Erwachen einer Superintelligenz

Quelle: Perrypedia

PERRY RHODAN NEO Band 379 – »Maschinenzorn« von Rüdiger Schäfer

Den Schaden am Zentralplasma der Posbis den die Rückholung des Bewusstseins von Thomas Rhodan da Zoltral verursacht hat, kann nur die mentale Verschmelzung von Anich mit den Nakken reparieren. Doch die Vereinigung wird von den Cybora-Kindern verhindert. Sie übernehmen die orientierungslosen Raumschiffe der Posbi-Rebellen und greifen das Zentralplasma Anich an. Zuletzt dringen sie durch den Schutzschirm um Pharaduat und versuchen die Realität aufzulösen, damit das Zentralplasma stirbt. Dabei nehmen sie den Tod von Perry Rhodan und seinen Gefährten in Kauf.
Hilfe kommt von Seiten der Schwestern der Tiefe. Die ewige Schwester Vhynja Crii bittet Nathalie Rhodan da Zoltral zu ihnen zurückzukehren. Im Gegenzug würde sie das Konnektiv der Kinder auflösen und die Verschmelzung der Nakken mit dem Zentralplasma vollführen. Sie lässt ein Distanzloses Tor materialisieren, diese riesige Raumstation unterbricht die Verbindung zwischen den Cybora-Kindern und stellt eine Verbindung zwischen den Bewusstseinen der Nakken und Anich her. Doch sie benötigt Perry Rhodan als Geburtshelfer. Der Zeitträger kann der entstehenden Wesenheit ANICHAR Menschlichkeit einimpfen. Die Posbikrise endet, die Kinder werden ihren Eltern übergeben Rhodan und seine Begleiter kehren mit der MAGELLAN zur Erde zurück.

Die Bodenständigkeit aus den ersten Romanen der Staffel wurde zuletzt schon reduziert. In Rüdiger Schäfers Roman geht sie gänzlich verloren. Ein wilder Mix aus Bewusstseinsanalyse, Quantentheorien und metaphorischen Formulierungen führt die Geschichte ihrem Ende zu. Die Schwestern der Tiefe mischen wieder mit und Perry Rhodan muss als Zeitträger erneut Unmögliches leisten. Ich bin tatsächlich froh, dass das Kapitel Posbikrise damit endlich abgeschlossen ist, hätte mir aber eine, sagen wir, weniger komplexe Lösung gewünscht.

Gewohnt gefühlvoll und mit vielen klugen Worten macht einem der Autor die Lektüre der hochkomplexen Vorgänge erträglich. Dieses Mal rührt er mich zwar nicht zu Tränen, erntet aber meinen Respekt für den Versuch die quantenmechanischen Vorgänge irgendwie rational erklären zu wollen. Das gelingt ihm mehr oder weniger gut. Spannend ist die Geschichte allemal, allein durch die bildhaften Beschreibungen vom Beinaheuntergang Pharaduats.

Bei den Cybora-Kindern wählt er wieder die Erzählperspektive von Lyrie Arbas, macht jedoch einen Fehler, in dem er Taro Jen zum aggressiven Part der Sieben ernennt. Das war in der Vergangenheit jedoch immer Darrow Myel gewesen. Taro war eher der in sich gekehrte Außenseiter, der überlegt und behutsam vorgegangen ist.

»Maschinenzorn« beendet die Posbikrise und damit die Staffel »Metamorph« mit einem Feuerwerk aus Quantentheorie und ausufernder Action. Das wird sicher nicht jedem gefallen, ist aber in sich schlüssig erzählt.

Albtraumhafte Posbi-Action

Quelle: Perrypedia

PERRY RHODAN NEO Band 378 – »Welt der Albträume« von Ruben Wickenhäuser

Nach einem Zwischenstopp bei NATHAN auf Luna fliegen Perry Rhodan und seine Familie sowie Roi Danton und dem Mentamalgam Sud zum Heimatplaneten der Posbis. Dort gelingt es ihnen mit Unterstützung des Posbis Algron, die sich belauernden Flotten zwischen anich-treuen Posbis und Rebellen-Posbis zu durchqueren und ins Heiligste der Roboterzivilisation vorzudringen. Auf Pharaduat lebt das intelligente Zentralplasma Anich, von dem Anteile in jeden Posbi integriert sind. Hier ist auch das Bewusstsein von Rhodans totgeglaubtem Sohn Thomas gefangen. Und nicht nur das, auch sein Körper wurde hier über die vielen Jahrhunderte unversehrt von den Posbis aufbewahrt. Doch eine Überführung von Toms Bewusstsein zurück in seinen Körper stellt sich als schwierig heraus. Thomas Rhodan da Zoltral will nicht mehr zurück, weil er sich an der Macht berauscht, die ihm die Existenz im Zentralplasma verleiht. Er fühlt sich wie ein Gott und handelt entsprechend. Mit aller Macht versucht er eine Übertragung seines Bewusstseins in seinen menschlichen Körper zu verhindern und nimmt dabei selbst den Tod seiner Familie in Kauf.
Roi Danton kämpft dagegen mit den Geistern der Vergangenheit. Er muss zusammen mit Nathalie von Echo-TOOR, einem Planeten außerhalb der Zeit, Technologie der Schwestern der Tiefe besorgen, damit Thomas in seinen menschlichen Körper zurückübertragen werden kann. Sein bestehender Hass auf die Schwestern wird noch größer, als unvermittelt die Kartanin Dao-Lin-H’ay auftaucht und ihnen helfen will.
Letztendlich kann Thomas in seinen angestammten Körper zurückgeholt werden. Allerdings bringt dies Anich in Lebensgefahr. Offenbar kann das Zentralplasma nur gerettet werden, wenn es eine Mentalverschmelzung mit dem Volk der Nakken eingeht.

