Leyden und judäische Volksfront

Quelle: Perrypedia

PERRY RHODAN NEO – Band 118 – »Roboter-Revolte« von Kai Hirdt

So so, die »judäische Volksfront« und die »Volksfront von Judäa« haben jetzt auch ihren Weg zu PR-NEO gefunden. Es ist doch immer wieder interessant, wie mir als Leser ein kleines Detail soviel Freude bereiten kann. Dabei habe ich den Monty-Python-Film seinerzeits höchstens ein- oder zweimal gesehen. Dennoch brachte die Erwähnung des »Brianismus« die Erinnerungen zurück. Gemeinsam mit dem darauffolgenden Dialog hatte mich der Autor schon an der Angel …

Ein zweites Ultimatum der Posbis zwingt Eric Leyden und die Wissenschaftler an Bord des Mehandor-Frachters dazu, die defekte Komponente der Roboter zu finden und zu reparieren. Sie bekommen zwar schnell heraus, was die Störung verursacht, aber nicht, wie man das entsprechende Ersatzteil herstellen kann. Damit am Ende nicht nur sie, sondern auch die Mehandor überleben, brauchen sie einen Plan B. Durch eine Meuterei der Mehandor-Besatzung gerät dieser Plan aber in Gefahr.
Eric Leyden ist ein besonderer Charakter und für einen Autor eine dankbare Figur, weil er im Gegensatz zu Perry Rhodan Ecken und Kanten aufweist, an den man ihn reiben kann. Kai Hirdt illustriert, meiner Meinung nach, den Wissenschaftler am schillerndsten von allen Autoren des NEO-Teams. Vielleicht sehe nur ich in seinem Eric Leyden den Sherlock-Darsteller Benedict Cumberbatch. Aber die Macken erinnern schon sehr an Sherlock Holmes oder Alan Turing (in »The Imitation Game«). Kritiker werfen den Expokraten vor, dass Charaktere wie Leyden überzeichnet sind und im realen Leben niemals bestehen könnten. Ich muss widersprechen. Wahrscheinlich kenne nicht nur ich Leute, die genauso sind, einen super Job haben, aber nicht annähernd die Genialität des Wissenschaftlers besitzen (im Gegenteil). Mit solchen Leuten arbeiten zu müssen, ist noch viel viel schlimmer. Dagegen ist Leyden ein Traum. Aber eigentlich will ich nicht nur über Eric Leyden sprechen, sondern vor allem auf Bell McGraw eingehen. Denn auch diese Figur gewann in dem Roman richtig an Format und ist mir inzwischen mit all ihren Unzulänglichkeiten richtig ans Herz gewachsen. Sie ist als Perspektive für den Leser ideal, weil man sich in ihr wiederentdeckt. Die Situation auf dem, von den Posbis kontrollierten, Schiff wurde vom Autor glaubhaft und mit einer Menge origineller Ideen beschrieben. Das dabei nicht jede Figur ins rechte Licht gerückt werden kann, ist nachvollziehbar und so bleiben Atlan und Tuire in diesem Roman nur Nebenfiguren. Was mich persönlich nicht gestört hat. Sogar bei den Auftritten von Kater Hermes nahm sich der Autor zurück, traf dabei dennoch genau den Ton, um Katzenbesitzern ein Lächeln ins Gesicht zu zaubern.

