Aalglatter Bösewicht

Quelle: Perrypedia
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PERRY RHODAN NEO 97 – »Der Zorn des Reekha« von Michael H. Buchholz

Anders als seine Kollegen Michelle Stern oder Christian Montillon schreibt Michael H. Buchholz eine, sagen wir mal, bodenständige Science Fiction. Er verwendet SF-Elemente in einem realistisch anmutenden Setting. In diesem Fall wird das noch verstärkt durch den Handlungsort – die Ruhr-Arena Dortmund. Ein Ort, den man nicht zwangsläufig in einem SF-Roman erwarten würde. Ein Vorgehen, das aber bei PERRY RHODAN Tradition hat und besonders bei NEO häufig verwendet wird. Ich mag so etwas gern lesen, sofern die Logik eingehalten wird.

Der Plot wird vom Autor in mehreren überschaubaren Handlungsebenen zügig vorangetrieben. Das Tempo zum Schluß massiv angezogen. Es gibt genügend Plotpoints, so dass die Handlung nicht allzu geradlinig verläuft. Die Figuren sind interessant beschrieben. Mit Fancan Teik taucht erstmals ein Haluter in der NEO-Serie auf. Die Schlacht zwischen den Besatzungstruppen und den Free Earth Kämpfer in der Fußball-Arena ist zwar blutig und brutal, aber durchaus glaubhaft erzählt. Teik rettet den Fürsorger, kurz bevor der von Chetzkel ermordet werden kann. Dabei zeigt sich der Reekha wieder von seiner besonders bösen Seite. Mir kommt der Charakter in den letzten Romanen ein wenig zu eindimensional rüber. Da gab es in diese Zyklus schon Romane, in denen er mehr Profil hatte. Aus meiner Sicht würde ein bisschen mehr Hintergrund der Figur guttun, aber das ist so kurz vorm Finale beinahe schon zu spät.

Ein paar der Aktionen sind wieder einmal dem Zufall geschuldet und wieder sind es nicht allein die Menschen selbst, die sich befreien, sondern ein überirdisches Wesen in Form eines Haluters. Warum dieser so schnell Partei für die Menschen ergreift, ist mir an dieser Stelle nicht ganz klar geworden. Da hätte ich mir mehr Hintergrundfakten gewünscht.

Alles in allem ist »Der Zorn des Reekha« ein spannender und leicht zu lesender Roman. Mir persönlich ist er ist aber ein wenig zu glatt und ein wenig zu hektisch. Da geschieht vieles zu schnell, als es realistisch möglich ist. Außerdem fehlt das Alleinstellungsmerkmal, das besondere. Dies könnte eine außergewöhnliche Figur oder eine ausgefallene Technologie sein, vielleicht auch eine ungewöhnliche Erzählweise. Dennoch zolle ich den Autor großen Respekt, dass er bereits so kurz nach der Behandlung seiner Krebserkrankung einen so gut ausgearbeiteten Roman abliefert.

BuchmesseCon Dreieich 2016

Ich war gespannt. Hatte ich doch schon so viel über den legendären BuchmesseCon in Dreieich gehört und gelesen. Und da eine Freundin ganz in der Nähe wohnt, nutzte ich die Gelegenheit der Traditionsveranstaltung einen Besuch abzustatten.

Das Bürgerhaus in Dreieich war schnell gefunden, ein Parkplatz dagegen eher schwieriger, vor allem wenn man erst am Nachmittag dort aufschlägt.
Im Foyer bezahlten wir unseren Eintritt und nahmen die obligatorische Contüte in Empfang. Ich hatte mich noch nicht gedreht, als ich schon von einer befreundeten Autorin begrüßt wurde, die ich aus Wolfenbüttel kannte. Gleich darauf stand eine Foristin aus dem PR-Forum vor mir. Kaum einen Schritt weiter, kam mir ein Fan entgegen, mit dem ich vor mehr als zwanzig Jahren zur Premiere von STAR TREK »Generations« in Berlin gewesen war, der sich aber nur noch dunkel an mich erinnerte.

Ich hatte die Treppe zum Foyer erglommen, da traf ich schon die nächsten Bekannten. Nach einer herzlichen Begrüßung, schlenderten wir erstmal zwischen den Ständen hindurch und bewunderten die Vielzahl der anwesenden Verlage und deren Publikationen. Während wir uns mit einer Tasse Kaffee und einem Stück Kuchen stärkten, kamen weitere Freunde und Bekannte vorbei. Jedesmal gab es ein großes Hallo und viele interessante Gespräche. So flog der Nachmittag an mir vorüber, ohne das ich mir eine der Lesungen anhören konnte. Ich stand mit staunendem Blick herum und plauderte, lernte Personen kennen, von denen ich bisher nur gehört, oder mit denen ich telefoniert bzw. E-Mails ausgetauscht hatte und knüpfte neue Kontakte. Besonders gefreut, hat mich das Zusammentreffen mit Oliver Plaschka, der immer sehr rührig in meinem Blog die Rezensionen zu seinen NEO-Romanen kommentiert. Überrascht und gefreut hat mich auch das Zusammentreffen mit Michael Haitel, der für die FanEdition der PRFZ verantwortlich ist. An dieser Stelle gleich mal ein Hinweis, ihm liegen bereits Manuskripte für die FanEdition bis 2019 vor.
Einzig Hermann Ritter, den ich gern mal persönlich kennengelernt hätte, ging mir an diesem Nachmittag durch die Lappen.

Später plauderte ich vor dem Stand vom Verlag »in Farbe und Bunt« noch mit Kai Hirdt und Madeleine Puljic, im Foyer mit Verena Themsen. Gemeinsam warteten wir auf das Verlags-Panel der PERRY RHODAN Redaktion, dass um 18 Uhr beginnen sollte. Kurz vor Sechs nahm ich meinen Platz im Holodeck 4 ein und wunderte mich, dass der Raum nicht voll wurde. Ein Blick auf das Programm zeigte, dass im Nachbarraum Bernd Perplies und Christian Humberg aus ihrer Romanserie STAR TREK »Prometheus« lasen. Diese Parallelität fand ich etwas unglücklich, weil ich mir das auch gern angehört hätte. Doch das Perry-Panel wollte ich unter keinen Umständen verpassen.

Klaus N. Frick übernahm die Moderation. Am Tisch saßen außerdem Verena Themsen, Kai Hirdt und Neuling Madleine Puljic. Nach der Vorstellungsrunde hatte der PR-Chefredakteur einige Fragen vorbereitet, die er den Autorinnen und dem Autor stellte. Hauptsächlich ging es um das neue Taschenbuch »Die falsche Welt«, das die Heftromane 2812-2815 enthält und gerade bei Bastei-Lübbe erschienen ist. Klaus N. Frick erklärte, dass der Verlag mit Taschenbüchern mit abgeschlossenen Handlungen versuchen will, ehemalige Leser in die Serie zurückzuholen.