Okay, das ging jetzt schnell. Nachdem Rhodan und Co endlich auf Pharaduat angekommen sind, geht es Schlag auf Schlag. Man erfährt, wie Thomas Rhodan dorthin gelangt ist, warum er nicht zurückwill – ein wenig größenwahnsinnig war er ja schon immer – und warum die Rebellen-Posbis so skrupellos agieren.

Die Lösung, Technik der Schwestern der Tiefe vom Planeten Echo-TOOR zu holen, fand ich zwar etwas weit hergeholt, aber der Autor schafft es, mir durch die Auseinandersetzung zwischen Nathalie und Roi Danton die ethischen Konsequenzen der Taten der Schwestern sehr plastisch zu vermitteln. Der Albtraum von Roi, seine Kenntnisse aus den Zeiten der Französischen Revolution und sein Leidensweg, der von den Schwestern der Tiefe in Gang gesetzt wurde, ist großartig ausgearbeitet und lässt mich die eine oder andere Schwäche im Plot vergessen.

Zumindest einen Fehler muss ich anmerken. Als ich bei Romanbeginn las, dass man wieder bei NATHAN ist, um ein paar Dinge abzuholen, habe ich mich schon gefragt, wann wollen die denn nun endlich mal nach Pharaduat fliegen. Die MAGELLAN müsste nach dem vielen Hin und Her doch längst dort angekommen sein. Und dann: sind sie innerhalb von drei Stunden da. Echt jetzt? Sie fliegen zwar mit einem Tesserakt, aber bitte: Pharaduat liegt im Leerraum zwischen den Galaxien. Selbst ein Posbi-Raumschiff sollte mehr als drei Stunden für diese riesige Entfernung brauchen.

Dass in den letzten drei Romanen nicht ein einziges Mal von der MAGELLAN oder von den cyboranischen Kindern die Rede ist, finde ich ebenfalls befremdlich. Waren sie doch zu Beginn der Staffel deren Aufhänger.
»Welt der Albträume« offenbart, dass bei der Verfolgung hehrer Ziele sehr oft die Menschlichkeit geopfert wird. Das ist bei den Schwestern der Tiefe genauso wie in der richtigen Welt.

Bewusstseinskrise

Quelle: Perrypedia

PERRY RHODAN NEO Band 377 – »Invasion der Posbis« von Lucy Guth

Dem Solsystem steht wieder einmal eine Invasion bevor. Tausende von Fragmentraumern und Dreizackschiffen der Posbi-Rebellen dringen ins Heimatsystem der Terraner und in die Systeme ihre Kolonien ein. Zunächst üben die Posbis Zurückhaltung, doch dann beginnen sie mit einem Angriff auf die Flottenwerft der Terraner auf Titan. Protektor Reginald Bull bittet alle Verbündeten der Menschheit um Hilfe. Als einzige schicken die Arkoniden eine Flotte unter der Führung von Zalara da Keranth, die sich Bulls Kommando nur wiederstrebend unterstellt.
Derweil wollen Perry Rhodan, seine Frau Thora und seine Tochter Nathalie mit Thomas Rhodan Kontakt aufnehmen. Dessen Bewusstsein wurde offensichtlich in das Zentralplasma der Posbis integriert und hat sich inzwischen über einen Großteil der Posbis verteilt. Für den Kontakt brauchen sie Roi Danton, dessen Bewusstsein von NATHAN wieder in seinen Robotkörper zurückübertragen werden konnte.
Auf einem Asteroiden in einem Sonnensystem am Rande der Lokalen Blase versuchen sie mit Dantons Hilfe ins Kommunikationsnetzwerk der Posbis einzudringen und an Thomas Rhodan zu appellieren. Sie erfahren das Thomas befürchtet, im Zuge des Projekts Metamorph ausgelöscht zu werden. Perry kann  seinen Sohn Thomas umstimmen, den Angriff auf die Erde abzubrechen, kurz bevor die Rebellen-Posbis die Verteidiger der Erde vernichtend schlagen können.
Doch Thomas richtet seine Angst und Wut nun gegen die Nakken. Gemeinsam mit den Hamamesh und den Arkonidischen Schiffen kann die Terranische Flotte den Heimatplaneten der Nakken so lange verteidigen, bis alle Nakken evakuiert sind.
Danach setzt Perry Rhodan gemeinsam mit Thora und Nathalie die Reise zur Hauptwelt der positronisch-biologischen Roboter fort, um seinen Sohn aus dem Zentralplasma zu befreien.

Uff! Irgendwie habe ich das Gefühl, das hier ein Roman fehlt. Denn die Erkenntnisse die Lucy Guth zu Beginn des Romans über Thomas Rhodan zusammenfasst, wurden bisher nicht in dieser Deutlichkeit vermittelt. Es gab Andeutungen um den Sohn Rhodans. Es gab Vermutungen, aber es wurde in den bisherigen Romanen der Staffel nie geklärt, wie genau er mit den Posbi-Rebellen in Verbindung steht. Das jetzt in einem Rückblick zu erfahren, irritiert mich. Gab es doch im vorangegangenen Roman genug Platz um das groß und breit zu erzählen. So ist es nun mehr »Tell« statt »Show«. Das ist der erste große Negativpunkt in einer bisher sehr gut funktionierenden Staffel.

