Besuch in Übermorgen

Die Übermorgenwelt in Ulm war am Freitagabend Schauplatz einer besonderen Veranstaltung. Exposé-Autor Christian Montillon las aus PR 3200.

Weil wir ohnehin jedes Jahr vor Weihnachten meinen Schwager in Ulm besuchen und das stets mit einem Weihnachtsmarktbummel verbinden, war es keine Frage, dass wir auch zu dem PERRY RHODAN-Event anlässlich des Erscheinens von Band 3200 gehen. Das Wetter war zwar nicht gerade optimal zum Fahren, vor allem nicht mit einem E-Auto. Wir sind trotzdem mittags aufgebrochen. Es schneite, aber die Straßen waren einigermaßen geräumt. Auf dem Ring rund um München herrschte enorm viel Verkehr. Es staute sich aber nur auf der entgegengesetzten Fahrbahnrichtung. Trotzdem brauchten wir länger als sonst bis nach Ulm. Hier haben wir uns gleich mal verfahren. Obwohl unser Hotel verkehrsgünstig lag, sind wir im Kreisverkehr eine Ausfahrt zu früh rausgefahren und auf der falschen Seite gelandet. Letztendlich kamen wir doch an und checkten gleich ein. Die anschließende Suche nach einer Ladesäule war dann doch kniffliger als gedacht. Die Ladeplätze in der Tiefgarage am Rathaus waren voll, draußen an der 53 kW Ladesäule besetzte ein Benzin-SUV den Ladeparkplatz. Schließlich fanden wir in Neu-Ulm einen freien Platz an einer 53 kW-Säule, gleich neben dem Neu-Ulmer Weihnachtsmarkt.

Obwohl ich schon oft in Ulm war, waren wir bisher nie über die Donau drüben in Neu-Ulm. Das holten wir heute also nach. Der mittelalterliche Weihnachtsmarkt dort ist zwar viel kleiner als der vor dem Ulmer Münster, aber es gab allerlei leckere Sachen und ein paar Handwerker die alte Handwerkstechniken aus dem Mittelalter vorführten. Fans diverser Fantasy- und Mittelaltergewandungen wären hier auf ihre Kosten gekommen. Ich kann dem ganzen Mittelalterzeugs nicht so wirklich was abgewinnen, aber die mit Raclettekäse überbackenen Kartoffeln schmeckten und der Baumstriezel auch. Getrunken haben wir aber nur einen Pfefferminztee mit frischer Minze. Denn für die Lesung wollte ich einen klaren Kopf bewahren. Nach einer guten Dreiviertelstunde waren meine Füße durchgefroren und das Auto halbwegs geladen.

Wir fuhren durch die Stadt hoch nach Fort Albeck. Das ist eine Festung aus dem 19. Jahrhundert, die tatsächlich wie ein Fort aussieht, mit dicken Mauern und Geschütztürmen. Die Straße war zwar geräumt, aber dennoch steil und rutschig. Im Hof lag der Schnee 10 cm hoch und es war kurz nach 19 Uhr bitter kalt. In einem der Wehrtürme wurden wir von den Mitglieder der Übermorgenwelt e. V. freundlich empfangen. Wir bezahlten brav den Eintritt von zehn Euro, den der Verein sicher gut gebrauchen kann. Dann traten wir durch eine stählerne Tür ins Übermorgen. Die Wände sind mit Bücherregalen vollgestellt. Im Flur sind auf Glasplatten jede Menge Raumschiffmodelle ausgestellt. Die Idee finde ich so gut, dass ich überlege, ob wir das nicht auch in unseren Hobbyraum installieren sollten. Bei den vielen Raumschiffen, die bei uns stehen, lohnt sich das. Im großen Hauptraum warteten schon die ersten Besucher inklusive des Vortragenden Autors. Als Christian Montillon mich entdeckte, meinte er witzelnd, dass er sich an diesem Abend wohl benehmen müsse, weil jetzt jemand da war, der ihn kennen würde.

Einer der Vereinsmitglieder führte uns rum und erklärte, was es mit der Übermorgenwelt auf sich hat. Der Verein wurde vor zehn Jahren gegründet und verwahrt 42.000 Bücher und andere Medien zum Thema Science Fiction und Fantasy. Es gibt mehrere Gruppen, die sich verschiedenen Interessen widmen. Man veranstaltet regelmäßig Lesungen und Spieleabende und eine Jugendgruppe gibt es auch. Klemmbaustein-Liebhaber haben sich ebenfalls hier zusammengefunden und bauen Raumschiffmodelle und allerlei andere hübsche Dinge. So gibt es eine Voyager sowie eine Szene aus Star Wars Episode V in einer Flasche. Coole Idee!

Das Programm begann um 20 Uhr mit einer Lesung. Christian Montillon las aus Band 3200 von Robert Corvus. Weil das etwas komisch ist, wenn ein Autor aus dem Roman eines anderen Autors vorliest, hat er dann noch ein Kapitel aus seinem eigenen Romanheft Band 3198 vorgelesen. So bekamen die Zuhörer gleich einen Eindruck, wie unterschiedlich PERRY RHODAN klingt. Es waren nämlich nicht nur Fans und Leser der Serie gekommen. Anschließend wurden Fragen gestellt und rund um das Schreiben für PERRY RHODAN diskutiert. Es ging weniger um die Inhalte der Serie und mehr um das Drumherum. Was ich sowieso interessanter finde, als zu wissen, wie der Zyklus endet.

