Christinas Multiversum

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Von Harka zu Tokei-ihto

Cover des Verlagsprogramm

Etwas mehr als dreißig Jahre ist es jetzt her, seit ich den Sechsteiler Die Söhne der großen Bärin von Liselotte Welskopf-Henrich gelesen habe. Im zarten Alter zwischen sieben und zwölf gehörten Indianergeschichten zum häufigsten, was ich an Literatur in meiner Freizeit konsumierte. Ich las fast alles, was mir dazu unter die Finger kam, beziehungsweise, was ich in der Bibliothek finden konnte. Sogar vor Sachbüchern schreckte ich nicht zurück. Selbstverständlich gehörte auch Karl May dazu, der just in den Achtzigern in der ehemaligen DDR eine Rehabilitation erfuhr. Viele Romane habe ich sogar mehrmals gelesen.

Die Bücher um Die Söhne der großen Bärin unterscheiden sich von den Wild-West-Abenteuern von Karl May, weil sie sich mehr auf die Kultur der Indianer konzentrieren. Das Schicksal der Nordamerikanischen Ureinwohner lässt sich an der Geschichte um den jungen Häuptlingssohn Harka, der zum Häuptling Tokei-ihto heranwächst, sehr gut ablesen. Neben dem Kampf gegen die weißen Siedler stehen vor allem Rivalitäten zwischen den verschiedenen Stämmen im Vordergrund. Ich weiß noch, wie ich das damals hochinteressant fand. Ich begriff schnell, dass mir die Romane von Welskopf-Henrich echtes Wissen vermittelten, während die Karl-May-Bücher eher fiktive Abenteuer in den Mittelpunkt stellten. Kein Wunder, die Autorin arbeitete in der DDR als Historikerin und beschäftigte sich neben den Nordamerikanischen Indianern vor allem mit dem antiken Griechenland.

Jetzt wurden Die Söhne der großen Bärin im Palisander-Verlag neu aufgelegt. Die sechs Hardcover bekamen einen neuen Umschlag und enthalten nun auch das Nachwort der Autorin, welches in der Erstveröffentlichung von 1951 abgedruckt worden war. Ebenfalls erhältlich ist das Hauptwerk der Autorin eine Pentalogie zum Leben der Indianer in den Reservaten in den 1960 und 70er Jahren, die ich damals ebenfalls mit großem Interesse gelesen habe. Meine Ausgaben, die ich noch im Bücherregal stehen habe, sind Paperbacks aus dem Altberliner-Verlag von 1983.

Auch wenn Indianergeschichten heutzutage nicht mehr das ganz große Interesse der Jugend wecken, bin ich mir sicher, dass die Romane von Welskopf-Henrich auch heute noch junge Menschen begeistern könnten, sofern man ihnen den Zugang dazu ebnet. Ich habe es jedenfalls nie bereut.

Übrigens, den gleichnamigen Film fanden meine Freundinnen und ich damals nicht so toll. Das lag aber wohl eher an Gojko Mitic (von uns auch verächtlich »Mittenklitsch« genannt), der unter uns Mädchen niemals den Stellenwert eines Pierre Brice erreichte. Da hatten die Karl-May-Filme eindeutig die Nase vorn.

Gaids sind geil

Quelle: Perrypedia

PERRY RHODAN NEO Band 167 – »Die Grenzwächter« von Madeleine Puljic

Eine thetisische Flotte versucht Menschen und Paddler am Verlassen des Reichs von Andrumida zu hindern. Da eilen der MAGELLAN und der PE-hilfreich Fremde zu Hilfe und opfern sogar viele ihrer Schiffe, bis sie die Thetiser durch bloße Überzahl in die Flucht getrieben haben. Die Fremden nennen sich Gaids und sind überaus freundlich. Doch statt die MAGELLAN und die Paddlerplattform weiterziehen zu lassen, laden sie die Menschen in ihr Heimatsystem ein. Rhodan folgt der Einladung mit großem Mistrauen. Nicht nur er kann nicht glauben, dass ein Volk so selbstlos und freundlich sein kann. Als die kleine Delegation auf dem Heimatplaneten der Gaids von einem Sperrgebiet erfährt, in dem Teile aus dem Crea-Universum niedergegangen zu sein scheinen, schöpft Rhodan Verdacht. Er bittet Baar Lun, Tim Schablonski, Luan Perparim und den jungen Techniker Alexander Kapescu sich das heimlich anzusehen, während er diplomatische Verhandlungen mit den Obersten führt. Doch die Gaids kommen schnell dahinter und nehmen den Menschen den Vertrauensbruch ziemlich übel.

