Christinas Multiversum

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Welt im Schmiedefeuer

Quelle: Perrypedia

PERRY RHODAN NEO Band 156 – »Die Schmiede des Meisters« von Oliver Plaschka

Das ich ein Fan des Autors bin, habe ich schon mehrfach erwähnt, um so mehr freut es mich, dass er zur aktuellen Staffel einen Roman beisteuern durfte. Meine Erwartungen wurden nicht enttäuscht, denn dem »Meister der Harmonie« gelingt es wiedermal eine rundum gelungenen Geschichte zu erzählen. Die Abläufe passen perfekt ineinander, der Plot ist nicht überladen und auch die Charaktere sind überzeugend. Und da sich die Geschichte um die Meister der Insel in Andromeda auch über die nächsten Staffeln hinziehen wird, ist es nicht weiter schlimm, wenn dieser Roman so gut wie keinen Handlungsfortschritt innerhalb des Staffelkorsetts bietet.

Analog zu Band 154 von Susan Schwartz erzählt Oliver Plaschka ebenfalls die Geschichte aus den Augen einer jungen Frau, die auf einem Planeten der Thetiser lebt. Anders als seine Autorenkollegin widmet sich der Autor dabei keinen ungewöhnlichen Umweltbedingungen, sondern den gesellschaftlichen Umständen auf einer Industriewelt. Die Welt Soom im Kur’shsystem ist eine Diktatur der Arbeit. Arbeit ist das höchste Gut der hier lebenden Thetiser. Sie produzieren ohne nachzudenken, gehen in ihrer Arbeitet auf und opfern ihr ganzes Leben um Meister Molat zu dienen. Eine planetenweite Überwachung, mediale Beeinflussung und bedingungslose Treue zum System begleiten die Bewohner des Systems von der Geburt bis zum Tod. Ein System aus Klassen teilt die Thetiser in Sektionale und Sektorale in Arbeiter und Intelligenz. Beherrscht werden sie von einem Kreis aus Transsektionalen, die dem Meister unterstellt sind und in seinem Sinne regieren sollen. Dass dem nicht immer so ist und dass die Meister der Insel noch viel verschlagener sind, bildet die Grundaussage dieses Gesellschaftsromans. Denn eine Gruppe junger Menschen, die sich L’Urka nennt, verweigert sich dem System und zettelt eine Revolution an. Als die Rädelsführerin öffentlich hingerichtet werden soll, kommt es zu einer überraschenden Intervention durch Meister Molat höchstpersönlich.

Perry Rhodan und Co sind nur Beobachter in diesem »Spiel«, eigentlich sind sie nur Bittsteller ohne die Möglichkeit zu intervenieren. Denn Leibnitz hat mit einer Transsektionalen vereinbart, dass die MAGELLAN im Austausch gegen Posbitechnologie die dringend benötigten Ersatzteile bekommt. So sind Perry Rhodan die Hände gebunden, als die wie Punks auftretenden L’Urka ihn um Hilfe bitten. Der Perry Rhodan der EA hätte nicht lange gefackelt und sich auf die Seite der Aufständigen geschlagen, der NEO-Perry, der bereits miterleben musste, wie sein Eingriff in die Belange einer fremden Spezies zur Katastrophe führte, hält sich auffällig zurück. Selbst als die Mitglieder seines Teams, Luan Perparim und Abha Prajapati, an sein Mitgefühl appellieren, bleibt er hart. Rhodan steht zwischen den Stühlen und zum ersten Mal entscheidet er sich bewusst für seine eigenen Leute. Die Darstellung des moralischen Dilemmas ist Oliver Plaschka, wie ich finde, ausgesprochen gut gelungen. Da schimmerte stellenweise so ein bisschen Star Trek hervor. Das ist intelligent und unterhaltsam erzählt.

Das Schicksal der L’Urka, vor allem das der Protagonistin Gor-Amash und ihrer Freundin der Rädelsführerin La-Roulon, berührt. Nicht nur weil ihre Rebellion von vornherein zum Scheitern verurteilt ist, es ist vor allem das Zwischenmenschliche, was mich berührt. Die beiden jungen Frauen sind mehr als nur Freunde, sie sind Liebende. Eine Liebe, die letztendlich am Scheitern der Revolution und der Arglist des Meisters zerbricht. Der Autor beschreibt die Beziehung feinfühlig und zurückhaltend, wodurch sie Glaubwürdigkeit erlangt.

Die bedeutendste Information, die ich als  Leser aus dem Roman mitnehme, ist jene, die auch Perry Rhodan beschäftigt. Denn Meister Molat richtet sich persönlich an ihn. Es sieht so aus, als würde er Rhodan kennen. Die Frage lautet: woher? Und was bedeutet das letztendlich für die MAGELLAN?

Das die Thetiser einst Menschen waren, wird an einem Detail klar. Die Armbänder, mit denen die Bevölkerung kontrolliert wird, dienen auch dazu, sich vor den Auswirkungen des Nervenfeuers zu schützen. Eines Überbleibsel aus grauer Vorzeit, als sie ihren Heimatplaneten verlassen mussten und unter dem Fehlen der gewohnten Sonnenstrahlung erkrankten. Ähnliche Armbänder tauchten bereits in Band 152 auf.

