Mit 25 km/h durch Deutschland

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Der Film »25 km/h« lief im vergangenen Jahr im Kino, leider nur sehr kurz, so dass wir ihn verpassten. Inzwischen ist er als Leihvideo online verfügbar, da haben wir das nachgeholt.

In dem Streifen treffen sich zwei Brüder nach 30 Jahren zur Trauerfeier ihres Vaters wieder und beschließen spontan ihre Jugendtraum zu verwirklichen – mit dem Mofa durch Deutschland fahren und allerlei Spinnereien zu erleben. Wie beispielsweise: sich durch die komplette Speisekarte beim Griechen zu futtern oder eine schlafende Kuh umstoßen.

Die Brüder haben sich in den Jahrzehnten weit von einander entfernt. Der eine blieb im Dorf und wurde Handwerker. Der andere zog hinaus in die Welt und ist ein vielbeschäftigter Businessmann. Beide litten einst unter dem dominanten Vater und kommen sich auf ihrer Reise nur sehr langsam wieder nahe. Als einer erwähnt, dass er einen Sohn hat, den er noch nie gesehen hat, beschließen sie spontan einen Umweg zu fahren, um ihn zu besuchen.

»25 km/h« wartet mit einer Menge skurriler Situationen auf, die ziemlich lustig sind. Bei allem Klamauk hat der Film auch nachdenkliche Momente. Die beiden Männer sind über Vierzig und haben keine Familie. Sie fragen sich, ob sie wirklich glücklich mit ihrem Leben sind. Am Ende finden sie zu sich selbst und entdecken, was für sie wichtig ist.

Was ich merkwürdig fand. Die beiden stammen aus einem Dorf im Schwarzwald. Während alle Umstehenden, der Pfarrer oder die Taxifahrerin, schwäbisch »schwätze«, reden die Brüder untereinander nur hochdeutsch. Wahrscheinlich hätten die Zuschauer außerhalb des schwäbischen Raumes es nicht verstanden. Seltsam ist auch, dass die alten Mofas auf Anhieb funktionieren und unterwegs nicht kaputt gehen. Aber darüber kann ich angesichts der guten Schauspieler und der netten Geschichte hinwegsehen.

Sehr schön anzuschauen, sind im übrigen die Landschaftsaufnahmen – der nördliche Schwarzwald, die historischen Ortskerne der Städte und Dörfer, aber auch die Wälder und Alleen im Brandenburgischen. Wer eine Geschichte übers Älterwerden erleben möchte und mal wieder lachen will, sollte sich das deutsche Roadmovie unbedingt ansehen.

Clevere Idee mit zu viel Gewalt

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Wir haben uns an »Lucy« gewagt. Der SF-Thriller lag schon länger im Regal, aber weil wir gehört hatten, dass er sehr gewalttätig sein soll, hatten wir ihn liegen gelassen. Ursprünglich hatte ich den Film gekauft, weil ich die Idee gut fand. Außerdem stammt er von Luc Besson, dem Macher von »Das fünfte Element«, da kann man eigentlich nichts falsch machen. Dachte ich.

Worum gehts? Studentin Lucy wird in Taiwan in eine Drogensache verwickelt. Ihr Körper soll als Drogenkurier dienen, doch der implantierte Beutel mit der Substanz ist undicht und der Stoff gelangt in ihren Blutkreislauf. Sie stirbt nicht, aber sie erhält nach und nach Zugriff auf ihre volle Hirnkapazität, was sie in eine Kampfmaschine mit ungewöhnlichen Fähigkeiten verwandelt. So ausgestattet, startet sie einen Rachefeldzug gegen den Drogenboss und versucht ihr Schicksal zu erfüllen.

Was passiert, wenn wir mehr als zehn Prozent unserer Hirnkapazität gleichzeitig nutzen könnten? Der Film stellt ein paar sehr gute Fragen, auch die großartigen Effekte und der ungewöhnliche Schnitt machen ihn zu einem besonderen Highlight. Scarlett Johansson stemmt den Film so gut wie allein und lässt selbst Morgan Freeman »alt« aussehen.

