Frühlingshafte Aussichten

Bei schönstem Sonnenschein und toller Aussicht unternahmen wir am Sonntag unsere erste größere Radtour. Wie beinahe jedes Jahr führte sie uns nach Tettelham. Die sieben Kilometer lange Wegstrecke führt langsam aber stetig bergauf und das letzte Stück klettern wir meist zu Fuß auf einen Hügel. Vor langer Zeit muss hier oben mal eine Burg gestanden haben, denn man sieht noch die Mauerreste der Fundamente. Nach dem ersten Weltkrieg pflanzten Kriegsheimkehrer hier eine Friedenslinde. Im zweiten Weltkrieg stürzte ein Bomber der Amerikaner genau an dieser Stelle ab und hat dabei die Friedenslinde gestreift. Bei dem Absturz kamen fünf Besatzungsmitglieder ums Leben. Heute steht neben der Linde eine kleine Kapelle.

Von der kleinen Bank neben der Kapelle hat man einen sensationellen Blick über die Gegend, der besonders bei Föhn beeindruckend ist. Einmal im Jahr kommen wir hierher, um die Landschaft zu genießen. Am Sonntag waren wir aber leider nicht die einzigen. Zum einen saß da ein Hundebesitzer, dessen kleiner Kläffer sofort auf mich zu rannte und an mir hochsprang. (Ich hasse das. Sowas machen Katzen nicht.) Dann kam noch ein älterer Herr, der in die Kapelle wollte und nicht weiter störte. Den Vogel schoss ein Pärchen mittleren Alters ab, das Campingstühle, Tische und jede Menge Kram heran schleppte und es sich direkt neben der Bank bequem machte, so als säßen sie in ihrem eigenen Garten. Dabei befindet sich weiter hinten auf dem Hügel ein großer Grillplatz. Aber nein, die mussten ja gleich vorne dran. Das fand ich den anderen Besuchern, die dort in Ruhe eine Weile sitzen wollten, schon etwas unfair.

Doch die Aussicht auf die tief verschneiten Chiemgauer Alpen ließ uns den Ärger schnell vergessen. Durch das kalte Wetter in den vergangenen zwei Wochen, strahlten die Berge in einem hellen Weiß, das sich gut vom blauen Himmel abhob. Davor grüne Wiesen, auf denen, wenn man ganz genau hinsieht, sogar noch Schneereste lagen.

Auf der Rückfahrt blies uns der Ostwind kalte Schauer um die Nase, aber zum Glück ist man schnell wieder daheim, weil es meist nur bergab geht.

Der Hochfelln und der Hochgern
In der Senke zwischen den Bergen liegt Inzell
Panoramablick auf schneebedeckte Gipfel

Maidemonstrationen

In meiner Schulzeit lief der 1. Mai wie folgt ab …

Man stand früh auf, zog sich Pionierbluse und Halstuch oder das FDJ-Hemd an und stiefelte zum vereinbarten Stellplatz. Der lag in einer größeren Straße der Stadt, wo man auf seine Klassenkameraden traf. Viele hatten selbstgebastelte Sträuße aus frischem Birkengrün und bunten Bändern zum Winken dabei. Jene die nichts hatten, bekamen von der Lehrerin ein DDR-Fähnchen aus Papier in die Hand gedrückt. Und dann reihte man sich in den Demonstrationszug ein.

Die Eltern liefen bei ihren Betrieben und die Kinder mit der Schule, die sie besuchten. Das war vielleicht beim ersten Mal noch aufregend, aber spätestens ab der vierten Klasse fand man das lange rumstehen, gehen und winken irgendwie albern. Da ich beim DRK war, durfte ich später dort mitlaufen, das nervte zwar weniger, aber blöd fand ich es trotzdem, besonders wenn es kalt war und regnete.

