Auf Heldenreise in Catron

Quelle: Perrypedia

PERRY RHODAN NEO Band 289 – »Im Land Catron« von Rüdiger Schäfer

Statt in seinem angestammten Körper erwacht Perry Rhodan nackt auf einem mittelalterlichen Schlachtfeld. Hier kämpfen Ritter und einfache Soldaten, gegen die Bestien und Drachen von Lord Gu. Weil Rhodan keine Waffe hat, um sich zu verteidigen, flieht er in einen nahen Wald. Zuvor zieht er die Sachen eines toten Soldaten an. So gekleidet, wird er verhaftet und in ein Heerlager gebracht, wo er auf Lesley Pounder seinem Vorgesetzten aus der Vergangenheit trifft. Der Pounder dieser Realität ist ein gnadenloser Feldherr, der Perry Rhodan wegen Desertation zum Tode verurteilt und in einen Kerker wirft. Hier wiederum begegnet Rhodan Reginald Bull, der wegen Diebstahl eines Brotes auf die Hinrichtung wartet.
Während der Hinrichtung gelingt es beiden zu fliehen. Sie schlagen sich im Land Catron bis zur nächsten Stadt durch, wo Rhodan gegen den purpurnen Ritter (Atlan) kämpfen muss, damit die Königin Andrumida (Mirona Thetin) einhundert zum Tode Verurteilte begnadigt. Unter ihnen auch Thomas und Jessica Tekener, die Reg und Rhodan wenig später rechtzeitig vor einem Angriff durch Mironas Sohn Regnal Orton retten.
Rhodan weiß, er muss ins Schloss der weißen Königin, um aus der Vision zu erwachen, in der ihn jemand gefangen hält. Die weiße Königin entpuppt sich als Thora und ihr Berater Crest als Verräter, der Rhodan aufhalten will, das Nonagon in Form eines Schwertes gegen die Schergen von Lord Gu zu richten. Doch Rhodan kann die furchterregenden Gegner besiegen und dem Land Catron den Frieden zurückbringen.
Danach erwacht er in seinem Körper auf der SOL. In der Milchstraße sind seit dem Verschwinden seines Gehirns etwas mehr als neun Monate vergangen.

Hä? Was ist das denn? Wird sich so mancher beim Lesen gefragt haben. Die Fantasyumgebung scheint selbst Perry Rhodan nicht sonderlich zu gefallen, der lieber »Asimov, Bradbury und Clarke gelesen hat, als Tolkien, Martin oder Pratchett«. Der Autor selbst ist offenbar auch kein Freund der mittelalterlichen Verklärung, denn er lässt seinen Helden nicht nur die widrigen Lebensverhältnisse analysieren, sondern auch die Etappen der klassischen Heldenreise aufzählen.

Was mich zu der Frage bewegt, was Rüdiger Schäfer trotzdem dazu getrieben hat, so einen Fantasyroman abzuliefern und dann auch noch als Staffelabschluss. Letztendlich erfahren wir nur, dass jemand namens Catron irgendein Problem mit Perry Rhodan hat und offensichtlich nicht versteht, wie Perry in das Geschehen verwickelt ist. Wer das jetzt nicht verstanden hat, keine Sorge, weder der Titelheld noch ich sind am Ende des Romans schlauer.

Zumindest ist Perry Rhodans Gehirn heil in dessen Körper an Bord der SOL zurückgekehrt. Sein Körper ist in der Zwischenzeit auf wundersame Weise weder gealtert noch hat er Schaden genommen. Nun ja!

Da ich absolut kein Fan der Fantasyliteratur bin, mag ich für den Roman keine Wertung abgeben. Es gibt sicher Leser, die sich freuen in ein Tolkienähnliches Setting abzutauchen und schwerterklirrend ihren Spaß dabei haben. Ohne Zweifel, die Geschichte ist spannend erzählt. Die Figuren sind lebhaft beschrieben, allen voran ein nimmersatter Reginald Bull, der auch gern die eine oder andere Frau vernascht. Es gibt hunderte von Verweisen auf Figuren und Schauplätze der vergangenen Staffeln, und diverser anderer Bücher und Serien, so viele, dass ich sicher nicht alle zusammenbekomme. Daher versuche ich es erst gar nicht. Außerdem bedient sich der Autor an allen möglichen Fantasy-Klischees vom Drachen bis zur Edeldame, vom edlen Ritter bis zum Ork.

Ich für meinen Teil habe bisweilen etwas ratlos durch die Seiten geblättert und mich geärgert, wie man eine so spannende und exzellente Staffel so unbefriedigend beenden kann. Ich kann schon verstehen, dass man als Autor gern mal etwas anderes ausprobieren möchte. Aber gerade bei einer solchen Staffel, wo der Platz ohnehin zu knapp war, um alle aufgemachten Töpfe zu schließen, erfolgt nicht Mal der Versuch einer Erklärung. Alles bleibt schwammig und schwer nachvollziehbar. War es nun nur eine Vision von Perrys Gehirn, oder tatsächlich eine Quantenrealität, die das Land Catron erschaffen hat und wofür überhaupt?

