Wohnen im Irrgarten

Zur Zeit gleicht unser Ort einem Irrgarten. Es gibt kaum eine Zufahrtsstraße, die nicht irgendwo gesperrt, umgeleitet oder mit einer Ampel versehen ist. Um bei uns vom Haus wegzukommen, müssen wir jetzt immer, verkehrswidrig, entgegengesetzt einer Einbahnstraße fahren (nur wenige Meter) um auf die andere Seite vom Ort zu kommen, oder durch den Kurpark fahren, der eigentlich für Autos gesperrt ist. Der offizielle Weg, sofern es den überhaupt gibt, würde mehrere Kilometer Umleitung und eine Ampel bedeuten.

Die Straße vor unserem Haus ist wie erwartet nur halbfertig geworden. Es fehlt die Deckschicht. Die kommt aber erst im nächsten Jahr, wenn der Gasversorger seine Leitungen eingebracht hat. Sprich, es muss nochmal aufgegraben werden.

Dafür ist nun noch die Straße vorm Käsewerk gesperrt. Die Liefer-LKWs müssen über eine schmale Straße auf dem Firmengelände fahren, um zur Käseabholung zu kommen. Dazu wurde extra eine Ampel aufgestellt. Auf der Straße hört man den ganzen Tag über die Bagger graben, von morgens um 6 Uhr bis Nachmittags um 18 Uhr. Ich glaube, wenn die mal fertig sind, werde ich die Geräuschkulisse wahrscheinlich vermissen.

Nicht vermissen werden die Anwohner auf alle Fälle die Ampel auf der Umgehungsstraße. Die ist ein echtes Verkehrshindernis. Von drei Seiten werden die Autos durchgeleitet. Wartezeit von bis zu zehn Minuten sind da keine Seltenheit. Als wir gestern vorbeigingen, stauten sich die Autos hundert Meter bis zum Kreisverkehr. Noch ein Wagen mehr und der Kreisel wäre dicht gewesen.

Ein Durchkommen durch den Ort ist momentan für Autofahrer kaum möglich. Egal an welcher Stelle man hereinfährt, man steht entweder an einer Ampel oder vor einem Umleitungsschild, dass zu einer Ampel oder zu weiteren gesperrten Straße führt. Ich frage mich: Hätte man das nicht irgendwie besser planen können? Oder war im Gemeindesäckel so viel Geld übrig, dass man das jetzt noch verbraten muss? Keine Ahnung, aber es nervt.

Die Bahn kommt … oder auch nicht

Am letzten Wochenende war ich mal wieder mit der Deutschen Bahn unterwegs. Der Spruch »Genießen Sie ihre Fahrt in vollen Zügen« traf seit langem mal wieder zu. Es war, als würde es Corona nicht geben. Die Züge waren bis auf den letzten Platz besetzt.

Freitag früh hatte der EC mal wieder Verspätung wegen eines vorausfahrenden Güterzugs, der Minutenlang das Gleis am Bahnsteig belegte. Der ICE von München wurde durch einen anderen Zug ersetzt, bei dem – logischerweise – die Anzeige der Reservierungen nicht funktionierte. Es herrschte ein Drunter und Drüber bei der Sitzplatzsuche. Wenigstens war er halbwegs pünktlich.

Dafür hatte ich dann fast eine Stunde Aufenthalt in Bamberg. Im Sommer geht das ja, aber bei niedrigen Temperaturen und Regen ist das kein Spaß. Der McDonalds war gesperrt, es gab nur Straßenverkauf. Der Aufenthalt in der Bahnhofshalle war ebenfalls nicht gestattet. Dort hatten nur der Blumenladen und der Fahrkartenschalter geöffnet. Die Bäckerei und der Yorma waren geschlossen. Aus lauter Verzweiflung stöberte ich in der sehr gut ausgestatteten Bahnhofsbuchhandlung und kaufte zwei Comichefte. Die Verkäuferin beschwerte sich schon, dass im Laden so viel los sei. Tja, kein Wunder bei dem Wetter.

Dann wartete ich am Bahnsteig. Ein Zug nach Würzburg sollte an meinem Gleis fahren, anschließend der nach Leipzig. So wurde es mehrfach angesagt. Fünfzehn Minuten vor der Abfahrt, ich hatte mich in den Comic vertieft, fuhr ein Zug ein. Das wird der nach Würzburg sein, dachte ich und blickte zunächst nicht auf. Irgendwann sah ich doch hoch und traute meinen Augen nicht. Da stand Leipzig dran. Ich fragte den Zugführer, ob das jetzt der Zug nach Leipzig sei und bekam die blöde Antwort, dass es doch dranstehen würde. Ich setzte mich also rein, kontrollierte auf meinem Ticket die Zugnummer und war dennoch unsicher, ob ich im richtigen Zug sitze. Vor allem weil der Zug dann auch noch zehn Minuten vor der planmäßigen Abfahrt losfuhr. Selbst meine App konnte mir da nicht helfen. Später fragte ich die Zugbegleiterin, warum der Zug außerplanmäßig früher losgefahren sei. Sie meinte, das läge an der Baustelle. Ich konterte, dass das aber weder angezeigt, noch durchgesagt worden war und jetzt bestimmt Leute in Bamberg vergeblich auf den Zug warten. Ihr Kommentar: ja da gebe es wohl ein paar Kommunikationsprobleme. Oha!

