Eher Wissensbuch als Thriller

Blackout
Quelle: Amazon

BLACKOUT – Morgen ist es zu spät: Roman von Marc Elsberg

Wow! Das war das erste, was ich dachte, als mir eine Probeausgabe von Blackout im ICE in die Hände fiel und ich sie regelrecht verschlungen habe. Gleich nach meiner Ankunft am Zielbahnhof kaufte ich das Taschenbuch in der nächsten Bahnhofsbuchhandlung. Eigentlich ein fieser Marketing Trick, aber ich habe es nicht bereut.
Das Buch ist spannend, wenn auch kein richtiger Thriller. Die technischen Vorgänge sind hochinteressant und bis auf wenige Ausnahmen gut recherchiert. Man sollte aber auf jeden Fall technisches Verständnis und Interesse an der Materie mitbringen. Wer einen charakterbezogenen Thriller im Stile von Ken Follett erwartet, für den ist das Buch nichts. Die Spannung entsteht hier nicht durch die handelnden Figuren, sondern vielmehr durch das Wie und Warum. Daher wirken die Charaktere meist blass, was auch durch die Fülle der Personen gar nicht anders möglich ist.

Interessant sind die vielen Handlungsstränge, die zwar konsequent zu Ende geführt werden, doch manches hätte ich gern ausführlicher gehabt. Zum Beispiel: Wie und mit welchen verzweifelten Mitteln die Kraftwerksbetreiber versuchen den Fehler zu finden, bzw. im Falle des Atomkraftwerks, den Gau abzuwenden.

Die geschilderten Auswirkungen auf die Bevölkerung sind sehr beunruhigend, aber nicht ohne Realitätsferne dargestellt. Einzig der Zeitraum erscheint mir ein wenig zu kurz. Ich selbst habe meist für ein bis zwei Wochen Lebensmittel im Haus und tanken muss ich auch nur einmal im Monat. Also das bereits nach 10 Tagen eine Hungersnot ausbricht, so dass Katzen gefangen und Elefanten verspeist werden, halte ich für etwas unglaubwürdig.

Eine Personengruppe auf die in diesem Roman leider nicht eingegangen wird, sind all die SMS- und Internetjunkies, für die kein Leben mehr ohne Facebook und Co möglich ist. Eine Schilderung wie sie öffentliche Gebäude mit W-Lan-Anschluss stürmen, hätte ich doch zu gern gesehen. Dabei sei zu bedenken, dass wahrscheinlich alle deutschen Internetseiten auch die auf deutschen Servern lagernden Adressen, bereits seit den ersten Stunden des Stromausfalls offline sein müssten.

Die negativen Bewertungen zu diesem Roman bei Amazon kann ich nicht nachvollziehen. Wer aber mal genau hinschaut, sieht das die meisten davon zur Hörbuch-Version gehören. Ein Schelm wer Böses dabei denkt. Ich kann mir schon vorstellen, dass die Erklärung technischer Vorgänge als Hörbuch nicht so viel Spannung aufbaut.

Von mir bekommt das Buch jedenfalls fünf Sterne. Schon allein deswegen, weil ich noch nie ein Buch mit 800 Seiten in drei Tagen durchgelesen habe.

Auf der Wikipediaseite von „Blackout – Morgen ist es zu spät“ findet man den Link zu einer parallel dazu entstandenen Studie zum selben Thema, die die Schilderungen des Romans bestätigen. Hoffen wir, dass es nie dazu kommt.

Apokalyptisch gute Kneipentour

The-worlds-end-logoGestern Abend gab’s mal wieder Fernsehen aus der Konserve, was soviel heißt, das wir uns eine Blu-ray aus dem umfangreichen Angebot unseres Wandregals reingezogen haben.
„The World’s End“ stammte aus der letzten „4 für 3 Aktion“ vom Müller Drogeriemarkt. Wir hatten den Film unteranderem deshalb mitgenommen, weil der Hauptdarsteller, Simon Pegg, für seine tollen Komödien bekannt ist, außerdem spielt er ja den Scotty in den beiden neuen Star Trek Filmen. Neben ihm tauchen im Film auch noch so bekannte Namen auf, wie Martin Freeman (Sherlock, Hobbit), Nick Frost (Paul-Ein Alien auf der Flucht) und in einer kleinen Nebenrolle Pierce Brosnan. Ich schicke mal vorweg, das sich die Anschaffung auf jeden Fall gelohnt hat. Übrigens passt der Film herrlich zu Halloween. Nicht, dass ich dem Fest etwas abgewinnen könnte, aber man kommt dem Hype ja nicht aus.