»Überallzugleichschreiber« Kai Hirdt sprach über die Fortsetzung der Comic-Reihe und nannte mit dem 23. Januar sogar ein voraussichtliches Erscheinungsdatum, an dem die PERRY RHODAN Comics in die zweite Runde gehen werden. Er verriet an dieser Stelle auch einen Spoiler. Er sorgt in der Geschichte nämlich dafür, dass das Dimesextatriebwerk der SOL zerstört wird und schafft damit eine Erklärung, warum die SOL mehr als vierzig Jahre braucht, um in die Milchstrasse zurückzukehren.

Die Wienerin Madeleine Puljic sprach vor allem über ihre Arbeit mit Kai Hirdt am NEO Roman »Das Cortico-Syndrom«, der in zwei Wochen erscheinen wird.

Im Anschluss stellten die anwesenden Fans Fragen. Im Blickpunkt stand vor allem der vergangene Zyklus der EA, wobei sich hier die Lager zwischen Begeisterung und Ablehnung die Waage hielten. Es gab Fragen zur kommenden Miniserie und Klaus N. Frick machte allen bewusst, dass zur Zeit fünf PERRY RHODAN Serien in Bearbeitung sind: EA, NEO, »Jupiter«, »Trivid« und die für Frühjahr geplante Miniserie.

Punkt 19 Uhr war das Panel beendet. Ich drehte noch eine Verabschiedungsrunde, bevor mich mein Chauffeur vor der Tür des Bürgerhauses abholte.

Ich fand den Tag in Dreieich sehr bereichernd, nicht nur wegen der fruchtbaren Gespräche, sondern auch wegen der vielen Eindrücke, die ich gewonnen habe. Das einzige war, dass ich anschließend kaum noch einen Ton herausbrachte. Nun, das kommt davon, wenn man gefühlte vier Stunden am Stück redet.
Eines ist aber ganz sicher: ich versuche im nächsten Jahr wiederzukommen.

Verena Themsen & Klaus N. Frick
Verena Themsen & Klaus N. Frick
Kai Hirdt & Madeleine Puljic
Kai Hirdt & Madeleine Puljic

Informativ gesättigt

Quelle: Perrypedia
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PERRY RHODAN NEO 96 – »Kampf um Derogwanien« von Michelle Stern

Wow! Was einem als Leser in diesem Roman an Informationen über das Ringen aufgetischt wurde, muss man erstmal verdauen können. Auf beinahe jeder Seite erfährt man von Callipso, seiner Lebensgeschichte und Motivation. Aber auch der Goldene auf der WELTENSAAT gibt so einiges von sich Preis. Michelle Stern gelingt es zudem das Warum der Schwertmutter den Goldenen zu hintergehen, besser herauszuarbeiten als Christian Montillon. Im Endeffekt gleicht die WELTENSAAT der Kolonie »New Earth« in der unterschiedliche Spezies zwar nebeneinander aber nicht miteinander existieren. Das sich die Lazar und einige Wotok auf die Seite der Menschen schlagen, führt innerhalb des Schiffs zu einem Bürgerkrieg, der alle anderen Spezies vereinnahmt. Am Ende kämpft Pranav Ketar gegen den von John Marshall befreiten Plofre und muss einiges einstecken, bevor er den Ilt zur Strecke bringt.

Perry Rhodan, Ras Tschubai und der Arkonide Charron da Gonozal gelangen zusammen mit Ernst Ellert durch den Zeitbrunnen nach Derogwanien, wo sie bereits von Callipso erwartet werden. Im Zeitbrunnen erlebt Rhodan eine Vision, wie er auf dem Mond stirbt, weil Crest ihn und Bully nicht in sein Schiff holt. Rhodan fragt sich die ganze Zeit über, was die Vision bedeutet und, ganz ehrlich, ich auch. Das wurde im Roman leider nicht aufgelöst. Dafür erfährt man viel über Callipso und das er keineswegs der Böse in diesem Spiel des Ringens ist. Im Gegenteil durch sein Eingreifen wollte er verhindern, dass der jahrtausendelange Waffenstillstand zwischen den Humanoiden und der Allianz gebrochen wird. Die Idee eines Bösewichts, der eigentlich gutes tun möchte, gefiel mir sehr gut. Überhaupt scheint Rhodan eine zentrale Figur in dieser Ereigniskette zu sein. Faszinierend fand ich auch seine Fähigkeit Seelensplitter seines Volkes in sich aufzunehmen und gegebenenfalls wieder zu extrahieren, um sie eines seiner Geschöpfe einzupflanzen. Um Rhodan die Flucht zu ermöglichen, lässt er seine Geschöpfe gegen die Wotok antreten. Dieses Opfer macht deutlich, dass es auf beiden Seiten des Ringens Mächte gibt, die mit dem Vorgehen der Oberen nicht einverstanden sind. Wer das ist und warum sie das tun, bleibt im Dunkeln. Aber auch so fügen sich die einzelnen Puzzlesteine zusammen. An dieser Handlungsebene störte mich eigentlich nur der ungeheuere Zufall, das Ernst Ellert ausgerechnet ein Schiff auf Derogwanien geparkt hat.

Im dritten Handlungsstrang geht es um Gucky und die Ilts. Sie werden vom Goldenen gequält und gefoltert und als Werkzeug benutzt, um zum Beispiel den Schutzschirm Callipsos um dessen Dorf zu durchbrechen. Pranav Ketar lässt keine Gemeinheit aus, um seine Befehle durchzusetzen. Diese Rücksichtslosigkeit erwartet man nicht von einem so fortgeschrittenen Wesen wie einem Goldenen. Man sollte doch annehmen, dass ein Wesen das so alt (unsterblich) ist, genügend Weisheit gesammelt hat, um das Leben an sich zu schätzen und sich nicht niederen Instinkten wie Macht hinzugeben. Hier ist mir das Bild des Bösewichts zu eindimensional.
Kurz vor Schluss fiel mir noch eine Unstimmigkeit in der Reihenfolge der Handlung auf. Während Ketar Plofre erklärt, die Ilts wären auf Derogwanien vom Weltenspalter vernichtet worden. Liest man im nächsten Kapitel, dass Gucky den Tod seines Vaters telepathisch spürt. Zu diesem Zeitpunkt hat aber der Weltenspalter Derogwanien noch nicht angegriffen.

