Im Gegensatz zum tristen Samstag überraschte uns der Sonntag mit strahlend blauem Himmel. Ich machte gleich ein paar Fotos aus dem Hotelzimmer.
Nach dem Frühstück packten wir unsere sieben Sachen und machten uns auf den Rückweg. Schnell waren wir aus Karlsruhe heraus und auf der A8. Die war schon recht bevölkert. Zwar kamen wir bis Stuttgart gut durch, standen aber anschließend mehrere Kilometer im Stau.
Weil wir noch Zeit hatten, schlug ich vor, von der Autobahn abzufahren und in Blaubeuren Mittagessen zu gehen. Die Parkplatzsuche gestaltete sich schwierig, wir fanden erst einen am Ortsausgang. Dafür war in der Stadt trotz schönstem Sonnenschein und warmen Temperaturen erstaunlich wenig bis gar nichts los. Fast alle Restaurants oder Gaststätten hatten entweder Urlaub oder waren geschlossen. Die Touristen und Ausflügler irrten durch die Straßen. Das einzig offene Lokal, was wir fanden, war ein Italiener der mit kreativer Küche warb. Hier ergatterten wir die letzten freien Plätze. Die vegetarische Pasta war schmackhaft und auch die Preise waren moderat, man kann das Lokal also weiterempfehlen. Warum die anderen Gaststätten an einem Sonntagmittag im Hochsommer nicht offen hatten, wissen wohl nur sie selbst. Denn der Andrang an Gästen bei dem Italiener war so groß, das viele weggeschickt werde mussten. Denen blieben nur die Imbissbuden rund um den Blautopf.
Nach dem Essen bewunderten wir das türkisfarbene Wasser des Blautopfs. Die Quelle des Flüsschens Blau sollte man einmal mal besucht haben. Wenn möglich bei Sonnenschein, damit die Farben richtig zur Geltung kommen. Ich machte eine Menge Fotos, weil ich mich nicht sattsehen konnte. Von dort spazierten wir zurück zum Auto und fuhren ins wenige Kilometer entfernte Ulm, die Verwandtschaft besuchen.
Die Heimfahrt über die Autobahn und die baustellengeplagte B304 zog sich am Abend scheinbar ewig hin. Bei Wasserburg stauten sich die Autos sogar auf der Gegenspur über mehrere Kilometer. Das hatte ich auch noch nicht erlebt. Aber wir kamen heil daheim an und das ist das Wichtigste.
Brücken-Restaurants gibt es nicht nur an der Autobahn
Der Samstag begann trist, außerdem hatten wir verschlafen. Wir gingen – für unsere Verhältnisse ziemlich spät – erst nach neun Uhr frühstücken. Wie immer war das Frühstück im Hotel reichhaltig und schmackhaft. Dieses Mal schmeckte auch der Kaffee. Da hat sich die Investition in eine neue Kaffeemaschine gelohnt.
Ich fühlte mich, analog zum tristen Wetter draußen, ein wenig deprimiert. Da hilft meist ein ausgedehnter Spaziergang. Mein Mann wollte sich den Campus des KITs (Karlsruher Institut für Technologie) ansehen und so schlenderten wir quer durch die Südstadt nach Norden. Trotzdessen es immer wieder leicht nieselte, war es ziemlich warm. Ich hatte die Regenjacke übergezogen und schwitzte die ganze Zeit.
Es gibt eine Menge sehr schöner Ecken in Karlsruhe, Parkanlagen zwischen den Häuserfronten, durch die schmale Wege führten. Viele alte Bäume und auch sonst viel Grün. Dann wieder weite Anlagen mit großen modernen Betonbauten, Springbrunnen und glänzenden Fassaden, ein Brücken-Restaurant und Gassen wie in einer Kleinstadt. Wir ließen uns durch die Stadt treiben.