Es gab eigentlich nur eine Stelle an der ich schmunzeln musste, nämlich als die Identität von Lord Gu offenbart wurde. Großartig.

Mit »Das Land Catron« werden all diejenigen Mühe haben, die lieber Science Fiction konsumieren als Fantasy sowie all diejenigen, die erst mit der aktuellen Staffel eingestiegen sind. Denn für das richtige Verständnis vieler Namen und Begriffe sind Kenntnisse aus den vorangegangenen knapp 300 Romanen erforderlich. Ein würdiger Abschluss einer so sensationellen Staffel wir die der »Odyssee« sieht anders aus, zumindest in meinen Augen.

Neue Verbindung

Wie gestern schon geschrieben, war ich vergangenes Wochenende in Thüringen. Selbstverständlich war ich mit der Deutschen Bahn unterwegs. Und dieses Mal war mir der Bahngott wohlgesonnen, denn die Fahrten verliefen erstaunlich problemlos. Das ist man gar nicht mehr gewohnt.

Selbst das Umsteigen am Freitagmorgen in München ging. Ich musste mich zwar beeilen, aber nicht rennen. Als ich dann im ICE saß, kam die Durchsage, dass sich die Abfahrt wegen einer technischen Überprüfung am Zug verzögern würde. Nun, ja. Da hätte ich mich dann doch nicht so beeilen müssen. Der Zug fuhr mit sieben Minuten Verspätung los und ich hatte mich schon damit abgefunden, in Nürnberg meinen Anschlusszug nicht zu erreichen, aber siehe da, die Verspätung wurde aufgeholt und ich kam pünktlich in Nürnberg an.

Man merkt, es gibt kein Neun-Euro-Ticket mehr, denn die Regionalbahn nach Saalfeld war gähnend leer. Siehe Foto. Ich habe ja fast das Gefühl, das jetzt noch weniger Menschen unterwegs sind als vor dem Neun-Euro-Ticket Boom. Vielleicht liegt es aber auch an der nach wie vor herrschenden Maskenpflicht, im Fernverkehr sogar FFP2. Sieht man davon ab, war es eine relativ entspannte Fahrt.

Am Montag habe ich zum ersten Mal eine neue Zugverbindung ausprobiert. Seit einiger Zeit hält jetzt einmal am Tag ein Intercity in Saalfeld. Dabei handelt es sich um einen Doppelstockzug, der von Leipzig nach Karlsruhe fährt. Wenn ich mit dem bis Ansbach fahre, habe ich dort Anschluss an einen IC in Richtung Freilassing. Ich kann also ohne nochmal Umzusteigen bis nach Traunstein fahren. Bisher habe ich mich nicht getraut, diese Verbindung zu nehmen. Wenn nämlich einer der beiden Züge Verspätung hat sitze ich in Ansbach fest. Von Nürnberg kommt man immer irgendwie weiter. Nun, bei einem Preis von 13,90 Euro für die Rückfahrt, konnte ich nicht widerstehen. Und siehe da, es hat geklappt. Der Zug kam in Saalfeld pünktlich, er musste in Kronach sogar eine Raucherpause einlegen, weil er verfrüht war. An jedem Bahnhof kamen wir pünktlich an und fuhren auch pünktlich ab. Nur kurz vor Ansbach wurde es dann doch nochmal spannend. Da blieb der Zug stehen, weil in einem Waldstück neben den Gleisen Bäume gefällt wurden. Ich traf etwa sechs Minuten später ein, hatte aber zwanzig Minuten Zeit zum Umsteigen.

Der Anschlusszug kam dann auch zwei Minuten später und war überraschend leer. Es gab sogar einen Speisewagen, der geöffnet war und die Bediensteten brachten Kaffee vorbei. Als ich in Traunstein ankam, war ich so überpünktlich, dass ich auf meinen Mann warten musste, der noch im Traunsteiner Feierabendverkehr steckte.

Fazit: Ich wünschte mir, dass meine Reisen mit der Deutschen Bahn immer so entspannt und reibungslos vonstatten gingen. Fürs nächste Mal habe ich wieder diese Verbindung ausgesucht. Bei dem Preis lohnt sich das.

Panorama im Hotel

Am Wochenende war ich im Thüringer Wald und zwar ganz oben.

Meine Eltern hatten zur Diamantenen Hochzeit von unseren Nachbarn eine Übernachtung im Panoramahotel in Oberhof geschenkt bekommen. Weil ich selbst noch nie dort war, habe ich sie begleitet.

