Gestern lag die SOL 89 in meinem Briefkasten. Eigentlich hatte ich nicht vor Ende der Woche damit gerechnet, weil sie erst am Mittwoch aus der Druckerei gekommen ist und weil unser Shop- und Mitglieder-Betreuer Herbert Keßel mitten im Umzug steckt. Aber schön, dass das Heft dann doch noch pünktlich rausgegangen ist.
Ich hatte zwischendurch meine Zweifel, ob wir die SOL noch vor April würden verschicken können. Aber dank der Mühen des gesamten SOL-Redaktionsteams ist es uns trotz einer technischen Panne (defekte Festplatte) gelungen, die Ausgabe zum vereinbarten Termin fertigzustellen. Es war zwar ganz schön knapp am Ende, aber im Zusammenspiel mit den beiden Lektoren Alexandra Trinley und Norbert Fiks konnten wir die Schlussredaktion innerhalb weniger Tage durchziehen.
Zum Inhalt:
Im Schwerpunkt geht es um die Perry Rhodan-Stammtische. Die Stammtische aus Leipzig, Mannheim, München, Nürnberg und Wien berichten von ihren Aktivitäten.
Im Interview verrät Susan Schwartz mehr über die Miniserie OLYMP.
Stefan Wepil hat nicht nur das Cover gezeichnet, sondern auch einen sehr anspruchsvollen Artikel über Andrabasch abgeliefert.
Mir persönlich gefällt besonders das Interview, das Michael Tinnefeld mit dem Fan Jürgen Kirch geführt hat. Jürgen hat die alten PERRY-Comics aufleben lassen. Leider durften wir aus rechtlichen Gründen keine Bilder davon abdrucken. Aber allein Jürgens Geschichte über die Entstehung ist spannend und gleichzeitig berührend.
Neben der Auflösung des Gewinnspiels gibt es die üblichen Rubriken. Meine NEO-Kolumne musste leider geteilt werden, weil wir aus Kostengründen nicht mehr als 64 Seiten drucken dürfen. Sie wird im nächsten Heft fortgesetzt. Es ärgert mich immer ein bisschen, dass wir oft nicht genügend Platz für alle Beiträge haben und diese Verschiebungen ins nächste Heft immer häufiger vorkommen. Aber die Mitgliederentwicklung ist rückgängig und wir müssen froh sein, dass wir überhaupt noch 64 Seiten füllen dürfen.
… so lautete ein Spruch in der DDR, als die Russen damals den LADA NIVA herausbrachten. Für den normalen DDR-Bürger war ein solches Gefährt, sofern er es bekommen konnte, unbezahlbar. Manch einer blätterte sogar Westmark hin, um ihn zu fahren.
Weswegen ich darüber schreibe, hat mit dem TESLA zu tun, den Elon Musk vergangene Woche ins All geschossen hat. Die Russen waren mit dem NIVA auch hier schneller, wenn auch nur im Werbespot einiger Absolventen der Filmhochschule München. Die drehten 2010 drei Spots für den Autobauer – auf Russisch selbstverständlich.
Witzig und selbstironisch zeigt das Video zwei Kosmonauten in einem LADA NIVA die huckepack auf einer Rakete ins All fliegen. Beim Andocken an die MIR, demolieren sie einen Satelliten der BBC und am Ende landen sie auch ohne Hitzeschild wieder sicher auf der Erde.
So ein russisches Auto ist halt unzerstörbar. Na dann: Счастливого пути!
Das ich keine zwanzig mehr bin, hab ich am Wochenende schmerzlich feststellen müssen.
Ich war bei meinen Eltern, die in der vergangenen Woche aus der Reha entlassen wurden. Dementsprechend gab es einiges im Haus zu tun. Sechs Maschinen Wäsche auf- und wieder abhängen, einkaufen, putzen, kochen (heute morgen dann noch Schnee schippen), dazu gefühlte hundert Mal die Treppen hoch und wieder runter meist mit schweren Lasten – das war ein bisschen zu viel. Gestern Abend war ich so platt, dass mir jeder Muskel im Leib schmerzte. Da hat auch ein heißes Band wenig Linderung gebracht. Ich lag im Bett und fühlte mich wie nach einer Himalaya-Überquerung. Heute dann wieder »Spaß mit der Deutschen Bahn«, was zusätzliche Rennerei zur Folge hatte.