Nach einer gefühlten Ewigkeit setzte sich der Zug aus Menschen in Bewegung und wir marschierten durch die Innenstadt zum Marktplatz. Dort standen auf einer Tribüne die »wichtigen« Genossen, denen man zuwinken musste. Kaum war man daran vorbei, verlief sich der Demonstrationszug ganz schnell und die Leute machten sich über die Bratwurst- und Bierstände her. Manchmal – ganz selten – wurde auch Eis am Stil verkauft. Nun ja, schließlich musste man die Bevölkerung ja irgendwie belohnen, dafür dass sie den ganzen Vormittag auf der Straße verbracht hatte.

Am Nachmittag gingen wir dann als Familie meistens in den Schlossgarten, dort spielten Musikkapellen, es gab Essen und Trinken und für uns Kinder Spiele und eine Mal- und Bastelstraße. Gut erinnern kann ich mich noch, dass es einmal auch so eine Art Maibaum gab, an dessen Spitze ein Hulahup-Reifen befestigt war, an dem Süßigkeiten und Spielzeug hing. Wer sportlich genug war, den Baum hinaufzuklettern, konnte sich von oben als Preis etwas abreißen.

Auch in der DDR war der 1. Mai ein Feiertag, der jedoch mit einigen Verpflichtungen verbunden war. Tauchte man nämlich nicht beim Demonstrationszug auf, gab es am nächsten Tag in der Schule ein Gespräch oder einen Eintrag ins Klassenbuch. Es gab auch Lehrer (nicht alle), die die Kleiderordnung ziemlich eng sahen und schimpften, wenn man sein Halstuch vergessen hatte. Ich weiß noch, dass ich mal zur Zeugnisausgabe am Schuljahresende mein Zeugnis nicht bekam, weil ich keine Pionierbluse und kein Halstuch trug. Zum Glück wohnte ich nicht weit von der Schule, so dass ich schnell nach Hause laufen konnte, um es zu holen.

Damals war das Normalität, heute empfinde ich das reichlich übertrieben. Kein Wunder, mit solchen Restriktionen machte sich die Regierung in der DDR das Volk zum Feind. Denn die damaligen Maidemonstrationen hatten nichts mit Frieden oder Arbeit zu tun, sondern an diesem Tag ließen sich die hohen Genossen vom Volk feiern wie die Könige im Feudalismus. Diese Demos hatten für die normale Bevölkerung keinerlei Bedeutung.

Aber … durch die Maidemonstrationen geübt, wussten die Menschen 1989 dann zumindest, wie man richtig demonstriert.

Heute ist das Vergangene fast vergessen. Manche werden denken: zurecht. Aber gerade heute gäbe es viele Gründe, um auf die Straße zu gehen und zu demonstrieren. Wir tun es nur nicht, weil wir zu träge dafür sind, oder vielleicht auch, weil wir zu oft für etwas demonstriert haben, das uns bedeutungslos erschien.

Kosmische Achterbahn der Gefühle

Wow! Was für ein extragalaktisch guter Film.

Auf diesen Kinobesuch haben wir schon lange gewartet. Gestern Nachmittag war es soweit, wir haben endlich Guardians of the Galaxy Vol.2 gesehen. Und ich bin immer noch begeistert. Der Streifen überzeugte mich auf allen Ebenen und schickte mich in ein Wechselbad der Gefühle. Bei vielen Szenen hatte ich vor Lachen Tränen in den Augen und am Ende weinte ich dann tatsächlich. Um die Handlung kurz zusammenzufassen: ein Sohn findet nach 34 Jahren seinen Vater und der entpuppt sich als Gott – mehr oder weniger jedenfalls.

Jeder SF-Fan der auf Spaß und optische Effekte steht, sollte sich diesen Film unbedingt ansehen. Er ist nicht nur visuell eine Augenweide, sondern stellenweise auch richtig tiefgründig, weil er sich hauptsächlich mit den Emotionen und Beziehungen der Charaktere befasst und Action nur unterstützend einsetzt. Es gibt überraschend viele ruhige Momente, aber auch irrsinnig schnelle Actionszenen, denen das Auge (besonders das 3D-Brillen bewehrte) kaum folgen konnte. Dazu ein Soundtrack, der Erinnerungen an die Jugend wachrüttelt. Da passte eigentlich alles.

