Wer hätte gedacht, das Perry Rhodan mal in einem Derivat der BILD-Zeitung landet?
Da staunte ich nicht schlecht, als ich in der Ausgabe 22/2016 der COMPUTER BILD vom 15.10.2016 auf einen Artikel über die größte SF-Serie der Welt stieß. Unter der Überschrift »Er muss sterben, um zu Leben« liefert der Text einen recht stimmigen Abriss über 55 Jahre PERRY RHODAN. Der unteranderem darüber erzählt, wie von »Unternehmen Stardust« (1961) bis zu »Die vereisten Galaxis« (2016) aus geplanten 30 Heftromanen inzwischen mehr als 2875 wurden, zuzüglich der Planetenromane, Comics, Miniserien und diverser Begleitliteratur. Richtig beschrieben wird auch die Arbeit des Autorenteams. Bei der Bemerkung, das die Autoren bereits in »der dritten oder gar vierten Generation« schreiben, konnte ich mir ein Schmunzeln nicht verkneifen. Das klingt fast so, als würde das Schreiben im Perryversum weitervererbt.
Auch die NEO-Serie wird kurz vorgestellt und dabei ziemlich gut dargelegt, mit was sich der NEO-Perry im Vergleich zum Perry der EA auseinandersetzen muss. »Statt mit dem Kalten Krieg befasst er sich mit Umweltschäden, Drogen, Verteilungskämpfen.« Momentan beschäftigt er sich zwar eher mit einer Invasion, aber ganz so falsch ist das Geschriebene nicht.
Die COMPUTER BILD gratuliert der Serie mit einem besonderen Geschenk. Auf der Heft-DVD findet sich nämlich nicht nur das Hörbuch zu Band 2875 »Die vereiste Galaxis« von Exposéautor Christian Montillon sondern auch das E-Book zum NEO-Roman von Rainer Schorm »Der Kontrakt«. Ein Gratisgeschenk auch an die Fans und die, die es vielleicht noch werden.
Ich persönlich halte dies für eine wunderbare Idee die Grenzen des »Perryversum« auszudehnen, um neue Leserquellen zu erschließen. Gerade mit Hörbüchern und E-Books in einem Computer-Magazin ist man damit auf dem richtigen Weg.
Im aktuellen PERRY RHODAN-Heftroman ist eine Anzeige zum Newsletter der PRFZ abgedruckt, den ich redaktionell betreue. Das freut mich natürlich und macht mich auch ein wenig stolz. Als ich vor genau zwei Jahren das Angebot bekam, den Newsletter zu übernehmen, hätte ich mir nie träumen lassen, dass die PERRY RHODAN-Redaktion mal eine Anzeige in einem Romanheft dafür schalten würde. Ein großes Dankeschön von dieser Stelle an die Verantwortlichen.
Der aktuelle Newsletter mit der Nummer 16 ist in Arbeit. Das Interview mit Robert Vogel ist schon im Lektorat, die restlichen Texte, über den BuCon, die AustriaCon Reader und diverse andere Artikel folgen. Ab Montag stehen die Vorbereitungen für’s Layout an. Ich hoffe, dass ich bis Ende nächster Woche alles über die Bühne bekomme. Danach wartet eine weitere größere Aufgabe auf mich. Darüber darf ich an dieser Stelle noch nichts verraten, in zwei bis drei Wochen wisst ihr mehr.
Den Newsletter können alle Mitglieder der PRFZ auf deren Homepage kostenlos abonnieren.
PERRY RHODAN NEO Band 133 – »Raumzeit-Rochade« von Michael H. Buchholz
Genial! Anders kann ich den Roman des (Mit)Exposéautors nicht bezeichnen. Da war alles drin, was das Herz eines SF-Fans höher schlagen lässt: Zeitreisen, fremde Raumschiffe und Technologie, phantastische Welten, überlegene Entitäten und vielschichtige Protagonisten. Der Roman hat mir zwei Tage lang spannende Lesestunden beschert. Ich habe ihn extra über zwei Tage verteilt gelesen, damit ich länger etwas davon habe.
Ich gebe ja zu, dass ich nach dem letzten Band einige Befürchtungen hegte, was die Zukunft der Serie angeht. Da verlief vieles nicht so, wie ich mir das gewünscht oder vorgestellt hatte. Doch der Nachfolgeband hat mich komplett umgehauen. Wie aus einer anderen Welt ist die Handlung nicht nur spannend, sondern auch intelligent verstrickt. Mehrere Handlungsstränge auf verschiedenen Zeitebenen, da muss man erstmal den Überblick behalten. Überraschend das Auftreten eines Widersachers von ES (Anti-ES), aber auch die Vergangenheit von Tuire Sitareh birgt Bemerkenswertes. Dazu die Kapitel aus dem Wilden Westen, die sich wie eine Mischung aus »Billy the Kid« und »Die glorreichen Sieben« lesen. Hätte man mich vorher gefragt, ob eine Verbindung zweier so unterschiedlicher Genres funktioniert, hätte ich nur den Kopf geschüttelt. Aber Michael H. Buchholz hat nicht nur bewiesen, dass es funktioniert, sondern es auch brillant umgesetzt.