Lucy Guth gelingt es jedoch, durch ihre schön gezeichneten Figuren diesen Fauxpas zu überspielen. Herausragend ist dabei die Beziehung zwischen Reginald Bull und der Arkonidin Zalara da Keranth erzählt. Mit Bulls Assistentin Hollie Delacour hat die Autorin wieder einen sogenannten Underdog-Charakter etabliert, also jemanden der nicht zu den zentralen Figuren der Serie gehört, sondern der den Blickwinkel eines Normalsterblichen hat. Das ist ihr schon einmal mit der Positronikspezialistin Donna Stetson geglückt.

Wegen des Romantitels, hatte ich zunächst befürchtet, den halben NEO lang von irgendwelchen Raumschlachten lesen zu müssen. Das hielt sich zum Glück die Waage mit den Abenteuern von Rhodans Familie und Roi Danton in der Posbistation auf dem Asteroiden. Wobei es hier ein Wiedersehen mit den beiden Posbis Kaveri und Atju aus der Posbistaffel gibt. Die hatte ich so gar nicht mehr in Erinnerung.

Höhepunkt war jedoch die »geistige« Auseinandersetzung zwischen Roi Danton und Thomas Rhodan, die sich mal einen Körper geteilt haben. Der Showdown im Spiegelsaal von Versailles mit den verschiedenen Inkarnationen von Roi Danton ist gut geschrieben und wunderbar auf dem Titelbild des Romans visualisiert.

Die einzige Stelle an der ich ein wenig die Stirn runzeln musste, war beim Angriff von Thomas‘ Posbis auf den Heimatplaneten der Nakken. Im Vorgängerroman haben wir mitbekommen, wozu die Nakken fähig sind. Sie waren in der Lage Perry Rhodan kurzzeitig aus dem Gefüge der Raumzeit und sogar aus den Erinnerungen eines jeden Menschen zu tilgen. Nun scheinen sie gegenüber des Angriffs der Posbi komplett hilflos zu sein und müssen von den Hamamesh evakuiert werden. Wenn sie eine derartige mentale Macht besitzen, warum haben sie die Posbis nicht selbst aufhalten können? Sie hätten sie doch ebensogut aus der Raumzeit tilgen können.

»Invasion der Posbis« bringt viele Erkenntnisse zum Verhalten der Posbis und dem Zusammenhang mit Thomas Rhodan da Zoltral. Leider werden die mir diese nicht gezeigt, sondern nur erzählt. Das finde ich ausgesprochen schade.

Eine spektakuläre Verfilmung

Normalerweise sind Buchverfilmungen nicht immer so nah am Original, wie es die Autoren gern hätten oder wie es für die Geschichte zuträglich wäre. Bei der Verfilmung von Andy Weirs Roman »Der Astronaut« ist das anders. Der gerade in den Kinos angelaufene Streifen ist eine eins zu eins Verfilmung des Buchs. Ich habe jedenfalls nichts vermisst, was im Roman angesprochen worden wäre.

Zum Inhalt (Auszug aus meinem Blogeintrag zum Roman »Der Astronaut«): Wissenschaftler Ryland Grace wacht in einem Raumschiff auf und kann sich an nichts mehr erinnern. Er stellt fest, dass seine beiden Mitastronauten tot sind und sein Raumschiff sich in einem fremden Sonnensystem befindet. Nach und nach kommen seine Erinnerungen zurück und er erkennt, warum er auf diese Mission geschickt wurde. Es geht darum, an dem fremden Ort das Überleben der Menschheit zu sichern. Eine Aufgabe die schier übermenschlich ist. Doch da bekommt Ryland Hilfe, die er nie erwartet hätte.

Als ich 2022 den Roman gelesen habe, hat er mich schwer beeindruckt. Es ist eine unglaublich spannende Geschichte, die ein bisschen technisches Hintergrundwissen erfordert. Beim Film braucht man das Wissen nicht unbedingt, da stehen die Bilder im Vordergrund. Es ist also ein Film, der jeden anzusprechen vermag. Dabei wechseln sich die Szenen auf der Haile Mary im fremden Sonnensystem mit den Erinnerungen von Ryland auf der Erde ab.

Die schauspielerischen Leistungen sind ebenfalls großartig, allen voran die von Sandra Hüller. Die Thüringerin brilliert in der Rolle einer Regierungsvertreterin, kühl, distanziert und bestimmt, dennoch merkt man ihr an, das ihr das Schicksal von Ryland nahe geht. So wie Matt Damon in »Der Marsianer« trägt Ryan Gosling beinahe den kompletten Film. Den etwas unkoordinierten Lehrer, der unfreiwillig zum Retter der Menschheit wird, nimmt man ihm in jeder Szene ab. Er ist beinahe noch näher an der Romanfigur wie seinerzeit Matt Damon an Mark Watney.

Unterstützt werden die genialen Aufnahmen aus dem Raumschiff und im All von einem bunten Soundtrack, bei dem von Country über Klassik bis hin zum Pop eigentlich alles dabei ist. Sogar Sandra Hüller wagt sich ans Mikrophon und singt mit »Sign of the Times« einen Song, der wie die Faust aufs Auge zur Untergangsstimmung auf der Erde passt.

Besonders gut finde ich, dass das überraschende Ende genauso umgesetzt wurde wie im Buch. Das wird vielen Zuschauer, die den Roman von Andy Weir nicht kennen, den Boden unter den Füßen wegziehen.

Das Besondere an dem Film, obwohl der Untergang der Menschheit droht, ist es keine Dystopie. Im Gegenteil es ist ein mutmachender Streifen mit viel Humor und einem Weitblick, was wir gemeinsam erreichen könnten, wenn wir aufhören würden uns die Köpfe einzuschlagen.

