Geduldsprobe

Noch vor drei Wochen lobte ich die Verspätungspolitik der Deutschen Bahn.

Gestern auf selber Strecke eine völlig andere Situation. Zunächst kam der ICE mal wieder später, doch dieses Mal waren es ganze 30 Minuten. Spätestens da hatte ich meinen Anschlusszug in Nürnberg bereits abgeschrieben. Weil ich keine Lust hatte, eine halbe Stunde auf dem zugigen Bahnhof in Saalfeld (Haha „zugig“, das ist lustig. Warum muss es eigentlich auf Bahnhöfen immer so ziehen? Egal!) zu warten, nahm ich gleich den Regionalexpress, der zur gleichen Zeit in Nürnberg sein würde wie der ICE. Der Zugbegleiter gab sich auch große Mühe, mir eine alternative Verbindung herauszusuchen, aber mir war von vornherein klar, dass ich wohl mindestens eine Stunde später in Traunstein ankommen würde.

Eine Stunde später war aber plötzlich Schluss. Es hieß, alle müssten aussteigen und den Zug wechseln, weil dieser wieder zurückfuhr. Da stand ich nun in Lichtenfels auf einem noch zugigeren Bahnhof und wartete auf meinen verspäteten ICE. Immerhin betrug die Verspätung jetzt nur noch 25 Minuten. Der Zug kam, ich stieg ein und blieb erst einmal verdutzt im Gang stehen, weil der Waggon leer war – absolut leer. Der junge Mann, der hinter mir einstieg, schaute genauso perplex. Ich suchte mir einen Platz (Was in dem Fall gar nicht so einfach ist, schließlich hat man die Qual der Wahl.) und weiter ging’s.

In Bamberg lüftete sich schließlich das Geheimnis, warum der Regionalzug nicht weitergefahren war. Zwischen Bamberg und Erlangen war nämlich die komplette Strecke wegen einer brennenden Oberleitung gesperrt. Was nichts anderes hieß, als das der ICE über Würzburg umgeleitet und die Verspätung auf geschätzte 2 Stunden anwachsen würde. „Prima!“ Für meine Verhältnisse blieb ich ausgesprochen ruhig, döste vor mich hin und tippte einen komplett neuen Prolog für meinen Roman „Parallelwelten“ in mein iPad. Jeder Fahrgast bekam im Bordrestaurant einen kostenlosen Kaffee. Eine großzügige Geste, die an diesem Tag wahrscheinlich überhaupt nicht ins Gewicht fiel, weil in den 4 Waggons insgesamt vielleicht 20 Leute saßen.

Als ich dann mit 110 Minuten Verspätung Nürnberg erreichte, blieb mir auch das Umsteigen erspart, denn um ein bisschen Zeit zu gewinnen, leitete man den Zug, der normalerweise über Augsburg weiter nach München fährt, über die die Ingolstädter Hochgeschwindigkeitsstrecke. Immerhin ein Zeitgewinn von 45 Minuten.

So schaffte ich in München auch noch den, mal wieder verspäteten, Eurocity Richtung Graz und kam etwa 2 Stunden später als üblich an. Statt 5 Stunden war ich fast 7 Stunden unterwegs gewesen. Blöderweise bekam ich aber keine Fahrpreiserstattung um die Hälfte, weil auf meinem Onlineticket ein anderer Zug stand. Im Gegenteil, ich musste mich im am Servicepoint in Traunstein noch von so einem Jüngelchen runtermachen lassen, als ich höflich danach fragte. Der ließ mich nicht mal ausreden, geschweige denn, dass er mein Fahrgastrechte-Formular ausgefüllt hätte. Wenn ich nicht so erschöpft gewesen wäre, hätte ich mich auf eine blutige Diskussion mit dem Kerl eingelassen und eine Beschwerde an seinen Vorgesetzten weitergeleitet. Aber so winkte ich nur ab. Ich war viel zu fertig und wollte nur noch nach Hause.

Dieser Tag hat mir wieder bewiesen: Die Deutsche Bahn ist eben auch nur ein Mensch, der mal gute und mal schlechte Tage hat.