Gegen 23 Uhr traten wir den Weg ins Hotel an, das gleich unterhalb von Fort Albeck liegt. Zum Glück war im Hotel noch jemand da, damit wir unser Auto in die hoteleigene Tiefgarage stellen konnten, aus der wir am nächsten Morgen nur schlecht wieder rauskamen. Die Einfahrt ist schon echt eng. Leider hat das Hotel keine Wallbox, das hätte uns das Ladesäulensuchen erspart und wäre das i-Tüpfelchen gewesen.

Nach einer sehr erholsamen Nacht und einem sensationell guten Frühstück (Der Kaffeeautomat war der Hammer), sind wir dann in die Stadt gefahren. Dieses Mal haben wir vorher geguckt, ob die Ladeplätze in der Tiefgarage frei sind. Das hat uns eine Ehrenrunde durch die schönste Tiefgarage, die ich kenne, erspart. Dieser Bau ist echt ein Hingucker, toll ausgeleuchtet mit großen Parkplätzen und einem Fußgängerweg auf dem definitiv kein Auto fahren kann. Beim Rausgehen kann man sich die alten Gewölbe anschauen, die beim Bau archäologisch freigelegt wurden.

Der Weihnachtsmarkt hatte noch nicht geöffnet. Es war mit -7,5 °C ziemlich kalt aber die Sonne schien. So sind wir erstmal zum »Müller« Drogeriemarkt und haben uns aufgewärmt. Ich hatte noch eine Gutscheinkarte vom Geburtstag, die wir gleich eingelöst haben. Die Spielzeugabteilung im 3. Stock ist der Wahnsinn. Anschließend ging’s dann auf den Weihnachtsmarkt. Wir hatten uns mit meinem Schwager vor dem Münster verabredet.

Während mein Mann unsere Einkäufe ins Auto geschafft hat, habe ich ein paar Fotos von der lebenden Krippe gemacht. Den Tieren schien die Kälte nichts auszumachen. Dann haben wir zu dritt Glühwein und Punsch getrunken und die Verkaufsstände angeschaut. Das war viel schöner, als abends, weil es nicht so voll war und man nicht durchgeschoben wurde. Ich habe ein paar Kleinigkeiten erstanden. Zu guter Letzt haben wir uns schnell noch was zum Essen geholt. Aber der mit Kässpatzen gefüllte Laugenfladen war so sättigend, dass ich nach drei Bissen voll war und wir das Essen haben einpacken lassen.

Um halb zwölf sind wir dann wieder Richtung Heimat gefahren. Auf der Autobahn herrschte abwechselnd Sonnenschein und Nebel, aber es war trocken und relativ wenig Verkehr.

Auf der Webseite der Übermorgenwelt gibt es einen virtuellen Rundgang. Der ist nicht mehr ganz aktuell, denn inzwischen sind weitere Publikationen und Modelle hinzugekommen.

Im Serienfieber

»Rewatch«, so nennt man es , wenn man Filme oder Serien zum Wiederholten Male ansieht.

In den vergangenen Monaten haben wir »Sex and the City« gesehen. Ich zum zweiten oder dritten Mal, mein Mann zum ersten Mal. Jetzt sehen wir uns die Fortsetzung der Serie an und sind beide enttäuscht. »And just like that« führt zwar die Geschichten rund um Carrie, Miranda and Charlotte fort, hat aber seine Frische und Ungezwungenheit verloren. (Das Fehlen von Samantha ist einer der Hauptgründe.) Die Macher versuchen den Spagat zwischen sexueller Offenheit und Political Correctness und fallen damit immer wieder über ihre eigenen Füße. Klar schließt das eine, das andere nicht aus, aber so, wie es die Serie präsentiert, fühlt es sich für mich falsch an. Es gibt viele Szenen, bei denen ich mich fremdschähmte. Ich bin ja, weiß Gott, nicht prüde, aber das ist mir dann doch zu viel. Mein Hauptkritikpunkt ist, dass es in der Serie keinerlei Gleichberechtigung zu geben scheint. Es geht eigentlich immer nur um Frauen. Das ging es zwar eigentlich schon immer. Männer waren oft nur schmückendes Beiwerk. Bloß jetzt sind sie komplett unsichtbar geworden. Es gibt keinen starken Männercharakter mehr. Die Ehemänner der Protagonisten sind entweder tot oder zu Witzfiguren verkommen. Der Rest ist schwul oder binär oder sonst was. In meinen Augen bildet das nicht die Realität ab. Vielleicht will es das auch nicht, das mag schon sein. Aber in einer solchen Welt, in der sich alles nur darum dreht, besonders »woke« zu sein, um niemandem auf die Füße zu treten, möchte ich nicht leben wollen. Wir schauen uns die restlichen Folgen noch an, aber viel Hoffnung habe ich nicht, das es besser werden wird.