Im zweiten Handlungsstrang stand Tim Schablonski als tragender Charakter im Mittelpunkt. Nachdem Rhodan und seine Mitstreiter wohlbehalten aus der Vergangenheit zurückgekehrt sind, finden sie das Posbi-Schiff so gut wie verlassen vor und machen sich auf die Suche nach Aashra und der CREST. Ihr steiniger Weg führt sie auf den Heimatplaneten des Zentralplasmas. Plasmaintelligenz Anich wird von feindlichen Posbis angegriffen, die alle dem Befehl des bösen Posbi Aashra folgen.
Allein der »Ritt« auf den Posbis mit fünf Prozent Lichtgeschwindigkeit durch das System im Leerraum, war für mich weniger überzeugend. Es fällt mir schwer zu glauben, dass die NEMEJE nur über eine Fluchtkapsel verfügte. Aber darauf will ich nicht herumreiten. Neben den Posbis Kaverie und Atju gefiel mir in diesem Teil des Romans die Charakterisierung von Mutantin Tani Hanafe. Natürlich ist es ein Wagnis, eine psychisch labile Person auf eine so gewagte Expedition mitzunehmen. Im Nachhinein betrachtet, mag die Entscheidung vielleicht falsch gewesen sein. Ändern kann Rhodan daran aber nichts und so muss das Team damit leben. Die Annäherung zwischen ihr und ihrem Aufpasser Schablonski fühlte sich sehr glaubhaft an. Da standen Emotionen zwischen den Zeilen, die ich so vom Autor noch nicht kannte. Emotionale Kopplung nennt man das wohl, wenn der Leser in den Figuren aufgeht. Das klappt vielleicht nicht bei jedem, aber mir gefällt so etwas immer. Überhaupt zeigt der Autor mit Band 118 eine völlig neue Seite. So viel Gefühl in der Handlung und zwischen den Figuren kenne ich sonst nur von Exposéautor Rüdiger Schäfer. Ist es seinem Einfluss zu verdanken oder war es eine natürliche Entwicklung des Autors? Mit »Roboter-Revolte« ist Kai Hirdt über sich hinausgewachsen und hat ein neues erzählerisches Niveau erreicht. Das war so gut gemacht, dass im Gegensatz zu Schablonski und Hanafe Perry Rhodan stellenweise richtig schroff wirkte.

Mein Fazit: Ein spannender Roman mit einer durchdachten Geschichte, die das gesamte Gefühlsspektrum abdeckte. Meine Lieblingspassage ist der letzte Teil von Kapitel 11 (Schablonski versinkt im Plasma). So etwas möchte ich öfter lesen. Großartig! Und weil ich aus sicherer Quelle weiß, dass der Autor den Roman in gerade mal zwei Wochen geschrieben hat, ist meine Achtung vor Kai Hirdt nochmals um ein großes Stück gewachsen. Der Mann ist ein Phänomen!

For the Love of Spock

Adam Nimoy, Sohn des verstorbenen Spock-Darstellers Leonard Nimoy, veröffentlichte dieser Tage eine Dokumentation zu seinem Vater. Mittels einer Kickstarter Kampagne sammelte er bei Fans in der ganzen Welt 660000 Dollar.

Ich hoffe sehr, dass der Film anlässlich des 50. Jahrestages von STAR TREK auch in die deutschen Kinos kommt, denn der Teaser-Trailer zur Dokumentation macht Lust auf mehr.

Missachtetes Genie

Quelle: Amazon

Den Namen Alan Turing hörte ich erstmals während meines Studiums im Fach Theoretische Informatik, im Zusammenhang mit der Turing-Maschine. Das ist ein Modell, das die Arbeitsweise eines Computers auf mathematische Weise abbildet. Doch wer dieser Mann war und was er mit der Entschlüsselung der Enigma zu tun hat, erfuhr ich erst in dieser Woche, als ich den Film »The Imitation Game« sah.

1951 kommt es zu einem Einbruch in Turings Wohnung. Dem Detective kommt Turings Verhalten seltsam vor und er schnüffelt in dessen Vergangenheit herum, weil er glaubt, das Turing ein russischer Spion ist. Bei einem Verhör erzählt ihm Turing seine Geschichte.