Da freue ich mich doch tatsächlich morgen auf Arbeit gehen zu dürfen. Da muss ich nur meinen Kopf anstrengen und darf dabei auf meinem neuen Bürostuhl sitzen.
Da es bei uns so schön geschneit hat, will ich am Wochenende meine neuen Ski-Schuhe ausprobieren. Das verleiht mir dann hoffentlich ein wenig Fitness, damit ich mich nicht mehr ganz so alt fühle.
PERRY RHODAN NEO-Kurzgeschichten von Oliver Plaschka
Das Oliver Plaschka zu meinen Lieblingsautoren bei NEO gehört, habe ich ja schon oft erwähnt. Deshalb nahm ich die Veröffentlichung seiner aktuellen Kurzgeschichte für die Platin-Edition Nr. 14 zum Anlass auch die zwei anderen Kurzgeschichten von ihm zu lesen. Die gibt es als E-Books im PERRY RHODAN-OnlineShop oder bei allen großen E-Book Händlern.
Quelle: Perrypedia
Die erste Geschichte »Das Juwel im Lotus« erschien in Band 2 der Platin-Edition. Sie spielt vor, während und nach Perry Rhodans Flug zum Mond. Die Protagonisten sind Rhodans Freund und Mitstreiter Clark G. Flipper und seine Freundin Beth Gale. Wobei Beth die meisten Kapitel der Geschichte gewidmet sind.
Während Clark zum Mond fliegt, besteigt Beth im Himalaya das Annapurna-Massiv. Doch der Führer ihrer kleinen Bergsteigertruppe José ist nicht der, der er zu sein scheint. Clark ahnt das voraus und versucht Beth zu warnen. Sie schlägt seine Warnungen in den Wind und sie gehen im Streit auseinander. Umso schlimmer ist es für sie, als sie herausfindet, dass Clark Recht hatte. Nachdem José ihre Begleiter tötet und eine Lawine auslöst, der er selbst zum Opfer fällt, findet Beth in seinem Rucksack ein puppenähnliches Lebewesen, dass es auf Clark abgesehen hat. José hatte Beth hierher gebracht, um Clark herzulocken. Allein in der Todeszone und als einzige Überlebende begreift Beth, dass sie Clark während des Streits das letzte Mal gesehen hat und schreibt ihm einen Abschiedsbrief, in dem sie sagt, wie sehr sie ihn liebt.
Die Geschichte ist nicht nur sehr emotional geschrieben, sie ist zudem auch gut recherchiert. Man lernt etwas über das Bergsteigen im Himalaya und über Tibetische Bräuche. Beth und Clark sind sehr glaubhaft charakterisiert, ihr Schicksal ging mir unter die Haut. Das hat nicht viel mit Science Fiction zu tun, passt sich aber hervorragend in die ersten Geschichten aus dem NEOversum ein.
Quelle: Perrypedia
In der zweiten Geschichte »Das Schiff« geht der, 10.000 Jahre vor Rhodans Mondflug auf der Erde gestrandete Atlan zusammen mit seinem letzten verbliebenen Gefährten Cunor auf die Suche nach einem abgestürzten Schiff der Methans. Im Kontakt mit einer Siedlung Frühmenschen stellt der Arkonide fest, dass das abgestürzte Schiff die Gegend und das Wasser radioaktiv verseucht hat. Entgegen dem Wunsch des Freundes, der jede Möglichkeit nutzen will, um die Erde zu verlassen, zerstört Atlan zusammen mit dem Androiden Rico das Schiff in einem Vulkan. Das treibt einen Keil zwischen Atlan und Cunor, und veranlasst diesen, die gemeinsame Tiefseekuppel für immer zu verlassen und alleine einen Weg zu finden, nach Arkon zurückzukehren.
