Mit Ben ins MADDRAXiversum

Quelle: Amazon

An dieser Stelle möchte ich auf den neuen MADDRAX-Roman meines lieben Autorenkollegen Ben Calvin Hary hinweisen. Der Roman ist aktuell überall erhältlich, wo es Zeitschriften und Heftromane gibt, sogar an (manchen) Tankstellen.

MADDRAX ist ebenfalls eine Science Fiction-Heftromanserie. Sie erscheint bei Bastei und läuft, verglichen mit PERRY RHODAN, noch nicht so lange. Die Serie ist düsterer und spielt in einer postapokalyptischen Welt. Die Handlung lässt sich in etwa so zusammenfassen: den Piloten Matthew Drax (Maddrax genannt) verschlägt es aus dem Jahr 2012 ins Jahr 2516, hier erlebt er zusammen mit seiner Gefährtin Aruula spannende Abenteuer. Im Gegensatz zu PERRY RHODAN darf Maddrax hin und wieder erotische Abenteuer erleben und es gibt auch kein so strenges Exposé an das sich die Autoren halten müssen.

Es ist der zweite MADDRAX den Ben geschrieben hat und ich kann nur sagen, dass ich ihn unheimlich spannend finde. Besonders das Ende ist überraschend. Auch ich selbst bin ein wenig stolz auf den Roman, mit dem ich mich übrigens schon während des Jahreswechsel in Paris beschäftigt habe. Als »Endgegnerin unter den Testleser« habe ich es Ben nicht leicht gemacht. Obwohl … wenn ich mehr Zeit gehabt hätte …

Den MADDRAX-Roman »Die Offerte« gibt es übrigens auch als E-Book auf allen Download-Plattformen. Wer Lust hat kann für 1,49 EUR einfach mal reinschnuppern.

Im Busenladen

»Schau mal da drüben – ein Busenladen!«, rief ich.
Mein Mann sah mich entgeistert und verständnislos an. »Was?«
»Na, das Miedergeschäft dort drüben.« Ich zeigte auf ein Schaufenster voller Dessous tragender Schaufensterpuppen. Und dann begriff ich erst, dass mein Mann den Begriff »Busenladen« gar nicht kennen konnte. Den Begriff hatte ich als kleines Mädchen geschaffen.

Meine Mutter ging hin und wieder in das Miederwarengeschäft in unserer ostdeutschen Kleinstadt, um sich einen BH oder Unterwäsche zu kaufen. Ich stand dann immer vor dem großen Ladentisch und staunte über die vielen BH’s die dahinter an der Wand oder im Schaufenster hingen. Ich weiß nicht, wie alt ich damals war, aber ich ging sicher noch nicht zur Schule.
Als wir längere Zeit einmal nicht dort waren, fragte ich meine Mutter, wann wir denn mal wieder in den Busenladen gingen. Es dauerte, bis sie begriff, was ich meinte, dann lachte sie.
Von da ab, war für mich jedes Miederwarengeschäft ein Busenladen.

»Warum heißt das eigentlich Miederwaren?«, fragte mein Mann, als wir weitergingen.
Ich erklärte ihm, dass der Begriff noch aus Zeiten stammt, als Frauen noch Mieder trugen.
Er fand das ziemlich altmodisch.
Ich überlegte. »Wahrscheinlich nennt man das heute ›Dessous Shop‹.«
Mein Mann schüttelte den Kopf. »Da gefällt mir Busenladen viel besser.«

Schreiben am Samstagnachmittag

Ich muss heute den ganzen Tag daran denken, dass an diesem Wochenende in Wolfenbüttel das Seminar zur phantastischen Kurzgeschichte stattfindet, und ich nicht dabei sein kann. Meine Teilnahme war zwar nicht geplant, weil ich das Roman-Seminar im Herbst ins Auge gefasst habe. Aber zu wissen, dass dort Gleichgesinnte eine tolle Zeit verbringen; Texte diskutieren und Schreibaufgaben erledigen, ohne selbst dabeisein zu können, macht mich dennoch etwas traurig.