Dafür sehen wir mit großer Begeisterung mal wieder »Ally McBeal«. Wir sind beide Fans des Serienschöpfers David E. Kelly, von dem wir bereits »Boston Legal« und »Picket Fences« gesehen haben. Ally und die anderen Figuren sind ein bisschen überdreht, aber die Themen, um die es in der Anwaltsserie geht, sind bisweilen sehr kritisch und die Lösungsansätze verblüffend. Und ich mag die Musik. Ich war in meinem Leben auf wenigen Konzerten, da es nicht so meins ist. Aber Vonda Shepard – die Sängerin aus Ally McBeal – habe ich mal live in München gesehen.

Beide Serien liefen in den neunziger und frühen zweitausender Jahren, seit dem ist ein viel Zeit vergangen und man hat manches nicht mehr so gut in Erinnerung. Da ist ein solcher »Rewatch« sehr sinnvoll. Unter normalen Umständen käme ich nie auf die Idee, eine Serie, die ich gerade gesehen habe, gleich nochmal anzusehen. Das hatte ich bisher für Zeitverschwendung gehalten. Nicht so bei »Star Wars: Andor«.

Zwölf Wochen lang haben wir jedem Mittwoch entgegengefiebert. Zwölf Episoden haben wir mit großer Spannung verfolgt und haben uns wie die kleinen Kinder auf die nächste Folge gefreut. Nun ist nach der ersten Staffel erstmal Schluss. Die Dreharbeiten zur Zweiten haben gerade erst begonnen. Vor 2024 werden wir wohl keine neue Staffel zu sehen bekommen. Was bleibt einem anderes übrig, die Entzugserscheinungen damit abzumildern, in dem man die Serie noch mal in Ruhe von vorne ansieht. Und tatsächlich, man entdeckt Dinge, die man zuvor nicht wahrgenommen hat, weil man von der Handlung so gefesselt war. Man begreift Dialoge besser, weil man die Hintergründe kennt. Und man kann sich den vielen kleinen Details widmen. »Star Wars: Andor« ist Star Wars für Erwachsene, es zeigt die schmutzige Realität eines totalitären Imperiums und des Widerstandes dagegen. Selten hat mich eine Geschichte so mitgerissen, obwohl die Episoden eher ruhig sind und wenig Action haben, sind sie spannend. Die Spannung wird vorwiegend durch die pure Erwartungshaltung erzeugt. Man wartet darauf, dass etwas passiert und ist dennoch nicht enttäuscht, wenn es das nicht tut. Die Handlung lässt sich Zeit, die Konflikte und Charaktere genau auszuleuchten. Man muss schon hinhören und nachdenken, um zu begreifen, welche perfiden Pläne das Imperium antreibt. Dazu die Sets. Die meisten Szenen wurden nicht wie bei »The Mandalorian« im Studio gedreht, sondern an realen Orten auf den britischen Inseln. Dieses Wohnsilo in Corucant, das Tal mit dem Staudamm auf Aldhani und die Anlage auf Ferrix. Großartig!

Neue Taschen in der Kollektion

Ich habe zwei neue Kamihimo-Projekte beendet. Das eine hat meine Finger so sehr beansprucht, dass ich jetzt erstmal pausieren muss, bis meine Fingernägel wieder nachgewachsen sind und die Hornhaut von meinen Fingerkuppen wieder weg ist.

Das ist eine neue Technik, in der ich bisher noch nicht geflochten habe, die ich aber unbedingt aber mal ausprobieren wollte. Hier werden teilweise die Kamihimo-Bänder doppelt gelegt und dann nochmals überflochten. Bei einem Muster in Längsrichtung und bei der Gelb-Schwarzen quer. Das sieht toll aus, verbraucht aber Unmengen an Material und durch die Festigkeit, die beim doppelten Flechten entsteht, muss man sich anstrengen, damit man die Bänder durchgezogen bekommt.

Vorteilhaft ist der obere Taschenbund, den muss man nicht kleben, sondern man verflechtet die Bänder einfach. Das macht das Ganze weich und flexibel. Ich habe jetzt auch halbrunde Ringe mit eingeflochten, so dass ich die Henkel nicht mehr annähen muss. Mit den Nieten klappt das Befestigen der Lederbänder sehr gut und ist schnell erledigt.

Die gelbe Tasche hat unten einen interessanten Boden. Das mit den dünnen gelben Streifen durchsetzte schwarze Geflecht sieht irgendwie edel aus. Beide Taschen sind nicht zu groß und eignen sich auch als Handtaschen.


