In der Seele der Ostdeutschen

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25 Jahre nach dem Mauerfall erschien 2014 eine Dokumentation über die Ostdeutschen. Warum ich das damals nicht mitbekommen habe, weiß ich nicht mehr. Wahrscheinlich ist es in dem Wust an Filmen und Dokus die damals zum Mauerfall überall ausgestrahlt wurden, einfach untergegangen. In den vergangenen Wochen habe ich mir die DVD-Box von »Die Ostdeutschen – 25 Wege in ein neues Land« angesehen.

25 Geschichten, das bedeutet 25 Schicksale in 25 Jahren. Menschen, die durch die Wende viel gewonnen aber auch viel verloren haben, die neuen Wege gesucht und gefunden haben. Manche sind mit dem Erreichten zufrieden, andere wiederum sind noch immer auf der Suche. Aber allen ist eines gemein, sie verbindet eine Vergangenheit in einem Land, das aufgehört hat, zu existieren. Und das heute so fern ist, als hätte es dieses Land nie gegeben. Sie trauern ihrer Heimat nach, nicht jedoch der DDR. Nein, es ist keine »Ostalgie« die in den Interviews mitschwingt. Es sind Erinnerungen an eine Vergangenheit, die so gut und so schlecht war, wie die jedes anderen Bundesbürgers und doch ist sie spürbar, die Verbindung zwischen den so unterschiedlichen Menschen. Sie sind sich dessen bewusst – heute mehr denn je – das sie anders ticken, als ihre Freunde und Bekannten aus dem Westen. Sie ahnen inzwischen, dass ihre Vergangenheit besonderes war und sie damit zwangsläufig zu einem Teil der deutschen Geschichte macht.

Ich wage zu behaupten, dass keiner, der nicht wirklich in der DDR gelebt hat, in irgendeiner Weise nachvollziehen kann, wie unser Leben gewesen ist. Diese Dokumentation öffnet erstmalig einen Blick in die Seele der Ostdeutschen, offenbart ihre Persönlichkeit und beantwortet ganz nebenbei die Frage, warum wir so sind, wie wir sind. Das hat mich schwer beeindruckt.

Jeden, den das Thema interessiert und der erahnen will, was es bedeutet, in der DDR geboren worden zu sein, dem empfehle ich diese Dokumentation. Die DVD-Box bestehend aus 3 DVDs ist bei den einschlägigen Onlinehändlern erhältlich.

Mein Roman Dein Roman

Irgendwas mache ich falsch.

Statt an meinem eigenen Roman zu arbeiten, testlese und lektoriere ich die Romane von anderen. Heute schloss ich die Arbeit an einer FanEdition ab, die in noch diesem Jahr erscheinen soll. Über mehrere Monate hinweg hat mich der Text beschäftigt gehalten. An sich mache ich sowas ganz gern, aber dieser Text war eine echte Herausforderung. Er hat mich viel Kraft und Durchhaltevermögen gekostet. Zeitweise habe ich mich ziemlich zusammenreißen müssen, um dranzubleiben. Dabei ist die Idee für die Geschichte gar nicht schlecht. Nur reicht eine gute Idee allein nicht aus, sie muss auch entsprechend umgesetzt werden. Aber seien wir ehrlich, daran hapert es nicht nur bei Hobbyautoren.

Ich kann mir jedenfalls jetzt gut vorstellen, wie sich so ein Verlagslektor fühlt, wenn sein Autor mal keinen guten Tag hatte. Da möchte man sich glatt hinsetzten und den Roman selbst schreiben.

Testlesen kann auch Spaß machen. Zum Beispiel wenn der Autor spannend schreibt oder schon Routine hat, oder auch wenn einem der Schreibstil liegt. Da tut man sich leichter.

Warum ich mir Testlesen immer wieder antue? Eigentlich aus ziemlich egoistischen Gründen, frei nach dem Motto: eine Hand wäscht die andere. Denn auch ich bin auf das Feedback von Testlesern angewiesen und weil sie sich meist aus dem Kreis befreundeter Autoren requirieren, hofft man eben auf gegenseitige Übereinkommen.

