Design trifft auf Physik

Quelle: Mapio.net

Eigentlich wollte ich diesen Text gestern schon schreiben, aber dann hatte ich gestern Abend einen solchen Knoten im Kopf, dass gar nichts mehr ging. Grund dafür ist ein Mehrfamilienhaus, das wenige Schritte von uns entstehen wird und für das ich mit der Durchbruchsplanung beauftragt wurde.

Die Wohnungen sind inzwischen längst verkauft. Bei den Preisen pro Quadratmeter schätze ich mal, dass die Käufer wieder vorwiegend aus der ganzen Republik kommen und keine Einheimischen sein werden. Vermutlich ältere Leute, die ihr Haus verkauft haben und nun in eine Wohnung ziehen, die genausoviel kostet wie anderswo ein Haus oder eine Villa. Das Architekturbüro aus Österreich hat schicke Exposés erstellt, computeranimierte, realistisch aussehende Fotos zeigen moderne Wohnungen.

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Das sieht alles wunderbar aus und wäre auch toll, wenn nicht die Physik wäre. Ich habe nämlich nun die schwierige Aufgabe, die Versorgungs- und Entwässerungsleitungen für das Gebäude festzulegen. Da ist es hinderlich, wenn in einem vierstöckigen Gebäude mit Keller, die Bäder und WCs in jeder Wohnung an einer anderen Stelle sind und sich unter und über den Bädern Wohn- oder Schlafräume befinden. Bei denen das Abwasserrohr dann genau durchs Bett verlaufen würde. Außerdem wird gern vergessen, dass Abwasserrohre oben offen sein müssen, damit das Wasser auch ablaufen kann. Sprich, jedes Abwasserrohr muss auf dem Dach in einer Entlüftung enden. Das Abwasserrohr, das vom Erdgeschoss in den Keller führt, muss also auch durch die Obergeschosse und durchs Dach. Wenn die Bäder also nicht übereinander liegen heißt das: ich brauche für jede Wohnung mindestens einen Strang, der sich durch alle Etagen zieht. Wenn Badewanne, Toilette oder Dusche sich auch noch an verschiedenen Seiten des Bads befinden, brauche ich zwei Abwasserrohre. Diese einfach so über den Boden zu verlegen, geht nur bei kurzen Distanzen, weil die Rohre ein Gefälle haben müssen, damit das Wasser nicht stehenbleibt, sondern abläuft. Und dazu reicht der Fußbodenaufbau in den meisten Fällen nicht.

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Man sieht, so eine Abwasserplanung ist hochkomplex. Zusätzlich kommen noch die Versorgungsleitungen mit Trinkwasser, Warmwasser sowie Vor- und Rücklauf für die Heizung hinzu. Auch hier gibt es Mindestlängen, die man einhalten muss, zum Beispiel wegen der Trinkwasserhygiene oder der Vorlaufzeiten fürs Warmwasser. Ich habe mir gestern erstmal den ganzen Tag den Kopf zerbrochen, wie man wo lang fahren könnte, um das Haus zu entwässern, ohne den Grundriss der Wohnungen zu ändern. Ich hatte dann zumindest drei von zehn Strängen die einigermaßen von unten bis oben durchgingen, wenn auch mit kleinem Versatz. Beim Rest scheitert es meist an der Entlüftung übers Dach. Sprich, ich komme mitten in der Terrasse bzw. mitten im Wohnzimmer hoch. Oder ich lande im Kellerflur, der als Brandabschnitt gekennzeichnet ist. In diesen darf man nur Rohre oder Leitungen verlegen, die nicht brennbar oder schwer entflammbar sind, bzw. die speziell abgeschottet werden müssen, damit der Brandschutz eingehalten wird. Was extreme Mehrkosten verursacht.