Ich marschierte wie immer zielstrebig voran und stieß dabei unbeabsichtigt auf die Rotlichtmeile der Stadt. Ehrlich, ich war völlig verblüfft, als wir plötzlich in die Brunnenstraße abbogen und mitten zwischen Laufhäusern und Erotic-Bars standen. Es war Samstagvormittag und das einzige, was sich in der Straße bewegte, waren die Lieferwagen. Dennoch saßen ein paar Damen in den Schaufenstern der Etablissements und warteten auf Kundschaft. Wir stiefelten hindurch, als wäre es nur eine von vielen Straßen. Auf der Kreuzung dahinter waren schon die ersten Gebäude des KITs zu sehen, doch in dem Moment hattet mein Mann nur Augen für … nein, nicht das was jetzt manchen denken … das Autohaus auf der anderen Straßenseite. Dort standen ein paar Old- und Youngtimer im Schaufenster, die mussten genauer betrachtet werden. Die freizügigen Damen in der Brunnenstrasse, waren für ihn hingegen nicht so interessant gewesen. Sehr brav!
Vom KIT-Campus steuerten wir das Schloss an. Die Fassade ist auch tagsüber beeindruckend, nicht nur wenn die Projektoren auf sie gerichtet sind. Das Gelände rund ums Schloss war nur mäßig besucht, einige wenige Touristen drängten ins Museum für Kulturgeschichte. Wir saßen ein Weile davor und bewunderten die Anlagen. Als es anfing stärker zu regnen, gingen wir weiter.
Wir wollten etwas nachholen, was wir beim letzten Mal nicht geschafft hatten – einen Besuch im »Cats Café« in der Kaiserpassage. Das Münchner Katzen-Café haben wir bereits zweimal besucht und wollten uns nun das Katzen-Café mit den meisten Katzen in Deutschland ansehen. Es ist überraschend groß, es gibt 13 Katzen und außer lecker aussehendem Kuchen auch veganes und vegetarisches Essen. Kurz nach zwölf war es schon ziemlich voll, die meisten Tische waren reserviert. Da wir nicht vor hatten, allzu lange zu bleiben, setzten wir uns an einen Tisch, der ab 13 Uhr reserviert war. Die Einrichtung des Cafés ist recht originell und man sieht, dass dabei viel von Hand selbst gestaltet wurde. Überall gibt es Schlafplätze für Katzen und sogar eine kleine Terrasse, wo Gäste essen und die Vierbeiner frische Luft schnappen können. Das Desinfizieren der Hände vor dem Eintreten ist Pflicht und ein Regelwerk auf jedem Tisch klärt die Besucher über das richtige Verhalten auf. Die Bedienung war ausgesprochen freundlich. Wir bestellten eine Flasche Wasser und »Schwäbische Lasagne«. Das einzige, was mich störte, war die Wärme. Ich schwitzte und fühlte mich wie in den Tropen. Den Katzen schien es nicht zu warm zu sein, sie spazierten unter den Tischen hindurch und ließen sich von den Besuchern streicheln. Manch ein Gast spielten mit ihnen, andere machten Fotos oder filmten. Es waren vor allem sehr viele junge Leute da. Ich glaube, wir fielen wegen unseres Alters schon auf.
Kurz vor ein Uhr gingen wir wieder. Draußen waren die Temperaturen angenehmer und es hatte auch aufgehört zu regnen. Nach einem kurzen Zwischenstopp im »Füllhorn«, einem riesigen Bioladen, spazierten wir zum Hotel zurück. Ich duschte ausgedehnt und am späten Nachmittag genehmigten wir uns noch einen Kaffee im »Tante Emma«. Anschließend organisierten wir uns im Hauptbahnhof noch eine Kleinigkeit zum Abendessen.
Der Abend zeigte sich verregnet, so dass wir nicht, wie geplant, nochmal zu den Schlosslichtspielen gingen.
