Schnee, Streckensperrung und ein umsichtiger Bahnangestellter

Rosenheim am Freitagvormittag

Was für eine Odyssee!

Als ob ich es gewußt hätte, habe ich die Nacht von Donnerstag auf Freitag schlecht geschlafen. Das mulmiges Gefühl ging auch nicht weg, als mich mein Mann um 5 Uhr morgens nach Traunstein zum Bahnhof brachte. Wir sind extra etwas früher losgefahren, weil es die ganze Nacht über geschneit hatte. Es lag Schnee, aber nicht so schlimm wie angesagt. Und mein Zug nach München kam sogar pünktlich. Erst als ich drinnen saß, nahm das Drama seinen Lauf.

Wir fuhren nicht los. Ich bekam es live mit, weil ich in der Nähe der Zugbegleiter saß, von der eine gerade ihre erste Ausbildungsfahrt absolvierte. Streckensperrung! Warum, weshalb und wie lange, konnte keiner sagen.

Nach 25 Minuten ging’s dann weiter, wir fuhren bei dichtem Schneefall durch die Dunkelheit. Die Fahrt endete zwei Stationen weiter in Übersee am Chiemsee. Auch hier hieß es wieder warten. Niemand wusste, was passiert war. Ein mitfahrender Polizist rief seine Kollegen an, doch die wussten auch nichts. Irgendwann kamen dann die Info über meine Navigator-App, dass die Strecke wegen Vandalismus gesperrt sei. Die Zugbegleiter tuschelten etwas von einem Baumstamm, von dem niemand wusste, ob er absichtlich aufs Gleis gelegt wurde oder umgefallen war.

Kurz vor 7 Uhr dann die Nachricht, es würde ein Schienenersatzverkehr nach Prien eingerichtet. Der Bus sollte um 7:15 Uhr am Bahnhof Übersee abfahren. Zu der Zeit hätte ich eigentlich in München in meinen ICE umsteigen sollen. Alle Leute stiegen aus und stellten sich bei dichtem Schneefall in die Kälte vorm Bahnhof Übersee. Aus Erfahrung weiß ich, dass das mit dem Schienensatz niemals so schnell funktioniert – was letztendlich auch so war – und blieb erstmal im warmen Zug sitzen. Als dann die Zugbegleiter ausstiegen, musste ich auch mit raus. Ich stapfte mit meinem Koffer durch 30 Zentimeter hohen Schnee am Bahnsteig durch die Unterführung bis zur Bushaltestelle. Da standen wir nun, zirka 50 Leute, darunter eine ältere Frau, die nach Kiel wollte.

Die Zeit verging, es war schon weit nach 7:15 Uhr. Damit wir warm wurde, ging ich um das Bahnhofsgebäude herum und entdeckte, dass es einen Wartesaal gab. Ich ging rein und habe mich aufgewärmt. Zu meiner großen Überraschung gab es dort nicht nur einen Heizkörper, sondern sogar einen besetzten Fahrkartenschalter. Der Bahnangestellte war eifrig am Telefonieren, wusste auf Anfrage aber auch nicht genau, was los ist und wann es weitergehen würde. Er wusste nicht mal, dass es einen Schienenersatzbus geben sollte. (Der Mann ist bei der Südostbayernbahn angestellt, während der Zugführer und die Zugbegleiter bei der Bayrischen Oberlandbahn beschäftigt sind, eine Privatbahn, die die Strecke betreibt.) Ich schaute immer mal wieder raus, ob der Bus schon da ist, weil man das vom Wartesaal aus nicht sehen konnte. Zwei Frauen, die schon total durchgefroren waren (es war unter Null Grad Celsius), erzählte ich, dass es einen Wartesaal gab, wo es warm war. Einer der Männer versprach uns zu informieren, wenn der Bus kommt und die Damen folgten mir in den Wartesaal. Der Bahnangestellte am Schalter hatte inzwischen herausgefunden, dass es wohl einen Personenunfall gegeben hatte und alles noch länger dauern würde. Er fragte in die Runde, ob wir einen Tee haben wollen. Ich war baff. Die reisenden drei Frauen waren hoch erfreut und der Bahnangestellte kochte allen einen Tee, so richtig mit Tasse, Untertasse und Teebeutel. Es gab sogar Zucker.