Auch wenn ich am Anfang meine liebe Not mit den verschiedenen Start- und Zielzeiten hatte, so bin ich dann doch gut mitgekommen, ohne mir einen Zeitstrang malen zu müssen. Es werden viele offenen Fragen aus den ersten beiden Staffel beantwortet. Vor allem lüftet der Autor das Geheimnis um die Szenen aus Band 116. Die Information zu den Zeitbrunnen, die als die »Alten Wege« bezeichnet werden, ließen mich hellhörig werden. Technologie, die aus einer Zeit vor den Liduuri stammt. Ich frage mich, ob das ein Hinweis auf die Cappins werden soll.
Was mich etwas erstaunte, ist die Tatsache, das Mirona Thetin den Menschen quasi die Informationen zur Entstehung des Sonnenchasmas einfach so überlassen hat. Da fragte ich mich zunächst nach ihren Motiven. Aber wahrscheinlich tut sie es nur, um ihre Heimat Liduur zu schützen, weniger wegen der Menschen. Man kann spekulieren, ob und wie diese Informationen in die Hände der Terraner gelangen werden. Und ob sie damit das Chasma schließen können. Keine Erklärung bekommen wir über die Hintergründe und die Verursacher des Sonnenchasmas, da spannen uns die Exposéautoren weiter auf die Folter.
Die Entstehung des Rico-Dublikats am Ende hat mir ein breites Lächeln aufs Gesicht gezaubert, weil die Idee doch sehr stark an STAR TREK-TOS (»Kirk : 2 = ?«) erinnerte. Nur das dieses Mal kein Transporter sondern ein Transmitter involviert war.
Obwohl Tuire diese Geschichte Ishy Matsu erzählt, finden sich im Roman viele Kapitel aus der Sicht anderer Protagonisten (Anathema di Cardelah/Mirona Thetin, Rico oder Billy Ray Dawson). Das hat mich anfangs verwirrt, weil Tuire ihre Geschichte gar nicht kennen kann. Aber das war der einzige Schwachpunkt in dem rundum gelungenen Roman.
Fazit: Ein furioser Roman mit Anspruch, der mich sehr gut unterhalten hat. Er beantwortet viele offene Fragen und gewährt gleichzeitig einen Blick in die Zukunft der NEO-Serie. Ich möchte nicht jede Woche einen solchen komplexen Roman lesen, aber ab und zu muss das einfach sein.
Ebenso gelungen ist das Titelbild von Dirk Schulz: Tuire und die Dinosaurier. Genial!
Noch eine kleine Beobachtung am Rand. Mindestens einer der Exposéautoren liest die »PM«. Anders kann ich mir nicht erklären, dass mir manche wissenschaftliche Information irgendwie bekannt vorkommen, die in die Romane einfließen. Das Bärtierchen (als Beschreibung für die Sitarahk genutzt) wurde zum Beispiel unlängst in einem PM-Artikel erwähnt.
PERRY RHODAN NEO 132 – »Melodie des Untergangs« von Susan Schwartz
Ich bin mir nicht sicher, was ich von dem Roman halten soll. Einerseits ist er stellenweise spannend geschrieben, andererseits gibt es zu viele Dinge, die mich stören. Die ganze Geschichte wirkt auf mich wie Stückwerk, dass mehr schlecht als recht zusammengesetzt wurde.
Da ist zum einen der Prolog in Sankt Petersburg, bei dem die Klischees regelrecht von den Seiten tropfen. Das liest sich nicht nur sehr seltsam für einen NEO, sondern ich ärgerte mich über die stereotype Beschreibung des russischen Sohns und seines alten Mütterchens. Die Autorin versucht hier die russische Seele abzubilden, ohne sie verstanden zu haben. Vergleichbar, wie wenn man alle Deutschen Biertrinkend und in Lederhosen beschreiben würde. Das klingt bemüht, belehrend und alles andere als glaubwürdig.
Ich hoffe auch nicht, dass die Terranische Union ihre Mitglieder einfach machen lässt, ohne nachzuprüfen, ob sie die Gesetze der Union auch einhalten. Denn das hieße, dass die Union die Bürgerrechte nicht schützt. Das mag vielleicht für die jetzige EU gelten, aber nicht für eine Terranische Union unter Perry Rhodan. Reden wir auch nicht davon, dass ein russischer Präsident so skrupellos ist und atomare Sprengköpfe in geringer Höhe über einer Großstadt zu zünden. Zum Glück haben die Sitarahk Schirme an denen die Wirkung verpufft. Wahrscheinlich werden die Bomben vor der Explosion desintegriert. An dieser Stelle hätte ich mir eine präzisere Beschreibung des Vorgangs gewünscht. Denn wären die Bomben explodiert, hätte dort kein Stein mehr auf dem anderen gestanden.
Überhaupt, die Sitarakh sind jetzt also so eine Art Heuschrecken, die über das Sonnensystem herfallen und es ausbeuten. Das ist eine enttäuschend eindimensionale Beschreibung. Da frage ich mich, wieso sie dann die Menschen nicht sofort in einem einzigen Vernichtungsschlag beseitigt haben. Wenn es ihnen nur um Ressourcen geht, dann agieren sie viel zu zurückhaltend. Aber vielleicht gehören ja die Menschen für sie auch zu so einer Art Ressource. Das scheint sich zumindest abzuzeichnen. Der Auftritt der Bestie Masmer Tronkh war für mich am Ende etwas irritierend, macht aber neugierig.