Lauschige Parks …… Pflaster-Kunst …… und kuschelige Miezen
Den sonnigen Vormittag nutzen wir in Heidelberg zu einem Spaziergang durch den Schlossgarten. Der Schlossberg ist zwar steil, aber so kurz, dass wir binnen fünf Minuten oben waren. Die ausgedehnte Parkanlage ist kostenlos, wohingegen man für den Besuch des Schlosses und des Schlosshofs Eintritt zahlen muss. Wir verschoben das auf einen späteren Zeitpunkt und bummelten lieber durch den in Terrassen angelegten Schlossgarten, der eine unglaubliche Aussicht auf Heidelberg bietet. Man versteht, warum die Stadt bei Touristen so beliebt ist. Es ist die Lage im engen Flusstal, das sich zu einer weiten Ebene öffnet, die bemerkenswert anmutet.
Für den Abstieg vom Berg nutzen wir einen verschlungenen Waldweg und standen alsbald in der historischen Altstadt. Hier jedoch dominierten wie scheinbar überall in Deutschland Baustellen das Bild. Am Neckar entlang bummelten wir zurück zum Bismarckplatz, von wo uns die Straßenbahn bis zum Hotel zurückbrachte.
Punkt 12 Uhr Mittags starteten wir zur nächsten Etappe unseres Kurzurlaubs. Es ging nach Karlsruhe. Wie immer um diese Jahreszeit. Die Schlosslichtspiele lockten und auch das Treffen mit dem Autor des Totengräber-Tagebuchs.
Überrascht davon, dass die beiden Städte so nahe beieinander liegen, kamen wir schon 40 Minuten später am Hotel AVISA an. Drehten hier aber drei Ehrenrunden, bis wir einen Parkplatz gefunden hatten. Nett, das uns die Dame an der Rezeption anbot, ihr Fahrzeug umzuparken, damit wir einen Stellplatz bekommen. Zum Glück fuhr aber gerade jemand weg. So nah am Bahnhof ist es nicht leicht einen Parkplatz fürs Auto zu bekommen. Ehrlich gesagt, war dies eine meiner größten Sorgen vor der Reise gewesen. Normalerweise reisen wir immer mit dem Zug an.
Nach einer Stärkung in unserem Lieblingscafé »Tante Emma« und einer längeren Ruhepause war es auch schon soweit, in Richtung Marktplatz aufzubrechen. Dort hatten wir uns u.a. mit Volker Langenbein verabredet, dessen »Totengräbers Tagebuch« ich unlängst hier rezensiert habe. Organisiert hat das Treffen Lektor und Mitautor Klaus N. Frick, der ebenfalls vor Ort war.
Es wurde ein lustiger Abend, mit leckerem Essen und spannenden Geschichten. Volker beantwortete mir noch die eine oder anderer Frage, die nach der Lektüre seines Buchs noch übrig geblieben war. Es blieb Zeit für ein Foto und die Signatur des Romans. Volker hatte sich extra auf einem Zettel notiert, was er mir ins Buch schreiben wollte. Das fand ich sehr nett und ich bedanke mich an dieser Stelle nochmal für seine lieben Worte.
Die Vorführung hatte längst begonnen, als wir zum Karlsruher Schloss aufbrachen. Wie immer saßen und standen viele Leute auf dem Platz vor dem Schloss. Leider war es schon so dunkel, dass man es nicht genau schätzen konnte, wie viele es wirklich waren. Mir kam es jedoch so vor, als wären es mehr gewesen, als in den Jahren zuvor.
Die ersten drei Präsentationen hatten wir verpasst, gerade aber begann »300 Fragments« von Maxin10sity, das für die ersten Schlosslichtspiele 2015 entworfen wurde. Es ist immer wieder ein Erlebnis die Show live auf der Fassade des Schlosses zu sehen und nicht nur als Clip bei YouTube. Dieses Mal standen wir ziemlich weit vorn im Schlosshof, also ganz nah dran. Die darauffolgende Präsentation »Noise3« hatten wir in den vergangenen Jahren auch schon gesehen, aber das anschließende »Our only blue One« von Maxin10sity war neu. Es ging um nichts Geringeres als die Geschichte des Universums vom Urknall bis heute, mit einem Ausblick auf die Zukunft. Eigentlich zwei Ausblicken: einem der eine vermüllte Erde zeigt und einem, in dem die Menschen in Harmonie mit der Natur leben, ohne das sie auf Wohlstand und Technik verzichten. Die Show entstand in Zusammenarbeit mit dem KIT (Karlsruher Institut für Technologie) und enthält eindrucksvolle Bilder aus unserem Kosmos.