Mein Tipp für alle SF-Fans, geht ins Kino und schaut euch diesen Film an. Die zweieinhalb Stunden sind spannend bis zum Schluss.

Die Prophezeiung der Nakken

Quelle: Perrypedia

PERRY RHODAN NEO Band 376 – »Als die Flüsse schwiegen« von Stefan Pannor und Oliver Müller

Mit dem Tesserakt bringt der Posbi Algron Perry Rhodan und Sud zum neuen Exilplaneten der Nakken in der Milchstraße. Hier soll Perry Rhodan Näheres über das Projekt Metamorph erfahren, das die Ursache für die Angriffe der Posbis auf terranische Raumschiffe und Planeten ist. Doch die Lage ist komplizierter. Seit ihrem Übergang ins Einsteinuniversum tragen die Nakken eine Prophezeiung weiter. Es geht um einen Mann der nicht stirbt und der die Bildung des vereinten Bewusstseins der Nakken verhindern wird. Das bringt Perry Rhodan in höchste Gefahr, denn die Nakken versuchen mit geistigen Mitteln zu beweisen, das er nicht der Unsterbliche sein kann und versuchen ihn aus der Raumzeit und damit aus der Erinnerung aller zu tilgen.
Perry entkommt nur knapp der Vernichtung und die Verbindung der Nakken nimmt irreparablen Schaden. Er erfährt aber, dass sich die Nakken mit dem Zellplasma der Posbis zu einem Bewusstsein vereinen wollen.
Währenddessen reisen Perrys Frau Thora und seine Tochter zu einem Planeten von dem sie Hypersignale empfangen. Auf der vorindustriellen Welt treffen sie eine Zivilisation, deren Existenz von einer Hyperquelle abhängt. Doch diese wird gerade von einem unbekannten Wesen attackiert.
Nathalie und Thora gelingt es, das Wesen an der vollständigen Zerstörung der Quelle zu hindern und so die Zivilisation zu retten. Im Anschluss versetzt die durch die Auseinandersetzung erstarkte Nathalie sich und Thora zu Perry Rhodan auf den Tesserakt.

Nach den bodenständigen Romanen aus dem ersten Teil der Staffel »Metamorph« wird es nun wieder kosmisch. Grundsätzlich finde ich die Idee mit den Nakken und ihrer selbsterfüllenden Prophezeiung gut. Mit der Umsetzung hatte ich allerdings ein paar Probleme. Die Namen der beteiligten Nakken sind mal gleich und mal ähnlich und dann wieder verschieden. Ich bin mir nicht sicher, ob das wirklich so beabsichtigt war. Es hat mich aber verwirrt. Die Prophezeiung von Bethanya, die im Rest des Romans Svaethanya genannt wird, entsteht aus einer Rivalität zwischen ihr und einem Nakken namens Zhemlon und zwar noch in dem Universum vor dem von Perry. Auch Zhemlon taucht in den Erzählungen der Nakken in diversen Inkarnationen wieder auf, allerdings ohne Namensänderung. Das ist alles ein wenig verwirrend.

Hinzu kommt, das sich diese Kapitel mit denen von Thora und Nathalie abwechseln. Das nimmt der Geschichte einen Großteil der Spannung, weil man immer wieder herausgerissen wird und sich auf die andere Handlung einstellen muss, aus der man dann ebenfalls wieder herausgerissen wird. Beide Geschichten wären in separaten Romanen besser aufgehoben gewesen.

Die Idee mit der vorindustriellen Zivilisation, die von einer Priesterkaste geführt wird, ist zwar reichlich Klischeebelastet, lebt aber durch seine lebendig gezeichneten Protagonisten. Allerdings frage ich mich, ob es nicht besser wäre, auch bei PERRY RHODAN eine »Oberste Direktive« einzuführen, welche die Einmischung in fremde Zivilisationen verbietet. Denn Thora und Nathalie verhalten sich doch sehr blauäugig beim Umgang mit den Dorfbewohnern.

Ich möchte mich nicht festlegen, wer von den beiden Autoren welchen Teil geschrieben hat. Ich habe einen Verdacht, der aber auch falsch sein kann. Es ist aber ein gutes Zeichen, denn die beiden Handlungsstränge wirken zumindest stilistisch homogen. Für sich alleinstehend, wären sie eine runde Sache gewesen. Dann hätte man beide Handlungen auch ausweiten können. So sind sich die beiden Handlungen eher gegenseitig im Weg.

In »Als die Flüsse schwiegen« erfährt man endlich etwas mehr über das Projekt Metamorph, das eine Vereinigung der Nakken mit dem Zentralplasma der Posbis darstellt. Dazu muss man sich aber zuerst durch zwei kosmische und teils verwirrende Handlungen arbeiten.