Ich bin immer noch nicht glücklich mit dem Besatzungsszenario. Da ich zeitnah die NEO-Staffel »Kampfzone Erde« gelesen habe, stolpere ich allerorten über Parallelen. Die Reaktionen der Menschen mögen vielleicht besser beschrieben sein, als Frank Borsch das tat, aber ich werde das Gefühl nicht los, dass es hier darum geht, auf Teufel komm raus Spannung zu erzeugen und dem ehemaligen Exposéautor zu zeigen: Schau mal her, so macht man das! Ich kann mich täuschen und hoffentlich tue ich das auch, aber ein fauler Beigeschmack bleibt.
Die Stirn gerunzelt habe ich über die Vizeadministratorin, die einfach mal ihre Stellvertreterin dazu verdonnert, die Stellung zu halten, damit sie mit Julian Tifflor in den Untergrund gehen kann. Somit ist sie nicht besser als Administrator Ngata, der sein Heil in der Flucht auf die LESLIE POUNDER suchte und nun dem Protektor und der Crew auf der Nase herumtanzt. Ich verstehe auch Rhodan nicht so ganz, wie er angesichts der unbekannten Bedrohung, die die Sitarakh darstellen, der Erde einfach so den Rücken kehrt. Die Diskussion und Abstimmung darüber wurde ohne hinreichende Informationen über die Situation im SOL-System geführt. Ich an seiner Stelle hätte mich zunächst rückversichert, bevor ich in den Kugelsternhaufen M15 aufgebrochen wäre. So könnte es leicht passieren, dass von Terra und dem SOL-Sytem nicht mehr viel übrig ist, wenn er irgendwann mit einer Befreiungsflotte zurückkehrt.
Bei der Flucht von Tifflor und den Mutanten spielen wieder zu viele Zufälle mit und die Information, dass die Bevölkerung inklusive Cheng Chen Li an Schlafmangel leiden, wird so oft unterschwellig angebracht, dass es mich irgendwann nervte.
Das gleiche gilt für Tuire Sitareh und Ishy Matsus Flucht vom Mond. Auch hier sind zu viele glückliche Zufälle im Spiel. Und eigentlich weiß man ja, dass sich unser »Wunderkind« Sitareh irgendwie da wieder heraus mogelt. In solchen Fällen kann man nur über das Innenleben der Figuren Spannung erzeugen. Ishy und Tuire bieten hierfür genügend Potential, das von der Autorin leider nicht genutzt wurde.
Über die vielen logischen und vor allem die Physik verspottenden Fehler – Druckwelle im Weltraum (da gibt es höchstens Strahlungsdruck oder herumfliegende Trümmer) habe ich großzügig hinweggelesen.
Einigermaßen interessant finde ich die Handlung um die Liduuri und Achantur. Die Idee mit der Hyperraumblase ist reizvoll, auch wenn es mich ein wenig an das blaue System der Akonen erinnert. Das Avandrina di Cardelah am Ende noch ins Koma fällt und den Menschen nicht helfen kann, ist ein wenig »plotdriven«, wie man so schön sagt. Dafür werden wir Eric Leyden in Aktion sehen und das entschädigt mich für den unglücklichen Kunstgriff.
»Melodie des Untergangs« hat mich nicht überzeugt, weil hier nichts wirklich zusammenpasst. Als Leser sehe ich Teile eines Mosaiks, ohne ein Bild erahnen zu können. Die Handlung ist mir an vielen Stellen zu oberflächlich und teilweise auch zu auktorial. Ich erfahre nur wenig über das Gefühlsleben der Protagonisten. Man kann Susan Schwartz zugutehalten, dass die Vielzahl der Charaktere eine tiefergehende Schilderung unmöglich machte. Dennoch habe ich schon bessere Romane von ihr gelesen.
PERRY RHODAN NEO 99 – »Showdown für Terra« von Oliver Plaschka
Der Meister der Harmonie darf nicht nur den Zyklus zu Ende bringen, sondern auch mit Band 99 den letzten Roman nach einem Exposé von Frank Borsch schreiben. (Band 100 wird der Exposéautor selbst schreiben.) Dabei steht Oliver Plaschka vor der kniffligen Aufgabe alle losen Fäden zu einem Ende zu verknüpfen. Was angesichts der Fülle noch offener Handlungsstränge eine unlösbare Aufgabe ist. Er konzentriert sich daher auf die Handlung um Perry Rhodan und Reekha Chetzkel.
Auf der Orbital-Station über Terra kommt es zum Finalen Kampf zwischen den Arkoniden und den Menschen, wobei nicht alle Arkoniden auf einer Seite kämpfen. So versuchen sowohl die Stationskommandantin als auch der Celista Jemmico den Reekha mit allen Mitteln aufzuhalten. Ihre plötzliche Treue den Terranern gegenüber kommt überraschend und wird wenig überzeugend erklärt, was sicher dem Zeitdruck geschuldet ist, unter dem der Autor stand. Auch Rhodan und die Mutanten tun alles um die Katastrophe zu verhindern, nicht ohne das der Expokrat dafür tief in die Trickkiste greifen muss. Es wird gekämpft, gemordet, getäuscht und manipuliert. Fürsorger Satrak schickt seine KI ins Rennen, weil er selbst indisponiert ist. Dabei wäre er eigentlich derjenige, der den Reekha hätte aufhalten müssen und können, denn er ist ja nicht tot und Chetzkels Machtübernahme war im Grunde nicht Rechtens. Aber so ein baumbewohnender Kolonialarkonide ist nun mal nicht die große Actionfigur, die man in spannende Abenteuer schickt. Das übernimmt Jemmico, der in den vergangenen Roman zwar an Format gewonnen hat, dessen plötzliche Wendung hin zu den Terranern aber nicht umfassend herausgearbeitet wird. Er opfert im Grunde seine Karriere für die Menschen, die er noch vor Wochen gefangengenommen und zum Mars deportiert hat.