Erstklassisch kann man zu diesem gelungenen Werk nur sagen. Spannend, witzig und mit dem nötigen »Sense of Wonder« geleitet Madeleine Puljic ihre Leser durch den kurzweiligen Roman. So schnell konnte ich gar nicht gucken, wie ich die 161 Seiten ausgelesen hatte.

Das Volk der Gaids wird von der Autorin mit viel Liebe zum Detail ausgestattet. Die Fremden sind bestückt mit einer Moral, die sogar einen Perry Rhodan alt aussehen lässt. Jeder der überfreundlichen Fremden ist wunderbar charakterisiert, vom Flottenchef über den Paarungsbruder bis hin zum »Hellsten«. Die Heimatwelt der insektoiden Thetiserabkömmlinge steckt ebenfalls voller Ideen. Es ist genau das, was man als PERRY RHODAN-Leser erwartet: fremde Welten, außergewöhnliche Außerirdische und Charaktere mit viel Herz und Humor.

Mit Alexander Kapescu ist der Autorin ein weiterer großer Wurf gelungen. Das großmäulige Greenhorn macht nicht nur den Lesern viel Spaß, sondern vor allem der Autorin. Ich hoffe, dass wir weiterhin von ihm hören werden. An dieser Figur wird deutlich, wie wichtig stimmige Charaktere sind. Kapescu mag als Figur völlig überzeichnet sein, überzeugt mich aber mehr, als alle Figuren von Arno Endler aus Band 166.

Damit die große Rahmenhandlung der Staffel nicht unter die Räder kommt, sorgen mehrere Kapitel um Mirona Thetin, die zusammen mit Atlan heimlich der MAGELLAN durch das Gebiet der Gaids folgt. Hier erfahren wir auch, woher die Gaids kommen und warum sie eine besondere Stellung innerhalb Andromedas innehaben.

Bemängeln kann ich eigentlich nur, dass die Geschichte mit einem fiesen Cliffhanger endet und mich als Leser gierig sabbernd zurücklässt. So schlimm, dass ich mir sogar die Leseprobe von Band 168 von der PERRY RHODAN-Homepage laden musste, nur um zu erfahren wie es weitergeht.

Fazit: »Die Grenzwächter« stellt zum vorangegangenen Band eine regelrecht erholsame Lektüre dar. Größer kann der Unterschied zwischen zwei Romanen eigentlich nicht ausfallen. Jeder der Spaß an ungewöhnlichen Charakteren und exotischen Welten hat, dem sei der Roman von Madeleine Puljic empfohlen.

Gestückelt nicht püriert

Quelle: Perrypedia

PERRY RHODAN NEO Band 166 – »Jäger und Beute« von Arno Endler

Während die MAGELLAN sich mit der Plattform der Paddler in einem abgelegenen System versteckt hält, ist die FERNAO auf dem Rückflug. Terraner und Paddler hoffen, dass die FERNAO zurückkommt, bevor das Hetzgeschwader der Thetiser sie entdeckt. Seltsame Quanteneffekte hindern die FERNAO jedoch an der Transition. Sie kommt beinahe zu spät. In einer großen Raumschlacht haben die Hetzschiffe von Hak Gekkoor die Beiboote und Dragonflys der Terraner schon aufgerieben, der Schutzschirm um die Plattform ist gefallen. Doch bevor sie den Terranern den Todesstoß versetzen können, greift der Haluter Icho Tolot mit der DOLAN in den Kampf ein und gebärdet sich wie eine Bestie. Die Plattform mit der MAGELLAN kann im letzten Moment gerettet werden, aber nicht ohne schwere Verluste.

Es ist Arno Endlers vierter Roman für NEO und er folgt einer ähnlichen Charakteristik, wie seine Romane zuvor. Der Autor legt erneut großen Wert auf die »unteren Ränge«, was mir ausnehmend gut gefällt. Jede der kleinen Nebenhandlungen ist sympathisch geschrieben und würde mich begeistern, wenn nicht … und da komme ich zum Knackpunkt …

Die Geschichte gliedert sich in drei übergeordnete Handlungsstränge. Womit er den Roman auch interessant hätte gestalten können, ohne ihn in noch kleinere Nebenhandlungen zerfallen zu lassen. Aber auch das wäre kein Problem, solange nicht die vielen kurzen Kapitel wären. Manche gehen nur über ein paar Zeilen, wirken überflüssig oder aus dem Zusammenhang gerissen.

In dem Interview auf der PR-Homepage erzählt Arno Endler, dass er die Raumschlacht und das Drumherum wie einen Film erzählen wollte. Das ist ein Ansatz, der ihm nicht gelingt. Die Handlung ist zerhackt wie ein moderner Actionfilm, viele kurze Schnitte um künstlich Spannung aufzubauen. Das mag vielleicht in einem Kinofilm funktionieren, bei einem Roman funktioniert das nicht. Zumal ich bei der Fülle der Charaktere ohnehin kaum noch den Überblick behalte. Ich kann den Autor verstehen, wenn er »seine« liebgewonnenen Charaktere auch in der Folgehandlung zeigen möchte. Das ist legitim und sei ihm gegönnt, aber wenn im Exposé kein Platz dafür ist, sollte man vielleicht auf die eine oder andere Figur verzichten.