Das Panoramahotel ist eine ostdeutsche Legende. Ende der 60er Jahre erbaut, war ein Aufenthalt hier meist den Parteigenossen oder Devisenbringern aus dem Ausland vorbehalten. Das Hotel bot alles was man in der DDR sonst nicht bekommen konnte. Hier gab es sogar das erste japanische Restaurant im Osten.

Heute kann jeder eines der 442 Zimmer buchen, inklusive Panoramablick über die Gipfel Thüringens. Leider hatten die Nachbarn bei der Buchung nicht berücksichtigt, dass momentan in mehreren Bundesländern Ferien sind. Also war das Haus entsprechend voll. Großeltern, Eltern und Kinder jeden Alters bevölkerten in großer Zahl das Hotel. Zum Abendbrot gab’s die obligatorische Schlacht ums kalte Buffet. Zum Frühstück auch. Das Gewusel und der Krach von hunderten Leuten im riesigen Speisesaal erinnerte ein wenig an die All-Inklusive-Hotels auf den Kanaren. Das ist dann definitiv nicht meine bevorzugte Art von Urlaub.

Wir hatten Zimmer im 10. Stock. Über uns waren nur noch zwei Stockwerke mit Suiten und Technikräumen. Die Zimmer sind nicht besonders groß, vor allem nicht die Bäder. Aber für ein Hotel dass schon so viele Jahrzehnte auf dem Buckel hat, ist es modern und funktionell eingerichtet. Das beste ist aber der Ausblick. Ich bekam den spektakulärsten Sonnenaufgang seit langem zu sehen, sowie nachts einen wunderbaren Sternenhimmel.

Mir fehlte nur ein wenig die frische Luft. Ich habe keine Lüfungsanlage gesehen. Und leider ließen sich in meinem Zimmer die Fenster nur kippen. Unten waren kleine Schlösser dran, wahrscheinlich wegen der Höhe, damit niemand rausspringen kann. Meine Eltern konnten ihr Fenster ganz aufmachen. Mir war es jedenfalls ständig zu warm, was allerdings auch an dem ungewöhnlich warmen Wetter gelegen haben kann.

Von Oberhof selbst habe ich nicht viel gesehen. Wir sind auf der Heimfahrt mal kurz durchgefahren. Es ist alles super hergerichtet, sogar die Straßen, was man nicht von allen Straßen sagen kann, auf denen wir nach Oberhof unterwegs waren. Rückwärts sind wir über die Thüringer Wald-Autobahn gefahren, durch den Rennsteig-Tunnel und über die neue Bundesstraße, die von Saalfeld zur A71 führt.

Alles in allem war es kein schlechter Miniurlaub, wir hatten Spaß und das Wetter hat mitgespielt. Nach Oberhof fahre ich mit meinem Mann sicher nochmal, aber ob wir dann im Panoramahotel übernachten, weiß ich noch nicht.

Sonnenaufgang im Oktober
Von hier kann man bis Erfurt blicken.
Oberhof von oben.
Der Wald beginnt nur wenige Schritte vom Hotel.

Abschied von Naupaum

Quelle: Perrypedia

PERRY RHODAN NEO Band 288 – »Payntec-Fieber« von Rainer Schorm

Perry Rhodan und seine Begleiter fliegen mit der auffällig gepanzerten HAPPMAROSCH einem Pilgerfrachter nach Payntec. Auf dem Flug dorthin sorgt Hyperphysikalische Strahlung dafür, dass die meisten Pilger den Verstand verlieren und sich im wahrsten Sinne des Wortes durch die Schiffswände graben. Die Strahlung dient bewusst dazu, die Gehirne geeigneter Pilger herauszufiltern. Diese überlebenden Ceynachs werden dann auf Payntec mittels einer Anlage für Parareguläre Gleichheits-Transplantation (PGT) und eines Transmitters ins Zentrum von M87 abgestrahlt. Die ungeeigneten Pilger sterben.
Normalerweise werden den Pilgern während der Reise alle technischen Möglichkeiten genommen, um ernsthaften Schaden an dem Pilgerfrachter anzurichten. Doch die Mucton-Yul um ihren Anführer Noc haben ihr Schiff im Hangar nicht ausreichend gesichert. Die verrückt gewordenen Pilger fallen darüber her und verwenden alles, was sie in die Finger kriegen (auch Waffen) um »nach Hause« zu kommen. Dass sie damit die Schiffshülle zerstören und eine Dekompression hervorrufen, bei der sie sterben werden, ist den meisten nicht bewusst.
Perry Rhodan, Torytrae, Gayt-Coor und Roi Danton bleiben unbeeinflusst von der Strahlung nur Doynschto erliegt dem Payntec-Fieber. Sie schlagen sich zum einzig geschützten Bereich auf dem Schiff, der Zentrale, vor, in der es zu einem Showdown zwischen Torytrae und Noc kommt. Der Mucton-Yul hat eine Art Kampfroboter (Goliath) gefunden, mit dem er körperlich verschmilzt und zu einer Kampfmaschine wird.
Gayt-Coor gelingt es schließlich die havarierte HAPPMAROSCH auf Payntec zu landen. Rhodan und seine Begleiter können das Schiff vor den Mucton-Yul verlassen, werden aber kurze Zeit später von ihnen eingeholt.
Torytrae, Gayt-Coor, Roi Danton und Doynschto versuchen sie aufzuhalten, damit Rhodan einen Weg findet, auf dem er zur Erde zurückkehren kann.
Er stößt bei seiner Suche auf einen weiteren Kreis der Gehirne. Die versteinerten Gehirne der Pehrtus übermitteln ihm Wissen und schicken ihn per Transmitter in einen Raum, in dem sein Gehirn vom Körper seines Yaanztronisches Wirts getrennt und auf die Reise geschickt werden soll.
Doch Noc in seinem Goliath-Anzug kommt ihm zuvor und versucht den Transfer zu verhindern. In letzter Minute gelingt es Rhodan, ihn zur Strecke zu bringen, dann beginnt der Ablösungsprozess. In letzter Minute nimmt er wahr, dass seine Gefährten unbeschadet dazukommen, um seinem Yaanztronischen Wirt zu Hilfe zu eilen. Danach versinkt er in Dunkelheit und begibt sich auf eine Reise, von der er hofft, dass sie ihn in seinen Körper zurückbringt.

