Reload der Spezialisten

Gestern fiel im ZDF der Startschuss zur zweiten Staffel der Spezialisten. Nachdem ich die Krimiserie Die Spezialisten – Im Namen der Opfer im vergangenen Jahr verfolgt habe, werden sich einige wundern, warum ich nichts über die zweite Staffel schreibe. Das hat im Großen und Ganzen damit zu tun, das David Rott als Hauptkommissar Mirko Kiefer nicht mehr dabei ist. Da ich mit Krimis und dergleichen ohnehin nicht viel am Hut habe und mich auch nicht jede Folge der ersten Staffel überzeugt hat, werde ich mir die zweite Staffel wohl nicht ansehen.

Warum und weshalb David Rott aus der Serie ausgestiegen ist, darüber könnte man spekulieren. Von offizieller Seite hieß es, dass es sich nicht mit seinen Plänen vereinbaren ließ. Nur war der Mime im vergangenen Jahr gerade mal an einer TV-Produktion beteiligt, nach Vollbeschäftigung klingt das nicht. Aber vielleicht hat er Theater gespielt, wo er eigentlich herkommt. Ich weiß es nicht, finde es jedoch schade, ihn nicht mehr regelmäßig im Fernsehen zu sehen. Auch wenn er sein Potential in der Krimiserie nicht voll ausschöpfen konnte. Leider. Überzeugt hat mich das Zusammenspiel mit Valeri Niehaus, die beiden passten gut zusammen. Und wenn man sie nicht gleich so früh in der Serie zusammengebracht hätte, wäre die Beziehungskiste ein überzeugender Spannungsbogen geworden. Aber nun ja. Vielleicht klappt es ja mit Mirkos Nachfolger, gespielt von Matthias Weidenhöfer. Ich wünsche der Produktion alles Gute.

Bergdoktor zwischen Yuppies und Akkupunktur

Quelle: ARD

Lange mussten die Fans von David Rott warten, um ihren Liebling in einer neuen Filmproduktion bewundern zu können. Nach dem Ende der ersten Staffel der Spezialisten sind einige Monate ins Land gegangen, in denen es ziemlich ruhig um den Star war. Soweit mir bekannt ist, zählt »Arzt mit Nebenwirkungen« zu den wenigen Projekten die David Rott 2016 gedreht hat. Vielleicht liegt es an zu schlechten Drehbüchern … man weiß es nicht.

Aber auch die von der Degeto produzierte »Liebeskomödie« ist fern von qualitativ hochwertigen Produktionen wie »Spiegel-Affäre« oder »Julia und der Offizier«, in denen der Mime in den vergangenen Jahren brillierte. Zu sehr erinnerte die Geschichte an die ZDF-Produktion »Der Doc und die Hexe«.

Arzt Fabian fühlt sich als Basejumper in der Luft wohler, als in der Praxis des Vaters, der vor drei Jahren verunglückte. Nach einem Motorradunfall (vorm Altar einer Kirche) beobachtet er außerhalb seines Körpers schwebend, wie die Ärztin Janne ihn mit Akkupunkturnadeln stabilisiert. Wegen seiner Schulterverletzung verbockt er daraufhin einen wichtigen Termin mit einem Sponsor und auch in seiner Praxis könnte er Hilfe brauchen. Da bittet er Janne, ihn in zu vertreten. Doch die unstete Ärztin und Verfechterin der Traditionellen Chinesischen Medizin (TCM) weiß selbst nicht so genau, was sie will. Fabian muss sich entscheiden, wo er seine Zukunft sieht, als Basejumper oder Hausarzt. Eine Entscheidung, die ihm durch seinen Freund und Manager Sven, seine Mutter und Janne nicht einfach gemacht wird.