Um so verwunderte war ich, dass sich die Kapitel über Trinar Molat und Hak Gekkoor so harmonisch lesen. Da stimmte alles: das Timing, die Charakterisierung, die Atmosphäre und die Länge. Verglichen mit den zerstückelten Kapiteln in den Handlungssträngen um die Paddlerplattform und die FERNAO liest es sich fast so, als wären sie von einem anderen Autor geschrieben worden. Nicht, dass ich Arno Endler dies unterstellen will, aber dass passte für mich einfach nicht zusammen.

Ein paar kleinere Logikfehler sind mir ebenfalls aufgefallen. So viel ich verstanden habe, sind die Molokken keine gezüchtete Spezies. Wenn die männlichen Tiere ein Euter haben, in dem, wie in einer Giftdrüse, das Gift aus den Pflanzen gespeichert wird, wie würde es das Gift los, wenn es keine Thetiser gäbe, um sie zu melken. Irgendeinen evolutionären Zweck muss das Euter haben, und wenn es nur zur Verteidigung gegen Angreifer genutzt wird (ähnlich wie bei einem Stinktier).
Auch die Quanteneffekte, die auf der FERNAO Kohäsionsverluste von Wänden, Konsolen und anderen Dinge verursachen, sind nicht bis zum Ende durchdacht. Wenn menschliche Gliedmaßen mit einer Konsole verschmelzen, können sie nicht mehr von der Struktur der Konsole gelöst werden. Funkoffizier Simonsen hätte eigentlich nur durch eine Amputation seiner Arme befreit werden können.
Kopfzerbrechen bereitet mir auch die Waffe der DOLAN. Mit einer Reichweite von fast einer Millionen Kilometer hätte sie auch Schiffe der Terraner vernichten müssen.
Wobei der Kampf im Asteroidengürtel eher der Physik eines Kinofilms folgt, als der Realität. So ein Asteroidengürtel besteht aus fast leerem Raum, sonst hätte es keine NASA-Sonde je bis zum Jupiter geschafft.

Für das plötzlich Auftauchen von Leibnitz, der die ganze Zeit auf der DOLAN gewesen ist, bekam man die etwas unmotivierte Erklärung, Icho Tolot hätte keine Gelegenheit gefunden, es Perry Rhodan zu erzählen. Diesen Fauxpas kann man nur den Exprokraten anlasten. Es sieht so aus, als hätten sie Leibnitz im letzten Roman einfach vergessen und erst wieder ausgepackt, als man ihn brauchte.

Wessen Idee die Quantenexistenz war, die sich an die Hülle der FERNAO heftete und im Zusammenspiel mit der Crea-Kralle die Kohäsionseffekte auslöste, weiß ich nicht. Aber ich bin enttäuscht, dass sie sich am Ende buchstäblich in Luft auflöst, ohne eine weitere Rolle zu spielen.

»Beute und Jäger« erfordert viel Geduld vom Leser, damit er das Buch nicht dauernd aus der Hand legt. Manchmal fühlte ich mich wie beim Anschauen eines Films, der dauernd von Werbung unterbrochen wird. Deshalb brauchte ich auch eine Woche, bis ich Band 166 gelesen hatte. Arno Endler wollte in diesem Roman zu viel. Was ihm wiederholt auf die Füße fällt, und aus einem eigentlich guten Roman einen durchschnittlichen macht. Schade!

Im Zeichen des Pubertiers

Quelle: Amazon

Nachdem wir zuletzt den Kinofilm gesehen haben, habe ich nun auch das neue Pubertier-Buch – »Und ewig schläft das Pubertier« – gelesen.

Der Film ist ähnlich gut gemacht wie die Serie, wobei mir Jan Joseph Liefers als Pubertiervater besser gefallen hat, als Pasquale Aleardi. Er schien nicht ganz so verplant. Dafür gefiel mir die Darstellerin der Carla in der Serie besser. Witzig war der Gastauftritt von Jan Weiler am Ende des Films, als Buchhändler.