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Die Wohnraumlüftung ist auch noch nicht perfekt. Vor allem im Dachgeschoss schaffen wir die vorgegebenen Maße des Herstellers nicht und müssen die Abluftstränge notfalls über den Boden ziehen. Das geht zwar, kostet aber wieder mehr.

Am Montag kommt der Architekt vorbei. Ich bin gespannt, was er sagt. Beim Hausbau ist der Spruch »form follows function« nämlich zwingend. Wasser richtet sich immer nach der Physik und nie nach dem Design.

Ich im Fitnessstudio

Bevor ich mich ab nächste Woche für 14 Tage in den Urlaub verabschiedete, hatte ich diese Woche noch einen spannenden Außeneinsatz auf Arbeit. Ich habe ein Fitnessstudio besucht, beruflich. Dort mussten die Bestandsunterlagen aktualisiert werden und weil bekanntlich gerade alle Fitnessstudios geschlossen sind, kam der Termin gerade passend.

Ich muss gestehen, dass ich noch nie in einem Fitnessstudio war. Auch nicht, als das Gebäude 2017 gebaut wurde und ich die Planung dafür gemacht habe. Ich kannte das Objekt also nur von Plänen und sah es zum ersten Mal in echt.

Ein bisschen beindruckend ist das schon. Bei einer Grundfläche von fast 1000 Quadratmetern mit großem Wellnessbereich ist das auch nicht schwer. Beeindruckend ist die Fülle an »Folter«-Geräten, die dort aufgestellt sind. Die riesige Lüftungsanlage, der 3 x 250 A Hausanschluss (das Anschlusskabel hat einen Durchmesser von 12,6 cm) und der drei Meter breite und zwei Meter hohe Verteilerschrank stehen dem in nichts nach.

Ich bin kein Fan von Fitnessstudios, aber die Besitzerin kann einem echt leid tun. Das Studio ist jetzt seit November geschlossen, die Mitarbeiter in Kurzarbeit auch die Azubis. Hilfen vom Staat kommen spät und dann viel zu wenig, um überhaupt die Ausgaben zu decken. Noch gibt es keine Aussichten, wann sie wieder aufmachen dürfen, obwohl sie sich ein echt tolles Hygienekonzept ausgedacht haben. Einbahnstraßen, jedes zweite Gerät abgesperrt, Wellnessbereich geschlossen und nur eine begrenzte Anzahl an Besucher pro Stunde erlaubt. Ich meine, selbst wenn da zwanzig Leute pro Stunde auf der großen Fläche unterwegs wären, würden die gar nicht auffallen. Die würden sich dort verlieren. Dennoch darf das Studio nicht öffnen.

Die Besitzerin hat sich an den Verband der Fitnessstudios gewandt und der hat bei der Bundesregierung nachgefragt, warum trotz Hygienekonzept die Fitnessstudios nicht öffnen dürfen. Antwort vom Ministerium: Weil Fitnessstudios nur 0,… Prozent vom Bruttosozialprodukt erwirtschaften, also nicht systemrelevant sind. Es geht also gar nicht so sehr darum, dass sich Leute dort anstecken könnten. Es geht viel mehr darum, dass die Leute allgemein nicht mobil sind und sich nicht zufällig draußen treffen könnten.

… Deshalb auch die Ausgangsperren, die übrigens bei uns im Landkreis seit Dezember bestehen und so gar nichts gebracht haben. Die Inzidenzen sind nach wie vor im dreistelligen Bereich. Im Gegenteil, ich behaupte, die Inzidenzen sind genau wegen der Ausgangssperren hochgegangen, weil die Leute sich nämlich heimlich treffen und dann die ganze Nacht bei den Freunden und Bekannten verbringen. Ich habe von Leuten gehört, die gesagt haben, dass sie nie bessere Partys gefeiert haben, als wie in dieser Zeit, weil keiner nüchtern bleiben musste, um die Kumpels heimzufahren …

Zurück zum Fitnessstudio. Ich hoffe, das die bald wieder aufmachen dürfen, vielleicht auch nur für Geimpfte und Getestete. Denn das Fitness für ein starkes Immunsystem extrem wichtig ist, interessiert anscheinend keinen Politiker.