Bundesakademie 2015

DSC06298_1024Heute fand ich das neue Programm der „Bundesakademie für Kulturelle Bildung“ im Briefkasten. Toll schaut es aus, sehr hochwertig gemacht und mit hochwertigem Inhalt.
Ich muss ja sagen, das ich, seit dem ich in Wolfenbüttel war, großer Fan der Bundesakademie bin. Da stimmt irgendwie alles – das Kursangebot genauso wie das Umfeld oder die Verpflegung. Wenn man in dem Heft ein bisschen blättert, stellt man sehr schnell fest, das einem da ein umfassendes und abwechslungsreiches Programm geboten wird. Egal ob es sich dabei um bildende Kunst, darstellende Kunst, Literatur, Museum oder Musik handelt, da ist für jeden Geschmack etwas dabei.
Natürlich gibt es auch wieder zwei Seminare zum Thema phantastische Literatur, für die ich mich bewerben wollte. Dumm ist nur, das gerade das Kurzgeschichten-Seminar zu einem für mich saublöden Termin stattfindet. Nämlich an unserem 5. Hochzeitstag. Das kann und will ich meinem Mann nicht antun. Er hat sich schon in diesem Jahr für mein Hobby geopfert und drei langweilige Tage in Wolfenbüttel verbracht. Also bleibt mir nur noch der Termin im November und ich hoffe sehr, dass es dann auch klappt. Denn das Thema hört sich sehr interessant an: „In der Meisterklasse – Wie man beim Fantasy-, Horror- und Sciencefiction-Roman von Vorbildern lernt“.

Stories und mehr

Es ist an der Zeit an dieser Stelle etwas Werbung für die Perry-Rhodan-Fan-Zentrale e. V. (kurz PRFZ) zu machen.

Bisher war ich ja eher im Star Trek Universum aktiv, leider entwickelt sich das momentan in eine Richtung, die mir nicht so gefallen will. Und da ich schon als 16-18 jährige gern Perry Rhodan gelesen habe, bin ich jetzt quasi wieder nach Hause zurückgekehrt.
Den diversen Star Trek Fanclubs habe ich in den vergangenen Jahren aus unterschiedlichsten Gründe den Rücken gekehrt. Der OSTFC wurde mir zu kommerziell und das Star-Trek-Forum hat sich leider wie so viele kleine Clubs Ende der Zweitausender aufgelöst.
Seit Mitte des Jahres bin ich nun Mitglied der PRFZ, wo ich sehr freundlich aufgenommen wurde. Weil die PRFZ auch Nachwuchsautoren eine Chance gibt, ihre Werke einem größeren Publikum zu präsentieren, war die PRFZ meine erste Wahl.
Neben der aktuellen Ausgabe der SOL, bekam ich als Begrüßungsgeschenk noch einen Storyband, über den ich mich wirklich gefreut habe. Dort sind neun sehr schöne Geschichten drin, von Autoren, die inzwischen zu den Perry Rhodan Stammautoren gehören. Auch die Illustrationen und das Farbcover gefallen mir sehr gut und erinnern mich etwas wehmütig an die Starbase Ausgaben des Star Trek Forums. Eine Geschichte hat mir besonders gut gefallen und zwar die von Rüdiger Schäfer. Weil es genau die Art von Geschichte ist, die ich wahrscheinlich selbst geschrieben hätte. Außerdem kommt mir sein Erzählstil sehr entgegen. Ich möchte fast sagen, das er, obwohl er erst sehr wenige PR-Romane verfasst hat, inzwischen zu meinen Lieblingsautoren zählt. Aber dazu mehr, wenn ich die Stardust-Reihe rezensiere.

Inzwischen habe ich noch weitere Romane aus dem Shop der PRFZ bestellt, einen davon habe ich HIER bereits besprochen. Weitere werden sicher folgen.

Kurzum ich finde es schön, dass es in unserer Konsumgesteuerten Welt noch solche von Fans organisierten Clubs gibt, dass es Menschen gibt, die ihre Freizeit für ihr Hobby und das anderer opfern. Leider werden es immer weniger.