Doch zurück zum Buch. Inzwischen ist es nicht nur ein Pubertier, das dem gestressten Vater auf der Nase herumtanzt. Auch der Sohn verwandelt sich in ein träges und schwer zu verstehendes Monster. Wobei Tochter Carla mit 18 so langsam aus der Pubertät herausgewachsen sein sollte. Gewohnt pointiert beschreibt Jan Weiler den täglichen Kampf mit den hauseigenen »Bestien«, berichtet über schräge Handlungen und sonderbare Eigenheiten seiner beiden Schützlinge im Pubertierlabor. Das ist auch interessant für nicht Pubertierbesitzer. Aber auch die Außenwelt in Form seines Schwagers und des Lehrkörpers wird einbezogen. Das bringt Abwechslung und verschaffte mir den einen oder anderen Lacher. Ich wünschte, der Autor hätte noch mehr solcher kleiner Begebenheiten angeführt. Wobei man als Leser nie weiß, ob ihm das, was er schreibt, wirklich so widerfahren ist.

Somit ist auch der dritte Teil der Pubertierbücher sehr unterhaltsam und zu keiner Zeit langweilig. Das einzige Manko ist das Preis-Leistungs-Verhältnis. 14 Euro für ein kleinformatiges Hardcover mit 171 Seiten (9,99 Euro kostet das E-Book und 11,49 Euro die Audio CD). Dafür bekomme ich auch ein 500-seitiges Taschenbuch. Das Buch wird bei Amazon als Geschenkbuch geführt, aber für ein Geschenkbuch finde ich es eindeutig zu teuer. Ich persönlich brauche kein Hardcover, mir würde auch ein Taschenheft reichen und vielen anderen Lesern sicher auch. Das war unteranderem der Grund, mir das Buch gebraucht im Antiquariat zu kaufen.

Ein Haluter in Nöten

Quelle: Perrypedia

PERRY RHODAN NEO Band 165 – »Tolotos« von Rüdiger Schäfer

Mit Band 165 wird das Muster immer sichtbarer, welches die Exposéautoren aus den losen Fäden von 164 Bänden NEO weben. Rüdiger Schäfer muss in die Borsch-Ära zurückgreifen, um seinen Tolotos zu etablieren. Der Haluter ist aus den Diensten der Allianz geflohen und hat sich nun den Meistern der Insel angeschlossen, zumindest einem von ihnen – Faktor III – Proht Meyhet. Dass er damit vom Regen in die Traufe gekommen ist, scheint ihn nicht sonderlich zu stören. Viel wichtiger ist ihm, herauszufinden was es mit den Sonnenchasmen und den Crea zu tun hat, gegen die ANDROS rüstet.

Es überrascht, wie weit der Haluter mit seinen Forschungen bereits gekommen ist. Er ist sogar in der Lage selbst einen Riss in der Raumzeit zu schaffen, um das fremde Paralleluniversum zu untersuchen. Wobei auch hier nicht endgültig geklärt wird, ob es sich um ein echtes Universum handelt oder nur eine Art Zwischenraum.

Auch die Crea scheinen an den Chasmen interessiert und erforschen sie von ihrer Seite aus. Eher unfreiwillig gelangt eine Wissenschaftlerin der Crea durch den von Icho Tolot geschaffenen Riss ins Einsteinuniversum und wird von Tolot festgehalten. Der möchte sie zurückbringen. Das weiß die Kreatur aber nicht und versucht sich selbst zu befreien. Mangelnde Kommunikation sorgt auch hier wieder für genügend Missverständnisse .

Es ist spannend zu lesen, welche moralischen Vorwürfe sich Tolot einerseits macht, andererseits jedoch einfach so an der Raum-Zeit-Schranke herumbastelt. Das bei seinen Versuchen ein Wesen aus einem fremden Universum zu Schaden kommt, nimmt er in Kauf, genauso wie er den Tod dutzender Rhodan-Doppelgänger lange Zeit in Kauf genommen hat. Dass er mit seinen Schuldgefühlen nicht allein steht, sondern dass auch Faktor III darunter leidet, was er im Namen von ANDROS den Thetisern und anderen Lebewesen angetan hat, erzählt Rüdiger Schäfer durchaus glaubhaft.

Rhodans Persönlichkeit wirkt mir dagegen fast schon zu heldenhaft, zu moralisch und zu edelmütig. Seine große Abschiedsszene mit der Crea – der er hilft in ihre angestammte Umgebung zurückzukehren – ist sinnbildlich für den Terraner, der stets an das Gute im Menschen bzw. im Außerirdischen glaubt. Eine Haltung, die ihn ehrt, die aber auch Gefahren heraufbeschwört. In diesem Fall lässt er die Crea mit all den gewonnenen Daten über das Einsteinuniversum und die beiden Galaxien ziehen. Als guten Willen sozusagen. In meinen Augen etwas blauäugig, denn wer weiß denn, ob für Kreaturen, die einen Haluter bezwingen können, die gleichen moralischen Werte gelten wie für den Terraner.