Das Chetzkel sich von den Mutanten hereinlegen lässt, ist seinem durchgedrehten Verstand geschuldet. Er agiert am Ende wie im Rausch und ist blind für logische Schlussfolgerungen. Nur deswegen kann er besiegt werden. Da war wenig zu spüren von dem einst so erfolgreichen und logisch denkenden Feldherrn.
Interessant ist auch hier, dass es nicht Perry Rhodan selbst ist, der den Reekha zur Strecke bringt, sondern Jemmico. Ein weiterer Hinweis darauf, wie sich die Autoren bemühen, dass Rhodan eine weiße Weste behält. Für mich fühlt sich das nicht nach dem richtigen Ansatz an. Ich wünschte mir Rhodan ein wenig härter und kompromissloser.
Als eine Arkonbombe droht die Erde zu vernichten, taucht unerwartet Bully mit einer neuen Flotte auf und rettet die Erde quasi in letzter Minute. Das war der Punkt, wo ich den Kopf schütteln musste. Hier wurde großes Potential verschenkt. Ich hätte zu gern gewusst, wie Bully mit dem Haluter Fancan Teik auf Vulkan den Stützpunkt der Ersten in Besitz nimmt. Während in einigen Vorgängerromanen herumgetrödelt und sinnlose Handlungen generiert wurden, fehlt nun am Ende die Zeit, um das eigentlich wichtigste zu erzählen. Ein oder zwei Bände mehr, hätten der Handlung sicher gut getan und auch dem Autor geholfen seine Geschichte überzeugender zu erzählen. Da hätten manchmal nur ein paar Sätze mehr aungerecht, um einige offensichtliche Löcher zu stopfen.
Oliver Plaschka rettet das, was zu retten ist mit einem spannenden Plot, der zwar ein paar Unstimmigkeiten aufweist, aber den Leser zumindest bis zum letzten Wort fesselt und durch die sehr schöne Figurenzeichnung. Man fühlt als Leser mit den Figuren. Egal ob Chetzkel und Mia Weiß, Jemmico oder Rhodan sie agieren ihrem Charakter entsprechend und stellenweise sehr gefühlvoll. Rhodans finale Gedanken trieben mir auf der letzten Seite tatsächlich die Tränen in den Augen und das im positiven Sinne.
Es hätte mindestens noch zwei solcher Bände gebraucht, um die Handlung des Zyklus, beziehungsweise die Ära Borsch zu einem zufriedenstellenden Ende zu bringen. So wirkt »Showdown um Terra« hektisch und trotz des Meisters der Harmonie etwas unrund. Schade!
PERRY RHODAN NEO 97 – »Der Zorn des Reekha« von Michael H. Buchholz
Anders als seine Kollegen Michelle Stern oder Christian Montillon schreibt Michael H. Buchholz eine, sagen wir mal, bodenständige Science Fiction. Er verwendet SF-Elemente in einem realistisch anmutenden Setting. In diesem Fall wird das noch verstärkt durch den Handlungsort – die Ruhr-Arena Dortmund. Ein Ort, den man nicht zwangsläufig in einem SF-Roman erwarten würde. Ein Vorgehen, das aber bei PERRY RHODAN Tradition hat und besonders bei NEO häufig verwendet wird. Ich mag so etwas gern lesen, sofern die Logik eingehalten wird.
Der Plot wird vom Autor in mehreren überschaubaren Handlungsebenen zügig vorangetrieben. Das Tempo zum Schluß massiv angezogen. Es gibt genügend Plotpoints, so dass die Handlung nicht allzu geradlinig verläuft. Die Figuren sind interessant beschrieben. Mit Fancan Teik taucht erstmals ein Haluter in der NEO-Serie auf. Die Schlacht zwischen den Besatzungstruppen und den Free Earth Kämpfer in der Fußball-Arena ist zwar blutig und brutal, aber durchaus glaubhaft erzählt. Teik rettet den Fürsorger, kurz bevor der von Chetzkel ermordet werden kann. Dabei zeigt sich der Reekha wieder von seiner besonders bösen Seite. Mir kommt der Charakter in den letzten Romanen ein wenig zu eindimensional rüber. Da gab es in diese Zyklus schon Romane, in denen er mehr Profil hatte. Aus meiner Sicht würde ein bisschen mehr Hintergrund der Figur guttun, aber das ist so kurz vorm Finale beinahe schon zu spät.
Ein paar der Aktionen sind wieder einmal dem Zufall geschuldet und wieder sind es nicht allein die Menschen selbst, die sich befreien, sondern ein überirdisches Wesen in Form eines Haluters. Warum dieser so schnell Partei für die Menschen ergreift, ist mir an dieser Stelle nicht ganz klar geworden. Da hätte ich mir mehr Hintergrundfakten gewünscht.
Alles in allem ist »Der Zorn des Reekha« ein spannender und leicht zu lesender Roman. Mir persönlich ist er ist aber ein wenig zu glatt und ein wenig zu hektisch. Da geschieht vieles zu schnell, als es realistisch möglich ist. Außerdem fehlt das Alleinstellungsmerkmal, das besondere. Dies könnte eine außergewöhnliche Figur oder eine ausgefallene Technologie sein, vielleicht auch eine ungewöhnliche Erzählweise. Dennoch zolle ich den Autor großen Respekt, dass er bereits so kurz nach der Behandlung seiner Krebserkrankung einen so gut ausgearbeiteten Roman abliefert.