»Die Schmiede des Meisters« ist ein außergewöhnlicher Roman, in dem Oliver Plaschka mal wieder beweist, dass spannende Science Fiction, emotionale Beziehungsdramen und anspruchsvolle Gesellschaftskritik á la »1984« einander nicht ausschließen. Von mir gibt es daher eine unbedingte Leseempfehlung.

Die Ernährung von Superintelligenzen

Quelle: Amazon

Nach der Lektüre von Arthur C. Clarks »Die Stadt und die Sterne« wollte ich unbedingt mehr von dem berühmten SF-Autor lesen. Und so nahm ich dieser Tage »Die letzte Generation« zur Hand. Der Roman entstand Anfang der 50er Jahre des 20. Jahrhunderts und basiert, zumindest im ersten Teil, auf einer Kurzgeschichte, die Clark 1950 im Magazin »New World« veröffentlichte. Das Buch gehört also zu den Frühwerken des Autors.

Über den großen Städten der Erde tauchen riesige Raumschiffe auf. Die von den Menschen als Overlords bezeichneten Außerirdischen geben sich lange Zeit optisch nicht zu erkennen. Aber sie beeinflußen das Leben der Menschen in großem Maße. Anfangs sieht es so aus, als geschähe es zu Gunsten der Menschheit. Kriege, Armut und Gewalt werden ausgerottet, alle Menschen und auch die Natur werden wertgeschätzt. Über viele Jahrzehnte entsteht ein Utopia, in dem die Menschen in Frieden leben. Einzige Einschränkung, sie müssen auf ihrem Planeten bleiben und dürfen nicht ins All expandieren. Den wahren Grund über die Präsenz, der scheinbar unsterblichen Overlords, erfahren die Bewohner der Erde erst, als die letzte Generation der Menschen sich plötzlich in eine geistige Einheit verwandelt. Ein körperloses Wesen nimmt den geistigen Zusammenschluss von Seelen inklusive des Planeten Erde in sich auf. Zurück bleiben die Overlords und ein letzter Mensch, der sich vor vielen Jahren an Bord eines der Raumschiffe der Fremden schmuggeln konnte. Doch auch er wird zum Opfer seiner eigenen Spezies.

Ich muss gestehen, das mich die Geschichte am Anfang unheimlich gefesselt hat. Da ist es egal, dass es in einigen Kapiteln Fehler in der Erzählperspektive gibt, dass über weite Strecken auktorial erzählt wird und das manch philosophische Betrachtungen zu ausführlich geraten sind. Der Autor hält seine Leser bei der Stange, in dem er vor ihnen das Geheimnis der Overlords genauso verbirgt, wie diese sich den Menschen verbergen. Man möchte wissen, wer die Fremden sind und zu welchem Zweck sie die Erde übernommen haben. Die Charaktere, aus deren Sicht der Autor berichtet, scheinen wahllos ausgesuchte Normalbürger zu sein. Doch ihre Leben sind nicht nur untereinander verknüpft, sondern sie tragen den Kern dafür, dass sich die Dinge am Ende so entwickeln.

Ab dem dritten Teil des Romans fällt die Spannung ab. Arthur C. Clark verfängt sich in theoretischen Betrachtungen über paraphysikalische Vorgänge und über die Gefahr gesellschaftlicher Degeneration durch die utopischen Verhältnisse auf der Erde. Da vermag auch die Offenbarung des Antlitz der Overlords nicht mehr richtig zünden. Es sind Wesen, die Teufeln ähneln. Auch überstürzen sich die Ereignisse, die zum Untergang der Menschheit führen. Mit einem Mal verändern sich die Kinder und lösen sich aus der Welt der Erwachsenen. Das erinnerte mich ein wenig an die Kurzgeschichte von Lewis Padgett »Gar elump war der Pluckerwank«. Auch hier sind es Kinder, die auf eine höhere Existenzebene wechseln. Doch im Gegenzug zu Padgett, der die Vorgänge dazu excellent beschreibt, bekomme ich bei Clark nur eine nebulöse parapsychische Erklärung geliefert.

Nicht nur durch die Overlords auch durch die Worte des Autors wird immer wieder beteuert, wie erstrebenswert der beschriebene Aufstieg der Menschheit ist, weil sie zu etwas Größerem werden. Ich kann dem nicht so ganz zustimmen. Was bleibt denn von der Kultur des Menschen? Es sind nur Kinder in der Lage sich zu verwandeln. Kinder, deren Wissenstand niemals dem eines Erwachsenen gleich kommen kann. Außerdem wurde zuvor ausführlich beschrieben, wie sehr sich die Menschheit, durch fehlende Reibung und Konkurrenzkampf verändert hat. Es gab keine großen wissenschaftlich-technischen Erfindungen und auch keine großartige künstlerische Entwicklung mehr. Die Menschen erforschten die Technik der Overlords, ohne sie je richtig zu verstehen. Es gab einige wenige, die sich der Forschung des Planeten und der Sterne verschrieben. Aber durch das Verbot, die Erde zu verlassen, waren ihnen Grenzen gesetzt. Die Overlords begründeten das Verbot mit dem Schutz des Menschen vor den Unbilden, die im Universum lauern. Aber ist es vielleicht nicht umgekehrt? Wollte die Superintelligenz – wie ich die höhere Macht bezeichnen möchte und unter deren Befehl die Overlords agieren – nicht vielleicht verhindern, dass sich die Menschheit ausbreitet? Sah sie in den Menschen eine Gefahr, die ausgeschalt werden musste, so wie sie es schon mit vielen anderen Spezies zuvor getan hat? Oder diente der ganze Prozess einfach nur der Ernährung? Auch ein vergeistigtes Wesen möchte wachsen und sich weiterentwickeln. Das kann es jedoch nur, wenn es weitere Bewusstseine ist sich aufnimmt. Das auch der Planet Erde am Ende zerstört wird, kann nur als Zeichen angesehen werden, dass die Superintelligenz ein mögliches Aufflammen einer neuen Spezies Mensch verhindern wollte.