Es hätte ein verdammt guter SF-Film werden können, wenn … ja, wenn die Gewalt nicht im Vordergrund stehen würde. Einige Szenen sind richtig brutal und ich kann irgendwie nicht verstehen, wie der Film die Freigabe ab 12 Jahre bekommen konnte. Warum musste man aus einem Film mit einer solch großartigen Idee, einen reinen Actionfilm machen? Hatte man Angst, dass er sonst zu intellektuell würde und die Zuschauer ihn nicht verstehen könnten? …

… Ich weiß es nicht, finde es aber schade, dass das spannende Thema nur Beiwerk zum einem gewalttätigen Actionkracher dient. Leider!

Liebesfilm mit phantastischem Plot

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»Every Day«, so heißt der Originaltitel des Films, benannt nach dem gleichnamigen Roman von David Levithan. Warum man Buch und Film in Deutschland »Letztendlich sind wir dem Universum egal« betitelte, wissen wohl nur die Marketingstrategen im Fischer Verlag oder die Übersetzerin.

Der umständliche Titel ist auf das Zielpublikum ausgerichtet – die »Young Adults«, also Jugendliche ab 17 Jahren. Dabei funktioniert die Geschichte auch für andere Altersgruppen. Es geht darin um eine Seele, die jeden Tag in einem anderen Körper aufwacht und diesen für einen Tag bewohnt. Sie nennt sich A. und wacht stets in gleichaltrigen Personen (Junge wie Mädchen) auf, die nie weit voneinander entfernt leben. Als A. im Körper von Justin steckt, lernt sie dessen Freundin Rhiannon kennen. Ab dem Tag fühlt A. eine Verbindung zwischen sich und dem Mädchen, die beider Leben von da ab bestimmt. Rhiannon lernt A. in unterschiedlichen Körpern kennen und lieben. Doch irgendwann müssen beide feststellen, dass dies auf Dauer nicht funktionieren wird und sie eine Entscheidung treffen müssen.

Neben den sympathischen Jungdarstellern ist es vor allem die Idee, die mich an diesem Film so fasziniert. Diese Idee ist größer, als dass sie in einem Film richtig ausgereizt werden kann. In den entfallenen Szenen gibt es Hinweise darauf, die tiefer in die Hintergründe des Seelenreisenden reichen. Da sie aber rausgeschnitten wurden, gehe ich davon aus, das sich die Filmemacher auf die Liebesgeschichte von Rhiannon und A. konzentrieren wollten. Was in dem Fall auch völlig richtig ist und den Film rund macht. Man hätte auch eine zusätzliche Ebene einbringen und die Geschichte aus der Sicht von A. erzählen können. Dann wäre es aber ein reiner Erwachsenen-Film geworden und die Liebesgeschichte wäre dem Hauptplot womöglich zum Opfer gefallen.

Mir gefielen die Gedankenspiele und die moralischen Fragen, die sich A. und später auch Rhiannon stellen müssen. Das ist intelligent und durchdacht, mit einem Hauch Phantastischem. Es erinnert ein wenig an »Die Frau des Zeitreisenden«, nur das es nicht ganz so traurig endet. Ich bin fast schon am überlegen, ob ich mir auch den Roman von David Levithan zulegen sollte.

Hier ist der Originaltrailer zum Reinschnuppern:

Auf der Zielgerade

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PERRY RHODAN NEO Band 198 – »Duell der Bestien« von Kai Hirdt

Die MAGELLAN gelangt mittels des Sechsecktransmitters nach Andromeda. Der ohnehin angeschlagene Perry Rhodan übersteht den Flug nur durch viel Glück und das Können der Mediziner. In Andromeda beschließt die Crew allen voran Rhodans besorgte Ehefrau Thora, nach Multidon statt ins Halit-System zu fliegen, um Mirona Thetin um medizinische Hilfe für Perry zu bitten.
Icho Tolot bricht derweil mit der DOLAN ins Halit-System auf, um auszukundschaften, wie die Lage dort ist und was ANDROS plant. Er stürzt mehr oder weniger freiwillig auf dem Heimatplaneten der Sitarakh ab und stellt sich dem finalen Kampf gegen die Bestie Masmer Tronkh. Durch einen jungen Sitarakh – oder einer Person, die sich als solcher ausgibt (ES?) – erfährt er, was es mit ANDROS, METEORA und dem kosmischen Schachspiel auf sich hat.