Im Auftrag der Puffmutter

Quelle: Perrypedia

PERRY RHODAN NEO Band 292 – »Der Fall Kerlon« von Dietmar Schmidt

Leticron will sich nach dem Tod des Imperators selbst zum Herrscher ernennen. Den arkonidischen Adel scheint das nicht zu stören, obwohl Leticron ein ehemaliger Untergebener ist. Die einzigen, die sich daran stören, sind die Essoya, die Nichtadligen auf Arkon, die nicht verstehen, wieso der Adel den Überschweren überhaupt duldet. Das verstößt gegen den Ehrenkodex der Khasurne. Zumal Leticrons Machtphantasien im Imperium schweren wirtschaftlichen Schaden anrichten, unter dem vor allem die normale Bevölkerung leidet.
Der Veteran Kerlon hält deshalb bei einer Flotten-Versammlung eine flammende Rede für die Ehre und zum Ruhme Arkons. Was ihm jedoch zum Verhängnis wird. Er wird von der Sicherheitspolizei verhaftet und ohne Verhandlung zur Infiniten Todesstrafe verurteilt.
Die Crew der FAIRY rettet derweil Atlan aus einer Rettungskapsel, welche Mirona Thetin nach dem Streit mit dem Arkoniden in einer Sonnencorona zurückgelassen hat. Als sich der Arkonide wieder erholt hat, werden sie von einem getarnten Schiff kontaktiert. Die Unbekannte, die sich »Mutter« nennt, liefert Hinweise, dass die Angehörigen des arkonidischen Adels mit Amöbophagen infiziert sind, durch die sie von Leticron beeinflusst werden.
»Mutter« weiß, dass die Terraner nach den Erfahrungen auf Rumal eine Möglichkeit gefunden haben, die Amöbophagen abzutöten. Die Unbekannte, bei der es sich um die ehemalige Puffmutter Ihin da Achran handelt, hilft Perry Rhodan und Atlan sich auf eine geheime Mission nach Arkon III zu begeben. Über eine Kommunikationsstation soll ein Hyperimpuls ausgestrahlt werden, der die Amöbophagen in den Gehirnen der Adeligen abtöten soll.
Die beiden werden jedoch vor Vollendung ihres Vorhabens entdeckt. Atlan kann mit Hilfe des jungen Gracchus entkommen. Perry Rhodan wird jedoch verhaftet und landet im gleichen Gefängnis wie Kerlon. Auch ihm droht Leticron mit der Infiniten Todesstrafe.
Ihin da Achrans jüngeres Ich nimmt Kontakt zu Gracchus auf.

Rüdiger Schäfer mag mir verzeihen, aber diese ganzen Arkon-Geschichten sind nichts für mich. Das holt mich einfach nicht ab und die Handlung hört sich für mich immer ähnlich an. Spionage, geheime Aufträge, Maskierung und verfilzte Adelsstrukturen. Ich habe den Roman mehrfach weggelegt, obwohl ich an dem Tag im Zug viel Zeit gehabt hätte, ihn zu durchzulesen. Nein, das ist nicht das, was ich bei NEO lesen möchte. Schon gar nicht, nach der furiosen letzten Staffel in Naupaum.

Dietmar Schmidt hat in seinem Debütroman die undankbare Aufgabe, Leticrons Einfluss auf die arkonidische Kultur zu illustrieren. Er gibt sich Mühe, schafft es aber nicht, mich zu begeistern. Vor allem passt sein Erzählstil so gar nicht zu NEO. Das klingt eher wie frühe Erstauflage. Stellenweise wird die Handlung so sehr komprimiert und zusammengefasst, dass ich glaubte, Seiten überlesen zu haben. Andererseits wiederum beschreibt er jedes Detail. Ich frage mich, ob ein Protagonist wirklich so genau darüber nachdenkt und alles wahrnimmt, was um ihn herum passiert, gerade bei den Kampfszenen. Die Details sind mir mitunter auch zu technisch, obwohl ich sowas mag. Hier wiederholen sie sich aber. Und nach dem dritten Hinweis darauf, dass man einen Impulsstrahler besser nicht in Innenräumen einsetzt, war ich raus.

Atlan und Perry Rhodan wirken auf mich zu steif. Gerade Atlan zeigt in diesem Roman eine Emotionslosigkeit, die ich so nicht von ihm kenne. Obwohl er von der Situation auf Arkon eigentlich emotional stark beeinflusst sein müsste, kommt dieses Gefühl nicht bei mir an. Am besten hat mir tatsächlich der Handlungsstrang rund um Kerlon gefallen. Der Veteran ist eine nachvollziehbare Figur, die mich komplett überzeugt hat.

Dietmar Schmidt hat bei den vergangenen Miniserien bewiesen, dass er großartige Romane mit ungewöhnlichen Charakterdarstellungen schreiben kann. Ich denke da an »Gefährlicher Pakt« bei Mission SOL. Als er die Kommandantin Fee Kellind so treffend beschrieben hat. Bei NEO scheint ihm noch ein wenig das Gefühl für die Charaktere zu fehlen. Ich weiß nicht, ob er NEO liest, aber bei mir fühlt sich sein Roman zu sehr nach Erstauflage an.

Ein paar Dinge sind mir nach wie vor nicht schlüssig. Ihin da Achran ist in Besitz eines Schaltschiffes und eines Dublikators und wahrscheinlich noch anderen Dingen der MdI. Wie kam sie zu den Gerätschaften von Regnal-Orton? Wieso kann sie die Technik der MdI bedienen? Hat diese Technologie keine Sperre, um von nicht Uneingeweihten missbraucht zu werden? Ich verstehe zwar ihr Motiv – die Beeinflussung der Mächtigen. Nur, was hat sie persönlich davon? Sie steht dem Tod näher als dem Leben. Außerdem verstehe ich die Motivation der Frauen nicht, die ihr dienen (bis hin zur Prostitution). Mit welchen Mitteln macht da Achran sie sich gefügig?