Inzwischen war es um 8 Uhr und ich hatte eigentlich schon mit meiner Reise abgeschlossen. Ich hatte keine Lust mehr weiterzufahren. Da mein Mann nicht verfügbar war, rief ich meinen Chef an. Einer meiner Kollegen wohnt in der Nähe, und wenn der noch nicht auf Arbeit war, hätte er mich mitnehmen können. Der Kollege hatte aber am Freitag frei, dafür bot mein Chef mir an, mich abzuholen. Zehn nach Acht kam der Bus. Der Zug, mit dem ich bis Übersee gefahren war, kehrte um und fuhr nach Traunstein zurück. Ich blieb, wo ich war. Laut Fahrplan wäre ich zu diesem Zeitpunkt nämlich inzwischen schon in Nürnberg gewesen. Dabei sprach ich mit dem Bahnangestellten und bat ihn mein Ticket abzustempeln, damit ich gegebenenfalls am nächsten Tag einen zweiten Anlauf wagen konnte. Dabei erfuhr ich, dass auch er schon Erfahrungen mit Gewalt gegen ihn gemacht hatte. Er sprach von zunehmender Verrohung und ungehaltenen Fahrgästen, weil es immer mehr Zugausfälle und Verspätungen gibt.

Es dauerte nicht lange und mein Chef fuhr vor. Im Auto fragte er mich, ob er mich nicht nach Rosenheim fahren soll, von dort käme ich besser weg. Es war mir zwar etwas unangenehm, weil ich seine Zeit nicht überstrapazieren wollte, stimmte aber zu. Meine Eltern hatten am Telefon schon sehr verzweifelt geklungen, als ich ihnen mitgeteilt hatte, dass ich an diesem Tag wahrscheinlich nicht heimkommen würde.

Hübsch anzusehen ist der von den Leitungen herabfallende Schnee

Trotz starkem Schneefalls war die Autobahn frei und wir waren Ruck Zuck in Rosenheim. Inzwischen war es 9 Uhr. Am Servicepoint, bekam ich die Information, dass der nächste Zug nach München um 9:35 Uhr fahren sollte. Ich hatte also noch ein wenig Zeit, um mir beim McDonalds noch ein Frühstück zu gönnen. Ich hatte ja noch nichts gegegessen. Anschließend ging ich zum Bahnsteig und beobachtete, wie der tauende Schnee in langen weißen Strichen von den Leitungen fiel.

Tatsächlich kam der Zug pünktlich. Und siehe da, ich entdeckte den einen oder anderen, der mit mir auf den Bus gewartet hatte. Ich war also schneller in Rosenheim gewesen, als wenn ich in den Bus gestiegen wäre. Die Regionalbahn nach München hielt an jedem Bahnhof und wurde mit jeder Station voller.

Auch in München Ost liegt Schnee

In München Ost leerte sich der Zug dann, da die meisten Pendler dort austiegen. Ich fuhr bis zum Hauptbahnhof durch und hatte dort die Wahl zwischen zwei Fernzügen. Einem völlig überfüllten Sprinter, mit dem ich bis Erfurt hätte fahren können und von dort aus mit der Regionalbahn nach Saalfeld. Da wäre ich um 14:45 Uhr angekommen. Oder einem ICE nach Hamburg, mit dem ich bis Bamberg fahren und dann in die Regionalbahn nach Saalfeld einsteigen konnte. Ankunft 15 Uhr. Ich entschied mich für den ICE, weil ich für den Sprinter hätte »sprinten« müssen und dann vielleicht gar nicht hätte einsteigen können, weil er in der App als überfüllt angezeigt wurde.