Herbstmorgen am See

Es ist ein früher Vormittag im Oktober. Die Seeufer schälen sich langsam aus dem aufsteigenden Nebel. Boote mit Anglern treiben gemächlich durch die trübe Suppe, die noch keinen Unterschied zwischen Wasser und Himmel erkennen lässt.
Kies knirscht leise unter meinen Sohlen, gefallene Blätter rascheln. Über allem liegt kalte schwere Luft, mit dem typisch erdigen Aroma der Jahreszeit.
Die Färbung des Laubs ist noch nicht weit fortgeschritten, noch immer winken grüne Blätter von den Buchen am Ufer. Schon in wenigen Tagen werden sie als rotbrauner Teppich den Boden bedecken.
Es ist ruhig, die Sommertouristen sind fort, nur vereinzelt schlendern Spaziergänger über die kleine Strandpromenade. Der See gehört nun wieder den Blesshühnern und Enten. Ein einzelnes Pärchen Haubentaucher zieht seine Spur über die silbern glitzernde Wasseroberfläche, bis sie mit einem leisen Plob abtauchen und nur konzentrische Kreise zurücklassen.
Langsam erobert sich die bleiche Sonne einen Weg durch den Nebel. In der Ferne werden die Gipfel des Totengebirges sichtbar. Die markante Spitze des Schafbergs sticht in den blassblauen von Kondensstreifen genarbten Himmel.
Über dem linken Ufer steigen zwei Heißluftballons in die Luft, wie winzige Tropfen hängen sie schwerelos in der morgendlichen Weite, wirken fremd und unwirklich.
Rechts, hinter den Moränenhügeln recken sich die Chiemgauer Alpen aus dem Dunst.

Es verspricht ein sonniger Tag zu werden.

Und hier das Bild zum Text. Aufgenommen heute morgen gegen 10 Uhr am Waginger See.:

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Buchgedanken

Passend zur heute beginnenden Buchmesse in Frankfurt ein paar Gedanken zur Zukunft des Buchhandels.

Weil ich gestern noch etwas Zeit hatte, bevor mein Zug fuhr, bummelte ich noch ein wenig durch den Karstadt am Münchner Hauptbahnhof. Dort war ich seit etwa einem Jahr nicht mehr und musste mit Erstaunen feststellen, das die große gut sortierte Buchabteilung nicht mehr existierte. Weg! Einfach so!
Erst dachte ich: Ok, die wurde verlegt, wahrscheinlich einen Stock höher. Aber denkste! Auf der Infotafel an der Rolltreppe war das Wort „Bücher“ mit schwarzem Filzschreiber durchgestrichen. Das war’s also! Keine Bücher mehr im Karstadt.
Wenn ich bedenke, das nun sogar solche Einzelhandelsriesen wie Karstadt in ihren Filialen keine Bücher mehr anbieten, dann frage ich mich ehrlich, wo das noch hinführen soll.
Auf diese Weise treibt man die Kunden doch regelrecht zu Amazon und in den Online-Handel. Kleinere Buchläden sterben genau deswegen nach und nach aus und wenn man nicht mal mehr in einem Kaufhaus wie Karstadt ein Buch kaufen kann, dann ist das nicht nur sehr enttäuschend, sondern kann auch zum Ende des Buchhandels im allgemeinen führen.

Ich kann mich noch gut daran erinnern, wie ich früher nie an einer Buchhandlung vorbeikam, ohne meinen Fuß in den Laden zu setzten. Heute komme ich kaum noch in diese Verlegenheit, weil es kaum noch Buchhandlungen gibt. Zum Glück existieren in München noch ein paar kleine aber feine Buchgeschäfte, aber die werden immer weniger und auf dem platten Land gehören Buchhandlungen fast schon zu einem Relikt der Vergangenheit. Ist das der Beginn einer Spirale die uns geradewegs in den Rachen des Monopolisten Amazon spült? Ich will Amazon nicht verteufeln (Die haben einfach die besseren Argumente für uns Kunden.), denn es ist nicht der Onlineriese allein, der den Buchhandel gefährdet, es sind vor allem die Manager, die in Chefetagen wie der von Karstadt sitzen und ohne nachzudenken einfach mal aus Kostengründen eine Abteilung schließen. Kurzsichtig und verantwortungslos.

Ich glaube nicht, dass das gedruckte Buch in naher Zukunft vollständig vom digitalen Medium verschluckt wird und prophezeie, dass es auch noch in 50 Jahren Bücher aus Papier geben wird. (Sofern es bis dahin noch Menschen gibt, die sie lesen.) Aber der Weg, wie wir an diese Bücher kommen, verliert sich in der Ungewissheit.