In der »Der Fall Kerlon« ist eigentlich nur der Handlungsstrang um den Veteranen Kerlon wirklich überzeugend. Die Geschichte um Atlan und Perry Rhodans Einsatz auf Arkon III wirkt bestenfalls bemüht und ist durch seine Detailverliebtheit schwer zu lesen. Beim Auftauchen des 18-jährigen Gracchus dachte ich sofort an Atlans Sohn. Sollte es so sein, ist die Einführung der Figur sehr durchschaubar gestaltet. Für einen Debüt-Roman bei NEO war die Leistung des Autors okay. Aber hier besteht noch viel Luft nach oben.

Besuch vom Kater

Ich hatte diese Woche wieder Besuch auf Arbeit. Gleich früh morgens, ich war gerade am Telefonieren, stolzierte der rote Kater zu mir ins Büro. Er hüpfte gleich mal auf den Schreibtisch und tapste mit seinen dreckigen Pfoten über meine Pläne. Weil ich nicht gleich reagierte – ich hatte einen Kunden am Telefon  – spazierte er über die Tasten vom Telefon. Ich konnte ihn gerade so davon abhalten, das Gespräch nicht zu unterbrechen. Ich hab ihn dann gestreichelt und in den Arm genommen. Zum Glück hatte ich das Headset auf.

Nachdem ich aufgelegt hatte, holte ich das »Katzenkörbchen« in Form eines runden Kartons und prompt saß er drin. Er hat sich dann im Liegen mit Brekkies füttern und ausgiebig streicheln lassen. Von der Frau vom Chef hatte er schon Katzenmilch bekommen. Dann ist er raus in den Flur und hat alle Kartons und Tüten inspiziert. Bis ich endlich die Tür zum privaten Zimmer vom Chef aufgemacht habe, da steht ein Bett, in dem der Kater gerne schläft. Da hat er sich dann zur Ruhe begeben und bis zum späten Nachmittag geschlafen.

Er kam dann nochmal zu mir ins Büro und hat mit dem Schnürsenkel vom Kollegen gespielt. Ich hatte noch ein rotes Schleifchen in meiner Schublade gefunden, das gefiel ihm offenbar auch sehr. Jedenfalls hat es ihm irgendwann doch gereicht und er ist nach acht Stunden wieder nach draußen. Die Besitzer werden ihn schon vermisst haben.

Jetzt dauert es bestimmt wieder ein paar Wochen, bis er bei den Firmen im Gewerbegebiet rum ist und wir wieder mit einem Besuch dran sind. Ich glaube fast, dass der inzwischen jede Firma kennt.

Deutsche Bahn – Jede Fahrt ein Abenteuer

Es ist wie in der Lotterie. Manchmal zieht man das große Los, sehr oft aber erwischt man eine Niete. Und manchmal kann die Niete auch ein Hauptgewinn sein. Je nachdem wie man es betrachtet. Bei meiner Reise mit der Deutschen Bahn am Freitag lässt sich leider nicht so genau definieren, was von beiden es ist nun ist. Diese Entscheidung überlasse ich dem Betrachter.

Seit über zwanzig Jahren fahre ich regelmäßig mit der Bahn. In den vergangenen Jahren war es etwas weniger. Bis 2017 aber, waren es ca. 4000 Euro im Jahr, die ich für Fahrkarten ausgeben habe. Man kann sich also ausrechnen, wie oft ich unterwegs war. In all der Zeit habe ich so einiges erlebt, aber ich habe nie eine Zug-Evakuierung mitmachen müssen. Am Freitag war es dann soweit:

Es geht schon damit los, dass der Meridian kurz hinter Rosenheim an einer Langsamfahrstelle (wegen defekter Schwellen) Verspätung aufbaut. Als der Zug in den Münchner Hauptbahnhof einfährt, kommt uns mein ICE schon entgegen.
Blöderweise ist der Sprinter ausgefallen, mit dem ich sonst immer fahre, wenn ich meinen Zug verpasse. Ich nehme also einen ICE nach Nürnberg, wo ich dann die Option habe, 44 Minuten zu warten und mit der Regionalbahn weiterzufahren, um eineinhalb Stunden später anzukommen oder einen ICE nach Erfurt zu nehmen und von dort nach Saalfeld zu kommen (mit nur 50 Minuten Verspätung). Weil es kalt ist, entscheide ich mich für die Fahrt mit dem ICE über Erfurt.

Schwerer Fehler!

Das passende Wetter zum Evakuieren

Kurz vor Erfurt macht der Zug eine Vollbremsung. Kurzzeitig riecht es merkwürdig, dann steht der Zug … und steht und steht und steht. Die Durchsagen des Personals sind spärlich und sollen Hoffnung schüren, dass es bald weitergeht. Draußen rieselt der Schnee, über die verschneiten Felder hüpfen die Rehe. Es wäre so idyllisch, wenn nicht die Ungewissheit wäre, wie und wann es denn weitergeht.

Nach einer Stunde bewegt sich der Zug wieder. Die Durchsagen machen weiter Hoffnung. Nur leider ist die Geschwindigkeit so gering, dass man daneben herlaufen könnte und man wäre schneller. Immer wieder bleibt der Zug stehen, bewegt sich dann wieder ein paar Meter vorwärts, bleibt wieder stehen. Ich schwanke zwischen Hoffnung und Frust. Meinen Zahnarzttermin hatte ich schon beim Umsteigen in Nürnberg abgesagt.