Kai Hirdt liefert mit »Duell der Bestien« erneut einen Roman ab, in dem die Charaktere nicht nur vor Lebendigkeit sprühen, sondern der auch in sich stimmig ist. Das der Autor ein Händchen für Dialoge hat, beweist er in diesem Roman zum wiederholten Mal. Thoras und Thetins Stutenbissigkeit sind einfach grandios geschildert. Überhaupt, lebt Thora zum ersten Mal seit vielen Romanen wieder so richtig auf.

Wobei sich das Hin und Her um Perry Rhodans Gesundheit ein wenig anfühlte, als ob der Autor Zeilen schinden müsse, damit Tolot genügend Zeit für seinen Kampf mit Masmer Tronkh bleibt. Tifflor und Sud sind gegenüber Rhodans Zustand praktisch hilflos. Atlans und Thoras Versuche mit der »Gedankenverschmelzung« bleiben ebenfalls erfolglos. Erst das Auftauchen von Tuire Sitareh holt Rhodan ins Leben zurück.

Schön beschrieben war Icho Tolots Kampf zunächst mit sich selbst und später mit der Bestie. Großartig auch die Idee, den brennenden Schwefel in den See zu leiten, um ein Säurebad herzustellen und damit die Schiffe der Bestien zu zerstören. Solche wissenschaftlichen Gedankenspiele freuen mich mehr, als die ins Phantastische gehenden Heilfähigkeiten von Sud.

Das einzige was mich ein bisschen ernüchtert: Auf sechs Seiten erfährt Icho Tolot und damit auch der Leser, die komplette kosmologische Hintergrundgeschichte der vergangenen knapp 200 Bände. Einfach so! Peng! Hier sind die Zusammenhänge! … Kann man das so machen? Ja! Sollte man es so machen? Vielleicht! Hätte ich es anders gemacht? Ich denke, ja! … Es gab in den vergangenen Staffeln genug Gelegenheit immer mal wieder ein Informationshäppchen einzubauen. Ich hätte es besser gefunden, wenn sich die Leser selbst ein Bild hätten erarbeiten müssen, als ihnen einfach die Lösung vor die Füße zu werfen. Was sprach dagegen, mehr auf die Hintergründe des kosmischen Schachspiels einzugehen? Allein in der laufenden Staffel sind mindestens drei Romane enthalten, die meiner Meinung nach eher Füllstoff waren. Auch auf die Gefahr hin, dass sich die Leser das Ende zusammenreimen können, fand ich den gewählten Weg nicht optimal.

»Duell der Bestien« ist eine unterhaltsame Geschichte, deren Charaktere aufs meisterliche ausgearbeitet sind und die durch Cliffhanger in den Kapitelenden ausgesprochen spannend daherkommt. Allein die lieblose Weitergabe der Informationen zum kosmischen Überbau der Serie hat mich geärgert. Ich wollte lieber mitraten und spekulieren und nicht die Geschichte des Ringens auf dem Silbertablett geliefert bekommen. Schade!

Mehr als ein Schnäppchen

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»Schlagen Sie dem Teufel ein Schnäppchen« ist das sechste Buch aus der »Happy Aua«-Reihe von Bastian Sick. Es erschien bereits 2017 und setzt gekonnt den lustigen Bilderreigen mit Irrungen aus der Deutschen Sprache fort.

Wenn man wirklich mies drauf ist und einem nichts aufzuheitern vermag, ist dieses Buch die Lösung. Ich saß diese Woche kichernd und lachend auf der Couch. Manchmal habe ich Minutenlang gelacht und mich kaum wieder eingekriegt. Dabei sind es meist die pointierten Bildunterschriften des Autors, die mich so sehr amüsierten. Die Fotos der Verfehlungen, seien es Preisschilder, Zeitungsausschnitte oder Speisekarten wären ohne seine Kommentare nur halb so lustig.