Ich, das Alien im Online-Seminar

Gestern hatte ich mein erstes Online-Seminar. Veranstalter war der TÜV-Süd und es ging um Sicherheitsbeleuchtung. Das Thema ist ziemlich trocken, das hat sogar der Referent zugegeben. Von Arbeitsschutz über Baurecht, zu Verordnungen, Richtlinien und Normen, ich glaube, ich hab noch nie über so viele Vorschriften und Anweisungen zu einem Thema auf einmal gehört. Obwohl ich mich in meiner Vergangenheit viel mit DIN- und VDE-Normen beschäftigt habe. Meine Anerkennung dafür, dass der Referent fast acht Stunden lang (mit drei kurzen Pausen) darüber erzählt hat. Am Ende konnte ich dann allerdings das Wort »Maßnahmen« nicht mehr hören. Vor allem aber ging mir das »et cetera pe pe« auf den Keks, was er gefühlt jedem dritten Satz fallen ließ.

Ich war mal wieder die einzige Frau unter den zirka zehn Teilnehmern. Ich weiß nicht, warum es in der Branche so wenig Frauen gibt. In vielen Planungsbüros arbeiten auch Frauen. Jedenfalls fühlte ich mich wie ein Alien, als die Dame vom Organisationsteam am Ende noch ein paar abschließende Worte sprach und herausfand, dass eine Frau teilgenommen hatte. »Eine Frau!« rief sie freudig aus, »Wir haben heute sogar eine Frau dabei.« Nun, ich gönnte ihr die Freude.

Online-Seminare sind einerseits recht praktisch. Man kann zuhause bleiben, spart Benzin und Spesen und kann bei ausgeschalteter Kamera auch nebenbei mal schnell was anderes machen. Ich hab zwei paar Babysöckchen gehäkelt. Es ist aber kein Ersatz zu einem Seminar im echten Leben. Es fehlt der persönliche Kontakt, der Erfahrungsaustausch. Man lernt die anderen Teilnehmer nicht kennen, man sieht die Leute nicht mal. Es gibt keine Geschichte zu hören und kaum einer traut sich Fragen zu stellen. Diskussionen finden überhaupt nicht statt. Das ist schade, weil sie eigentlich ein wichtiger Teil solcher Seminare sind. Man erfährt so, wie andere ein Problem gelöst haben, was man vielleicht selbst hat.

Mal sehen, ob ich je wieder in irgendeiner Form solche realen Seminare besuchen kann. Im Moment kann ich mir das gerade nicht vorstellen.

An der heißen Strippe

Am Donnerstag war Hotline-Tag. Ich verbrachte an diesem Tag viel Zeit mit Hotline-Telefongesprächen oder hing in -Warteschlangen.

Hotlines können, sofern sie gut organisiert sind, absolut hilfreich und in manchen Fällen sogar lebensrettend sein. Beruflich muss ich öfters bei diversen Hotline anrufen, meist geht es um technischen Support für irgendwelche Geräte oder für die Software, mit der ich arbeite. Meistens rufe ich an, wenn ich etwas nicht weiß, oder etwas nicht so funktioniert, wie es sollte. Für das CAD-Programm mit dem ich arbeite, müsste mein Chef eigentlich Rabatt bekommen, dafür, dass ich so viele Programmierfehler finde. Nebenbei lernt man da viele interessante Leute kennen und seit Corona, drehen sich die Gespräche nicht mehr nur um die Software, sondern um Allgemeines, die Arbeit im Homeoffice oder darum, wie jeder mit der Situation klarkommt. Manche Leute haben echt ein Bedürfnis, mal mit jemandem über etwas anderes zu reden. Bei manchen hört man die Kinder im Hintergrund quieken. Die Leute sind wahrscheinlich froh, wenn sie irgendwann wieder in ihre Büros zu ihren Kollegen zurückkehren können.

