Eher Thriller als Requiem

Quelle: Perrypedia

PERRY RHODAN NEO Band 374 – »Requiem für eine Unsterbliche« von Stefan Pannor

Nachdem Perry Rhodan ins Solsystem zurückkehrt, wird er sofort in eine Auseinandersetzung zwischen den Terranern und Algrons Posbis verwickelt. Der Tesserakt der Perry Rhodan und die Einzelteile von Roi Danton ins Solsystem eskortiert hat, hatte seitdem Position über der Lunar Research Area und damit über NATHAN bezogen. Nun dringen die Posbis ins Innere der Forschungsstation auf dem Erdmond ein. Die Terraner sehen darin einen Angriff und wollen die Posbis aufhalten. Es droht die Zerstörung der Basis. Rhodan verhandelt mit Algron und kann ihn und seine Posbis zum Rückzug bewegen. Dafür will dieser Rhodan und die MAGELLAN zur Zentralwelt der Posbis begleiten.
Bei einem Zwischenstopp im Spica-System erzwingen die Eltern der Cybora-Kinder ihre Teilnahme an der Expedition, um die Verschollenen mit einer eigenen Streitmacht zurückzuholen. Dabei gelingt es den Cyboranern, die Besatzung der MAGELLAN mittels Naniten auszuschalten und das Fernraumschiff zu übernehmen. Rhodan und die Mannschaft werden in der CIRINJA, einem der Cyboranischen Schiffe, mit defektem Antrieb und ausgefallenem Hyperfunk im All ausgesetzt.
Hilfe kommt aus einer unerwarteten Richtung. Das Mentamalgam Sud arbeitet als Ärztin an Bord der MAGELLAN. Sie wird von den Posbis Algrons entführt und ihrem Intarsium beraubt. Dadurch trennen sich die vor knapp 400 Jahren verschmolzenen Bewusstseine von Sue Mirafiore und Sid Gonzales wieder. Beide ringen um die Vorherrschaft über Suds Körper. Sid geht als Gewinner aus dem inneren Konflikt hervor, während Sue verschwindet. Der Teleporter kann seine einstigen Fähigkeiten abrufen und teleportiert von Bord. Mit Hilfe des Hyperfunks in seinem Raumanzug kann er Rhodan kontaktieren und von der CIRINJA eingefangen werden. Mit seinem Anzug-Hyperfunk ist die Besatzung der CIRINJA in der Lage Hilfe herbeizurufen.

Wow! Was für eine Geschichte. Da ist alles dabei, was Spannung erzeugt. Außerdem wird es von Stefan Pannor so glaubhaft geschildert, dass man den Roman nur schwer wieder aus der Hand legen kann. Ich finde es gut, dass Perry Rhodan in dieser Staffel mal nicht wie der große Held dargestellt wird, dem alle zu Füßen liegen, und der nur mit dem Finger schnippen braucht, damit ihm jeder Wunsch erfüllt wird. Denn, wenn wir ehrlich sind, würden wir uns doch auch nicht von jemandem etwas sagen lassen, der schon vor 400 Jahren gelebt hat.

Insofern finde ich es ein bisschen schade, dass es keine großen Reibereien gibt, ob Rhodan die MAGELLAN für die Expedition bekommen kann, wie im ersten Band der Staffel, als Reglinald Bull nur ein kleines Schiff für Perry abstellen wollte. Aber offenbar ist den Politikern um den Ersten Terraner Aurelian Voss ein Schulschiff wie die MAGELLAN nicht so wichtig, inklusive der jungen Kadetten an Bord. Man lässt Rhodan also mit einer unerfahrenen Besatzung in die Tiefen den Leerraums aufbrechen, damit er das Posbiproblem lösen kann. Wahrscheinlich glaubt eh keiner der Bürokraten der Terranischen Union an einen Erfolg, was die Selbstüberschätzung von Politikern sehr plastisch macht. Man kennt das aus eigener Erfahrung.

Der Hammer ist aber die Übernahme der MAGELLAN durch die Cyboraner. Da wird Rhodan mit seinen eigenen Waffen geschlagen und ihm das Raumschiff unter dem Hintern weg geklaut. Sensationelle Idee. Wobei die Vorbereitung des Coup einen kleinen Haken hat. Wieso führt die erste Transition der MAGELLAN ausgerechnet ins Spicasystem zu den Cyboranern? Wenn da nicht die neue Kommandantin der MAGELLAN mit den Cyboranern unter einer Decke steckt. Oder sie hat den Befehl, ins Spicasystem zu fliegen, direkt von Aurelian Voss bekommen und es Perry Rhodan verschwiegen. Hin wie her, das alles ist ein brillanter Plot, der zudem noch perfekt umgesetzt wurde.

Nostalgisch wird es in den Kapiteln um das Mentamalgam Sud. Da lässt der Autor die Geschehnisse aus den allerersten NEO-Bänden aufleben. Damals als die Serie eigentlich »John Marshall« hätte heißen müssen, weil sich ein großer Teil der Handlung, um den Telepathen und seine Arbeit im Shelter dreht. Ich gestehe, dass ich mit der Figur der Sud nie richtig warm geworden bin, aber wie Stefan Pannor ihr »Ende« schildert, finde ich sehr gelungen.

»Requiem für eine Unsterbliche« ist ein großartiger NEO-Roman, der mir unheimlich viel Freude bereitet hat. Und das nicht nur wegen der vielen tollen Wendungen in der Handlung, sondern auch durch die erzählerische Stärke mit der der Autor die Geschichte umsetzt. Was mich zu der Frage bringt: Warum hat man Stefan Pannor nicht schon früher in die NEO-Serie geholt?

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