Ich sehe viele dunkle Flecken auf der Utopie, die Arthur C. Clark den Lesern hier präsentiert. Und nach dem furiosen Beginn des Romans bin ich über das Ende ein wenig ernüchtert. Da hätte ich mir mehr erwartet. Ich finde man spürt ganz deutlich, dass es sich bei »Die letzte Generation« um ein Frühwerk des Autors handelt. Es schimmert bereits ein bisschen von der Genialität hervor, die er später bei »Die Stadt und die Sterne« so gekonnt einzusetzen vermag. Aber bei »Die letzte Generation« passt vieles noch nicht so richtig zusammen.

Mein Fazit: »Die letzte Generation« gehört sicher nicht zu den besten Werken von Arthur C. Clark. Ist aber ein Roman, den man als Fan des Science Fiction Genre gelesen haben muss, weil hier sehr viele Ideen zum ersten Mal angesprochen werden, die später von Autoren und Filmemachern aufgegriffen und weitergesponnen wurden. Durch den Aspekt mit der Superintelligenz ist er außerdem besonders für PERRY RHODAN-Fans interessant.

Der Roman erschien zuletzt 2003 im Heyne Verlag, in einer von PERRY RHODAN-Autor Bernhard Kempen überarbeiteten Fassung.

Alte Geschichten aus der Zukunft

Quelle: Golkonda-Verlag.de

Science Fiction Hall of Fame 1 (1934-1948)
Herausgegeben von Robert Silverberg

Den Ausschlag gab die Lektüre von »Invasion der Zukunft«. Obwohl ich schon nach dem Kurzgeschichtenseminar an der Bundesakademie beschlossen hatte, mich mehr mit klassischer Science Fiction zu beschäftigen. Die Geschichtensammlung vom Golkonda-Verlag ist dazu ein guter Einstieg. Die Anthologie wurde in einem langen Auswahlprozess von den Mitgliedern der »Science Fiction Writers of America« zusammengestellt und vereint die besten phantastischen Kurzgeschichten der amerikanischen Science Fiction Literatur zwischen 1934-1948.

Das Science Fiction keine Erfindung der Neuzeit ist, war mir zwar klar. Dennoch musste ich mir beim Lesen immer wieder vor Augen halten, wann diese Geschichte geschrieben wurden, nämlich mitten im Weltkrieg in den 30er und 40er Jahren. Was hat die Autoren bewegt, sich ausgerechnet zu diesem Zeitpunkt mit der Zukunft auseinanderzusetzen? Alle Geschichten stecken voller Visionen und sind stellenweise auch vom wissenschaftlichen Standpunkt korrekter, als ich das erwartet hatte.

Natürlich ist vieles inzwischen von unserer Gegenwart überholt worden. So zum Beispiel, dass es weder Sauerstoff, noch Leben auf dem Mars gibt. Das macht die Erzählungen aber nicht weniger spannend. In vielen der Geschichten werden Botschaften transportiert und auf Schwächen der Gesellschaft hingewiesen. Erstaunlich ist, wie viele Elemente ich bereits kannte, aus Filmen oder Serien, aber auch aus Büchern. Elemente die von Filmemachern und Autoren entdeckt und in veränderter Form weiterentwickelt wurden. So ist gleich die erste Geschichte »Eine Mars-Odyssee« von Stanley G. Weinbaum eine frühe Version von Andy Weirs »Der Marsianer«. Die Geschichte »Arena« von Fredric Brown war unumstritten Inspiration für die gleichnamige Folge der klassischen Star Trek-Serie.

Alle Geschichten haben mir durchweg gut gefallen. Es gab keine, die mich nicht in ihren Bann gezogen hätte. Dennoch sind mir einige besser in Erinnerung geblieben. Dazu gehört »Einbruch der Nacht« von Isaac Asimov, der ein außergewöhnliches Gedankenspiel aufgegriffen hat. Was passiert, wenn Bewohner einer fremden Welt zum ersten Mal den Sternenhimmel sehen? Sie steht beispielhaft für die Phantasie der Autoren, sich in eine Welt jenseits ihrer Realität zu versetzen und eine Gesellschaft zu beschreiben, die sich von ihrer eigenen grundlegend unterscheidet.

In »Die Straßen müssen rollen« von Robert A. Heinlein und »Der mikrokosmische Gott« von Theodore Sturgeon ist es der Technikglaube, der unter die Lupe genommen wird. Die Autoren kommen zu dem Konsens, dass die Technik ohne den Menschen nicht das Allheilmittel sein kann. Warnen aber auch davor, was passieren kann, wenn Technik in falsche Hände gerät. Auch die Zeitreisegeschichte »Abendämmerung« von John W. Campbell, Jr. liefert Impulse zum Nachdenken über die zunehmende Technisierung und die damit einhergehende Degenerierung der Menschen.