Nervig wird es, wenn man zunächst ewig in einer Warteschlange festgehalten wird. Bei einigen Firmen meldet sich dann zumindest jemand, der das Problem notiert, und man wird wenig später zurückgerufen. Auch das hatte ich am Donnerstag. Helfen konnte mir der Mann damit zwar nicht, aber es war okay.

Richtig doof war es, als ich dann nach Feierabend die Pakethotline von DHL anrufen musste, weil mein Paket laut Sendungsverfolgung in der Packstation lag, sich aber mit dem Strichcode auf der Benachrichtigungskarte nicht aus der Packstation abholen ließ. Die behauptete stur, dass ihr die Nummer unbekannt sei. Zuerst musste ich mindestens drei mal die Sendungsnummer laut aufsagen, bis mich der Computer verstanden hat und mich zu einem Mitarbeiter weitergeleitet hat. Dann hing ich eine geschlagene Viertelstunde in der Warteschlange, bis sich jemand meines Problems annahm. Der Mensch konnte mir dann sogar helfen und hat mir eine neue Nummer durchgesagt, die ich in die Packstation eingeben musste. Das hat zwar alles geklappt, aber die Zeit, die ich dabei am Telefon vergeudet habe, hätte ich gern anders genutzt.

Auf dem Bau gibts kein Corona

Meine Hoffnung, dass sich mit dem Jahreswechsel die angespannte Lage in meinem Job legt, ist nach einem Monat im neuen Jahr geschwunden. Nicht nur, dass es so chaotisch weiterläuft, auch die Leute werden immer irrer.

Während andere im Homeoffice sitzen oder Kurzarbeit schieben, arbeiten meine Kollegen draußen an der Front. Die Baustellen gehen weiter, müssen weitergehen, allen Corona-Beschränkungen zum Trotz. »Systemrelevant« heißt das Zauberwort. Dabei treiben vor allem die Baufirmen die Baustellen voran. Kaum liegt kein ganzer Meter Schnee mehr, scharren sie schon mit den Hufen und treiben die Handwerker und Planer vor sich her. Dabei wird übersehen, dass die Bauherren, also die Leute, die dann später mal in die Häuser und Wohnungen ziehen, weder in ein Küchenstudio noch in eine Badausstellung der Großhändler gehen können, um sich beraten zu lassen. Ich versuche, so viel wie möglich telefonisch zu klären, aber das geht leider nicht immer. Manche Dinge kann man nicht über eine Telefonleitung zeigen.

Schneller, höher, größer! Noch ein Haus und noch eins und noch eins. Die Zinsen sind niedrig, die Reichen haben Geld. (Wer arm ist, kann es sich ohnehin nicht leisten, zu bauen.) Die Bauherren können sich nicht entscheiden, was sie wollen, zögern vieles hinaus, erwarten dann aber, dass alles sofort und gleich fertig ist, wie bei Amazon. Dabei sind die Angestellten der Großhändler im Homeoffice oder in Kurzarbeit und nur bedingt zu erreichen. Von den Lieferschwierigkeiten will ich gar nicht erst anfangen. Wenn ich auf das Angebot für eine Leuchte schon vier Wochen warten muss, wie lange warte ich dann erst auf die Leuchte selbst.

Die Leidtragenden sind immer die Handwerker, die ihre Gesundheit riskieren, weil … Maskenpflicht hin oder her. Bei dem Wetter gibt es in den Rohbauten meist nur einen beheizten Raum, in dem man sein Frühstück einnehmen kann. Den Büroangestellten der Handwerksbetriebe wird übrigens nahegelegt, möglich nicht ins Homeoffice zu wechseln, aus Solidarität den Angestellten gegenüber, die raus auf die Baustellen müssen.