Ich war gespannt. Hatte ich doch schon so viel über den legendären BuchmesseCon in Dreieich gehört und gelesen. Und da eine Freundin ganz in der Nähe wohnt, nutzte ich die Gelegenheit der Traditionsveranstaltung einen Besuch abzustatten.
Das Bürgerhaus in Dreieich war schnell gefunden, ein Parkplatz dagegen eher schwieriger, vor allem wenn man erst am Nachmittag dort aufschlägt.
Im Foyer bezahlten wir unseren Eintritt und nahmen die obligatorische Contüte in Empfang. Ich hatte mich noch nicht gedreht, als ich schon von einer befreundeten Autorin begrüßt wurde, die ich aus Wolfenbüttel kannte. Gleich darauf stand eine Foristin aus dem PR-Forum vor mir. Kaum einen Schritt weiter, kam mir ein Fan entgegen, mit dem ich vor mehr als zwanzig Jahren zur Premiere von STAR TREK »Generations« in Berlin gewesen war, der sich aber nur noch dunkel an mich erinnerte.
Ich hatte die Treppe zum Foyer erglommen, da traf ich schon die nächsten Bekannten. Nach einer herzlichen Begrüßung, schlenderten wir erstmal zwischen den Ständen hindurch und bewunderten die Vielzahl der anwesenden Verlage und deren Publikationen. Während wir uns mit einer Tasse Kaffee und einem Stück Kuchen stärkten, kamen weitere Freunde und Bekannte vorbei. Jedesmal gab es ein großes Hallo und viele interessante Gespräche. So flog der Nachmittag an mir vorüber, ohne das ich mir eine der Lesungen anhören konnte. Ich stand mit staunendem Blick herum und plauderte, lernte Personen kennen, von denen ich bisher nur gehört, oder mit denen ich telefoniert bzw. E-Mails ausgetauscht hatte und knüpfte neue Kontakte. Besonders gefreut, hat mich das Zusammentreffen mit Oliver Plaschka, der immer sehr rührig in meinem Blog die Rezensionen zu seinen NEO-Romanen kommentiert. Überrascht und gefreut hat mich auch das Zusammentreffen mit Michael Haitel, der für die FanEdition der PRFZ verantwortlich ist. An dieser Stelle gleich mal ein Hinweis, ihm liegen bereits Manuskripte für die FanEdition bis 2019 vor.
Einzig Hermann Ritter, den ich gern mal persönlich kennengelernt hätte, ging mir an diesem Nachmittag durch die Lappen.
Später plauderte ich vor dem Stand vom Verlag »in Farbe und Bunt« noch mit Kai Hirdt und Madeleine Puljic, im Foyer mit Verena Themsen. Gemeinsam warteten wir auf das Verlags-Panel der PERRY RHODAN Redaktion, dass um 18 Uhr beginnen sollte. Kurz vor Sechs nahm ich meinen Platz im Holodeck 4 ein und wunderte mich, dass der Raum nicht voll wurde. Ein Blick auf das Programm zeigte, dass im Nachbarraum Bernd Perplies und Christian Humberg aus ihrer Romanserie STAR TREK »Prometheus« lasen. Diese Parallelität fand ich etwas unglücklich, weil ich mir das auch gern angehört hätte. Doch das Perry-Panel wollte ich unter keinen Umständen verpassen.
Klaus N. Frick übernahm die Moderation. Am Tisch saßen außerdem Verena Themsen, Kai Hirdt und Neuling Madleine Puljic. Nach der Vorstellungsrunde hatte der PR-Chefredakteur einige Fragen vorbereitet, die er den Autorinnen und dem Autor stellte. Hauptsächlich ging es um das neue Taschenbuch »Die falsche Welt«, das die Heftromane 2812-2815 enthält und gerade bei Bastei-Lübbe erschienen ist. Klaus N. Frick erklärte, dass der Verlag mit Taschenbüchern mit abgeschlossenen Handlungen versuchen will, ehemalige Leser in die Serie zurückzuholen.
»Überallzugleichschreiber« Kai Hirdt sprach über die Fortsetzung der Comic-Reihe und nannte mit dem 23. Januar sogar ein voraussichtliches Erscheinungsdatum, an dem die PERRY RHODAN Comics in die zweite Runde gehen werden. Er verriet an dieser Stelle auch einen Spoiler. Er sorgt in der Geschichte nämlich dafür, dass das Dimesextatriebwerk der SOL zerstört wird und schafft damit eine Erklärung, warum die SOL mehr als vierzig Jahre braucht, um in die Milchstrasse zurückzukehren.
Die Wienerin Madeleine Puljic sprach vor allem über ihre Arbeit mit Kai Hirdt am NEO Roman »Das Cortico-Syndrom«, der in zwei Wochen erscheinen wird.
Im Anschluss stellten die anwesenden Fans Fragen. Im Blickpunkt stand vor allem der vergangene Zyklus der EA, wobei sich hier die Lager zwischen Begeisterung und Ablehnung die Waage hielten. Es gab Fragen zur kommenden Miniserie und Klaus N. Frick machte allen bewusst, dass zur Zeit fünf PERRY RHODAN Serien in Bearbeitung sind: EA, NEO, »Jupiter«, »Trivid« und die für Frühjahr geplante Miniserie.