Aus dem Grund bin ich heute wieder in die Neunziger abgetaucht und schreibe an meinem, vielleicht nicht mehr ganz so geheimen, Romanprojekt, das mal nichts mit Raumschiffen und Außerirdischen zu tun hat. Und weil ich lieber weiter daran arbeiten will, fällt der Blogtext heute etwas kürzer aus, dafür gibt es mal wieder eine kleine Kostprobe aus dem Manuskript:

 

Schnaufend komme ich vor dem grauen Wohnblock an, den ich mein Zuhause nenne. Vor dem Aufgang parkt ein gelber Lieferwagen mit laufendem Motor. Auf den Türen kleben Magnete mit dem Logo des Pizzaservice. Mist, dass hab ich total vergessen. Ich trete die letzten Meter fest in die Pedale und springe vor dem Auto vom Rad, so dass die Flaschen im Beutel hörbar scheppern.
Vor der Haustür steht ein spindeldürrer Junge mit einem Pizzakarton, auf dem ein weißer Plastikbeutel liegt und malträtiert den Klingelknopf.
»Pizza für Steinhövel?«, spreche ich ihn an.
Erschrocken dreht er sich zu mir um. Seine mausgrauen Augen zwinkern hektisch im pickeligen Gesicht. Die kurzen roten Haare sehen aus wie Flaum und stehen wild nach allen Seiten ab. Er ist älter, als ich zunächst gedacht habe, wahrscheinlich Anfang Zwanzig und Student.
»Ähm, j…j…ja!«, stottert er.
»Da hab ich ja nochmal Glück gehabt«, sage ich lächelnd und schließe mein Fahrrad an.
Er kommt mir entgegen und zieht mit umständlichen Verrenkungen einen Quittungszettel aus der Hosentasche. »Da…da…das macht zwö…zwölf ach…acht…achtzig.«
Ich strecke ihm den Zehn-Mark-Schein und eine Hand voll Kleingeld entgegen. Dafür schiebt er mir den Pizzakarton hin.
In dem Augenblick, in dem ich ihn ergreife, klatscht ein großer Regentropfen darauf, dann noch einer und noch einer. Das Wasser wird augenblicklich von der weißen Papphülle aufgesogen und hinterlässt dunkle Stellen. Instinktiv sehe zum Himmel auf, doch der verbirgt sich pechschwarz vor meinem Auge. Nur die herabfallenden Regentropfen sind im Licht der nahen Straßenlaterne sichtbar. Ein paar Tropfen treffen mein Gesicht und die unangenehm kalte Feuchtigkeit lässt mich den Blick wieder senken. Der dürre Typ vom Pizzaservice ist immer noch damit beschäftig, das Kleingeld zu zählen, das ich ihm gegeben habe. Er scheint von dem einsetzenden Regen überhaupt nichts mitzubekommen.
»Stimmt so!«, sage ich großzügig und unterstreiche es mit einer lässigen Geste. Dabei habe ich keine Ahnung, ob die Summe überhaupt ausreicht. Während ich mich rückwärts in den Hauseingang zurückziehe, wird der Regen stärker. Das begreift endlich auch mein Gegenüber, stopft das Geld in sein Portmonee und steigt in den Wagen.
Erst als die Lichter des Lieferwagens in Regen und Dunkelheit verschwinden, schließe ich die Haustür auf und gehe hinein.