Wow, was für ein Roman. Man sieht es schon an der Zusammenfassung, bei der ich noch einiges weggelassen habe, wie komplex die Geschichte ist. Ich denke, es ist einer der besten NEOs, die Rainer Schorm je geschrieben hat. Hier stimmt fast alles. Die Handlung ist durchdacht, die einzelnen Fäden werden schlüssig zusammengeführt und finden einen befriedigenden Abschluss. Mit dem Auftauchen des Accalaurie Zeno, der ebenfalls als Ceynach in einem Yaanztronischen Körper steckt, wird erneut eine Figur aus der EA in den NEO-Kosmos eingeführt.

Der Roman erzeugt beim Lesen einen ungeheuren Sog, so dass man eigentlich gar nicht mit dem Lesen aufhören möchte. Gleichermaßen ist er viel weniger technisch, als man es von dem Autor gewohnt ist. Der glänzt dagegen wieder mit vielen lustigen Spötteleien zwischen den Figuren und macht damit die düstere Stimmung erträglich.

Denn letztendlich ist es zutiefst tragisch, was den ahnungslosen Pilgern widerfährt. Ihr Wunsch nach Erhöhung wird ausgenutzt und sie sterben …für was eigentlich? Das wird im Roman nicht verraten, aber es scheint sich wohl um eine Art Superintelligenz zu handeln, die im Schwarzen Loch von M87 ausharrt und sich von den Yaanztronern »füttern« lässt. Der Roman bietet damit einen weiteren gnadenlosen Blick in das totalitäre Menschenverachtende System des Rayschats, in dem Lebewesen nichts zählen. Zumindest erahnt man nun, warum die Bewohner Naupaums so an Gehirnen interessiert sind.

So gut mir der Roman gefallen hat, so unglücklich bin ich nach dem Lesen. Denn das Abenteuer in Naupaum scheint zu Ende zu sein. Es ist, als müsse ich alle liebgewonnenen Charaktere zurücklassen. Das kam für mich einfach zu abrupt. Da hätte ich mir noch ein paar Romane, gern noch eine weitere Staffel, in Naupaum gewünscht. Hinter den aufgestoßenen Türen Naupaums stecken noch so viele Abenteuer, so viele spannende Geschichten, dass ich mir unbedingt wünsche, wieder hierher zurückkehren zu dürfen. Mir ist momentan egal, was mit Atlan, Thora, der SOL, der Terranischen Union oder Leticron passiert. Ich will wissen, wie es weitergeht mit Roi Danton, mit Gayt-Coor und Doynschto mit dem neuen Raytscha und seiner Blume oder den Freihändlern von der SLITHRUGTANNI. Ich möchte herausfinden, welche anderen Völker es in Naupaum gibt, warum der Sternhaufen von der Galaxie M87 durch eine Barriere getrennt ist und was die Kartanin mit alledem zu tun haben. Liebe Expokraten, ich wünsche mir, dass wir bald wieder an diesen Ort zurückkehren dürfen. Vielleicht sogar mit der SOL.

»Payntec-Fieber« ist nicht der Abschlussroman der Staffel, obwohl es sich so anfühlt. Aber er gehört mit zu den spannendsten NEO-Romanen, die ich gelesen habe.