Ich finde, dass die Macher sich zu Teil eins noch gesteigert haben. Denn viele Dinge, die im ersten Teil noch Fragen aufgeworfen haben, werden mit großartigen Ideen erklärt. So zum Beispiel, wie die Raumschiffe eigentlich durchs All von Planet zu Planet reisen. Eine Menge Ideen flossen auch in die Masken. Die meisten Charaktere sind zwar humanoid, aber ausgesprochen ungewöhnlich gestaltet. Einer zum Beispiel hat einen transparenten Kopf und gläserne Gliedmaßen. Es wurden einige neue Rassen eingeführt und die Cameos bekannter Darsteller sind ein zusätzlicher Leckerbissen, wenn man sie denn unter ihrer Maske entdeckt.

Der Plot gefiel mir trotz seiner Einfachheit oder vielleicht gerade deswegen. Als PERRY RHODAN-Fan entdeckte ich einige Gemeinsamkeiten, dazu gehörte nicht nur der Gucky-Verschnitt Rocket, sondern auch die negative Superintelligenz oder Figuren wie Drax, der mich in seiner Robustheit und in seiner liebevollen Art an Icho Tolot erinnerte.

Bei Ghost in the Shell regte mich die Brutalität auf. Guardians of the Galaxy ist zwar noch viel brutaler – ich möchte nicht wissen, wie viele da sterben – aber durch den comichaften Stil nimmt man das nicht so wahr.

Fazit: Guardians of the Galaxy Vol.2 ist ein Film der enormen Spaß macht und durch seine Optik und Musik überzeugt. Den muss ich unbedingt noch mal ansehen, damit ich alle Details mitbekomme. Kurz ein großartiger Film, der vor allem von der gut eingesetzten Situationskomik lebt. Absolut sehenswert!

Ach ja! Ich empfehle beim Abspann bis zum Ende sitzen zu bleiben. Da kommen noch mehrere zusätzliche Szenen, die schon die nächste Fortsetzung vorbereiten. Unteranderem eine Szenen in der Groot als Teenager zu sehen ist.

Hier ist schon mal der Trailer zum warm werden, für jene die noch nicht ins Kino gehen konnten.