Um Psychologie geht es in den Geschichten »Gar elump war der Pluckerwank« von Lewis Padgett und »Zuflucht« von Clifford D. Simak. Letzterer beschreibt in eindringlichen Bildern das Leben eines Mannes, der unter Agoraphobie leidet. Ausgelöst durch eine zunehmende Abkapselung der Menschen voneinander. Ein Thema das gerade in der heutigen Welt mit Internet und Sozialen Medien brandaktuell ist.

Natürlich sind die Geschichten auch durchsetzt vom Geschlechterdenken der damaligen Zeit. Wie in »Helena« von Lester del Rey, in dem es um eine Androidin geht, die sich in ihren Schöpfer verliebt, oder wie in »Der Waffenladen« von A. E. van Vogt sind Frauen meist nur schmückendes Beiwerk und kommen nicht über die Rolle der Sekretärin oder des Heimchen am Herd hinaus. Das ist ein Problem, das auch später in der frühen PERRY RHODAN-Serie noch eine Rolle spielte. Es wird eine großartige technische Zukunftswelt beschreiben, die gesellschaftlichen Strukturen und Denkweisen aus der Zeit, in der die Autoren lebten, aber bleiben. Ob diese Vision die Geschichtenerzähler nicht ereilt hat oder ob sie die schlicht bei ihren Verlegern nicht hatten durchsetzen können, lässt sich heute nicht mehr beantworten.

Besonders fasziniert war ich von den unterschiedlichen Herangehensweisen der verschiedenen Autoren. Die klassischen Elemente einer Kurzgeschichte waren bei manch einer der Stories nicht, oder nur schwach zu erkennen. »Erstkontakt« von Murray Leinster zum Beispiel enthält kaum Dialoge, sondern setzt sich in endlosen Überlegungen mit der Problematik eines ersten Kontakts zwischen Menschen und Außerirdischen auseinander. Das Ganze wird streng auktorial erzählt, klingt wie ein Essay, ist aber alles andere als langweilig.

»Nur eine Mutter« von Judith Merril ist die einzige Geschichte in der Sammlung, die von einer Frau verfasst wurde. Hier geht es um Mutationen von Kindern durch den Atomkrieg. Die zunächst wenig spannende Geschichte wartet mit einem verblüffenden Ende auf.

Im Oktober erscheint Band zwei der Science Fiction Hall of Fame, darin sind Kurzgeschichte aus den Jahren von 1948 bis 1963 zusammengestellt.

Das Cover des Buches ist zwar etwas gewöhnungsbedürftig, erinnert die Abbildung doch eher an einen Plattenspieler denn eine Rakete. Doch für Science-Fiction-Fans, die sich bisher vor allem mit Filmen und Serien des Genres auseinandergesetzt haben, ist es interessant zu lesen, woher all die Ideen satmmen, die man schon oft im Kino und Fernsehen gesehen hat. Es lohnt sich.

Noch eine Notiz am Rande. Viele der Geschichten erschienen in Deutschland erst in den Achtziger Jahren und da zumeist im Pabel-Moewig-Verlag, der Heimat der PERRY RHODAN-Serie.

Basar der Überraschungen

Quelle: Perrypedia

PERRY RHODAN NEO Band 155 – »Der Andromeda-Basar« von Madeleine Puljic

Eine ordentliche Leistung liefert die junge Autorin auch in ihrem dritten Roman für NEO ab. Nichts weniger als die bunte Welt eines Basars macht sie zum Schauplatz ihres Romans, der mit einigen echten Überraschungen punkten kann. Die MAGELLAN landet auf dem Raumhafen im Oomophsystem und muss sich zunächst mit der thetisischen Bürokratie auseinandersetzen, um dann festzustellen, dass ihre Wünsche auf dem Basar nicht erfüllt werden können. Die immer noch anhaltenden Suche nach Ersatzteilen und Materialien nervt inzwischen ein wenig und ist hoffentlich im nächsten Roman abgeschlossen. Ich ging bisher immer davon aus, dass die Paddler schon vieles repariert hatten, aber irgendwie scheint es nicht lange gehalten zu haben.

Die Autorin beschreibt das Durcheinander des Basars sehr lebhaft. Stellenweise erinnerte mich es mich an den Basar aus »Valerian – die Stadt der tausend Planeten«, wenn auch ohne dessen Ausgelassenheit. Ein Grund mag die beständige Überwachung durch die thetisischen Polizeikräfte sein. Das und der Charakter des leitenden Offiziers Jeewoo, der erst seine Untergebenen und später die Crew der MAGELLAN drangsaliert, zeigt die Brutalität mit der die Thetiser Andromeda im Griff haben. Auch die Information, dass sie für einen Krieg rüsten, ist für den weiteren Verlauf der Serie von Bedeutung.

Die größte Überraschung ist jedoch der Terraner Leibnitz, der mit einem Mehandorschiff in Andromeda gestrandet ist. Vor allem seine unbekannte Herkunft, über die man erst spät im Roman erfährt, macht für mich den Reiz aus. Das ist eindeutig das beste Spannungselement im ganzen Roman.