In meiner Wohnung landet der Pizzakarton mit dem Plastikbeutel auf dem kleinen Küchentisch, bevor ich die Getränke im Kühlschrank neben dem Fenster verstaue. Eine Bierflasche lasse ich draußen, öffne sie an der Tischkante und trinke mit kräftigen Zügen. Ich fühle mich wie ein Verdurstender in der Wüste, der auf eine Oase gestoßen ist – großartig.
Meine leicht feuchte Lederjacke landet auf der Flurgarderobe meine Stiefel irgendwo darunter.
Mit einem zufriedenen Rülpser lasse ich mich am Küchentisch nieder und genehmige mir ein köstliches Stück Pizza.
Der leere Stuhl mir gegenüber wirkt trostlos, erinnert mich plötzlich wieder an meine Einsamkeit. »… die Letzten unserer Art …«, so hat es Bombi heute Nachmittag formuliert. Der Kerl hat gar nicht so Unrecht, denn momentan fühle ich mich genauso. Und mit einem Mal schmeckt das Stück Pizza nicht mehr so gut und auch der Schluck Bier hinterher, hat einen schalen Nachgeschmack. Jetzt werd’ nicht sentimental, rufe ich mich selbst zur Ordnung. Doch das hilft nichts, mein Leben ist längst nicht mehr so spannend wie noch vor einem Jahr, als ich mit Henry um die Häuser gezogen bin, geschweige den in den Jahren als Punks noch richtige Punks waren, als wir noch ein richtiges Feindbild hatten, gegen das wir rebellieren konnten. Ein System gegen das wir uns auflehnten und das uns stets und ständig bespitzelte. Und jetzt …? Ich spüre wie Wut in mir aufkeimt. Was ist geblieben außer den Erinnerungen und der Musik?
Musik! Gute Idee! Aus einem Schuhkarton unter dem Tisch wühle ich eine Musikkassette hervor und schiebe sie ins Kassettendeck des Radios. Laut ballert der Sound von Schleim-Keim durch die Wohnung. Ich schließe die Augen, lehne mich zurück und fühle mich gleich besser.
Mit dem Oberkörper wippend, folge ich dem Rhythmus der Musik. Otze Ehrlich schreit: »Habt ihr keine Wut mehr im Wanst?«, die Gitarre jault, das Schlagzeug hämmert. So gefällt mir das. Es ist genau das, was mein wütendes Ich gerade braucht. Bis sich zwischen die Musik plötzlich ein weiteres Geräusch mischt. Das Geräusch, das nicht dorthin gehört, ist die Türklingel.
»Nein, ich stehe nicht auf und ich werde auch die Musik nicht leiser drehen. Ihr könnt mich mal!«, rufe ich laut in dem Wissen, dass mich sowieso keiner hört.
Doch das Klingeln hört nicht auf. Wie ein Parasit bohrt es sich mir in den Kopf und macht mich immer wütender.
Scheiße, das ist bestimmt wieder »Miss Piggy«! Ich sollte der Schlampe endlich mal klar machen, dass ich sie kacke finde und nichts von ihr will.
Jetzt wird es mir doch zu bunt. Ich stütze mich an der Tischkante ab und springe auf, mein Stuhl kippt dabei nach hinten und fällt krachend auf den Küchenboden. Wütend stapfe ich zur Wohnungstür, reiße sie mit voller Wucht auf und schreie: »Geh mir nich‘ auf’n Sack, du blöde Kuh!«
»Danke! Ich weiß bereits, dass du ein Arsch bist.«