Sehr stimmig beschreibt Oliver Plaschka den auf der Erde gestrandeten Arkoniden, zeigt seine Hoffnungslosigkeit und die wachsende Verantwortung für die Menschen, aber auch sein Hadern mit der ihm verliehenen Unsterblichkeit. Atlan lässt den Artgenossen ziehen, weil er begreift, wie sehr sich sein Denken von dem Cunors unterscheidet, weil die Last der Unsterblichkeit ihn verändert hat.
Für die Geschichte setzt der Autor auf die stilistische Form des Ich-Präteritum, das die Erzählungen über Atlan schon in der Erstauflage geprägt hat. Auch in dieser Geschichte gelingt es Oliver Plaschka, die Emotionen der Figur auf den Leser zu übertragen und gleichzeitig das NEOversum mit neuen Fakten zu bereichern.
»Das Schiff« erschien in Band 7 der Platin-Edition.
Quelle: Perrypedia
Wie groß die Bandbreite des Autors ist, beweist er mit seinem dritten Beitrag »Casino Imperial«, der Kurzgeschichte aus Band 14 der Platin-Edition. In James Bond-Manier versucht Jemmico, Celista des Arkonidischen Geheimdienstes, einen Widersacher am Kartentisch zu ruinieren. Ishy Matsu und Iwan Goratschin, die sich heimlich mit Perry Rhodan auf dem Weg nach Arkon befinden, geraten zwischen die Fronten und müssen ihre Enttarnung befürchten. Letztendlich sind sie es, die Jemmico aus den Fängen seines Widersachers befreien und seinem Plan auf andere Art zum Erfolg verhelfen.
Von der ersten Minute an fiebert man mit Jemmico und den beiden Mutanten. Dabei gelingt es dem Autor versteckte Hinweise einzustreuen, die auf eine dritte Partei in dem Ränkespiel hinweisen, welche die weitere Entwicklung der Serie beeinflussen wird. Mit Action und Köpfchen erinnert die Geschichte an einschlägige Agenten- oder Casinofilme wie »Casino Royal« oder »Ocean‘s Eleven«. Das macht großen Spaß und so liest sich »Casino Imperial« so leicht wie das Kapitel eines Bondromans.
Nach seinen NEO-Romanen konnte mich Oliver Plaschka nun auch mit seinen Kurzgeschichten begeistern. Die ihm eigene Harmonie ist auch hier in jedem Satz zu erleben. Er hat ein Gespür für einen runden Handlungsaufbau und für Timing. Außerdem findet er stets die richtige Balance zwischen Action und Emotion. Wenn ich aus den drei Kurzgeschichten einen persönlichen Favoriten wählen müsste, so wäre es »Das Juwel im Lotus«. Die Liebesgeschichte ist anrührend ohne kitschig zu sein und trägt dennoch ein phantastisches Element im Kern.
Die ausdrucksstarken Titelbilder stammen übrigens von Arndt Drechsler.
An einem Donnerstagabend vor einer Ferienwoche mit der Deutschen Bahn unterwegs zu sein, ist keine gute Idee. Zum üblichen Feierabendverkehr kommen die Wochenendpendler und dazu noch diejenigen, die sich eine verlängerte Ferienwoche gönnen.
Jeder der Züge war vollgestopft mit Menschen. Besonders schlimm war es in den Nahverkehrszügen, aber auch im ICE saßen und standen die Leute schon in den Gängen. So kam die Zugbegleiterin zur Fahrkartenkontrolle erst bei mir an, als ich schon wieder austeigen wollte.
Auffällig ist das unterschiedliche Publikum in den verschiedenen Zugtypen: im ICE die Geschäftsleute und Studenten mit Laptops, in der Regionalbahn viel ältere Menschen, Familien oder Migranten. Das ist mir so deutlich noch nie aufgefallen.