Kurz bevor wir gingen, projizierte man noch eine Aufnahme von Alexander Gerst auf die Schlossfassade. Bei seiner Rede vom November 2018 von der Internationalen Raumstation an die zukünftigen Generationen – bei denen er sich entschuldigt, dass seine Generation, also wir, die Erde in keinem guten Zustand hinterlassen – bekam ich wiederholt Gänsehaut. Den Astro- oder besser Kosmonauten so überlebensgroß zu sehen, war echt beeindruckend und ein würdevoller Abschluss eines wirklich gelungenen Tages. Danke an alle indirekt Beteiligten!
Das Heidelberger SchlossHübsche Häuser neben der BaustelleAm NeckaruferMit Volker LangenbeinEindrucksvolle Show auf der Schlossfassade
Ich gestehe, wenn mich vor einer Woche jemand gefragt hätte, an welchem Fluss Heidelberg liegt, hätte ich erst überlegen müssen. Gestern Nachmittag und heute Vormittag habe ich es mit eigenen Augen nachprüfen dürfen.
Eigentlich wollten wir auf die schwäbische Alb zum Verwandtenbesuch, doch der musste krankheitsbedingt ausfallen. Wir entschlossen uns zu einer spontanen Planänderung. Da weder mein Mann noch ich je in Heidelberg gewesen sind, buchten wir kurzerhand ein Hotelzimmer und fuhren zum Feiertag (in Bayern zumindest) in die Stadt am Neckar.
Es regnete unterwegs und die A8 war ab Ulm ziemlich bevölkert, also fuhren wir über die Bundesstraße nach Ludwigsburg und anschließend über die A81 und die A6 nach Heidelberg. Wir hatten es nicht eilig und sahen so etwas vom schwäbischen Hinterland. Das kann übrigens idyllisch aussehen oder ziemlich industriell, je nachdem wo man entlangfährt. Blühende Landschaften gibt es dort auch nicht überall, wie man vielleicht glaubt. Manch kleiner Ort sah schon etwas heruntergekommen aus. Das erzähle ich hier nur, weil es im allgemeinen heißt, dass Schwabenländle wäre so reich.
In Heidelberg bezogen wir unser Hotel in der Nähe des Hauptbahnhofs, mit Gleisblick, aber einer unschlagbaren Verkehrsanbindung und Hoteleigenen Parkplätzen. Anschließend fuhren wir mit der Straßenbahn in die Altstadt und bummelten die Hauptstraße entlang. Die ähnelt der Kaufinger Straße in München, die gleichen Geschäfte und genauso viele Touristen. Sie ist nur schmäler und die Häuser älter.
Am Kornmarkt tranken wir einen Kaffee und beobachteten wie sich langsam aber bedrohlich der Himmel zuzog. Wir entdeckten die Bergbahn zum Schloß und beschlossen am nächsten Morgen dort hoch zu laufen, oder zu fahren. Dann fuhren wir mit dem Bus zum S-Bahnhof in der Altstadt, weil die Wolken immer mehr und immer dunkler wurden.
Am S-Bahnhof goss es in Strömen, doch als die S-Bahn kam und wir in der Weststadt ausstiegen, schien schon wieder die Sonne. Wir spazierten durch die ruhige Weststadt, entdeckten einen Fußweg, der auf einer ehemaligen Bahnstrecke angelegt worden war und aßen eine Kleinigkeit, bevor wir wieder ins Hotel gingen. Wieder zogen dichte Wolken auf, aus denen vereinzelt Regen fiel. So musste das Abendprogramm ausfallen.
