Autosonntag in den Bergen

Blauer Himmel, warme Temperaturen, goldener Herbst in den Bergen. Doch statt lauschiger Plätzchen und Ruhe, lange Autoschlangen, überfüllte Parkplätze, rüpelhafte SUV-Fahrer und Staus an jeder kleinen Kreuzung. Von den Abgasen der Oldtimer ohne Kat ganz zu schweigen.

Weil wir Besuch haben, luden wir unsere Gäste zum Mittagessen ins Zipfhäusl nach Ramsau ein. Das Lokal hat eine tolle Aussicht auf die Berge des Berchtesgadener Nationalparks und man kann von dort aus bequem ein paar Schritte auf einem ebenen Wanderweg gehen. Was auch für ältere Leute und Menschen mit Gehbehinderung machbar ist. Doch allein die Parkplatzsuche war ein Alptraum. Die Gaststätte hat einen riesigen Parkplatz und ein Teil davon ist speziell für Gäste abgesperrt. Dennoch war alles heillos überfüllt, weil sich die Wanderer dort breit gemacht haben. Denn im Lokal war überraschend wenig los. Dabei wären sicher noch zehn bis zwanzig Autos mehr hingegangen, wenn sich alle richtig hingestellt und nicht riesige Abstände gelassen hätten. So musste mein fast achtzigjähriger Schwiegervater zwanzig Minuten entfernt oberhalb am Berg parken und zu Fuß herab- und hinaufsteigen.

Anschließend wollten wir noch an den Hintersee, doch schon die Straße durch Ramsau war voller Autos und die Parkplätze bis auf den letzten Platz besetzt. Einige parkten gleich mitten im Wald. Auf dem See wimmelte es von Booten, an den Ufern spazierten die Massen, wie am Samstag in der Fußgängerzone in München. Da an Anhalten nicht zu denken war, blieb uns nichts weiter übrig, als weiterzufahren. Aber auch auf den Straßen war kaum ein durchkommen. Es herrschte Verkehr wie auf einer Autobahn. Mein Mann wurde mit unserem Corsa mehrmals von der Straße gedrängt. Motorräder schlängelten sich zwischen den Autokolonnen hindurch. Nur ein paar mutige Radfahrer trotzen den dicht vorbeifahrenden Autos. Dabei waren es meist keine Urlauber, die motorisiert unterwegs waren, sondern Einheimische. Es schien, als wäre der halbe Landkreis mit dem Auto in den Bergen unterwegs. Überall wo man hinsah Autos, Autos und nochmal Autos. Nein, so macht ein Ausflug in die Berge echt keinen Spaß.

Hauptsächlich lag es daran, weil mehrere Straßen wegen Baustellen gesperrt sind, aber auch, weil es zu wenig Linienbusse gibt, die in den Bergen unterwegs sind.

Zumindest was die Parkplätze angeht, wäre ich für Parkgebühren für diejenigen, die nicht in den Gasthäusern essen. Unsere Nachbarländer machen das auch. In Italien und der Schweiz kann man nirgendwo mehr kostenlos parken, dafür sind die Parkplätze schön hergerichtet, manche sogar überwacht. Dafür gebe ich dann auch gern mal ein paar Euro aus.

Das Essen hat jedenfalls geschmeckt. Wir haben das Panorama und die warme Sonne genossen. Aber schöner wäre es gewesen ohne den Stress auf der Straße und bei der Parkplatzsuche.

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