NEO – Grausam konsequent

Quelle: Perrypedia

Was Rainer Schorm im neunten Roman der Methans-Staffel von PERRY RHODAN abliefert, ist harter Tobak. Ich kann mich nicht erinnern, je einen PR-Roman gelesen zu haben, der so schonungslos und konsequent war wie »Der Weg nach Achantur«.

Die drastische Darstellung der Flucht der Mutanten Sue und Sid aus der zerstörten LEPARD, sowie die Beschreibung des Internierungslager, in dem die Mannschaft der CREST dahinvegetiert, ließ mich an manchen Stellen schlucken. Da konnte mir selbst der Auftritt eines Eric Leyden kein Lächeln ins Gesicht zaubern. Vielleicht liegt es daran, das Rainer Schorm den Physiker nicht so treffend zu charakterisieren versteht wie beispielsweise Kai Hirdt. Aber Humor hätte ohnehin an dieser Stelle nicht gepasst. Der Roman unterstreicht einmal mehr die Ernsthaftigkeit der Serie, die in manch einem der vergangenen Romane durch die unbeschwerte Erzählweise fast verloren zu gehen drohte. Mit PR-NEO Nummer 109 wird der Leser wieder auf den Boden der Tatsachen zurückgeführt und der Roman damit zu einem Eckpfeiler der Staffel.

Der Tod eines Mutanten kommt am Ende überraschend, ist aber in seiner Konsequenz für die Spannung genauso positiv zu bewerten, wie seinerzeit der Tod des Haluters Fancan Teik. Rainer Schorm lässt seine Figuren leiden und zwar alle. Egal ob Thora, Sue oder Perry Rhodan, keiner der Charaktere wird verschont und in vielen kleinen Sätzen wird auf eine Zukunft hingewiesen, die noch mehr Leid erwarten lässt. Homer G. Adams Gedanken am Schluss des Buches lassen erahnen, was unsere Helden in Zukunft erwartet. Große Sorgen mache ich mir auch um Thomas. Der Junge ist jetzt seit fast acht Wochen in den Händen der Entführer. Ein Umstand der nicht spurlos an seiner Kinderseele vorbeigehen wird und sicher einer der Punkte, wie die Exposéautoren die Figur an die des Thomas Cardiff aus der EA annähern möchten.

Der ohne Zweifel spannende Roman, zeigt die andere Seite des Aufbruchs der Menschheit ins All. Nämlich die, dass es keinen Gewinn ohne Verlust gibt. Ich gebe zu, Rainer Schorms NEO-Roman hat mich nachhaltig beeindruckt, auch wenn ich lieber die humorigen Geschichten von Kai Hirdt mag.

Zum Schluss noch ein kleiner Gedanke zum Planet Geesen. Die Beschreibung des kapitalistischen Systems erinnerte mich sehr stark an Ferenginar aus Star Trek. Allein die Unterhaltung zwischen den beiden Lagerarbeitern, dass ihnen jetzt fünf Promille ihres Lohns für die Ausleuchtung ihres Arbeitsplatz abgezogen werden, könnte den Ideen eines gewissen Barbesitzers (Quark) entnommen sein. Eine sehr schöne Parallele und sicher nicht ohne Systemkritik.

Die Zeit der lebenden Smombies

Als eine von wenigen, die nicht zur »Generation Smartphone« gehören, geht mir dieser ganze Hype inzwischen ziemlich auf den Keks. Ich meine nicht, dass Leute Smartphones an sich benutzen, sondern das inzwischen davon ausgegangen wird, dass jeder ein Smartphone besitzt. Sei es beim Live-Fahrplan der Deutschen Bahn, wenn es mal wieder zu »Unregelmäßigkeiten im Fahrplanablauf« kommt oder bei der Paketverfolgung von DHL (damit man auch zu Hause ist, wenn der Postbote klingelt) oder auch nur, um sich mit Leuten zu verabreden und im Nachhinein Fotos auszutauschen. In diesem Fall ist man, wenn man ein Telefon nur zum Telefonieren besitzt, echt aufgeschmissen.