»Kampf um Derogwanien« ist wie ein Festmahl nach langer Fastenzeit. Die Informationen sind so geballt, dass man sie gar nicht alle verarbeiten kann und am Ende auch ein wenig unzufrieden ist, weil sie zwar üppig, in ihrer Qualität aber ein wenig zu mager sind.
Ich bewundere Michelle Stern, dass es ihr gelingt, neben dieser Fülle an Informationen noch eine spannende Geschichte zu erzählen. Das war sicher nicht einfach.

Im Sog der Action

Quelle: Perrypedia
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PERRY RHODAN NEO Band 95 – »Im Fluss der Flammen« von Rainer Schorm

Der Roman ist ein typischer Schorm, wenn ich das mal so behaupten darf. Gezeichnet von atemloser Action, distanziert wirkenden Figuren und einer die Physik verspottenden Logik. Ich habe lange überlegt, warum mich die Ungereimtheiten in »WELTENSAAT« von Christian Montillon nicht so gestört haben, wie bei »Im Fluss der Flammen«. Bei dem Roman von Christian Montillon handelt es sich um klassische SF, die auf einem Außerirdischen Raumschiff mit vielen exotischen Lebensformen spielt. Das ist reine Fantasie und die lässt sich eben nur schwer in ein Korsett physikalischer Gesetze pressen und das muss sie auch nicht. Band 95 der NEO-Reihe hat aber eindeutig den Anspruch von Hard-SF und die funktioniert nunmal nicht ohne halbwegs plausible Erklärungen.

Los gehts schon mit Julian Tifflor, Mildred Orson und Orome Tschato in den Frischwassertanks der AGEDEN. Müsste es da drin nicht stockdunkel sein? Aquamarinblau ist da wohl die falsche Beschreibung, denn sie befinden sich ja nicht in einem Gewässer, das von Sonnenlicht beschienen wird und bei dem die Extinktion wirkt. Sie haben Lampen, aber deshalb wird das Wasser nicht dunkelblau. Und ich bezweifle, dass das Licht ihrer Lampen weit genug reicht, um in den Pipelines und Kavernen etwas erkennen zu können.

Ich hatte bei Band 89 schon gesagt, dass ich diese Frischwasser-Geschichte nicht sonderlich logisch fand. Es wäre sinnvoller zu erklären, dass die Wasserspeicher an Bord ständig recycelt werden und das sie unteranderem dem Schutz vor kosmischer Strahlung dienen. Das wäre wirksamer und energetisch günstiger. Nächstes Problem ist der Druck der Wassersäule. Warum sollte die Schwerkraft überhaupt in diesen Bereichen wirken? Es ist nicht nur Energieverschwendung, sondern auch ungünstig, wenn man nur einen Gravitationsgenerator hat. Bei Star Trek wird die künstliche Gravitation beschrieben, durch Matten, die im Boden jeden Decks verlegt sind und ein voneinander unabhängiges redundantes System bilden.
Der unsägliche Einsatz der Ara-Medikamente setzt dem Unternehmen die Krone auf. Warum nehmen sie keine Taucherausrüstung? (Die auf dem Cover von Dirk Schulz übrigens abgebildet wurde.) Ich kann mir nicht vorstellen, wie man sprechen soll, wenn man nicht atmet. Auch die Leichtigkeit mit der die Menschen in die Systeme und Bereiche der AGEDEN eindringen können und sich sogar in der Waffenkammer bedienen können, wirkt von Anfang an konstruiert. Wenn der Autor das nicht so spannend geschrieben hätte, wäre ich versucht gewesen, diese Passagen zu Überblättern. Der unsichtbare Helfer von Außen macht es nicht plausibler, sondern verwirrt eher, weil man sich fragt, wer dahintersteckt. (Etwa der Fürsorger?)

Außerdem: Was sollte eigentlich mit dieser Infiltration der AGEDEN durch die Free Earth bezweckt werden? Das kam bei mir irgendwie nicht an.

Spannung ist das einzige, dass den Roman zusammenhält. Denn auch die zweite Handlungsebene auf New Earth strotzt von Zufällen, Unwahrscheinlichkeiten und logischen Fehlern. Dazu stimmt stellenweise das Timing nicht. Die AGEDEN braucht zu lange bis sie im System ankommt und noch länger, bis sie endlich ihren Angriff auf New Earth startet. Somit haben die Terraner Zeit, die Kolonie zu evakuieren. Auch die beiden Naat-Kreuzer können sich stundenlang gegen das Flaggschiff von Chetzkel wehren und somit den Terranern Zeit verschaffen. Und wenn diese dann ins All starten, liegt zufälligerweise ein Minenfeld zwischen den Angreifern und den Flüchtigen. Die herbeigerufene Verstärkung in Form der ENDRIR ist dagegen so schnell zur Stelle, dass man sich verwundert die Augen reibt und sich fragt, warum sie nicht schon früher gerufen wurde.

Das ist das Problem, wenn man einen übermächtigen Gegner kreiert und sich dann fürchtet, die Konsequenzen zu tragen. Man benötigt Zufälle und »Deus Ex Machina«-Lösungen, um die Protagonisten aus dem Konflikt zu befreien. Ein Mann wie Chetzkel hätte in Wahrheit nicht gezögert und mit voller Brutalität agiert. So wie der Autor es am Ende auch andeutet, als der Reekha die AGEDEN wie ein Komet durch die Atmosphäre pflügen lässt. Der Abwurf der Arkonbombe war in dem Falle sogar unnötig. Er und seine Schiffe hätten Hope auch dem Erdboden gleich machen können, wenn sie nur die Gletscher zum Schmelzen gebracht hätten. Manchmal mag es für die Geschichte richtiger sein, schlimme Dinge passieren zu lassen. Einfach nur um glaubwürdig zu bleiben. Wer davor zurückschreckt, sollte sich vielleicht keinen so überlegenen Gegner schaffen.

Rainer Schorm rettet den unglücklichen Plot durch seinen spannenden, actionlastigen Schreibstil. Damit hat er mich bis zum Schluss bei der Stange gehalten, auch wenn ich mit der Inkonsequenz der Handlung, alles andere als zufrieden bin.

Tschato is back

Quelle: Perrypedia
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PERRY RHODAN NEO Band 89 – »Tschato, der Panther« von Michael H. Buchholz und Rüdiger Schäfer

Das auf dem Titel dieses NEO-Romans zwei Autoren stehen, hat einen tragischen Hintergrund. Kurz nach Beginn der Schreibarbeit erkrankte Michael H. Buchholz so schwer, dass er den Roman nicht zu Ende schreiben konnte. Er musste sich umgehend nach einem Ersatzautoren umsehen und fand ihn in Form seines langjährigen Freundes Rüdiger Schäfer.