Der ICE nach Hamburg war nicht weniger gut gefüllt, aber ich bekam noch einen Platz zwischen sehr vielen Bundeswehrsoldaten und -Soldatinnen. (Nur so viel: Freitags dürfte in Deutschland kein Krieg ausbrechen!) Da die Bahn es nicht auf die Reihe bekommt, die Taktung so zu legen, dass man möglichst gute Anbindungen an den Regionalverkehr hat, hatte ich in Bamberg 48 Minuten Zeit, um bei McDonalds mein Mittagessen einzunehmen. Der ICE kommt nämlich zehn Minuten nachdem die Regionalbahn nach Saalfeld abgefahren ist in Bamberg an. Ein Schelm wer Böses dabei denkt. Die Fahrgäste sollen doch gefälligst über die teure Schnellstrecke durch den Thüringer Wald fahren, damit die Milliarden, die in das Projekt geflossen sind, auch irgendwann mal wieder reinkommen. Nun, im nächsten Jahrhundert vielleicht.

Die Sonne schien und in Bamberg lag auch kein Schnee. Der Regionalzug nach Saalfeld kam pünktlich und nach vielen Zwischenhalten war ich um 15 Uhr – vier Stunden später als geplant – in Saalfeld. Um 16:30 Uhr habe ich die Haustür aufgeschlossen. Hinter mir lagen fast elf Stunden von Haustür zu Haustür.

Den Grund der Sperrung erfuhr ich später in den Nachrichten. Ein Zugführer hatte einen lauten Knall gehört und den Zug gestoppt. Die herbeigerufene Polizei und die Feuerwehr suchten mit Drohnen die Strecke ab, fanden aber nichts. Die Sperrung war erst kurz vor 10 Uhr wieder aufgehoben worden. Vier Stunden Sperrung wegen eines Knalls, der ein herabgefallener Eisbrocken gewesen sein könnte! Sicherheit in allen Ehren, aber ginge das nicht schneller?

Im Nachhinein meinen herzlichen Dank an den freundlichen Mitarbeiter der Südostbayernbahn – Herrn Walser – für die nette Bewirtung der Fahrgäste im Bahnhof Übersee. Es geht doch!

Eher Thriller als Requiem

Quelle: Perrypedia

PERRY RHODAN NEO Band 374 – »Requiem für eine Unsterbliche« von Stefan Pannor

Nachdem Perry Rhodan ins Solsystem zurückkehrt, wird er sofort in eine Auseinandersetzung zwischen den Terranern und Algrons Posbis verwickelt. Der Tesserakt der Perry Rhodan und die Einzelteile von Roi Danton ins Solsystem eskortiert hat, hatte seitdem Position über der Lunar Research Area und damit über NATHAN bezogen. Nun dringen die Posbis ins Innere der Forschungsstation auf dem Erdmond ein. Die Terraner sehen darin einen Angriff und wollen die Posbis aufhalten. Es droht die Zerstörung der Basis. Rhodan verhandelt mit Algron und kann ihn und seine Posbis zum Rückzug bewegen. Dafür will dieser Rhodan und die MAGELLAN zur Zentralwelt der Posbis begleiten.
Bei einem Zwischenstopp im Spica-System erzwingen die Eltern der Cybora-Kinder ihre Teilnahme an der Expedition, um die Verschollenen mit einer eigenen Streitmacht zurückzuholen. Dabei gelingt es den Cyboranern, die Besatzung der MAGELLAN mittels Naniten auszuschalten und das Fernraumschiff zu übernehmen. Rhodan und die Mannschaft werden in der CIRINJA, einem der Cyboranischen Schiffe, mit defektem Antrieb und ausgefallenem Hyperfunk im All ausgesetzt.
Hilfe kommt aus einer unerwarteten Richtung. Das Mentamalgam Sud arbeitet als Ärztin an Bord der MAGELLAN. Sie wird von den Posbis Algrons entführt und ihrem Intarsium beraubt. Dadurch trennen sich die vor knapp 400 Jahren verschmolzenen Bewusstseine von Sue Mirafiore und Sid Gonzales wieder. Beide ringen um die Vorherrschaft über Suds Körper. Sid geht als Gewinner aus dem inneren Konflikt hervor, während Sue verschwindet. Der Teleporter kann seine einstigen Fähigkeiten abrufen und teleportiert von Bord. Mit Hilfe des Hyperfunks in seinem Raumanzug kann er Rhodan kontaktieren und von der CIRINJA eingefangen werden. Mit seinem Anzug-Hyperfunk ist die Besatzung der CIRINJA in der Lage Hilfe herbeizurufen.

