Legionellenprüfung ad absurdum geführt

Trinkwasserhygiene ist eines der wichtigsten Themen in der Baubranche. Die Vorschriften, Regeln und Gesetze füllen ganze Bücherregale. Ein Grund sind Legionellen, das sind Bakterien, die sich in stehenden lauwarmen Wasser sehr gut vermehren, zum Beispiel in Rohrleitungen, in denen das Wasser nicht regelmäßig zirkuliert. Wenn das Wasser beim Duschen beispielsweise verwirbelt wird und die Legionellen an Aerosole gebunden werden, können sie vom Menschen eingeatmet werden und dessen Lunge befallen. Die Krankheitssymptome ähneln einer schweren Grippe und im schlimmsten Fall bekommt derjenige dann die Legionärskrankheit, die sich in einer akuten Lungenentzündung äußert, die unbehandelt zum Tod führt oder bei der selbst nach erfolgreicher Behandlung mit Antibiotika, Schäden im Lungengewebe zurückbleiben können. In Deutschland gibt es jedes Jahr bis zu 30.000 Erkrankungen, die Dunkelziffer wird aber viel höher liegen, weil nicht bei jeder Lungenentzündung nach Legionellen untersucht wird.

Es gibt also auch noch Lungenkrankheiten neben dem Corona-Virus. Ich sage das nur, weil viele Leute das in den vergangenen eineinhalb Jahren offensichtlich vergessen haben. Die Coronakrise hat das Problem verschlimmert. Weil Schulen, Hotels und Ferienwohnungen lange Zeit leer standen und damit auch das Wasser in den Rohren, konnten sich dort womöglich Legionellen stark vermehren, wenn in der Zwischenzeit nicht regelmäßig gespült wurde. Ich bin mir nicht sicher, ob vor allem in den Schulen und Kitas die Hausmeister jeden Tag durchs Haus gegangen sind und die Wasserhähne überall aufgedreht haben. Ebenso sieht es in den Ferienwohnungen aus. Bei Hotels könnte es anders sein, die werden vom Gesundheitsamt strenger überwacht und müssen meistens einen Spülplan vorlegen. Die Frage ist natürlich, ob sich jeder daran gehalten hat, denn der Wasserverbrauch ist enorm und wenn kein Geld hereinkommt … Ich denke das jetzt mal nicht zu Ende.

Auch Vermieter und Verwalter von Mehrfamilienhäusern müssen die Trinkwasseranlagen alle drei Jahre auf Legionellen prüfen. Bei uns in Wohnanlage steht der Termin zur Prüfung Anfang Juli wieder ins Haus. Normalerweise kommt da jemand und entnimmt in den Wohnungen in den obersten Stockwerken der vier Häuser Wasserproben. Jetzt las ich doch auf dem Zettel der Hausverwaltung, das seit neuestem Wohnungen, die leer stehen oder die als Ferienwohnungen genutzt werden (das sind in unserer Gegend nicht wenige) aus der Prüfung herausfallen. Dort darf nicht getestet werden. Das heißt, man wird in unserer Wohnung die Wasserproben entnehmen, da über uns eine Ferienwohnung ist.

Es kann also gut sein, dass das Trinkwasser in der Wohnung über uns verseucht ist, weil die Leute nur sehr selten da sind. Es bekommt aber keiner mit, weil nicht hingeschaut wird. Wie jetzt? Da, wo sich potentiell Legionellen angesammelt haben könnten, schaut man einfach nicht hin? Was macht dann diese Legionellenprüfung überhaupt noch für einen Sinn? In dem man die Wohnungen herausnimmt, in denen nicht so oft jemand da ist, und das Wasser Wochenlang (in Zeiten von Corona Monatelang) in den Leitungen steht, will man offensichtlich nicht riskieren, das dort eventuell etwas gefunden wird. Ganz ehrlich, dann kann man das Prozedere auch gleich ganz sein lassen. Das haben sich bestimmt irgendwelche Wohnungsgenossenschaften und Hausverwaltungen ausgedacht und sind damit vor Gericht gezogen und haben Recht bekommen. Nur damit sie die Kosten nicht tragen müssen, wenn tatsächlich Legionellen gefunden werden. Dann muss nämlich die komplette Anlage aufwendig gespült werden und das kann sehr teuer werden.

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