Punkt 19 Uhr war das Panel beendet. Ich drehte noch eine Verabschiedungsrunde, bevor mich mein Chauffeur vor der Tür des Bürgerhauses abholte.
Ich fand den Tag in Dreieich sehr bereichernd, nicht nur wegen der fruchtbaren Gespräche, sondern auch wegen der vielen Eindrücke, die ich gewonnen habe. Das einzige war, dass ich anschließend kaum noch einen Ton herausbrachte. Nun, das kommt davon, wenn man gefühlte vier Stunden am Stück redet.
Eines ist aber ganz sicher: ich versuche im nächsten Jahr wiederzukommen.
Verena Themsen & Klaus N. FrickKai Hirdt & Madeleine Puljic
PERRY RHODAN NEO 96 – »Kampf um Derogwanien« von Michelle Stern
Wow! Was einem als Leser in diesem Roman an Informationen über das Ringen aufgetischt wurde, muss man erstmal verdauen können. Auf beinahe jeder Seite erfährt man von Callipso, seiner Lebensgeschichte und Motivation. Aber auch der Goldene auf der WELTENSAAT gibt so einiges von sich Preis. Michelle Stern gelingt es zudem das Warum der Schwertmutter den Goldenen zu hintergehen, besser herauszuarbeiten als Christian Montillon. Im Endeffekt gleicht die WELTENSAAT der Kolonie »New Earth« in der unterschiedliche Spezies zwar nebeneinander aber nicht miteinander existieren. Das sich die Lazar und einige Wotok auf die Seite der Menschen schlagen, führt innerhalb des Schiffs zu einem Bürgerkrieg, der alle anderen Spezies vereinnahmt. Am Ende kämpft Pranav Ketar gegen den von John Marshall befreiten Plofre und muss einiges einstecken, bevor er den Ilt zur Strecke bringt.
Perry Rhodan, Ras Tschubai und der Arkonide Charron da Gonozal gelangen zusammen mit Ernst Ellert durch den Zeitbrunnen nach Derogwanien, wo sie bereits von Callipso erwartet werden. Im Zeitbrunnen erlebt Rhodan eine Vision, wie er auf dem Mond stirbt, weil Crest ihn und Bully nicht in sein Schiff holt. Rhodan fragt sich die ganze Zeit über, was die Vision bedeutet und, ganz ehrlich, ich auch. Das wurde im Roman leider nicht aufgelöst. Dafür erfährt man viel über Callipso und das er keineswegs der Böse in diesem Spiel des Ringens ist. Im Gegenteil durch sein Eingreifen wollte er verhindern, dass der jahrtausendelange Waffenstillstand zwischen den Humanoiden und der Allianz gebrochen wird. Die Idee eines Bösewichts, der eigentlich gutes tun möchte, gefiel mir sehr gut. Überhaupt scheint Rhodan eine zentrale Figur in dieser Ereigniskette zu sein. Faszinierend fand ich auch seine Fähigkeit Seelensplitter seines Volkes in sich aufzunehmen und gegebenenfalls wieder zu extrahieren, um sie eines seiner Geschöpfe einzupflanzen. Um Rhodan die Flucht zu ermöglichen, lässt er seine Geschöpfe gegen die Wotok antreten. Dieses Opfer macht deutlich, dass es auf beiden Seiten des Ringens Mächte gibt, die mit dem Vorgehen der Oberen nicht einverstanden sind. Wer das ist und warum sie das tun, bleibt im Dunkeln. Aber auch so fügen sich die einzelnen Puzzlesteine zusammen. An dieser Handlungsebene störte mich eigentlich nur der ungeheuere Zufall, das Ernst Ellert ausgerechnet ein Schiff auf Derogwanien geparkt hat.
Im dritten Handlungsstrang geht es um Gucky und die Ilts. Sie werden vom Goldenen gequält und gefoltert und als Werkzeug benutzt, um zum Beispiel den Schutzschirm Callipsos um dessen Dorf zu durchbrechen. Pranav Ketar lässt keine Gemeinheit aus, um seine Befehle durchzusetzen. Diese Rücksichtslosigkeit erwartet man nicht von einem so fortgeschrittenen Wesen wie einem Goldenen. Man sollte doch annehmen, dass ein Wesen das so alt (unsterblich) ist, genügend Weisheit gesammelt hat, um das Leben an sich zu schätzen und sich nicht niederen Instinkten wie Macht hinzugeben. Hier ist mir das Bild des Bösewichts zu eindimensional.
Kurz vor Schluss fiel mir noch eine Unstimmigkeit in der Reihenfolge der Handlung auf. Während Ketar Plofre erklärt, die Ilts wären auf Derogwanien vom Weltenspalter vernichtet worden. Liest man im nächsten Kapitel, dass Gucky den Tod seines Vaters telepathisch spürt. Zu diesem Zeitpunkt hat aber der Weltenspalter Derogwanien noch nicht angegriffen.
»Kampf um Derogwanien« ist wie ein Festmahl nach langer Fastenzeit. Die Informationen sind so geballt, dass man sie gar nicht alle verarbeiten kann und am Ende auch ein wenig unzufrieden ist, weil sie zwar üppig, in ihrer Qualität aber ein wenig zu mager sind.
Ich bewundere Michelle Stern, dass es ihr gelingt, neben dieser Fülle an Informationen noch eine spannende Geschichte zu erzählen. Das war sicher nicht einfach.