Krimidinner auf der MAGELLAN

Quelle: Perrypedia

PERRY RHODAN NEO Band 375 – »Die MAGELLAN-Intrige« von Dietmar Schmidt

Die Eltern, der von den Posbis verschleppten Cybora-Kinder, haben die MAGELLAN gekapert. Obwohl ihnen das Schicksal der Kinder unbekannt ist, wollen sie von den Posbis gewaltsam ihre Freilassung erpressen. Damit ihnen auf dem Weg zur Heimatwelt des Zentralplasmas Perry Rhodan nicht in die Quere kommt, haben sie ihn und die Besatzung der MAGELLAN in einem Beiboot ausgesetzt und sogar einen Mordversuch an Rhodan und seiner Crew verübt, in dem sie Mikrobomben in dem Beiboot versteckten. Als diese Information zu den Eltern durchdringt, kommt es zum Streit zwischen den Eltern und Ex-Admiral Zurn, der sich zum Anführer der Mission ernannt hat. Als dieser auch noch erklärt, dass man das Zentralplasma mit der nicht mehr funktionsfähigen Transformkanone auf der MAGELLAN erpressen will, beginnen einige der Eltern am Erfolg der Mission zu zweifeln und senden ein Signal aus, damit Perry Rhodan die MAGELLAN orten kann.
Mit Algrons Tesserakt kann Rhodan die MAGELLAN einholen. Kurz darauf materialisieren drei Dreizackschiffe der Anderposbis und greifen die MAGELLAN an. Die Menschen können kurzzeitig flüchten, werden von den Anderposbis unter dem Kommando von Rhodans Sohn Thomas aber schnell wieder eingeholt. Es entbrennt ein Raumgefecht, in dem die MAGELLAN und die Flotte der Cyboraner über kurz oder lang unterliegen werden. Doch bevor es zur Vernichtung der Schiffe kommen kann, taucht ein weiterer Fragmentraumer der Posbis auf. Es sind die Cybora-Kinder, die die Lage entschärfen, in dem sie die Dreizackschiffe vernichten.
Sid Gonzales bewohnt nun allein den Körper von Sud. Er erhält die Diagnose, dass er nur noch Tage überleben wird, wenn er das Intarsium nicht zurückerhält. Rhodan bittet Algron um Hilfe. Die Posbis bieten Sid an, ihn und Sue, deren Bewusstsein in einem Vario 800 steckt, wieder zu vereinen, doch die beiden wollen ihre Individualität behalten. Da wird bei dem Gefecht mit den Dreizackschiffen eines der Cybora-Kinder verletzt. Die Verletzung ist so schwer, das nur die Heilkräfte von Sud den Jungen retten können. Da beschließen Sid und Sue sich wieder zu Sud vereinigen zu lassen.
Das Elternpaar, das für den Einsatz der Mikrobomben verantwortlich ist, wird vom eigenen Sohn entlarvt und zur Erde gebracht. Während die MAGELLAN ihre Reise zur Welt des Zentralplasmas fortsetzt, fliegen Perry Rhodan und Sud mit Algrons Tesserakt ein anderes Ziel an.

Bei der ersten Hälfte des Romans fühlte ich mich in eine Episode von »Law and Order« versetzt. Da wird diskutiert und ermittelt, dass es eine wahre Freude ist. Gut fand ich, wie Dietmar Schmidt aus der Sicht einer Mutter erzählt, die Anwältin ist, und die schnell begreift, wir hirnrissig diese Mission zur Befreiung der Kinder ist. Das hätte ihr vielleicht schon früher klar werden müssen, aber durch das irre Gebaren des Ex-Admirals werden alle zunächst manipuliert. Nach und nach wird ihnen aber klar, dass die Rettungsmission kaum umsetzbar ist, und die Eltern beginnen miteinander zu streiten. Als Rhodan dann auch noch jene Elternteile anschleppen lässt, die bisher nicht an der Rettungsmission beteiligt sind, eskaliert die Lage. Der Ex-Admiral hat sich die Loyalität der Cyboranischen Besatzung und der Positronik DIDEROT versichert. Rhodan muss argumentieren und Kompromisse eingehen, wenn er die Situation entschärfen will. Das ist eine sehr clevere und für NEO ungewöhnliche Handlung, die sich die Exposéautoren da ausgedacht haben. Und bei der man erkennt, dass sie auf die Stärken des Autors zugeschnitten ist.

Das einzige was man dem Roman vielleicht vorwerfen kann, ist die Menge an Personal. Zwei Elternteile von je sieben Kindern, dazu noch das bekannte Personal und die eine oder andere Personalie aus der Crew der MAGELLAN. Schon das Triumvirat Sid+Sue=Sud sind drei Leute, die allein schon den Roman füllen könnten. Es ist nicht ganz einfach in der Fülle der Protagonisten und Antagonisten den Überblick zu behalten. Dennoch, der Spaß an der Geschichte überwiegt und man freut sich tatsächlich auf den nächsten Roman. Etwas das in den vergangenen Staffeln nicht immer der Fall war.

»Die MAGELLAN-Intrige« ist ein spannender Roman, der sich nahtlos an den Erfolg der Vorgängerromane anschließt. Der Handlungsfortschritt in der Staffel ist zwar nur marginal, aber die Ausführung des Krimis durch Dietmar Schmidt absolut lesenswert.