Wer an Manhattan denkt, hat meist Hochhäuser und Straßen mit gelben Taxis im Kopf. Das es auf der Insel im Herzen New York Citys auch eine quicklebendige Tierwelt gibt, wissen nur diejenigen, die es erlebt haben. Und dabei rede ich nicht von den Mäusen und Ratten, die sich in den U-Bahnschächten tummeln und sich von der Bahnsteigkante gut beobachten lassen. (Das kann man übrigen auch in der Münchner U-Bahn.) Ich meine auch nicht die vielen Seevögel, die die Stadt und die Hafenanlagen bevölkern. Ich meine die Tierwelt in den Parks, dem großen Central Park, sowie den vielen kleineren Grünflächen, die es in der Stadt gibt.
Ich habe dort Waschbären gesehen und natürlich jede Menge Eichhörnchen. Genauer gesagt, das Amerikanische Grauhörnchen. Die sind etwas größer, als die bei uns heimischen Hörnchen und in den USA fast schon sowas wie eine Plage. Zugegeben, eine ziemlich niedliche Plage, wenn sie in den Ästen der Bäume umherspringen, oder auf den Wegen sitzen und die Passanten anbetteln. Die Eichhörnchen Manhattans sind an Menschen gewöhnt und können mitunter ziemlich dreist werden. Die Frechsten unter ihnen klettern einem schon mal die Hosenbeine hoch, wenn sie merken, das man etwas Fressbares in der Hand hält. Nur außerhalb der Innenstadt, beispielsweise in Flushing Meadow, verhalten sie sich noch wie scheue Wildtiere.
Ich war im Winter in NYC und da schlafen die Tiere eigentlich. Da sie jedoch auf Grund der begrenzten Fläche nicht genügend Wintervorräte anlegen können, sind sie in ihren Wachphasen oft am Betteln. Tierschützer haben damals aufgefordert, die Tiere mit Nahrung zu unterstützen. Deshalb hatte ich meist, wenn ich spazieren ging, eine Handvoll Erdnüsse in der Tasche, ungesalzen mit Schale, versteht sich. Das nebenstehende Foto zeigt mich und meine Mutter, wie wir im Januar 1999 im Washington Square Park ein Grauhörnchen füttern.
Das Amerikanische Grauhörnchen wurde übrigens nach England und Italien eingeschleppt und droht inzwischen das Eurasische Eichhörnchen zu verdrängen. Weshalb es in Großbritannien bereits zum Abschuss freigegeben wurde. Da die Tiere robuster sind, mehr Junge bekommen und eine Krankheit übertragen, gegen die das Eurasische Eichhörnchen nicht immun ist, wird es wohl nicht lange dauern, bis es auch bei uns heimisch ist.
Nebenstehendes Werbeplakat entdeckte ich vor ein paar Wochen auf dem Bahnhof. Da wirbt die Fluggesellschaft Condor mit einem Kilogramm Extra-Gepäck für Bücher.
Ernsthaft? Laufen der Fluggesellschaft jetzt die Kunden weg? Soll es eine Aufforderung des Buchhandels an die Urlauber sein, mehr zu lesen? Oder was soll die Aktion?
Ich bin früher gern mit Condor in den Urlaub geflogen. Früher heißt, vor zehn bis fünfzehn Jahren, als es noch keine Beschränkungen beim Gepäck gab, als noch kostenlose Mahlzeiten im Flieger serviert wurden und als es sogar noch Wein und Bier gab.
Ich erinnere mich an einen Flug auf die Kanaren, als jeder Fluggast eine Gürteltasche mit Zahnbürste und Kopfhörern bekam. Bei dem ich auf dem Rückflug eine Miniflasche Frankenwein getrunken habe und anschließend so beschwipst war, dass ich mir sogar den ersten Harry Potter-Film bis zu Ende angesehen habe. In dem Fall hätte auch das Flugzeug abstürzen können, ich war so blau, es war mir alles egal. Seitdem trinke ich definitiv keinen Alkohol mehr in Flugzeugen.