1939. Der exzentrische Mathematiker Alan Turing bewirbt sich für ein geheimes Projekt der englischen Regierung. Zusammen mit anderen Experten auf dem Gebiet soll er den Code der deutschen Enigma entschlüsseln, um den Vorstoß der Deutschen im zweiten Weltkrieg zu stoppen. Doch Turing ist alles andere als ein Teamplayer. Mit seinem rüden Auftreten und seinen Einzelaktionen stößt er nicht nur bei den Kollegen an, sondern auch bei seinen Vorgesetzten. Keiner versteht, was in seinem Kopf vorgeht und was er mit seiner Arbeit bezweckt. Als man ihn feuern will, wendet er sich an den Premierminister und wird prompt zum Leiter des Forscherteams ernannt. Doch während er »erfolglos« vor sich hin tüftelt und seine Mitarbeiter auf konventionellen Weg zumindest Teile der Botschaften entschlüsseln können, sterben täglich hunderte von Soldaten und Zivilisten in einem mörderischen Krieg. Erst eine junge Frau (Joan Clarke), die er für sein Team rekrutieren konnte, bringt ihn auf neue Ideen. Sein Projekt eine Maschine, die jeden Code entschlüsseln kann, nimmt plötzlich Gestalt an, aber der Erfolg bleibt zunächst aus. Doch die strikten Moralvorstellungen dieser Zeit verbieten eine Zusammenarbeit zwischen Joan und ihm. Turing macht ihr kurzerhand einen Heiratsantrag, gesteht ihr aber später, das er homosexuell ist.
Kurz vor dem Durchbruch droht die Regierung damit, ihm das Projekt wegen Erfolglosigkeit zu entziehen. Und da hat Joan die rettende Idee. Mit dem, jeden Morgen von den deutschen gesendeten, Wetterbericht gelingt es ihnen, den Code der Enigma zu knacken. Der Erfolg ist jedoch zweischneidig, denn wenn jemand herausbekommen würde, dass die Engländer die Funksprüche der Deutschen abhören können, wäre all ihre Arbeit für umsonst. Unter dem Kommando des Mi6 berechnen Turing und sein Team fortan, auf welchen der Funksprüche die Alliierten statistisch gesehen reagieren dürfen, ohne dass der Gegner Verdacht schöpft. Turings Team bestimmt quasi über Leben und Tod.
Nach dem Ende des Krieges, müssen alle Unterlagen zum Projekt und die Maschine vernichtet werden. Auch die Wege der Teammitglieder trennen sich.

Während des Verhörs konfrontiert der Detective Turing mit der Aussage des Einbrechers. Der hat ein Geständnis darüber abgelegt, dass er mit Turing sexuelle Kontakte hatte. Turing wird wegen »grober Unzucht und sexueller Perversion« verurteilt. Um nicht ins Gefängnis zu müssen, stimmt er zu, sich einer Hormonbehandlung mit schweren Nebenwirkungen zu unterziehen.  Joan Clarke besucht ihn und findet ihn als emotionales Wrack vor.
Wenig später nimmt sich Turing das Leben. Er stirbt mit 41 Jahren.

Die komplex aufgebaute Geschichte wird über mehrere Zeitebenen erzählt, die sich immer wieder einander abwechseln. Das Verhör mit dem Detektiv bildet die Rahmenhandlung. Man erfährt aber auch von Turings Jugend im Internat, bei dem er seinen besten Freund an Tuberkulose verlor. Nach ihm benennt Turing auch seine Maschine »Christopher«.
Der Film fesselt von der ersten Minute an. Neben der spannenden Geschichte ragt vor allem die Schauspielerische Leistung von Benedict Cumberbatch als Alan Turing heraus. Wie in seiner Rolle als »Sherlock« schafft er es, den eigensinnigen Mathematiker mit all seinen Macken glaubhaft darzustellen. Keira Knightley als Joan Clarke bildet dazu den passenden Widerpart und auch das restliche Schauspielensemble überzeugt.