Nome Tschato, auch »Tschato der Löwe genannt«, kennen viele Fans aus den Heftromanen des Plophos-Zyklus. Mir hat der Kommandant der LION damals gut gefallen. Sein Wagemut und sein Hang zu riskanten Einsätzen führte zu Abenteuern, an die ich mich gern erinnere. Doch Tschatos Beliebtheit hing von einem entscheidenden Faktor ab, nämlich seinem ersten Offizier Dan Picot. Da Picot ständig unter den Einfällen seines Kommandanten litt, den er auch für seine angeblichen Magengeschwüre verantwortlich machte, bildetet sich zwischen den beiden Figuren eine besondere Chemie. Natürlich verehrte Picot seinen Kommandanten und konnte sich ein Leben ohne ihn nicht vorstellen, aber die ständigen Frotzeleien zwischen den beiden, verliehen Tschato das gewisse Etwas.

Die Figur Orome Tschato wird bei NEO als »Tschato, der Panther« bezeichnet. Er ist an den Charakter der frühen Heftromane angelegt, kommt aber nicht an ihn heran. Es fehlt einfach die Reibfläche namens Dan Picot, um ihm einen ähnlichen Reiz zu verleihen. In Band 89 präsentiert sich der Terra-Polizist der sich dem Widerstand anschließend will, als Helfer für Julian Tifflor und Mildred Orson und sorgt für das Gelingen der Infiltration. Tifflor und Orson versuchen über die Frischwasserversorgung auf ein arkonidischen Kreuzer zu gelangen, um einen Trojaner in deren System zu etablieren. Damit Free Earth in Zukunft unbemerkt Menschen an Bord arkonidischer Raumschiffe schleusen kann.

Die Idee einer Bekämpfung der Arkoniden durch Cypertechnik ist zwar nicht originell, wird aber spannend umgesetzt. Mir stellten sich jedoch einige Fragen. Haben arkonidische Raumschiffe keine Wasseraufbereitung, weil sie Frischwasser an Bord nehmen müssen und Abwasser entsorgen? Geht die Besatzung damit nicht ein erhebliches Risiko ein, verunreinigtes Wasser an Bord zu holen. Da können sich alle möglichen Keime und gefährliche Stoffe im Wasser befinden. Um ganz sicher zu gehen, müssten sie das Frischwasser nicht nur filtern, sondern auch untersuchen und aufbereiten, wozu sie eine Wasseraufbereitung benötigen würden, durch die sie sich das ganze Prozedere mit dem Fischwasser eigentlich sparen könnten. Diese Idee war mir zu »plotdriven«, wie man so schön sagt. Die zweite Frage, die ich mir stellte, wie können menschliche Computerspezialisten in so kurzer Zeit so viel Kenntnis über arkonidischen Positroniken lernen, um einen gefährlichen Trojaner programmieren können? Ich empfinde die Zeitspanne als zu kurz. Nichtsdestotrotz ist das Unternehmen spannend geschrieben und läuft auch nicht so glatt, dass es unglaubwürdig wäre.

Interessant ist auch der zweite Handlungsstrang um Reekha Chetzkel und die NAS’TUR II. Es geht um die Instandsetzung der Relaiskette nach Arkon, die durch Sabotageakte unterbrochen ist. Chetzkels Bösartigkeit erreicht einen neuen Höhepunkt, als er ein Schiff aus seiner Flotte als Kanonenfutter opfert, nur weil er dessen Besatzung nicht mag. Die Angst und Sorge der Kreuzerbesatzung sind gut beschrieben und verleihen den Arkoniden eine neue menschliche Facette. Am Ende wird die NAS’TUR II von Schiffen der terranischen Flotte aufgerieben und schwer beschädigt. Durch die Besonnenheit des menschlichen Befehlshabers Marcus Everson kann die Besatzung aber vor dem Tod gerettet werden.

Der Roman ist spannend und liest sich wie aus einem Guss. Das heißt, man kann nicht unterscheiden, welcher Autor was geschrieben hat. Das spannende Abenteuer offenbart aber auch ein paar Schwächen im Plot über die arkonidische Besetzung. Hier stimmt stellenweise das Timing überhaupt nicht. Manches zieht sich ewig hin, während an andere Stelle schon innerhalb kurzer Zeit eine Infrastruktur vorherrscht, für deren Ausbau mehrere Jahr benötigt würden. Das bemerke ich immer wieder besonders innerhalb der Widerstandsbewegung Free Earth. Da werden zu viel Können und zu viele Zufälligkeiten vorausgesetzt.

Inzwischen ist Michael H. Buchholz wieder gesund und sogar ins NEO-Exposéteam aufgestiegen, wo er mit seinen Ideen seit Band 101 einen ausgezeichneten Job macht.

Ideenfeuerwerk auf der WELTENSAAT

Quelle: Perrypedia
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PERRY RHODAN NEO Band 93 – »WELTENSAAT« von Christian Montillon

Nachdem der letzte NEO-Roman eher ins Genre der Hard-SF tendierte, schöpft Christian Montillon in Band 93 den Pool der Phantastik voll aus. Alles was das Herz eines SF-Leser begehrt, fügt er spannend und vergnüglich im Roman zusammen. Exotische Spezies, fremde Technik, erstaunliche Fähigkeiten – all diese Wunder lässt er wie ein Feuerwerk auf den Leser los. Die Geschichte ist gut konzipiert und sie bringt vor allem Licht in die bislang dunstigen Hintergründe des Ringens. Manch eine phantastische Idee widersetzt sich zwar genauerer physikalischer Betrachtung, aber dass machte mir nichts aus, weil ich von der Geschichte gut unterhalten wurde. Die Figuren und ihr Handeln sind stimmig. Herauszuheben sind Gucky und der Wostok Worat. Besonders Letzterer ist schön in Szene gesetzt und agiert als Diener des Goldenen durchaus nachvollziehbar. Man erfährt mehr über die Spezies an Bord der WELTENSAAT. Und der Fantan Set-Yandar mutiert zu einem dreidimensionalen Charakter, der mir viel Spaß gemacht hat.

Interessant war für mich die Information über die beiden Ricos. Da hätte ich an dieser Stelle gern mehr erfahren.