Montag früh stieg ich schon mit einem schlechten Gefühl aus dem Bett. Ich hatte am Abend vergeblich versucht eine Platzkarte für den ICE von Erfurt nach München zu bekommen. Die App sagte, der Zug sei komplett ausgebucht, alles war rot und durchgestrichen. Das konnte ja heiter werden. Da ich am Bahnhof in Saalfeld noch Zeit hatte, ging ich zum Schalter und fragte die freundliche Dame dort, ob ich bei ihr noch eine Sitzplatzreservierung buchen könne. Hoffnung hatte ich keine, aber einen Versuch war es wert. Sie schaute nach, meinte das der Zug als ausgebucht angezeigt wurde, versuchte es aber trotzdem und es funktionierte. Sie bekam einen freien Platz angezeigt und druckte mir die Reservierung aus. Erklären konnte sie sich das selbst nicht. Als ich meinen Geldbeutel rausholte, um zu bezahlen, sagte sie: »Lassen Sie ihr Geld stecken.« und reichte mir die Karte. Da war ich baff. So viel Freundlichkeit ist man von der Deutschen Bahn nicht gewohnt.

Am Gleis traf ich dann einen Bekannten, der mit mir zusammen nach Erfurt fuhr. Es wurde eine kurzweilige Fahrt. In Erfurt hatte ich einen längeren Aufenthalt. Ich musste also nicht so hetzen beim Umsteigen. Dann kam der ICE auch noch zu spät und in der falschen Reihenfolge, was zu tumultartigen Szenen am Bahnsteig und später im Zug führte. Außerdem fehlte der Wagen 24. Nun wusste ich auch, warum es keine Reservierungen mehr gab und der Zug so voll war. Ich hatte mich günstig platziert und fand gleich den reservierten Sitzplatz. Dort durfte ich dann bis München sitzen, während viele andere in den Gängen saßen oder standen.

Hatte ich da schon ein beklemmendes Gefühl, ob der Enge, sollte sich das im anschließenden EC von München noch steigern. Der war alt, miefig und proppenvoll. Vor allem mit Gepäck. Ich frage mich immer, warum die Leute so viel Zeug mitschleppen. Viele haben riesige Koffer, die sie alleine nicht aus oder in den Zug heben können, dazu noch Beutel, Taschen und Rucksäcke. Es war kaum ein Durchkommen. Ich hatte zum Glück noch einen freien Platz erwischt, wusste später aber auch warum, der freigeblieben war. Daneben saß eine Familie mit zwei kleinen Jungs, die die ganze Zeit über das Großraumabteil beschallten. Immer wenn draußen irgendwelche Tiere zu sehen waren, brüllten sie das lautstark und lang in die Welt hinaus. »Küüüühhheee!« Die Eltern taten mir echt leid. Die Mutter sah schon fix und fertig aus und die wollten von Salzburg aus noch weiter. Meinen Glückwunsch.

An diesem Tag machte ich drei Kreuze, als ich endlich aussteigen durfte. So viele Leute ist man einfach nicht mehr gewohnt, auch wenn sie alle ordentlich Masken getragen hatten.

Immerhin schrieb ich trotzdem ein ganzes Kapitel für meinen Roman.

Reiche Ernte

Eigentlich wollte ich nur den Schmetterlingsflieder einpflanzen, den wir unlängst mal für meine Eltern gekauft haben. Doch als ich die Stengel einer verblühten Pflanze aus der Erde zog, hingen da plötzlich weiße Knollen dran. Ich erinnerte mich dunkel, dass die Pflanzen, die dort gewachsen waren, gelb geblüht hatten. Das konnte also nur Topinambur sein.

Ich grub weiter und wurde gleich mehrfach fündig. Das waren richtig dicke Knollen, die fast außerirdisch anmuteten in ihrer Form. Und je tiefer ich grub, umso mehr wurden es. Am Ende war es ein ganzer Eimer voll. Ich habe jetzt beschlossen, die kleineren Knollen an anderer Stelle wieder einzupflanzen und die Großen zu kochen.