Bemerkenswert war für mich die Beschreibung der damaligen Moralvorstellungen. Frauen durften nur in Frauenberufen arbeiten und mussten bei den Eltern leben, so lange sie nicht verheiratet waren. Auch die gnadenlose Verfolgung Homosexueller, die zu fragwürdigen Behandlungsmethoden gezwungen wurden, werfen einen dunklen Schatten auf die Zeitgeschichte. All das macht deutlich, dass die Genialität eines Individuums wie so oft engstirnigen Moralvorstellungen zum Opfer fällt, anstatt sie zum Wohle der Menschheit zu nutzen.

»The Imitation Game« ist ein sehenswerter Film, der die Verhältnisse während und nach dem zweiten Weltkrieg in England realistisch abzubilden versucht. Die spannende Geschichte hat nicht umsonst den Oscar für das beste Drehbuch gewonnen.

Teuflischer Gott

das-brandneue-testament_hochGott lebt in Belgien und er ist alles andere als nett. Eigentlich ist er ein gemeines Schwein, dass nicht nur seine Frau und Tochter tyrannisiert, sondern auch den Rest der Menschheit. Mit seinen Geboten erfindet er immer wieder neue Methoden, um die Menschen zu schikanieren, zu quälen oder sonst wie zu demütigen. Seine Tochter Éa, seit zehn Jahren im obersten Stockwerk eines Wohnblocks eingesperrt, hat schließlich die Nase voll. Von der Statue ihres Bruders Jesus ermuntert, flieht sie zu den Menschen. Doch zuvor legt sie Papas Computer lahm und die Todesdaten aller Menschen offen. Natürlich per SMS. So bekommt jeder auf der Welt mit, wann er sterben wird. Das verändert alles.

Doch Gott steigt seiner Tochter nach (in die Trommel einer Waschmaschine) und landet letztendlich selbst in der Realität der Menschen. Das, was eigentlich ein Paradies sein sollte, entpuppt sich als – unfreundlich und voller Gewalt. Genauso, wie er es konstruiert hat. Während er seine Tochter verfolgt, gerät er durch seinen fiesen Charakter immer wieder in Konflikte.

Tochter Éa sucht indes nach sechs Aposteln, um ein brandneues Testament zu schreiben und der sadistischen Herrschaft ihres Vaters ein Ende zu setzen – mit Erfolg.

Im Film »Das brandneue Testament« sind Gott und der Teufel in einer Person vereint. Ich frage mich gerade, was wohl ein gläubiger Mensch von dem Film halten mag. Wahrscheinlich würde er ihn als pure Blasphemie abtun. So respektlos wie mit dem Glauben umgegangen wird, mag er für hartgesottene Gläubige harter Tobak sein. Und doch steckt eine Menge Wahrheit in der Geschichte. Nicht nur über den Glauben selbst, sondern auch über das menschliche Zusammenleben. Egal, ob es um den Handy-Wahn oder die Vernichtung von Lebensmitteln geht. Die Kritik an der Gesellschaft ist bestens verpackt in surrealem Humor und einschlägigen Bildern, eindrucksvoll gespielt von bekannten Darstellern, wie Benoît Poelvoorde (»Nichts zu verzollen«) und Catherine Deneuve. Gleichfalls erwähnenswert ist die Darstellerin der Éa, die mit ihren zwölf Jahren eine beeindruckende Arbeit abliefert.

Der Film lief im vergangenen Herbst leider nur in wenigen ausgesuchten Kinos. In diesem Monat erschien die DVD und ich konnte mir den Film endlich ansehen. Entweder ich saß mit offenem Mund staunend davor oder lachte mich schlapp. Die belgisch-französisch-luxemburgische Komödie ist ein Beispiel dafür, dass skurrile Ideen und schwarzer Humor immer ihr Publikum finden. Bei mir hat es geklappt. Obwohl ich gern noch mehr von Jesus gesehen hätte, der von seinem Vater nur als »Weichei« bezeichnet wird. Leider ist er nur in zwei Szenen zu sehen.