Was auch immer der Grund für die Werbekampagne ist, bin ich nach wie vor der Meinung, dass Fliegen heutzutage viel zu billig ist. Mir wäre lieber teurer und dafür mit besserem Service für alle Fluggäste. Da könnte man dann vielleicht auch mehr als ein Kilo Bücher mit in den Urlaub nehmen. Wobei die Vielleser wahrscheinlich eh einen E-Book-Reader dabei haben werden.
Man muss sich nur zu helfen wissen, dachte wahrscheinlich der Zugchef des Ersatz-ICE, mit dem ich unlängst unterwegs war. Weil mal wieder die Anzeigen nicht funktionierten, beschriftete er die Fläche mit einem weißen Filzschreiber.
Ich hatte die Fahrkarte schon vor Monaten gebucht. Etwa vier Wochen vor Reiseantritt bekam ich eine E-Mail mit einem Verspätungsalarm. Es hieß, der ICE würde ausfallen, dafür würde ein Ersatz-ICE eingesetzt. Bei dem funktionierten offensichtlich die Anzeigen nicht. Wenigstens lief die Klimaanlage auch bei Außentemperaturen von mehr als 35 Grad Celsius, und er fuhr. Was man von dem ICE 4, der normalerweise auf der Strecke eingesetzt wird, nicht sagen konnte. Die hatten ein Elektronik-Problem und waren allesamt kurzfristig aus dem Verkehr gezogen worden, bis der Hersteller eine Lösung gefunden hatte.
Früher war vieles einfacher, aber es funktionierte. Ich denke da an die Platzkartenhalter in die kleine Papierkärtchen eingeschoben wurden. Wenn heute die Anzeige ausfällt, fallen gleich die Leute übereinander her. Willkommen im Hightech-Zeitalter des Reisens!
Wir haben zwar keinen Urlaub, aber wenn man da wohnt, wo andere Urlaub machen, braucht man nur ein paar Kilometer zu fahren, um sich wie im Urlaub zu fühlen. Manchmal reicht auch schon ein Spaziergang vor der Haustür.
Weil uns das Olivenöl mit Limone ausgegangen ist, fuhren wir am Samstagvormittag nach Wasserburg. In der dortigen Filiale »Vom Fass« hatten wir das gewünschte Spezialöl beim letzten Mal gekauft. Wir fuhren also zeitig los, die Sonne schien, es war nicht allzu heiß und auch der Verkehr war nicht übermäßig. Doch dann, keine zwanzig Minuten später die erste Umleitung. Kilometerweit gondelten wir durch die Gegend, bis wir endlich wieder zur Bundesstrasse geleitet wurden. Dort erwartet uns gleich die zweite Umleitung. Als wir wenige Kilometer später auch noch die dritte Straßensperrung vor uns hatten, wollte ich am liebsten gleich wieder umdrehen. Doch da waren wir schon kurz vorm Ziel. Mein Mann fuhr weiter und so kamen wir etwas gestresst in Wasserburg an. Daher meine Empfehlung: die B304 momentan lieber meiden.
Im Parkhaus direkt am Inn bekamen wir auch einen der kostenlosen 4-Stunden Parkplätze. Es ist ohnehin nicht ratsam, durch die verwinkelte Innenstadt zu fahren. Ich frage mich immer wieder, warum die Leute es trotzdem tun. Parkplätze gibt es dort kaum und die Umfahrung über die Bundesstraße ist auch schneller. Egal! Wir spazierten über den Inn, ich fotografierte die in der Sonne schimmernden Fassanden über dem Fluss und tauchte anschließend in die Atmosphäre der mittelalterliche Innenstadt ein.