Die auf 224 Seiten abgedruckten Fotos stammen vorwiegend von Lesern aus Deutschland aber auch aus dem Ausland. Ich reiche ebenfalls regelmäßig meine Schnappschüsse ein. Inzwischen muss der Autor ein Archiv mit Tausenden von Fotos haben. Einige veröffentlicht er auf seiner Homepage. Dort kann man sich einen kleinen Eindruck verschaffen, was man so alles falsch schreiben kann.

Einige der Verfehlungen versteht man erst beim zweiten Durchlesen. Das sind meist aus Zeitungen stammenden Ausschnitte, bei denen der Sinn doppeldeutig ist. Bei manchen der Abbildungen spielt der Zufall eine tragende Rolle und macht beispielsweise aus einem Straßennamen und einem Wegweiser ein lustiges Duo, wie beim »Finanzamt« in der »Wolfsschlucht«. Diese beiden Schilder stehen allerdings nicht in Kulmbach, wie im Buch angegeben, sondern in Kronach, unterhalb der Feste. Ich habe sie selbst schon mal fotografieren wollen. Da hat der Einsender wohl die beiden Städte in Oberfranken verwechselt.

Wie gesagt: wer gern lachen möchte, bis ihm die Augen tränen, muss sich dieses oder ein anderes Buch aus der Reihe besorgen. Aber Vorsicht, ich würde es nicht in der Öffentlichkeit – zum Beispiel im Zug – lesen, das könnte unter Umständen irritierte Blicke der Mitmenschen nach sich ziehen.

Der Posbi-Diktator

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PERRY RHODAN Erstauflage Band 3007 – »Zeuge der Jahrhunderte« von Michelle Stern

Nachdem mich die beiden letzten Heftromane von Andreas Brandhorst und Uwe Anton nicht wirklich vom Hocker gehauen haben, gefällt mir der Roman von Michelle Stern umso besser.

Das dynamische Duo Atlan und Gucky gehen mit einer Zivilistin und einer Posmi auf eine Außenmission. An Bord der Raumstation WHEELER müssen sie einen Diktator entmachten, um die dort lebenden Posbis zu befreien, die der RAS TSCHUBAI den Weg nach Culsu weisen sollen.

Besonders die Passagen aus der Sicht der Zivilistin Marli sind großartig erzählt. Michelle Stern gelingt es, die Angst und die Vorurteile der Figur glaubhaft mit viel Sympathie zu vermitteln. Ihre Abneigung gegen Gucky und ihre Ehrfurcht vor Atlan sind erfrischend lebensnah.

Auch die Geschichte rund um die Posbis, die unter dem Posizid und der Datensintflut leiden und von einen Shelter-Programm unterdrückt werden, ist bis zur letzten Seite spannend.

Solche Geschichten lese ich gern, wenn eben nicht die großen kosmischen Ereignisse im Mittelpunkt stehen.

Im Reich der Chemie – Elemente und Moleküle

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Warum Chemie zu meinem absoluten Lieblingsfach in der Schule avancierte, weiß ich nicht mehr. Mathematik lag mir wegen der Zahlen nicht, in Physik mochte ich nur den Teil, der mit Atomen und Elektronen zu tun hatte, also keine klassische Mechanik und bei Biologie fand ich vor allem die Vorgänge in den Zellen faszinierend.

Dabei hat mir als Kind Chemie immer Angst gemacht. Wenn im Fernsehen irgendetwas mit qualmenden Reagenzgläser gezeigt wurde, habe ich umgeschaltet oder bin davon gelaufen. Ich erinnere mich da an die Folge »Clown Ferdinand und die Chemie«, bei der ich zu meiner Oma geflüchtet bin, weil meine Eltern den Fernseher nicht ausmachen wollten. Ich war auch ziemlich feige, wenn es darum ging, ein Streichholz anzuzünden (beim Ersten war ich etwa 12 Jahre) vom Anmachen des Gasherds ganz zu schweigen (weshalb ich immer den Elektro-Herd von meiner Oma erben wollte).