Die Smartphondichte hat in den letzten Monaten rapide zugenommen. Besonders merkt man das in S- und U-Bahn. Inzwischen hält fast jeder Passagier während der Fahrt sein Smartphone umklammert, manche vielleicht auch einen E-Book Reader. Nur die wenigsten haben noch eine Zeitung oder ein richtiges Buch in Händen. Als der S-Bahnfahrer letztens beim Einfahren in den Stammstreckentunnel vergaß, das Licht anzumachen, waren im Wagon fast alle Gesichter in geisterhaftes Smartphone-Licht getaucht. Am schlimmsten sind jene, die beim Überqueren der Straße oder dem Durchqueren der Bahnhofshalle ihre Augen ausschließlich auf das Display ihres Smartphones geheftet haben und sich dann wundern, wenn sie mit jemandem oder etwas zusammenstoßen.

Ich sehe die Entwicklung mit Besorgnis, besonders bei den Jugendlichen, jener »bescheidenen Generation, die mit einem angebissenen Apfel zufrieden ist«. Wenn ich sehe, wie aggressiv sich Schulkinder auf der Fahrt zur Schule bereits beim Spielen mit ihrem Smartphone verhalten oder sich junge Mädchen Nachrichten schicken, obwohl sie sich gegenüber sitzen; andererseits aber, dass ihnen gegebene Instrument nicht dazu verwenden, um sich richtig zu informieren. (Aus einem Dialog zweier Sechszehnjähriger über den Stratosphärensprung von Felix Baumgartner: »Na du weißt schon, der der vom Mond runter gesprungen ist.«)

Ich finde das höchst bedauerlich, denn da geht so viel Kreativität verloren. Es wird nur noch medial konsumiert, es wird Druck erzeugt und die so wichtige Langeweile findet nicht mehr statt. Genau aus diesem Grund bete ich jeden Tag, dass mich mein fast zehn Jahre altes Nokia-Handy nicht so schnell verlassen möge und ich die Smartphonelose Existenz noch ein wenig genießen kann. Denn in der Endkonsequenz werden wir dem Phänomen wohl nicht ausweichen können, wenn wir auf einem gewissen Niveau weiterhin am Leben teilhaben wollen. Schade eigentlich!

Inzwischen gibt es eine Schweizer Firma, die ein »Anti-Smartphone« entwickelt hat. Nur zum Telefonieren und SMS schreiben. Kostenpunkt rund 300 Euro. Individualität hat eben seinen Preis.

Süßes aus Perlen

Hin und wieder packt es mich und ich widme mich mit großer Geduld kleinen Perlenspielereien. Es wird langsam Zeit hier auch mal etwas davon zu zeigen.

Vor ein paar Jahren stieß ich auf die Internetseite des japanischen Perlenhändlers »Beadsmania«. Dort werden Bastelsets für kleinen Torten aus Perlen angeboten. Leider sind die Sets a ziemlich teuer und b handelt »Beadsmania« nicht außerhalb Japans. Über einen Japan-Store in München kam ich aber in den Besitz eines Katalogs des Händlers, in dem die Muster von drei Törtchen abgedruckt waren. Ich stürzte mich also in das Abenteuer japanische Anleitungen zu interpretieren, ohne ein Wort (oder besser ein Zeichen) japanisch zu verstehen …

Der Anleitung zu folgen, war letztendlich leichter als gedacht. Nur eine Sache entpuppte sich als schwierig, denn um die Muster richtig hinzubekommen, benötigt man exakt die vorgegebenen Perlen (Größen). Die aber in Deutschland zu bekommen, erforderte etwas Geduld und ein wenig Geld. Nichtsdestotrotz hatte ich Blut geleckt. Ich wollte unbedingt solche Törtchen machen und ich habe es letztendlich auch geschafft. Inzwischen brauche ich nicht einmal mehr eine genaue Anleitung, allein es reichen die Fotos von der „Beadsmania“-Seite, denn die Grundformen der Törtchen unterscheiden sich nicht allzu sehr voneinander.

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Kabarettistische Wahrheiten

Beim Zappen stießen wir gestern Abend auf eine Sendung mit Christoph Sieber. Sein Kabarettprogramm mit dem Titel »Hoffnungslos optimistisch« zog uns sofort in seinen Bann.

Ich kenne Kabarett zumeist brüllend komisch oder mit politischen Statements die in zweideutige Sätze verpackt werden. Anders bei Sieber. Er sagte einfach nur, wie es ist und das mit einem Gänsehaut verursachenden Ernst. Je länger ich ihm lauschte, desto mehr begriff ich: Der Mann hat Recht. Er legte einfach nur Tatsachen dar, da wurde nichts verpackt oder zwanghaft ins Lustige gemünzt. Seine Aussagen enthielten eine Bitterkeit, von der man als Zuschauer hart getroffen wurde. Sprachlos saß ich vor dem TV und musste ein paar Mal hart schlucken.