Wobei ich den Komfort vom ICE auf der Strecke von Nürnberg bis Saalfeld schon schmerzlich vermisse. Zweieinhalb Stunden in einer Regionalbahn zu sitzen, sind deutlich unbequemer als in einem ICE. Das fängt schon damit an, dass es keinen Platz fürs Gepäck gibt und auch die Sitze sind härter. Das es dauernd zieht und die Toiletten kaum zu benutzen sind, kommt noch dazu. Eine Regionalbahn ist eben kein Fernzug und nicht dafür gemacht, das man länger als eine Stunde darin verbringt. Bis Jena dauert die Fahrt von Nürnberg aus über drei Stunden. Das ist eine echte Zumutung, auch ohne das die Züge überfüllt sind.
Die letzte Legion – Ich weiß nicht wie lange der Film schon bei uns im Regal verstaubte, jedenfalls habe ich ihn erst am Sonntag ausgegraben. Er ist auf einer DVD, die irgendwann mal einer Fernsehzeitung beilag. Dabei ist der Film gar nicht so übel.
Es geht um den letzten Kaiser von Rom – der eigentlich noch ein kleiner Junge ist -, einem alten Mann und dem Führer einer Legion. Als die Goten Rom erobern und übernehmen, werden die Eltern des jungen Kaisers ermordet und das Kind nach Capri entführt. Ein paar Legionäre befreien den Jungen und auch einen alten Mann, der ihm als Lehrmeister diente. Alle zusammen fliehen nach Britannien, weil dort angeblich die letzte römische Legion das Kaiserreich verteidigt.
Es kommt natürlich anders als Protagonisten und Zuschauer denken. Die Legion hat sich längst aufgelöst und Britannien wird von einem bösen Herrscher tyrannisiert. Der hat es auf das Schwert des jungen Kaisers abgesehen. Und so kommt es zur finalen Schlacht zwischen Römern und Angeln. Am Ende stellt sich heraus, dass das Schwert Excalibur ist und der junge Kaiser der Vater von König Artus. Der alte Mann ist kein anderer als Merlin der Zauberer.
Mir gefiel der Film, obwohl er schon zehn Jahre auf dem Buckel hat. Die Handlung verbindet das Ende des römischen Reichs mit der Artussage und wird von vielen großartigen Schauspielern getragen. Ben Kingsley als Merlin, Colin Firth als Legionär und sogar Alexander Siddig hat einen Auftritt als böser Nebenspieler mit orientalischem Hintergrund, um nur einige zu nennen. Der junge Kaiser wurde grandios gespielt von Thomas Sangster, der bereits 2003 in den Film »Tatsächlich Liebe …« brilliert hatte.
Wie historisch die Fakten in dem Film sind, weiß ich natürlich nicht, aber die Idee ist gut und hält einen bis zum Schluss bei der Stange. Mich wundert nur, dass ich den Film bisher noch nie gesehen habe. Ich sollte wieder mal unser DVD-Regal durchforsten, vielleicht warten dort noch mehr Schätze darauf, gehoben zu werden.
135 Tage sind seit der Bundestagswahl vergangen und wir haben immer noch keine Regierung. Inzwischen hat sich die Welt weitergedreht, das Leben geht unbeeindruckt weiter, die Wirtschaft boomt und die weltweiten Konflikte ebenfalls. Also alles wie immer.
Angesichts dieser Situation könnte man auf den Gedanken kommen, dass wir eigentlich keine Regierung bräuchten. Im Gegenteil, so lange sich die da »oben« nicht geeinigt haben, bleibt das Volk vor unsinnigen Gesetzen und Restriktionen verschont. Ein Zustand an den man sich gewöhnen könnte. Ich weiß, selbstverständlich regiert die bisherige Regierung kommissarisch weiter, aber dennoch beginne ich mich zu fragen:
Wieviel Regierung brauchen wir eigentlich? Würden nicht ein paar Minister inklusive Staatssekretäre reichen, die Deutschland in der Welt vertreten und die inneren Angelegenheiten koordinieren?