Wolfenbüttel und die Folgen

IDSC06074_1024ch bin ja selbst Schuld. Ich habe das so gewollt und muss nun die Konsequenzen tragen.

Im Frühjahr diesen Jahres erfuhr ich von der Bundesakademie für Kulturelle Bildung in Wolfenbüttel. Unter den vielen Bildungsmöglichkeiten die es dort gibt, finden sich auch Schreibseminare für phantastische Literatur. Da ich seit etwa eineinhalb Jahren wieder verstärkt schreibe, dachte ich mir, das es eine gute Idee wäre, mal so ein Seminar zu besuchen. Meine ebenfalls als Hobbyautoren tätigen Freundinnen, rieten mir ab. So nach dem Motto: Das braucht man doch nicht oder Schreiben ist reines Talent, entweder man kann es oder nicht.
Ich ließ mich aber nicht von der Idee abbringen. In mancher Hinsicht neige ich zu Perfektion und da erschien mir ein professionelles Schreibseminar der richtige Ansatz zu sein. Zumal ich gerade in der Rekordzeit von einem Jahr den 6. Band meiner T’Cai Reihe fertiggestellt hatte und ihn für durchaus gelungen hielt.
Also rief ich in Wolfenbüttel erst einmal an, um mich bei einem sehr freundlichen Herrn (Olaf Kutzmutz) zu erkundigen, ob ich denn für ein solches Seminar eigentlich geeignet bin. Wenig später reichte ich online meine Bewerbung ein. (Ja, man muss sich für diese Seminare bewerben.) Als dann die Teilnahme-Bestätigung einging, war ich so richtig glücklich.

Am vorletzten September Wochenende war es dann soweit. Schon Tage vorher war ich aufgeregt und das kumulierte in einer ungebremsten Unruhe. Das legte sich jedoch schnell, als ich erkannte, das meine Mitstreiter (eine bunt gemischte Truppe aller Altersklassen mit verschiedensten beruflichen Hintergründen) durchweg sehr nett waren und wir allesamt das gleiche Ziel verfolgten, nämlich unsere Schreibkenntnisse zu verbessern. Die Dozenten, unter ihnen auch Olaf Kutzmutz, zeigten sich offen und kritisch, aber ohne erhobene Zeigefinger und ohne persönlich zu werden. Was, soweit ich gehört habe, bei anderen Schreibseminaren nicht selbstverständlich ist.
So erfuhr ich über Erzählperspektiven und „Weißräume“ und das ich genau damit ein Problem habe. Der Ausschnitt meines Romans krankt an fehlender Szenenbeschreibung und oftmaligen Perspektivenwechsel. Emotionale Kopplung bekomme ich zwar hin, die ist aber widersprüchlich und leidet an fehlender Tiefe. Kurzum, nach dem Rundumschlag von Seminarteilnehmern und Profiautoren, blieb von meiner Geschichte nicht viel übrig. Da half es auch nicht mehr, dass ich am letzten Tag einen kleinen Abschnitt in einer Schreibaufgabe neu formulieren durfte und zumindest diese Aufgabe einigermaßen erfüllte. Ich war einfach nur schlecht.
Jetzt trage ich mich mit dem Gedanken den ganzen Plot in Frage zu stellen und komplett zu überarbeiten. Was nichts anderes heißt, als die Arbeit eines ganzen Jahres im Papierkorb zu versenken.

Dennoch, die Teilnahme an diesem Seminar hat mir die Augen geöffnet und ich bin allen voran den Dozenten für ihre konstruktive Kritik dankbar. Es wird ganz sicher nicht mein letztes Seminar gewesen sein. Ich freue mich darauf, wieder teilnehmen zu dürfen.

Einen ausführlichen Bericht zum Schreibseminar an der Bundesakademie gibt es hier.

Und übrigens, Wolfenbüttel ist eine sehr schöne Stadt, wie man anhand der Fotos unschwer erkennen kann.
(Beschreibung der Bilder in ihrer Reihenfolge: Das Gästehaus der Bundesakademie,  „Klein Venedig“, Wolfenbüttels berühmte Bibliothek, Fachwerk reiht sich hier an Fachwerk)

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