Im Nachhinein begriff ich, wie verrückt unsere Gesellschaft inzwischen ist, dass es ausreicht die Wahrheit zu sagen, um kabarettistisch zu sein. Wir leben eine Satire, die eigentlich zum brüllen komisch wäre, wäre nicht alles davon wahr.

Den Namen Christoph Sieber werde ich mir merken und jetzt regelmäßig seine Sendung »Mann, Sieber!« im ZDF einschalten.

Viel Science in der Fiction

Quelle: Perrypedia

Inzwischen bin ich zu einem glühenden Anhänger von PERRY RHODAN NEO geworden. Das, was die beiden Expokraten derzeit machen, ist für mich ganz großes Kino. So auch der achte Roman der »Methans«-Staffel von Michael H. Buchholz »Die Freihandelswelt«.

Endlich macht sich mal jemand Gedanken darüber, wie groß die Entfernungen innerhalb der Milchstraße wirklich sind. In den alten EA-Zeiten ist man mal schnell nach Arkon aufgebrochen und war in gefühlt einem Tag dort. Da der Kugelsternhaufen M13 aber 34.000 Lichtjahre vom Sol-System entfernt ist und die Sprungreichweite der Transitionstriebwerke nur maximal 500 Lichtjahre, mit je 18 Stunden Zwangspausen, beträgt, kann man sich ja ausrechnen, wie lange man bis dahin braucht. Danke dafür, ein bisschen wissenschaftliche Korrektheit in die Serie zu bringen.

Noch besser geschildert war die Situation auf der Erde. Ich mag solche innenpolitischen Scharmützel, das hat mir in der EA schon im Plophos-Zyklus gut gefallen. Reginald Bulls Bemühungen den Vizeadministrator und dessen Nachfolger von der Notwendigkeit der Transitionsdämpfer im Erdorbit zu überzeugend, war nicht nur witzig erzählt, sondern man litt förmlich mit Bully mit. Der Anschlag auf sein Leben und seine Verfolgung des Attentäters waren Hollywoodreif und bildeten einen schönen Kontrast zur Nebenhandlung mit Thora oder der Mission der CREST unter Federführung von Perry Rhodan. Besonders gefreut hat mich das Wiederauftauchen von Eric Leyden als neuen Chefwissenschaftler des Flaggschiffs der Solaren Flotte. Die Figur ist mit so viel Liebe charakterisiert, dass ich hoffe, ihn noch oft im Einsatz erleben zu dürfen. Besonders gern lese ich auch von Leydens Assistentin Belle McGraw, einem Charakter mit dem ich mich hundertprozentig identifizieren kann.

Auch Thoras Auftreten war in jedem Satz glaubwürdig. Den Spagat zwischen besorgter Mutter und ehemaliger Raumschiffkommandantin hat der Autor gut hinbekommen. Sie wirkte nie wehleidig oder übertrieben tough. Ihr die »Old Men« an die Seite zu geben, ist eine gute Idee. Nur fand ich es etwas unglaubwürdig, dass man den Administrator der Erde auf eine solche Mission gehen lässt. Wenn er zuvor seinen Posten endgültig geräumt hätte, um den Staffelstab an seinen Nachfolger weiterzureichen, bzw. wenn er sich bei Neuwahlen nicht mehr zur Wahl gestellt hätte, wäre es für mich glaubwürdiger gewesen.

Im dritten Handlungsstrang erfährt man nur wenig. Perry Rhodan kommt nach Hause und bricht sofort mit dem Flaggschiff wieder auf, um nach dem verschollenen Crest zu suchen. An dieser Stelle fragte ich mich etwas verwirrt, wann ist die CREST zurückgekommen. Vielleicht habe ich die Stelle auch überlesen, aber ich war doch etwas irritiert, als sie plötzlich auf dem Raumhafen stand.

Alles in allem ist der PR-NEO mit der Nummer 8 wieder ein lesenswerter Roman bei dem ich viel Spaß hatte. Es gibt jetzt drei Handlungsebenen: das Sol-System, Thora und die »Old Men« an Bord der LEPARD in M13 und Perry Rhodan sowie Eric Leyden an Bord der CREST auf der Suche nach Achantur. Das ist gerade noch zu verkraften, mehr Handlungsstränge sollten es aber nicht werden.