Der Normalbürger und die Science Fiction

»Was schreiben Sie denn da?«
Ich blicke überrascht von meinem iPad auf. Mein Gegenüber sieht mich auffordernd an. Er ist wie ein Geschäftsmann gekleidet, hat graumelierte Haare und trägt Krawatte und Brille. Ich schätze ihn auf sechzig Jahre. Wir sitzen im ICE und bisher hat er die ganze Zeit über mit seiner Süddeutschen geraschelt. Anscheinend ist ihm nun der Lesestoff ausgegangen, so das er sich jetzt auf mich konzentriert.
»Eine Geschichte«, antworte ich schlicht.
»Aha, und was für eine Geschichte?«
Der will es aber genau wissen, denke ich und mache ein extra dümmliches Gesicht.
»Ich meine, ist es eine Liebesgeschichte oder vielleicht ein Krimi? Wissen Sie, ich liebe Krimis.«
»Nein – Science Fiction!«
Seine Gesichtszüge entgleisen. Er sieht mich an, als hätte ich ihm gerade erklärt, dass ich im Pornogeschäft tätig bin.
»Sie glauben doch nicht etwa an Außerirdische?« Er klingt ehrlich empört.
Ich verkneife mir ein Lächeln. Genau diese Frage hatte ich erwartet. »Was hat das eine mit dem anderen zu tun?«, kontere ich.
»Na, bei dem Zukunftszeugs …« Er spuckt das Wort regelrecht aus. »… geht es doch immer darum.«
Ich protestiere. »Das sind Vorurteile von Menschen, die sich mit dem Genre nie beschäftigt haben.«
Er runzelt die Stirn, bleibt aber stumm.
Ich lasse mich zu einem Lächeln hinreißen. »Science Fiction heißt nicht, dass die Geschichten unbedingt in der Zukunft spielen müssen. Es geht vielmehr darum, wissenschaftlich-technische Erkenntnisse in eine Geschichte zu verpacken, um eine Vision jenseits unserer Realität zu schaffen. Das können gesellschaftliche Themen genauso sein, wie alternative Zeitlinien. Außerirdische sind da nicht zwangsläufig notwendig. Ich könnte zum Beispiel eine Geschichte darüber schreiben, wie die Gesellschaft des Jahres 2017 aussähe, wenn es die beiden Weltkriege in Europa nicht gegeben hätte. Es wäre eine völlig andere Welt und ich bräuchte dazu keine Außerirdischen.«
Sein Stirnrunzeln vertieft sich. »Aber warum zeigt man in den einschlägigen Filmen dann immer Außerirdische?«
»Es ist zwar nur ein kleiner Teil des Genres, der aber bei den Kinozuschauern am besten ankommt. Der Reiz liegt darin das Fremde zu zeigen und es gleichzeitig menschlich zu machen, damit wir es verstehen. Deshalb agieren Außerirdische in den Filmen auch ähnlich wie wir. Sie fallen meistens wie Heuschrecken ein und wollen die Erde für sich kolonisieren. Echte Außerirdische würden völlig anders handeln. Wahrscheinlich würden sie einen großen Bogen um die Erde machen, weil sie mit den aggressiven Bewohnern dieses Planeten nichts zutun haben wollen.«
»Dann glauben Sie wirklich an Außerirdische«, meint er entsetzt.
»Ja! Warum sollten wir in einem unendlich großem Universum die einzig intelligente Lebensform sein? Das wäre eine ziemliche Platzverschwendung, wenn ich den Astronomen Carl Sagan zitieren darf.«
»Aber wenn es sie gäbe, wüssten wir doch davon.«
Ich muss mich zusammenreißen und mir ein süffisantes Lächeln verkneifen. »Warum? Die Entfernungen da draußen sind so groß, dass sie sich unserer Vorstellung entziehen. Lebensformen die diese Entfernungen überwinden können, sind wahrscheinlich so hoch entwickelt, dass wir für sie uninteressant sind. Sie persönlich interessieren sich doch auch nicht für Ameisenhügel im Wald.«
Er räuspert sich und schüttelt dann den Kopf. »Sie scheinen eine intelligente Frau zu sein, warum schreiben sie nicht mal was anderes – einen Krimi zum Beispiel?«
»Ich habe einen Krimi geschrieben«, sage ich spontan.
Die Worte wecken sein Interesse. »Tatsächlich? Wissen sie, ich sehe immer den Tatort, da passieren ja tolle Dinge.«
»Ich finde, dass es in Deutschland zu viele Krimis gibt. Wenn tatsächlich so viele Morde passieren würden, dann hätten wir ein echtes Kriminalitätsproblem.«
Meinen Einwand ignorierend, fragt er stattdessen: »Und ihr Krimi, wovon handelt der?«
»Er spielt im Jahr 5104. Es gibt eine Anschlagsserie, einen Täter, findige Ermittler und die handelnden Personen sind fast alles Menschen.«
Er seufzt und nimmt seine Zeitung wieder hoch. »Na, dann schreiben Sie mal weiter ihr Zukunftszeugs.«
Ich widme mich wieder der Tastatur, in der mein iPad steckt und grinse heimlich in mich hinein.

Die erlebte Situation ist so beispielhaft, dass ich inzwischen die Reaktionen meiner Gesprächspartner schon im voraus erahnen kann. Ich kann nicht sagen, wie oft ich schon ähnliche Diskussionen geführt habe. »Das sind doch alles Spinner!«, bekommt man oft zu hören, wenn man sagt, dass man sich mit Science Fiction beschäftigt. Aber warum hat die SF eigentlich einen so schlechten Ruf? Liegt es an den Klischees, die in den Kinofilmen breitgetreten werden, oder woran? Das SF vom Feuilleton nicht ernst genommen wird, daran hat man sich als Leser und Autor gewöhnt. Aber es mag ein Grund dafür sein, dass es auch in der Bevölkerung wenig anerkannt ist. Dabei hat Science Fiction viel mehr zu bieten als außerirdische Invasionen und durchgedrehte Roboter. Es gibt so viele gute Geschichten, die, würden sie unter einem anderen Label verkauft, viel mehr Menschen begeistern könnten. Wie überall zählt auch hier nur, was draufsteht und nicht das, was drin steckt. Das finde ich mehr als schade.