Nur klappen will das in der Wirklichkeit meist nicht so richtig. Denn wenn ich wirklich jemanden brauche, stehe ich meist alleine da.

Daran sollte ich wohl noch arbeiten.

Wenn’s hakt, dann hakt’s

Die Arbeit eines Hobbyredakteurs kann manchmal ziemlich frustrierend sein. Das erlebe ich dieser Tage hautnah und ziemlich deutlich. Interviewpartner die zugesagt haben, springen ab oder reagieren einfach nicht. Fest zugesagte Artikel werden nicht abgeliefert und auf E-Mails mit Anfragen bekommt man keine Antwort. Als ob das nicht schon reichen würde, ist vergangenes Wochenende auch noch der Computer unseres Layouters gestorben. Ein Festplattencrash, bei dem ein Großteil des fertigen Layouts der nächsten SOL 89 zerstört wurde. Womit sich sowohl Schlussredaktion als auch Auslieferung verzögern werden. Dazu kommen die häuslichen Probleme unsers Kassen- und Mitgliederwarts der PRFZ, der wegen eines Umzugs logischerweise mit seiner Arbeit nicht hinterher kommt, weswegen ich E-Mails von ungeduldigen Fans abfange und beantworte.

Beim Newsletter hakt es schon länger. Was vor allem an den Interviewpartnern liegt und daran, dass ich auch ein Privatleben habe. Verlassen kann ich mich zumindest auf die PERRY RHODAN-Redaktion. Wenn ich etwas brauche, sind sie immer zur Stelle. Unterstützung erhalte ich auch vom Team, die meist sofort einspringen, wenn ich sie darum bitte. Aber alles können sie mir eben auch nicht abnehmen.

Die kommende Ausgabe noch nicht in trockenen Tüchern und ich weiß momentan nicht so recht, wie ich die Jubiläumsausgabe füllen soll. Denn es sieht so aus, als würde ich die meisten der angeforderten Artikel nicht bekommen. Was ich ziemlich schade finde, weil ich mir richtig tolle Sachen ausgedacht hatte. Ich muss mir nun Alternativen überlegen, die aber sicher nicht so super sein werden, wie der ursprünglich geplante Inhalt. Das ist ein wenig frustrierend. Aber wie so oft kommt es im Leben anders, als man es plant.

Online mit der Bahn

Nachdem ich seit Dezember nur noch eingeschränkt nach Thüringen reisen kann – der neuen ICE-Trasse sei Dank – lohnt sich für mich auch das Flexticket nicht mehr. Wobei das mit der Flexibilität ohnehin nur noch eine Farce ist. Ich kann zwar alle möglichen Züge benutzen, aber nur an einem Tag und nur auf dieser Strecke. Früher galt das Flexticket zwei Tage für die Hinreise und einen Monat für die Rückreise. Weil ich ja nun auf die wenigen zeitlich günstigen Verbindungen festgelegt bin, kann ich auch ein Sparticket nutzen. Das hat mir bei meiner letzten Reise 29 Euro gespart. Das Einsparpotential wäre noch größer gewesen, wenn ich nicht erst einen Tag vor Abreise gebucht hätte. Beim nächsten Mal denke ich dran. So zahle ich noch weniger. Das hat die Deutsche Bahn nun davon.

Da ich inzwischen auch ein Smartphone besitze, habe ich zum ersten Mal das mit dem Handy-Ticket ausprobiert. Es funktioniert prima und ich muss zusätzlich nicht noch Ausweis oder BahnCard hervorkramen. Auch das werde ich beim nächsten Mal wieder so machen.

Was die Pünktlichkeit angeht, funktionierte es auf der Hinfahrt richtig gut. Kunststück, ich war auch fast ausschließlich mit Regionalzügen unterwegs. Auf der Rückfahrt hatte wiedermal der EC zwanzig Minuten Verspätung. Aber das bin ich gewohnt, ich wüsste nicht, wann der Zug in letzter Zeit mal pünktlich gewesen wäre (zumindest wenn ich damit gefahren bin).