Etwa zwei Kilometer weiter auf der Höhe von Arnstadt bleibt der Zug endgültig liegen. Die Durchsage ist diesmal ernüchternd, auch wenn sich die Zugbegleiterin Mühe gibt, das Ganze auszuschmücken, um die Situation besser darzustellen, als sie ist. Wir sollen evakuiert werden. Der Ersatzzug würde in Erfurt gerade bereitgestellt. Alles bereitet sich schon mal vor. Dann heißt es warten, warten und weiter warten.

Bahnangestellte laufen mit orangen Westen und Rettungsleitern durch den Zug. An drei Wagen sollen die Übergänge platziert werden. Ich werfe einen sehnsüchtigen Blick auf die Autobahn, die an der Schnellstrecke entlangführt. Ich fahre gern mit der Bahn, inzwischen aber wäre mir ein Auto lieber, trotz des Winterwetters mit glatten Straßen. Zumindest funktioniert die Heizung im Zug. Dann fährt der Zug wieder. Allerdings rückwärts, um sich für die Evakuierung in Position zu begeben. Nicht nur ich frage mich, warum der Zug rückwärts fahren kann aber nicht vorwärts. Wahrscheinlich ist nur ein Triebkopf beschädigt.

Das Taxi ist da.

Ich warte und warte. Irgendwann fährt ein zweiter ICE längsseits und hält. Das Taxi ist da! Doch es dauert noch eine halbe Stunde, bis die Evakuierung losgehen soll. Dann die Durchsage: Die Evakuierung kann nicht wie geplant über Stege von Zug zu Zug stattfinden, sondern über Leitern, weil die Länge der Wagons der beiden Züge nicht übereinstimmt. Die Durchsage erntet sarkastisches Gelächter unter den Passagieren. Draußen schneit es immer mehr. Deshalb wird der Zug nur über zwei Ausgänge evakuiert, nämlich die, die unterhalb einer Brücke liegen, damit niemand nass wird oder auf den Leitern ausrutscht.

Inzwischen ist in Polizei da. Zwei Bundeswehrangehörige auf Heimaturlaub, die zufälligerweise im Zug sitzen, helfen mit. Nochmal eine halbe Stunde später beginnt die Evakuierung. Wagen für Wagen werden die Passagiere aufgefordert zu den zwei Ausgängen am hinteren Teil des Zuges zu gehen. Wir stehen in einer Reihe. Alle sind diszipliniert. Es geht zügig voran. Ich bin schon dran, da werde ich zum nächsten Ausgang weitergeschickt. Hier scheint es ein kleines Problem zu geben, denn die Schlange bewegt sich nicht. Dann gehts doch weiter. Im Reißverschlussverfahren werden die Leute aus zwei Wagen aufgefordert, die Leiter hinunter zu klettern. Die schmale Treppe ist tatsächlich glatt, aber ich komme heil runter. Ich wage nicht daran zu denken, ob und wie meine Eltern da hinuntergeklettert wären. Man reicht mir meinen Koffer, ich bedanke mich artig und gehe ein paar Meter bis zum einzigen Eingang am Ersatzzugs. Jemand nimmt mir den Koffer ab und ich klettere die steile Leiter wieder hoch. Das Ganze hat kaum eine Minute in Anspruch genommen. Ich laufe im Zug nach vorn und finde einen freien Sitzplatz neben einem jungen Mann mit MacBook.

Dann heißt es wieder warten. Der ICE ist entsprechend voll gewesen, weil der Sprinter ausgefallen war. Dementsprechend viele Passagiere müssen den Zug wechseln. Es dauert nochmal eine ganze Stunde, bis alle an Bord sind und es unter Applaus weitergehen kann. Trotzdem sollte ich froh sein, dass der Zug nicht in einem der 26 Tunnel liegengeblieben ist, die wir zuvor durchquert haben. Ärgerlich ist es dennoch. In den dreieinhalb Stunden, die die ganze Evakuierung gedauert hat, hätte man fast bis Erfurt laufen können. Ich frage mich: Warum man da keine Lok davor spannen kann? Das würde schneller gehen.

10:24 Uhr sollte ich ursprünglich in Erfurt ankommen. Als der Ersatzzug am Bahnsteig hält ist es 15 Uhr. Ich muss dringend was essen, und mein Trinken ist auch alle. An Bord wurde zwar Wasser ausgegeben, ich habe nur leider keins mehr bekommen. Am Bahnhof in Erfurt versorge ich mich erst einmal mit Essen und Trinken. Um 15:44 Uhr geht es weiter. Die Regionalbahn ist nicht nur proppenvoll voll, sondern auch eiskalt. Es zieht an den Füßen und ich friere trotz Jacke und dickem Pullover. Die privaten Bahnen müssen halt sparen. Dafür ist der Zug pünktlich.

Um kurz vor 17 Uhr komme ich endlich am Zielbahnhof an, sieben Stunden später als geplant. Insgesamt war ich elf Stunden unterwegs. Ein neuer Rekord für diese Strecke.

Am Montag muss ich wieder zurück. Dieses Mal auch wieder über Erfurt. Ich »freue« mich schon sehr. Ein neues Abenteuer wartet.

Top Gun – Top Film

Quelle: Amazon

Wir haben uns am Wochenende endlich die Fortsetzung von Top Gun angesehen.