Eher Thriller als Requiem

Quelle: Perrypedia

PERRY RHODAN NEO Band 374 – »Requiem für eine Unsterbliche« von Stefan Pannor

Nachdem Perry Rhodan ins Solsystem zurückkehrt, wird er sofort in eine Auseinandersetzung zwischen den Terranern und Algrons Posbis verwickelt. Der Tesserakt der Perry Rhodan und die Einzelteile von Roi Danton ins Solsystem eskortiert hat, hatte seitdem Position über der Lunar Research Area und damit über NATHAN bezogen. Nun dringen die Posbis ins Innere der Forschungsstation auf dem Erdmond ein. Die Terraner sehen darin einen Angriff und wollen die Posbis aufhalten. Es droht die Zerstörung der Basis. Rhodan verhandelt mit Algron und kann ihn und seine Posbis zum Rückzug bewegen. Dafür will dieser Rhodan und die MAGELLAN zur Zentralwelt der Posbis begleiten.
Bei einem Zwischenstopp im Spica-System erzwingen die Eltern der Cybora-Kinder ihre Teilnahme an der Expedition, um die Verschollenen mit einer eigenen Streitmacht zurückzuholen. Dabei gelingt es den Cyboranern, die Besatzung der MAGELLAN mittels Naniten auszuschalten und das Fernraumschiff zu übernehmen. Rhodan und die Mannschaft werden in der CIRINJA, einem der Cyboranischen Schiffe, mit defektem Antrieb und ausgefallenem Hyperfunk im All ausgesetzt.
Hilfe kommt aus einer unerwarteten Richtung. Das Mentamalgam Sud arbeitet als Ärztin an Bord der MAGELLAN. Sie wird von den Posbis Algrons entführt und ihrem Intarsium beraubt. Dadurch trennen sich die vor knapp 400 Jahren verschmolzenen Bewusstseine von Sue Mirafiore und Sid Gonzales wieder. Beide ringen um die Vorherrschaft über Suds Körper. Sid geht als Gewinner aus dem inneren Konflikt hervor, während Sue verschwindet. Der Teleporter kann seine einstigen Fähigkeiten abrufen und teleportiert von Bord. Mit Hilfe des Hyperfunks in seinem Raumanzug kann er Rhodan kontaktieren und von der CIRINJA eingefangen werden. Mit seinem Anzug-Hyperfunk ist die Besatzung der CIRINJA in der Lage Hilfe herbeizurufen.

Wow! Was für eine Geschichte. Da ist alles dabei, was Spannung erzeugt. Außerdem wird es von Stefan Pannor so glaubhaft geschildert, dass man den Roman nur schwer wieder aus der Hand legen kann. Ich finde es gut, dass Perry Rhodan in dieser Staffel mal nicht wie der große Held dargestellt wird, dem alle zu Füßen liegen, und der nur mit dem Finger schnippen braucht, damit ihm jeder Wunsch erfüllt wird. Denn, wenn wir ehrlich sind, würden wir uns doch auch nicht von jemandem etwas sagen lassen, der schon vor 400 Jahren gelebt hat.

Insofern finde ich es ein bisschen schade, dass es keine großen Reibereien gibt, ob Rhodan die MAGELLAN für die Expedition bekommen kann, wie im ersten Band der Staffel, als Reglinald Bull nur ein kleines Schiff für Perry abstellen wollte. Aber offenbar ist den Politikern um den Ersten Terraner Aurelian Voss ein Schulschiff wie die MAGELLAN nicht so wichtig, inklusive der jungen Kadetten an Bord. Man lässt Rhodan also mit einer unerfahrenen Besatzung in die Tiefen den Leerraums aufbrechen, damit er das Posbiproblem lösen kann. Wahrscheinlich glaubt eh keiner der Bürokraten der Terranischen Union an einen Erfolg, was die Selbstüberschätzung von Politikern sehr plastisch macht. Man kennt das aus eigener Erfahrung.

Der Hammer ist aber die Übernahme der MAGELLAN durch die Cyboraner. Da wird Rhodan mit seinen eigenen Waffen geschlagen und ihm das Raumschiff unter dem Hintern weg geklaut. Sensationelle Idee. Wobei die Vorbereitung des Coup einen kleinen Haken hat. Wieso führt die erste Transition der MAGELLAN ausgerechnet ins Spicasystem zu den Cyboranern? Wenn da nicht die neue Kommandantin der MAGELLAN mit den Cyboranern unter einer Decke steckt. Oder sie hat den Befehl, ins Spicasystem zu fliegen, direkt von Aurelian Voss bekommen und es Perry Rhodan verschwiegen. Hin wie her, das alles ist ein brillanter Plot, der zudem noch perfekt umgesetzt wurde.

Nostalgisch wird es in den Kapiteln um das Mentamalgam Sud. Da lässt der Autor die Geschehnisse aus den allerersten NEO-Bänden aufleben. Damals als die Serie eigentlich »John Marshall« hätte heißen müssen, weil sich ein großer Teil der Handlung, um den Telepathen und seine Arbeit im Shelter dreht. Ich gestehe, dass ich mit der Figur der Sud nie richtig warm geworden bin, aber wie Stefan Pannor ihr »Ende« schildert, finde ich sehr gelungen.

»Requiem für eine Unsterbliche« ist ein großartiger NEO-Roman, der mir unheimlich viel Freude bereitet hat. Und das nicht nur wegen der vielen tollen Wendungen in der Handlung, sondern auch durch die erzählerische Stärke mit der der Autor die Geschichte umsetzt. Was mich zu der Frage bringt: Warum hat man Stefan Pannor nicht schon früher in die NEO-Serie geholt?

Mein Perryregal

Lange genug hat es gedauert. Endlich habe ich ein Regal für meine PERRY RHODAN-Bücher.

Vor ein paar Jahren habe ich mir die Platinbände gekauft. Einige Silberbände habe ich schon seit 2014. (Die Ausgelesenen habe ich schon wegen Platzmangels wieder verkauft.) Die guten Stücke lagerten jetzt jahrelang eingeschweißt im Schrank. Hinzu kommen diverse Publikationen, die ich zu Recherchezwecken für die SOL gekauft habe und natürlich die Fanromane von der PRFZ und vom TCE, die sich in den Jahren angesammelt haben.

Vor ein paar Monaten habe ich von einem Bekannten eine große Tüte Heyne-Taschenbücher von PERRY RHODAN geschenkt bekommen. Das nahm ich zum Anlass meine Perry-Schätze aus dem dunklen Schrank ans Licht zu holen. Im gleichen Zuge habe ich mein Bastelregal ausgebaut. Ich hatte in den letzten Jahren einiges bestellt, das einfach so herumlag und darauf wartete, einsortiert zu werden. Mit großem Glück habe ich noch eine FIRA-Kommode von IKEA bei eBay-Kleinanzeigen entdeckt. Diese Teile gibt es seit 2012 nicht mehr. Leider muss man sagen, denn die sind unglaublich geräumig und passen perfekt in meine IVAR-Regale (auch von IKEA).