Die Unstimmigkeiten in diesem Film schmählern das Seherlebnis. Begonnen mit der Arztpraxis, die so mondän aussieht, wie die Praxis eines Schönheitschirurgen, aber nicht wie die eines Hausarztes. Mag ja sein, das Arztpraxen am Tegernsee (hier wurde der Film gedreht) tatsächlich so aussehen, aber dafür passte das gezeigt Klientel nicht. Die Behandlung eines Suizidversuchs einer jungen Frau erschien in meinen Augen seltsam unprofessionell. Ebenfalls mehr als fragwürdig war Fabians Rettung eines verunglückten Basejumpers, bei dem selbst meine Mutter fragte, ob denn tatsächlich ein einzelner Mann einen anderen Mann an Fallschirmschnüren eine Klippe hochziehen kann. Bis hin zur Figur der Janne, die als Ärztin heute mal hier und morgen mal dort anheuert. Deren Unstetigkeit aber nicht ausreichend erklärt wird und die eigentlich im Widerspruch zu der Gelassenheit steht, mit der sie ihre TCM-Methoden praktiziert. Jemand der verinnerlicht hat, wofür TCM steht, sollte gefestigter auf den Füßen stehen.

Die Geschichte um einen Yuppi-Arzt mit Nahtod-Erfahrung weiß oft selbst nicht, ob sie fröhlich locker oder ernst daherkommen soll. Das Thema Nahtod war den Verantwortlichen vielleicht doch zu schwer für einen Freitagabend und so musste noch ein bisschen Liebelei verwurschtelt werden. Die zündet aber zu keinem Moment in den 90 Minuten. Dafür fehlt einfach das Knistern zwischen den Protagonisten. Manchmal hat man das Gefühl, das sie aneinander vorbeispielen. Und auch David Rott fällt es schwer den geläuterten Arzt Widerwillen überzeugend umzusetzen. Das Gespräch mit dem Mönch kurz vor Ende ist für mich einer der peinlichsten Momente im Film. Das passte weder zu der albernen Szene am Totenbett eines Klosterbruders, noch zu der Liebesnacht mit Janne.

»Arzt mit Nebenwirkungen« wirkt auf mich wie eine Schmonzette aus Bergdoktor und Bergretter. Die Degeto sollte sich in Erinnerung rufen, dass es für einen guten Film immer noch ein durchdachtes Drehbuch braucht. Da reichen ein paar schöne Landschaftsaufnahmen aus den Alpen und ein nackter David Rott nicht aus, um eine überzeugendes Geschichte zu erzählen.

Ich wünsche dem Schauspieler für 2017 bessere Drehbücher als dieses – vielleicht eine Fortsetzung von »Julia und der Offizier«.

Milchgeld

Max Hegewald und David Rott/Quelle: ARD

Der Film »Die Kinder meines Bruders« lief bereits am 13. Mai, aber erst heute komme ich dazu, etwas darüber zu schreiben.

Gedreht wurde der Streifen unter dem Arbeitstitel »Blutmilch« schon vor gut zwei Jahren in Tangermünde und Umgebung. Warum er erst jetzt im Fernsehen gezeigt wurde, weiß ich nicht, aber der Zeitpunkt ist nicht verkehrt gewählt. Erst vorletzte Woche gab es wieder Demonstrationen von Milchbauern, die auf die abgeschaffte Milchquote und die daraus resultierenden niedrigen Milchpreise aufmerksam machten.

Im Film geht es um den alleinstehenden Milchbauern Christoph Steiner, der durch Schulden so unter Druck gerät, dass er sich umbringt. Als Vormund für Kinder und Hof setzte er seinen Bruder Eric Steiner (David Rott) ein. Der unstete Charakter hat zunächst mit Familie und Kindern nicht viel am Hut, besinnt sich aber eines Besseren und zettelt alsbald eine kleine Revolution unter den Milchbauern an. Im Gegensatz zu seinem Bruder wehrt er sich gegen den Druck der Molkerei, die ihnen die Milch zu Dumpingpreisen abkauft. Ganz nebenbei findet er Zugang zu seinem sechzehnjährigen Neffen Nico (Max Hegewald), der ihn anfangs als Versager abstempelt.