Top Gun – Maverick ist nicht einfach nur eine Fortsetzung, es ist ein filmisches Erlebnis, das man gesehen haben muss. Ich bin immer noch komplett geplättet von dem Film. So echt fühlt sich nicht mal das Original an. Das liegt daran, dass die Schauspieler für die Aufnahmen ins Cockpit echter Jets gesteckt wurden. Die sind also wirklich geflogen. Zuvor bekamen sie eine richtige Pilotenausbildung. Man sieht und hört im Film, welchen Kräften die Piloten ausgesetzt sind. Das ist wahnsinn. Lockheed Martin hat sogar einen Versuchs-Jet konstruiert, der im Film zu sehen ist. Nicht etwa als ein kleines Modell sondern als ein lebensgroßes Flugzeug. Der Aufwand hat sich echt gelohnt. Der Film ist ganz ganz großes Kino.

Die Handlung: Maverick ist nach wie vor in der Navy und fliegt immer noch. Er arbeitet als Testpilot am Mach 10-Projekt. Als das Projekt eingestellt werden soll, riskiert er alles und zerstört dabei das Flugzeug. Er wird suspendiert und zu Top Gun als Ausbilder abgeschoben. Hier soll er die besten Piloten auf einen schwierigen militärischen Einsatz vorbereiten. Das geforderte Manöver ist eigentlich unmöglich ohne Opfer durchzuführen. Er muss also entscheiden, wen er in den Tod schickt. Besonders schwierig: unter den Schützlingen ist der Sohn seines ehemaligen Flügelmanns Gus, der damals unter seinem Kommando verunglückt ist.

Die Geschichte ist glaubhaft und mit jeder Menge Konflikte bestückt. Der Feind bleibt gesichtslos und es wird nicht gesagt, ob es sich um Russen, Iraner oder sonst wen handelt. Das ist aber auch gar nicht so wichtig. Spannender ist, wie sich die Piloten vorbereiten und mit welchen Tricks Maverick arbeiten muss, um die jungen Menschen zu Höchstleistung anzuregen. Hinzu kommen die internen Streitigkeiten der Navy-Admiräle mit Maverick, der nur einfacher Captain ist und seine Gewissensbisse, wegen des Todes von Gus.

Ich habe auffällig viele Filme von Tom Cruise im Regal, obwohl ich nicht unbedingt ein großer Fan des Schauspielers bin (alleine schon wegen seines Scientology Hintergrunds). Aber eines kann man nicht abstreiten, er hat ein Händchen für gute Filme. Nun kommt mit »Top Gun – Maverick« eine weitere Perle hinzu. Ein Verdienst von Tom Cruise, der auch als Produzent mitgewirkt hat und dafür verantwortlich ist, dass mit echten Jets gedreht wurde. Er fliegt in dem Film sogar sein eigenes Flugzeug.

Sehr gut ist auch der Soundtrack. Den habe ich mir gleich mal zugelegt. Hans Zimmer, Harold Faltermeyer und Lady Gaga, das ist eine sensationelle musikalische Kombi, die man lange nicht aus den Ohren bekommt.

Wem schon der erste Top Gun Film gefallen hat, der sollte unbedingt die Fortsetzung sehen. Wer beides nicht kennt, hat eine echte Bildungslücke. Am besten schaut man sich im Anschluss noch das Making of an, um zu verstehen, welcher Aufwand für den Film betrieben wurde.

Einsatz in der Provinz

Quelle: Perrypedia

PERRY RHODAN NEO Band 291 – »Verrat am Imperium« von Ruben Wickenhäuser

Reginald Bull leidet darunter, dass er als Protektor unter der Herrschaft von Leticron dessen ausführendes Organ im Solsystem war. Die Politiker des Mars-Rates lassen ihn das auch deutlich spüren. Als ein Walzenschiff der Überschweren im Solsystem auftaucht und eine Rettungskapsel ausschleust – bevor es explodiert – fordern sie dessen sofortige Vernichtung. Bull lässt das nicht zu und die Rettungskapsel landet auf dem Mond. An Bord ist ein schwerverletzter Alaska Seadelaere, der eine düstere Botschaft aus dem arkonidischen Imperium mitbringt.
Die SOL mit Perry Rhodan an Bord reist daraufhin nach Arkon, um Atlan und Mirona zu finden und ihnen von Alaska Saedelaeres Warnung zu berichten. Unterwegs erreicht sie ein Notruf, dem sie mit der FAIRY nachgehen.
Seit Leticron die Herrschaft in Arkon übernommen hat, befindet sich der Imperator Mascudar da Gonozal auf der Flucht. Atlan und Mirona Thetin erhalten die Information, dass sich der Imperator, Atlans Vater, in einem abgelegenen System versteckt halten soll. Die beiden folgen der Spur mit der GARTAVOUR ins Keimosystem nach Sephis. Dort suchen sie Undercover den Ara Payton auf und heften sich an dessen Fersen, um ins Versteck des Imperators zu gelangen. 
Ein arkonidischer Celista unter Leticrons Befehl ist ebenfalls auf Sephis auf der Suche nach dem Imperator. Er entdeckt Atlan und Mirona, wie sie in eine geheime Basis auf dem Planeten eindringen wollen und von Robotern angegriffen werden.
Zunächst entgeht Mascudar da Gonozal seinen Verfolgern, bevor er Atlan auf einer Baustelle auflauert. Atlan ist froh seinen Vater lebend vorzufinden und möchte mit ihm reden, doch da werden sie von Kopfgeldjägern überrascht. Mit einem Mülltransporter fliehen die drei zum Raumhafen von Sephis, wo es zum finalen Kampf gegen die Kopfgeldjäger und Leticron selbst kommt. Der Überschwere möchte den Imperator höchstpersönlich fangen und für die Infinite Todesstrafe mit nach Arkon nehmen.
Mitten im Kampf setzt Atlans Zellaktivator aus und sein Vater versucht ihn zu schützen. Dabei wird er tödlich verletzt. Aber auch Leticron kommt nicht ohne Blessuren davon. Mirona Thetin hält ihn in Schach, kann sich und Atlan aber nicht in der GARTAVOUR in Sicherheit bringen. Da entscheidet sich der Celista auf die Seite Atlans zu wechseln und beschießt Leticrons Schiff mit den Waffen der geheimen Basis, so das dieser abdrehen muss.
Am Totenbett des Imperators auf dem Schaltschiff verrät Mirona Atlan endlich, dass sie in Andromeda einen gemeinsamen Sohn haben. Atlan ist außer sich.