Kurzum, nach den Umbauarbeiten hatte ich noch zwei IVAR-Seitenteile übrig und wir haben bei IKEA noch die passenden Einlegeböden gekauft. Woraus dann das Perryregal wurde. Hintereinander gestellt, passen auch alle Bücher rein und es ist sogar noch etwas Platz für Neuanschaffungen.

Kinder, Posbis und ein Sternenschwarm

Quelle: Perrypedia

PERRY RHODAN NEO Band 373 – »Mission Kristallberg« von Marlene von Hagen

Die durchdrehende Nathalie Rhodan da Zoltral hält ihre Eltern Perry und Thora sowie die Sicherheitschefin der AENEAS auf Trapp. Nachdem die Besatzung seltsame Hypersignale aus einem Sonnensystem am Rande der Lokalen Blase empfangen hat, versucht Nathalie das Schiff mit allen Mitteln zu verlassen, dabei wendet sie sogar Telekinese an. Perry Rhodan und seine Frau Thora drängen den Kommandanten der AENEAS sie und ihre gemeinsame Tochter Nathalie auf den bislang unerforschten Planeten im Nerythsystem abzusetzen. Auf der Suche nach der Quelle der Hypersignale erklimmen sie den dort befindlichen Kristallberg und treffen überraschend auf die sieben Cybora-Kinder.
Die Kinder haben nach ihrem vorgetäuschten Tod keinen Plan, wie es weitergehen soll. Der Empfang des Hypersignals ist eine willkommene Abwechslung von der sie sich eine Idee für die Zukunft erhoffen. Doch der Ausflug auf den fremden Planeten geht gründlich schief. Zwei der vier Shuttles stürzen ab. Die mitgereisten Posbis versuchen die Kinder vor eventuellen Gefahren zu beschützen und einige opfern sogar ihre Existenz. In einer Kaverne stoßen sie nicht nur auf eine insektoide Spezies, die sie als Götter verehren, sondern auch auf den Sternenschwarm von dem die Hypersignale ausgehen. Die Projektion hat eine hypnotische Wirkung, von der eine Gefahr für die Kinder auszugehen scheint. Nur durch das Eingreifen von Nathalie, die mit dem Sternenschwarm kommunizieren kann, verliert das Phänomen seine Wirkung auf die Kinder.

In dem Chaos, das Nathalies Eingreifen auslöst, können die Sieben zusammen mit den Posbis fliehen. Bis Perry Rhodan und seine Familie zurück auf der AENEAS ist, hat der Fragmentraumer der Posbis das System bereits verlassen. Zumindest haben die Terraner nun erfahren, dass die Entführten noch am Leben sind.

Raumschiffe, Roboter, Dschungel und Höhlen – alles Dinge, die in der NEO-Serie beliebt sind, finden sich in diesem Roman. Der bunte Mix ist gut zu lesen und die Kinder werden von der Autorin auch wirklich wie Kinder beschrieben und nicht wie kleine Erwachsene. Dass sie sich von den Posbis lieber einen Kletterparcours bauen lassen, als vernünftige sanitäre Anlagen ist durchaus glaubhaft. Auch die Zweifel von einigen, ob die Entscheidung ihren Tod vorzutäuschen wirklich richtig war, zeigt Marlene von Hagen mit großem Gespür für die Psyche von Kindern.

Nicht so gut fand ich die Kapitel über die Sicherheitschefin der AENEAS, Elina Darvos. Mal davon abgesehen, dass sie mir ein bisschen zu militant war. Ihr Narkoknüppel saß jedenfalls ziemlich locker und ihre anderen Waffen auch. Sie sagt, dass sie nur an den Posten der Sicherheitschefin kam, weil andere gescheitert waren. Sie sieht es nicht als ihren Verdienst an, sondern hadert mit Selbstzweifeln. Auch der Spruch ihres Ausbilders, dass sie als Frau zu emotional für einen Job bei der Sicherheit ist … Echt jetzt? Die Geschichte spielt im 25. Jahrhundert. Wenn die Menschen dann immer noch so antiquiert denken, wie wollen sie in der galaktischen Gemeinschaft klarkommen. Nein, ich denke, dass das zu jenem Zeitpunkt keine Rolle mehr spielen wird. Wenn nicht, wäre die Menschheit nie so weit gekommen.

All zu viel passiert in dem Roman nicht, außer das wieder ein Nakk auftaucht. Selbst dieser mysteriöse Sternenschwarm verschwindet schnell wieder in der Versenkung, so dass man ihn schneller vergisst, als ein Posbi sich individualisieren kann. Die skurrilen kleinen Roboter, die Marlene von Hagen den Kinder zur Seite stellt, vergisst man definitiv nicht. Ein Posbi im Uhu-Kleid, eine kleine Anspielung an Ruben Wickenhäuser (von denen es im Roman noch sehr viel mehr gibt) und ein Medo-Posbi namens Hildegard (nach Hildegard von Bingen), mangelnde Kreativität kann man der Autorin nicht nachsagen. Ich beginne mich aber inzwischen ernsthaft zu fragen, wo die Reise bzw. die Staffelhandlung hingehen wird. Lassen wir uns überraschen.