Dabei macht es keinen Unterschied, dass ich, als mich der Mann im ICE fragte, was ich denn schriebe, gerade nicht an einer SF-Geschichte arbeitete, sondern an meinem Punkroman. Doch ich denke, dafür hätte er noch viel weniger Verständnis aufgebracht.

Ein Tag im April

Gestern vor genau zehn Jahren, saß ich abends im Biergarten vom »Schlösselgarten« in München/Bogenhausen. Es war ein heißer Tag für einen Freitag im April. Bei Temperaturen von über 25° C kam ich schon fast ins Schwitzen. Neben mir saß meine Mutter, die gerade zu Besuch war, mir gegenüber saß ein junger Mann, der schon seit ein paar Jahren regelmäßig zum Trekdinner kam, aber mit dem ich bisher nur ein paar wenige Sätze gewechselt hatte. Wir unterhielten uns über Dies und Das. Irgendwann kamen wir auf Politik und Gesellschaft zu sprechen. Wir plauderten über die DDR und ich las aus seinen Worten heraus, dass auch er nicht in Bayern geboren worden war. Mich beeindruckte dabei, dass seine Meinung zu den verschiedenen Themen meiner eigenen entsprach.

Später, alle Mitglieder des Stammtisches hatten sich inzwischen nach drinnen verzogen, weil es kühl geworden war, sprachen wir immer noch miteinander. Ich erzählte ihm von einer Internet-Seite mit englischsprachigen Fan-Geschichten zu Trip und T’Pol – zwei Figuren aus STAR TREK ENTERPRISE. Es stellte sich heraus, das die beiden auch seine Lieblingscharaktere waren. Als wir uns verabschiedeten, sagte ich zu ihm: »Ich schick dir mal den Link.«, und meinte dabei den Link zu jener Internetseite.

Etwas, das ich am nächsten Tag auch tat. Ich bekam daraufhin eine nette E-Mail zurück, auf die ich antwortete. Bekam wieder eine E-Mail, antwortete erneut und so schrieben wir uns jeden Tag. Die E-Mails wurden immer länger und ausführlicher. Beim nächsten Trekdinner im Mai konnte ich nicht dabeisein, denn ich war bei meinen Eltern. Hier hatte man gerade das Nachbarhaus abgerissen und unser Stadthauses stand auf 30 m Länge im Freien. Von meiner Wohnung im Erdgeschoss mussten sogar die Außenwände an einer Seite eingerissen werden, weil das Nachbarhaus keine eigene Wand gehabt hatte.

Deshalb trafen wir uns erst am 15. Juni wieder. Dieses Mal privat und nicht beim Stammtisch …

Heute, zehn Jahre später sind wir seit sieben Jahren glücklich verheiratet. Wir sind beide immer noch große STAR TREK Fans, besuchen immer noch das Trekdinner und sind auch sonst meistens einer Meinung. Heute ist wieder Trekdinner in München, nicht mehr im Schlösselgarten, dafür im Bar-Restaurant Portugal am Ostbahnhof. Wir haben geplant hinzufahren, auch des Jubiläums wegen. Doch im Gegensatz zu vor zehn Jahren ist das Wetter miserabel. Es schneit schon den ganzen Tag. Die Autos fahren mit einer dicken Schneeschicht umher und wir haben bereits Sommerreifen aufgezogen. Das sieht nicht gut aus …

Tumult am Balaton

Dank der Erfindung der Mediathek konnte ich mir bereits an den vergangenen Abenden Teil 2 und Teil 3 der Honigfrauen ansehen.

