sich, von denen die Container mit seltenen Rohstoffen stammen? Beide Fragen werden im Laufe des Romans beantwortet, ausführlicher als man sich das stellenweise wünscht. Die Mobys und die Twonoser sind genmanipulierte Geschöpfe. Einzig zu dem Zweck geschaffen den MdI zu dienen. Und die Situationstransmitter sind nicht für den Transport von Lebensformen geeignet, außer den MdI selbst.

Kai Hirdt liefert eine spannende Geschichte mit vielen Wendepunkten. Beinahe atemlos hetzt er den Leser zusammen mit Perry Rhodan von einer Bedrohung zur nächsten. Ohne dabei die moralische Keule allzu heftig zu schwingen. Er folgt einer simplen Logik, die wenig Interpretationsspielraum lässt, und gerade deshalb so ergriffen macht. Besonders seine Charakterisierung von Gucky ist, meiner Meinung nach, sehr gelungen.

Der Autor schrieb über diesen Roman: »… sind wohl die härtesten Sätze, die ich bisher für PERRY RHODAN verfasst habe.« Man kann nachfühlen, wie schwer es ihm gefallen sein muss. Andererseits ist gerade diese direkte Darstellung von Brutalität nicht zwangsläufig der beste Weg. So löste ich mich schon relativ frühzeitig von den Figuren und ließ mich nur bedingt auf die Geschichte ein. Allein wegen der notwendigen Distanz, die man als moralisch denkender Mensch braucht. Distanz, um die Bilder zu verarbeiten, die einem der Autor ins Gehirn malt. Leider geht so die Anteilnahme verloren, die Kai Hirdt eigentlich im Leser wecken möchte. Es ist wie mit Remarques »Im Westen nichts Neues« dessen deutliche Beschreibungen vom Schrecken des Krieges mich nicht so berührten wie Heinrich Böll mit »Wo warst du Adam«.

»Requiem« unterhält durch einen durchdachten Plot und einem geschlossenen Spannungsbogen, fordert den Leser aber auch sehr, durch die offene Brutalität. Empfehlenswert nur für die ganz Harten unter den Perrylesern.

Welt im Schmiedefeuer

Quelle: Perrypedia

PERRY RHODAN NEO Band 156 – »Die Schmiede des Meisters« von Oliver Plaschka

Das ich ein Fan des Autors bin, habe ich schon mehrfach erwähnt, um so mehr freut es mich, dass er zur aktuellen Staffel einen Roman beisteuern durfte. Meine Erwartungen wurden nicht enttäuscht, denn dem »Meister der Harmonie« gelingt es wiedermal eine rundum gelungenen Geschichte zu erzählen. Die Abläufe passen perfekt ineinander, der Plot ist nicht überladen und auch die Charaktere sind überzeugend. Und da sich die Geschichte um die Meister der Insel in Andromeda auch über die nächsten Staffeln hinziehen wird, ist es nicht weiter schlimm, wenn dieser Roman so gut wie keinen Handlungsfortschritt innerhalb des Staffelkorsetts bietet.

Analog zu Band 154 von Susan Schwartz erzählt Oliver Plaschka ebenfalls die Geschichte aus den Augen einer jungen Frau, die auf einem Planeten der Thetiser lebt. Anders als seine Autorenkollegin widmet sich der Autor dabei keinen ungewöhnlichen Umweltbedingungen, sondern den gesellschaftlichen Umständen auf einer Industriewelt. Die Welt Soom im Kur’shsystem ist eine Diktatur der Arbeit. Arbeit ist das höchste Gut der hier lebenden Thetiser. Sie produzieren ohne nachzudenken, gehen in ihrer Arbeitet auf und opfern ihr ganzes Leben um Meister Molat zu dienen. Eine planetenweite Überwachung, mediale Beeinflussung und bedingungslose Treue zum System begleiten die Bewohner des Systems von der Geburt bis zum Tod. Ein System aus Klassen teilt die Thetiser in Sektionale und Sektorale in Arbeiter und Intelligenz. Beherrscht werden sie von einem Kreis aus Transsektionalen, die dem Meister unterstellt sind und in seinem Sinne regieren sollen. Dass dem nicht immer so ist und dass die Meister der Insel noch viel verschlagener sind, bildet die Grundaussage dieses Gesellschaftsromans. Denn eine Gruppe junger Menschen, die sich L’Urka nennt, verweigert sich dem System und zettelt eine Revolution an. Als die Rädelsführerin öffentlich hingerichtet werden soll, kommt es zu einer überraschenden Intervention durch Meister Molat höchstpersönlich.