Wurmloch-Physik auf spanisch

Einen wunderschönen Kurzfilm über Wurmlöcher entdeckte ich vor ein paar Tagen bei dieZukunft.de dem Phantastik-Portal des Heyne-Verlags.

Wurmlöcher werden auch Einstein-Rosen-Brücke genannt. Einstein-Rosen ist auch der Titel des kleinen Filmchens, das mir viel Spaß bereitet hat. Die beiden Jungdarsteller spielen hervorragend und ich hatte die ganze Zeit den jungen Spock aus Star Trek 11 im Kopf. Regisseurin Olga Osorio inszenierte die Geschichte um zwei Brüder und ihren Theorien zu Wurmlöchern durchaus augenzwinkernd. Aber mehr verrate ich jetzt nicht, sonst versaue ich euch noch die Pointe.

Einziger Nachteil, der Film ist auf Spanisch und die englischen Untertitel sind manchmal schlecht zu lesen. Ich empfehle, den Film mehrmals anzusehen, damit man nichts verpasst. Es lohnt sich.

Wunderliche Nachrichten

»IKEA lässt Frauen auf eine Katalogseite pinkeln.« Diese Schlagzeile hielt ich zunächst für eine Nachricht des Postillions. Doch es scheint tatsächlich zu stimmen. Wenn man Urin auf ein Feld tropft und man schwanger ist, erscheint auf der Katalogseite ein Sonderpreis für ein Kinderbett. Ich weiß nicht, ob ich das jetzt brillant oder dämlich finden soll. Ich denke dabei nur an die Konsequenzen, die so etwas haben kann. Zum Beispiel könnten ein paar Teenager aus Spaß das ausprobieren und bei einem Mädchen zeigt es eine Schwangerschaft an. Die dreht durch, bringt sich vielleicht um und am Ende stellt sich raus, es war falscher Alarm. Oder umgekehrt, jemand freut sich so über die Schwangerschaft und ist dann enttäuscht, weil der Test unzuverlässig war. Ich weiß nicht, vielleicht bin ich zu alt oder zu spießig. Ich halte das Konzept für moralisch ziemlich fragwürdig.

Dann lese ich am Wochenende in der Tageszeitung, wie sich eine hiesige Sprenggesellschaft über ein neues Betätigungsfeld freut – die Sprengung von Windkraftanlagen. Ich habe mir verwundert die Augen gerieben, als ich das gelesen habe. Da werden in Norddeutschland ganze Windparks zurückgebaut. Angeblich um sie durch neuere und modernere Anlagen mit mehr Leistung zu ersetzen. Warum muss man die Masten denn unbedingt sprengen? Kann man nicht einfach eine neue Anlage drauf setzen? Ich kann mir kaum vorstellen, dass die Betonmasten schon nach wenigen Jahren so marode sind, dass sie nicht wieder verwendet werden können. Da wird erst irrsinnig viel Geld investiert, um die Anlagen zu bauen und dann investiert man wenige Jahre später noch mal richtig viel Geld, um sie wieder zu sprengen. Mit Nachhaltigkeit und Umweltbewusstsein hat das nichts mehr zu tun. Das widerspricht dem Ökostromgedanken und entzieht sich irgendwie meiner Logik. Aber ich muss nicht alles verstehen.

Die Sache mit der Hygiene

Das es um Deutschlands Krankenhäuser schlechter bestellt ist, als man immer denkt, wurde mir bei meinen Besuchen in den letzten Tagen bewusst. Einerseits hängen dort überall Desinfektionsmittel zur Hand-Desinfektion herum, aber der Fußboden wurde in fünf Tagen nicht ein einziges Mal gewischt. Da liegen Tupfer und Kanülen auf dem Boden, benutzte Waschlappen und Handtücher hängen über der Heizung und verteilten ihre Keime in die schlechte Luft. Das Fenster konnte nur gekippt werden, was einen wirklichen Luftaustausch nur bedingt ermöglichte. Eine Patientin aus dem Zimmer kam wegen Verdacht auf Lungenentzündung auf die Intensivstation und ihr angebrochener Jogurt gammelte einen Tag lang auf dem Nachtschrank vor sich hin. Der Mülleimer im Bad quoll schon über, als das Zimmer bezogen wurde und wurde auch in den darauffolgenden Tagen nicht geleert.