Wow! Was für eine Geschichte. Da ist alles dabei, was Spannung erzeugt. Außerdem wird es von Stefan Pannor so glaubhaft geschildert, dass man den Roman nur schwer wieder aus der Hand legen kann. Ich finde es gut, dass Perry Rhodan in dieser Staffel mal nicht wie der große Held dargestellt wird, dem alle zu Füßen liegen, und der nur mit dem Finger schnippen braucht, damit ihm jeder Wunsch erfüllt wird. Denn, wenn wir ehrlich sind, würden wir uns doch auch nicht von jemandem etwas sagen lassen, der schon vor 400 Jahren gelebt hat.

Insofern finde ich es ein bisschen schade, dass es keine großen Reibereien gibt, ob Rhodan die MAGELLAN für die Expedition bekommen kann, wie im ersten Band der Staffel, als Reglinald Bull nur ein kleines Schiff für Perry abstellen wollte. Aber offenbar ist den Politikern um den Ersten Terraner Aurelian Voss ein Schulschiff wie die MAGELLAN nicht so wichtig, inklusive der jungen Kadetten an Bord. Man lässt Rhodan also mit einer unerfahrenen Besatzung in die Tiefen den Leerraums aufbrechen, damit er das Posbiproblem lösen kann. Wahrscheinlich glaubt eh keiner der Bürokraten der Terranischen Union an einen Erfolg, was die Selbstüberschätzung von Politikern sehr plastisch macht. Man kennt das aus eigener Erfahrung.

Der Hammer ist aber die Übernahme der MAGELLAN durch die Cyboraner. Da wird Rhodan mit seinen eigenen Waffen geschlagen und ihm das Raumschiff unter dem Hintern weg geklaut. Sensationelle Idee. Wobei die Vorbereitung des Coup einen kleinen Haken hat. Wieso führt die erste Transition der MAGELLAN ausgerechnet ins Spicasystem zu den Cyboranern? Wenn da nicht die neue Kommandantin der MAGELLAN mit den Cyboranern unter einer Decke steckt. Oder sie hat den Befehl, ins Spicasystem zu fliegen, direkt von Aurelian Voss bekommen und es Perry Rhodan verschwiegen. Hin wie her, das alles ist ein brillanter Plot, der zudem noch perfekt umgesetzt wurde.

Nostalgisch wird es in den Kapiteln um das Mentamalgam Sud. Da lässt der Autor die Geschehnisse aus den allerersten NEO-Bänden aufleben. Damals als die Serie eigentlich »John Marshall« hätte heißen müssen, weil sich ein großer Teil der Handlung, um den Telepathen und seine Arbeit im Shelter dreht. Ich gestehe, dass ich mit der Figur der Sud nie richtig warm geworden bin, aber wie Stefan Pannor ihr »Ende« schildert, finde ich sehr gelungen.

»Requiem für eine Unsterbliche« ist ein großartiger NEO-Roman, der mir unheimlich viel Freude bereitet hat. Und das nicht nur wegen der vielen tollen Wendungen in der Handlung, sondern auch durch die erzählerische Stärke mit der der Autor die Geschichte umsetzt. Was mich zu der Frage bringt: Warum hat man Stefan Pannor nicht schon früher in die NEO-Serie geholt?