Vorm Erwachen der Macht

Ganz im Zeichen des neuen Star Wars Films stand das Trekdinner am Freitagabend. Da wurde spekuliert, Befürchtungen geäußert und das Geld für die Kino-Tickets eingesammelt. Wenn wir dann gemeinsam am 18. Dezember aus dem Kino kommen, werden wir schlauer sein. Wir werden wissen, was mit Luke passiert ist und ob J. J. Abrams das bisherige Star Wars Universum genauso »vernichtet«, wie seinerzeit das Universum von Star Trek.

Ansonsten war es wieder ein schöner Abend mit vielen netten Gesprächen. Ich betrieb mal wieder Konversation mit dem Autoren-Nachwuchs und zeigte Babybilder vom jüngsten Trekdinner-Spross herum. Es waren etwa zwanzig Fans gekommen und weil die zehn Leute von der Piratenpartei im gleichen Raum »tagten«, war es mitunter so laut, dass man sich anschreien musste. Das war für meine Stimme und meine noch nicht ganz auskurierte Erkältung nicht ganz so gut.

Bereits in vierzehn Tagen werden wir uns an gleicher Stelle zur Weihnachtsfeier wieder treffen, dann mit dem obligatorischen Jahresrückblick und dem Quiz, dass in diesem Jahr mal nicht in meinen Händen liegt. Ich bin schon ganz gespannt.

Weitere Fotos vom Trekdinner gibt es wie immer bei Sandra im Blog.

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Zwischen den Fronten

In dieser Woche waren im TV zwei Beiträge zu sehen, die dieselbe Thematik ansprachen. Es ging um die Spionage der DDR-Staatssicherheit in Westdeutschland, um das Anwerben von Agenten und ihr Leben zwischen den Systemen mitten im Kalten Krieg.

Während es im Fernsehfilm »Unsichtbare Jahre« um das Porträt einer junge Frau aus dem Westen geht, die Mitte der Siebzigerjahre von der Stasi angeworben wird, steht in der RTL-Serie »Deutschland 83« ein junger Mann aus der DDR im Mittelpunkt, der als Spion Widerwillen in Westdeutschland agieren muss.

Mich faszinierte die unterschiedliche Herangehensweise an das Thema. Im sehr ruhig erzählten TV-Film wird die Geschichte anhand einer psychisch auffälligen Person erzählt. Die junge Frau rebelliert gegen das konservative Elternhaus und findet in der Ideologie der radikalen Linken ihre Erfüllung. Doch entgegen ihrer Kommilitonen findet sie nicht das private Glück und stellt sich voll in den Fokus ihrer Überzeugung. Die Stasi-Offiziere haben leichtes Spiel, zumal der smarte Ulrich (David Rott in einer kleinen, aber überzeugenden Rolle), ihr gehörig den Kopf verdreht. Mit welchen unfairen Mitteln die Stasi in diesem Fall agiert, wird ihr erst klar, als man ihr sagt, dass sie Ulrich nie wiedersehen wird. Über all die Jahre bleibt sie eine Getriebene. Sie erfüllt ihre Spionageaufgaben, zahlt aber einen hohen Preis dafür. Einsam, von Abhängigkeit bedroht und nicht liebesfähig, bestreitet die ein Leben ohne Höhen und Tiefen. Unsichtbar eben. Es endet vorhersehbar und abrupt mit der Wiedervereinigung 1990.

Ganz anders dagegen die TV-Serie. Hier wird ganz im Sinne moderner Agentenserien agiert. Der junge Spion, der eigentlich nur nach Hause in die DDR zu Mutter und Freundin zurück möchte, wird in knifflige Aufträge verstrickt, aus denen er sich oft nur mit Improvisation und Köpfchen befreien kann. Die Darstellung eines DDR-Bürgers, den es unvermittelt in den Westen verschlägt, fand ich gut inszeniert. Besonders die Szene in der er zu fliehen versucht und zwischen den Regalen eines Supermarktes landet, wo er völlig überwältig stehen bleibt. Das erinnerte mich an meinen ersten Besuch in einem westdeutschen Supermarkt im Dezember 1989. Ich habe damals auch den Mund nicht zu bekommen. Das war gut gemacht. Ich bin schon sehr gespannt, wie die Geschichte in »Deutschland 83« weiter erzählt wird.

Zwei Filme, eine Geschichte und doch auf völlig unterschiedliche Weise präsentiert. Das beides innerhalb derselben Woche ausgestrahlt wurde, war sicher kein Zufall.