Mit einem Roman der ausschließlich mit Lieblingsfiguren der Fans bestückt ist, kann eigentlich nicht viel schief gehen. In dem kleinen Kammerspiel lässt der Autor die Charaktere gewohnt liebeswert agieren. Guckys Kampeleien mit Bully gehören ebenso dazu wie Leydens offensichtliche Hochachtung für Icho Tolot. Da erwacht ein wenig die Nostalgie aus Zeiten des klassischen MdI-Zyklus.

Stilistisch ist es ein typischer Schäfer-Roman – wenig Dialog, dafür ausschweifende Innansichten und Erklärungen. Nur wenigen Autoren gelingt es, eine solche Menge an Infodump auf eine so angenehme Weise zu vermitteln. Auch wenn ich mir bei den Rückblicken etwas mehr Action gewünscht hätte. Bemerkenswert sind Rüdiger Schäfers Ausführungen zum Multiversum. Ich finde sie deshalb interessant, weil ich in meinem Fanroman Parallelwelten ähnliche Theorien und Methodiken verwende.

Fazit: »Tolotos« ist ein Roman, der nicht nur die Staffelhandlung ein großes Stück voranbringt, sondern auch das große Mosaik des Neoversums zu vervollständigen weiß. Das sich ein kleiner Fehler bei den Zeitabläufen der Universen eingeschlichen hat, kann ich als Leser verschmerzen. Ganz nach den Worten von Deanna Troi in First Contact: »Wir haben keine Zeit, über die Zeit zu reden. So viel Zeit haben wir nicht.«

War früher wirklich alles besser?

Quelle: Amazon

»Früher war alles schlechter« ist der Titel eines Buches von Guido Mingels, das ich vergangenes Jahr von meinem Mann geschenkt bekam. Auf 115 Seiten werden in anschaulichen Infografiken, Statistiken aus einhundert Jahren aufbereitet. Die Themenvielfalt deckt den ganzen Bereich des menschlichen Daseins ab. Von der Lebenserwartung über Terroranschläge und bis hin zu Bierkonsum und Weißen Weihnachten.

Zahlen lügen nicht, heißt es. Und wenn man sich die Grafiken so anschaut, so ist die Welt tatsächlich nicht so schlecht, wie wir glauben. Früher war tatsächlich vieles sehr viel schlechter. Nur unser Eindruck ist ein anderer, als noch vor zwanzig Jahren. Durch das Internet bekommen wir heute sofort mit, wenn in China mal »ein Sack Reis umfällt« oder in der Nachbarschaft einer die Zeche geprellt hat. Die Flut an Informationen ist es, die uns suggeriert, dass die Welt kurz vor dem Untergang steht.

Natürlich ist auf der Welt vieles nicht so, wie es sein sollte, aber in manchen Dingen haben wir tatsächlich eine verzerrte Wahrnehmung. Zum Beispiel was die Zahl der Todesopfer von Terroranschlägen in Westeuropa angeht. Die war in den 70er und 80er Jahren doppelt bis dreimal so hoch wie seit dem Jahr 2000. IRA, Eta und RAF töteten manchmal bis zu 400 Menschen im Jahr (nur in Europa). In einer Zusatzinformationen zur Grafik erfährt der Leser, dass Terrorismus eine äußerst erfolglose Form der Konfliktlösung ist, und praktisch alle Terrorgruppen von 1968 bis 2006 scheiterten.

Das kleine Sachbuch zeigt das Leben in nüchternen Zahlen, ist hübsch aufbereitet und mit spannenden Informationen ausgestattet. Ich schlage hin und wieder mal nach, wenn ich irgendwo die Behauptung lese, dass dieses oder jenes früher besser war. Meistens entpuppt sich die Meldung dann als übertrieben. Und das beruhigt mich irgendwie ein bisschen.

Die gebundenen Ausgabe erschien im April 2017 in der Deutschen Verlags-Anstalt und ist in jeder Buchhandlung oder bei allen Onlinehändlern erhältlich.

Fraktale, Emissäre und Faktoren

Quelle: Perrypedia

PERRY RHODAN NEO Band 164 – »Der Etrin-Report« von Rainer Schorm

Der Autor schafft es in letzter Zeit immer häufiger, mich aufs Neue zu faszinieren. Dabei hatte ich bei seinen frühen NEO-Romanen oft Probleme mit der sehr technischen »Sprache«. Auch in »Der Etrin-Report« versteckt sich viel »Technobabble«, bleibt aber auf einem erträglichen Niveau. Im Gegenteil, Rainer Schorm inspirierte mich, dass ich mich mit Fraktalen beschäftigt habe. (Ich empfehle dazu das Buch »Magische Fraktale in 3D«.)