Technik und Ausstattung sind auf dem Stand der Neunzigerjahre. Ein Röhrenmonitor für das ganze Zimmer, keine Kopfhörer, sondern eine Art Telefonhörer, den man sich zum Fernsehgucken aus Ohr halten muss. Telefon gibt es auch nicht (zum Glück war die Benutzung von Handys erlaubt) und um das Bett auf- oder abzustellen, benötigt man die Hilfe einer Pflegekraft. Das Essen besteht aus Pulver angerührten Suppen oder anderem Fertigfraß.

Mir war nicht klar, dass es in Deutschland noch Kliniken gibt, in denen es so rückständig zugeht. Ärgerlich ist vor allem die mangelnde Hygiene. Da wurde die Besuchertoilette laut Plan öfter gereinigt als die Patientenzimmer. Am Sonntag brannte im Flur vor den Aufzügen nicht mal Licht. Es war düster, weil es dort keine Fenster gibt. Wahrscheinlich eine Sparmaßnahme.

Nein, ich möchte ganz sicher nicht in einem solchen Krankenhaus behandelt werden. Da mögen die Ärzte noch so einen guten Ruf haben, wenn das Drumherum nicht passt, hilft auch der beste Arzt nichts.

War früher wirklich alles besser?

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»Früher war alles schlechter« ist der Titel eines Buches von Guido Mingels, das ich vergangenes Jahr von meinem Mann geschenkt bekam. Auf 115 Seiten werden in anschaulichen Infografiken, Statistiken aus einhundert Jahren aufbereitet. Die Themenvielfalt deckt den ganzen Bereich des menschlichen Daseins ab. Von der Lebenserwartung über Terroranschläge und bis hin zu Bierkonsum und Weißen Weihnachten.

Zahlen lügen nicht, heißt es. Und wenn man sich die Grafiken so anschaut, so ist die Welt tatsächlich nicht so schlecht, wie wir glauben. Früher war tatsächlich vieles sehr viel schlechter. Nur unser Eindruck ist ein anderer, als noch vor zwanzig Jahren. Durch das Internet bekommen wir heute sofort mit, wenn in China mal »ein Sack Reis umfällt« oder in der Nachbarschaft einer die Zeche geprellt hat. Die Flut an Informationen ist es, die uns suggeriert, dass die Welt kurz vor dem Untergang steht.

Natürlich ist auf der Welt vieles nicht so, wie es sein sollte, aber in manchen Dingen haben wir tatsächlich eine verzerrte Wahrnehmung. Zum Beispiel was die Zahl der Todesopfer von Terroranschlägen in Westeuropa angeht. Die war in den 70er und 80er Jahren doppelt bis dreimal so hoch wie seit dem Jahr 2000. IRA, Eta und RAF töteten manchmal bis zu 400 Menschen im Jahr (nur in Europa). In einer Zusatzinformationen zur Grafik erfährt der Leser, dass Terrorismus eine äußerst erfolglose Form der Konfliktlösung ist, und praktisch alle Terrorgruppen von 1968 bis 2006 scheiterten.

Das kleine Sachbuch zeigt das Leben in nüchternen Zahlen, ist hübsch aufbereitet und mit spannenden Informationen ausgestattet. Ich schlage hin und wieder mal nach, wenn ich irgendwo die Behauptung lese, dass dieses oder jenes früher besser war. Meistens entpuppt sich die Meldung dann als übertrieben. Und das beruhigt mich irgendwie ein bisschen.

Die gebundenen Ausgabe erschien im April 2017 in der Deutschen Verlags-Anstalt und ist in jeder Buchhandlung oder bei allen Onlinehändlern erhältlich.