Wasserburg zeichnete sich durch eine Architektur aus großen alten Häusern aus, mit Lieden und Kreuzgängen unter denen man wandeln kann und in denen kleine Geschäfte und Boutiquen untergebracht sind. Die Fassaden sind schön hergerichtet, und vor den Cafés und Restaurants saßen die Leute auf der Straße, um zu frühstückten. Weil es vor zehn Uhr war, waren noch nicht alle Geschäfte geöffnet.
Wir suchten eine Weile nach der Filiale »Vom Fass« fanden sie aber nicht. Ein Blick aufs Smartphone genügte, um zu erfahren, dass das Geschäft vor ein paar Monaten geschlossen wurde. Vielleicht hätte ich mich vor der Fahrt informieren sollen. Wir bummelten also ein wenig umher, kauften in bei einer Drogeriemarktkette ein und fanden schließlich doch noch einen Laden, in dem man sich Öl, Wein und Spirituosen abfüllen lassen konnte. Die hatten auch das gesuchte Olivenöl und füllten es in unsere mitgebrachte Flasche.
Im Anschluss steuerten wir die Eisdiele an, in der wir immer einkehren, wenn wir in Wasserburg sind und holten uns ein Eis, das wir uns auf einer Bank vorm Rathaus schmecken ließen. Die Sonne schien inzwischen stärker und so verkrochen wir uns bald in den Schatten. Gegenüber vom Rathaus gab es einen Bio-Laden, in dem man unverpackte Waren in mitgebrachte Gefäße abfüllen konnte. Dort kauften wir Gemüse und Milch ein, weil unser Bio-Laden im Ort seit 1. August geschlossen hat.
Inzwischen war der Verkehr dichter geworden. Autokolonnen schoben sich lärmend durch die Straßen. SUV-Fahrer irrten auf der Suche nach einen Parkplatz umher, so dass man als Fußgänger aufpassen musste, damit man auf den schmalen Gehwegen nicht umgefahren wurde. Ich frage mich echt, warum die Stadt dem Verkehr nicht Einhalt gebietet. Die kostenlosen Parkhäuser sind keine 500 Meter entfernt. Was ist so schwer daran, die paar Schritte zu laufen? Ich würde eine Maut einführen oder den Innenstadtbereich nur für den Lieferverkehr und die Anwohner freigeben. Eine großzügige Fußgängerzone, würde der Stadt noch mehr Charme verleihen.
Wir machten also, dass wir wieder davon kamen. Für die Rückfahrt beschlossen wir nicht über die Bundesstraße mit den ewig langen Umleitungen zu fahren, sondern stattdessen querfeldein über die Dörfer. Das machte richtig Spaß. Es herrschte kaum Verkehr, die Aussichten waren idyllisch und man kam durch Orte mit lustigen Namen. Einer hieß »Bahnhof« und hatte sogar einen Gleisanschluss. Wir fuhren durch Pittenhart. Der eine oder andere wird den Ort aus der Serie »Bauer sucht Frau« kennen. Dort wohnt der Bauer, der die Thailänderin Narumol geheiratet hat.
Eine Dreiviertelstunde später erreichten wir, um viele tolle Ausblicke und neue Eindrücke reicher, unser Zuhause, wo Urlauber auf Fahrrädern den Ort bevölkern und auf dem Marktplatz jeden Montag die Blaskapelle spielt. Bayern pur! Wie im Urlaub eben.
Bereits vor einer Woche warf ich einen kritischen Blick auf den Wetterbericht. 100 Prozent Regenwahrscheinlichkeit am Sonntagabend, ließen mich schier verzweifeln. Da hatten wir schon im November Konzertkarten für ein OpenAir gekauft und dann sollte es ausgerechnet an jenem Abend regnen, an dem das Konzert stattfinden sollte.
Es kam, wie es kommen sollte. Seit Wochen herrschte supertrockenes und heißes Sommerwetter und ausgerechnet am Sonntagnachmittag fing es an, in Strömen zu regnen. Ich holte mein Regencape aus dem Keller, denn Regenschirme waren auf dem Konzertgelände, dem Stadtplatz von Traunstein, verboten. Als wir bei Regen vom Parkplatz zum Stadtplatz hinaufstiegen, verspürte ich eigentlich keine große Lust, obwohl ich mich riesig auf das Konzert gefreut hatte.