In der Schule aber war ich fasziniert von den Möglichkeiten der Chemie. Von den Eigenschaften der Elemente, die sich durch Verbrennung, oder dem Mischen mit Säuren oder Basen komplett verändern ließen. Dabei gefiel mir eher das theoretische Prozedere, als die praktischen Versuche. Wie gesagt, in der Hinsicht war ich eher feige. Von den abstrakten Gleichungen wurde ich geradezu angezogen. Ich konnte das damals ziemlich gut durchexerzieren und hatte keine Mühe, mir die vielen Elemente und ihre Eigenschaften zu merken. Kovalente-Bindung, Pauli-Prinzip, Komplex-Verbindungen, Valenzbindung das waren Themen, bei denen ich mich wohlfühlte. Ich hätte Chemie studieren können, wollte aber nicht, weil mich die Versuche abgeschreckt haben. Nach dem Grundstudium dachte ich kurzzeitig darüber nach Werkstoffwissenschaften im Hauptstudium zu wählen, habe mich dann aber doch für Medientechnik entschieden. Wer weiß, was aus mir geworden wäre, wenn ich zu den Werkstoffen gegangen wäre?

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Für Bücher, die sich mit Chemie befassen, bin ich noch heute zu haben. Und wenn sie dann so toll und informativ aufgemacht sind, wie die von Theodore Gray, erst recht. Sein erstes Buch »Die Elemente« steht schon seit längerem in meinem Bücherregal. Jetzt habe ich mir auch den Nachfolger »Moleküle« zugelegt. Den finde ich fast noch informativer, weil man sehr viel über Stoffe erfährt, die einem im täglichen Leben begegnen. So weiß ich jetzt, warum mehrere Zuckeraustauschstoffe zusammen gemixt werden, oder welcher Stoff Propangas beigefügt wird, damit wir es rechtzeitig riechen. Diese Informationen werden nicht nur mit schönen Bildern begleitet, sondern sind auch witzig geschrieben. So wird unterhalten und informiert.

Beide Bildbände kosten mit 17 Euro nicht viel Geld und sind überall erhältlich, wo es Bücher gibt. Ich habe »Moleküle« zum Beispiel in der Bahnhofsbuchhandlung gekauft. Eine Anschaffung die sich lohnt, nicht nur für Leute mit schulpflichtigen Kindern. Die beiden Bände machen im Bücherschrank auch richtig was her.

Psychoanalysen

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PERRY RHODAN NEO Band 196 – »Entscheidung auf Kahalo« von Susan Schwartz

Das Situativ mit Perry Rhodan erreicht den letzten Planeten in der Transmitter-Kette. Der Protektor hat große Gedächtnislücken und ist körperlich ziemlich mitgenommen. Dennoch steigt er aus, um den Transmitter zu aktivieren. Draußen erwartet ihn neben einer aggressiven Flora eine Bestie, die vor sehr langer Zeit von der Allianz als Wächter zurückgelassen worden war. Und dann ist da auch noch Hak Gekkoor der dem Terraner auf den Fersen ist und Rhodan an seinem Vorhaben hindern möchte.
Auf der MAGELLAN versuchen Tifflor, Sud und Bell McGraw noch immer John Marshall aus dem Koma zu erwecken. Unerwartete Hilfe bekommen sie dabei von Nathalie. John erwacht und berichtet von seinem Ausflug ins Creaversum, kann sich aber nicht mehr an Details erinnern. Er weiß nur, dass die MAGELLAN nach Kahalo aufbrechen muss, um Perry Rhodan wieder an Bord zu nehmen.

