Punkrock-Wundertüte

56!

Genauso viele Kurzgeschichten beinhaltet der Sammelband, der den etwas langweiligen Namen »Punk Stories« trägt. Ich habe in den vergangenen Monaten immer mal wieder darin gelesen. Allen Geschichten ist eines gemeinsam, jeder Autor stellt eine bekannte Punkrockband in den Mittelpunkt. Mal schwelgen die Autoren in Nostalgie, mal erzählen sie dokumentierte Begebenheiten und mal auch erdachte Geschichten, jeder in seinem Stil und jeder anders. Manches gefiel mir gut, mit anderem konnte ich weniger anfangen. Am besten im Gedächtnis blieb mir die Kurzgeschichte, welche »Die Kassierer« in den Mittelpunkt stellte.  Darin ging es um Außerirdische, die im Ruhrgebiet Unterschlupf suchen. Das war so richtig Punk.

Auch wenn ich das Buch mehr aus Recherchegründen las, unterhaltsam war die Lektüre allemal. Vor allem muss man diesen Kurzgeschichtenband nicht am Stück lesen, sondern kann immer wieder darin herumschmöckern. Und nebenbei noch ein Stück Punkrockgeschichte erleben, geschrieben von deutschen Autoren, die irgendwann mal Punks waren oder noch heute sind. Darunter so bekannte Namen wie Anne Hahn, Jan Off und Arne Rautenberg. Nur den Namen Klaus N. Frick habe ich in der illustren Runde vermisst.

»Punk Stories« erschien schon 2011 bei LangenMüller und ist auch als E-Book erhältlich.

Vom Sinn eines Gipfel

Hat eigentlich schon mal jemand eine Kosten-Nutzen-Rechnung nach einem Gipfeltreffen gemacht. Ich frage mich: Egal ob G20 oder G7 – bringt uns das soviel, wie es uns kostet? Oder sind die Beschlüsse nicht vielmehr nur heiße Luft? Da wird doch nur über den heißen Brei geredet, ohne ihn zu essen. Wenn man bedenkt, wieviel Aufwand man für einen G20-Gipfel betreibt. Flughäfen und ganze Stadtteile sperrt, tausende Polizisten mobilisiert, um eine Handvoll Leute zu schützen. 33 Millionen wurden schon im Voraus in Hamburg ausgegeben. Die Schäden durch die gewaltbereiten Idioten nicht mit eingerechnet.

Ich kann nachvollziehen, wenn Menschen dagegen protestieren. Und das Randalierer solche Veranstaltungen ausnutzen, ist inzwischen auch nichts neues. Ich habe mir gleich gedacht: ob es eine so gute Idee war, den G20-Gipfel ausgerechnet in Hamburg stattfinden zu lassen? Vielleicht wäre es in München nicht so ausgeartet … nun man weiß es nicht.

Mich ärgert vielmehr, dass solche Gipfeltreffen so extreme Kosten verursachen. Man könnte mit dem vielen Geld, das in eine solche Veranstaltung gesteckt wird, sinnvolleres bewirken. Wäre es nicht besser für die Welt, wenn Gipfeltreffen in Zukunft per Videokonferenz stattfinden? Da spart man nicht nur beim Sicherheitsbudget, sondern auch am CO2-Ausstoß, denn die Staatsgäste wurden allesamt eingeflogen.

Ich bin mir sicher, dass die Welt nach dem G20-Gipfel in Hamburg nicht besser geworden ist, nur weil sich ein paar Staatsoberhäupter getroffen haben, um sich unter anderem Beethoven anzuhören. Der Verdacht liegt nahe, dass man den Gipfel nur in Hamburg stattfinden ließ, um mit der Elbphilharmonie zu prahlen.

Ich wette, das die großartige Abschlusserklärung, die verabschiedet wurde, in einem halben Jahr nicht mehr das Papier wert ist, auf dem sie gedruckt wurde. Während die Schäden an Mensch, Material und Image noch sehr lange nachwirken. Ohne den G20 hätte es für die Hamburger, die Polizisten und auch die Demonstranten ein schönes Sommerwochenende werden können.

In der Hitze des Samstags

Warum ich gestern nicht gebloggt habe, kann man an den beiden Fotos erkennen, die ich gestern vormittag gemacht habe.