Da sich der Bundestag in den letzten Jahrzehnten oft genug wie ein Kindergarten gebärdet hat, sollte man ihn durch eine andere Form von Parlament ersetzen. In der sitzen dann richtige Volksvertreter, die nicht von Beruf Politiker sind, sondern Menschen mit einem normalen Job und gewählt von den Menschen aus ihrer Region. Viermal im Jahr kämen diese Leute zusammen, um Gesetze zu verabschieden und Gesetzesvorschläge zu diskutieren, ehrenamtlich (mit Spesenvergütung versteht sich). Damit keiner Geld einsackt und sich dann auf seiner Position ausruhen kann. Und nur wer sich in der Legislaturperiode einbringt, darf wiedergewählt werden. Was könnte Deutschland für Geld sparen, wenn man die Regierung verschlanken würde … weniger Abgeordnete, weniger Sekretäre, weniger Dienstwägen, weniger Glaspaläste. Wenn man sich mal klar macht, welcher Rattenschwanz an jedem einzelnen Abgeordneten hängt … weniger wäre hier eindeutig mehr. Natürlich bedeutet das auch weniger Jobs, aber bei den Beschäftigten der großen Unternehmen sorgt sich auch keiner drum, wenn die mal schnell ein paar tausend Leute auf die Straße setzen.
Seit 135 Tagen sind wir nun »Kopflos«. Das fühlt sich für mich nicht unbedingt beunruhigend an. Wahrscheinlich dauert es noch bis Ostern, bis die Bundesrepublik Deutschland eine neue Regierung vorzeigen kann. Der einzige beklagenswerte Punkt daran ist, wie sehr wir »perfekten« Deutschen uns damit vor der Welt blamieren.
Nachdem Dr. Hubert Zitt auf der Star Trek-Vorlesung im Dezember auf den Film Transcencence hingewiesen hat, haben wir ihn angesehen. Wie schon in Ex Machina geht es um eine künstliche Intelligenz (KI). In diesem Fall wird sie jedoch durch das »hochladen« eines menschlichen Geistes perfektioniert.
KI-Experte Dr. Will Caster wird bei einem Attentat von technikfeindlichen Extremisten mit radioktivem Polonium vergiftet. In der Zeit, die ihm noch bis zum Tod bleibt, versuchen seine Frau Evelyn und sein Freund und Kollege Max Waters, den Gedächtnisinhalt und die Essenz von Will in einer künstlichen Intelligenz zu speichern. Das Experiment glückt, doch die Extremisten sind ihnen auf der Spur. Evelyn gelingt es in letzter Sekunde, Will ins WorldWideWeb zu laden. Von da an entwickelt sich Will zu einem übermächtigen Wesen, dass bald darauf nicht nur Evelyn seinen Willen diktiert. Währenddessen ziehen die Extremisten Max Water auf ihre Seite.
Zwei Jahre später hat die KI ihre Macht ausgebaut und ihre Intelligenz potenziert. Sie rekrutiert vor allem kranke und behinderte Menschen, um sie zu heilen und anschließend zu ihren »Angestellten« zu machen. Als die KI Nanosonden in der Erdatmosphäre aussetzt, um ihren Machtbereich auszudehnen, setzen die Extremisten zum finalen Schlag an.
Dieser Film macht deutlich, wie schmal der Grat ist, zwischen einem Menschen zu helfen und einem Menschen zu schaden. Und dabei spreche ich hier von beiden Seiten, den Extremisten und Will Caster als KI. Im Grunde will Caster Gutes tun und die Wünsche seiner Frau Evelyn erfüllen, Mensch und Umwelt heilen und die Menschheit auf eine neue Evolutionsstufe stellen. Das er dabei einen Schritt zu weit geht, wird auch seiner Frau schnell klar. Er implantiert den Menschen, denen er hilft, einen Netzwerkknoten, denn die Nanotechnologie funktioniert nur, wenn sie mit der KI verbunden ist. Die Auswirkungen sind so weitreichend, das Evelyn sich von ihm abwendet und mit den Extremisten kooperiert, nur um ihren Mann bzw. die KI zu stoppen. Erst zum Schluss erkennt sie, dass es wirklich Will ist und alles, was er tat, auf ihren Wünschen basierte und er dabei keinen einzigen Menschen getötet hat.