Am Ende wird die Handlung leider etwas hektisch. Da spürt man ganz deutlich, dass Madeleine Puljic noch viel zu erzählen hatte, aber nur noch eine begrenzte Anzahl an Seiten vorhanden war. Die Winkelzüge, mit der die Autorin die Auflösung herbeiführt, waren dann auch nicht so stimmig. Perry Rhodan und seine Mitstreiter können sich nur mit viel Glück aus der verfahrenen Situation befreien. Das moralische Dilemma in das Tani Hanafe gebracht wird, hätte diese schon frühzeitig selbst erkennen müssen, womit die nachfolgende Befreiungsaktion hätte vermieden werden können. Das war ein bisschen unrund und konnte nur durch einen Gucky in Topform aufgelöst werden. Das ist aber auch das einzig beklagenswerte an dem Roman. Alles andere, vor allem der Handlungsstrang um Leibnitz, hat mir ausgesprochen gut gefallen.

Noch eine kleine Anmerkung für Insider: Einige der Dialogzeilen klangen verdächtig nach Kai Hirdt. »Ein Geschäft ist ein Geschäft ist ein Geschäft …« Leichte Abwandlung der Erwerbsregel Nummer 16 der Ferengi. »Ein Vertrag ist ein Vertrag … bis sich ein besserer Vertrag ergibt.« Sehr schön!

Fazit: »Der Andromeda-Basar« ist ein unterhaltsamer Roman, der einige spannende Neuigkeiten zur Staffel enthüllt und mir endlich die langgewünschte Erklärung gibt, warum Rhodan unbedingt nach Andromeda aufbrechen musste und nicht in der Milchstrasse nach der verschollenen Menschheit sucht.

Meinen Dank an die Autorin!

Neues von der kotzenden Unschuld

Quelle: Unsichtbar-Verlag.de

Der (für mich) Nobelpreisverdächtige Autor und Lyriker Dirk Bernemann hat im Juni den vierten Band von »Ich habe die Unschuld Kotzen sehen« veröffentlicht. Unter den Untertitel: »Das leise Verschleißen der Gegenwart« präsentiert er gewohnt morbide, unbequeme und auch abstoßende Kurzgeschichten aus der Brutalität des Alltags. In jeder Geschichte findet sich ein Teil der vorherigen wieder und man ist als Leser gespannt, welchem Detail man auf den nächsten Seiten erneut begegnen wird.

Bernemann ist schonungslos mit seinen Figuren und seinen Lesern. Sein Credo: es gibt keine Sicherheit. Er provoziert, sein Schreiben ist Punk. In den Texten geht es oft um Tod und Sterben, manchmal still aber auch oft mit Gewalt, wie in der Geschichte »Das Pferd«. Dieses Mal inszeniert er am Ende sogar die Apokalypse, und zeigt, dass selbst Gott bei Entscheidungen nicht immer ein glückliches Händchen besitzt.

Seine Geschichten zu lesen, erfordert Mut und eine positive Grundeinstellung, denn so mancher Text trifft so tief, dass ein schwaches Gemüt davon aus der Bahn geworfen werden könnte. Warum ich das Buch dennoch fast verschlungen habe, liegt an der Sprache des Autors. Ich kann es nicht beschreiben, man muss es schon selbst lesen, um die Faszination zu verstehen, die aus seinen Wortschöpfungen und seinen Sätzen hervorgeht.

Die Gedanken in »Das leise Verschleißen der Gegenwart« sind noch düsterer und ohne Hoffnung als die Bände zuvor. Was viel über den Gemütszustand des Autor erzählen mag und was mich ein wenig besorgt. Es klingt noch stärker als in seinen bisherigen Romanen nach einem Menschen der zutiefst unglücklich ist, vor allem über sich selbst und die Welt in der wir leben. Sein Unglücklichsein steckt an und deshalb konnte ich das Buch auch nicht an einem Stück lesen. Obwohl ich es gern getan hätte. Denn Bernemanns Geschichten haben auf mich noch einen anderen Einfluss – einen sehr positiven wie ich finde. Wenn ich Texte des Autors gelesen habe, schreibe ich selbst besser. Und das ist ein Kompliment, was ich bisher noch keinem Autor machen konnte.

»Ich habe die Unschuld Kotzen sehen« Band 4 erschien im Unsichtbar Verlag und ist als limitiertes Hardcover oder E-Book im Buchhandel oder auf den einschlägigen Onlineplattformen erhältlich.

Wer sich mit dem ungewöhnlichen Stil von Dirk Bernemann vertraut machen möchte, kann das in seinem Blog tun. Oder aber sich eine Leseprobe seiner Werke in den E-Book-Stores herunterladen.

Der Funke ist übergesprungen

Quelle: Perrypedia

PERRY RHODAN NEO Band 154 – »Die magnetische Welt« von Susan Schwartz

»Die magnetische Welt« ist seit langem mal wieder ein NEO-Roman von Susan Schwartz, der mich von Anfang an überzeugt hat. Man sollte der Autorin öfters die Möglichkeit geben, eigene Figuren und Geschichten zu entwickeln. Dann bekommen ihre Romane auch die notwendige Tiefe, und werden nicht zu einer Aneinanderreihung von Actionszenen und Nahkämpfen.