Perry Rhodan und Co sind nur Beobachter in diesem »Spiel«, eigentlich sind sie nur Bittsteller ohne die Möglichkeit zu intervenieren. Denn Leibnitz hat mit einer Transsektionalen vereinbart, dass die MAGELLAN im Austausch gegen Posbitechnologie die dringend benötigten Ersatzteile bekommt. So sind Perry Rhodan die Hände gebunden, als die wie Punks auftretenden L’Urka ihn um Hilfe bitten. Der Perry Rhodan der EA hätte nicht lange gefackelt und sich auf die Seite der Aufständigen geschlagen, der NEO-Perry, der bereits miterleben musste, wie sein Eingriff in die Belange einer fremden Spezies zur Katastrophe führte, hält sich auffällig zurück. Selbst als die Mitglieder seines Teams, Luan Perparim und Abha Prajapati, an sein Mitgefühl appellieren, bleibt er hart. Rhodan steht zwischen den Stühlen und zum ersten Mal entscheidet er sich bewusst für seine eigenen Leute. Die Darstellung des moralischen Dilemmas ist Oliver Plaschka, wie ich finde, ausgesprochen gut gelungen. Da schimmerte stellenweise so ein bisschen Star Trek hervor. Das ist intelligent und unterhaltsam erzählt.

Das Schicksal der L’Urka, vor allem das der Protagonistin Gor-Amash und ihrer Freundin der Rädelsführerin La-Roulon, berührt. Nicht nur weil ihre Rebellion von vornherein zum Scheitern verurteilt ist, es ist vor allem das Zwischenmenschliche, was mich berührt. Die beiden jungen Frauen sind mehr als nur Freunde, sie sind Liebende. Eine Liebe, die letztendlich am Scheitern der Revolution und der Arglist des Meisters zerbricht. Der Autor beschreibt die Beziehung feinfühlig und zurückhaltend, wodurch sie Glaubwürdigkeit erlangt.

Die bedeutendste Information, die ich als  Leser aus dem Roman mitnehme, ist jene, die auch Perry Rhodan beschäftigt. Denn Meister Molat richtet sich persönlich an ihn. Es sieht so aus, als würde er Rhodan kennen. Die Frage lautet: woher? Und was bedeutet das letztendlich für die MAGELLAN?

Das die Thetiser einst Menschen waren, wird an einem Detail klar. Die Armbänder, mit denen die Bevölkerung kontrolliert wird, dienen auch dazu, sich vor den Auswirkungen des Nervenfeuers zu schützen. Eines Überbleibsel aus grauer Vorzeit, als sie ihren Heimatplaneten verlassen mussten und unter dem Fehlen der gewohnten Sonnenstrahlung erkrankten. Ähnliche Armbänder tauchten bereits in Band 152 auf.

»Die Schmiede des Meisters« ist ein außergewöhnlicher Roman, in dem Oliver Plaschka mal wieder beweist, dass spannende Science Fiction, emotionale Beziehungsdramen und anspruchsvolle Gesellschaftskritik á la »1984« einander nicht ausschließen. Von mir gibt es daher eine unbedingte Leseempfehlung.

Happy Birthday! Perry Rhodan und Captain Kirk

Quelle: Perrypedia

Das ist vor lauter Stress und schlechten Nachrichten am Wochenende untergegangen.

Es gab was zu Feiern: 56 Jahre PERRY RHODAN-Serie und 51 Jahre STAR TREK.