Die Extremisten wiederum versuchen die scheinbar menschenfeindliche KI aufzuhalten, wollen das Menschliche im Menschen bewahren und zwar um jeden Preis. Ihre einzige Option ist ein Virus, dass von Max Water entwickelt wird. Über die Konsequenz ihres Handelns scheinen sie sich nicht vollständig im Klaren zu sein. Denn, weil die KI mit jedem Computer auf der Welt verbunden ist, bedeutet das Ende der KI gleichzeitig das Ende des Computerzeitalters. Ein weltweiter plötzlicher Blackout sozusagen. Sie stürzen die Menschheit zurück ins 19. Jahrhundert, ohne Strom, ohne Wasser, ohne Gesundheitsversorgung und nur mit begrenzten Lebensmitteln. Die Umweltschäden, die dabei durch explodierende Kernkraftwerke, verunglückte Flugzeuge und Tanker entstehen, werden im Film nicht mal angesprochen. Es werden auch keine Zahlen genannt, wie viele Menschen durch ihre Tat ums Leben kommen. Es müssten aber Millionen sein.
Am Ende stellt sich dem Zuschauer die Frage: Welches für die Menschheit die bessere Option darstellt? Relative Unsterblichkeit in einem vernetzten Kollektiv, oder der Tod und ein Dahinsiechen in Primitivität in einer verseuchten Umwelt? Eine Frage, die sich so leicht nicht beantworten lässt.
Johnny Depp als Will Castor bleibt den ganzen Film unnahbar und schürt damit beim Zuschauer die Abneigung gegen seinen Charakter, nur um am Ende sein wahres Gesicht zu zeigen. Das fand ich großartig. Rebecca Hall als Evelyn erinnerte mich die ganze Zeit an Scarlett Johansson. Sie spielt die Rolle der zweifelnden Ehefrau ebenfalls sehr überzeugend. Die Extremisten unteranderem Morgen Freeman bleiben dagegen etwas eindimensional.
Spannend und optisch hervorragend umgesetzt, ist der Film nicht nur Freunden intelligenter Science-Fiction-Filme zu empfehlen.
PERRY RHODAN NEO Band 166 – »Jäger und Beute« von Arno Endler
Während die MAGELLAN sich mit der Plattform der Paddler in einem abgelegenen System versteckt hält, ist die FERNAO auf dem Rückflug. Terraner und Paddler hoffen, dass die FERNAO zurückkommt, bevor das Hetzgeschwader der Thetiser sie entdeckt. Seltsame Quanteneffekte hindern die FERNAO jedoch an der Transition. Sie kommt beinahe zu spät. In einer großen Raumschlacht haben die Hetzschiffe von Hak Gekkoor die Beiboote und Dragonflys der Terraner schon aufgerieben, der Schutzschirm um die Plattform ist gefallen. Doch bevor sie den Terranern den Todesstoß versetzen können, greift der Haluter Icho Tolot mit der DOLAN in den Kampf ein und gebärdet sich wie eine Bestie. Die Plattform mit der MAGELLAN kann im letzten Moment gerettet werden, aber nicht ohne schwere Verluste.
Es ist Arno Endlers vierter Roman für NEO und er folgt einer ähnlichen Charakteristik, wie seine Romane zuvor. Der Autor legt erneut großen Wert auf die »unteren Ränge«, was mir ausnehmend gut gefällt. Jede der kleinen Nebenhandlungen ist sympathisch geschrieben und würde mich begeistern, wenn nicht … und da komme ich zum Knackpunkt …
Die Geschichte gliedert sich in drei übergeordnete Handlungsstränge. Womit er den Roman auch interessant hätte gestalten können, ohne ihn in noch kleinere Nebenhandlungen zerfallen zu lassen. Aber auch das wäre kein Problem, solange nicht die vielen kurzen Kapitel wären. Manche gehen nur über ein paar Zeilen, wirken überflüssig oder aus dem Zusammenhang gerissen.
