Neue Mobilität

Ende November schrieb ich  hier, dass wir eine Autofahrt gemacht haben. Heute kann ich nun endlich auch verkünden weshalb. Es ist eine längere Geschichte geworden, als gedacht. Aber sonst hätte ich ja nichts zu schreiben.

Seit zirka einem Jahr liegt mir mein Mann in den Ohren, dass er gern ein Elektroauto möchte. Nach dem Desaster mit dem Toyota Yaris wollte ich eigentlich nichts davon hören. Zumal unser Corsa erst drei Jahre alt ist. In fast jeder freien Minute saß mein Mann auf der Couch und konfigurierte E-Autos. Ich wurde informiert, was es alles so gibt und welches Auto welche Vorteile hat. Er las jeden Artikel, der irgendwie mit Elektromobilität zu tun hatte und wir fuhren im Sommer auch mal in ein Autohaus, um uns das eine oder andere Auto anzusehen.

Ich blieb skeptisch und wollte mich eigentlich nicht überreden lassen. Wie das so ist, irgendwann kann man es nicht mehr mit ansehen, wie der eigene Ehemann von Tag zu Tag unglücklicher wird. Ich gab nach. Unteranderem auch deshalb, weil mir das Auto gefiel, was er sich final ausgesucht hatte. Außerdem war es ein VW. Ich als alte Golffahrerin habe immer noch ein inniges Verhältnis zu der Marke, obwohl ich meinen Golf II schon 2013 abgegeben habe.

Die Wahl meines Mannes war auf einen ID3 gefallen, weil der einen großen Akku mit 450 km Reichweite hat. Wir gingen also in ein Autohaus und machten eine Probefahrt. Der Golf GTE, der dort in der Ausstellung stand, gefiel mir eigentlich noch besser. Aber als ich mich hinters Steuer setzte, kam ich erst in den Sportsitz nicht rein und anschließend nicht mehr raus. Das ist definitiv nichts für Leute mit meiner Figur.

Weil der Autoverkäufer aber nicht in der Lage war, uns ein bereits verfügbares Auto zu bestellen, was die Ausstattung hatte, die sich mein Mann vorstellte, suchten wir uns ein anderes Autohaus. Dazu mussten wir bis zum Chiemsee fahren, aber es lohnte sich. Der Verkäufer war nett. Wir verhandelten mit Abstand hinter einer Plexiglasscheibe und er konnte uns das Auto heraussuchen, was wir wollten.

Es hieß, dass das Auto bereits gebaut war und innerhalb von zwei Wochen geliefert werden könnte. Wenn alles gut ginge, bekämen wir es noch vor Weihnachten. Naja, so schnell ging es dann leider doch nicht, auch wegen des Mitte Dezember verhängten Lockdowns. Das Auto kam erst am 30. Dezember. Leider nur das Auto, nicht der Brief. Um die 1000 Euro Sonderprämie von VW zu bekommen, musste das Auto noch 2020 angemeldet werden. Aber ohne Brief und mitten im Lockdown, wie sollte das gehen?

Der Brief kam dann erst am 11. Januar, das Auto wurde vom Autohaus angemeldet (selbst kann man das ja momentan nicht) und wir erhielten die Prämie. Doch abholen durften wir das Auto nicht, denn es fehlte eine entscheidende Kleinigkeit – die Winterreifen. Die waren nicht mitgekommen und ließen nach wie vor auf sich warten. Sowohl der Verkäufer als auch wir, waren inzwischen genervt. Es wurde vom Autohaus sogar versucht, die Reifen bei eBay zu kaufen. Es zog Woche um Woche ins Land. Vergangene Woche Dienstag rief dann das Autohaus an, dass sie jetzt versuchen wollten, die Reifen im Ersatzteillager von VW zu bestellen. Am Donnerstag dann der erlösende Anruf, die Reifen sind da (nicht die aus dem Lager, sondern die, die mit dem Auto bestellt wurden).

Am Freitag fuhren dann mein Mann und mein Schwiegervater los, um das Auto abzuholen. Endlich ist es da, ich bin einigermaßen erleichtert, denn mein Mann war am Ende nur noch ein Nervenbündel. Am Samstag sind wir ein bisschen durch die Gegend gefahren, um uns mit dem Auto vertraut zu machen. Es hat ein paar nette optische Spielereien, die Sitze sind komfortabel und es fährt wahnsinnig ruhig. Kein Vergleich zu unserem Diesel-Corsa. Heute hat mein Mann es zum ersten Mal an die Ladesäule am Fremdenverkehrsamt in Waging gesteckt, weil es in den nächsten Tagen sehr kalt werden soll und wir gerüstet sein wollen. Die Ladesäule ist keine 400 Meter entfernt und der Öko-Strom dort kostet nichts.

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