Da schließe ich mich natürlich den Gratulanten aus aller Welt an. Auf die nächsten 50 Jahre. Mindestens!

Anlässlich der Geburtstage gibt es auch Geschenke für alle Fans:
Bei PERRY RHODAN hat die Internetseite ein neues Outfit bekommen.
Und Ende des Monats startet bei Netflix die neue STAR TREK-Serie. Wir sind gespannt, auch wenn wir kein Netflix haben. Irgendwie werden wir die Serie  schon zu Gesicht bekommen. In den Neunzigern haben wir auch erst Monate später die neuesten Folgen auf NTSC-normgewandelten VHS Kassetten ansehen können. Richtige Fans sind geduldig.

Basar der Überraschungen

Quelle: Perrypedia

PERRY RHODAN NEO Band 155 – »Der Andromeda-Basar« von Madeleine Puljic

Eine ordentliche Leistung liefert die junge Autorin auch in ihrem dritten Roman für NEO ab. Nichts weniger als die bunte Welt eines Basars macht sie zum Schauplatz ihres Romans, der mit einigen echten Überraschungen punkten kann. Die MAGELLAN landet auf dem Raumhafen im Oomophsystem und muss sich zunächst mit der thetisischen Bürokratie auseinandersetzen, um dann festzustellen, dass ihre Wünsche auf dem Basar nicht erfüllt werden können. Die immer noch anhaltenden Suche nach Ersatzteilen und Materialien nervt inzwischen ein wenig und ist hoffentlich im nächsten Roman abgeschlossen. Ich ging bisher immer davon aus, dass die Paddler schon vieles repariert hatten, aber irgendwie scheint es nicht lange gehalten zu haben.

Die Autorin beschreibt das Durcheinander des Basars sehr lebhaft. Stellenweise erinnerte mich es mich an den Basar aus »Valerian – die Stadt der tausend Planeten«, wenn auch ohne dessen Ausgelassenheit. Ein Grund mag die beständige Überwachung durch die thetisischen Polizeikräfte sein. Das und der Charakter des leitenden Offiziers Jeewoo, der erst seine Untergebenen und später die Crew der MAGELLAN drangsaliert, zeigt die Brutalität mit der die Thetiser Andromeda im Griff haben. Auch die Information, dass sie für einen Krieg rüsten, ist für den weiteren Verlauf der Serie von Bedeutung.

Die größte Überraschung ist jedoch der Terraner Leibnitz, der mit einem Mehandorschiff in Andromeda gestrandet ist. Vor allem seine unbekannte Herkunft, über die man erst spät im Roman erfährt, macht für mich den Reiz aus. Das ist eindeutig das beste Spannungselement im ganzen Roman.

Am Ende wird die Handlung leider etwas hektisch. Da spürt man ganz deutlich, dass Madeleine Puljic noch viel zu erzählen hatte, aber nur noch eine begrenzte Anzahl an Seiten vorhanden war. Die Winkelzüge, mit der die Autorin die Auflösung herbeiführt, waren dann auch nicht so stimmig. Perry Rhodan und seine Mitstreiter können sich nur mit viel Glück aus der verfahrenen Situation befreien. Das moralische Dilemma in das Tani Hanafe gebracht wird, hätte diese schon frühzeitig selbst erkennen müssen, womit die nachfolgende Befreiungsaktion hätte vermieden werden können. Das war ein bisschen unrund und konnte nur durch einen Gucky in Topform aufgelöst werden. Das ist aber auch das einzig beklagenswerte an dem Roman. Alles andere, vor allem der Handlungsstrang um Leibnitz, hat mir ausgesprochen gut gefallen.

Noch eine kleine Anmerkung für Insider: Einige der Dialogzeilen klangen verdächtig nach Kai Hirdt. »Ein Geschäft ist ein Geschäft ist ein Geschäft …« Leichte Abwandlung der Erwerbsregel Nummer 16 der Ferengi. »Ein Vertrag ist ein Vertrag … bis sich ein besserer Vertrag ergibt.« Sehr schön!

