Das unbeachtete Genie

»Hermann Oberth – Begründer der Weltraumfahrt« von Hans Barth

Ich habe einen Traum – das Drehbuch zu einem biografischen Spielfilm über Hermann Oberth zu schreiben. Seit ich eine Biografie über den Wissenschaftler gelesen habe, bin ich fasziniert. Der Mann war ein Genie. Ich wage es sogar, ihn mit Albert Einstein auf eine Stufe zu stellen. Leider bekamen er und sein Werk in Deutschland nie die Beachtung, die sie verdient hätten.

Hermann Oberth war Deutscher aus Siebenbürgen. Er wurde 1894 geboren und erregte bereits als Kind und Jugendlicher durch seine mathematischen Fähigkeiten Aufmerksamkeit. Mit großem Vergnügen las er die Geschichten von Jules Verne. Nachdem er dessen »Die Reise zum Mond« gelesen hatte, dachte er ernsthaft darüber nach, ob es realistisch ist, jemanden zum Mond zu schießen. Sein Interesse war geweckt. Er berechnete, dass die Andruckkräfte die Passagiere in Jules Vernes Roman glatt zerquetscht würden. Da war er dreizehn Jahre alt und der Gedanke sollte ihn zeitlebens nicht mehr loslassen.

Mit vierzehn entdeckt er die Rakete – ebenfalls aus einer Geschichte von Jules Verne – als des Rätsels Lösung. Und er entwirft mit fünfzehn eine Andruck-Zentrifuge (wie sie noch heute in der Raumfahrt zum Einsatz kommt) um herauszufinden, wie viel Andruck ein Mensch aushält.

Mit siebzehn folgt die erste Flüssigkeitsrakete. Nach dem Abitur beginnt er auf Wunsch des Vaters, einem Arzt, mit einem Medizinstudium in München. Doch der junge Hermann besucht lieber Vorlesungen in Physik und Aerodynamik an der technischen Hochschule und stellt weitere Formeln für seine Raketentheorie auf.

Da bricht der Erste Weltkrieg aus. Hermann Oberth muss sein Studium unterbrechen und an die Front. Er wird verwundet und kommt im Lazarett zu dem Schluss, dass ein Mensch Schwerelosigkeit ertragen kann. Im Anschluss stellt er im Schwimmbad Selbstversuche an und wird damit zum Begründer der Weltraummedizin.

Weiterhin arbeitet er an seiner Raketentheorie. Nach dem Krieg beginnt er ein Physikstudium und reichte 1922 seine Arbeit »Die Rakete zu den Planetenräumen« als Dissertation ein. Sie erscheint ein Jahr später als Buch im Münchner Oldenbourg Verlag und ist die weltweit erste wissenschaftliche Arbeit zum Weltraumflug. Nach den Formeln aus diesem Buch werden heute noch die Flugbahnen aller Raketen berechnet.

Ich bin im Besitz einer Ausgabe des Buches (mit Widmung) und kann nur sagen, dass da sehr viele Formeln drin stehen, die mein Ingenieurgehirn nicht durchschaut.

Ausgerechnet dem Kino verdankte es Oberth, dass er als Raketenforscher arbeiten darf. Für den Ufa-Film »Die Frau im Mond« wird er als wissenschaftlicher Berater verpflichtet.

Oberth lernt den russischer Raketenforscher K. E. Ziolkowski kennen, beide verbindet über viele Jahre eine intensive Brieffreundschaft. Doch in Deutschland will niemand Geld für Raketenforschung ausgeben. So kehrt er 1925 nach Siebenbürgen zurück und wird Lehrer am Gymnasium in Mediasch (dem Geburtsort meines Mannes).

Oberth gibt nicht auf, mit eigenem Geld und mit Hilfe der Ufa entwickelt er eine richtige Rakete und macht mehrere wichtige Entdeckungen während der Brennversuche. 1930 ist bei seiner Präsentation der Kegeldüse ein junger Student anwesend. Sein Name: Wernher von Braun. Er wird es sein, der der Raketenforschung in Deutschland zum Durchbruch verhilft.

Die Nationalsozialisten erkennen das Potential der Rakete und holen Oberth nach Deutschland. Mit schlimmen Folgen: Er ist zwar nur als Berater tätig und hat keinen Einfluss auf die Entwicklungen in Peenemünde, dennoch wird ihm nach Kriegsende die Rückkehr in die rumänische Heimat verweigert.

Während von Braun in Amerika zu Ruhm und Ehre kommt, kämpft Oberth in Europa um Einkommen und Anerkennung, das er nur zögernd bekommt. Er veröffentlicht Bücher über »Menschen im Weltraum«, »Why the race to the Moon?« und »Das Mondauto«.

Als er 1962 in den Ruhestand geht, planen die Amerikaner, den Mond zu erreichen. Oberth schreibt ein Buch über die »Zukunftsaufgaben der Raumfahrt«,darin enthalten sind Entwürfe zu Raumstationen und zum elektrischen Raumschiff.

1969 steht er auf der Ehrentribüne um dem Start von Apollo 11 beizuwohnen. Erst 1972 darf er nach 34-jähriger Abwesenheit seine alte Heimat Siebenbürgen besuchen. In den Jahren bis zu seinem Tod widmet er sich philosophischen Fragen und alternativen Technologien (»Das Drachenkraftwerk«) zu Atomkraftwerken.

Im Dezember 1989 stirbt Hermann Oberth in seiner Wahlheimat Feucht bei Nürnberg. Wo ihm heute ein Museum gewidmet ist.

Ich finde das alles ziemlich spannend und kann nur schwer verstehen, warum er in Deutschland ein Unbekannter geblieben ist. Ohne seine Berechnungen oder seine Selbstversuche hätte die Menschheit innerhalb so kurzer Zeit nicht ins All fliegen können. Ich bin der Meinung das jeder, der sich für Raumfahrt interessiert, sich auch mit Hermann Oberth beschäftigen muss. Der Mensch, Hermann Oberth, sollte gerade uns Deutschen ein wenig mehr Anerkennung wert sein.

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