Wir haben uns eine neue Wohnwand gekauft und nutzten den Samstag, um sie aufzubauen. Das Wetter war zwar wenig ideal, feucht und heiß, aber die fünf Kartons standen jetzt schon längere Zeit im Keller und nahmen Platz weg. Am Donnerstag haben mein Mann und mein Schwiegervater die alte Wohnwand weggebracht, damit wir in unserem winzigen Wohnzimmer Platz zum Aufbauen hatten.

Gleich nach dem Frühstück öffneten wir die fünf Kartons. Erst im Letzten fanden wir die 56-seitige Aufbauanleitung. Die Einzelteile der Wohnwand habe ich nicht gezählt, aber es waren viele. Damit wir nicht durcheinander kommen, habe ich die Seitenwände, Türen, Rückwände und Böden erstmal mit Aufklebern nummeriert. Danach haben wir die Schränke einzeln nach der Anleitung zusammengebaut. Uns lief der Schweiß in Strömen, außerdem konnte mein Mann irgendwann nicht mehr am Boden knien. Ich konnte ihm leider nicht helfen, weil ich schnell mitbekam, das Drehbewegungen (Schraubendreher) für mein angeschlagenes Handgelenk noch Gift sind. So stand ich daneben und gab Anweisungen, welche Handgriffe er als nächstes ausführen muss. Ich fühlte mich zeitweise wie ein General.

Erst am Abend hatten wir die fünf Schränke zusammengebaut. Konnten sie allerdings noch nicht an die Wand hängen. Dafür hätten wir bohren müssen, das wollten wir unseren Nachbarn am Samstagabend nicht zumuten. Heute ging es auch nicht, also werden wir frühestens morgen Abend die Wohnwand komplett in Position haben. Das Foto liefere ich dann nach.

Auf dem Bild sind nur ein Teil der Bretter zu sehen
So viele Schrauben.

Temporäres Tattoo

Blaues Herz

Hübsch, nicht?! Dieses Hämatom in Form eines Herzens ziert momentan meinen rechten Oberschenkel.

Ich bin ja nach wie vor fasziniert von der Entwicklung, die die blauen Flecken auf meinem Körper so durchmachen. Einige waren gleich nach dem Unfall zu sehen, andere wurden erst Tage später sichtbar. Welche verfärbten sich rot, dann violett, dann wieder rot und verblassen nun in einem grünstichigem Gelb. Und wieder andere sind seit zwei Wochen unverändert blau. Dazu gehört das niedliche Herzchen.

Somit kann ich zumindest zeitweise ein Tattoo aufweisen. Auch nicht schlecht. Ich scheine auf meine alten Tage noch richtig rebellisch zu werden.

Birnenkuchen mit Lavendel

Gestern Abend lief in der ARD eine echte Film-Perle. Der französische Streifen »Birnenkuchen mit Lavendel« aus dem Jahr 2016 war sehr erfolgreich an den französischen Kinokassen und auch in den deutschen Kinos.

Im Film geht es um den Asperger-Autisten Pierre, der von einer Obstbäuerin Louise angefahren wird, die seit dem Tod ihres Mannes, um den Erhalt von Haus und Hof kämpft. Die Anwesenheit von Pierre auf der Plantage bringt das Leben von Louise und ihren Kindern zunächst durcheinander. Erst nach und nach begreifen beide, dass sie einander brauchen, doch Pierre droht die Einweisung in eine Psychiatrische Klinik …

In der wunderbaren Geschichte aus der Provence stecken nicht nur wunderschöne Bilder und tolle Dialoge, sondern auch richtig viele Emotionen. Die Macher transportieren das Leben aus dem Süden Frankreichs direkt in die Herzen der Zuschauer. Man kann den Duft der blühenden Bäume und der weiten Felder fast riechen. Und auch die Darsteller versprühen den unverwechselbaren französischen Charme. Eine Film zum Verlieben, in eine Region und ihre Geschichte.

Nur eines hat mich etwas irritiert. Korn- & Lavendelfelder und blühende Obstbäume passen zeitlich nicht so ganz zueinander. Aber das macht dem Sehgenuss keinen Abbruch.