Die Produktionsgesellschaft DEGETO setzt seit ein paar Jahren auf Filme mit Hintergrund und versucht gesellschaftliche Themen mit Unterhaltung in ihren Fernsehfilmen zu verknüpfen. Was nicht immer gelingt. Auch in »Die Kinder meines Bruders« bleibt es beim gut gemeinten Versuch, auf das Thema aufmerksam zu machen, ohne jedoch eine überzeugende Lösung aufzuzeigen. Die Figuren wirken stereotyp und hilflos angesichts des eigentlich dramatischen Geschehens. Selbst über den Protagonisten Eric Steiner bekommt man als Zuschauer wenig Hintergrundinformation geliefert, außer die, dass er keine Kinder möchte und lieber unabhängig in der Großstadt Berlin leben möchte. Man erfährt weder etwas über seinen Beruf oder darüber, was die Brüder in all den Jahren entzweit hat. Das ist schade, weil der Charakter dadurch nicht an Tiefe gewinnen kann. Die anderen Erwachsenen werden noch weniger durchleuchtet und nur anhand ihrer Seil- und Machenschaften charakterisiert.

Das die Situation der Milchbauern nicht von ungefähr kommt, klingt nur am Rande an. Wer die Milch beim Discounter für wenige Cent kauft, weiß mitunter nicht einmal, welchen Schaden er anrichtet. Wie bei so vielem in unserer Konsumgesellschaft ist auch der Wert landwirtschaftlicher Erzeugnisse besonders der von Milch verloren gegangen. Es wird konsumiert ohne nachzudenken. So üben Discounter Druck auf die Molkereien aus, die den an die Bauern weitergeben. Was im Endeffekt bedeutet, dass diese, um rentabel zu bleiben, mehr Kühe anschaffen und mehr Kraftfutter (im übrigen meist Soja) verfüttern müssen. Das führt unweigerlich zu einem Überangebot an Milch und damit zu weiterem Preisverfall. Ein Teufelskreis, den man meiner Meinung nach nur durch ökologische Weidetierhaltung und über den Verkauf von Biomilch durchbrechen kann. Was aber auch ein Umdenken in der Bevölkerung voraussetzt.

Der Film lässt mich mit gemischten Gefühlen zurück. Einerseits war es schön David Rott wieder in einer charmanten Hauptrolle zu sehen, andererseits ließ ihm diese Rolle wenig Entfaltungsspielraum. Anna Thalbach als seine Lebensgefährtin wirkte ihm gegenüber fast schon zu alt, und man spürte, dass die Chemie zwischen beiden nicht stimmte. Was mir aber besonders gut gefiel, waren die Darsteller der beiden Kinder, allen voran Max Hegewald. Der beim Dreh Dreiundzwanzigjährige gab den Teenager Nico mit so viel Überzeugung, dass er einen David Rott glatt an die Wand spielte. Sensationell!

Vertrauensbruch bei den Spezialisten

Quelle: ZDF

Die Spezialisten – Im Namen der Opfer, »Zersetzt«

Mit einem emotionalen Finale endet die erste Staffel der neuen ZDF-Vorabendserie.

Weil das Thema »Stasi« im deutschen Fernsehen bereits zu oft »aufgegriffen« wurde, ist es inzwischen auch dementsprechend »abgegriffen«. Es gibt darunter einige originelle Produktion wie beispielsweise »Deutschland 83«, aber der Rest hebt sich nicht sonderlich ab und ist für den Zuschauer inzwischen ermüdend. Nichtsdestotrotz haben die Macher der Serie versucht auch hier mit erhobenem Zeigefinger ein Zeichen zu setzen. Ob das einer Vorabendserie, die sich mit ungelösten Kriminalfällen beschäftig, gut tut, darüber kann man streiten. Es war zumindest streckenweise sehr unterhaltsam. Unteranderem auch deshalb, weil zumeist die Beziehungen zwischen den Hauptfiguren in den Vordergrund stand. Ob es dabei um Assistent Rufus Haupenthal und Kriminaltechnikerin Samira Vaziri ging oder um Hauptkommissar Mirko Kiefer und Rechtsmedizinerin Dr. Katrin Stoll. Zwischen letzteren beiden war endlich wieder die Spannung aus der Pilotfolge spürbar.