Manche Passagen im Roman wirken auf mich etwas kindlich, was aber den Stil des Autors widerspiegelt und mir in diesem Fall nicht mißfiel. Störend waren dagegen gelegentliche Anschlussfehler im Text. Zum Beispiel, das etwas vorweggenommen wurde, was die jeweilige Figur zu dem Zeitpunkt noch nicht wissen konnte. Das hätte beim Lektorat auffallen müssen.

Ärgerlich war am Ende wieder der Cliffhanger. Gerade als sich die Geschichte ihrem Höhepunkt näherte, war Schluß. Das, was man eigentlich erleben wollte, wird man in zwei oder drei Bänden als Exposition lesen müssen. Und diese Tatsache nervt mich inzwischen sehr. So erfährt der Leser auch in diesem Roman erst in der Exposition, was mit den Mutanten an Bord des Fantan-Schiffes geschehen ist. Mich hätte interessiert, wie die Mutanten um John Marshall Set-Yandar überredet haben, sie nicht als Besun ins Regal zu stellen. Auch das die von ihnen gekaperte MEHIS zur Solaren Flotte zwangsweise übergelaufen ist, wurde mir in diesem Roman erst klar, obwohl sie schon im Vorgängerroman auftauchte. Frank Borsch als Exposéautor lässt meiner Meinung nach zu viele Lücken zwischen den Romanen, die nur zögerlich durch Rückblicke und Erklärungen gestopft werden. Durch die unterschiedlichen Handlungsstränge, die sich in den Folgeromanen abwechseln, verliert man leicht den Überblick und ist als Leser oft gefrustet, weil man ein Ende hingestellt bekommt, dass erst drei bis vier Romane später aufgelöst wird. Das mag funktionieren, wenn man jede Woche einen Roman veröffentlicht, aber nicht wenn zwischen den Veröffentlichungen mehrere Wochen liegen.

»WELTENSAAT« wartet mit vielen netten Ideen auf, ist leicht und spannend zu lesen und bringt einige neue Informationen ans Licht. Das Gesamtkonzept der Staffel jedoch geht für mich nicht auf.

Beachtlicher Einstieg ins NEOversum

Quelle: Perrypedia
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PERRY RHODAN NEO Band 92 – »Aurora Vermächtnis« von Kai Hirdt

Kai Hirdt setzt ein Ausrufezeichen, ein ziemlich großes sogar. Ich war ja gespannt auf das Erstlingswerk des Autors im NEOversum. Ich lese schon lange die »Perry« Comics und mochte seine STELLARIS-Geschichte und auch die Kurzgeschichte für die NEO-Platin Edition. Doch sein erster PERRY RHODAN-Roman hat mich schier umgehauen. Darin passt einfach alles. Von der Figurenzeichung bis zum Plot war alles perfekt ausgearbeitet und umgesetzt.

Der Autor verfügt über die große Fähigkeit, seine Figuren so lebhaft agieren zu lassen, dass man sich ihnen ganz nahe fühlt. Simon Freeman ist eine solche Figur. Das tragische Schicksal seiner Schwester, die scheinbar von einem Arkoniden vergiftet wurde, geht ans Herz. Da kullerte bei mir tatsächlich die eine oder andere Träne. Die Glaubwürdigkeit, mit der Kai Hirdt den Charakter schildert, beeindruckt. Man spürt, wie Simon sich verändert, wie er die Phasen der Trauer durchläuft. Er wird von den Leuten aus dem Widerstand beeinflusst und trifft am Ende doch die richtige Entscheidung zum Wohl der Menschheit, indem er seine Rachegelüste überwindet. Das war bis zum letzten Satz hervorragend geschildert. Und trotz den sensiblen und traurigen Themas behält der Text seine Leichtigkeit.

Überhaupt. Die Idee, mit einer von Free Earth unabhängigen Widerstandszelle auf amerikanischen Boden, gefiel mir ausgesprochen gut. Keiner der Autoren zuvor hat sich diesem Gedanken bedient und so realistisch umgesetzt. Denn warum sollten sich die Menschen, die noch vor wenigen Jahren in nationalistischer Kleinstaaterei gelebt haben, plötzlich einer gemeinsamen Widerstandsbewegung anschließen? Seien wir ehrlich, das Konzept einer unabhängigen aus Ex-Militärs bestehenden Gruppe wäre genau das, was passieren würde.

Und natürlich kam mir der Handlungsort Washington DC sehr entgegen. War ich doch bereits einmal dort und konnte mir die beschriebenen Orte gut vorstellen. Das ist schon clever ausgedacht. Denn gerade das Lincoln Memorial kennen viele von uns aus Filmen, und so muss man als Autor weniger Arbeit ins Setting stecken.

Der zweite Handlungszweig führt nach Hope, jener Kolonie auf New Earth, wo die terranische Flotte ihren geheimen Stützpunkt hat. Hier wurde mir zum ersten Mal bewusst, das Conrad Deringhouse erst fünfundzwanzig ist. Ich nahm immer an, er sein so alt wie Perry Rhodan, was mein Bild über den Charakter grundlegend verändert hat. Von jetzt an, ist es für mich der junge Mann, der gemeinsam mit einem Roboter joggen geht (was auf den Titelbild von Dirk Schulz schön visualisiert wurde).

Hier, wie auch in der ersten Handlungsebene führt der Autor zunächst die Figuren ein, bringt sie dem Leser nahe, bevor er das Tempo anzieht. Die Handlung ist am Ende auf beiden Ebenen so spannend, dass man nägelkauend mitfiebert. Das das friedliche Zusammenleben von Naats, Ferronen und Menschen in der Kolonie nur ein Trugbild ist und sich mit der Ankunft arkonidischer Gefangener beinahe eine Katastrophe entwickelt, ist an dieser Stelle überraschend, aber auch plausibel konzipiert. Da stimmt beinahe jedes Detail.

Man merkt dem Roman an, wie viel Sorgfalt und Herzblut zwischen den Zeilen steckt. Der Autor kennt sich im Perryversum und bei NEO gut aus. Manche Leser mögen das Fehlen der typischen Merkmale der Science Fiction wie kosmische Spielereien oder Raumschlachten bemängeln, weil es nur wenig SF-Elemente in der Handlung gibt. Beziehungsweise, diese nur den Rahmen der Geschichte bilden. Die Story käme auch ohne sie aus. Der »Sense of Wonder« stellt sich auf einer anderen Ebene ein, als man das als NEO-Leser gewohnt ist. Es ist der Kern der Geschichte, der berührt, sowie die Geradlinigkeit und Tiefe mit der sie erzählt wird, die mich gepackt hat. Für mich ist es einer der besten NEO-Romane, die ich in letzter Zeit gelesen habe.