Rezension zur Telepathin entdeckt

Gestern bekam ich per Post einen Auszug aus dem PR-Jahrbuch 2014 des SFCU als Kopie zugeschickt. Dort drin findet sich nämlich eine Rezension zu meiner ersten PERRY RHODAN FanEdition »Die Telepathin«. Davon hatte ich bisher nichts gewusst.

Der Autor des Artikel ist Claas M. Wahlers und er hat zunächst die Romanhandlung zusammengefasst, wobei er aus dem Namen MENELAOS aus unerfindlichen Gründen MENTEKEL gemacht hat. Das hat mich zunächst etwas irritiert und ich musste tatsächlich nachschlagen, wie ich das Schiff genannt hatte. Entweder, ich habe in der letzten Zeit zu viel geschrieben oder der Alzheimer greift um sich.

In meinen Augen ist es ihm gut gelungen, die Geschichte nachzuerzählen. Am Ende schreibt er in einem kurzen Fazit – das gern hätte länger sein können – was ihm gefallen hat und was nicht. Wobei mir hier erneut die falsche Werbung, die von der PRFZ gemacht wurde, auf die Füße fällt. Den Werbeslogan »Frauen in der Solaren Flotte« habe ich Rüdiger Schäfer zu verdanken, der den Werbetext damals geschrieben hat. Nur ging es mir aber nie darum, »Frauen in der Flotte« zu zeigen – die gab es ja damals de facto nicht. Mir ging es hauptsächlich um »den Umgang der Solaren Flotte mit Frauen«. Was etwas völlig anderes ist und das ich schon ein paar mal hinlänglich zu erklären versucht habe. Aber egal.

Hier ist der kurze Text aus dem PR-Jahrbuch 2014 (Vielen Dank an Ekkehardt, der ihn für mich ausgegraben hat.):

»Eine Geschichte, die erst langsam und unspektakulär anläuft. Erst im letzten Drittel nimmt die Story etwas Fahrt auf und gewinnt dabei an Spannung und Tiefe. Wer den Roman zu früh aus der Hand legt, beraubt sich dann doch einer durchaus interessanten Erweiterung des Perryversums um das Jahr 2238 herum. Nicht alle Protagonisten wussten in ihrer dargestellten Form zu gefallen.
Christina Hacker hatte sich vorgenommen, die Frauen in der Solaren Flotte darzustellen. Nach meinem Dafürhalten hätte sie mehr aus dem Thema machen können. Trotzdem eine Leseempfehlung von mir.«
Claas M. Wahlers, SFC Universum, PR-Jahrbuch 2014, Seite 363

Endgültiges

Es ist mal wieder Zeit für ein bisschen Poesie. Zwar sind es traurige Gedanken, dafür ist es aber lang genug her, dass ich das Gedicht geschrieben habe.

 

Endgültig ?

Das Kreischen der Vögel mischt sich
mit dem Schreien in mir.
Dieser Tag hatte etwas Endgültiges.
Ich sah sie!
Unantastbar noch in meinen Vorstellungen
möchte ich es ihr jetzt ins Gesicht sagen.
Doch Deine Blicke verbieten es.
Mit Beklemmung sehe ich die Entscheidung
in Deinen Augen –
Sie folgt Dir, als Du hinausgehst.

Die Vögel verstummen
und auch die Schreie werden leiser.
Ich werde lernen müssen
das Endgültige zu akzeptieren.

 

Überraschende Aufzeichnungen gefunden

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Copyright: Christina Hacker

In den letzten Tagen kramte ich viel in alten Sachen, zum einen weil ich etwas suchte, aber auch um mal auszumisten. Dabei stieß ich auf Dinge, die sich meiner Erinnerung längst entzogen hatten. So fand ich in einem zerfledderten Notizbuch einen Text, den ich Anfang der Neunziger mit Bleistift hineingekritzelt hatte. Wie sich herausstellte, gehören die Einträge zu meinem allerersten Roman, den ich geschrieben habe.

Das ist jetzt mehr als fünfundzwanzig Jahre her. Normalerweise beginnt man als Anfänger mit Kurzgeschichten und arbeitet sich dann voran. Ich stieg gleich mit einem Roman ein, was dann auch einige Zeit in Anspruch nahm. Bei den ersten Worten war ich 17 Jahre alt und als ich die Geschichte endlich zu Ende erzählt hatte bereits 20. Veröffentlicht wurde er aber erst 1996 als Star Trek Forum Produktion über einen Fanclub.

Zu meiner Schande muss ich gestehen, dass es eine klassische Mary Sue-Story ist, wie sie viele Teenager schreiben. Aber davon abgesehen bin ich noch heute stolz darauf, dass ich so viel Durchhaltevermögen hatte, um das Projekt damals tatsächlich zu Ende zu bringen. Warum ich das geschafft habe, ist mir erst vorgestern aufgegangen. Und hier kommen wir wieder auf das Notizbuch zurück. Ich war ziemlich überrascht, als ich darin so eine Art Exposé zu dem Roman fand. Die Struktur und die Kapitel waren ausgearbeitet und der Inhalt jeder Szene mit einem oder zwei Sätzen beschrieben. Da war ich platt. Ich hatte tatsächlich ein Exposé geschrieben. Hätte man mich damals gefragt, was das ist, hätte ich die Frage nicht mal beantworten können, aber ich hatte instinktiv das Richtige getan.