Vertrauensbruch bei den Spezialisten

Quelle: ZDF

Die Spezialisten – Im Namen der Opfer, »Zersetzt«

Mit einem emotionalen Finale endet die erste Staffel der neuen ZDF-Vorabendserie.

Weil das Thema »Stasi« im deutschen Fernsehen bereits zu oft »aufgegriffen« wurde, ist es inzwischen auch dementsprechend »abgegriffen«. Es gibt darunter einige originelle Produktion wie beispielsweise »Deutschland 83«, aber der Rest hebt sich nicht sonderlich ab und ist für den Zuschauer inzwischen ermüdend. Nichtsdestotrotz haben die Macher der Serie versucht auch hier mit erhobenem Zeigefinger ein Zeichen zu setzen. Ob das einer Vorabendserie, die sich mit ungelösten Kriminalfällen beschäftig, gut tut, darüber kann man streiten. Es war zumindest streckenweise sehr unterhaltsam. Unteranderem auch deshalb, weil zumeist die Beziehungen zwischen den Hauptfiguren in den Vordergrund stand. Ob es dabei um Assistent Rufus Haupenthal und Kriminaltechnikerin Samira Vaziri ging oder um Hauptkommissar Mirko Kiefer und Rechtsmedizinerin Dr. Katrin Stoll. Zwischen letzteren beiden war endlich wieder die Spannung aus der Pilotfolge spürbar.

Katrin hilft einem jungen Mann, der nach 30 Jahren endlich den angeblichen Selbstmord seines Bruders (eines DDR-Punks) aufgeklärt haben will. Er glaubt, dass die Stasi seinen Bruder auf dem Gewissen hat. Da der damals heimlich Videos drehte, in denen Insassen von Jugendwerkhöfen von den menschenunwürdigen Erlebnissen berichten. Und weil die heutige Justiz eine Wiederaufnahme des Falles verweigert, hat Dr. Stoll Mitleid mit ihm. Sie riskiert damit nicht nur ihre berufliche Karriere, sondern setzt auch ihre Beziehung zu Mirko aufs Spiel. In Teamarbeit wird ermittelt. Jannik gräbt sich durch Berge von Stasi-Akten, Samira untersucht Küchenmesser, während Katrin und Mirko das Umfeld des Opfers unter die Lupe nehmen. Natürlich bleibt dem Hauptkommissar nicht verborgen, dass seine Freundin ihn angelogen hat. Er beantwortet den Vertrauensbruch mit seinem sofortigen Auszug aus der gemeinsamen Wohnung.
Am Ende klärt sich der Fall und der Bruder des Opfers hat endlich Genugtuung darüber, dass sein Bruder kein Verräter war. Doch zu welchem Preis. Die Beziehung zwischen Katrin und Mirko ist zerbrochen.

Endlich konnten die beiden Hauptdarsteller David Rott und Valerie Niehaus wieder einmal zeigen, was in ihnen steckt. In den vergangenen Folgen wirkten sie eher wie blasse Randfiguren. Dieses Mal fliegen die Fetzten und das ist für den Zuschauer interessanter als der Fall selbst.

Nach einer durchwachsenen Staffel mit Höhen und Tiefen bleibt zu hoffen, dass der Sender grünes Licht für eine weitere Folgen gibt. Nicht nur den Fans von David Rott zuliebe. Denn wenn sich die Drehbuchautoren auf die Konflikte zwischen den Hauptcharakteren konzentrieren, könnte noch viel mehr drin sein. Die richtigen Schauspieler dafür, haben sie jedenfalls.