Topinambur schmeckt ein bisschen wie eine Kombi aus Süßkartoffel und Kohlrabi und passt gut als Beilage. Hier ein paar Bilder dazu.

Herbstliches

Der Herbst ist mit Abstand meine Lieblingsjahreszeit. Zu keiner Zeit im Jahr ist das Licht weicher, die Farben kräftiger und der Himmel blauer. Auch in diesem Jahr ist es nicht anders. Ich streife dann ganz gern durch die Gegend und halte die Stimmung fotografisch fest. Im Bild rechts sieht man das Dach des Pavillons am See. Aus dieser Perspektive habe ich ihn noch nie fotografiert.

Vorletzte Woche hatten die Flieger, die jetzt wieder reichlich über uns hinwegschwirren, einen Stern am Himmel über Südostoberbayern gezeichnet. Da hat wohl jemand das Kolvoord-Sternenmanöver geübt. Ich habe das Bild aus dem Auto heraus aufgenommen.

Am gestrigen Sonntag war nach anfänglichem Nebel wunderbar klares Wetter. Das nutzten wir um ins Schönramer Filz zu fahren. Dort im Wald zwischen den Bäumen war der Boden stellenweise noch gefroren. Die Kälte kneifte an den Oberschenkeln, aber als wir auf dem Rundweg dann in Richtung Sonne gingen, wurde uns schnell warm. Der viele Regen in diesem Jahr hat dem Hochmoor gutgetan. Der Weg war schon fast zugewachsen von den Büschen und vom Gras. Die Tautropfen an den Gräsern und Ästen glitzerten wie Edelsteine.

Der See mitten im Moor war bis zum Rand voll und die Oberfläche so ruhig, das die Spiegelungen des Ufers phantastische Muster ergaben. Wer entdeckt im Bild das Gesicht des außerirdischen Insektoiden? Da könnte ich stundenlang stehen und entdecke ständig neues.

Daheim vor der Haustüre habe ich noch die Bäume vorm Haus fotografiert. Diese Farben! Genau aus diesem Grund liebe ich den Herbst.

 

Nusslos

Unsere diesjährige Nussernte fällt desaströs aus. Das ist ein Negativrekord. So wenige Walnüsse hatten wir in den letzten Jahren nie gesammelt. Obwohl das Frühjahr gut anfing. Sprich, es gab keinen späten Frost, wie zum Beispiel im vergangenen Jahr. Doch die meisten Nussbäume trugen heuer keine Früchte und wenn, dann nur sehr wenige.

Einer der Gründe warum die Nussernte so gering ausfiel, könnte ein guter sein. Es hat in diesem Jahr häufiger geregnet. Die Böden waren feuchter und die Bäume bekamen offensichtlich genug Wasser. Bei Trockenheit bekommen Nussbäume wie andere Bäume Stress und produzieren sehr viel mehr Früchte, weil sie sich unbedingt vermehren müssen. Für den Fall, dass der Mutterbaum eingeht, hätte er somit nochmal für ausreichend Nachwuchs gesorgt. Es ist also ein gutes Zeichen, wenn es nicht so viele Nüsse gibt, dann scheint es den Bäumen gut zu gehen.

Ein weiterer Grund ist, dass wir zur Hauptzeit, in der die Nüsse vom Baum fielen, an den Wochenenden nicht da waren und unter der Woche keine Zeit hatten. Außerdem hat jemand »unseren« Nussbaum entdeckt. Dort wo sich bisher keiner hinverirrte, war heuer alles abgesucht. Derjenige hatte sich aus einer Stange und einem Küchensieb sogar eine Vorrichtung gebaut, um die herunter gefallenen Nüsse aus dem Bach zu fischen. Soviel Professionalität ist irgendwie erschreckend.

Zum Glück haben wir noch ausreichend Nüsse aus dem vergangenen Jahr übrig, so dass wir durch den Winter kommen werden, ohne welche kaufen zu müssen. Denn ich habe keine Lust, Walnüsse aus Kalifornien zu kaufen. Eher verzichte ich ganz darauf. Übrigens habe ich unlängst gelesen, dass je nördlicher ein Walnussbaum steht, desto bitterer schmecken die Nüsse. Das wusste ich noch nicht.

Feindbild E-Auto

Es ist traurig. Als bekennender E-Autofahrer sieht man sich in letzter Zeit häufiger Anfeindungen ausgesetzt. Man muss sich dafür rechtfertigen, dass man ein E-Auto fährt und daran auch noch Spaß hat.