Katrin hilft einem jungen Mann, der nach 30 Jahren endlich den angeblichen Selbstmord seines Bruders (eines DDR-Punks) aufgeklärt haben will. Er glaubt, dass die Stasi seinen Bruder auf dem Gewissen hat. Da der damals heimlich Videos drehte, in denen Insassen von Jugendwerkhöfen von den menschenunwürdigen Erlebnissen berichten. Und weil die heutige Justiz eine Wiederaufnahme des Falles verweigert, hat Dr. Stoll Mitleid mit ihm. Sie riskiert damit nicht nur ihre berufliche Karriere, sondern setzt auch ihre Beziehung zu Mirko aufs Spiel. In Teamarbeit wird ermittelt. Jannik gräbt sich durch Berge von Stasi-Akten, Samira untersucht Küchenmesser, während Katrin und Mirko das Umfeld des Opfers unter die Lupe nehmen. Natürlich bleibt dem Hauptkommissar nicht verborgen, dass seine Freundin ihn angelogen hat. Er beantwortet den Vertrauensbruch mit seinem sofortigen Auszug aus der gemeinsamen Wohnung.
Am Ende klärt sich der Fall und der Bruder des Opfers hat endlich Genugtuung darüber, dass sein Bruder kein Verräter war. Doch zu welchem Preis. Die Beziehung zwischen Katrin und Mirko ist zerbrochen.

Endlich konnten die beiden Hauptdarsteller David Rott und Valerie Niehaus wieder einmal zeigen, was in ihnen steckt. In den vergangenen Folgen wirkten sie eher wie blasse Randfiguren. Dieses Mal fliegen die Fetzten und das ist für den Zuschauer interessanter als der Fall selbst.

Nach einer durchwachsenen Staffel mit Höhen und Tiefen bleibt zu hoffen, dass der Sender grünes Licht für eine weitere Folgen gibt. Nicht nur den Fans von David Rott zuliebe. Denn wenn sich die Drehbuchautoren auf die Konflikte zwischen den Hauptcharakteren konzentrieren, könnte noch viel mehr drin sein. Die richtigen Schauspieler dafür, haben sie jedenfalls.

Vatermord

Jetzt haben die Macher der Spezialisten also auch das Thema »Neonazis« abgehakt. So richtig überzeugend, war die Folge ja nicht, aber man gab sich Mühe, dass Thema nicht allzu klischeehaft zu erzählen.

Am Rande eines Neonazi-Aufmarsches Anfang der Neunziger wurde ein Polizist erschlagen. Der Mörder wurde nie gefunden. Allein ein Kollege und Freund des Polizisten hat all die Jahre im Geheimen ermittelt und einen Neonazi als Verdächtigen im Visier. Der hat sich damals aus dem Staub gemacht und ist untergetaucht. Zurück ließ er Freundin und Sohn. Fast 25 Jahre danach wird seine Leiche in einem Waldstück gefunden.
Der Neonazi war ein halbes Jahr zuvor aus seinem Versteck gekrochen, um einen rechtsradikalen Politiker zu erpressen. Dabei traf er auch auf seinen Sohn, der den unbekannten Vater so sehr verehrt, dass er sich deshalb ebenfalls in der rechten Szene herumtreibt. Doch der Neonazi von damals hat mit der Szene nichts mehr am Hut. Als ihm der Polizist nachstellt, wird der vom Sohn überwältigt. Doch der Vater lässt den Polizisten laufen. Die Enttäuschung seines Sohnes ist darüber so groß, dass er einen Vatermord begeht.

Es kommt in dieser Folge viel zusammen: angefangen vom Polizisten, dem niemand glaubt und der von den Kollegen als Idiot abgestempelt wird, über den Neonazi, der jetzt Kandidat einer umstrittenen Partei ist, bis hin zum Sohn, dessen rechte Gesinnung auf die Verehrung des Vaters zurückzuführen ist. Das war ein bisschen viel des Guten und auch entsprechend langatmig. Um dem Ganzen künstlich Spannung zu verleihen, haben Mirko und Katrin nur zwei Tage, um den Mörder zu finden, sonst verpassen sie ihren Urlaubsflieger.