PERRY RHODAN NEO Band 95 – »Im Fluss der Flammen« von Rainer Schorm
Der Roman ist ein typischer Schorm, wenn ich das mal so behaupten darf. Gezeichnet von atemloser Action, distanziert wirkenden Figuren und einer die Physik verspottenden Logik. Ich habe lange überlegt, warum mich die Ungereimtheiten in »WELTENSAAT« von Christian Montillon nicht so gestört haben, wie bei »Im Fluss der Flammen«. Bei dem Roman von Christian Montillon handelt es sich um klassische SF, die auf einem Außerirdischen Raumschiff mit vielen exotischen Lebensformen spielt. Das ist reine Fantasie und die lässt sich eben nur schwer in ein Korsett physikalischer Gesetze pressen und das muss sie auch nicht. Band 95 der NEO-Reihe hat aber eindeutig den Anspruch von Hard-SF und die funktioniert nunmal nicht ohne halbwegs plausible Erklärungen.
Los gehts schon mit Julian Tifflor, Mildred Orson und Orome Tschato in den Frischwassertanks der AGEDEN. Müsste es da drin nicht stockdunkel sein? Aquamarinblau ist da wohl die falsche Beschreibung, denn sie befinden sich ja nicht in einem Gewässer, das von Sonnenlicht beschienen wird und bei dem die Extinktion wirkt. Sie haben Lampen, aber deshalb wird das Wasser nicht dunkelblau. Und ich bezweifle, dass das Licht ihrer Lampen weit genug reicht, um in den Pipelines und Kavernen etwas erkennen zu können.
Ich hatte bei Band 89 schon gesagt, dass ich diese Frischwasser-Geschichte nicht sonderlich logisch fand. Es wäre sinnvoller zu erklären, dass die Wasserspeicher an Bord ständig recycelt werden und das sie unteranderem dem Schutz vor kosmischer Strahlung dienen. Das wäre wirksamer und energetisch günstiger. Nächstes Problem ist der Druck der Wassersäule. Warum sollte die Schwerkraft überhaupt in diesen Bereichen wirken? Es ist nicht nur Energieverschwendung, sondern auch ungünstig, wenn man nur einen Gravitationsgenerator hat. Bei Star Trek wird die künstliche Gravitation beschrieben, durch Matten, die im Boden jeden Decks verlegt sind und ein voneinander unabhängiges redundantes System bilden.
Der unsägliche Einsatz der Ara-Medikamente setzt dem Unternehmen die Krone auf. Warum nehmen sie keine Taucherausrüstung? (Die auf dem Cover von Dirk Schulz übrigens abgebildet wurde.) Ich kann mir nicht vorstellen, wie man sprechen soll, wenn man nicht atmet. Auch die Leichtigkeit mit der die Menschen in die Systeme und Bereiche der AGEDEN eindringen können und sich sogar in der Waffenkammer bedienen können, wirkt von Anfang an konstruiert. Wenn der Autor das nicht so spannend geschrieben hätte, wäre ich versucht gewesen, diese Passagen zu Überblättern. Der unsichtbare Helfer von Außen macht es nicht plausibler, sondern verwirrt eher, weil man sich fragt, wer dahintersteckt. (Etwa der Fürsorger?)
Außerdem: Was sollte eigentlich mit dieser Infiltration der AGEDEN durch die Free Earth bezweckt werden? Das kam bei mir irgendwie nicht an.
Spannung ist das einzige, dass den Roman zusammenhält. Denn auch die zweite Handlungsebene auf New Earth strotzt von Zufällen, Unwahrscheinlichkeiten und logischen Fehlern. Dazu stimmt stellenweise das Timing nicht. Die AGEDEN braucht zu lange bis sie im System ankommt und noch länger, bis sie endlich ihren Angriff auf New Earth startet. Somit haben die Terraner Zeit, die Kolonie zu evakuieren. Auch die beiden Naat-Kreuzer können sich stundenlang gegen das Flaggschiff von Chetzkel wehren und somit den Terranern Zeit verschaffen. Und wenn diese dann ins All starten, liegt zufälligerweise ein Minenfeld zwischen den Angreifern und den Flüchtigen. Die herbeigerufene Verstärkung in Form der ENDRIR ist dagegen so schnell zur Stelle, dass man sich verwundert die Augen reibt und sich fragt, warum sie nicht schon früher gerufen wurde.
Das ist das Problem, wenn man einen übermächtigen Gegner kreiert und sich dann fürchtet, die Konsequenzen zu tragen. Man benötigt Zufälle und »Deus Ex Machina«-Lösungen, um die Protagonisten aus dem Konflikt zu befreien. Ein Mann wie Chetzkel hätte in Wahrheit nicht gezögert und mit voller Brutalität agiert. So wie der Autor es am Ende auch andeutet, als der Reekha die AGEDEN wie ein Komet durch die Atmosphäre pflügen lässt. Der Abwurf der Arkonbombe war in dem Falle sogar unnötig. Er und seine Schiffe hätten Hope auch dem Erdboden gleich machen können, wenn sie nur die Gletscher zum Schmelzen gebracht hätten. Manchmal mag es für die Geschichte richtiger sein, schlimme Dinge passieren zu lassen. Einfach nur um glaubwürdig zu bleiben. Wer davor zurückschreckt, sollte sich vielleicht keinen so überlegenen Gegner schaffen.