Da werden die wildesten Vorurteile vorgebracht. Zum Beispiel, dass man mit einem E-Auto die Umwelt viel mehr schädigen würde, wegen der Akkus. Weil die so viel Strom brauchen, dass uns deswegen noch der Strom ausgehen wird. Oder dass man daran schuld sei, wenn Kinder in Afrika in den Kobalt-Minen mit den Fingern das Erz für den Akku aus dem Fels kratzen müssen oder, dass man in vollem Bewusstsein eine Brandbombe in der Tiefgarage parkt. Und außerdem sind E-Autos für Langstrecken total ungeeignet, weil die so oft geladen werden müssen und überhaupt ist so ein Elektroauto absolut unpraktisch usw.

Wir fahren unseren ID3 jetzt seit Februar und wenn man uns fragt, möchten, sowohl mein Mann als auch ich, kein anderes Auto mehr. Ich gebe zu, ich hatte anfangs ebenfalls meine Zweifel, aber ich bin inzwischen überzeugt, dass der Kauf eine sehr gute Idee war. Auf dem Tacho stehen inzwischen 11000 gefahrene Kilometer. Wir hatten in der ganzen Zeit nie Probleme eine Ladesäule zu finden, oder das dieselbige nicht funktioniert hätte. An der Ladesäule der Gemeinde, an der wir das Auto regelmäßig laden, wurde es zwar im Sommer oftmals eng, wegen der vielen Urlauber und weil das Laden dort kostenlos ist. Auf den Autobahnfahrten aber hatten wir keinerlei Einschränkungen und die Fahrt ist deutlich entspannter.

Was die Vorurteile der Leute angeht: Entgegen den Vorstellungen, die manch einer hat, brauchen E-Autos nur einen Bruchteil des Stroms, den zum Beispiel die Industrie und die Haushalte benötigen. Selbst wenn wir alle Autos in E-Autos umwandeln würden, wäre der Anteil am gesamten Strombedarf immer noch gering. Die meiste Energie in Deutschland geht für Industrie und Heizung drauf.

Dennoch wird die Umstellung auf E-Mobilität nicht von heute auf morgen funktionieren. Selbst wenn wir genug Strom aus erneuerbaren Energien erzeugen, wir bekommen ihn meist nicht dorthin, wo er gebraucht wird, weil es an der Infrastruktur hapert. Hier wurde über viele Jahre einfach nicht genug getan. Sei es weil wegen Profitgier kein Geld in das Netztinvestiert wurde oder weil Leute gegen Stromtrassen, Windräder und Solarparks geklagt haben.

Was die in den Akkus verbauten Materialien angeht. Kobalt steckt auch in jedem Smartphone, das sollte sich jeder klar machen, der sich jedes Jahr ein neues Smartphone leistet. Ich bin sicher, dass es sehr viel mehr Smartphones auf der Welt gibt als Akkus für E-Autos. Wenn sich die Leute ein Smartphone oder ein anderes technisches Gerät kaufen, denkt auch kaum einer dran, dass für die seltenen Erden, die in dem Gerät stecken, vielleicht Menschen gestorben sind. Was das Lithium angeht, was momentan meist aus Südamerika stammt, so ist wegen der Nachfrage der Preis inzwischen so gestiegen, dass sich eine Gewinnung des Rohstoffs inzwischen auch in Deutschland lohnt. Momentan wird daran gearbeitet, dem Thermalwasser, das für geothermische Zwecke an die Oberfläche gepumpt wird, das Lithium zu entziehen. Thermalwasser ist sehr reich an Lithium und die Pumpanlagen überall bereits vorhanden.

Reichweite: In den nächsten Jahren werden Feststoffakkus serienreif werden. Diese enthalten dann keine seltenen Erden mehr, können schneller geladen werden und sind kälteunempfindlicher. Das heißt, die Technologie entwickelt sich ständig weiter, weil jetzt auch der Druck da ist. Selbst bestehende Autos können durch Firmware-Updates höhere Reichweiten erreichen, wie wir selbst feststellen konnten.

Brandgefahr: Die Allianz Versicherung hat eine umfangreiche Studie in Auftrag gegeben, in der unteranderem untersucht wurde, ob E-Fahrzeuge häufiger brennen. Nein, sie brennen nicht häufiger, sondern eher seltener als normale Fahrzeuge. Jedes Jahr brennen in Deutschland ca. 15.000 Autos mit Verbrennermotor, darüber berichtet kaum jemand. Ja, E-Autos sind schwerer zu löschen, wegen des Wiederentzünden des Akkus. Bisher wurden die Autos in einen Wassercontainer gesteckt, inzwischen werden sie in eine spezielle Folie gesteckt. Bei neuen Technologien sind die Menschen immer skeptisch und suchen Argumente, um sie zu verhindern. Würde man zum Beispiel heute den Verbrennungsmotor erfinden, bekäme er keine Zulassung. Übrigens, laut Feuerwehr sind Flüssiggas-Autos sehr viel gefährlicher.