Die Geschichte um die junge Kerra, deren Bruder Kors auf der Suche nach Erzen in eine Felsspalte gestürzt und für tot erklärt wurde, ist überzeugend geschrieben. Der Autorin gelingt es, das Volk der Etrinonen mit all ihren körperlichen Merkmalen und ungewöhnlichen Sitten fassbar zu machen. Dabei bindet sie den Leser mehr an die Figur der Kerra, als an die Terraner, die mit der jungen Etrinonin agieren. Leyden und Co verblassen neben der starken Protagonistin. Es ist womöglich der einzige Weg, Kerras Reaktion für den Leser nachvollziehbar zu machen. Denn, als sie erfährt, dass ihr Volk von Meister Etrin einst genetisch verändert wurde und bis heute ausgebeutet wird, nimmt sie das mit stoischer Gelassenheit hin und offenbart den irdischen Wissenschaftlern eine überraschend weitsichtige Haltung. Kerra sagt offen, dass das Wissen um das Schicksal ihres Volkes niemanden weiterbringen wird. Im Gegenteil, es könnte das Gleichgewicht der Gemeinschaft zerstören und das Ende ihrer Zivilisation heraufbeschwören.
Ich finde gut, wie Leyden und seine Mitstreiter darüber nachdenken müssen, ob eine Einmischung ihrerseits nicht schädlicher ist, als der Status Quo.

Natürlich diente auch diese Geschichte, um darzulegen wie skrupellos die Meister der Insel sind. Schließlich haben sie auch in diesem System den Hauptstern in einen Magnetar verwandelt und dabei Millarden intelligenter Thetiser geopfert, und sie sogar noch manipuliert, um sie für ihre Zwecke einzusetzen. Ihr Imperium benötigt Metalle, die nur durch extreme Bedingungen wie eine Supernova entstehen können. Aber Erzabbau auf einer Welt deren Magnetfeld mit dem des Magnetars interferiert, kann nicht ohne humanoide Unterstützung funktionieren. Dies hat sogar Miras Etrin, Faktor IV, begriffen, der das Projekt leitet und einst die Randbedingungen festlegte. Diese und weitere Informationen holt sich Leyden aus der Positronik des geheimen Stützpunktes, der über das Leben der Etrinonen wacht. Wie genau der Physiker das macht, bekommen wir als Leser leider nicht erklärt, weil wir es nur durch die Augen von Kerra beobachten. Aber das hat mich in diesem Fall nicht einmal gestört.

Die plastische Schilderung von fantastischen Welten ist die Stärke von Susan Schwartz und ich finde, dass ihr dies an Etrinon besonders gut gelungen ist. Sie versucht all die Effekte anschaulich zu schildern, die eine solche Welt in sich trägt. Auch wenn sie nicht alle potentiellen Gefahren einbezieht. Auf einem Planeten auf dem ständig und überall ein Ladungsaustausch stattfindet, auf dem im Boden ungeheure elektrische Potentiale lauern, könnte man ungeschützt kaum einen Schritt tun. (Ich sage nur Schrittspannung.) Dennoch hatte ich beim Lesen Spaß. Was ich ganz besonders begrüße, es gab keine einzige Kampfszene.

Die Nebenhandlung um Rhodan auf der MAGELLAN ist im Vergleich zur Geschichte auf Etrinon eher dünn. Die Besatzung beobachtet erst einen seltsamen Asteroiden und entdeckt dann einen weiteren Situationstransmitter. Das die MAGELLAN am Ende nicht selbst durch den Transmitter geht, sondern nur eine Sonde schickt, ist verglichen zum alten MdI-Zyklus ein richtiges Novum.

Als Fazit kann ich nur sagen, der Funke ist übergesprungen und das nicht nur zwischen den Protagonisten und ihrem Planeten, sondern auch bei mir. Ein funktionierender Plot, eine fantastische Welt und eine berührende Geschichte, die zum Nachdenken anregt … so macht NEO Spaß.

Bilderbuch zum phantasieren

Quelle: Amazon

Zwei Werke von Torben Kuhlmann stehen bereits bei mir im Bücherregal, jetzt ist auch noch das Dritte dazugekommen.

»Maulwurfstadt« ist deutlich dünner als die beiden Mäuse-Bände (Armstrong und Lindbergh) und es gibt noch einen Unterschied, das Buch enthält so gut wie keinen Text. Dafür ist es mit großformatigen detailreichen Zeichnungen illustriert, welche nicht nur die Geschichte einer Maulwurfstadt erzählen. Im Grunde ist es die Geschichte unserer Welt, kritisch übertragen auf die Mauswurfsgesellschaft. Zuerst waren ein paar Maulwürfe auf einer Wiese. Es kommen neue hinzu, die Stadt wächst und mit ihr der Dreck, Lärm und die Tristesse. Am Ende ist von der Wiese nur ein winziges Stück eingezäuntes Gras übrig. Es beginnt ein Umdenken und auf der letzten Seite, sieht man Windräder statt rauchender Schornsteine.

Einige könnten einwenden, dass dies nicht das richtige Thema für ein Bilderbuch für Kinder ist. Doch ich finde, es ist dem Autor und Illustrator gut gelungen, die Entwicklungen in verständlichen Bildern zu zeigen. Zum Vorlesen eignet sich die Geschichte nicht, aber das ist gar nicht wichtig. Die Zeichnungen regen die Phantasie an. Kinder können hier ihre eigene Geschichten zu den Bildern erfinden und das halte ich fast noch für wichtiger.

