Das große Dorf

München und insbesondere Schwabing ist schon besonders. Das stellte ich erst jetzt wieder fest, auch wenn ich nicht so genau sagen kann, woran es liegt und was diese Besonderheit ausmacht, aber es hat einfach seinen eigenen Charme. Zwölf Jahre meines Lebens habe ich dort verbracht und manchmal vermisse ich die Atmosphäre. Als wir letztens im dichten Verkehr die Leopoldstraße hinunterfuhren, in der Akademiestrasse unser Auto abstellten und in Richtung Türkenstrasse gingen, kamen all die Erinnerungen wieder hoch.

Genau genommen gehört die Türkenstrasse ja schon zur Maxvorstadt, aber hier ist das Schwabinger Flair am intensivsten zu spüren. Es hat immer noch den Charme eines Künstlerviertels, obwohl die alten Zeiten längst vorbei sind. Doch Künstler kann man hier so nah an der Akademie der Künste und der LMU auch heute noch entdecken. Da ist zuerst mal mein ehemaliger Arbeitgeber, der den ganzen Block zwischen Türkenstraße, Rambergstraße, Kurfürstenstraße und Adalbertstraße einnimmt. Ein Großbetrieb der neben Filmkameras auch filmische Illusionen produziert und ein eigenes Kino hat. Von der technischen Ausrüstung das Beste was es in München gibt. Manchmal finden dort Premieren statt und wenn man genau hinsieht, kann man auch mal den einen oder anderen Promi zum Tor herauskommen sehen.

Stars und Sternchen sieht man hin und wieder auch in den umliegenden Cafés und Restaurants. Viele haben Tische und Stühle auf dem Gehweg stehen, in denen es sich nicht nur bei schönem Wetter gut sitzen und beobachten lässt. Dazwischen findet man immer wieder kleine ausgefallenen Geschäfte, die ständig zu wechseln scheinen (wahrscheinlich, wegen der exorbitant hohen Mieten). Dieses Mal entdeckte ich ein Geschäft für Luftballons und eine T-Shirt Druckerei mit witzigen Motiven. (Zum Beispiel zwei auf sich zielende Panzer, darunter der Spruch: Bis einer heult!) Aber es gibt sie noch, die alteingesessenen Läden wie den Suckfüll (Haushaltswaren) oder Geschäfte die ausschließlich Papier und Pigmente verkaufen. Aber auch in dieses Viertel drängen sich zunehmend die Ladenketten. Noch vor zehn Jahren, wäre hier ein „Butlers“ unvorstellbar gewesen. Und leider gibt es auch das „Zweitausendundeins“ nicht mehr, dort habe ich gern in Büchern und CD’s gestöbert.

Einzig der Verkehr ist in den engen Straßen ein wenig nervig. Inzwischen ist die Türkenstrasse ja zur Einbahnstraße geworden, aber mit den parkenden Autos, rechts und links, ist es trotzdem recht eng. Seit der radikalen Parkplatz-Reformation von vor ein paar Jahren, findet man aber nun auch zu Spitzenzeiten einen Parkplatz, auch wenn er ein wenig teuer ist. Früher war das eine ziemliche Katastrophe, weil viele Plätze durch Dauerparker besetzt waren. Heute gibt es Seitenstraßen in denen nur Anwohner parken dürfen, im Rest ist parken nur mit Parkschein erlaubt. Das ist für die Stadt nicht nur ein riesiges Geschäft, sondern hat auch dazu geführt, die Parkplatzsituation merklich zu entspannen.

Ich komme immer wieder gerne hierher, weil man sich hier nicht wie in einer Großstadt fühlt. Und weil ich es liebe die Leute in den Cafés und beim Flanieren zu beobachten, frei nach dem Motto: „Sehen und gesehen werden!“

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