Fazit: »Der Andromeda-Basar« ist ein unterhaltsamer Roman, der einige spannende Neuigkeiten zur Staffel enthüllt und mir endlich die langgewünschte Erklärung gibt, warum Rhodan unbedingt nach Andromeda aufbrechen musste und nicht in der Milchstrasse nach der verschollenen Menschheit sucht.

Meinen Dank an die Autorin!

Perry im Rotlichtmillieu

Die August-Ausgabe des SpaZz

Dieser Tage fand ich im Zug eine Ausgabe des SpaZz, dem Stadtmagazin von Ulm. Interessiert blätterte ich darin herum und las mich an einem Interview mit einem Rotlicht-Experten fest. Es ging um  FKK-Saunaclubs, Sperrbezirke und den Nuttenpass, um die zunehmende Privatisierung der Prostitution und die daraus folgenden Probleme für die Szene und die Frauen. Kurt Thumm erzählte aus seinem Leben als Bordell- und Clubbesitzer und dass er nur noch beratend im Geschäft ist. Er plauderte aber auch aus seiner Freizeit. So, z.B. dass er den Winter in Thailand verbringt und gerade eine LP für einen Freund produziert. Auf die Frage, ob er viel lese, antwortete er: »Ja, ich lese seit vierzig Jahren PERRY RHODAN.«

Da war ich baff. Ein Rotlicht-Experte der Perry liest, das hätte ich im Leben nicht gedacht. Wahrscheinlich würde ich mich wundern, wenn ich wüsste, wer noch alles die Serie verfolgt. Das gäbe eine schöne Artikelreihe für die SOL – ungewöhnliche Persönlichkeiten unter den PERRY RHODAN Lesern vorzustellen. Mal sehen, vielleicht mache ich das sogar. Da steht dann der Rotlicht-Experte aus dem SpaZz ganz sicher mit auf der Liste.

Wer das spannende Interview selbst lesen möchte, kann das hier tun:
http://de.calameo.com/read/000771566d905f518755e

Der Funke ist übergesprungen

Quelle: Perrypedia

PERRY RHODAN NEO Band 154 – »Die magnetische Welt« von Susan Schwartz

»Die magnetische Welt« ist seit langem mal wieder ein NEO-Roman von Susan Schwartz, der mich von Anfang an überzeugt hat. Man sollte der Autorin öfters die Möglichkeit geben, eigene Figuren und Geschichten zu entwickeln. Dann bekommen ihre Romane auch die notwendige Tiefe, und werden nicht zu einer Aneinanderreihung von Actionszenen und Nahkämpfen.

Die Geschichte um die junge Kerra, deren Bruder Kors auf der Suche nach Erzen in eine Felsspalte gestürzt und für tot erklärt wurde, ist überzeugend geschrieben. Der Autorin gelingt es, das Volk der Etrinonen mit all ihren körperlichen Merkmalen und ungewöhnlichen Sitten fassbar zu machen. Dabei bindet sie den Leser mehr an die Figur der Kerra, als an die Terraner, die mit der jungen Etrinonin agieren. Leyden und Co verblassen neben der starken Protagonistin. Es ist womöglich der einzige Weg, Kerras Reaktion für den Leser nachvollziehbar zu machen. Denn, als sie erfährt, dass ihr Volk von Meister Etrin einst genetisch verändert wurde und bis heute ausgebeutet wird, nimmt sie das mit stoischer Gelassenheit hin und offenbart den irdischen Wissenschaftlern eine überraschend weitsichtige Haltung. Kerra sagt offen, dass das Wissen um das Schicksal ihres Volkes niemanden weiterbringen wird. Im Gegenteil, es könnte das Gleichgewicht der Gemeinschaft zerstören und das Ende ihrer Zivilisation heraufbeschwören.
Ich finde gut, wie Leyden und seine Mitstreiter darüber nachdenken müssen, ob eine Einmischung ihrerseits nicht schädlicher ist, als der Status Quo.