Animation aus dem Ländle

Die Filmakademie Baden-Württemberg in Ludwigsburg ist schon seit zwei Jahrzehnten ein Garant für preisverdächtige Produktionen im Bereich Film und Animation. Viele Absolventen wechseln nach ihrem Abschluss über den großen Teich, um sich bei den großen Studios zu verdingen, eben weil der Markt für Spezialeffekte in Deutschland eher mager ist. Die Deutschen Filmindustrie geht in Sachen innovative »SpecialEffects« kein Risiko ein. Das heißt es wird in den wenigsten Fällen viel Geld dafür in die Hand genommen. Außerdem, wozu braucht man in einem Krimi auch schon groß Spezialeffekte?! So kann man auch Potential verschwenden – traurig aber war. Deshalb arbeiten so viele deutsche Animationskünstler in den Staaten, obwohl sie auch in Deutschland großartige Filme machen könnten, wenn die Produktionsfirmen ein bisschen mehr Mut zum Risiko beweisen würden. Vielleicht gäbe es dann auch schon längst einen PERRY RHODAN-Film.

Was die Absolventen der Filmakademie Baden-Württemberg alles so drauf haben, kann man an dem vierminütigen Abschlussfilm erahnen. Der bei zahlreichen Festivals eine Menge Preise gewonnen hat.

Produktiver Tag

Alles in allem war ich heute richtig fleißig. Zwei Szenen fertig überarbeitet, eine neue Szene angefangen und den zweiten Teil des Expos in Form gebracht, damit ich weiterschreiben kann. Dazwischen habe ich gekocht und bin am Nachmittag noch sieben Kilometer mit dem Fahrrad durch die Gegend geradelt, weil es eine Schande wäre, wenn ich bei solch schönem Wetter nur vor dem Computer hocken würde.

Weil mich mein Schreibcoach letzte Woche auf ein paar Unstimmigkeiten in den ersten drei Szenen aufmerksam gemacht hat, hinke ich meinem Zeitplan mit der FanEdition jetzt eine Woche hinterher. Am Wochenende habe ich versucht die Probleme in den Griff zu bekommen, was mir hoffentlich gelungen ist. Ich selbst bin mir zwar nicht sicher, ob mir die Perryfans das so abkaufen, aber wir werden es sehen. Dennoch habe ich jetzt erstmal beschlossen, die Rohfassung des Romans fertig zu schreiben. Sonst besteht die Gefahr das ich mich verzettle. Lieber ein weniger perfekter aber vollständiger Text, als eine Geschichte die exakt ausformuliert aber nur zum Teil fertig ist. Es gibt eine Menge Autoren die erst eine Rohfassung schreiben. Ich habe das bisher auch so gehandhabt und bin immer gut damit gefahren. Das nimmt auch den Druck. Außerdem möchte der Zeichner sicher auch bald ein paar Szenen zum lesen, damit er mit dem Titelbild anfangen kann.

Es ist also noch eine Menge zu tun und die Uhr tickt. Ende des Monats möchte ich fertig sein. Morgen früh im Zug wird der zweite Teil des Exposés in Angriff genommen. Ich freue mich schon.

Mit Frauenpower in die Vergangenheit

Quelle: Perrypedia

PERRY RHODAN NEO – Band 117 – »Exodus der Liduuri« von Susan Schwartz

Wenn ich einen NEO-Roman von Susan Schwartz in der Hand halte, bin ich ja immer ein wenig skeptisch. Bisher haben mich ihre Beiträge zur Serie nicht überzeugen können. Deshalb blieb der Roman auch eine Weile liegen, bis mein Mann ihn mir vor der Nase weg las und ihn für sehr gut befand. Neugierig gemacht, stürzte ich mich ins Lesevergnügen. Und was soll ich sagen: Er hatte recht.