Wir Erwachsenen bewundern die kleinen Kunstwerke und entdecken auch nach dem dritten und vierten Durchblättern noch unbeachtete Details. Das finde ich schön.

Das Bilderbuch kostet 14,99 EUR und ist im Buchhandel sowie bei den einschlägigen Online-Portalen erhältlich.

Im Bann des Magnetars

Quelle: Perrypedia.de

PERRY RHODAN NEO Band 153 – »Der Atem des toten Sterns« von Rainer Schorm

Am Treffpunkt mit der MAGELLAN platzt die FERNAO mit Perry Rhodan in die Hinterlassenschaften einer Supernova. Inmitten der Hölle aus Teilchenströmen und Magnetfeldern um einen frisch geborenen Neutronenstern, suchen sie nicht nur nach Hinweisen auf das verschollene Explorerschiff, sondern finden auch Hinweise auf eine Zivilisation. Auf dem letzten verbliebenen Planeten des Systems dringen Rhodan und seine Wissenschaftler in eine verlassene Station vor, deren steuernde künstliche Intelligenz gerade zum Leben erwacht. Doch bevor Perry und sein Team nähere Erkenntnisse gewinnen können, scheint die Besitzerin der Station – eine der 12 Faufoas – zurückzukehren. Und die ist über die ungebetenen Gäste nicht erfreut …

Ganz ehrlich, es ist furios, was Rainer Schorm in diesem Roman abliefert. Das ist, glaube ich, sein bisher bester Beitrag zur NEO-Serie. Da war alles drin, was ich mir von einem guten Science Fiction-Roman wünsche. Eine fesselnde Handlung eingebettet in einen phantastischen Hintergrund. Das ist harte Science Fiction wie ich sie liebe. Die vielen wissenschaftlichen Fakten, die der Autor in die Geschichte einwebt, sind in ihrer Fülle kaum zu erfassen und manchmal auch kaum zu verstehen. Mir hat das jedenfalls richtig viel Spaß bereitet. Ich musste meinen Kopf anstrengen und bekam obendrein eine spannende Handlung geliefert.

Rainer Schorm verleiht seinen Figuren so viel Bissigkeit, wie kein anderer NEO-Autor. Ich erfasste manch tiefsinnigen Wortwitz in den Dialogen erst beim zweiten Lesen. Manchmal ist mir das zu aufgesetzt, aber hier hat es gepasst. Und wer sich so wunderbare Charaktere wie Rufus Darnell ausdenkt, dem sitzt sowieso der Schalk im Nacken. Ich erinnere mich noch gern an Dr. Brömmers mit seiner Frosch-KI, der gehörte auch zu Rainer Schorms »Erfindungen«. Ich frage mich, was aus dem Wissenschaftler geworden ist. Vielleicht bekommen wir irgendwann einmal eine Antwort darauf.

In »Der Atem des toten Sterns« zeigt der Autor sein ganzes Können. Nicht nur versucht er die wissenschaftlichen Hintergründe glaubhaft zu erläutern, er zaubert auch keine plötzlichen Lösungen aus dem Hut. Da ist alles gut durchdacht. Und man spürt hier und da, wie er den Zweiflern unter den Fans schon beim Lesen den Wind aus den Segeln nimmt. Das hat mir sehr oft ein breites Lächeln ins Gesicht gezaubert.

Außer einem Perspektivfehler auf der ersten Seite – ein Satz, der nicht mal notwendig gewesen wäre und der dem Lektor wahrscheinlich durchgerutscht ist – habe ich an diesem Roman auch stilistisch nichts zu beanstanden.

Fazit: »Der Atem des toten Sterns« ist ein mit vielen Fakten vollgestopfter Roman. Der Autor konfrontiert den Leser mit wissenschaftlichen Theorien und kann daraus ein durchaus stimmiges Bild erzeugen. Das mag nicht jedermanns Geschmack sein, wer sich jedoch darauf einlässt, dem wird eine superspannende Geschichte geboten. Von mir bekommt Band 153 von PR-NEO eine unbedingte Leseempfehlung.

Großen Dank an den Autor, das war Spitze!

Versuchskanichen auf einem Gefängnisplaneten

Quelle: Perrypedia

PERRY RHODAN NEO Band 152 – »Der Feind meines Feindes« von Kai Hirdt

Der Inhalt des Romans ist so komplex, dass ich auf den Spoiler verweisen muss, den ich im PR-Forum gepostet habe.

Ohne Frage ist »Der Feind meines Feindes« eine spannende Geschichte, in der es vor Seitenhieben in den spitzzüngigen Dialogen nur so wimmelt. Und auch die Fähigkeit des Autors, das Geschehen ansprechend zu visualisieren ist stets präsent. Die Charakterisierung der Thetiser als unmoralische und gefühllose Militaristen ist ihm gut gelungen. Wenn auch die Gewalt, die sie gegen ihre Gefangenen einsetzen, mich nicht so berührt hat, wie seinerzeit die Beschreibung des Barackenlagers von Rainer Schorm in NEO 109. Auch die Aachaonen mit ihrem Hang zur Aggression sind als Opfer überraschend vielschichtig gezeichnet. Rhodan kann sich am Ende nicht sicher sein, wem er trauen soll und wem nicht. Es werden viele versteckte Spuren gelegt: das Retrovirus oder die schwarzen Armbänder, die die Thetiser tragen. Fragen, die sicher in den kommenden Romanen beantwortet werden.