Bis zur Hälfte des Romans, dachte ich: Was für eine sensationell gut geschriebene Geschichte. Spätestens im letzten Drittel, war die Spannung raus. Der Autorin gelingt es zwar sehr gut, nicht nur Rhodans schwindendes Bewusstsein, sondern auch John Marshalls Gemütszustand und Nathalie Rhodans kindliches Gemüt glaubhaft darzustellen. Das ist stellenweise richtig anrührend und ergreifend. Ich war ein paarmal ersucht, nach dem Taschentuchspender zu greifen. Doch je länger sich die Handlung zieht, desto mehr geht dieser Zauber verloren. Rhodans Kampf auf Kahalo zuerst mit den Pflanzen, dann mit der Bestie und später mit Hak Gekkoor, war gut erzählt, zog sich für meinen Geschmack aber zu lange hin. Als Rhodan schließlich sein Ziel die Pyramiden erreicht, ging alles viel zu schnell, ohne das man eine befriedigende Antwort bekommen hätte, was da gerade mit Rhodan passiert. Das klang ein bisschen zu sehr nach Fantasy und Hokuspokus als nach Science Fiction.

Ohnehin, fragte ich mich gleich zu Beginn, wieso Rhodan plötzlich schon am Ende seiner Reise ist. Wie viele Transmitter hat er aktiviert? Warum hat man mir das nicht gezeigt, sondern nur erzählt? Und wieso kommt er am Ende beim Sechseck-Transmitter und dem falschen Kahalo heraus, wenn sich doch das echte Kahalo, auf dem er agiert, in der Nähe der Erde befindet? Und hätte er nicht in Andromeda herauskommen müssen? Schließlich zieht sich der Aufriss zwischen beiden Galaxien entlang. Außerdem warte ich immer noch auf Tuire Sitareh. Nachdem seine Geschichte in Band 195 im Mittelpunkt gestanden hatte, dachte ich, dass er nun endlich zurückkehren und Rhodan beistehen würde.

Auffällig waren die vielen nachträglichen Erläuterungen, z. B. warum das Situativ nicht direkt an den Pyramiden gelandet ist, oder warum es nicht in der Luft blieb. Fragte sich da die Autorin selbst, warum das nicht im Exposé gestanden hatte, oder wurde sie erst darauf aufmerksam gemacht? Solche Fragen wurden erst im letzten Drittel thematisiert, dabei hätte man das schon bei der Landung erklären können.

Der zweite Handlungsstrang mit John Marshall hatte eine ähnlich psychologische Ausrichtung. Man bekam viele Innenansichten geboten. John, dessen Besuch im Creaversum seine Psyche massiv angegriffen hat. Nathalie, die mit ihrer Andersartigkeit besser klar kommt, als die Erwachsenen um sie herum und Belle, die vor Sorge um John nur noch ein seelisches Wrack ist. Nicht jedem Leser wird soviel geballte Psychoanalyse gefallen. Susan Schwartz gab sich sichtlich Mühe die Emotionen der Figuren an den Leser weiterzugeben. Bei mir ist ihr das auch gelungen.

Jetzt zu einer Sache, die mich inzwischen massiv nervt und an der die Autorin keine Schuld trägt, sondern die den Exposéautoren anzulasten ist. Ich meine, die fragwürdige Beziehungskiste zwischen John Marshall und Belle McGraw. Ich habe Belle als Charakter immer gern gemocht. Meines Erachtens schadet diese fast schon krankhafte Fokussierung auf John Marshall der Figur sehr. Belle benimmt sich nicht mehr wie die professionelle, intelligente Frau, als die sie einst dargestellt wurde. Seit Wochen sitzt sie tatenlos an John Marshalls Krankenbett. Sie hat doch Aufgaben auf der MAGELLAN zu erledigen, warum geht sie diesen Aufgaben nicht nach? Warum ruft sie nicht mal jemand zur Ordnung, sondern lässt sie gewähren? Das halte ich für unglaubwürdig. Klar sie sorgt sich um John, aber warum vernachlässigt sie darüber ihre Pflichten? Das klingt nicht nach der Bell McGraw, die ich kennengelernt habe. Hier fehlt einfach ein Eric Leyden, der sie mal so richtig zusammenstaucht. Den scheinen die Expokraten, aber leider fürs Erste geparkt zu haben.

»Entscheidung auf Kahalo« ist ein guter Roman von Susan Schwartz, der brilliant hätte werden können, wenn sie die Handlung etwas gestrafft und ein paar mehr Antworten geliefert hätte.