Die Zeitreisegeschichte um Perry Rhodan, Cel Rainbow, Tim Schablonski und Tani Hanafe war originell. Man erfuhr mehr über das Volk der Liduuri, ohne das die Autorin Infodump ablieferte, sondern die Informationen geschickt in die Handlung verwob. Welche schon fast als Familiensaga durchgehen könnte. Perry’s Suche auf Tiamur nach Dorain di Cardelah zog sich zwar etwas arg lang hin, war aber angesichts der Rahmenhandlung um die beiden di Cardelah Schwestern und den Exodus der Liduuri zu verschmerzen. Hin und wieder schüttelte ich angesichts der Mühelosigkeit, mit der sich Perry und seine Begleiter durch den Planeten bewegten, den Kopf. Das klang ziemlich unglaubwürdig. Doch als am Ende die Lösung präsentiert wurde, war ich echt baff. Da fügten sich plötzlich alle Puzzleteile zusammen. Das war großartig konzipiert.

Viele Fans werden jetzt sagen, dass ist ja alles überhaupt nicht logisch. Richtig, es ist deshalb nicht logisch, weil es sich um ein Prädestination-Paradoxon handelt. »Das Prädestination-Paradoxon ist eine temporale Kausalitätsschleife, bei der die bestehende Zeitlinie erst durch eine Manipulation derselben ihren jetzigen Zustand hat. Eine temporale Interferenz ist dazu vorbestimmt ein bestimmtes Ereignis in der Vergangenheit auszulösen.« (Quelle: Star Trek Wiki) Sprich, linear lebende Menschen können es nicht verstehen, weil es nicht der Logik ihres linear denkenden Verstandes entspricht. Kurz gesagt, Dorain hat die beiden Posbi manipuliert, weil er Rhodan getroffen hat. Und er hat ihnen die Anzüge hinterlassen, weil er wusste, dass sie zu viert sein werden. Schließlich saßen sie zu viert in seiner Wohnung. Dorain hat den Zeitsprung ermöglicht, nachdem er bereits passiert war. Und weil es eine Schleife ist, so hat sie auch keinen Beginn. Wie die Frage nach der Henne und dem Ei. Ich finde es toll, wenn man so um die Ecken denken muss und am Ende doch keine Lösung findet, weil einem der eigene Verstand im Weg ist.

Der Roman bietet außerdem viel Spielraum für Spekulationen. Anathema ist also die »Mirona Thetin« bei NEO, während ich mal darauf spekuliere das Agaior Thoton ein Nachfahre von Ges di Verren ist, vielleicht sogar Anathemas Sohn. Aus den zurückgelassenen infizierten Liduuri, haben sich wahrscheinlich die Menschen entwickelt, was ihre Immunität gegen den Taal-Staub erklären würde. Die Exposé-Autoren haben noch genügend Fragen offen gelassen, um sie in den nächsten Staffel hoffentlich aufzugreifen und fortzuführen. Denn ich würde gern wissen, wie es den Liduuri nach dem Exodus ergangen ist und was aus den Personen wurde, die die Autorin so plastisch zum Leben erweckte.

Nach dem ich mich jetzt beim Schreiben dieses Artikel ständig mit der Autokorrektur wegen der Begriffe herumschlagen musste, muss ich an dieser Stelle doch ein wenig Kritik loswerden. Ich hatte mitunter enorme Schwierigkeiten, die vielen Namen und Begriffe auseinanderzuhalten und fragte mich mehr als einmal: Wer war das jetzt nochmal, und was bedeutete das jetzt wieder? Es kann sein, dass nur mir das so geht, weil ich mir prinzipiell Namen schlecht merken kann, aber wenn sie schon so gehäuft vorkommen müssen, sollten sie nicht so kompliziert sein. Das gilt jetzt nicht nur für diesen Roman, sondern auch für alle anderen. Hier fiel es mir nur extrem auf.

Mein Fazit für »Exodus der Liduuri«, fällt dennoch durchweg positiv aus. Er gehört definitiv zu den Höhepunkten der Posbi-Staffel. Ich denke, dass es Susan Schwartz‘ bisher bester Beitrag zum NEO-Neustart war. Nicht nur was die Originalität der Geschichte anging, sondern auch in ihrer Umsetzung. Das die »Familiensaga« vielen männlichen Lesern nicht gefallen wird, ist ohnehin klar. Geschmäcker sind verschieden und genau deshalb wird PERRY RHODAN NEO auch von vielen unterschiedlichen Autoren geschrieben, damit jeder von uns Lesern auf seine Kosten kommt.