Den Trailer und kleine Ausschnitte gibt es auf YouTube. Der Film wird am 9. Juli um 20:15 Uhr auf ONE wiederholt.

Thriller zum Kirchentag

Quelle: Amazon

Das Buch fiel mir buchstäblich in die Hände. Es rutschte vom Stapel mit den Remittenden. Da ich Kathrin Lange von den Schreibseminaren an der Bundesakademie in Wolfenbüttel kenne, freute ich mich und nahm es gleich mit.

Die Autorin ist ein strenge aber sachverständige Dozentin. Vor allem ihre Tipps zum Plotten von Geschichten sind bei den Seminarteilnehmern sehr beliebt. Aber auch sonst kann Kathrin Lange durch hohe fachliche Kompetenz und große Begeisterungsfähigkeit punkten. Kein Wunder das ihr Roman »40 Stunden« das Spannendste war, was ich seit langem gelesen habe.

Wie schon oft gesagt, habe ich mit Krimis nicht viel am Hut. »40 Stunden« trägt zwar die Bezeichnung Thriller, ist aber vor allem ein richtiger Kriminalroman. Und zwar einer mit vielen Bezügen zu Religion und religiösem Fanatismus.

Zum Inhalt: Faris Iskander suspendierter Kriminalbeamter der Sondereinheit SERV (zur Aufklärung religiös motivierter Straftaten) wird von einem Bombenleger kontaktiert und in ein Attentat verwickelt. Der Attentäter gibt Faris und seinen Kollegen 40 Stunden, um einen Mann zu finden, der an ein Kreuz genagelt und an einen Herzmonitor angeschlossen wurde. Wenn der Mann am Kreuz stirbt, geht irgendwo in Berlin eine Bombe hoch. Das fatale, die Stadt ist voller Pilger, die zum Kirchentag und Papstbesuch angereist sind.

Die ersten drei Kapitel haben es in sich. Getreu dem Motto: »Beginne mit dem Weltuntergang und steigere dich allmählich« schreckt die Autorin nicht vor drastischen Bildern zurück. Ich gebe zu, dass ich eine Weile überlegt habe, dass Buch wieder ins Regal zu stellen. Denn für mein schwaches Gemüt war das zu hart. Doch die Geschichte war zu spannend, als dass ich einfach aufhören konnte und so hielt ich bis zum Ende durch.

Vom Spannungsaufbau über die recherchierten Informationen, bis hin zum Stil, in diesem Roman sitzt eigentlich alles. Kathrin Lange ist Profi und das merkt man an jeder Zeile, ja, an jedem Wort. Besonders gut gefiel mir die Charakterisierung von Faris, dem Helden mit Ecken und Kanten, dessen tiefsitzende Verzweiflung mich sehr gerührt hat. Angehende Krimi-Autoren sollten den Roman unbedingt gelesen haben, um zu verstehen, wie man eine spannende Handlung entwickelt, die den Charakteren genug Raum lässt, sich zu entfalten. Wie man gekonnt Gefühle auf den Leser transportiert und recherchierte Fakten glaubhaft in eine Geschichte einbindet.

Das Einzige was mich etwas enttäuschte, ist die Tatsache, dass ich relativ früh ahnte, wer der Attentäter ist. Weil ich Texte meist sehr aufmerksam lese und mir leicht Details einprägen kann, kam mir die Fähigkeit dieses Mal in die Quere. Vielleicht ist das auch einer der Gründe, warum ich keine Krimis mag.

Fazit: Wer auf Krimis und Thriller steht, der sollte bei diesem Buch unbedingt zugreifen. Der Roman erschien 2014 bei blanvalet. Inzwischen sind drei weitere Geschichten mit dem charismatischen Faris Iskander erhältlich.

Und wer mehr über die Autorin erfahren will, den empfehle ich Kathrin Langes Homepage. Und wer sie mal als Dozentin erleben möchte, sollte sich für ein Seminar zum phantastischen Roman in Wolfenbüttel anmelden. Ich kann nur sagen, dass mich das als Hobbyautorin ein großes Stück voran gebracht hat.