Neues aus der Taschenwerkstatt

Ich habe festgestellt, wenn ich meinem Kamihimo Hobby nachgehe, schlafe ich endlich durch. Sprich, ich wache nachts nicht mehr auf und wälze mich dann stundenlang hin und her. Offensichtlich entspannt mich die Flechtarbeit so sehr, dass ich besser schlafe.

Der Nebeneffekt ist, dass ich jede Menge schöner Taschen produziere. Eine habe ich jetzt schon verkauft. Es fällt mir ja immer schwer mich von den selbstgemachte Dingen zu trennen. Vor allem, wenn es sich um Einzelstücke handelt. Da muss ich noch an mir arbeiten, aber bei meinen Perlensachen, war es anfangs auch so, bis ich die ersten Teile verkauft habe. Ich mache dann einfach neue.

Hier nun die beiden neuen Machwerke. Bei der blauen Tasche muss ich mir noch überlegen, wie ich den Henkel befestige. Ich habe da schon eine Idee.

 

Kuba-Feeling

Ich trinke ganz gerne die Sachen von Schweppes – Tonic, Bitter Lemon oder Wild Berry.

Im Sommer gab es beim REWE einen Tonic Pack mit Glas. Darin befanden sich fünf kleine Faschen mit verschiedenen Tonic-Sorten, die es so noch nicht gab: Herbal-, Dry-, Pink- und Indian-Tonic Water. Das Dry ist wirklich sehr herb und das Herbal schmeckt sehr intensiv. Am besten fand ich das Pink-Tonic Water.

Es gibt aber noch eine weitere neue Sorte von Schweppes und die schlägt alles – Schweppes Virgin Mojito. Sensationell, kann ich da nur sagen. Das leicht nach frischer Minze schmeckende Wasser ist weniger süß. Ich verdünne es trotzdem nochmal 50/50 mit Wasser. Es schmeckt zwar nicht richtig nach Mojito, kommt aber ganz gut ran. Es duftet gut nach Pfefferminz wenn es auf dem Tisch steht, nicht künstlich, sondern so wie unsere frische Minze auf dem Balkon.

Ich habe mir gleich mal ein paar Flaschen gesichert. Für den Fall, dass es wieder nur eine Special Edition ist, die es nur kurze Zeit über gibt. Das Glas auf dem Bild stammt übrigens aus dem Tonic Pack.

Hommage an eine Punkrock-Ikone

»Der letzte Punk« von Abo Alsleben

Es muss schon eine sehr spannende Geschichte sein, wenn sich mein Redakteursmodus ausknipst und ich erst im letzten Drittel des Buchs feststelle, dass die Zeichensetzung bei der wörtlichen Rede nicht korrekt ist. Zudem handelt es sich bei dem Roman um das Werk eines Selfpublishers, da bin ich normalerweise immer besonders sensibel. Aber hier wurde ich einfach mitgerissen von der schaurig schönen und zugleich traurigen Geschichte über Dietrich Aufrecht genannt Öse.

In einem Kaff bei Erfurt geboren, tut sich Dietrich schwer mit der Welt. Ob auf dem Bauernhof der Eltern oder in der Schule, immer eckt er an, wird übersehen, gilt als Versager. Dabei schlummern in ihm besondere Fähigkeiten. Als er zum ersten Mal Punkrock hört, ist es um ihn geschehen. Es ist das, was er sein will, das was seinem Wesen entspricht – ein Punk der Krachmusik machen möchte. Zusammen mit seinem Bruder baut er sich die Instrumente und eine Anlage selbst. Sie gründen eine Band namens Schmeißkeim und nehmen die ersten Songs mittels eines russischen Tonbandgeräts auf.
Doch das Ganze hat einen Haken. Wir schreiben die frühen Achtziger Jahre im Osten. In der DDR ist man von der Akzeptanz einer Subkultur wie Punk etwa so weit entfernt, wie vom Rand des Universums. Schmeißkeim kann nur im Schutz der Kirche auftreten und auch dort sind nicht alle von der radikalen und oft zerstörerischen Kraft des Punkrocks begeistert. Dennoch findet die Musik ihr Publikum. Ein Westdeutsches Plattenlabel wird auf die Punk-Szene im Osten aufmerksam. Als eine der wenigen ostdeutschen Punkbands können Schmeißkeim heimlich einige Songs aufnehmen, die im Westen auf einer LP rauskommen und im Radio gespielt werden. Schlagartig wird Schmeißkeim zur bekanntesten Punkband in der DDR.
Öse fühlt sich endlich beachtet. Doch alles hat seinen Preis. Die Stasi traktiert ihn immer wieder, legt ihm Steine in den Weg. Er wird von Hooligans und Neonazis verdroschen, kommt immer wieder mit der Staatsmacht in Konflikt, verfällt dem Alkohol und landet im Knast.
Eigentlich will Öse doch nur in Ruhe Musik machen. Nach der Wende stünden ihm und Schmeißkeim endlich alle Wege offen, doch nun schwämmen plötzlich Drogen jeglicher Art in die Republik. Versuchungen, denen er letztendlich erliegt, und die ihn zu einem körperlich und geistigen Wrack machen. Nach mehreren Ausrastern landet er in der Psychiatrie.
Eigentlich sollte ihm hier von den Ärzten geholfen werden, aber wie überall dreht sich ab dem Milleniumswechsel alles nur noch ums Geld. Auch die Patienten der Psychiatrie sind nur Humankapital. Medikamente, Erniedrigung und Strafen, machen den ohnehin zerstörten Menschen Öse so kaputt, dass er im Wahn seinen Vater mit einer Axt tötet. Das bedeutet für ihn lebenslange Psychiatrie, in der er körperlich verfällt und unter ungeklärten Umständen sechs Jahre später verstirb.