Die Geschichte um die Geschwister Catrin und Maja aus Erfurt, die im Jahr 1986 Urlaub am Balaton machen, geht spannend weiter. Die Eltern tauchen unverhofft auf dem Campingplatz auf. Es kommt zu einer Konfrontation zwischen der Mutter und ihrem westdeutschen Freund. Sie kann ihn zur Abreise überreden, damit ihre Töchter und ihr Mann nichts von ihrem Techtelmechtel vor 25 Jahren erfahren.

Auch das Drama um die beiden Camper-Freunde der Schwestern nimmt seinen Lauf. Die Freundin des jungen Timo ist nämlich aus dem Westen. Als die Geschichte aufzufliegen droht, will sie abreisen, weil sie das Leben ihres Geliebten nicht gefährden möchte. Doch Timo dreht durch und versucht sich aus Liebeskummer das Leben zu nehmen. Damit sie zusammenbleiben können, gibt es nur einen Ausweg. Timo muss über die Grenze nach Österreich geschmuggelt werden. Ein Auftrag den Tamás der Chef der Balatonresidenz und Geliebter von Maja nur zögernd übernimmt. Und tatsächlich, die Flucht geht schief und Timo stirbt. Maja erliegt daraufhin nicht nur dem Glamour des Hotellebens, sondern ihr werden durch den Tod des jungen Mannes die Augen geöffnet. Schließlich hat das DDR-Regime indirekt Schuld an Timos Tod. Sie beschließt bei Tamás im Hotel am Balaton zu bleiben. Als ihr Vater sich mit Tamás wegen seiner Tochter streitet, hält dieser überraschend um die Hand von Maja an.

Derweil hat sich Catrin mit Rudi dem smarten jungen Camper von nebenan angefreundet und sich in ihn verliebt. Was sie nicht weiß, Rudi gehört zur Balaton-Brigade der Stasi und ist auf Tamás angesetzt. Um ihn als Schleuser zu überführen, setzt er den Vater der Schwestern unter Druck in die Heirat von Maja einzuwilligen.
Damit endet Teil 2.

Auch in den zweiten neunzig Minuten wird die Spannung hochgehalten. Von der lockeren Urlaubsatmosphäre ist bald nichts mehr zu spüren. Die Handlung ist nach wie vor vielschichtig und wirkt glaubhaft. Die Schauspieler spielen sehr gut, besonders der Vater (gespielt von Götz Schubert) gewinnt im Laufe des zweiten Teils an Farbe. Interessant finde ich die Tatsache, das alle Schauspieler, die ostdeutsche Charaktere darstellen auch in Ostdeutschland bzw. der DDR geboren wurden.

Das überraschend hohe Konfliktpotenzial und die dichte Handlung haben mich mitfiebern lassen, wie schon lange nicht mehr bei einer deutschen Produktion.

Leider kann ich nicht sagen, ob es damals in Ungarn tatsächlich so gewesen ist. Ich bin nie dort gewesen. Meine Eltern meinten immer, dass es kein Urlaub sei, wenn man all sein Essen mitschleppen muss. Außerdem stand Camping bei uns nie zur Debatte, weshalb ich bis heute nicht viel dafür übrig habe. So muss ich glauben, was mir der Film zeigt. Aber zumindest fühlt es sich für mich richtig an.

Die ganze Stadt war plötzlich voller Wal

Die Textzeile stammt aus einem Lied der Punkband Love A. Irgendwie muss das in mein Unterbewusstsein eingedrungen sein, denn vergangene Nacht träumte ich genau davon.

Eine Stadt – an den Häusern klebt brauner Schlamm. Er ist schon getrocknet, denn es staubt, wenn man die Straßen entlang geht. Tage zuvor muss eine Flutwelle die Häuser überrollt haben. Die Mauern sind zwar intakt geblieben, doch in den Straßen und auf den Dächern liegen riesige Wal-Kadaver. Auf einer Fabrikhalle gammelt ein Pottwal vor sich hin und auf den Dächern mehrerer Garagen liegen vier Wahlhaie, die Finnen in den Himmel gestreckt. Ich sehe keine Menschen, nur tote Wale. Irgendjemand hat begonnen die Kadaver einzusammeln. Auf einem großen Platz liegen sie nach Gattung nebeneinander gereiht, vielleicht fünfzig Tiere. Direkt vor mir liegen drei Orcas, weiter vorn entdecke ich Buckelwale. Ich gehe über den Platz und staune. Bei dem Gedanken, warum von den toten Walen kein Gestank ausgeht, wache ich auf.