Die Handlung um die Faktoren III und IV ist von der ersten Seite an spannend und liefert eine Menge neue Antworten hinsichtlich des Aufriss‘ zwischen den Universen und zu den Machtverhältnissen der Meister. Weniger überraschend ist das Auftauchen von Leibnitz, der in Band 160 scheinbar getötet wurde. Ich dachte mir schon, dass die Autoren nicht so viel Arbeit in einen Charakter stecken, um ihn nach wenigen Bänden sterben zu lassen. Leibnitz wurde also von einem Situativ gerettet, das Faktor IV im Donit-System stationiert hatte. Warum er das tat, ist mir aber nicht so ganz klar geworden. Rechnete er eventuell mit der Zerstörung der MAGELLAN? Leibnitz und Monade sind also in der Handlung zurück und werden vom Emissär (der niemand andere als Icho Tolot ist) zur MAGELLAN gebracht.

Interessant sind die Vorgänge die Faktor IV – Miras Etrin – in der Milchstraße beobachtet. Auf dem Erdmond manifestiert sich etwas Ungewöhnliches. Dort scheint eine Art anorganisches Gehirn zu wachsen. Auslöser sind sowohl der Absturz eines Posbi-Raumers, als auch das Chasma. Eigentlich hatte ich beim Lesen schon damit gerechnet, war aber dann doch überrascht, als der Begriff NATHAN fällt. In diesen Kapiteln findet auch ein Wiedersehen mit Dr. Brömmers und seiner Frosch-KI statt. Darüber habe ich mich persönlich sehr gefreut, weil ich die Chemie zwischen Brömmers und dem Frosch gut dargestellt finde.

Ähnlich faszinierend sind auch die Gedanken von Faktor III – Proht Meyhet – über das Beziehungsgeflecht zwischen den Faktoren. Die Meister der Insel sind sich untereinander nicht einig, was den Auftrag von ANDROS angeht. Auch Meyhet versucht Perry Rhodan von der Notwendigkeit zu überzeugen, an einem Strang zu ziehen. Doch im Gegensatz zu Mirona Thetin scheint Meyhet genau zu wissen, wie der Mensch tickt. Ein Vorteil, wenn es ihm gelingt, Rhodan in die Ödnis nach Modul zu locken, um ihn die Auswirkungen des Aufriss zu demonstrieren. Denn ob die Crea eine Gefahr darstellen, da ist sich Meyhet selbst nicht sicher. Die größere Gefahr scheint von ANDROS selbst auszugehen. Mirona Thetin scheint über die Jahrhunderte betriebsblind geworden zu sein, wenn sie es nicht schon immer war. Doch mit Atlans Hilfe gelingt es ihr zumindest die Verschwörung gegen sich, aufzudecken. Was Faktor III und IV in große Gefahr bringt und die Handlung noch spannender macht.

Fazit: »Der Etrin-Report« ist einer der spannendsten Romane aus dem aktuellen Zyklus und hält nicht nur viele Erklärungen, sondern auch einige echte Überraschungen bereit. Damit ist dieser NEO nicht nur lesenswert, sondern auch absolut wichtig für die Zyklushandlung.

Ein Buch wie eine NOVA

Quelle: Amazon.de

NOVA so lautet der Titel der amerikanischen Ausgabe des Romans von Margaret Fortune. In Deutschland ist er unter dem Titel NEW SOL bei Bastei-Lübbe erschienen.

Die anscheinend rechte junge Autorin – leider gibt es kaum Hintergrund-Informationen über sie – schreibt in ihrem Debüt-Roman über eine Raumstation, eine menschliche Bombe und eine Bedrohung für die Menschheit. Das macht sie auf eine erfrischend unkonventionelle Art. Ihr Roman ist im Ich-Präsens geschrieben. Ein stilistisches Mittel, das ich ebenfalls gern benutze, weil man damit den Leser sehr nah an die Figur binden kann. Das funktioniert nicht immer, aber im Fall der Lia Johnson aus dem Roman ist es ideal. Sowohl Leser als auch Protagonistin sind sich den ganzen Roman über nie sicher, wer oder was sie ist. Immer wenn sie glaubt, es herausgefunden zu haben, wird sie eines Besseren belehrt. Die Autorin spielt sehr geschickt mit den Informationen, die sie Lia und dem Leser gleichermaßen zukommen lässt. Das macht die Geschichte unheimlich spannend. Auch wenn die Grundidee nicht unbedingt originell ist.

In der letzten Hälfte des Romans konnte ich das Buch nicht mehr aus der Hand legen. Hier bekommt die Geschichte um die menschliche Bombe Lia noch eine weitere Ebene und das macht es sehr sehr spannend. Ich wollte unbedingt wissen, wie der Roman endet. Wird Lia überleben oder zur Nova werden? Und tatsächlich erfährt man erst auf den letzten Seiten, welches Schicksal Lia ereilt. Ich möchte an dieser Stelle nicht zu viel verraten, weil es sich wirklich lohnt, dieses Buch zu lesen.