Vielleicht würde man die Inzidenz runter bekommen, wenn man einfach mal für drei Wochen die Baustellen im Land dicht macht. (Über die Feiertage und im Januar wäre eine gute Zeit dafür gewesen.) Die meisten Baustellen sind nicht systemrelevant. Krankenhäuser und Infrastruktur nehme ich mal aus, aber der Häuslebauer kann es verkraften, wenn sein Häuschen ein bisschen später fertig wird. Und die Planer hätten endlich wieder mehr Zeit, um richtig zu planen. Denn momentan habe ich den Eindruck: es wird erst gebaut und dann geplant. Das dann vieles schief geht, braucht eigentlich keinen zu wundern.

Neuer Arbeitsplatz

Nach zwei Wochen daheim (Urlaub und krank) durfte ich diese Woche meinen neuen Arbeitsplatz beziehen. Der Chef hat mir und meinem Kollegen aus der Planung ein neues Büro samt Einrichtung spendiert. Neben einer Lüftungsalage gibt es bald ein Klimagerät, damit sind wir dann auch für den Sommer gerüstet.

Die schicken Schränke muss ich noch komplett einräumen. Das habe ich diese Woche nicht geschafft, weil einfach keine Zeit dafür war. Wenn man 14 Tage nicht im Büro ist, bricht alles über einen herein. So kam ich diese Woche mit zwei Kundenterminen, einem Baustellentermin (bei Eiseskälte) und einer Schulung kaum dazu, meine 729 E-Mails zu bearbeiten, geschweige denn meine Arbeit komplett zu erledigen.

Absolut Nervig ist zudem das Update der CAD-Software. Die Programmierer haben es echt geschafft, aus einem gut durchdachten und intuitiven Programm eine Katastrophe zu machen, nur weil sie in Zukunft auf Fenster verzichten wollen. Stabil läuft das Ding auch noch nicht – ich hatte wieder zwei Abstürze – und ergonomisch ist es unter aller Kanone. Ich sitze jedesmal nach dem Öffnen des Programms da und überlege, wo ich klicken muss, damit sich die Zeichnung öffnet – der entsprechende Button ist nämlich ausgegraut. Das habe ich denen von der Hotline schon ein paar mal reingedrückt, aber auf Anwender hört niemand. Ich verstehe es einfach nicht. Wieso muss man etwas verbessern, was perfekt war?

Zumindest hatte ich am Donnerstag die E-Mails auf 230 eingedämmt und die wichtigsten Pläne gezeichnet. Die Angebote werden dann kommende Woche folgen. Ich bin mir aber sicher, dass, wenn ich am Dienstag komme, die E-Mails wieder auf 400 angewachsen und gaaanz dringende andere Projekte zuerst zu erledigen sind.

Seufz! Kennt jemand das Gefühl, wenn die Arbeit immer mehr und mehr wird und man nicht mehr weiß, wo man zuerst anfangen soll. Wenn man dadurch völlig frustriert ist und sich am liebsten weinend unter den Schreibtisch verkriechen möchte. So geht es mir seit Wochen. Und dabei habe ich jetzt sogar einen Kollegen, der mir einen Teil der Arbeit abnimmt. Zum Glück, sonst hätte ich schon kapituliert.

Aber diese blöde Mehrwertsteuersenkung sorgt dafür, dass die ohnehin überlasteten Handwerksbetriebe noch weiter getrieben werden und ihre Mitarbeiter regelrecht verheizen müssen, damit die Bauherren ja die drei Prozent weniger Mehrwertsteuer kassieren können. Es ist eine Farce. Und dann bekommen auch noch diejenigen in den Ämtern und im Managment, die sich ins Homeoffice verkriechen dürfen, einen Steuervorteil, während die, die raus an die Front müssen, wie Handwerker, Verkäuferinnen und Krankenschwestern, wiedermal nichts davon haben. Aber was rege ich mich auf …

Ich genieß den Stress dann einfach im neuen Büro.