Viel Feedback bekommt man als Hobbyautor in der Regel nicht, aber ich bin dennoch stolz darauf, dass es im Netz immer noch eine Rezension gibt. Diese Ehre wurde damals nicht vielen Hobbyautoren zu Teil. Vor allem weil die Kritik sowohl positives als auch negatives herausstellt. So findet der Rezensent, dass ich die die Action-Elemente ruhig noch etwas hätte ausbauen können und dass einige Reaktionen meiner Protagonistin überzogen wirken. Das stimmt natürlich und ich würde es heute nicht anders kritisieren. Dennoch erfreuen mich seine Worte noch heute: »Dieser Roman war das Erstlingswerk der Autorin. Respekt, Respekt ! Das Buch macht Appetit auf weitere Romane oder Stories von ihr. Christina Hacker kann mit Worten umgehen. Der Stil ist flüssig und die Figuren wirken lebendig. Auch die Story ist gut ausgedacht und hat einige überraschende Wendungen. Die Spannung entsteht mehr aus inneren Konflikten der Hauptpersonen als aus Phaserfeuer und Raumschlachten.«

Genauso war die Geschichte auch gedacht. Schön zu lesen, dass sie auch so beim Leser angekommen ist.

Inzwischen habe ich bereits vier Fortsetzungen zu der Geschichte geschrieben. Es ist also schon fast so etwas wie ein Epos entstanden. Alle Geschichten findet man als E-Books auf meiner E-Book-Seite.

»No Future« oder was?

»Punk ist tot« verkündete Joe Corré, der Sohn des verstorbenen Sex-Pistols-Managers Malcolm McLaren, und zündete in einer beispiellosen Aktion die Sammlung seines Vaters an. Memorabilien aus den wilden Punk-Zeiten der Sex-Pistols im Wert von fünf Millionen Euro wurden ein Raub der Flammen. Sein Kommentar: »Punk hätte niemals zur Nostalgie werden dürfen und gehört nicht ins Museum.« Das mag man jetzt idiotisch finden, ich finde es zumindest konsequent. Punk ist nicht nur Musik. Punk ist Anarchie und damit auch eine Lebenseinstellung zu der auch der Verzicht auf Kommerz gehört. Und Nostalgie … sicher wird es den Alt-Punks nostalgisch zumute, wenn sie an frühere Zeiten denken, in denen sie biertrinkend in der Fußgängerzone Passanten angeschnorrt, sich bei Punkkonzerten in heruntergekommenen Klubs die Nächte um die Ohren gehauen haben oder sich bei den Chaostagen in Hannover Schlachten mit der Polizei lieferten. Zeiten die längst vergangen, aber in den Erinnerungen der meisten immer noch präsent sind, auch wenn sie inzwischen am Sonntagnachmittag Teetrinkend auf der heimischen Couch sitzen, statt bei Wind und Wetter um die Häuser zu ziehen. Es ist die Gesinnung, die zählt, das sich Abheben von der Masse, gegen den Strom schwimmen. Dazu gehört aber auch das nicht verstanden werden. Auch Joe Corrés Tat wird von den meisten Menschen nicht verstanden, dabei handelte er nur nach der Weltanschauung jener Band, die den Punk in den Siebzigern mit begründeten.

Ist Punk tot? Die Antwort lässt sich nicht so leicht beantworten. Am Ende muss das jeder für sich selbst entscheiden. Aber wenn es eine fast vierzig Jahre alte Weltanschauung schafft, jemanden wie mich zu infizieren, dann scheint noch eine Menge Leben in ihr zu stecken. Ich glaube, dass Punk niemals tot sein wird. Denn der Gedanke der Rebellion schlummert in uns, auch wenn wir ihn vielleicht vergessen haben.