Und wie rezensiert man diesen Film nun ohne zu Spoilern? Keine Ahnung, aber ich versuche es trotzdem.

Es beginnt mit einem Rückblick auf die Sauftour einer Gruppe Teenies. 12 Pubs an einem Abend und in jedem sollte mindestens ein Bier gezischt werden. Natürlich geht das total in die Hose, weil die meisten alsbald versacken. Für den Leader der Truppe Gary King (Simon Pegg) war es dennoch die beste Nacht seines Lebens. Nie erwachsen geworden, will er es nun mit 40 nochmal wissen. Er trommelt die alte Clique zusammen, die alle außer ihm längst im bürgerlichen Leben angekommen sind und sie fahren gemeinsam in die Heimat. Dort begeben sie sich auf die „Goldene Meile“ von Pub zu Pub, doch irgendwann ist bei den Freunden die Luft raus.
Bis dahin dachte ich OK: Saufen, provozieren, Frauen anbaggern und Blödsinn anstellen, das klingt wie „Peter Pank“, riss mich aber nicht wirklich vom Hocker. Und dann passierte etwas völlig Unerwartetes. Ich saß mit offenen Mund da und staunte. Denn das was ich sah, war so abgedreht, das es keine Worte dafür gibt. Der Film entwickelte sich in eine völlig andere Richtung und erinnerte mich stark an eine Mischung aus „From Disk Till Dawn“ und „Matrix“. Jetzt weiter zu erzählen, wäre ungut, weil es potentiellen Zuschauern die Spannung nehmen würde. Ich verrate nur so viel, das der Film in Richtung SF abgleitet und rate jedem, einfach anschauen und wundern. Der britische Humor gemischt mit rasanter Action und intelligentem Witz ist mehr als sehenswert.

Die Welt ohne uns

welt_ohne_uns_bigEs gibt ein paar Bücher die mich nachhaltig beeinflusst haben. Ganz oben auf dieser Liste steht: „Die Welt ohne uns“ von Alan Weisman. Es ist zwar schon ein paar Jahre her, das ich es gelesen habe, aber vieles davon ist tief in mir hängen geblieben.

Alan Weisman ist Wissenschaftsjournalist und beantwortet in diesem Sachbuch Fragen wie: Was würde passieren, wenn die Mensch plötzlich von der Erde verschwinden? Wie schnell erobert die Natur alles zurück und welche Spuren unserer Zivilisation werden bleiben?
Dabei widmet er sich in 19 Kapiteln vielen Themen, die jeden Zweig der Wissenschaft, von Biologie, Chemie, Physik über Geologie bis hin zu Geschichte und Sozialwissenschaften anreißen. Allein die Fülle an interdisziplinären Informationen macht das Buch zu etwas besonderem. Weisman hat sehr gut recherchiert und bringt die fundierten Kenntnisse mit einfachen Worten an den Leser. Er verbindet geschickt Geschichte und Gegenwart, um zu beschreiben, was wäre, wenn es die Menschen plötzlich nicht mehr gäbe. Manchmal holt er sehr weit aus und legt gnadenlos dar, was wir mit unserer Erde bereits angestellt haben und noch anstellen. Ob es unser Umgang mit radioaktivem Abfall ist, unsere Gier nach Öl oder auch nur die Verwendung von Polymeren in Peelings, die das Plankton im Meer bedrohen, umfassender habe ich nie zuvor über den zerstörerischen Einfluss des Menschen gelesen. Dabei bleibt Weisman stets objektiv. Er berichtet nur, er wertet nicht. Das überlässt er allein dem Leser. Am Ende des Buches kommt man beinahe zu dem Schluss, dass die Erde ohne uns Menschen weitaus besser dran wäre.