Neues Büro

Panoramaaufnahme

Seit Juni habe ich einen neuen blutjungen Kollegen, der mich bei der Planung unterstützt. Weil es deshalb etwas eng in unserem kleinen Großraumbüro geworden ist und nicht alle Platz haben, hat der Chef beschlossen, dass die Planungsabteilung jetzt eine Etage höher ins ehemalige »Technikkammerl« zieht.

Dort lagerten bis jetzt allerlei Messgeräte und Computerzubehör in hohen Regalen. Der Raum wurde ausgeräumt und mit einem neuen Bodenbelag ausgelegt. Ich war richtig baff, als ich letzte Woche einen Blick riskiert habe. So groß hatte der Raum bisher gar nicht ausgesehen. Es gibt sogar eine Tür, die raus auf den Balkon führt. Da komme ich vielleicht öfters mal an die frische Luft. (Obwohl wir einen schönen Lüfter bekommen werden, wie man am Loch in der Wand unschwer erkennen kann.)

Jetzt muss nur noch der Schreiner die Möbel einbauen, dann können mein Kollege und ich einziehen. Ich freue mich jedenfalls schon.

Haus aus dem 3D-Drucker

Nicht nur aus beruflichen Interesse fand ich eine Meldung interessant, die ich heute gelesen habe. In Belgien haben Studenten und Mitarbeiter einer Universität zum ersten Mal ein zweistöckiges Wohnhaus mittels eines 3D-Druckers gebaut. Statt mehrerer Monate hat der Bau nur ein paar Wochen gedauert. Wer sich das Video ansieht, kann sehen wie der Beton Schicht um Schicht aufgetragen wird. 

Das Konzept halte ich durchaus für zukunftstauglich. Vielleicht nicht in den nächsten zehn Jahren, aber darüberhinaus kann ich mir gut vorstellen, dass so gebaut werden kann. Die 3D-Technik hat in der Planung von Gebäuden schon längst Einzug gehalten. Ich plane beispielsweise die Haustechnik von Häusern in 3D. Das Zauberwort heißt Building Information Modeling, kurz BIM. Der BIM-Standard soll bis 2022 für alle öffentlichen Bauten vorgeschrieben sein. Das heißt, die Architekten müssen für eine Baugenehmigung ein 3D-Modell einreichen. Das Problem, viele sind noch nicht so weit. Vorreiter sind da eher die Planungsbüros.

Das tolle an BIM ist, dass jedes Gewerk mit demselben Modell arbeitet, man also schon in der Planungsphase checken kann, ob es Kollisionen zwischen Abwasser und Stromleitungen oder Lüftungskanälen und Trinkwasserleitungen gibt. Man kann damit ein Haus inklusive Leitungen komplett durchplanen. Anhand des Modells lässt sich beispielsweise auch ausrechnen, wieviel Energie für die Heizung benötigt wird, oder man kann simulieren wie warm die Zimmer im Sommer werden, um Verschattung oder Klimaanlagen richtig auszulegen. Das ist alles heute schon möglich.

Viele werden jetzt aufschreien, dass diese Technologie Arbeitskräfte kosten wird. Ich kann da beruhigen, wenn die Entwicklung des Arbeitskräftemangels so weitergeht, werden wir um 3D-Drucker auf dem Bau nicht umhinkommen. Erstens will die Arbeit keiner mehr machen und zweitens, bei dem Pfusch, den ich in den letzten Wochen auf den Baustellen live erlebt habe … wird das irgendwann zwingend notwendig sein. Natürlich ist keine Technologie fehlerfrei. Es wird auch hier Menschen geben müssen, die koordinierend eingreifen müssen.

Planen, Bauen, Wohnen

… so sollte die Reihenfolge eigentlich sein. In letzter Zeit hat sich das irgendwie umgekehrt.