In der falschen Welt

Quelle: perry-rhodan.net

Endlich habe ich den Minizyklus der aktuellen PERRY RHODAN-Erstauflage »Die falsche Welt« gelesen. Geschrieben wurde der Vierteiler von Andreas Eschbach und Verena Themsen. Zum Inhalt erzähle ich an dieser Stelle nichts, den kann jeder in der Perrypedia nachlesen.

Ohne Zweifel – Andreas Eschbach ist ein Könner. Sein »Techno-Mond« hat mich seinerzeit dazu gebracht wieder in die EA einzusteigen. Seine Romane verbinden die Figurenbezogene Schreibweise, mit dem treibenden Stil der alten Heftromane. Die Handlung geht zügig voran, da wird nicht geschwafelt, keine ausschweifende Exposition betrieben. Die Sätze sind knapp und auf den Punkt formuliert. So mag ich das. Die Figuren sind sauber gezeichnet, die kypernetische Agentin, die sich erst spät als solche entpuppt, ist gut charakterisiert. Man glaubt sie vor sich zusehen, wenn sie sich auf der Suche nach Informationen durch die Holos wühlt. Auch Germo Jobst, der Junge mit dem Psi-Induktor, ist mir schnell ans Herz gewachsen. Die Figur des alten Sehers Ch’Daarn ist grandios ausgedacht. Ich wäre nie auf die Idee gekommen, einem Topsider seherische Fähigkeiten zuzuschreiben. Atlan geht in seiner Rolle als Pilot der ATLANC auf. Die Erklärung, wie sich das Schiff an ihm als Piloten orientiert, fand ich originell. Das wird im laufenden Zyklus sicher noch spannend. In seinen Abenteuern mit der Posbi, Jawna Togoya, auf Lemur (der Erde im Jahr 2577 NGZ) schwingt der Glanz alter Zeiten mit. Eine Winzigkeit muss ich aber kritisieren. Atlans Reaktion auf den Tod seiner beiden jungen Mitstreiter war zu platt. Da hätte ich mir mehr emotionale Tiefe gewünscht, oder zumindest mehr Schuldgefühle. Schließlich war er es, der die beiden zu der Mission überredet hat. Ihr Tod wurde meiner Meinung nach zu wenig thematisiert. Für mich kam Atlans Figur in diesem Moment als zu gefühlskalt rüber. Sicher hat er im Laufe seines langen Lebens schon viele Untergebene sterben sehen, aber die Posbi und er haben sich nicht mal versichert, ob die beiden jungen Menschen tatsächlich getötet wurden.

Die zwei nachfolgenden Romane von Verena Themsen fügen sich im Stil nahtlos an. Die Haluter in den Mittelpunkt zu stellen, war zwar ein vorhersehbarer Schachzug, denn es war frühzeitig klar, dass Atlan nur mit ihrer Hilfe zum Richterschiff auf dem neuen Erdmond »Suen« vorstoßen wird. Die Autorin beschreibt das Katz- und Mausspiel zwischen der kybernetischen Agentin und dem Team um Atlan, Jawna und Germo sehr ambitioniert. Das Auftauchen Rico’s – Atlans langjährigem getreuen Roboter – überrascht und gibt der Geschichte die erhoffte Wendung. Allein das Ende erschien in meinen Augen etwas hektisch. Da passierte zu viel in zu kurzer Zeit, als dass man die Handlung richtig genießen konnte. Die überbordende Storyline hätte locker einen weiteren Roman füllen können.

Nichtsdestotrotz gehört der Vierteiler »Die falsche Welt« zu den herausragenden Romanen des aktuelle Zyklus‘. Überhaupt ist die Darstellung des falschen Universums in der das Atopische Tribunal gesiegt hat, wunderbar beschrieben. Den Exposé-Autoren gelingt es damit, den Lesern die eigentliche Gefahr zu zeigen, die vom Tribunal und seinen Machenschaften ausgeht. Bisher gab es dazu nur Andeutungen, hier bekommt man endlich das Ergebnis präsentiert. Die Menschen, die sich wieder Lemurer nennen, sind eigentlich eine versnobte Gesellschaft, die nur noch mit sich selbst beschäftig ist. Eingelullt vom aufgezwungenen Frieden durch das Tribunal, vegetiert sie vor sich hin und scheint in großen Teilen ihrer eigentlichen Menschlichkeit beraubt. Vielfach erinnerte es mich an unsere Realität. Ein Spiegelbild, dass uns die Autoren sicher nicht ohne Grund vor Augen halten. Großartig! Davon würde ich gern mehr lesen.