Dieses Erstlingswerk ist mehr als bemerkenswert. Ich prognostiziere: den Namen Kai Hirdt wird man in Zukunft sicher öfter hören und lesen.

Im Licht der Öffentlichkeit

Jetzt hätte ich es doch beinahe vergessen von der aufregendsten Begebenheit am Rande des Austria Con zu erzählen.

Seit der Veröffentlichung meines Fanromans und auch schon davor, werde ich mit vielen neuen Dingen konfrontiert, die für mich manchmal ziemlich verstörend sind.

Auf dem AustriaCon war das besonders zu spüren. Da waren Menschen, die mich interviewt haben, wildfremde Leute kamen auf mich zu, um mir zu gratulieren, oder wollten ein Buch signiert haben. Das war einerseits sehr schmeichelhaft, andererseits bin ich sowas nicht gewohnt. Und so fühlte sich so manche Begebenheit befremdlich an. In genau diese Kategorie fällt auch das Erlebnis, das ich in einem Wiener Zeitungskiosk (auch Trafik genannt) machte.

Da wir schon am Donnerstagvormittag anreisten, konnte ich in der Bahnhofsbuchhandlung in Traunstein nicht im aktuellen PERRY RHODAN-Heft der EA nachsehen, ob eventuell die Clubnachrichten drin sind. Deshalb holte ich das am Freitag in Wien nach.
Ich nahm also das PR-Heft 2876 aus dem Regal und blätterte es von hinten bis zur Mitte durch. Da sprang mir das Cover meiner FanEdition im PERRY RHODAN-Report entgegen.

Aha, dachte ich, das ist Roman Schleifers Bericht über unser Schreibcoaching. Ich kannte den Text, da ich ihn schon im August vorab zu lesen bekommen hatte. Roman und ich hatten uns kurz darüber abgestimmt. Damals sollte ich noch ein Foto liefern, wie ich vor dem Computer sitze und schreibe. Eigentlich wollte ich das nicht, aber folgsam wie ich bin, ließ ich mich von meinem Mann ablichten. Zum Glück achtete ich darauf, dass ich einigermaßen vernünftig aussah. Auch wenn ich wusste, dass die Fotos im Report nur klein und nur in SW abgedruckt werden. Es würde mich sowieso keiner erkennen, sagte ich mir.

Nun fand ich im Artikel nur das Cover meines Fanromans und war erleichtert, dass mein Bild offenbar doch nicht veröffentlicht wurde. Nichtsahnend blätterte ich nach vorn. Als mein Blick schließlich auf die Titelseite des PR-Reports fiel, wurde mir ganz anders


Da war ich. Formatfüllend!

Der Schreck, der mir in diesem Moment in alle Glieder fuhr, war so groß, dass ich das Heft sofort zuklappte und zurück ins Regal legte. Nachdem ich den Kiosk verlassen hatte, musste ich tief durchatmen. Mein Mann fand das sehr amüsant. Kunststück, es war ja auch nicht sein Gesicht, das in einem Romanheft mit einer Auflage von 80.000 Stück abgebildet war sowie die Tatsache, dass jetzt jeder Fan zu meinem Namen auch ein Gesicht hatte.

Am Abend erzählte ich die Geschichte meinen Eltern und sagte ihnen, dass sie mal in den Zeitungskiosk gehen sollten. Am nächsten Tag berichtete mir mein Vater, er habe von den letzten drei Heftromanen zwei gekauft. Und anschließend jedem Bekannten, den er in der Fußgängerzone traf, mein Bild gezeigt und gesagt, dass er jetzt einen Schriftsteller in der Familie hat.

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Saustarkes Conbuch Teil 2

ac2_titelAUSTRIA CONBUCH

Inhalt Reader 2:

Uwe Anton: Begegnung am Dom
Andreas Gruber: Mein erster Kontakt zur Science-Fiction
Verena Themsen: Wien ist eine Reise wert
Michael M. Thurner: Der Wiener PR-Stammtisch
Gerhard Huber: Vienna Calling
Francis Farmer: Der Weg des Schwertes
Rainer Nagel: Wien im Perryversum
Oliver Fröhlich: Der Zirkel der Chronisten
Aki Alexandra Nofftz: Konfrontierte Sehnsucht
Hubert Haensel: Wien, wir kommen
Gregor Sedlag: »Perry for President!« – Rhodan zum 80er!
Gerry Haynaly: Tynoon, mon amour
Gregor Paulmann: Skizzenentwurf Space-Jet

 

Der zweite Teil des Readers startet mit einer ziemlich starken Geschichte von Uwe Anton. Eigentlich ist sie Teil des PR-Heftromans 2873 und erzählt von der Evakuierung der Erde vor dem herannahenden Zeitriss. Hauptfigur ist Mato Cardweel und der Schauplatz der Story ist, wie sollte es anders sein, Wien. Perry Rhodan landet in der Stadt, um von der Metropole Abschied zu nehmen. Ich finde die Geschichte sehr eindrucksvoll und überlege mir gerade, ob ich Band 2873 aus der EA nicht doch lesen sollte.

Der Nächste in der Reihe ist Andreas Gruber. Er beschreibt ähnlich wie sein Kollege Andreas Brandhorst im Reader 1, seine Sozialisierung von Wickie über Raumschiff Enterprise bis zu Star Wars und wie er schließlich die SF-Literatur für sich entdeckte und zum Autor wurde. Die Dualität zum Lebenslauf vieler Phantastik-Autoren ist dabei spannend zu beobachten.

Verena Themsen – voll berufstätige Physikerin und PR-Autorin mit Familienanschluss – findet trotz Zeitmangels Zeit eine Seite für den Reader zu verfassen, auf der sie den Gastgebern gratuliert und den Fans viel Spaß wünscht. Respekt!

»Ohne den PERRY RHODAN Stammtisch wäre ich kein Autor geworden.« Diese Hypothese stellt Michael Marcus Thurner in seinem Beitrag auf. Und ganz ehrlich, es wäre für die PERRY RHODAN Serie ein herber Verlust, denn seine Romane sind bei vielen Lesern sehr beliebt. Er beschreibt zunächst seinen Weg zum Stammtisch und später zum Autor. Man erfährt einiges über die Conlokale und die Cons, die die Wiener im Laufe der zwanzig Jahre organisiert haben. Der Text ist eine schöne Hommage an den Wiener Stammtisch von seinem derzeit prominentesten Mitglied.

