Am Anfang war das Ei – oder ein Cover für die SOL

Ein Fotomosaik hätte es werden sollen. Diese Idee für das Cover der Jubiläumsausgabe der SOL trug ich schon sehr lange mit mir herum. Ehrlich gesagt hatte ich sie bereits im Kopf, da war ich noch nicht Chefredakteurin des Magazins. In den 2000er-Jahren gestaltete ich bereits Fotomosaike, von denen eines sogar als Titelbild eines Star Trek-Fanzine abgedruckt wurde.

Wie das im Leben oft ist, man glaubt, man habe noch ewig Zeit, dann ist plötzlich der Zeitpunkt heran und man hat noch nichts dafür getan. So ähnlich ging es mir auch hier. Wobei ich das mit dem Fotomosaik irgendwie nicht aus dem Kopf bekam. Und so ließ ich mir im Sommer von unserem Layouter Günter Puschmann hochauflösende Bilder aller bisher erschienenen SOL-Cover schicken, erstellte eine Bilddatenbank und experimentierte damit herum.

Zunächst benötigte ich ein passendes Hintergrundbild, das ich mit Hilfe der Cover darstellen wollte. Ich fand es relativ schnell im Titelbild vom PERRY RHODAN-Heft 1961 »Ein Sechstel SENECA« – eine schöne Darstellung der SOL ohne viel Schnickschnack. Aber weil die SOL 100 ein umlaufendes Titelbild bekommen sollte, passte das Format des Titelbilds von Swen Papenbrock nicht. Also beschnitt ich das Bild, retuschierte den Text weg und spiegelte es. Denn die SOL sollte möglichst nach rechts aus dem Titelbild herausfliegen.

Dann setzte ich die Mosaiksoftware »AndreaMosaic« auf das Bild und die Datenbank mit den Covern an. Die Ergebnisse waren … sagen wir mal bescheiden. Denn für ein richtig gutaussehendes Fotomosaik benötigt man sehr viele unterschiedliche Bilder. Es gab allerdings nur 99 SOL-Titel zuzüglich zwei Backcover, weil zwei Ausgaben mit umlaufendem Titel erschienen waren. Das machte summa summarum 101 Bilder, um ein Fotomosaik zu gestalten. Es war definitiv zu wenig, wie ich feststellte. In der Software gibt es zwar die Möglichkeit, Bilder mehrfach zu verwenden, aber das wirkte nicht und dann wären auch nicht alle Titelbilder angezeigt worden. Ich war ein wenig unglücklich darüber und suchte fieberhaft nach Alternativen. Da erinnerte ich mich an das Ei …

Im Frühjahr dieses Jahres hatte die PERRY RHODAN-Redaktion den Lesern »Galaktische Ostern!« gewünscht und zwar in Form eines Bildes, dass sie auf allen Plattformen im Internet verbreitet hatte. Darauf war ein Ei abgebildet, auf dessen Oberfläche die Titel verschiedener PERRY RHODAN-Romane zu sehen waren. War das die Lösung? Ein Bild mit den Titelbildern der SOL war bereits durch meine Versuche mit dem Fotomosaik vorhanden. Ich musste es nur noch auf die Oberfläche der SOL bekommen.

Durch meine Ausbildung kenne ich mich mit Bildbearbeitungsprogrammen einigermaßen gut aus. Es wäre doch gelacht, wenn ich das nicht mit »Adobe Photoshop« hinzaubern könne, dachte ich zumindest. Nun ja, so einfach war es dann doch nicht. Ein Ei ist die eine Sache, ein Objekt von der Komplexität der SOL eine andere. Ich erstellte Masken in SOL-Form legte das Fotomosaik dahinter und setzte alle möglichen Wölbungsfilter darauf an. Das Ergebnis war unbefriedigend – ein erneuter Rückschlag.

Aufgeben kam für mich jedoch nicht in Frage. Es wurde Zeit, dass ich mir Hilfe suchte und zwar von einem Profi. Raimund Peter hatte kurz zuvor Vorlagen für die Glaswürfel kreiert, die seit September 2020 im SpaceShop der PRFZ erhältlich sind. Einer der Würfel zeigt ein 3D-Modell der SOL. Im Studium hatte ich das Fach 3D-Modelling und Animation belegt. Ich wusste also, dass es für Raimund ein Leichtes sein würde, mein Bild mit den SOL-Titeln auf sein 3D-Modell der SOL zu »mappen«. Abgeleitet ist das Wort vom englischen »mapping«, dem Aufeinanderabbilden von Datenelementen aus zwei verschiedenen Datenmodellen, so heißt der offizielle Begriff für das Aufbringen einer Textur auf ein Drahtgittermodel.

Ich schickte ihm also das Bild, erklärte, was ich mir vorstellte und bat ihn um Unterstützung. Lange musste ich nicht auf eine Antwort warten. Bereits wenige Tage später landeten die ersten Entwürfe in meinem Postfach. Zudem hatte ich Raimund gebeten, ein paar passende Hintergründe auszusuchen, und das hatte er getan. Jetzt hatte ich die Qual der Wahl: ich musste aus acht sensationellen Bildern das Beste raussuchen. Das war echt schwierig, weil jedes Bild für sich eine optische Kostbarkeit darstellt. Weil es bei einem Cover aber auch auf die Platzierung der Texte und des Titels ankommt, entschied ich mich für die Nummer eins. Das Bild mit dem ruhigen Sternenhintergrund und der Galaxie. Letztere würde die Rückseite der SOL 100 aufwerten und für die Vorderseite hatten wir relativ große freie Bereiche, in die wir Texte und die Überschrift platzieren konnten.

Doch was war mit den anderen tollen Bildern? Die waren viel zu schön, um sie auf der Festplatte verstauben zu lassen. In dem Moment kam mir die Idee, zwei innenliegende Seiten zu einem Poster zu machen. Dass auf die Rückseite des Posters dann auch noch eine Risszeichnung kam, ist nochmal eine andere Geschichte.

Ursprünglich war die gar nicht geplant. Die SOL hatte nach dem Layout 96 Seiten inklusive der vier Seiten Umschlag. Als ich den Druckauftrag anlegen wollte, stellte ich fest, dass man keine 96 Seiten drucken lassen kann, sondern entweder 92 oder 100. Da ich auf Inhalt nicht verzichten wollte, beschloss ich, dass wir vier Seiten zusätzlich zu machen. Es blieb wenig Zeit, weil sich die Auslieferung sonst verzögert hätte.

Ich schlug Günter vor, auf die Rückseite des Posters eine alte Risszeichnung von ihm zu drucken und den »Unterwegs mit Gucky«-Artikel noch mit reinzunehmen zzgl. einer Grafik oder eines Comics. Günter moserte zwar, weil seine Frau an dem Tag Geburtstag hatte und er am nächsten Tag, machte es dann aber trotzdem. Er schickte mir zwei Risszeichnungen zur Auswahl. Ich entschied mich für die farbige und das war’s. Mir blieb keine Zeit, groß zu überlegen. Ich war froh, dass wir die Druckdaten mit nur zwei Tagen Verspätung hochladen konnten.

Auf alle Fälle konnten wir den Lesern der SOL 100 zum phantastischen Titelbild nun noch ein schönes Poster präsentieren. So schlüpfte aus einem Ei das Cover der SOL 100.

 

Der Text erschien im Newsletter der PRFZ im Dezember 2020.

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