Passend dazu gibt es noch eine Kostprobe vom aktuellen Geheimprojekt:

… Da fällt mir Henrys Karte wieder in die Hände.
»Bratwurstpogo« – Ich verziehe das Gesicht. Henry kann’s echt nicht lassen, mir immer wieder diesen Spitznamen unter die Nase zu reiben. Bekommen habe ich ihn vor zwei Jahren in Köln. Die Punks dort fanden das witzig, nur weil wir aus Thüringen sind. Aber die Tage in Köln waren der Hammer: Saufen, Ficken, Scheiße bauen. Das hatte was Erhabenes, war irgendwie besonders, so wie früher nur besser, weil es keine Spitzel gab, vor denen wir uns in Acht nehmen mussten.
Gott, die Wessis haben doch keine Ahnung, wie leicht sie es hatten.
Scheiße! Die Erinnerungen machen mich depressiv. Henrys krakelige Schrift auf der Karte tut ihr Nötigstes dazu. Warum er, warum musste ausgerechnet er in den Westen. Und dann noch so weit weg, ans andere Ende von Deutschland. Er hätte doch wenigstens nach Bayern gehen können, das sind nur knapp hundert Kilometer von hier. Und wenn die neue Autobahn fertig ist, wäre es nur noch ein Katzensprung… Wenn! … Wenn!
Wütend werfe ich die Karte weg, sie segelt träge durch den Raum und kommt schließlich am Boden vor dem Fenster zu liegen. Ich starre sie an, als käme sie geradewegs aus der Hölle, um mich zu verspotten.
Man bräuchte eine Zeitmaschine, so wie bei H. G. Wells oder wie der DeLorean aus »Zurück in die Zukunft«. Dann könnte man …
»Das hat doch alles keinen Sinn«, murmle ich vor mich hin und stehe auf, um die Karte wieder aufzuheben.
Draußen vor dem Fenster breitet sich die kleine Stadt aus: Rechts und links die Wohnblocks des Neubaugebietes; weiter unten alte Häuser, dicht gedrängt in schmalen Straßen, zwischendrin Industriebrachen und Ruinen, die wie Zahnlücken im Stadtbild aussehen. 
Das Tal ist der Stadt im Laufe der Jahrhunderte zu eng geworden. Die Häuser schmiegen sich bereits an die Flanken der Berge und Hügel. Überwuchern sie mit roten Dächern und grauen Straßen. Die Teiche des Naturschutzgebiets teilen die Außenbezirke in zwei Teile. Dahinter thront der Uni-Campus. Quaderförmige Betonbauten gruppieren sich um den Mensa-Würfel. Auto an Auto reiht sich dort in den Straßen, wie auf dem Parkplatz einer Autofabrik.
Die Sonne scheint nicht mehr, jetzt sieht alles nur noch grau und trist aus. Die Kuppen der im Süden aufragenden Berge sind umhüllt von einer Wolkenschicht. Der Wind schiebt vom Norden immer mehr Wolken heran, macht die Schicht dichter und dichter. Es wird heute ganz sicher noch regnen.
»Ich will hier nicht weg«, flüstere ich leise vor mich hin.
Mein Blick fällt auf die Karte in meiner Hand. Liebevoll streiche ich mit dem Daumen über den abgebildeten Stinkefinger und muss lächeln. Ja, richtig. Fuck you!
Ich stecke die Karte gut sichtbar ans Bücherregal und kehre an meinen Mac zurück. Arbeiten lenkt ab, heißt es. Außerdem … Das Leben muss weitergehen.

Werbung für die FanEdition

fe_2883Während ich mich heute meinem derzeitigen Schreibprojekt gewidmet habe und dabei in einer zeitnahen Vergangenheit unterwegs war, machte ich heute Nachmittag in der Bahnhofsbuchhandlung eine überraschende Entdeckung aus der Zukunft.