Um einen Chocolatier und um Kardinalschnitten geht es in der Kurzgeschichte von Gerhard Huber. Er erzählt von Rudolph Dinello, der auf dem Wiener Raumhafen zwischenlandet und auf seine Weiterreise wartet. Ein robotischer Begleiter führt in durch Wien und zeigt ihm die Sehenswürdigkeiten, die auch nach Jahrtausenden immer wieder an Ort und Stelle rekonstruiert werden. Am Ende nimmt ihn die STELLARIS an Bord.
Nichts anderes war von STELLARIS Autor Gerhard Huber zu erwarten und als er in seiner Geschichte auch noch die Romanfigur Roman Schleifer aus Band 2545 erwähnte, hat mir das ein breites Lächeln entlockt.

Wer sich hinter dem Synonym Francis Farmer verbirgt, weiß ich leider nicht. Der Text, anscheinend ein Auszug aus einer Fantasygeschichte, ist der einzige, der nicht so recht in den Reader passen will. Vielleicht liegt es daran, dass ich mit Schwertschwingenden Kämpfern nichts anfangen kann, oder daran, dass das Thema von Kämpfen und Tod zu schwer für den leichten und lockeren Inhalt eines Conbuchs ist. Ohne Frage, der Text ist gut geschrieben, zieht meine Stimmung als Lesers aber nach unten.

Den umfangreichsten Artikel im Conbuch-Reader liefert Rainer Nagel. Der Lektor recherchierte sehr aufwändig, in welchen PR-Heftromanen Wien vorkommt. Und dass war häufiger als gedacht. Sehr ausführlich werden die Fakten präsentiert und erstaunliche Verbindungen aufgezeigt. Hut ab, vor so viel Mühe.

Oliver Fröhlichs Kurzgeschichte ist so fröhlich wie sein Name. Man erfährt wie ein PR-Autor an Material kommt. Autoren sind nämlich nichts anderes als Chronisten, die auf geheimen Wegen und unter Ausschluss der Öffentlichkeit Befragungen durchführen und Berichte von Unsterblichen wie Perry Rhodan dokumentieren. Und wehe, sie erzählen jemandem davon, denn dann droht der Ausschluss aus dem Chronisten-Zirkel. Die Idee ist augenzwinkernd umgesetzt und gefiel mir ausgesprochen gut.

Aki Alexandra Nofftz zeigt in ihrer Kurzgeschichte was Missverständnisse und Vorurteile anrichten können. Hinter der lustig erzählten Geschichte verbirgt sich ein ernsthafter Gedanke, der in seinem Grundton eigentlich zutiefst tragisch ist. Die Bezeichnung der Spezies als Frogs assoziierte ich sofort mit Raumpatrouille ORION, obwohl das sicher nicht gewollt war, weil es sich ja wirklich um Frösche handelt. Eine wunderbare Geschichte, die zum Nachdenken anregt.

In »Wien, wir kommen« überlegt Hubert Haensel was er am besten über Wien und seinen Besuch auf dem AustriaCon schreiben soll. Besonders schön fand ich folgende Formulierung: »Ein gewisser Roman Schleifer (ich möchte ihn ungern permanent als Chefredakteur haben – zumindest wenn ich seinen Namen wie ein Wort ausspreche und die Betonung auf die zweite Silbe lege) erwartet einen Beitrag fürs Conbuch.« Wo wir wieder beim »Schleifer von Wien« wären. Hubert Hansel krönt das ganze auch noch mit einem Bild.

Gregor Sedlag erklärt, wie es zum Titel des Time-Magazins mit dem Antlitz eines achtzigjährigen Perry Rhodan kam.

Marc A. Herren präsentiert als Beitrag ein Foto seines Sohns. Alaska is here! – stammt von Marc Herren und Arndt Drechsler. Auch eine nette Idee, über die sich die Fans sicher gefreut haben.

Und zu guter Letzt lässt Gerry Haynaly noch Ronald Tekener in einer spannenden Kurzgeschichte auferstehen, in der er von seinem Boss »Monkey« genauer unter die Lupe genommen wird, als ihm lieb ist.

Auch dieser Reader steckt voller Cartoons von Reinhard Habeck und steht dem ersten Band in nichts nach.

Bilder zur Entstehung des Readers inklusive des Beweisfotos von dem verletzten Stammtischler können auf der Facebook-Seite des AustriaCon betrachtet werden.

Saustarkes Conbuch Teil 1

ac1_titelAUSTRIA CONBUCH

Inhalt Reader 1:

Ben Calvin Hary: Der Ameisenkönig
Robert Corvus: Das Exposé – Eigenständiger Roman versus PR
Regina Vlcek: Gratulation zum 20. Geburtstag
Michael Thiesen: In der alten Stadt
Andreas Eschbach: Perry Rhodan in Wien
Andreas Brandhorst: Eine lange Reise
Uschi Zietsch: Wien, Wien, nur du allein …
Rüdiger Schäfer und Michael H. Buchholz: Die Meister der Sonne
Roman Schleifer: Der Autor und seine Figuren
Christian Montillon: Schnitzel, Klebebildchen und Totenköpfe
Inge Mahn: Erinnerungen
Christina Hacker: »Der Schleifer von Wien«

Andere Con-Organisatoren geben sich mit einem Conbuch zufrieden, die Wiener haben zum Austria Con 2016 gleich zwei Bücher fabriziert, dessen Inhalt sich mehr als sehen lassen kann. Zum Con gab es, wie ich bereits berichtete, keine Contüte, sondern einen Conkarton mit allerlei nützlichen Dingen, unteranderem enthielt er auch zwei Conbuch-Reader. Schon beim Durchblättern macht der hochkarätige Inhalt neugierig, denn die Beiträge in den Readern im A6-Format stammen ausschließlich von den Ehrengästen. Keiner der Gäste hat sich vor seinem Beitrag gedrückt und so ist die stattliche Anzahl von einmal 58 und einmal 60 Seiten entstanden. Heute werfe ich einen Blick auf den Reader mit der Nummer 1.

Los geht’s mit einer Kurzgeschichte von Ben Calvin Hary, in der er Augenzwinkernd das Ende einer Rasse von Killerameisen beschreibt, die die Galaxis heimsuchen. Als Erstleserin kannte ich die Geschichte schon, war aber neugierig, wie viel der Autor von meinen Anmerkungen eingebaut hat. Im Reader ist sie noch witziger und zu einer runden Sache geworden, die die Leser sicher gut unterhalten wird.