Nachbetrachtungen

Die Seminare an der Bundesakademie in Wolfenbüttel sind eine geniale Sache, wenn man danach nicht immer in ein tiefes Loch fallen würde. Jeder, der mal eine Convention oder einen Con besucht hat, weiß was ich meine – den Con-Blues – die bedrückende Stimmung, die sich nach der Veranstaltung wie ein dunkler Schatten über die eigenen Gedanken wirft.

Bei den Schreibseminaren ist es noch ein bisschen schlimmer. Das hat sicher damit zu tun, dass man während des Seminars drei Tage lang unter Strom steht, mit wenig Schlaf, kaum gegessen – ich habe während der Seminare nie Hunger – und dem ständigen fokussiert sein. Wenn man dann auch noch schlechte Neuigkeiten erzählt bekommt, haut es einen am Ende einfach um. Im Anschluss brauche ich dann immer ein paar Tage, bis ich mich aus dem Loch wieder ausgebuddelt habe.

Dabei ist das ja alles gar nicht so schlimm, im Gegenteil, es ist gut. Die Gemeinschaft der anderen, der rege Gedankenaustausch und die Kritik an der eigenen Arbeit sind positive Inspirationen. Nur fühlt es sich zunächst nicht so an. Man muss alles erst sacken lassen und das braucht seine Zeit.

Inzwischen weiß ich ja: Spätestens in ein bis zwei Wochen überwiegen die guten Erinnerungen und man brennt darauf, sich wieder anmelden zu dürfen.

Hier noch zwei Bilder vom Sonntagvormittag. Vielen Dank an Olaf Kutzmutz von der BA Wolfenbüttel.

Frieren mit Klaus N. Frick
Frieren mit Klaus N. Frick
Copyright 2015 Olaf Kutzmutz
Bei der Arbeit (c) Copyright Olaf Kutzmutz

 

Star Trek „Made in Germany“

… bei dieser Schlagzeile fiel mir gestern die Kinnlade runter. War das echt oder ein verspäteter Aprilscherz?

Doch da sowohl Robots & Dragons als auch dieZukunft diese Nachricht vermeldeten, konnte es sich nicht um einen Scherz handeln. Den Leuten vom Cross Cult Verlag ist es tatsächlich gelungen, CBS zu überzeugen eine deutsche Star Trek-Romanreihe zu genehmigen; geschrieben von deutschen Autoren. Ich war baff. Zum 50. Jahrestag von Star Trek scheinen tatsächlich Wunder zu geschehen.

Die Reihe wird den Titel „Star Trek – Prometheus“ tragen und sich mit den Geschehnissen in der Föderation der vereinten Planeten ab 2385 beschäftigen. Autoren sind Christian Humberg und Bernd Perplies, die beide in den letzten Jahren für die Übersetzungen der Star Trek-Bücher bei Cross Cult verantwortlich waren. Christian Humberg ist Autor zahlreicher Sachbücher mit Star Trek Bezug; zum Beispiel das von mir hochgelobte »Geek Pray Love«. Bernd Perplies schreibt unter anderem auch für Perry Rhodan.

Was für eine Nachricht. Für mich als langjährige Star Trek-Fanfictionautorin klingt das ungefähr so, als würde man Gläubige bitten am Heiligen Buch mitzuschreiben. Und für Paramount und CBS war Star Trek bisher eine heilige Kuh, an die niemand herangelassen wurde; schon gar nicht aus Europa. Deutschland hat nach den USA das größte Star Trek Fandom in der Welt. Nirgendwo sonst in Europa gibt es so viele aktive Star Trek-Fans. Das es einem deutschen Verlag gelungen ist, CBS die Rechte für eigene Star Trek Romane aus dem Kreuz zu leiern, ist eine kleine Sensation. Möglicherweise hat es auch damit zu tun, dass CBS mit Paramount seit Jahren im Clinch liegt. Paramount besitzt die Filmrechte und CBS ist Rechteinhaber über alle TV-Serien. Im Januar 2015 lief ein Vertrag aus, der es CBS verbot eine TV-Serie zu produzieren. Angeblich ausgesprochen von J.J. Abrams, der Konkurrenz für seine Filme befürchtete. Nun bekommen wir ab 2017 eine neue Serie und die deutschen Fans noch eine im eigenen Land produzierte Buchreihe. Na wenn das mal keinen guten Nachrichten sind.

Mehr zu Star Trek – Prometheus auf den Seiten des Verlags.