Man merkt, dass sich der Roman an ein junges Publikum richtet. Lia und ihr Freund Michael sind 16, Michaels Schwester ist 13. Es werden viele Probleme von Teenagern angesprochen, die sich über die Jahrhunderte nicht verändert zu haben scheinen. Das ist oft klischeehaft, aber nicht so schlimm, wie es sich anhört. Problematischer finde ich etwas anderes. In meinen Augen ist die Hintergrundgeschichte nicht sorgfältig genug ausgearbeitet. Man erfährt nicht in welchem Jahr der Roman spielt, warum die Menschen die Erde verlassen haben und auch die politische Situation rund um Sternenbund, Rebellen und Tellurianischer Allianz bleibt trotz Erklärungsversuchen schwammig. Da hätte deutlich mehr Arbeit in den Weltenbau gesteckt werden müssen. Allerdings habe ich eine Ahnung, warum das so ist …

Als langjährige FanFiction-Autorin hatte ich bei NEW SOL die ganze Zeit über das Gefühl, FanFiction zu lesen. Und zwar zur Fernsehserie Babylon 5. Zum einen wegen der Station, deren Beschreibung sich sehr eng an das Babylon-Center anlehnt, aber auch wegen solcher Begriffe wie PsyCorp (PsiCorp) oder Schatten. Selbst den einen oder anderen Schauspieler hatte ich bei manchen Charakteren im Hinterkopf. Bei FanFiction lässt man eine Geschichte in einer bereits bestehenden Welt spielen. Ich nehme an, dass dies bei der ursprünglichen Fassung der Geschichte der Fall war und sich die Autorin später dazu entschlossen hat, die Geschichte als eigenständigen Roman zu überarbeiten. Was man ihr nicht verübeln sollte, denn die Grundidee und die Ausführung der Geschichte sind es auf alle Fälle wert, von einem großen Publikum gelesen zu werden.

Der Roman ist Teil der fünfteiligen Reihe Krieg der Schatten. Band Zwei erschien im November 2017 unter dem Titel PRISMA ebenfalls bei Bastei-Lübbe. In einem Interview äußerte sich die Autorin, dass sie als Leserin mehrbändige Geschichten eigentlich nicht mag, es aber zum Deal mit dem Verlag gehörte, der ihren Debüt-Roman in den USA veröffentlichte. Man kann nur hoffen, dass die weiteren Bände genauso spannend sind und die Autorin die Möglichkeit bekommt, ihr eigenes Universum zu bauen und zu erweitern.

Viel Schatten und ein wenig Licht

Quelle: Perrypedia

PERRY RHODAN NEO Band 163 – »Geist von Nachtschatten« von Susan Schwartz

Während die MAGELLAN in die Plattform der Paddler integriert wird, spuckt ein Situationstransmitter ein kleines Schiff aus, welches auf dem einzigen Planeten im System eines Flare-Sterns landet. Das Leyden-Team wird losgeschickt, um das fremde Schiff zu untersuchen. Dabei kommen sie in Kontakt mit der ungewöhnlichen Natur des Planeten, auf dem es immer Nacht ist. Als sie das Schiff erreichen, bekommen sie von einem Unbekannten ein Geschenk überreicht, dass die Perry Rhodan persönlich übergeben sollen. Das gefährliche Geschenk ist die Klaue eines/einer Crea, dem geheimnisvollen Feind der Meister der Insel.

Der ist nicht Roman schlecht. Für meinen Geschmack zog er sich im Mittelteil etwas lang hin, aber im Großen und Ganzen war er rund und bot auch die eine oder andere überraschende Wendung. Die Welt des Dunkelplaneten hat die Autorin mit viel Phantasie geschildert und auch das Zusammenspiel der vier Wissenschaftler war stimmig. Allein die Länge der Expedition fand ich etwas nervig. Mich hätte vielmehr das fremde Schiff und sein nicht unbedeutender Passagier interessiert. Vermutlich handelt es sich um niemand anderen als Icho Tolot. Das Geschenk an Rhodan hielt ich zunächst für ein Enteron. Genauso eines wie Rhodan von seinem Alter-Ego bekommen hatte und das wahrscheinlich ebenfalls von Icho Tolot stammte. Schließlich kannte der Haluter die Duplikate von Rhodan. Ich bin gespannt, wie die Expokraten den NEO-»Neulesern« erklären, woher Icho Tolot Rhodan kennt. Da müssen sie schon ein wenig weiter ausholen, denn die Informationen stammen aus Band 100.