Nun ja, über eine solch schlechte Inszenierung der Beziehung bin nicht gerade glücklich. Da war am Anfang mehr drin gewesen, als letztendlich herausgeholt wurde. Auch die restlichen Figuren blieben in dieser Folge recht blass. Mirkos Ausraster, als er dem Sohn des Neonazis eine verpasst, war noch das Herausragendste. Es irritiert mich nur, dass Katrin den Vorfall so kritiklos wegsteckt. Da sie nicht einmal versucht, ihren Partner zur Rede zu stellen.

Trotzdem bin ich sehr gespannt auf die letzte Folge »Der Spezialisten«.

Verwirrung um Untoten

Die Spezialisten – Im Namen der Opfer, »Tod eines Untoten«

Nach der Exhumierung eines Geschäftsmannes aus dem Jahr 2004 stellt sich heraus, dass die Identität des Toten nicht stimmt. Schnell wird klar, das Opfer des Autounfalls war der Freund des vermeintlichen Toten. Dieser hat den versuchten Selbstmord seines Kollegen ausgenutzt, um sich in die Karibik abzusetzen, seine Frau und die Angestellten seiner insolventen Firma zurücklassend. Erst als seine Frau jetzt, zehn Jahre später, die Firma für 50 Mio Euro verkaufte, kroch er aus seinem Versteck, um heimlich einen Teil des Gewinns abzusahnen. Dumm nur, dass er bei einem Überfall in einer Tiefgarage Fingerabdrücke hinterließ, die zur Exhumierung seiner angeblichen Leiche führten. Beim Verhör bricht der Mann zusammen und stirbt infolge eines Schlages, den er bei dem Überfall in der Tiefgarage erlitten hat. Der Täter ist der Ehemann seiner Witwe und ehemaliger Kollege, der von seinem Untertauchen wusste und sich sein Schweigen mit der Ehefrau des Opfers bezahlen ließ, auf die er schon immer scharf war.

So kompliziert und verwirrend wie die Zusammenfassung der Folge klingt, so kompliziert war die Geschichte auch. Über etwaige Logikbrüche will ich gar nicht reden. Ich habe mich sehr oft gefragt, ob das alles wirklich so zusammenpasst. Wie sehr müssen die Ermittler nach dem Autounfall eigentlich geschlampt haben, dass sie die Schrauben in den Beinen des Unfallopfers übersahen. Und wer hat damals eigentlich die Identität des Toten festgestellt.
Auch von den Ermittlern der Spezialisten sticht keiner so richtig heraus. Rufus schlägt der übermüdeten Samira vor, im Kopierraum zu übernachten, was er selbst wohl schon öfters getan hat. Mirko und Jannik streiten sich um den Dienstwagen und am Ende macht Mirko Nägel mit Köpfen, als er Samira seine Wohnung überlässt, um bei Katrin einzuziehen, mit der er das natürlich nicht abgesprochen hat.

Ich glaube, immer wenn die Drehbuchautoren dieser Serie versuchen, eine möglichst komplizierte Geschichte zu erzählen, kommt dabei wenig Überzeugendes heraus. Zu einer komplexen Handlung in einem Krimi gehört schon einiges mehr, als viele Verdächtige und mehrere Tode, die untereinander verbandelt sind. Wie man so etwas richtig gut macht, sollten sich die Autoren mal von den Machern der englischen Serie »Sherlock« abgucken.
In dieser Folge der Spezialisten jedoch waren so viele Löcher in der Handlung, dass ich mich ernsthaft gefragt habe, ob die das ernst meinen. Auch das Geplänkel zwischen den Ermittlern finde ich inzwischen ermüdend, weil es immer wieder dasselbe ist.
Nein, diese Episode war nicht der große Wurf. Aber in einer Vorabendserie darf schon mal der eine oder andere Hänger dabei sein. Vor allem wenn David Rott mitspielt.