Vor ein paar Jahren besprach ich hier das Buch »Satan, kannst Du mir noch einmal verzeihen« über Dieter »Otze« Ehrlich und die Band Schleimkeim. Der Autor Abo Alsleben war davon offensichtlich genauso beeindruckt wie ich. Es ist immer das Leben, welches die besten Geschichten schreibt und man sollte solche Geschichten der breiten Öffentlichkeit bekannt machen. Darum hat er sich in die Recherchearbeit gestürzt und das Leben von Otze Ehrlich spannend in einem Roman verpackt, gespickt mit vielen zeitgeschichtlichen Informationen. Man bekommt einen Eindruck vom Leben in der DDR, von der Punk-Szene, den Neonazis und den vielen unangepassten Jugendlichen im Osten. Er erzählt von ihren Schwierigkeiten und ihren Freiheiten sowie dem damaligen Lebensgefühl.

Stilistisch ist das alles sehr clever gemacht. Es dauerte eine Weile, bis ich mitbekam, wer der Erzähler ist. Denn natürlich ist es schwierig, sich in den Kopf eines Protagonisten zu versetzen, der in manchen Szenen mehr tot als lebendig ist. Da ist eine Außenperspektive sehr viel besser. Der Trick, mit dem der Autor das Schreiben aus der auktorialen Perspektive umgeht, ist genial. Ich dachte zuerst, es ist Satan selbst, der Otze beisteht. Da dieser immer behauptet hatte, vom Teufel besessen zu sein. Doch derjenige, den der Autor dazu verdammt hat als Schutzengel zu agieren, ist fast noch besser.

Beim Lesen haben mich besonders die sprachlichen Bilder fasziniert, die der Autor verwendet. Das ist fast schon Lyrik und steht damit eigentlich im totalen Gegensatz zu den Grausamkeiten, der Brutalität und des Drecks, der einen von den Seiten entgegenschlägt. Einen meiner absoluten Lieblingssätze aus dem Buch muss ich hier unbedingt wiedergeben: »Der Mond wurde schwanger, wurde immer runder und gebar Tausend Sterne in die Nacht. Dann war er wieder dünn wie eine Sichel.« Die Sätze sind kurz und pointiert und erreichen eine Sogkraft, die einen Wort für Wort in die Geschichte zieht. Die Kapitelüberschriften scheinen zunächst willkürlich gesetzt, weil die Handlung einfach weitergeht. Sie ergeben aber am Ende durchaus Sinn.

Auffällig ist das dicke gestrichene Papier, auf dem der Roman gedruckt ist. Das ist unüblich für ein Taschenbuch und macht die knapp 400 Seiten schwer wie Blei. Lektoratstechnisch hätte der Roman einige kleine Eingriffe vertragen, vor allem bei der Zeichensetzung. Aber wie ich schon sagte, mir ist das angesichts der spannenden Handlung auch erst relativ spät aufgefallen. Manch anderer merkt es wahrscheinlich gar nicht.

»Der letzte Punk« ist eine sehr gut geschriebene Hommage. Es ist die Lebensgeschichte eines Menschen, dem unheimlich viele schlimme aber auch kuriose Dinge passiert sind. Dessen musikalische Genialität nur von wenigen seiner Zeit erkannt wurde, der aber auch unberechen- bzw. undurchschaubar blieb. Der Roman basiert auf der realen Geschichte von Otze Ehrlich und der Band Schleimkeim und damit auf tatsächlich existierenden Personen. Für den Roman wurden die Namen verändert sowie die Ereignisse chronologisch etwas abgewandelt. Viele der Dialoge stammen aber eins zu eins aus den Vernehmungs-Protokollen der Staatssicherheit der DDR. Anderes wurde aus Interviews mit Zeitzeugen, Büchern und dem Internet entnommen. Abo Alsleben war sehr gründlich bei der Recherche, die Informationen fühlen sich stimmig an, obwohl ich das auf Grund meines Alters natürlich nur bedingt beurteilen kann. Zumindest gibt er das Lebensgefühl der Achtzigerjahre ziemlich gut wieder.