Mhm! Seltsam, was man so träumt. Manchmal träume ich ganze Spielfilme. Letztens haben ich gegen Terroristen ermittelt. Interessanterweise kann ich mich nach dem Aufwachen noch ziemlich genau daran erinnern, oftmals ergibt es dann aber keinen Sinn mehr. Nur hin und wieder bleibt ein Gedanke oder ein Bild hängen, dass ich interessant finde und das mich über Jahre hinweg verfolgt. Vielleicht sollte ich mir diese Ideen notieren und irgendwann in Geschichten verarbeiten.

Unverhoffter Nachwuchs

Am Samstag kauften wir im Gartenmarkt Pflanzen für die Terrasse, darunter war auch ein Töpfchen Basilikum. Weil es aber die Tage so kalt war, stellten wir es auf’s Fensterbrett in der Küche.

Gestern Nachmittag zeigte mir mein Mann einen winzigen Grashüpfer, den er auf dem Küchenboden gefangen hatte. Bald stellte sich heraus, dass es nicht der einzige war. Im Küchenfenster wimmelte es von kleinen Hüpfern, die von mir einer nach dem anderen vorsichtig ins Freie gebracht wurden. Sie kletterten freiwillig auf meine Hand und blieben dort auch sitzen, während ich sie auf die Terrasse trug.

Eigentlich können die nur aus der Erde des Basilikumstockes geschlüpft sein, denn wo sonst sollten plötzlich all die kleinen Hüpfer hergekommen sein. Für die kommende Nacht müssen sie sich auf der Terrasse ein warmes Plätzchen suchen, denn es soll wieder kalt werden. Da muss ich auch die andere Errungenschaft aus dem Gartenmarkt ins Wohnzimmer stellen – ein Waxblumenbäumchen. Ich bin sonst nicht so der Blumenfan, aber das hat mir so gut gefallen, dass ich es unbedingt haben musste.

Honigfrauen

Quelle: Amazon

Eine richtig toller Film lief gestern im Abendprogramm des ZDF. Die Geschichte um zwei Schwestern aus Erfurt, die 1986 Urlaub am Balaton machen, weckte meine Aufmerksamkeit durch seine guten Kritiken im Netz. Und tatsächlich, ich wurde nicht enttäuscht.

Normalerweise bin ich kritisch, wenn ich Filme sehe, die über das Leben in der ehemaligen DDR handeln. Viele sind zu Klischee beladen und bilden nicht das Leben ab, wie ich es kennengelernt habe. Daher gehe ich meist mit einer gewissen Skepsis an solche Produktionen heran. Doch das, was das Produktionsteam von Seven Dogs unter der Regie von Ben Verbong da inszeniert hat, kann sich sehen lassen. Da vereint sich Spannung, Psychologie und Authensität zu einem vielschichtigen Plot der niemals unglaubwürdig wird.

Zunächst war ich besorgt, wie viele Handlungsfäden die Macher denn noch in die neunzig Minuten packen wollten. Erst als ich am Ende mitbekam, dass es der erste Teil einer Trilogie ist, war ich beruhigt. Denn so viele Fässer, wie in der ersten Stunde aufgemacht wurden, kann man in neunzig Minuten nicht schließen.

Da sind zum einen die beiden jungen Frauen, die zum ersten Mal aus der DDR ins Ausland reisen – im Gepäck ihre Vorurteile gegen Westdeutsche und die Warnungen der Eltern vor der omnipräsenten Stasi. Unten angekommen werden sie direkt mit den Verlockungen des Westens konfrontiert und werfen die Vorsicht schnell über Bord.