Rainer Schorm rettet den unglücklichen Plot durch seinen spannenden, actionlastigen Schreibstil. Damit hat er mich bis zum Schluss bei der Stange gehalten, auch wenn ich mit der Inkonsequenz der Handlung, alles andere als zufrieden bin.
PERRY RHODAN NEO Band 89 – »Tschato, der Panther« von Michael H. Buchholz und Rüdiger Schäfer
Das auf dem Titel dieses NEO-Romans zwei Autoren stehen, hat einen tragischen Hintergrund. Kurz nach Beginn der Schreibarbeit erkrankte Michael H. Buchholz so schwer, dass er den Roman nicht zu Ende schreiben konnte. Er musste sich umgehend nach einem Ersatzautoren umsehen und fand ihn in Form seines langjährigen Freundes Rüdiger Schäfer.
Nome Tschato, auch »Tschato der Löwe genannt«, kennen viele Fans aus den Heftromanen des Plophos-Zyklus. Mir hat der Kommandant der LION damals gut gefallen. Sein Wagemut und sein Hang zu riskanten Einsätzen führte zu Abenteuern, an die ich mich gern erinnere. Doch Tschatos Beliebtheit hing von einem entscheidenden Faktor ab, nämlich seinem ersten Offizier Dan Picot. Da Picot ständig unter den Einfällen seines Kommandanten litt, den er auch für seine angeblichen Magengeschwüre verantwortlich machte, bildetet sich zwischen den beiden Figuren eine besondere Chemie. Natürlich verehrte Picot seinen Kommandanten und konnte sich ein Leben ohne ihn nicht vorstellen, aber die ständigen Frotzeleien zwischen den beiden, verliehen Tschato das gewisse Etwas.
Die Figur Orome Tschato wird bei NEO als »Tschato, der Panther« bezeichnet. Er ist an den Charakter der frühen Heftromane angelegt, kommt aber nicht an ihn heran. Es fehlt einfach die Reibfläche namens Dan Picot, um ihm einen ähnlichen Reiz zu verleihen. In Band 89 präsentiert sich der Terra-Polizist der sich dem Widerstand anschließend will, als Helfer für Julian Tifflor und Mildred Orson und sorgt für das Gelingen der Infiltration. Tifflor und Orson versuchen über die Frischwasserversorgung auf ein arkonidischen Kreuzer zu gelangen, um einen Trojaner in deren System zu etablieren. Damit Free Earth in Zukunft unbemerkt Menschen an Bord arkonidischer Raumschiffe schleusen kann.
Die Idee einer Bekämpfung der Arkoniden durch Cypertechnik ist zwar nicht originell, wird aber spannend umgesetzt. Mir stellten sich jedoch einige Fragen. Haben arkonidische Raumschiffe keine Wasseraufbereitung, weil sie Frischwasser an Bord nehmen müssen und Abwasser entsorgen? Geht die Besatzung damit nicht ein erhebliches Risiko ein, verunreinigtes Wasser an Bord zu holen. Da können sich alle möglichen Keime und gefährliche Stoffe im Wasser befinden. Um ganz sicher zu gehen, müssten sie das Frischwasser nicht nur filtern, sondern auch untersuchen und aufbereiten, wozu sie eine Wasseraufbereitung benötigen würden, durch die sie sich das ganze Prozedere mit dem Fischwasser eigentlich sparen könnten. Diese Idee war mir zu »plotdriven«, wie man so schön sagt. Die zweite Frage, die ich mir stellte, wie können menschliche Computerspezialisten in so kurzer Zeit so viel Kenntnis über arkonidischen Positroniken lernen, um einen gefährlichen Trojaner programmieren können? Ich empfinde die Zeitspanne als zu kurz. Nichtsdestotrotz ist das Unternehmen spannend geschrieben und läuft auch nicht so glatt, dass es unglaubwürdig wäre.
Interessant ist auch der zweite Handlungsstrang um Reekha Chetzkel und die NAS’TUR II. Es geht um die Instandsetzung der Relaiskette nach Arkon, die durch Sabotageakte unterbrochen ist. Chetzkels Bösartigkeit erreicht einen neuen Höhepunkt, als er ein Schiff aus seiner Flotte als Kanonenfutter opfert, nur weil er dessen Besatzung nicht mag. Die Angst und Sorge der Kreuzerbesatzung sind gut beschrieben und verleihen den Arkoniden eine neue menschliche Facette. Am Ende wird die NAS’TUR II von Schiffen der terranischen Flotte aufgerieben und schwer beschädigt. Durch die Besonnenheit des menschlichen Befehlshabers Marcus Everson kann die Besatzung aber vor dem Tod gerettet werden.
Der Roman ist spannend und liest sich wie aus einem Guss. Das heißt, man kann nicht unterscheiden, welcher Autor was geschrieben hat. Das spannende Abenteuer offenbart aber auch ein paar Schwächen im Plot über die arkonidische Besetzung. Hier stimmt stellenweise das Timing überhaupt nicht. Manches zieht sich ewig hin, während an andere Stelle schon innerhalb kurzer Zeit eine Infrastruktur vorherrscht, für deren Ausbau mehrere Jahr benötigt würden. Das bemerke ich immer wieder besonders innerhalb der Widerstandsbewegung Free Earth. Da werden zu viel Können und zu viele Zufälligkeiten vorausgesetzt.
Inzwischen ist Michael H. Buchholz wieder gesund und sogar ins NEO-Exposéteam aufgestiegen, wo er mit seinen Ideen seit Band 101 einen ausgezeichneten Job macht.