Mein erster Bruch

Eigentlich ist es ja nichts, auf das man stolz sein muss, vorallem nicht unter den Umständen, aber …

Nach dem Verbandswechsel gestern hat mich Hausärztin an einen Fußchirurgen überwiesen, weil mein Großer Zeh immer noch seltsam in der Gegend rumstand. Heute war ich dort und im Röntgenbild ist eindeutig eine Fraktur des Endglieds zu erkennen.

Der Arzt fragte mich, wie ich das gemacht hätte und ich erzählte von dem Unfall und das in der Notaufnahme vier Ärzte an meinem Zeh gezogen hätten, um ihn wieder einzurenken. Er schüttelte nur mit dem Kopf und meinte: »Gehen Sie da nur nicht wieder hin.«

Ich kann mir das nicht so richtig erklären. In der Notaufnahme wurden vier Aufnahmen von meinem Fuß gemacht, zwei vor und zwei nach dem Einrenken, das sogar unter Durchleuchtung stattfand. Der Bruch hätte doch jemandem auffallen müssen, außer er passierte erst beim Einrenken. Das gestaltete sich als sehr schwierig. Den Notärzten stand nach einer halben Stunde der Schweiß auf der Stirn, die hätten mich beinahe an der Zehe vom Tisch gezerrt, und es hat trotz örtlicher Betäubung und Lachgas sehr weh getan.

Ich habe mir also zum ersten Mal in meinem Leben etwas gebrochen. Wobei man vielleicht besser sagen muss, dass mir etwas gebrochen wurde. Das ist alles sehr merkwürdig und nicht gerade erfreulich. Machen kann man jedenfalls nichts, da hilft kein Gips, sondern nur Geduld. Der Orthopäde hat mir zwei Pflaster aufgeklebt, damit die Zehe nicht nach oben steht, und ich soll das Bein hochlegen. Was ich jetzt auch machen werde.

Der Betrug am Gast

Wie viele andere Menschen gehen auch mein Mann und ich gern Essen. Nicht zu oft, aber doch mindestens einmal im Monat. Hin und wieder habe ich hinterher mit meiner Verdauung zu kämpfen. Das habe ich meistens, wenn Hefeextrakt im Essen war. Das ist eine Zutat, die eigentlich nicht in frisch zubereitetes Essen gehört und daher kamen mir nach dem Besuch der einen oder anderen Gaststätte Zweifel, ob dort alles tatsächlich frisch gekocht wird.

Das Geheimnis vieler Gaststätten heißt nämlich Convenience Food. Industriell vorgefertigte Zutaten oder sogar fertiges Essen, das nur noch aufgewärmt werden muss. Wie schlimm die Situation in Deutschland in Sachen Convenience Food in der Gastronomie tatsächlich ist, darüber klärte mich dieser Tage eine Dokumentation vom NDR auf. Achtzig Prozent der Restaurants verwenden Fertigprodukte, vorwiegend Saucen, Brühe oder Kartoffelprodukte. Und dabei ist es egal, ob man in ein einfaches Bistro oder ein Sternelokal geht.

Zwischenzeitlich standen mir bei dem Beitrag echt die Haare zu Berge. Oh Mann! Da zahlt man mitunter irrsinnige Summen für ein Schnitzel und dann stammt es aus einer Fabrik in Rumänien. Und woher die Eierscheiben in den Sandwichs diverser Imbiss-Ketten an den Bahnhöfen kommen, weiß ich jetzt auch.

Am Besten sollte sich jeder, der gern Essen geht, den Film selbst anschauen.

https://m.youtube.com/watch?v=JFSJ54S38po

Freigepaddelt

Quelle: Perrypedia

PERRY RHODAN NEO Band 151 – »Werkstatt im Weltraum« von Arno Endler

In seinem zweiten Beitrag zu PERRY RHODAN NEO legt Arno Endler einen solide erzählten Roman vor. Er arbeitet das Exposé stringent ab, aufgelockert durch mal mehr oder weniger witzige Passagen. Seine Charakterisierung der Paddler finde ich durchaus gelungen. Sie erinnern mich (als Star Trek Fan) an eine Mischung aus Denobulanern und Ferengi. Einerseits sexuell sehr offen, andererseits verschlagene Geschäftemacher. Ihre Fähigkeit, mit Händen und Kopf feste Materie zu durchdringen, macht sie nicht nur zu etwas einzigartigem, sondern führt auch zu einigen witzigen Situationen.