Natürlich diente auch diese Geschichte, um darzulegen wie skrupellos die Meister der Insel sind. Schließlich haben sie auch in diesem System den Hauptstern in einen Magnetar verwandelt und dabei Millarden intelligenter Thetiser geopfert, und sie sogar noch manipuliert, um sie für ihre Zwecke einzusetzen. Ihr Imperium benötigt Metalle, die nur durch extreme Bedingungen wie eine Supernova entstehen können. Aber Erzabbau auf einer Welt deren Magnetfeld mit dem des Magnetars interferiert, kann nicht ohne humanoide Unterstützung funktionieren. Dies hat sogar Miras Etrin, Faktor IV, begriffen, der das Projekt leitet und einst die Randbedingungen festlegte. Diese und weitere Informationen holt sich Leyden aus der Positronik des geheimen Stützpunktes, der über das Leben der Etrinonen wacht. Wie genau der Physiker das macht, bekommen wir als Leser leider nicht erklärt, weil wir es nur durch die Augen von Kerra beobachten. Aber das hat mich in diesem Fall nicht einmal gestört.

Die plastische Schilderung von fantastischen Welten ist die Stärke von Susan Schwartz und ich finde, dass ihr dies an Etrinon besonders gut gelungen ist. Sie versucht all die Effekte anschaulich zu schildern, die eine solche Welt in sich trägt. Auch wenn sie nicht alle potentiellen Gefahren einbezieht. Auf einem Planeten auf dem ständig und überall ein Ladungsaustausch stattfindet, auf dem im Boden ungeheure elektrische Potentiale lauern, könnte man ungeschützt kaum einen Schritt tun. (Ich sage nur Schrittspannung.) Dennoch hatte ich beim Lesen Spaß. Was ich ganz besonders begrüße, es gab keine einzige Kampfszene.

Die Nebenhandlung um Rhodan auf der MAGELLAN ist im Vergleich zur Geschichte auf Etrinon eher dünn. Die Besatzung beobachtet erst einen seltsamen Asteroiden und entdeckt dann einen weiteren Situationstransmitter. Das die MAGELLAN am Ende nicht selbst durch den Transmitter geht, sondern nur eine Sonde schickt, ist verglichen zum alten MdI-Zyklus ein richtiges Novum.

Als Fazit kann ich nur sagen, der Funke ist übergesprungen und das nicht nur zwischen den Protagonisten und ihrem Planeten, sondern auch bei mir. Ein funktionierender Plot, eine fantastische Welt und eine berührende Geschichte, die zum Nachdenken anregt … so macht NEO Spaß.

Besuch in der PR-Redaktion

Eigentlich sollte es so eine Art Geheimmission werden, ganz unspektakulär und ohne viel Wirbel drumrum. Leider hatte ich das im Vorfeld nicht erwähnt und auch nicht heute Mittag und so landete die Information wenige Stunden später hier im Internet.

Deshalb kann ich jetzt auch etwas über die eineinhalb Stunden verraten, die ich in der PERRY RHODAN-Redaktion in Rastatt verbrachte. Nach kurzer Begrüßung ging es in die Kantine zum Mittagessen, anschließend diskutierten Klaus Bollhöfener, Klaus N. Frick und meine Wenigkeit diverse Wünsche und Ideen, die ich von Seiten der SOL-Redaktion habe, um die SOL als Magazin noch attraktiver zu machen und um damit mehr Mitglieder für die PRFZ zu gewinnen.

Ein paar Wünsche wurden erfüllt, davon können die Leser, dann schon in der nächsten Ausgabe profitieren. Bei meiner Idee mehr Serieninhalte in der SOL zu verankern, ist man sich noch nicht sicher, was machbar ist und was nicht. Ich werde aber dranbleiben. Vielleicht ergibt sich da in Zukunft etwas.

Ansonsten war das Treffen eher unspektakulär, genauso wie die »heiligen Hallen« auch nur normale Büroräume sind. Also keine Raumschiff-Zentrale von der aus mit Schaltern und Hebeln die größte Science-Fiction-Serie der Welt gesteuert wird, wie man sich das als gemeiner Fan insgeheim vorstellt.

Spannend war es trotzdem.