Die Sache mit der Hygiene

Das es um Deutschlands Krankenhäuser schlechter bestellt ist, als man immer denkt, wurde mir bei meinen Besuchen in den letzten Tagen bewusst. Einerseits hängen dort überall Desinfektionsmittel zur Hand-Desinfektion herum, aber der Fußboden wurde in fünf Tagen nicht ein einziges Mal gewischt. Da liegen Tupfer und Kanülen auf dem Boden, benutzte Waschlappen und Handtücher hängen über der Heizung und verteilten ihre Keime in die schlechte Luft. Das Fenster konnte nur gekippt werden, was einen wirklichen Luftaustausch nur bedingt ermöglichte. Eine Patientin aus dem Zimmer kam wegen Verdacht auf Lungenentzündung auf die Intensivstation und ihr angebrochener Jogurt gammelte einen Tag lang auf dem Nachtschrank vor sich hin. Der Mülleimer im Bad quoll schon über, als das Zimmer bezogen wurde und wurde auch in den darauffolgenden Tagen nicht geleert.

Technik und Ausstattung sind auf dem Stand der Neunzigerjahre. Ein Röhrenmonitor für das ganze Zimmer, keine Kopfhörer, sondern eine Art Telefonhörer, den man sich zum Fernsehgucken aus Ohr halten muss. Telefon gibt es auch nicht (zum Glück war die Benutzung von Handys erlaubt) und um das Bett auf- oder abzustellen, benötigt man die Hilfe einer Pflegekraft. Das Essen besteht aus Pulver angerührten Suppen oder anderem Fertigfraß.

Mir war nicht klar, dass es in Deutschland noch Kliniken gibt, in denen es so rückständig zugeht. Ärgerlich ist vor allem die mangelnde Hygiene. Da wurde die Besuchertoilette laut Plan öfter gereinigt als die Patientenzimmer. Am Sonntag brannte im Flur vor den Aufzügen nicht mal Licht. Es war düster, weil es dort keine Fenster gibt. Wahrscheinlich eine Sparmaßnahme.

Nein, ich möchte ganz sicher nicht in einem solchen Krankenhaus behandelt werden. Da mögen die Ärzte noch so einen guten Ruf haben, wenn das Drumherum nicht passt, hilft auch der beste Arzt nichts.

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