Einige Ideen, die in die Geschichte einfließen, sind clever wenn auch nicht originell. So basiert die Idee des Oxley-Orter auf den Subraumsignaturen bei Star Trek. Und auch hier spielt der Zufall Rhodan und seinen Mannen die Spuren der Aachaonen in die Hände. Das sich der Protektor höchst selbst mit der FERNAO und schließlich mit einer Spacejet auf die Verfolgung macht, wirkt ebenso konstruiert, wie die Haverie, die die Disk schließlich zum Absturz auf dem Dschungelplaneten bringt. Als Rhodan und seine zwei Begleiter Autum Legacy und Eric Leyden aus der abstürzenden Jet aussteigen, ist es die erste Stelle, an der ich mich richtiggehend geärgert habe. Das war oberflächlich beschrieben und wenig durchdacht. Sie gehen durch das Loch, das der Strukturfeldkonverter gerissen hat, obwohl da eine Schleuse sein müsste, sonst wären die drei schon nach dem Abwurf ins All geblasen worden. Später ist da auch eine Schleuse.

Ich muss leider anmerken, dass an vielen Stellen im Roman die Logik an einem seidenen Faden hängt, weil der Autor auf Biegen und Brechen Spannung erzeugen will, es jedoch auf Kosten der Wahrscheinlichkeit tut.

Die Komplexität der Handlung ist überwältigend und ich bewundere, wie Kai Hirdt beim Schreiben den Überblick behalten hat. Als Leser konnte ich manchen Wendungen nicht recht folgen. So zum Beispiel als Rhodan auf dem Gefängnisplaneten auf ein Barackenlager der Thetiser trifft und die gefangenen Aachaonen, gegen die überwältigten Wachen und die thetisische Wissenschaftlerin austauschen. Hier habe ich kurzzeitig den Überblick verloren, wer jetzt gegen wen ausgewechselt wurde. Ähnlich ging es mir bei der Szene als Leyden den thetisischen Gleiter in der Luft gekapert hat. Plötzlich ist auch Legacy in der Luft, obwohl sie Stunden zuvor ihren Rückentornister (in dem der Antrieb steckt) abgeworfen und zurückgelassen hat. Hm!

Das Bully mit Gucky und dem Mutanten Josue Moncadas aufbricht, um seine Frau und seine Freunde zu retten, kann ich noch nachvollziehen, aber wie leicht ihnen manche Dinge fallen, bis sie wieder an ein Hindernis geraten, verursachte bei mir dann doch das eine oder andere Stirnrunzeln. Dies zieht sich ohnehin durch den ganzen Roman. Da werden Situationen für die Protagonisten erst verschärft, um sie im nächsten Augenblick durch einen fragwürdigen Trick wieder aufzulösen. Das erinnert mich stark an den Stil, den Susan Schwartz normalerweise in ihren NEO-Romanen verwendet. Ich persönlich stelle Glaubwürdigkeit über Spannung. Aber das ist Geschmackssache. Zudem wünschte ich mir, dass der Autor etwas mehr Wert auf die technischen Möglichkeiten und Hintergründe legen würde. In Kombination mit seinem Erzähltalent, würde das mehr Harmonie in die Geschichte bringen und es kämen dabei wahrscheinlich kleine Meisterwerke heraus. So bleibt trotz der lebhaften Geschichte ein fader Beigeschmack.

Fazit: »Der Feind meines Feindes« ist ein lesenswerter Roman mit vielen Wendungen, einer ungeheuer komplexen Handlung und vielen Informationen zum laufenden Zyklus. An einigen Stellen wirkt die Geschichte ein wenig zu konstruiert und auf Grund ihrer Komplexität manchmal auch etwas zu oberflächlich.

Punkrock-Wundertüte

56!

Genauso viele Kurzgeschichten beinhaltet der Sammelband, der den etwas langweiligen Namen »Punk Stories« trägt. Ich habe in den vergangenen Monaten immer mal wieder darin gelesen. Allen Geschichten ist eines gemeinsam, jeder Autor stellt eine bekannte Punkrockband in den Mittelpunkt. Mal schwelgen die Autoren in Nostalgie, mal erzählen sie dokumentierte Begebenheiten und mal auch erdachte Geschichten, jeder in seinem Stil und jeder anders. Manches gefiel mir gut, mit anderem konnte ich weniger anfangen. Am besten im Gedächtnis blieb mir die Kurzgeschichte, welche »Die Kassierer« in den Mittelpunkt stellte.  Darin ging es um Außerirdische, die im Ruhrgebiet Unterschlupf suchen. Das war so richtig Punk.

Auch wenn ich das Buch mehr aus Recherchegründen las, unterhaltsam war die Lektüre allemal. Vor allem muss man diesen Kurzgeschichtenband nicht am Stück lesen, sondern kann immer wieder darin herumschmöckern. Und nebenbei noch ein Stück Punkrockgeschichte erleben, geschrieben von deutschen Autoren, die irgendwann mal Punks waren oder noch heute sind. Darunter so bekannte Namen wie Anne Hahn, Jan Off und Arne Rautenberg. Nur den Namen Klaus N. Frick habe ich in der illustren Runde vermisst.

»Punk Stories« erschien schon 2011 bei LangenMüller und ist auch als E-Book erhältlich.