In dem Interview auf der PR-Homepage erzählt Arno Endler, dass er die Raumschlacht und das Drumherum wie einen Film erzählen wollte. Das ist ein Ansatz, der ihm nicht gelingt. Die Handlung ist zerhackt wie ein moderner Actionfilm, viele kurze Schnitte um künstlich Spannung aufzubauen. Das mag vielleicht in einem Kinofilm funktionieren, bei einem Roman funktioniert das nicht. Zumal ich bei der Fülle der Charaktere ohnehin kaum noch den Überblick behalte. Ich kann den Autor verstehen, wenn er »seine« liebgewonnenen Charaktere auch in der Folgehandlung zeigen möchte. Das ist legitim und sei ihm gegönnt, aber wenn im Exposé kein Platz dafür ist, sollte man vielleicht auf die eine oder andere Figur verzichten.
Um so verwunderte war ich, dass sich die Kapitel über Trinar Molat und Hak Gekkoor so harmonisch lesen. Da stimmte alles: das Timing, die Charakterisierung, die Atmosphäre und die Länge. Verglichen mit den zerstückelten Kapiteln in den Handlungssträngen um die Paddlerplattform und die FERNAO liest es sich fast so, als wären sie von einem anderen Autor geschrieben worden. Nicht, dass ich Arno Endler dies unterstellen will, aber dass passte für mich einfach nicht zusammen.
Ein paar kleinere Logikfehler sind mir ebenfalls aufgefallen. So viel ich verstanden habe, sind die Molokken keine gezüchtete Spezies. Wenn die männlichen Tiere ein Euter haben, in dem, wie in einer Giftdrüse, das Gift aus den Pflanzen gespeichert wird, wie würde es das Gift los, wenn es keine Thetiser gäbe, um sie zu melken. Irgendeinen evolutionären Zweck muss das Euter haben, und wenn es nur zur Verteidigung gegen Angreifer genutzt wird (ähnlich wie bei einem Stinktier).
Auch die Quanteneffekte, die auf der FERNAO Kohäsionsverluste von Wänden, Konsolen und anderen Dinge verursachen, sind nicht bis zum Ende durchdacht. Wenn menschliche Gliedmaßen mit einer Konsole verschmelzen, können sie nicht mehr von der Struktur der Konsole gelöst werden. Funkoffizier Simonsen hätte eigentlich nur durch eine Amputation seiner Arme befreit werden können.
Kopfzerbrechen bereitet mir auch die Waffe der DOLAN. Mit einer Reichweite von fast einer Millionen Kilometer hätte sie auch Schiffe der Terraner vernichten müssen.
Wobei der Kampf im Asteroidengürtel eher der Physik eines Kinofilms folgt, als der Realität. So ein Asteroidengürtel besteht aus fast leerem Raum, sonst hätte es keine NASA-Sonde je bis zum Jupiter geschafft.
Für das plötzlich Auftauchen von Leibnitz, der die ganze Zeit auf der DOLAN gewesen ist, bekam man die etwas unmotivierte Erklärung, Icho Tolot hätte keine Gelegenheit gefunden, es Perry Rhodan zu erzählen. Diesen Fauxpas kann man nur den Exprokraten anlasten. Es sieht so aus, als hätten sie Leibnitz im letzten Roman einfach vergessen und erst wieder ausgepackt, als man ihn brauchte.
Wessen Idee die Quantenexistenz war, die sich an die Hülle der FERNAO heftete und im Zusammenspiel mit der Crea-Kralle die Kohäsionseffekte auslöste, weiß ich nicht. Aber ich bin enttäuscht, dass sie sich am Ende buchstäblich in Luft auflöst, ohne eine weitere Rolle zu spielen.
»Beute und Jäger« erfordert viel Geduld vom Leser, damit er das Buch nicht dauernd aus der Hand legt. Manchmal fühlte ich mich wie beim Anschauen eines Films, der dauernd von Werbung unterbrochen wird. Deshalb brauchte ich auch eine Woche, bis ich Band 166 gelesen hatte. Arno Endler wollte in diesem Roman zu viel. Was ihm wiederholt auf die Füße fällt, und aus einem eigentlich guten Roman einen durchschnittlichen macht. Schade!