»Mission Kristallberg« hat mich auf einer Zugfahrt gut unterhalten. Ich habe den Roman in einem Rutsch durchgelesen, was man vom Vorgängerroman nicht sagen konnte. Insofern kann ich diesen NEO guten Gewissens empfehlen.

Zwischen Herzgeflecht und Arkonidenmutter

Quelle: Perrypedia

PERRY RHODAN NEO Band 372 – »Jenseits der Stimmen« von Rüdiger Schäfer

Thora folgt der Spur ihrer Tochter Nathalie nach Olymp. Die wurde anscheinend von den Mehandor entführt, die sie an das Ava-Tor-Konsortium verkaufen wollen. Mit Hilfe des terranischen Geheimdienstes SolAb kann die Arkonidin die Mehandor-Matriarchin und ihre Sippe überwältigen und ihre Tochter befreien. Beide kehren wohlbehalten ins Solsystem zurück, wo sie auf dem Mond mit NATHAN und Perry Rhodan zusammentreffen. Da erreicht sie der Notruf eines Posbiraumers, auf dem sich die entführten cyboranischen Kinder befinden.
Die sieben Kinder wurden auf einen Fragmentraumer der Posbis verfrachtet und sollten nach Pharaduat, der Heimatwelt des Zentralplasmas Anich, gebracht werden. Doch etwas an Bord sorgt dafür, dass sich die Kinder geistig zusammenschließen und letztendlich die Posbis und den Fragmentraumer kontrollieren können. Selbst das Herzgeflecht des Fragmentraumers kann sich den geistigen Kräften der Sieben nicht widersetzen.
Anstatt nach Cybora zurückzukehren, beschließen die Kinder ihren Tod zu inszenieren und unterzutauchen. Sie senden einen Notruf aus und versenken in einem theatralischen Akt den Fragmentraumer in der Chromosphäre einer Sonne. Vor den Augen der Schiffsbesatzung der Terranischen Union lassen sie die Posbis Plasmaladungen zünden und versetzen das Schiff mittels Gedankenkraft in den Hyperraum. Alle glauben, die Kinder seien tot und verlassen das System. Doch der Fragmentraumer taucht aus der Sonne wieder hervor. Die Kinder sind nun auf sich gestellt und ahnen, dass ihre geistige Verbindung möglicherweise so mächtig ist, dass sie die Kontrolle darüber verlieren könnten, mit allen Konsequenzen.

Man merkt der Handlungszusammenfassung an, dass in dem Roman nicht allzu viel passiert. Rüdiger Schäfer bedient sich nur zweier Perspektiven, der von Thora und der von Lyrie – eines der sieben entführten Kinder. Man bekommt also jede Menge Innenansichten präsentiert und viele weise Gedanken. Was in den meisten Romanen des Autors gut umgesetzt ist, funktioniert bei diesem gar nicht. Der Roman las sich so zäh wie ein Telefonbuch. Ich schleppte mich von Kapitel zu Kapitel, doch statt neuer abwechslungsreicher Informationen erhielt ich immer wieder die gleichen blumigen Beschreibungen der Gefühlswelt von Lyrie und des sogenannten Konnektivs, was die Kinder ausgebildet haben. Eine eher esoterische statt bodenständige Verbindung, deren Art und Entstehung nicht erklärt wird.

Der Posbi PATR-CX17, genannt Patch, der das Mädchen auf Schritt und tritt begleitet, klingt in Tonfall und Ausdrucksweise wie C-3PO aus den Star Wars-Filmen. Ohnehin agieren die Kinder eher wie Erwachsene. Sie sind 13 Jahre alt und haben weder Heimweh noch übermäßige Angst. Im Gegenteil, sie fällen eine höchst logische Entscheidung und inszenieren ihren Tod, um den medizinisch psychologischen Untersuchungen auf ihrer Heimatwelt zu entgehen. Dabei werden diejenigen, die das vielleicht nicht möchten, mittels des Konnektivs auf Linie gebracht. Das fand ich nicht gut und auch nicht glaubhaft. Klar mögen diese Kinder nach ihrer Geburt mental verändert worden sein, aber es sind trotzdem noch Kinder. Ich finde das Ruben Wickenhäuser sie in Band 370 kindgerechter geschildert hat. Man hat von ihm mehr über die einzelnen Jungen und Mädchen erfahren, als durch Rüdiger Schäfer.

Thora auf Mission – eine Arkonidenmutter sucht nach ihrer Tochter und agiert knallhart, als sie die Entführer in die Finger bekommt. Das hat mir gut gefallen und ich hätte mir für diesen Handlungsstrang mehr Raum gewünscht. Denn er wird groß und spannend aufgebaut, um plötzlich einfach so zu enden. Ich hatte angenommen, das Thora und Nathalie auf dem Rückflug ins Solsystem noch mal angegriffen werden, aber sie kommen problemlos bei NATHAN an und treffen sich mit Perry Rhodan zum »Kaffeekränzchen«. Da war ich etwas enttäuscht.

So richtig aufgewacht bin ich erst im letzten Drittel des Romans, als auf dem Fragmentraumer vor Lyrie plötzlich ein Nakk auftaucht. Doch das Auftauchen ist nur kurz und es wird schnell, meiner Meinung nach zu schnell, darüber hinweggegangen. Auch ein Versprechen, das im Roman nicht eingelöst wird.

»Jenseits der Stimmen« verspricht viel und löst nur wenig davon ein. Zumindest was meinen Wünsche an einen NEO-Roman angeht. Rüdiger Schäfer schreibt gewohnt gefühlsbetont, kann mich dieses Mal aber nicht packen. Es waren mir einfach zu viele Innenansichten und ein zu wenig an Handlung.