Doch kaum hatten wir das Gelände betreten und uns einen der regennassen Stühle gesucht, hörte es auf. Wir beobachteten wie sich der Platz nach und nach füllte. Viele Leute im Alter zwischen 30 und 50 kamen zusammen, einige ältere waren auch dabei. Die ganz Jungen waren definitiv in der Minderheit. Es gab Bier und Burger, vor allem aber Regencapes zu kaufen. Doch als die Band gegen halb acht auf die Bühne kam, hatte ich mich bereits meines Regencapes entledigt.
Während des Konzerts verfinsterte sich der Himmel bedrohlich. Die Leute um uns herum hüllten sich vorsichtshalber in ihre Capes. Auch ich zog Meines wieder an. Doch die Wolkenwand hellte sich alsbald wieder auf und es blieb bis auf ein paar harmlose Spritzer trocken.
Nach der dritten Zugabe gingen wir zum Auto zurück, um noch vor dem Verkehrschaos vom Parkplatz wegzukommen. Just in dem Augenblick als wir ausparkten, öffnete der Himmel seine Schleusen und es regnete. Das nenne ich mal Timing.
Die Bühnenshow begann mit einem Trauermarsch. Zwei Totengräber trugen einen Sarg herein. Die Bandmitglieder waren in schrille Kostüme gehüllt. Der Drummer trat als Skelett mit Knochen-Iro auf, der Bassist hatte eine Sägeblatt auf dem Kopf, was ihn auch wie einen Irokesen aussehen ließ, und der Keyborder war als Nonne verkleidet. Nachdem der Sänger dem Sarg entstieg, brandete der Jubel los. Die gut 1000 Leute auf dem Stadtplatz klatschten und pfiffen.
Was wie der Auftritt einer Death Metal Band klingt, war das Abschiedskonzert der EAV, der Ersten Allgemeinen Verunsicherung. Die Band macht nach vierzig Jahren Schluss, sind sie doch alle nicht mehr die Jüngsten. Ich kenne die Hits der östereichische Band seit den Achtzigern. Erst mit meinem Mann lernte ich die Band richtig kennen. In unserem CD-Regal stehen alle CDs der Gruppe. Ihr musikalische Repertoire ist erstaunlich umfangreich und ihre Texte stets kritisch. Das war auch während des Auftritts zu spüren. Sänger Klaus Eberhartinger verteilte immer wieder Spitzen gegen Politiker und Nazis und reflektierte das derzeitige Weltgeschehen.
Neben den bekannten Hits spielte die Band Lieder aus ihrer Anfangszeit, oder neue Songs. Es war sogar ein Lied dabei, das ich noch nicht kannte, obwohl ich bisher geglaubt hatte, alles schon gehört zu haben. Die großen Hits wurden von der Band moderner interpretiert, sie klangen Gitarrenlastiger und frischer, das gefiel mir gut.
Untermalt wurden die Lieder mit einer tollen Bühnenshow. Ich habe nicht gezählt, wie oft Klaus Eberhartinger und seine Bandmitglieder die Kostüme wechselten. Der Kern des Konzerts war sehr politisch. und gemeinsam mit den Kommentaren zwischen den Liedern fühlte man sich wie in einem politischen Kabarett.
Als Eberhartinger nach zwei Stunden wieder in den Sarg stieg, um die EAV endgültig zu beerdigen, bedankte er sich bei den Zuschauern für die rege Teilnahme an der »Trauerfeier«. Ich war nachhaltig beeindruckt. Es ist etwas anderes, wenn man eine Band live erlebt. Vor allem war ich heiser, weil ich fast jeden Song mitgesungen hatte.
Es war ein tolles Erlebnis, das ich nicht so schnell wieder vergessen werde.