Ballons

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1979 war ich fünf Jahre alt. Ich kann mich also nur noch rudimentär an dieses Jahr erinnern. So richtig zusammenhängende Erinnerungen habe ich erst, seit ich ein Jahr später in die Schule gekommen bin.

Ereignisse aus dieser Zeit kenne ich fast nur aus den Erzählungen meiner Eltern. Dazu gehört auch die Geschichte über zwei Familien, die mit einem Heißluftballon über die Grenze geflogen sind. Das betrifft mich insbesondere, als das ich aus der Region stamme, in der das damals passierte, und wir indirekt davon betroffen waren, da die Staatsicherheit im Anschluss nach allen Seiten ermittelte. So tauchten sie auch in der Siedlung auf, in der wir unser Wochenendhaus hatten. Meine Mutter erzählte, Männer in Lederjacken wären gekommen und hätten nach einem unsere Nachbarn gefragt, der wohl die Familien kannte. Erst Stunden später haben meine Eltern im Radio von der Ballonflucht erfahren. Aus dem Westradio versteht sich, wir hörten damals immer Bayern 3.

Die innerdeutsche Grenze verlief im übernächsten Tal. Wir hätten hingucken können, wenn der Berg nicht davor gewesen wäre. Manchmal konnte man am Horizont die Scheinwerfer vom Grenzzaun sehen. Meine Mutter erzählt immer, dass diese Nacht, in der die Familien flohen, besonders klar gewesen ist. Meine Oma behauptete damals steif und fest, sie habe einen Heißluftballon am Himmel gesehen. Ob das stimmt, weiß ich nicht, möglich wäre es, denn der Ballon muss ganz in unserer Nähe gestartet sein.

Schon allein aus diesem Grund musste ich mir den Film »Ballon« von Michael Bully Herbig ansehen, der im vergangenen Jahr im Kino lief. Wie immer bei solchen Produktionen, war ich skeptisch. Es gibt nur wenige Filme, in denen die DDR stimmig dargestellt wird. Doch »Ballon« überzeugte mich. Er war spannend und das obwohl man den Ausgang kannte. Er handelte die Problematik mit dem notwendigen Feingefühl ab. Die Figuren waren glaubhaft und vielschichtig. Das Setting passte ebenfalls. Man sah schöne Luftaufnahmen vom Thüringer Schiefergebirge und die Wohnungen, Häuser und Autos waren mit viel Liebe zum Detail wiedererweckt worden.

Es gibt zwei Dinge, die mir aufgefallen sind. Am Anfang des Films sieht man Kinder mit blauen Luftballons rumlaufen, die dann in den Himmel steigen. Ich habe in meiner Kindheit niemals einen Helium gefüllten Luftballon besessen. Das gab es nicht. Meine Eltern wüssten auch nicht, dass die sowas in der DDR mal gesehen hätten. Es ist heute schon schwer, an Helium zu kommen, damals war das vermutlich noch schwieriger. Außerdem könnte ich mir vorstellen, dass solche Luftballons in der grenznahen Region, in der wir wohnten, wahrscheinlich sogar verboten waren.

Der zweite Negativpunkt ist wahrscheinlich der Wahrnehmung des Protagonisten geschuldet, der, wohin immer er auch blickt, Spitzel vermutet. Das suggeriert dem unkundigen Zuschauer, dass in der DDR hinter jeder Ecke, in jedem Fenster Spitzel der Stasi gelauert haben, und dass man stets aufpassen musste, was man auf der Straße gesagt hat. Das hat definitiv nichts mit der Wirklichkeit zu tun, die ich erlebt habe. Letztlich waren es ja nicht fremde Leute, die einen bespitzelt haben, wenn man im Fokus der Stasi stand, sondern Freunde oder Verwandte, also Menschen, denen man vertraute. Das war ja gerade das Perfide.

Schön dargestellt fand ich die Naivität der Ostdeutschen. So glaubte die Familie nach ihrem ersten gescheiterten Versuch, dass ihnen mittels Kontakt zur amerikanischen Botschaft, von den Amis geholfen wird. Da hätte ja jeder kommen können. Die ostdeutsche Bevölkerung war den Amerikanern doch völlig egal, genauso wie den Russen. Interessiert waren die höchstens an Wissensträgern, alles andere wurde ignoriert. Was im Film auch so gezeigt wird.