Diese Woche war schlimm. Dass hat man vermutlich schon daran gesehen, dass ich so gut wie nicht bloggen konnte. Dafür glaubte ich bisweilen, die Welt sei ein Irrenhaus und ich arbeite in der Zentrale. Irgendwie scheint die Gesellschaft nach Pfingsten den Corona-Lockdown-Schalter umgelegt zu haben und müsse jetzt alles wieder aufholen. Da kommen Bauherren mit skurrilen Ideen aber ohne Ahnung. Da werden Angebote angefragt für Objekte, für die schon mal die Baugrube ausgehoben wird. So nach dem Motto, wir fangen schon mal an, planen können wir später noch. Da wird Schritt B vor Schritt A getan und dann herumgemeckert, wenn etwas nicht klappt oder fehlt. Die Kunden wollen moderne Hightech, aber zum Schnäppchenpreis und möglichst am nächsten Tag. Zeit und Geld ist im Handwerk momentan zur Rarität geworden.

Leute, dass funktioniert so nicht. Ein Handwerker ist nicht Amazon. Da stehen nicht nur die Produkte auf der Rechnung, sondern auch die erbrachte Arbeitszeit. Auf der einen Seite will man SmartHome (ohne sich richtig bewusst zu sein, was das bedeutet bzw. was es eigentlich machen soll) andererseits darf es aber nichts kosten und soll möglichst sofort erledigt sein. Das ein Handwerksbetrieb mehrere Baustellen hat, scheint niemanden zu interessieren. Manche Kunden denken, wenn man den Auftrag angenommen hat, ist man ihr persönlicher Sklave, der zu jeder Tages- und Nachtzeit zur Verfügung stehen muss.

Am Schlimmsten empfinde ich die mangelnde Zeit. Ein Ein- oder Mehrfamilienhaus mit Elektro, Sanitär und Heizung auszustatten, plant man nicht mal so an einem Vormittag. Ich hatte diese Woche mehrfach das »Vergnügen« mal schnell einen Plan zu machen. Wenn meine Kollegen damit am nächsten Tag auf die Baustelle fahren, ist der wahrscheinlich nicht mal mehr das Papier wert, auf dem er gedruckt ist. Weil sich die Bauherren über Nacht wieder was neues ausgedacht haben. Ständige Planänderungen sind keine Seltenheit und Zeit dafür, sie einzuarbeiten, bekommt man natürlich auch nicht. Ich muss also versuchen, das irgendwie aus dem Ärmel zu schütteln und nebenbei noch die Beschwerden der Kunden am Telefon und per E-Mail entgegennehmen, wenn aus genau diesen Gründen mal wieder was schief gegangen ist. Dann darf man sich Beschimpfungen anhören und wird angemotzt, obwohl man meist gar nichts dafür kann.

Ich ahne, warum es so viel Pfusch am Bau gibt. Nein, das liegt meist nicht an den Handwerkern, sondern ganz oft auch an den Bauherren, die sich nicht entscheiden können oder ihre skurrilen Wünsche einfach nicht rechtzeitig äußern. Aber auch an einigen Architekten, die nicht nachdenken und die unbedingt das Bad über dem Wohn/Esszimmer ohne Wände anordnen, weil das ja so modern ist. (Eine Badewanne im Schlafzimmer ist übrigens nichts ungewöhnliches.) Solche Leute scheinen zu glauben, dass Wasser und Strom wie W-Lan sind und sich rohr- bzw. kabellos über die Luft übertragen bzw. abfließen.

Ich weiß, warum kaum einer Handwerker werden will. Es ist körperlich schwere Arbeit, zeitintensiv (also kein Job von neun bis fünf) und wird schlecht bezahlt. Wenn man dann auch noch von den Kunden behandelt wird, als wäre man der letzte Depp, macht das wirklich keinen Spaß. Ich bin jedenfalls froh, dass heute Freitag ist.