Was mir nicht so gut gefällt, ist die ganze Geschichte um Tani Hanafe und die Paddler. Nur weil sie von den Paddlern mehr akzeptiert wird als von den Crewmitgliedern der MAGELLAN, denkt sie darüber nach, bei den Paddlern zu bleiben. Ich weiß nicht, ob ich das an ihrer Stelle auch so sehen würde. Das mag sie jetzt vielleicht befriedigen, aber auf lange Sicht könnte sie diese Entscheidung bereuen. Sie löst sich damit von ihren Wurzeln als Mensch und verzichtet auf die Liebe von Schablonski. Von ihrer Loyalität gegenüber Perry Rhodan, der sie als Mutantin sicher mehr braucht als die Paddler, ganz zu schweigen. Neben Tani Hanafe und dem Sue/Sid Amalgam droht Perry Rhodan jetzt auch noch der Verlust von John Marschall, dem ein unbekanntes Leiden ereilt hat. Es scheint, als wollten sich die Expokraten so nach und nach der Mutanten entledigen.

Interessant sind auch die Fakten zu Faktor III. Was führt der Meister im Schilde und warum hilft er Rhodan, indem er Tolot zu ihm schickt? Oder ist das ganze nur ein Trick von Faktor I, um Rhodan doch noch auf ihre Seite zu ziehen? Wir werden es sehen. Was die nächsten Romane betrifft, ist für Spannung zumindest gesorgt.

Fazit: »Geist von Nachtschatten« ist kein herausragender Roman, aber einer der besseren NEOs der Autorin. Die Expedition des Leyden-Teams empfand ich stellenweise etwas langatmig. Der Rest enthielt jedoch genau die richtige Portion an Informationen, um die Leser bei der Stange zu halten.

»taH pagh taHbe«

Quelle: HEEL-Verlag

Wie ein im Saarland lebender Belgier dazu kommt, einen Sprachführer auf Deutsch zu schreiben, ist an sich schon eine spannende Sache. Weil dieser Sprachführer so ungewöhnlich ist, muss ich einfach darüber berichten.

Lieven L. Litaer hat ein Übungsbuch zur klingonischen Sprache geschrieben. Erschienen ist »Klingonisch für Einsteiger« in diesem Jahr im HEEL-Verlag. Der Verlag machte sich vor allem in den Neunzigern und Zweitausender einen Namen im Fandom, weil er viel Sekundärliteratur zu STAR TREK veröffentlichte. Unteranderem erschien hier auch »Das offizielle (klingonische) Wörterbuch« und später »Klingonisch für Fortgeschrittene«.

Lieven L. Litaer weiß wovon er spricht. Er ist Klingonischlehrer und gibt regelmäßig Seminare. Jetzt hat er seine Erfahrungen in einem kleinen Übungsbuch gebündelt. In 10 Lektionen auf 64 Seiten begleitet man den Sternenflottenoffizier Toby Johnson auf seinem Landurlaub auf der klingonischen Heimatwelt Kronos. In kurzen Übungen wird man in die Sprache der Krieger eingeführt. Eine Audio-CD hilft bei der richtigen Betonung. Die Aufgaben richten sich nach dem Muster üblicher Sprach-Übungsbücher. Dabei geht der Autor aber speziell auf die Eigenheiten der Klingonen ein. So lernt man sich bei einem Wettfluchen verbal genauso zu wehren, wie beim traditionellen klingonischen Paarungsritual. Das ist witzig und macht unheimlich viel Spaß. Wichtig beim Lösen der Sprechaufgaben: man muss maßlos übertreiben. Ich kann mir gut vorstellen, dass das Lernen in einer Gruppe oder zu zweit noch viel lustiger ist.

Neben den Übungen bietet das Buch auch immer wieder Querverweise auf die Wörterbücher und Fakten zur Grammatik sowie Wissenswertes zur Entstehung des Klingonischen, das von Marc Okrand entwickelt wurde. Dieser schrieb auch das Vorwort und macht das Werk von Lieven Litaer damit sogar offiziell. So weit ich gelesen habe, gibt es auch eine englische Übersetzung. Damit ist »Klingonisch für Einsteiger« wieder ein offizielles STAR TREK-Buch, das zuerst in Europa verlegt wurde, nach der PROMETHEUS-Reihe von Christian Humberg und Bernd Perplies.

Wer sich für exotische Sprachen interessiert, für den ist »Klingonisch für Einsteiger« ein Muss. Einfacher kann man die »am schnellsten wachsende Sprache des Universums« nicht lernen. Das Buch (inkl. Audio-CD) kostet 14,99 EUR und ist im Online Shop bei HEEL und im gut sortierten Buchhandel erhältlich.

In dem Sinne wünsche ich allen Lernwilligen: Qapla‘!

Übrigens, die Überschrift des Blogeintrages ist ein Zitat aus Hamlet (dem klingonischen Original versteht sich).