Flowerpower bei den Spezialisten

Die Spezialisten – Im Namen der Opfer, »Flowerpower«

Es ist offensichtlich, wie die Serienschreiber versuchen, zeitgeschichtliche Themen in der Vorabendserie unterzubringen. Ich finde das gut. In dieser Folge geht es um den Stellenwert der Frau in den Siebzigern. Für uns ist heute oftmals nicht mehr vorstellbar, was Frauen in den sechziger und siebziger Jahren erdulden mussten. Vor allem von ihren Familien und Ehemännern. Da passt der Fund einer Leiche aus dieser Zeit und die familiären Probleme die Rufus mit seiner Frau hat, perfekt zusammen. Damals war es die Frau, die daheim die Kinder hüten sollte und die sterben musste, weil sie ihr journalistischen Talent entfalten wollte. Und jetzt ist es Rufus, dessen Arbeit als Kriminologe darunter leidet, dass seine berufstätige Frau auf ihr Recht pocht und er die Kinder am Hals hat. Ein Folge, die uns Frauen mal wieder daran erinnert, welches Glück wir haben, heute so frei und ohne Restriktionen leben zu können.

Auf der anderen Seite erfahren wir wieder etwas mehr über Mirkos geheimes Doppeleben. Ich hoffe, dass dies in den nächsten Folgen weiter thematisiert wird, bietet es David Rott doch die Möglichkeit mit seinen schauspielerischen Leistungen zu glänzen. Die neue Kollegin von Mirko und Katrin gefällt mir weiterhin sehr gut.

Mein Fazit zu dieser Folge ist positiv. Eine spannende Vorabendserie wie diese, lockt sogar einen Fernsehmuffel wie meinen Mann vor den Fernseher.

Das einzige, was ich überhaupt nicht mag, ist der eingeschobene Werbeblock. Ich habe nichts gegen Werbung, aber von sechzehn Werbespots warben einer für einen Fotoanbieter, zwei für Schokolade und DREIZEHN für Medikamente und Gesundheitsprodukte. Mal davon abgesehen, dass man so genau erfährt, welche Zielgruppe man mit der Serie ansprechen will, finde ich es nicht ethisch, Menschen mit Werbung für Medizinprodukte einzulullen. Viele ältere Leute nehmen eh schon zu viele Medikamente. Diesen Aspekt finde ich mehr als ärgerlich.

Berührender Fall mit Seele

Die Spezialisten – Im Namen der Opfer, »Kleiner Engel«

Ein Toter in der Wand, ein verbranntes Kind und eine Verurteilte in der Psychiatrie, dass sind die Puzzleteile, die das Team der Spezialisten in der letzten Woche zusammensetzen mussten. Ungewöhnlich gefühlvoll zeigt sich diesmal Hauptkommissar Mirko Kiefer. Er engagiert sich für die junge Frau, die ihr Kind verbrannt haben soll, gespielt wird sie vom »Sturm der Liebe«-Star Inez Bjørg David. David Rott in der Rolle des Beschützers mit ausgeprägtem Gerechtigkeitssinn funktioniert eigentlich immer. Die kleinen Szenen am Rande, wie die, als er vor dem Immobilienmakler den Putz von der Wand abschlägt, sind auch in dieser Folge das Salz in der Suppe. Überhaupt bekommt der Darsteller in dieser Episode mal wieder etwas mehr zu tun. Das hatte ich in den vergangenen Episoden reichlich vermisst.

Aber auch der Rest der Truppe leistet hervorragende Arbeit. Die Neue im Team fügt sich meiner Meinung nach besser ein, als ihre Vorgängerin Inga Biehl. Das ist wahrscheinlich auch ein Grund für den Wechsel der Darstellerinnen gewesen.

Mein Fazit: Eine sehr berührende Folge, an dessen Ende ich mir tatsächlich ein paar Tränen verdrückte. Selbst für mich, die normalerweise Krimis eher aus dem Weg geht, hält die Serie unterhaltsame Momente parat. Für eine deutsche Vorabendserie finde ich das ganz ordentlich.