Auf dem Campingplatz auf dem die beiden zelten, wartet der westdeutsche Freund ihrer Mutter (gut gespielt von Anja Kling). Die Ältere der Schwestern ist seine Tochter, die er in 25 Jahren noch nie gesehen hat. Das brisante, weder Tochter noch der aktuelle Ehemann der Mutter, und Vater der anderen Schwester, wissen von dem Geheimnis.

Zu den jungen Leuten, die sich auf dem Campingplatz tummeln und zu denen die Schwestern schnell Kontakt finden, zählen auch Rudi, ein ruhiger und anständiger junger Mann, sowie ein verliebtes Pärchen. Alle drei haben ebenfalls etwas zu verbergen, was den Schwestern gefährlich werden könnte.

Und dann ist da noch der Chef eines 5 Sterne-Hotels, in den sich beide Schwestern verlieben und der die jungen Frauen aus dem Osten mit westlichem Lebensstil ködert. Außerdem ist er der Kopf einer Schleuserbande und steht unter Beobachtung durch die Stasi und der ungarischen Behörden.

Das alles spitzt sich schön langsam zu, und die Zuschauer wissen oftmals mehr, als die beiden Protagonistinnen. Dass macht die Geschichte unheimlich spannend. Dazu spielen die Darsteller sehr natürlich und unverbraucht, vor allem die beiden Schwestern (gespielt von Cornelia Gröschel und Sonja Gerhardt). Das macht Lust auf mehr …

Sicher werde ich auch am nächsten Sonntag wieder einschalten, wenn der zweite Teil läuft. Hoffentlich ist der genauso gut wie Teil eins.

Die dreiteilige Produktion erscheint am 5. Mai auch auf einer Doppel DVD. Bis dahin kann man sie auch in der Mediathek des ZDF ansehen.

Die Probleme des Heers

Die Bundeswehr hat ein Hitzeproblem, las ich derzeit in den Nachrichten. Bei ihrem UN-Einsatz in Mali sei nur die Hälfte der Fahrzeuge einsatzbereit, die Hubschrauber dürfen bei mehr als 43° C nicht starten, weil sie nur bis zu dieser Temperatur zugelassen sind. Aber auch beim Nachschub klemmt es. Da werden die aus Deutschland anreisenden Kameraden vor ihrer Reise schnell noch zum Mercedeshändler um die Ecke geschickt, um ein paar Keilriemen für die »Wölfe« mitzubringen.

Da frage ich mich, was das für ein Licht auf ein Land wirft, wenn es kaum in der Lage ist, die Auslandseinsätze seiner Soldaten materialmäßig abzusichern. Es müsste den Politikern zu denken geben. Vielleicht sollten wir einfach nicht mehr bei jedem UN-Einsatz »hier« schreien, denn es sind zu viele geworden in letzter Zeit. Außerdem ist die Bundeswehr nie für Einsätze wie den in Mali vorgesehen. Die Ausrüstung wurde nach Normen gefertigt, die für unsere Breiten gedacht sind und nicht für die afrikanische Wüste.

Die Bundeswehr soll Deutschland verteidigen. Ich sage nicht, dass wir uns jetzt überall zurückziehen sollten. Im Zuge der Globalisierung verschoben sich nicht nur die Grenzen, sondern es entstanden viele neue Krisenherde, an denen wir Europäer nicht ganz unschuldig sind. Nun versucht man die Brandherde zu löschen, bevor uns ihre Ausläufer erreichen.

Dass dies nicht mit der derzeitigen Ausstattung geht, hätte man viel früher erkennen müssen, frühestens beim Einsatz in Somalia und Jugoslawien Anfang der Neunziger. Wenn die Politik die Aufgaben der Bundeswehr ständig erweitert, hätte sie dafür sorgen müssen, die Truppe dementsprechend auszustatten. Und vielleicht sollten man in dem Zuge auch mal die engen Vorschriften überdenken und nicht Bundeswehr-LKWs in Afghanistan stilllegen, nur weil der TÜV abgelaufen ist. Sicher geht es hier um die Sicherheit der Soldaten, aber ist es wirklich ein so großer Unterschied, ob ein Hubschrauber bei 43° oder 45° C startet?