»Der letzte Punk« ist ein Punkroman, den man gelesen haben muss. Vor allem wenn man mit der Subkultur des Punk vertraut ist. Wer das Schicksal von Otze Ehrlich kennt, weiß von vornherein, wie der Roman enden wird, aber der Weg dorthin ist so bewegend, dass selbst die Kenner gefesselt sein werden. Besonders bedrückend fand ich die letzten Kapitel über die Zustände in der Psychiatrie. Da musste ich ein paar mal schlucken und habe am Ende schließlich noch eine Träne verdrücken müssen.

Danke an den Autor! Das war ganz großes Kino. Vielen Dank auch an Klaus N. Frick, der mich auf die Rezension des Buchs im »Polytox« aufmerksam gemacht hat.

Bestellen kann man das Buch auf der Internetseite des Autors.

Bürokratie für den Bürger

So langsam naht das Datum, an dem alle Grundstücks- und Hauseigentümer ihre Grundsteuererklärung abgeben müssen. Mein Mann hatte die für unsere Wohnung bereits im Sommer erledigt. Das ging relativ einfach, daher machte ich mir auch keine großen Sorgen über die Grundsteuererklärung meiner Eltern. Nun ja, am Ende war ich reichlich genervt, denn es lief überhaupt nicht so glatt wie gedacht.

Zum einen musste ich für meine Mutter erst einmal einen ELSTER-Zugang beantragen. Offenbar gehen die Finanzämter davon aus, dass eine 82-jährige a) einen Computer hat, b) dazu in der Lage ist, sich anzumelden oder c) jemanden hat, der das für sie macht. Ich merke an: Es gibt viele alte Leute da draußen, die niemanden haben und die damit völlig überfordert sind. Ich erklärte meiner Mutter also, dass sie Post von ELSTER bekommt, und dass sie mir die Kuverts vor den Computer in meinem Arbeitszimmer ablegen soll. Da ich nicht so oft in Saalfeld bin, kam ich natürlich erst spät dazu, sie online anmelden zu wollen.

Und siehe da, es funktionierte nicht. Beim Hochladen und Aktivieren der Zertifikatsdatei bekam ich immer wieder eine Fehlermeldung.  Ich googelte also erst einmal, was die Fehlermeldung »Clientfehler 405 – Leider ist ein Fehler aufgetreten: Die von Ihnen gestellte Anfrage ist unvollständig oder fehlerhaft und kann daher nicht bearbeitet werden.« bedeutet. Nach einer Ewigkeit wurde ich fündig. Mein Browser ist zu alt. Ich habe daheim meinen alten iMac stehen, der mir bisher gute Dienste geleistet hat. Nun wird das Safari offenbar nicht mehr aktualisiert, also versuchte ich es mit Firefox, aber es ging trotz Aktualisierung nicht. Nach drei Mal falsch Eingeben ist ja der per Post gesendete Code bei ELSTER üblicherweise gesperrt. Und man muss einen neuen beantragen. Ich fragte mich: würde das bei der Fehlermeldung auch so sein? Frustriert packte ich die Sachen in meinen Koffer und beschloss, es in Waging am neueren Computer zu erledigen.

Eines vorweg: Meine Sorge war unberechtigt, die Aktivierung der Zertifikatsdatei ging mit dem neueren iMac problemlos. Die Fehlermeldung hat offenbar keinen Einfluss auf die Anzahl der Eingabeversuche. Ich konnte das ELSTER-Konto für meine Mutter erfolgreich aktivieren.

Nun machte ich mich an die tatsächliche Grundsteuererklärung. Das erste was mir auffiel, fast jedes Bundesland kocht sein eigenes Süppchen. In Bayern funktioniert es anders als in Thüringen. Verglichen, mit dem, was mein Mann eingeben musste, ist es in Thüringen tatsächlich um einiges komplizierter. Dass ich mehrere Grundstücke einzutragen hatte, vereinfachte die Sache natürlich nicht. Ich wühlte mich also durch die Formulare, überlegte bisweilen, was die von mir wollen und schaute in der Karte vom »Grundsteuer Viewer Thüringen« welche Größe das Grundstück hat und welchen Bodenrichtwert ich eintragen muss.

Hier stoßen wir auf das Kernproblem dieser ganzen Geschichte und weswegen es mich so aufregt. Offenbar liegen diese Daten den Behörden schon vor. Ist ja logisch: wofür gibt es letztendlich ein Grundbuchamt, wo man für viel Geld, etwas ein- oder austragen lassen muss. Könnte man das nicht mit den Daten der Finanzämter verknüpfen? Irgendwann muss das doch mal gemacht worden sein, denn sonst wüssten die ja nicht, welche Grundstücke meine Eltern besitzen. Witzigerweise beantwortete mir ausgerechnet die Online-Karte aus dem Viewer die Fragen aus dem Formular, z. B. wie viele Quadratmeter des Grundstücks bebaut sind. Das hätte ich selbst nur schätzen können. Aber da stand es schon schwarz auf weiß auf dem Monitor. Warum zur Hölle muss ich das also nochmal eintragen, wenn die Info bekannt ist?