Vor ein paar Tagen habe ich auch endlich ein Interview mit David Rott entdeckt, in dem sich der Schauspieler erstmals zu seiner Rolle bei den Spezialisten äußert.

https://de-de.facebook.com/DieSpezialistenSerie/videos/1682961668618274/

Zu viel gewollt

Die Spezialisten – Im Namen der Opfer, »Miss Mai 88«

Ich gebe zu, dass mir die Rezension zu dieser Folge von »Die Spezialisten« echt schwer fiel. Schon beim Anschauen war ich die erste Viertelstunde komplett verwirrt. Wer jetzt was vertuschen wollte, ist mir bis zur Hälfte der Folge nicht richtig klar geworden. Überhaupt war die Handlung entgegen der bereits ausgestrahlten Episoden weniger stringent. Zu viele Gesichter und zu viele extra Handlungszweige, die dafür sorgten, dass man sich als Zuschauer leicht überfordert fühlte. Da war zum einen die Trauer im Team über die verstorbene Inga Biehl, dann die neue Mitarbeiterin vom BKA, die auch noch eine Verflossene von Mirko Kiefer ist. Dazu der Fall, der ziemlich undurchsichtig daherkam und in dem es um eine junge Frau ging, die 1988 ermordet worden war. Der Verurteilte wurde zum Justizopfer, weil der damals ermittelnde Beamte geschmiert wurde und Beweise fälschte. Eine Abteilungsleiterin, die sich in die laufenden Ermittlungen einmischt, um den Ruf ihres Ex-Chefs zu wahren. Das alles mit reichlich männlicher Beteiligung und vielen Klischees gewürzt, sorgte für ein ziemliches Durcheinander, welches der Episode nicht gut tat.

Besonders schlimm fand ich persönlich die Szene, als Dr. Kathrin Stoll Inga Biehls Leiche vor den Studenten obduzieren musste. Das hätte man, Bitteschön, sowohl den Zuschauern, als auch den Charakteren ersparen können.

Nein, diese Folge hat mich nicht überzeugt, da half nicht mal David Rott, der diesmal eher farblos wirkte und in der Fülle der Darsteller verloren ging. Die ambivalente Beziehung zwischen Mirko und Kathrin scheint auf der Stelle zu treten. Die wenigen gemeinsamen Szenen überzeugten mich dieses Mal nicht. Ich bin ja immer noch der Meinung, dass es ein riesiger Fehler war, die beiden schon in der ersten Folge gemeinsam ins Bett hüpfen zu lassen.
Der Episode fehlte eindeutig der rote Faden. Man wollte zu viel und hat sich in der Handlung verzettelt.

Kriminalfall ohne Todesopfer

Auch diese Woche waren wieder »Die Spezialisten« im Einsatz. Doch der Fall, in dem sie ermittelten war komplex. Ein Knochenfund auf dem Berliner Flughafen Tempelhof stellte die Ermittler vor ein Rätsel, handelte es sich doch nur um einen abgetrennten Unterschenkel. Die Frage, ob hier ein sadistischer Killer einen Menschen zerstückelt und auf dem Flugfeld vergraben hat, erübrigte sich, als man anhand von DNA-Spuren das Opfer identifizierte – ein junger Deutschtürke, der vor einigen Jahren in Pakistan als Gotteskrieger ermordet wurde. Doch wie kamen die Leichenteile nach Deutschland und wieso interessiert sich der Nachrichtendienst so brennend dafür. Das waren die Fragen, denen Hauptkommissar Mirko Kiefer und Dr. Katrin Stoll auf den Grund gehen mussten. Am Ende erwartete sie eine faustdicke Überraschung.

