Auf der Röthelmoosalm

Wie ich auf die Idee kam, zur Röthelmoosalm zu wandern, ist eigentlich makaber. Seit zwei Wochen wird ein Kollege meines Mannes in dem Gebiet vermisst. Nur sein Auto wurde bisher auf dem Parkplatz Urschlau gefunden. Weil ich wissen wollte, wo das ist, schaute ich bei Google-Maps nach und fand in der Nähe einen Wasserfall. Weshalb ich meinem Mann vorschlug, doch hier mal wandern zu gehen, nachdem uns unser neuer Fahrradträger im Stich gelassen hat. (Davon berichte ich später mal.)

Wir brachen am Sonntagmorgen relativ früh auf, dennoch war der Parkplatz schon voll. Der Linienbus quetschte sich auch noch durch und brachte weitere Wanderer. Jede Menge Familien mit Kindern, ältere Leute und Radfahrer waren dabei, sich startklar zu machen. Auf der Forststraße ging es teilweise zu, wie in der Stadt. Vor allem die Radfahrer mit ihren E-Mountainbikes nervten und auch die SUV-Fahrer, die aus irgendwelchen Gründen auf der, für den Verkehr gesperrten, Forststraße bis auf die Alm fahren mussten.

Egal. Wir wanderten an der Urschlauer Ache entlang, deren hellblaues Wasser in kleinen Pools schimmerte. Danach ging es einen breiten Forstweg hinauf. Ständig zogen Radfahrer vorbei, mal mit und mal ohne E-Bike. Wanderer sah man eher selten. Der Wald war angenehm schattig und der Weg bis auf ein zwei Rampen nicht allzu steil.

Nach einer Dreiviertelstunde erreichten wir einen Aussichtspunkt, von dem man einen Wasserfall im Tal bewundern konnte. Mich erinnerte der Ausblick ein klein wenig an Madeira, nur die Bäume sahen anders aus. Wir machten mit dem Handy ein paar Fotos, weil wir mal wieder die Kamera daheim vergessen hatten.  Keine 500 Meter weiter öffnete sich das Tal zu einer flachen Ebene umringt von felsigen Bergen. Vor den Almhütten stauten sich die Besucher. Die Fahrradfahrer radelten in hoher Geschwindigkeit wie Getriebene auf den flachen Wegen. Sitzgelegenheiten waren rar und wenn, waren sie bereits von Wanderern und Fahrradfahrern belegt. Also aßen und tranken wir im Stehen.

Wir spazierten noch ein wenig weiter zum Talausgang, kehrten dann aber um, als uns die Wanderer-Massen entgegen kamen. Der Weg führt nämlich direkt ins 5-Seen-Gebiet, dass gut mit dem Bus zu erreichen ist. Viele nutzen den Weg über die Rödlmoosalm, um von einer Bushaltestelle zur anderen zu wandern. Mir war einfach zu viel los, und so gingen wir zurück. Eigentlich wollten wir einen schmalen Wanderweg nehmen, fanden ihn aber nicht und nahmen dann doch wieder die Forststraße, mit all den Autos und Fahrrädern.

In diesem Jahr ist man in den Bergen nicht allein, selbst auf den unwegsamsten Wegen drängeln sich die Massen. Auf dem Rückweg am Bach entlang, fühlte ich mich an die Menschenmassen vom Pragser Wildsee erinnert, um den wir im Sommer 2014 gewandert waren. Da kam man sich vor wie Samstags in der Kaufingerstraße in München. Das ist nicht schön, aber auf der anderen Seite auch verständlich. Jeder sucht in diesen Zeiten, in denen man nicht ins Ausland fahren möchte (kann) ein Stückchen Erholung in der heimischen Natur. Warum man aber mit einem E-Bike, das zehn Zentimeter breite Reifen hat, den Berg hochfahren muss, erschließt sich mir nach wie vor nicht. Ich glaube, dass ein E-Bike für viele nur ein Statussymbol ist, vergleichbar mit dem Auto.

Ein paar Fotos haben wir gemacht, auch wenn die Qualität nicht so gut ist.


4 thoughts on “Auf der Röthelmoosalm

  1. Ich kann ja keine deutsche Grammatik, aber an diese Satz bin ich hängen geblieben:

    Ständig zogen Radfahrer vorbei, mal mit und mal ohne E-Bike.

    Das würde KNF doch sicher bekritteln? Denn das Rad haste ja schon erwähnt, es musste dann doch einfach im Nebensatz nur lauten: mal mit und mal ohne Strom. Ansonsten könnte man annehmen die „normalen“ Radfahrer hätte ab und an auch noch ein E-Bike geschultert, oder wie?

    Keine Ahnung wie ich da jetzt drauf komme, aber gibt es Aufklärung?

    1. Stimmt. Korrekt müsste der Satz heißen:
      „Ständig zogen Radfahrer vorbei, mal auf normalen Fahrrädern und mal auf E-Bikes.“

      Ich hoffe, es ist jetzt klarer.

      Übrigens: KNF schreibt in seinem Blog auch nicht immer grammatikalisch korrekt. ;-)

  2. Was gemeint war ist schon klar, sollte auch keine Kritik sein. Und die meisten Leute verstehen sicherlich auch das richtige. Vielleicht ist es mir deshalb aufgefallen. Weil es so absurd ist sich einen Radler mit einem E-Bike auf dem Rücken vorzustellen, denn das war mein erster Gedanke beim lesen :) :)

    Was KNF betrifft, das stimmt, da finden sich auch gerne mal Typos die dann wahre Stilblüten ergeben. Aber wen wundert es, wenn man bedenkt wie viel Text er in den letzten Jahrzehnten verfasst hat für die diversen Blogs die er führt.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.