Fazit: Ein sehr spannender Film mit tollen Schauspielern, der zeigt, welches Risiko Menschen im Osten der Freiheit wegen eingegangen sind. Aber auch in welche Gefahren sie dabei ihre Kinder gebracht haben.

Fledermäuse in Hannover

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Einer der schönen Nebeneffekte der Schreibseminare an der Bundesakademie Wolfenbüttel ist: man fährt am Ende des Wochenendes meist mit einer langen Liste an Lesetipps nach Hause. Sowohl Dozenten, als auch Seminarteilnehmer befruchten sich gegenseitig mit Tipps zu lesenswerten Romanen, Anthologien und Sachbüchern zum Thema Phantastik oder zum Schreiben.

Ein Titel wurde in den vergangenen Jahren immer wieder genannt. Kathrin Lange hat beim letzten Seminar derart euphorisch den Anfang des Buches gespoilert, dass ich mir den Roman des ehemaligen BA-Seminarteilnehmers gekauft habe. Dieses Mal als E-Book für lange Zugfahrten, falls mir der Lesestoff in Papierform ausgehen sollte.

»Fledermausland« wurde geschrieben von Oliver Dierssen einem Arzt aus Hannover. Sein Roman erzählt die ungewöhnliche Geschichte von Sebastian Schätz, der eines Tages feststellen muss, dass sich in seiner stinknormalen Realität mythische Geschöpfe (Anthropomorphe) tummeln. Bei den Begegnungen mit Ogern, Vampiren, Zwergen und Untoten erfährt er, dass es eine lichte und eine dunkle Seite gibt, denen die Kreaturen angehören, die allesamt zwanglos und unerkannt unter den Bewohnern Hannovers leben. Als er nach einem schief gegangenen Koppulationsakt mit seiner Freundin Kim überall herumerzählt, dass sie Sex hatten, fängt der Ärger erst richtig an. Denn was Sebastian nicht weiß, Kim ist eine Nymphe und der Kontakt zwischen Menschen und Anthropomorphen ist streng verboten und wird von der GEZ geahndet. Für Sebastian beginnt eine irrwitzige Jagd quer durch die mythische Parallelgesellschaft Hannovers.

Ich kann Kathrin Lange nur zustimmen, der Roman ist so schräg und abgefahren, dass man ihn unbedingt gelesen haben muss. Allein der Auftakt mit der Fledermaus im Schlafzimmer ist der absolute Brüller. Da hängt ein Mann mit der Hand im Jalousiekasten seines Schlafzimmerfensters fest, nur mit einem Handtuch bekleidet. Und das ist nur eines der vielen skurrilen Bilder, die der Autor innerhalb der Geschichte liefert. Von Kapitel zu Kapitel wird die Gegenwart des Protagonisten immer schräger, bis sich am Ende alles im Showroom eines Bordells mit einem großen Knall auflöst.

Ich hatte sehr viel Spaß mit diesem ungewöhnlichen Roman. Mir gefiel vor allem, wie langsam sich alles entwickelt. Aus den Augen des Ich-Erzählers heraus durfte ich miterleben, wie sich sein normales Leben als Studienanwärter wandelt. Wie er die verborgene Gesellschaft entdeckt, die sein Leben umkrempelt und er sich plötzlich von Vampiren und Untoten sowie anderen Figuren umgeben sieht.

Die lockere Sprache und die irrwitzigen Einfälle von Oliver Dierssen heben die Geschichte erfrischend aus dem Genre der Phantastik heraus. Nebenbei erfährt man einiges über die Stadt Hannover, ein wahrlich ungewöhnlicher Ort für einen solchen Roman. Absolut lesenswert für Fans von ungewöhnlichen und vor allem humorigen Geschichten.

Der Roman erschien 2009 bei Heyne. 2015 folgte ein E-Book-Release bei Fischer-Digital. »Fledermausland« ist überall dort erhältlich, wo es Bücher und E-Books gibt.