Wind und Wetter

An der Praia Bordeira

An der Westküste der Algarve wähnt man sich ein bisschen wie am Ende der Welt und irgendwie war es das ja auch viele Jahrhunderte lang. Bevor Eroberer wie Kolumbus nach Westen über den Atlantik segelten, endete die Welt hier an diesen steilen Felsen. An denen sich die Wellen des Ozeans brechen und salzhaltiges Wasser in weißen Gichtwolken in der Luft verteilen.

Auch am gestrigen Sonntag gab es hier eine eindeutige Grenze. Nämlich die zwischen Sonnenschein und dichter Wolkendecke. Die Wolken zogen vom Meer heran und legten sich als kalter Nebel bis zu einem Kilometer ins Landesinnere. Sehen konnte man die Klippen nur unscharf und an dem Strand, den wir angefahren hatten, blies ein kräftiger Wind. Dummerweise hatte ich nicht daran gedacht, eine Jacke mitzunehmen, denn noch wenige Minuten zuvor hatte das Thermometer des Autos 25 Grad angezeigt. Auf den Felsen über der Praia Bordeira waren es nur noch 17 Grad und der strenge Wind von der See ließ einem die Temperatur noch kühler erscheinen.

Ich kam mir vor wie an einem Novembertag in Deutschland. So richtig hell würde es nicht mehr werden und gemütlich war es auch nicht. Wir fuhren von Aussichtspunkt zu Aussichtspunkt des angelegten Weges, den man auch zu Fuß erkunden kann. Einige taten das sogar, aber noch interessanter fand ich die Indie-Camper in ihren Fahrzeugen. So eine Mischung aus Kelly-Family und Windsurfer, mit Rastalocken und Jesuslatschen. Die Caravans hatten Bambusvorhänge an den Türen und Wäscheberge auf dem Beifahrersitz. Um das Klischee perfekt zu machen, fehlten eigentlich nur noch die kreisenden Joints. Es waren erstaunlich viele Deutsche darunter. Sicher eine spannende Art Urlaub zu machen, aber definitiv nichts für mich. Da ziehe ich das gemachte Hotelbett am Abend doch der freien Natur vor. Spießig, ich weiß.

Der Landstrich im Westen wirkt verlassen, verglichen mit dem quirligen Leben entlang der Touristenzentren. Doch die Vegetation aus Pinienwäldern und sanften von bunten Blumen bewachsenen Hügeln, hat durchaus ihren Reiz. Vom nahen »Weltende« spürt man auf der Hauptstraße nach Norden nichts. Nichtmal das schlechte Wetter war von hier aus zu erahnen. In Aljezur bogen wir Richtung Monchique in die Berge ab, machten eine kurze Rast zwischen Eukalyptus und Kiefern und fuhren dann eine steile und abenteuerliche Straße hinunter Richtung Meer.

Ich wollte unbedingt die Rennstrecke sehen, die man hier vor Jahren in die Landschaft gesetzt hat. Und die durchaus Formel Eins tauglich ist. Doch ohne das Navi vom Handy wären wir daran vorbei gefahren, da die Straße nur noch einer Schotterpiste glich und wir uns nach der Ausschilderung richteten, die wahrscheinlich Touristen und Einheimische an dem Wunderwerk vorbeileiten soll. So drehten wir wieder um und vertrauten uns den Schlaglöchern und staubigen Untergrund an, um nach einer Hügelkuppe, plötzlich auf der modernsten Straße zu stehen, die man sich vorstellen kann. Aus der Piste wurde eine vierspurige Autobahn mit riesigen Kreisverkehren und gesäumt von gigantischen Parkplätzen. Von der Rennstrecke sieht man nur die Hauptribüne von hinten. Die lässt jedoch erahnen, wie spektakulär und groß das Gelände ist. Den abrupten Übergang von Buckelpiste zu Autobahn diskutierten wir fassungslos noch auf der Heimfahrt.

Kurz vor der Abfahrt von der Autobahn begann es zu tröpfeln. Die dicken Regenwolken, die vom Land zum Meer zogen, hatten wir schon von weitem bemerkt. Bisher hatte sich stets die Sonne durchgesetzt und die Wolken aufgelöst, dieses Mal jedoch nicht. Im Hotel angekommen, brach ein Gewitter herein, dass uns eine Stunde lang mit Blitz, Donner und kräftigen Regen unterhielt. Ein Schauspiel, das man im Sommer hier nicht oft erlebt. Danach schien aber wieder die Sonne, bevor sie im Westen hinter der Silhouette von Albufeira unterging.

Das Autodromo Internacional do Algarve
Der »wilde« Westen der Algarve
Durch Pinienwälder

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