Arno Endler beleuchtet in seiner Geschichte mehr die Beziehungen zwischen den Figuren der Serie. So greift er die Beziehung zwischen Tani Hanafe und Tim Schablonski aus der Posbi-Staffel wieder auf. Ebenfalls erfährt man, wie es Christopher Lente und seinem Partner ergangen ist. Charaktere, die der Autor in seinem vorhergehenden NEO Band 137 – »Schlacht um die Sonne« vorstellte. Das alles ist nett geschrieben, ich fürchte jedoch, dass einige NEO-Leser damit nichts anfangen können, weil sie eher an spannender SF interessiert sind. Interessant fand ich, dass der Autor Rhodans schlechtes Gewissen anspricht. Der Protektor macht sich Gedanken, dass er die Menschheit verloren hat. Aus meiner Sicht hat er sie nicht nur verloren, er hat er sie im Stich gelassen, als er nach Andromeda aufgebrochen ist.

Ein paar Ungereimtheiten fielen mir vor allem im zweiten Teil des Romans auf. Als Rhodan, Sitareh, Rainbow und Chefingenieur Schablonski sowie Kalak und einer Paddlerin mit einem Paddler-Schiff in ein nahegelegenes System aufbrechen, um Ersatzteile und Material zu besorgen. Ich glaube nicht, dass Perry Rhodan so unvorsichtig ist, dass er auf einem fremden Planeten eine unbekannte Frucht isst, ohne sich vorher zu versichern, ob sie überhaupt für seinen Metabolismus verträglich ist. Er vergiftet sich trotz Zellaktivator! Es grenzt schon an fahrlässige Dummheit, so etwas zu tun. Das hätte mit jeder anderen Figur funktioniert, aber nicht mit Perry Rhodan. Ohnehin werden die Menschen als ein bisschen zu vertrauenswürdig gegenüber den Paddlern dargestellt. Sie spüren, dass die Paddler ihnen etwas verschweigen und tun dennoch nichts dagegen. Zumindest hätte man Luan Perparim nicht nur auf die Schriftsprache der Paddler, sondern vor allem auf ihre Zeichensprache ansetzen müssen. Das die Paddler ohne zu Zögern Sascha Fuszienowicz erschießen, passt wiederum nicht zu ihrem Wesen. Sie sind verschlagen, aber sie sind keine Killer. Das sagt die Sippenmutter am Ende ja selbst. Außerdem hätte ein Betäubungsschuss sicher auch genügt.

Arno Endler gibt sich große Mühe eine ansprechende Geschichte zu erzählen – der rote Faden ist erkennbar – aber einiges passt dann doch nicht zusammen. Weshalb ist die MAGELLAN sowohl den Schiffen der Aachaonen, als auch der Thetiser waffentechnisch so überlegen? Das ging viel zu leicht, vor allem weil das Schiff noch ein Prototyp ist und die Mannschaft gerade erst beginnt sich einzuspielen. Warum greift Gucky nicht schneller ein, als Tani Hanafe auf der KA-Preiswert in Gefahr gerät? So sieht es aus, als bräuchte er dazu Rhodans Erlaubnis, was den Mausbiber bisher noch nie gestört hat. An der Stelle hätte es einer zusätzliche Erklärung bedurft.

Stilistisch ist »Werkstatt im Weltraum« der deutlich bessere Roman der beiden NEOs von Arno Endler. Aber auch hier störten mich die vielen kurzen Kapitel und die dadurch etwas zerpflückte Handlung. Dabei hätte er einige der Kapitel gut zusammenfassen können. Der Autor versucht dadurch mehr Spannung in den Roman zu bringen, erreicht dies meiner Meinung nach aber nicht, weil die Spannungsbögen zu kurz sind, um zu fesseln. Im Gegenteil, die kurzen Abschnitte laden regelrecht dazu ein, das Buch aus der Hand zu legen. Anfangs stolperte ich zudem über seltsame Wortschöpfungen wie Kubikmeterwürfel und Arbeitsdrillich, dass ließ dann im Laufe des Romans jedoch nach.