Als einer der wenigen Autoren widmet sich Ruben Wickenhäuser in diesem Roman dem tragischen Charakter Mirona Thetins. Eine 50.000 Jahre alte Unsterbliche, Faktor I der Meister der Insel, Massenmörderin und Diktatorin über ein Sternenreich hadert mit ihrer Vergangenheit und mit der Entscheidung, ihrem Partner den gemeinsamen Nachwuchs vorenthalten zu haben. Dieser Grundtenor liegt wie Blei über der Geschichte. Mich hat es schon lange gewundert, warum dieser Fakt nicht aufgenommen und weitergesponnen wurde. Schließlich ist Atlans Sohn bereits 18 Jahre alt. Was muss in einer Frau vorgehen, damit sie ein Geheimnis so lange für sich behalten kann? Die Charakterisierung von Mirona Thetin ist dem Autor jedenfalls gut geglückt.

Im ersten Teil erleben wir einen Reginald Bull, der ebenfalls mit sich und seinen Entscheidungen während der Besatzung der Überschweren hadert. Mit dem Unterschied, dass er gezwungen wurde und nun von allen Seiten Vorwürfen ausgesetzt ist. Gut, dass er eine Partnerin hat, die Systemadministratorin des Solsystems ist und den überheblichen Mitgliedern des Marsrat gegebenenfalls in den Hintern treten kann. Leider ist Tatcher a Hainu nicht mehr mit von der Partie. Der ist jetzt marsianischer Botschafter auf der Erde, die nach wie vor im System der Akonen ihre Runden dreht. Wie er dahin gekommen ist, und wie die Verbindung zwischen Akon- und Solsystem nach dem Abzug der Überschweren etabliert wurde, erfahren wir leider nicht. Das hätte mich ehrlicherweise mehr interessiert, als die Jagd nach dem Imperator.

Aber so bekomme ich ein Agentenabenteuer mit allem Drum und Dran: Masken, Verkleidungen und Surfbrett-Einlage inklusive. Das ist spannend geschrieben und mit viel Action garniert, kann mich aber nicht vom Hocker reißen. Bei der Jagd nach dem Imperator mit mehr als einer Partei verlor ich bisweilen den Überblick. Woher die Kopfgeldjäger plötzlich kommen und wer die Roboter gesteuert hat, die Atlan und Mirona auf ihren Rennbrettern angegriffen haben, wurde nicht abschließend geklärt. Leticrons Auftritt am Ende, als er sich allein gegen die drei (Atlan, Mirona und den Imperator) stellt, bezeugt seinen Größenwahn, lässt ihn aber nicht wie den hochintelligenten Herrscher aussehen, als der er immer beschrieben wurde. Das war mir dann doch ein wenig zu banal.

Als Botschaft bekomme ich mit auf den Weg, dass mit den arkonidischen Adligen irgendetwas nicht stimmen kann, weil sie Leticron, einen ehemaligen Untergebenen, widerspruchsfrei unterstützten. Da muss mehr dahinter stecken, denn ein solch stolzes Volk wie die Arkoniden (gerade die Adligen) lassen sich sicher nicht einfach von einem ehemaligen Untertanen regieren. Der Celista in Person von Derengor Hubron da Perkoll (offensichtlich ein Nachkomme von Lexx da Perkoll/ einem ehemaligen MdI) scheint noch nicht beeinflusst zu sein, sonst hätte er Atlan nach dem Tod des Imperators nicht unterstützt.

»Verrat am Imperium« ist ein guter Roman von Ruben Wickenhäuser und reiht sich ein in eine lange Liste von Agenten-Abenteuern im arkonidischen Imperium. Ich bin kein großer Arkon-Fan und kann daher weniger damit anfangen, finde in diesem Roman aber die Charakterisierung von Mirona Thetin durchaus gelungen. Wobei es überraschend ist, warum sie erst jetzt, 18 Jahre nach der Geburt des Kindes, solche Skrupel befallen.

Das Titelbild zeigt sehr schön die Szene in der Atlan und Mirona auf ihren »Rennbrettern« von Robotern beschossen werden.