Ich bin ja der Meinung, das dieses Buch zur Standardliteratur in Schulen gehören sollte. Weil es darüber aufklärt, was wir falsch machen (und falsch gemacht haben) und wie wir Dinge positiv verändern können. So gesehen ist es nicht nur eine Dokumentation darüber, wie die Welt ohne uns aussehen würde, sondern vielmehr ein Leitfaden darüber, was wir dafür tun können, damit auch noch die nächsten Generationen auf unserer Welt leben können.

Gregory Benford – Cosm

CosmExperimentalphysikerin Prof. Alicia Butterworth erschafft bei einem Experiment in einem Teilchenbeschleuniger ein rätselhaftes Objekt. Aus Neugier und Angst, das man es ihr wegnehmen könnte, nimmt sie es heimlich an sich, um es zu untersuchen.
Erst ein Professor für Theoretische Physik, den sie hinzuzieht, als sie nicht mehr weiter weiß, kommt hinter die Natur des Bowlingkugel großen Objektes. Es ist ein neu geschaffenes Universum – ein Cosm – in dem die Zeit viel schneller vergeht als in unserem.
Lange kann Alicia die Existenz des Objektes nicht geheimhalten. Und so findet sie sich bald im Kreuzfeuer von Kollegen, Behörden, Presse, Regierung und religiösen Gruppen, die alle unterschiedliche Ziele verfolgen. Dabei will sie doch nur eines, den neuen Kosmos in Ruhe erforschen.

Das Buch beweist das man keine Raumschiffe oder Aliens benötigt, um einen guten SF-Roman zu schreiben. „Cosm“ ist, ähnlich wie „Contact“ von Carl Sagan, in die Rubrik Wissenschafts-SF einzuordnen und steht Sagans Roman in nichts nach. Nur ein Insider vermag das Umfeld der Wissenschaft und die physikalischen Hintergründe so detailliert zu beschreiben wie Benford, der selbst Astrophysiker ist.

Dabei geht es in diesem Roman nicht um den Cosm selbst, der ist nur Mittel zum Zweck, um vom Leben der Wissenschaftler außerhalb und innerhalb des Campus zu erzählen – all die kleinen Gemeinheiten, die Eifersüchteleien sowie die Grabenkämpfe um Anerkennung und finanzielle Mittel. Oder auch, wie sich das Leben von Wissenschaftlern zu dem normaler Menschen unterscheidet. Stellenweise erinnert die Geschichte mehr an eine soziologische Studie, als an einen SF-Roman. Aber gerade das fand ich besonders vergnüglich.

Ich glaube Benfort geht es in „Cosm“ viel mehr um die moralischen Fragen, die die Erschaffung eines neuen Universums unweigerlich aufwirft und denen sich seine farbige Heldin Alicia in all ihren Facetten stellen muss. Gerade sie, die sozial gescheiterte wird zur Göttin eines Kosmos, den sie nicht kontrollieren und dessen Ende sie nicht verhindern kann.

Benfords Figuren wirken authentisch, wenn auch nicht sehr tiefgründig. So konnte ich mich doch mit der Heldin identifizieren. Auch seine „blumige“ Erzählweise und die hervorragend formulierten Beschreibungen, die ihm eine gute Beobachtungsgabe bescheinigen, machen die Geschichte zu einer der Besten, die ich in letzter Zeit gelesen habe.

Ich sage es offen, ich habe einen Faible für Astronomie und Kosmologie und viele der im Buch zitierten Theorien waren mir bekannt, dennoch fand ich Benfords Idee erfrischend und nachvollziehbar erklärt. Man muss sich aber als Leser darauf einstellen. Ich glaube nicht, das jemand, der sich nicht mit dem theoretischen „Krimskrams“ beschäftigen mag, genauso viel Spaß an dem Buch hätte.