Laden: An den Autobahnen existiert bereits ein funktionierendes Schnellladenetz. Mit einem bisschen Aufmerksamkeit wird man dort nicht stranden. Auch in den Städten, vor allem in den Großstädten gibt es ein dichtes Ladenetz, das oftmals sogar kostenlos ist, zum Beispiel bei Supermärkten und FastFood-Restaurants. Probleme gibt es vor allem auf dem Land. Hier sind die Gemeinden gefordert, denn so eine Ladesäule kann auch eine Einnahmequelle sein. Durch die KfW-Förderung in diesem Jahr gab es einen wahren Boom bei den Wallboxen. Ganz viele Privatleute haben sich eine Wallbox angeschafft, obwohl sie noch kein E-Auto haben. Meist haben sie sich aber kurze Zeit später eins gekauft.

Ich bin mir sicher, dass sich E-Autos in den nächsten Jahren sehr viel schneller verbreiten werden, als viele denken. Schon allein, weil die Hersteller inzwischen das Potenzial erkannt haben und sicher nicht zwei Antriebssysteme parallel entwickeln und bauen werden. Die ersten haben schon ihren Ausstieg aus der Verbrennertechnologie bekannt gegeben. Die Vorurteile werden bald der Vergangenheit angehören und man wird sich nicht mehr rechtfertigen müssen. Und die Städte werden früher oder später ebenfalls vorangehen und Autos mit Verbrennungsmotoren verbieten.

Einen ersten persönlichen Sieg gegen die Vorurteile unserer Mitbewohner haben wir schon davon getragen. Nach Beratung durch zwei Anwälte habe ich eine fünfseitige Erklärung an die Hausverwaltung und die Eigentümergemeinschaft geschrieben, wegen der Wallbox, die wir in der Tiefgarage installieren lassen wollten. Was man uns untersagen wollte. Am Donnerstag fand eine erneute Eigentümerversammlung statt und wir haben Recht bekommen. Wir dürfen die Wallbox einbauen lassen und unser Auto dann endlich von unserem eigenen Stromzähler aus laden.

Das Grüne Herz ist krank

Kulmberg Frühjahr 2021 – Ein paar dürre Fichten sind erkennbar anderenorts sieht es verheerender aus

In den Achtzigern wurde viel über das Waldsterben geredet, über Sauren Regen und den Tod der Bäume. In Thüringen merkte ich davon nicht viel. Waldsterben mit dürren, abgestorbenen Bäumen kannte ich nur aus dem Fernsehen. Ich war damals Kind und die Wälder kamen mir dicht und grün vor. Ich hatte keinen Vergleich.

Wenn ich heute durch Thüringen fahre, dann schmerzt es. Ganze Berghänge sind braun, überall klaffen kahle Stellen, wo die toten Bäume schon gefällt wurden. Es gibt im Grunde kein Waldstück mehr, das intakt ist und in dem keine kranken Bäume stehen. In diesem Herbst ist es besonders sichtbar. Ganze Hänge im Oberland der Saale sind voller brauner Fichten. Wenn man sie sich näher ansieht, hängt nicht eine Nadel mehr an den Zweigen. Es sieht aus wie in einem Endzeitfilm. Grund dafür ist nicht nur der Borkenkäfer, sondern vor allem die Dürre, die in den vergangenen drei Jahren in Ostthüringen herrschte. Da hat es oft monatelang nicht geregnet. Das machen die stärksten Bäume nicht mit, auch die Laubbäume nicht.

Ich glaube, unsere Wälder sind kränker als sie es in den achtziger Jahren je waren. Wenn wir uns heute in den Mittelgebirgen umsehen, sind wir umgeben vom Waldsterben und zwar im fortgeschrittenen Stadium. An der A9 bei Hof ist der Wald rechts und links der Autobahn schon seit Jahren kaputt. Jetzt hat man dort angefangen, die gerodeten Flächen mit Photovoltaikanlagen vollzupflastern. Ob sinnvoll oder nicht, Bäume werden dort ohnehin nicht mehr wachsen. Nicht, wenn es weiterhin so trocken ist. Und es wird durch den Klimawandel immer trockener werden. In diesem Jahr hat es zwar wieder mehr geregnet als in den Jahren zuvor, aber nicht so viel, dass sich die Natur hätte erholen können.