Einen kompletten Vormittag (von 8 Uhr bis 12 Uhr) meines Urlaubs verbrachte ich mit der Grundsteuererklärung. Immer wenn ich dachte, ich hätte alles ausgefüllt und es wegschicken wollte, bekam ich eine Fehlermeldung, weil irgendwo was falsch oder nicht ausgefüllt war. Wie bitte soll ich die Bebauung eines Wochenendgrundstück bezeichnen, wenn es weder Bungalow noch Ferienhaus oder Gartenhütte in der Auswahl gibt. Einfach einen Text reinschreiben kann man nicht, nur etwas Auswählen und Zahlen eingeben. Ich war echt genervt. Irgendwie habe ich es am Ende doch so hinbekommen, dass ich es absenden konnte. Ob es alles richtig ist … Keine Ahnung!

Meine Meinung: Diese Grundsteuererklärung ist ein Witz. Es ist im Grunde genommen nur ein Abwälzen von Arbeit auf die Grundstücksbesitzer und ihre Angehörigen. Ein Finanzbeamter, der das täglich macht, wäre hundert Mal schneller fertig gewesen. Also entweder haben die in den Ämtern so viele Stellen abgebaut, dass sie nun keine Leute mehr haben, oder die Beamten sind im Homeoffice einfach noch fauler geworden, als sie ohnehin schon waren. Ich weiß es nicht, aber das Ganze ist für mich eine Farce. Das grenzt schon an Schikane. Was machen denn die vielen alten Leute, die keinen Computer und keine Kinder haben? Die müssen Wohl oder Übel zum Steuerberater, die sich daran wieder dumm und dämlich verdienen.

Zumindest war das ELSTER-Portal nicht überlastet. Dies war ja zu Beginn ein massives Problem. Ich sag nur: Deutschland Deine Ämter. Bürokratie trifft auf miserable Infrastruktur und heruntergewirtschaftete Ämter, denen das geeignete Personal fehlt. Ich sehe Schwarz für die Zukunft, denn das ist nur die Spitze des Eisbergs … aber darüber rede ich nächstes Mal.

Das Monster gedeiht

Unsere Monstera im Wohnzimmer breitet sich immer mehr aus. Es ist fast schon ein wenig beängstigend, mit welcher Geschwindigkeit sie neue Blätter austreibt. Unlängst berichtete ich davon. Da hatte sie noch 14 Blätter. Inzwischen sind es 16. Und jedes wird größer als das Vorangegangene. Das Letzte hat einen Durchmesser von 65 Zentimetern.

Kaum dass wir mal ein paar Tage in Saalfeld waren, schwupp schon hatte sie wieder ein neues Blatt angesetzt. Wir mussten sie jetzt neu anbinden, damit sie nicht umkippt. Die Kleinblättrige hat auch schon wieder drei neue Blätter getrieben. Die hatten wir vor ein paar Jahren extrem gestutzt. Seit dem ist sie schön buschig geworden.

Bei der Großen ist das nicht so leicht möglich, weil sie unten nur zwei Triebe hat. Aber irgendwann müssen wir da wohl ran, wenn das so weitergeht. Es wuchsen vier Blätter in den letzten vier Monaten. Ich hoffe, dann ist erstmal ein wenig Ruhe, fürchte aber, dass da noch einige Überraschungen auf uns warten.

 

Neue Taschenkunstwerke

Es gibt Neues von der Kamihimo-Front.

In den vergangenen Wochen sind von mir zwei neue Taschen fertiggestellt worden. Eine weitere steht kurz vor der Vollendung. So langsam wird es eng im Regal. Ich werde sie wohl doch verkaufen. Bei uns gibt es einen Geschenkeladen, da kann man ein Fach mieten und seine Sachen verkaufen lassen. Das werde ich mir mal ansehen. Ich habe ja noch mehr Schmuckstücke und Bastelarbeiten im Schrank.

Hier sind aber erstmal die beiden Taschen.

Die Rosafarbene war schwierig wegen der Zierknoten und dem Annähen der Henkel.

Bei der Grünen lag die Herausforderung darin, dass Muster fehlerfrei zu flechten. Hier habe ich auch zum ersten Mal einen Henkel aus Kamihimo gemacht.

Ich habe gestern noch mal neue Kamihimo-Bänder geordert, meine Kiste leerte sich nämlich. Bevor das Papier wieder teurer wird.