Im aktuellen PERRY RHODAN-Heftroman der Erstauflage (Band 2883) ist eine Anzeige zur FanEdition 18 abgedruckt. Ich gebe zu, dass ich mit stolz geschwellter Brust aus der Bahnhofsbuchhandlung geschwebt bin.

Ich finde es schöne Geste von der PERRY RHODAN-Redaktion, die hoffentlich ein paar Käufer anlockt. Und vielleicht findet sich dann auch mal jemand, der die Geschichte rezensiert. Ob negative oder positive Kritik, ich freue mich über jede Rückmeldung zu »Am Abgrund der Unsterblichkeit«.

 

Bundesakademie 2017

progwb2017Das Programm der Bundesakademie für kulturelle Bildung trudelte vergangene Woche bei mir ein. Dieses Mal in dezentem Türkis gehalten.

Inzwischen habe ich mich auch durch das umfangreiche Angebot gelesen. Wenn Wolfenbüttel nicht so weit von mir entfernt wäre, würde ich ja glatt mehrmals im Jahr dorthin fahren. Aber bei neun Stunden Anfahrt muss ich schon sehr genau überlegen, woran ich teilnehmen möchte. So habe ich mir zumindest schon mal den Termin fürs Romanseminar vorgemerkt.

Allerdings veranstaltet die BA im nächsten Jahr noch eine ganz besondere Tagung. Und die finde ich ebenfalls sehr reizvoll. Sie trägt den schönen Namen »Danke, Jesus!« und beschäftigt sich mit dem Werk von Andreas Eschbach. Da bin ich ja glatt versucht, mich anzumelden.

Sehen wir mal, vielleicht klappt es ja!

Endlich wieder Geheimprojekt

Da ich gerade im Punk-Modus bin … ja, ja die Lektüre diverser Fanzines hinterlässt Spuren … stelle ich mal wieder einen Auszug aus meinem Geheimprojekt hier herein. Dem Roman möchte ich in den nächsten Monaten meine volle Aufmerksamkeit schenken … Habe ich mir jedenfalls vorgenommen.