Ein Dankeschön an die Autorin und die Expokraten für diesen exzellenten Roman. Das war ganz großes Kino.

Auf’m Stommdisch in Minga

Endlich! Ich hatte es ja schon lange vor, aber endlich hat es mit einem Besuch des PERRY RHODAN-Stammtischs in München geklappt.

Der PR-Stammtisch »Ernst Ellert« wurde nach einer Figur der Serie benannt, die aus München stammte. Er findet jeden ersten Donnerstag im Monat statt. Obwohl ich bereits auf dem Garching Con einige der Fans vom Stammtisch kennengelernt hatte, war ich dennoch neugierig, was mich so erwarten würde.

Gleich nach der Arbeit machte ich mich auf den Weg und kam dabei durch Münchner Stadtviertel, die ich noch nie besucht hatte. Zwölf Jahre habe ich in der Landeshauptstadt gewohnt, aber durch die Straßen, durch die mich die Trambahn an diesem Tag mitnahm, war ich nie gekommen. Vom Sendlinger Tor aus durchs Glockenbachviertel, über die Isarauen, den Nockerberg hinauf bis nach Giesing, entdeckte ich ein völlig neues Gesicht von München. Allein das war den Stammtischbesuch wert.

Im Lokal »St. Bennos Einkehr« waren bereits viele Plätze besetzt. Ich fragte mich zum PR-Stammtisch vor und wurde von der Bedienung in einen Nebenraum geschickt. Dort hatten sich schon ein paar Fans eingefunden. Ich setzte mich zu Peter Duelp, dem langjährigen Vorstand der PRFZ, an den Tisch und bestellte bei der Bedienung etwas zu trinken. Wir unterhielten uns über die verschiedenen Münchner Stammtische und die wechselnde Qualität der Lokalitäten. In der Zwischenzeit trafen weitere Fans ein. Wie zu erwarten, war der Altersdurchschnitt recht hoch. Die Ausnahme bildete ein junger Student, der im Laufe des Abends seine Studienarbeit zum PERRY RHODAN-Film präsentierte. Später kam auch mein Mann dazu, dessen Daily Perry-Shirt mit den »Lubots« allgemeinen Anklang fand. Nach einem schmackhaften Essen unterhielt ich mich sehr nett mit Ekkehard Brux, dem Redakteur des letzten Garchinger Conbuchs und sprach mit dem Studenten über klassische Science Fiction-Verfilmungen. Dabei legte ich ihm den Film »Forbidden Planet« ans Herz, den ich immer noch für den besseren »PERRY RHODAN-Film« halte.

Gegen neun Uhr verabschiedeten wir uns. Ein bisschen überrascht, war ich ja schon, dass ich die einzige Frau an diesem Abend geblieben war. Uschi Zietsch (PR-Fans besser bekannt unter ihrem Pseudonym Susan Schwarz) war dieses Mal nicht dabei und auch von den anderen weiblichen Fans war keine gekommen. Vielleicht ist das ja beim nächsten Mal besser. Wenn es mal wieder klappt, werde ich dem Stammtisch sicher erneut einen Besuch abstatten.

Als wir zum Auto gingen, entdeckte ich auf der gegenüberliegenden Seite der Strasse ein sehr hohe Mauer, hinter der sich Gebäude mit vergitterten Fenstern verbargen.
»Ist es das, was ich denke?«, fragte ich meinen Mann.
Er lachte und antwortete: »Du bist in der Stadelheimer Straße, was sollte es sonst sein.«
Es war tatsächlich die bekannte Justizvollzugsanstalt Münchens. So habe ich die auch endlich mal in echt gesehen.