Ein anderes Problem sind die vielen privaten Waldbesitzer, die ein vom Borkenkäfer befallenes Waldstück einfach stehen lassen. Früher hat man die Bäume umgehend gefällt, damit sich die Käfer nicht weiter ausbreiten. Außerdem hat man Fallen aufgestellt, damit werden die männlichen Käfer angelockt und eine weiter Paarung verhindert. Das waren Holzgestelle mit weißen Folien mit Lockstoff und Auffangschalen, in denen die Käfer dann landeten, wenn sie gegen die Folien geflogen waren. Man erwischt dadurch zwar nur einen kleinen Teil der Population aber immerhin einen Teil. Leider sind das Kosten, die die privaten Waldbesitzer heute nicht aufbringen können oder wollen. Also lassen viele alles so wie es ist und die Käfer vermehren sich unkontrolliert.

Wir werden uns daran gewöhnen müssen, dass das Grüne Herz Deutschlands immer mehr braune Flecken bekommt. Dass von den dichten Nadelwäldern in den nächsten Jahren nur noch wenige stehenbleiben werden. Man versucht zwar die gerodeten Flächen mit Laubbäumen und Temperaturresistenteren Bäumen wie der Douglasie wieder aufzuforsten, aber es ist ein Wettlauf mit der Zeit. Im Unterschied zum Sauren Regen, den man mit Filteranlagen beenden konnte, ist dem Klimawandel nicht so leicht beizukommen.

Das Schlimme jedoch ist, es scheint niemanden zu interessieren. Kein Fernsehsender, keine Zeitung berichtet groß und medienwirksam vom Sterben der Wälder. Stattdessen diskutieren wir über Gendersternchen und Doppelmoral, während unsere Lebensgrundlage gerade aufgefressen wird oder verdorrt. Denn ohne Wald wird es auf lange Sicht keine saubere Luft und kein sauberes Wasser mehr geben. Vielleicht sollten sich »Die Grünen« wieder auf ihre eigentlichen Werte besinnen, anstatt Rassismus- und Genderdebatten zu führen.

Es kotzt mich so an.

30+1

Im vergangenen Jahr sollte Ende September unser dreißigjähriges Klassentreffen der POS stattfinden. Wir treffen uns regelmäßig alle fünf Jahre. Aus bekannten Gründen fiel es im letzten Jahr aus und gleichzeitig starb diejenige, die die Treffen immer organisiert hat. Ein sehr schmerzhafter Verlust in vielerlei Hinsicht.

Im Juni diesen Jahres bekam ich eine SMS, mit der Frage welcher Termin Ende September Anfang Oktober mir für ein Klassentreffen lieber wäre. Ich antwortete und hielt mir den 2. Oktober frei. Lange Zeit hörte ich nichts mehr, bis mich vorige Woche Donnerstag eine ehemalige Schulfreundin anrief und mir mitteilte, dass das Klassentreffen stattfinden würde.

Und so trafen wir uns am Samstagabend in einer Saalfelder Lokalität. Nicht alle konnten aufgetrieben werden, bei einigen stimmte die Handynummer nicht mehr, die sie beim letzten Mal hinterlassen hatten. Aber es kam der harte Kern der Klasse zusammen. Drei Leute aus der Parallelklasse waren auch gekommen. Man unterhielt sich, trank Cocktails und Bier, bestellte eine Kleinigkeit von der Speisekarte und schwelgte in Erinnerungen.

Manch einer hatte sich kaum verändert, andere erkannte man erst auf den zweiten Blick wieder. Viel Aufmerksamkeit bekam der süße Hund, den eine der Schulfreundinnen mitgebracht hatte. Und so vergingen die Stunden wie im Flug. Weil ich am Sonntagmorgen mit meinen Eltern schon sehr früh nach Waging zurückfahren wollten, verabschiedete ich mich gegen zehn und trat den Heimweg an.

Es war schön, alle mal wiederzusehen. Zu hören, wie es den einen oder anderen ergangen ist und ein paar Neuigkeiten aufzuschnappen. Ich freue mich schon aufs nächste Mal in fünf Jahren. Zuvor steht aber nächstes Jahr noch dreißig Jahre Abi an. Da werde ich wie immer bei der Organisation helfen.

Bei den Oldies

Sylvana Freyberg und ich beim OldieCon 2021

Die Geschichte des OldieCon ist lang. Früher fand er an wechselnden Orten in Deutschland statt. In den letzten Jahren trafen sich die SF-Fans alle zwei Jahre in Unterwössen. Dort fanden schon in den Sechzigern Treffen Science Fiction begeisterter Leser statt. Der Zahnarzt Franz Ettl aus Unterwössen organisierte damals die Treffen und war auch der Erfinder des Vurguzz, dem legendären Schnaps der PERRY RHODAN-Fans.

Ursprünglich war die Teilnahme am OldieCon auf Leute beschränkt, die vor 1950 geboren sind. Inzwischen ist dort jeder willkommen, der sich für literarische SF interessiert. Organisator Gustav Gaisbauer kenne ich durch sein »Fantasia«-Fanzine und durch die vielen E-Mail-Kontakte für die SOL-Ausgabe zu Walter Ernsting, der übrigens auch mal beim OldieCon teilgenommen hat.