»Jens!«, flötet eine Frauenstimme aus dem Pausenzimmer.
Ich bleibe stehen und stecke den Kopf zur Tür hinein.
An dem Vierertisch in der Mitte des kleinen Raumes sitzt Erna, vor sich eine Tasse Kaffee und einen Teller mit selbstgebackenem Kuchen. Vorm offenen Fenster steht Frau Schäfer und raucht. Sie winkt mich herein. »Komm rein mein Kleiner! Du hast dir einen Kaffee verdient.« Sie legt die halb aufgerauchte Zigarette in einen weißen Porzellan-Aschenbecher, nimmt eine Tasse aus dem Küchenschrank links neben der Tür und schenkt mir den letzten Kaffee aus der Glaskanne der Kaffeemaschine ein.
»Hier iss ein Stück Kuchen! Du bist ja ganz abgemagert.« Erna hält mir den Kuchenteller hin.
Ich greife mir ein Stück Mohnkuchen, während mir Frau Schäfer verschwörerisch die Kaffeetasse in die Hand drückt.
»Wir werden dich schon aufpäppeln, nicht wahr Erna!« Die Chefin der Litho verzieht die rot geschminkten Lippen zu einem Lachen. Die Frau um die Fünfzig wirkt jung, was nicht zuletzt an ihrem tiefschwarzen Haar und den ebenso schwarzen Augenbrauen liegt. Ihre dunklen Augen glänzen wie Kohle im gebräunten Gesicht.
»S’nächst Mal ziehst aber a anständige Huas an, Jung.« Erna zupft an meiner schwarzen Jeans, die am Oberschenkel einige aufgerissene Stellen hat. »Bring mer de Huas einfach vorbei, ich näh dir en Flicken druff«, schlägt sie vor und streicht dabei über meinen Oberschenkel. Das sie Mundart spricht, scheint sie nicht wahrzunehmen.
»Das trägt man aber heute so«, versuche ich ihr zu erklären.
»Erna, das verstehst du nicht. Der Junge braucht Luft da unten«, sagt Frau Schäfer zweideutig.
Die Empfangschefin sieht empört zu ihr auf, während ihre Hand weiterhin auf meinem Oberschenkel verharrt. »Aber, Renate!«
Renate Schäfer saugt lasziv an ihrer Zigarette und richtet sich schmunzelnd an mich. »Hat dich der Chef wieder ungespitzt in den Boden gerammt, was?«
Ich zucke mit den Schultern. »Letzte Chance!«
»Manchmal ist er ein richtiges Ekelpaket.«
»Renate!«, ermahnt Erna wiederholt.
»Der ist doch nur neidisch, auf unseren Kleinen, weil er so gut und knackig aussieht.« Dabei lächelt sie mich verführerisch an.
Ich werde rot. Scheiße, das hat mir noch gefehlt; zwei alte Schachteln, die scharf auf mich sind.
»Herr Steinhövel?«, fragt plötzlich ein Stimmchen hinter mir.
Ich drehe mich langsam um, froh darüber dem peinlichen Moment zu entkommen.
Erna zupft mir immer noch an der Hose herum, jetzt hat sie die aufgeschlitzte Stelle unterhalb meines Hinterns entdeckt. »Naa! Naa, des geht so nich«, murmelt sie vor sich hin.
Ich wage es nicht, mich zu bewegen.
Vor mir steht die neue Grafikerin, an deren Namen ich mich beim besten Willen nicht erinnern kann. Erst jetzt erkenne ich, wie klein sie ist. Etwa eins sechzig groß, reicht sie mir gerade bis zur Schulter. Aus großen olivfarbenen Augen im Sommersprossigen Gesicht sieht sie zu mir auf.
»Ja?«, frage ich und versuche meine Stimme nicht ablehnend klingen zu lassen.
»Hier!« Mit der linken Hand streicht sie sich eine Locke des feuerroten Haars aus dem Gesicht, während sie mir mit der Rechten zögernd eine Floppydisk reicht. »Die Datei mit dem Rohlayout! Das können Sie sicher gebrauchen«, erklärt sie und kaut verlegen auf ihrer Unterlippe.
Jetzt bin ich perplex. »Danke!«, sage ich und stopfe mir das Stück Mohnkuchen in den Mund, um die Hand für die Floppydisk freizubekommen.
Sie schlägt die Augen nieder und ich bin froh, dass ich den Kuchen im Mund habe, weil ich nicht weiß, was ich sagen soll.
»Da siehste mal, Jens! Du hast jede Menge Verehrerinnen in der Agentur«, sagt Frau Schäfer laut.
Die Situation ist mir inzwischen mehr als unangenehm. Ich würge hastig den Kuchen hinunter und spüle mit einem Schluck Kaffee nach. »Der Kuchen ist lecker« ist das Unverfänglichste, was mir im Moment einfällt. Eigentlich will ich hier nur noch raus. Zum Glück hat Erna inzwischen von meiner Hose abgelassen, auch wenn ihr Blick weiterhin prüfend über mein Outfit wandert. Frau Schäfer dagegen flirtet mich hemmungslos an und auch die junge Grafikerin in meinem Rücken scheint offensichtliches Interesse an mir zu haben. Ich glaube zu spüren, wie mich ihre Blicke von hinten durchbohren.
»Ähm, ich glaub, ich muss jetzt …«, sage ich und trinke die Tasse in einem Zug leer, bevor ich sie auf den Tisch stelle.
»Ja, ja. Texte du nur schön, damit du am Montag pünktlich abgeben kannst.« Frau Schäfer drückt ihre Zigarette aus und kommt auf mich zu. Sie gibt mir einen freundschaftlichen Klaps auf den Hintern. »Wir wollen doch alle, dass du weiter für uns arbeitest.«
Ich schlucke und bringe ein gepresstes Lächeln zu Stande. »Also, dann bis Montag!« Ich hebe grüßend die Hand und verlasse fluchtartig den Pausenraum und die Agentur.