An dieser Stelle noch ein großes Lob an Dirk Schulz für das starke Cover. Es reiht sich in die Liste meiner Lieblingscover ganz vorn ein.

Mein Fazit: »Werkstatt im Weltraum« ist ein solide geschriebener Roman ohne herausragende Besonderheiten, der vor allem von der Charakterisierung der Paddler und den Beziehungsproblemen der Nebendarsteller lebt. Der Autor will dem Leser das Abenteuer aus der Sicht der unteren Ränge zeigen und das ist keine so schlechte Herangehensweise. Durchaus lesenswert.

Eine Karotte für Gucky

Foto: © Gerhard Huber

In Osnabrück hatte ich die große Ehre den Retter des Universums persönlich kennenzulernen. Mausbiber Gucky gab sich auf dem Con die Ehre und mischte sich unter die Besucher. Sein Begleiter Gerhard Huber war immer an seiner Seite. Beim Essen im Kartoffelhaus fragte ich Gerhard, warum Gucky denn keine Karotte hat. Der Mausbiber ohne sein Lieblingsgemüse, dass konnte ich mir beim besten Willen nicht vorstellen. Gerhard meinte, dass Gucky eine Karotte besessen habe, diese aber in den chaotischen Zeiten im Perryversum, mit dys-chroner Drift und Scherung verloren gegangen sei. Da tat mir der kleine Kerl richtig leid, wie er so da saß und mit Kartoffeln vorlieb nehmen musste (schließlich waren wir in einem Kartoffelhaus).

Da kam mir eine Idee. Irgendwo in meinem Fundus aus Handarbeiten und Basteleien musste sich noch eine Häkelkarotte befinden. Die hatte die richtige Größe für unseren »Überallzugleichtöter«. Zuhause angekommen, durchsuchte ich gleich meine Häkelsachen und förderte ein passendes orangefarbenes Karotten-Exemplar zutage. Ich schrieb noch eine Karte mit lieben Grüßen an den »größten Mausbiber des bekannten Universums« und steckte alles zusammen in den nächsten Transmitter. Bald darauf bekam ich folgende E-Mail von Gerhard:

Hallo Christina,

das war eine schöne Überraschung, vor allem für Gucky, als wir vorhin von unserem verlängerten Wochenendausflug nach Worms zurückkamen und eine gewisse Möhre im Postkasten zu finden war.

Vielen lieben Dank. Die ist ja wirklich toll, auch so mit dem »Grünzeug« sieht sie sehr gut aus.

Gucky hatte in Osnabrück schon am Rande mitbekommen, dass da was auf ihn zukommt, dementsprechend aufgeregt war er, als ich die Möhre ausgepackt und ihm auch die Karte vorgelesen habe, wie Du den Fotos entnehmen kannst.

Ende Juni sind wir mit dem Mannheimer Stammtisch bei den SF-Tagen in Grünstadt hier in der Gegend dabei, da wird Gucky dann endlich wieder mit Möhre dabei sein. Das wird dann wieder einen Unterwegs-mit-Gucky-Bericht geben, aber mit dieser schicken Möhre werde ich schon vorher was Aktuelleres für die SOL machen. Nix großes, aber vielleicht so eine Art »Unterwegs-mit-Gucky-Spezial« sozusagen.

Herzlichen Dank noch mal, auch in Guckys Namen natürlich, und ich soll noch von ihm sagen, dass er nicht nur der größte Mausbiber des »bekannten«, sondern des gesamten Universums ist. Na ja, Bescheidenheit war ja noch nie seine Stärke.

Lieben Gruß
Gerhard

Da habe ich mich mindestens genauso sehr gefreut wie Gucky selbst. Besonders über das angehängte Foto, wie Gucky seine neue Karotte in Empfang nimmt, und ich hoffe, dass unser allseits geliebter Mausbiber noch sehr lange Freude an seiner neuen Karotte haben wird. Sollte sie doch mal wieder in den Weiten des Multiversums verloren gehen, weiß er ja jetzt, an wen er sich wenden muss.

Wer mehr über Mausbiber Gucky und den Mannheimer Perry-Stammtisch erfahren will, dem empfehle ich auf dem Stammtisch-Blog vorbeizuschauen.