Ambivalenter Datenschutz

Es gibt einen neuen Aufreger in Sachen Datenschutz. Das Zauberwort heißt »eCall« und muss ab 31. März diesen Jahres von den Autoherstellern in alle neuen Modelle eingebaut werden. In vielen Autoklassen gibt es dieses System gegen Aufpreis schon länger.

An sich ist die Idee dahinter nicht verkehrt. Wenn ein Auto einen Unfall hat, verständigt das System automatisch die Rettungskräfte über die Notfallnummer 112. Aber wie immer gibt es da einen Haken. Für das System muss das Auto mit dem Internet verbunden sein. Außerdem kann eCall noch mehr, als nur einen Anruf tätigen. Es leitet relevante Daten weiter, wie Positionsdaten, wieviele Personen im Auto sitzen, wie schnell das Auto gefahren ist und ob der Fahrer angeschnallt war. Es kommt aber noch besser. Das System verfügt auch über ein Mikrophon, denn die Rettungsleitstelle setzt sich bei einem Unfall zunächst mit dem Fahrzeuginsassen in Verbindung und fragt was los ist. Diese Funktion könnte unter Umständen auch dazu genutzt werden, um Gespräche abzuhören.

Natürlich sagen alle, dass die Daten nur an die Rettungskräfte weitergeleitet würden und anschließend gelöscht werden. Aber das hat Facebook über die Daten seiner Nutzer auch gesagt. Wie sehr das stimmt, haben wir in dieser Woche ja gesehen. Die Gefahr, das die vom Auto gesammelten Daten für Versicherungen, und Geheimdienste genutzt werden, ist natürlich immer gegeben. Auf Grund der ständigen Positionsbestimmung wird das Auto zum gläsernen Auto und der Fahrer gleich mit. Es könnten Fahrerprofile angefertigt werden, wie aggressiv oder wie zahm ein Fahrer fährt. Danach könnten KFZ-Versicherungen ihre Prämien ausrichten. Oder es könnten Bewegungsdaten des Autos gesammelt und für Werbung, oder … was weiß ich … verwendet werden. Am beunruhigendsten finde ich aber den Gedanken, in meinem Auto ein Mikrophon zu haben, das meine Gespräche mithören kann. Die Geheimdienste lachen sich angesichts dieser Tatsache ins Fäustchen. Dann müssten sie keine Abhörmikrophone mehr heimlich in Autos installieren, sie würden einfach das eCall-System nutzen. Natürlich gilt das auch in der Gegenrichtung, weshalb der BND und der Verfassungsschutz laut Insiderinformationen jetzt darüber nachdenken die eCall Funktion aus ihren Autos zu entfernen.

Ich bin ja der Meinung, dass jeder Autofahrer selbst entscheiden sollte, ob er so ein System im Auto haben möchte oder nicht. Es von oben zu diktieren, nimmt uns wieder ein Stück Selbstbestimmung und tritt den Datenschutz mit Füßen.

Apropos Datenschutz! Wie ich letztens erfahren habe, darf mir mein Chef nicht mehr zum Geburtstag gratulieren. Außer ich sage ihm ausdrücklich, dass ich Geburtstag habe. Denn laut Datenschutz darf er nicht wissen, wann ich Geburtstag habe. Die Kollegen übrigens auch nicht, weshalb man keine Geburtstagskalender oder -listen mehr in Firmen aufhängen darf.

Meine Geburtsdaten sind vor meinen Kollegen geschützt. Intime Gespräche, die ich mit meinem Mann im Auto führe, nicht … Es lebe der Datenschutz!

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