Der nächste Beitrag stammt von Robert Corvus und beantwortet eine Frage, die nicht nur mich schon lange brennend interessiert, sondern wahrscheinlich auch jeden anderen schreibenden PERRY RHODAN-Fan: Wie unterscheidet sich das Exposé eines normalen Romans von einem für einen PR-Heftroman. Der Autor erklärt zunächst sehr ausführlich und präzise wie ein Exposé aussehen muss und wie es entsteht, um anschließend auf die Unterschiede zur PERRY RHODAN Serie einzugehen. Für einen normalen Roman hat ein Exposé, das man an einen Verlag schickt, ungefähr 7.500 Zeichen ein PR-Exposé hat dagegen 43.000 Zeichen. Robert formuliert es so: »… weil sie verschiedene Inhalte transportieren und andere Adressaten haben.« Beim Verlag braucht der Lektor nur einen groben Eindruck vom Roman zu bekommen, während bei PR das Exposé für den Autor geschrieben wurde, der den Heftroman schreibt. Der braucht natürlich viel mehr Informationen, rund um die Geschichte. Robert Corvus liefert damit einen der spannendsten Beiträge, die ich bisher in einem Conbuch gelesen habe. Klasse!

Regina Vlcek gestaltete ihren Beitrag als Gratulation zum 20. Stammtischgeburtstag des Wiener Stammtisches. Gespickt mit Erinnerungen und netten Wünschen sind auch diese zwei Seiten mehr als lesenswert.

Michael Thiesens Kurzgeschichte ist ein schöner Kontrast zu den vorangegangen Beiträgen. Er erzählt von einem Bummel den Perry Rhodan und Sichu Dorksteiger über den Wiener Prater machen. Das ist mit so viel Feingefühl und Rücksicht erzählt, dass mich die Story echt berührt hat.

Eine Geschichte der ganz anderen Art kommt von Bestsellerautor Andreas Eschbach. Er war als Korrespondent unterwegs und berichtet im »Der Standard« – Österreichs unabhängiger Tageszeitung vom Besuch des 80jährigen Perry Rhodan in Wien und dem Treffen mit dem Wiener Bürgermeister. Hauptthema ist der geplante Ausbau des Raumhafens vor den Toren der Stadt, dem so einige Bürgerinitiativen kritisch gegenüberstehen. In dem Beitrag kommt auch der Vorsitzende der Bürgerinitiative »Markgrafneusiedel gegen Fluglärm«, Dr. Lukas Thurner zu Wort. Der mit einem Augenzwinkern erzählte Beitrag von einem der drei großen Ehrengäste des AustriaCons hat mir ausgesprochen viel Spaß gemacht.

Sehr persönlich wird es im Conbuchbeitrag von Andreas Brandhorst, der von seinem Weg zur Science Fiction und zur PERRY RHODAN Serie erzählt. Wer quasi in einer Bahnhofbuchhandlung aufwächst, kam gar nicht an Perry und Co vorbei. So eine Kindheit prägt und manch einer von uns wünschte sich sicher auch, dass die Eltern eine Buchhandlung gehabt hätten. Vielleicht wären wir dann alle so erfolgreiche Autoren geworden, wie Andreas Brandhorst.

In »Wien, Wien, nur du allein …« schwelgt Uschi Zietsch in Erinnerungen an vorangegangene Austria Cons, Schreibseminare und dem berühmten Osterspaziergang in Wien. Mit vielen kleinen Anekdoten und Insidergags wünscht sie dem Stammtisch alles Gute für den nächsten Con.

Auch PERRY RHODAN NEO kommt zum Zug und zwar in Form eines Gesprächs, dass Rüdiger Schäfer und Michael H. Buchholz über die aktuelle Staffel »Die Meister der Sonne« führen und dass dieser Tage auch auf der PR-Homepage erschien. Sie sprechen darin über ihre Intensionen, über ihre Vorbilder und darüber wie sich eine Serie wie NEO auch während einer bereits geplanten Staffel noch nachträglich verändern kann. Natürlich geben sie ein paar winzige Ausblicke, was uns in den kommenden Romanen erwartet. Ein sehr interessantes und ungewöhnliches Interview.

Auch Con(mit)organisator Roman Schleifer wirft mit seiner Kurzgeschichte einen Blick auf das Leben eines Autors. Er zeigt uns, wie seine Figuren lebendig werden. Wie er mit ihnen redet, um sie besser kennenzulernen, und um für die Geschichte relevante Informationen aus ihnen herauszukitzeln. Eine, wie ich finde, kreative Herangehensweise sich seinen Figuren zu nähern, die dazu noch unterhaltsam ist.

Christian Montillon musste leider kurzfristig wegen eines Notfalls in der Familie absagen, aber dafür hat er einen lustigen Beitrag geliefert, indem er sich selbst nicht ganz ernst nimmt und über seine Erinnerungen vom letzten Wienbesuch schreibt, bei dem Totenköpfe, Sticker und seine Frau eine nicht ganz unwichtige Rolle gespielt haben.

In Erinnerungen schwelgt auch Inge Mahn. Sie entführt die Leser des Conbuch-Readers auf die Weltcons von 1967 bis 2011 und spricht über ihre Erlebnisse mit ihren ersten Ehemann Willy Voltz und nach seinem Tod mit ihrem zweiten Mann Kurt Mahr, sowie ihren Kindern. Alles ist sehr persönlich und so einfühlsam geschrieben, dass man fast glaubt, dabei gewesen zu sein. Sehr schön!

Im letzten Beitrag des ersten Readers komme ich zu Wort und berichte von meinen Erfahrungen mit dem »Schleifer von Wien«. Der Text ist der Gegenentwurf zu Romans Artikel im PERRY RHODAN-Report in PR-Heft 2876 und beleuchtet unsere Zusammenarbeit von meiner Seite. Der Schleifer von Wien ist schon ein harter Hund, aber unsere Kooperation hat mir als Autorin viel gebracht und natürlich auch eine richtige spannende Geschichte aus meinem Exposé gemacht. Dafür bekam er von mir auch ein T-Shirt mit passendem Logo (selbstgestaltet), damit er fortan schon von weitem als »Schleifer von Wien« erkennbar ist.

Aufgelockert wird der Reader mit Comics und Zeichnungen von Reinhard Habeck und ERIC sowie einer Zeichnung von Ralph Voltz und Fotos von Inge Mahn. Das Titelbild stammt von Franz Miklis.

Die beiden Conbuch-Reader wurden von den Stammtischmitgliedern in Handarbeit sortiert und geheftet. Ich habe mir sagen lassen, dass es dabei sogar Verletzte gab. Ich erzähle das an dieser Stelle nur, damit man sieht, wie viel Mühe sich die Wiener gemacht haben. Deshalb sind die Reader auch auf 250 Exemplare limitiert. Leider sind alle beim Con weggegangen und Daheimgebliebene müssen nun sehen, wie sie an die wertvollen Sammlerstücke herankommen.