»Der heilige Krieger« ist eine spannende Folge mit überraschendem Ausgang und das nicht nur in Sachen Kriminalfall, denn das Team erleidet einen dramatischen Verlust.  Kriminaltechnikerin Inga Biel, gespielt von Henriette Richter-Röhl, steckt sich mit einem tödlichen Erreger an und stirbt. Warum die talentierte Schauspielerin so früh aus der Serie ausgestiegen ist, kann man nur spekulieren. Hatte sie ein besseres Angebot oder fühlte sie sich in der Rolle des Mauerblümchens unterfordert? Vielleicht passte es auch den Serienschöpfern nicht ins Konzept, weil ihre Rolle nicht genügend Konfliktpotential bot. Wer weiß. Es ist ein wenig schade, nicht nur weil ich Henriette Richter-Röhl sehr gern sehe, sondern auch, weil mir ihr Charakter in der Serie gut gefiel und man gerade begonnen hatte, ihr mehr Farbe zu verleihen.

Eine Tatsache hat mich verwirrt. Am Anfang hieß es, dass die Eltern des jungen Mannes aus der Türkei stammen. Vom Auftreten wirkten sie, aber eher arabisch. In einer Szene liest der Vater auch einen arabischen Text vor. In der Türkei wurde 1928 nach einer Sprachreform das lateinische Alphabet eingeführt. Kann sein, dass der Mann arabisch kann, aber so richtig stimmig war der Hintergrund des Opfers für mich nicht.

David Rott und Valerie Niehaus als verhindertes Pärchen haben wieder Gelegenheit ihr schauspielerisches Talent unter Beweis zu stellen und wirken sehr ausgelassen. In den vergangenen Folgen deutet sich ja an, dass der Hauptkommissar ein Problem mit Aggressionen hat. Das wurde auch in dieser Folge eindrucksvoll gezeigt, als er den Behinderten gewaltsam ins Auto verfrachtet. Man kann erahnen, wohin das führen soll.

Randbemerkung: Es sieht tatsächlich so aus, als hätte nicht nur Mirko Kiefer mit dem Rauchen aufgehört, sondern auch sein Darsteller.

Ein neuer Fall der Spezialisten

Austrahlungen von TV-Filmen und Serien mit David Rott bescheren meinem Blog regelmäßig hohe Zugriffszahlen. Grund genug auch heute wieder ein wenig über die gestrige Folge »Der Spezialisten« zu schreiben.

Mit der Folge »Party« schickt das ZDF das Ermittlerteam um Hauptkommissar Mirko Kiefer und Rechtsmedizinerin Dr. Katrin Stoll zum zweiten Mal ins Rennen. Die Geschichte beginnt mit dem Fund von DNA einer vermissten Frau im Körper eines toten Mannes. Das weckt Interesse und macht neugierig. Obwohl ich nicht so ganz glaube, das es tatsächlich möglich ist, fremde Stammzellen noch nach mehreren Jahren nachzuweisen. Aber darum geht es ja auch nicht. Geht es neben der Äufklärung des aktuellen Todesfalls, doch hauptsächlich um das Umfeld der Vermissten. Eine junge Frau, die 2006 während der Loveparade plötzlich verschwand und ihren Mann und ihre Tochter zurückließ, um es ordentlich krachen zu lassen. Da werden viele gesellschaftliche Klischees bedient, vom tiefgläubigen Katholiken aus Bayern und einer jungen Ostdeutschen ohne Zukunft, die vor der Wahl steht, entweder heiraten oder von Stütze leben. Ich selbst habe relativ früh mitbekommen, wer der Täter war. Und fand alles, inklusive des Drogenunfalls des männlichen Opfers, zu vorhersehbar und wenig originell.

Am interessantesten finde ich immer noch das Ermittlerteam, wobei es dieses Mal verstärkt um die beiden Hauptcharaktere ging. Das es ein Fehler war, die beiden bereits in der ersten Folge zusammen ins Bett steigen zu lassen, zeigt sich in dieser Folge ziemlich offensichtlich. Denn Katrins abweisende Art wirkt nun weniger glaubwürdig. Und ein Lächeln von Mirko reicht aus, um ihr das Geheimnis über ihren vermissten Bruder zu entlocken. Da hatte mir die knisternde Spannung beim letzten Mal besser gefallen.

Valerie Niehaus und David Rott leisten trotz der Schwächen im Drehbuch eine solide Arbeit. Und ehrlich, wer wird beim Anblick eines so smarten Hauptkommissars schon abschalten.