Als wir am Samstagnachmittag in Unterwössen eintrafen, leicht verspätet durch eine unerwartete Umleitung, trafen wir zunächst auf Thomas Recktenwald dem Vorsitzenden des Science Fiction Club Deutschland (SFCD). Die anderen Teilnehmer waren noch auf einem Spaziergang unterwegs, trudelten aber nach und nach ein. Die meisten Anwesenden waren SFCD-Mitglieder und nicht ganz so alt wie man angesichts des Namens erwarten würde. Der jüngste war immerhin 44.

Zuerst wurde das obligatorische Foto gemacht. Leider nicht an der Stelle, an der sonst fotografiert wurde, weil ein Auto im Weg stand. Danach ging’s ins Innere des Hotel-Restaurants »Gabriele«, in dem wir einen großen Nebenraum für uns hatten. Es galten die 3G-Regeln und auf dem Weg zur Toilette war Maskenpflicht. Gustav Gaisbauer eröffnete die Veranstaltung und verteilte handgeschriebene Namensschilder. Was ich sehr sympathisch fand, denn wo gibt es das heute noch auf einem Con.

Den ersten Programmpunkt absolvierte Thomas Recktenwald mit einem Vortrag über die drei »UTOPIA«-Großbände vom Moewig-Verlag, die in den Sechzigern kurzzeitig auf dem Index des Jugendschutzes gelandet sind. Die damalige Begründung klingt heute fast schon lächerlich, angesichts dessen, was Jugendliche heute so konsumieren. Da müsste jeder Actionfilm im Kino auf dem Index landen. Ich fand den Vortrag sehr interessant und mit einer schönen Präsentation unterstützt.

In der Pause trank ich einen Cappuccino und aß ein leckeres Stück Apfelstrudel mit Vanilleeis und Sahne. Danach berichtete Jörg Ritter über eine Veranstaltung in der Phantastisch Bibliothek Wetzlar, die vor kurzem stattgefunden hatte. Weil es mir in dem Raum (ich saß in einer Ecke) zu warm und stickig wurde, bekam ich nur den ersten Teil des Vortrages mit, denn ich flüchtete in der kurzen Pause erstmal ins Freie. Dort unterhielt ich mich mit Fandom-Urgestein Birgit Fischer, von der ich schon viel gehört, die ich aber noch nie getroffen hatte. Später erzählte ich noch mit Christian Hoffmann. Er und Udo Klotz geben die »!Time Machine« heraus. Ein regelmäßig erscheinendes SF-Magazin, das ich gern lese.

Anschließend ging es zum Abendessen wieder nach drinnen. Meine Tischnachbarin war an diesem Tag Sylvana Freyberg. Sie ist die neue Chefredakteurin der »Andromeda Nachrichten«, dem Magazin des SFCD. Wir stellten fest, dass wir viel gemein haben. Wir sind etwa gleich alt, stammen beide aus dem Osten und sind Redakteurinnen eines Clubmagazins. Ich finde die Parallelen spannend: Die Mitgliederzeitschriften der beiden größten SF-Vereine in Deutschland werden von Frauen gemacht. Da soll nochmal einer sagen, es gäbe keine Diversität in der Szene. Zumindest hatten wir genug Gesprächsthemen rund um die Science-Fiction-Fanszene. Ich hoffe, wir bleiben in Kontakt und tauschen uns regelmäßig über unsere Sorgen und Nöte beim Zusammenstellen der AN oder der SOL aus.

Gegen 21 Uhr machten mein Mann und ich uns schließlich auf den Nachhauseweg. Wir waren die mit der kürzesten Anreise. Die meisten Teilnehmer waren schon Tage vorher angereist und hatten Urlaub gemacht. Leider waren einige der angekündigten Gäste nicht gekommen. Ich hatte mich beispielsweise darauf gefreut Wolf von Witting kennenzulernen. Der Schwede, der in Italien lebt und ein Fanzine auf englisch herausgibt, hatte aber leider keine Mitfahrgelegenheit gefunden. Dafür traf ich jemanden, den ich vor dreißig Jahren beim Trekdinner Bayreuth kennengelernt hatte. Andere Teilnehmer waren wegen Corona nicht gekommen, weil Traunstein momentan eine so hohe Inzidenz hat. Das muss jeder für sich selbst entscheiden. Ich hätte es schade gefunden, wenn man die Veranstaltung deswegen abgesagt hätte, denn die Hygieneregeln des Hotels waren sehr gut. Und das Essen erst … ich glaube, da müssen wir demnächst nochmal hin.

Mein Dank gilt Gustav Gaisbauer für die Organisation und dafür, dass ich mit meinem Mann teilnehmen durfte. In zwei Jahren möchte ich wieder mit dabei sein. Fotos gibts nur eins von mir und Sylvana Freyberg, ich hatte meine Kamera vergessen.

Ein Wochenende wie 2019

Manch einen wird es gewundert haben, dass ich in den vergangenen tagen nicht regelmäßig gebloggt habe. das hatte vielfältige und durchaus erfreuliche Gründe. Ich liste hier mal auf, was wir am Wochenende alles so erlebt haben. Einiges bespreche ich dann nochmal im Detail in einem weiteren Beitrag.

Am Freitag fand die Mitgliederversammlung der PRFZ e.V. statt. Um 17:30 Uhr trafen wir uns online bei Zoom. Bis das Einlassprozedere mit dem Abgleich der Anmeldedaten durch war, war es 18 Uhr und der Vorsitzende konnte die Versammlung eröffnen. In diesem Jahr standen die Vorstandswahlen an und ich hatte mich für den Posten der Schriftführerin beworben. Außerdem war ich bei der MV als Protokollantin tätig und durfte die Stimmen zählen. Das ist bei Zoom übrigens nicht so einfach wie man denkt, da muss man seine Augen überall haben, damit man auch alle Hände genau sieht. Zum Glück hatten wir nur einen Bildschirm und ich musste nicht immer vor und zurückblättern. Jedenfalls verlief die Versammlung sehr strickt, danke dafür an den Versammlungsleiter, der alles voll im Griff hatte. Ich wurde gewählt und habe die Wahl angenommen. Ich bin also ab sofort Vorstandsmitglied der PRFZ e.V.. Jetzt geht die Bürokratie aber erst so richtig los. Gestern habe ich das Protokoll der MV geschrieben und zur Kontrolle an meine Mitstreiter geschickt. Wenn alles okay ist, muss ich damit nächste Woche zum Notar und meine Unterschrift legitimieren lassen. Kostenpflichtig natürlich und dann geht es an das nächste Vorstandsmitglied, der das genauso wiederholen muss und dann weiter an das nächste und an das übernächste usw. Zum Schluss wird das Protokoll ans Vereinsgericht geschickt und die bestätigen dann den neuen Vorstand, oder nicht. Manchmal gab es da in der Vergangenheit ein paar Probleme. Ich hoffe aber, dass es diesmal glatt geht, weil wir eigentlich an alles gedacht haben.

Seeoner See

Der Samstag stand dann ganz im Zeichen der Science Fiction. Ich war zum erstmal wieder seit mehr als zwei Jahren auf einem Con. Der OldieCon fand in Unterwössen statt und ich werde darüber in den nächsten Tagen ausführlicher berichten. Kurzer Vorgeschmack: es war echt schön mal wieder persönlich unter Gleichgesinnten zu wandeln.

Am Sonntag hatte mein Schwiegervater Geburtstag und wir haben mit meinen Schwiegereltern und meinen Schwägern (das sagt man laut Duden so) ganz in Familie gegrillt. Das Wetter war echt toll. Nachmittags gab es dann noch ein Eis vom Italiener und einen kleinen Bummel über den Waginger Herbstmarkt. Der sehr gut besucht war. An so viele Leute auf einem Trampel muss man sich erst wieder gewöhnen.

Das Kloster liegt auf einer Halbinsel im See

Montags wurde bei uns von 8 Uhr bis 16 Uhr das Wasser abgestellt. Die graben gerade die Straße vor unserem Haus auf, es wird also nicht das letzte Mal in den nächsten Wochen sein. Weil mein Mann Urlaub hat und wir ohne Wasser nicht daheim bleiben wollten, sind wir nach Seeon gefahren und um den See gewandert. Anschließend haben wir noch in der Gamba-Bavaria Bio-Semmeln gekauft. Bier haben die da auch. Wenn man sich anmeldet, gibt es sogar eine Brauereiführung mit Verkostung. Anschließend haben wir uns bei Vietnamesischen Imbiss in Waging etwas zum Mittag geholt und bei meinen Schwiegereltern im sonnigen Garten gegessen. Nachmittags habe ich dann das Protokoll für die MV geschrieben.

Heute hat mich dann wieder der ganz normale Wahnsinn auf Arbeit eingeholt. Ich weiß nicht, irgendwie werden die Menschen immer verrückter und bekloppter. Anders kann ich das eigentlich nicht mehr bezeichnen. Es ist grenzwertig, was da gerade abgeht.

Hier noch ein Bild vom vorletzten Wochenende. Ich habe die Enterprise-Kuh entdeckt. Bei der Registriernummer muss man sich halt die eine Sieben wegdenken.