Rhodans Eleven

Quelle: Perrypedia

PERRY RHODAN NEO Band 210 – »Rettet Rhodan!« von Oliver Plaschka

Perry Rhodan hat abgeschlossen mit dem Leben, seit der Terranische Rat seinen Flug mit der FANTASY abgelehnt hat. Doch Familie und Freunde wollen das Urteil nicht akzeptieren. Sie planen die FANTASY zu stehlen, um Rhodan nach Lashat zu bringen. Dafür nehmen sie bereitwillig alle Risiken in Kauf. Nur der Protektor selbst muss dazu überredet werden. 
Das Unternehmen gelingt und die FANTASY fliegt mit dem Linearantrieb die Southside der Galaxis an. Unterwegs nehmen sie im Spica-System noch den Emotionauten Mentro Kosum an Bord. Kurz bevor sie ihr Ziel erreichen kommt es während des Linearflugs zur Katastrophe. Die FANTASY strandet mitten im Nirgendwo. Was keiner ahnt, Chefingenieur Froser Metscho steht anscheinend noch immer unter dem Einfluss von Iratio Hondro. Hat er den Antrieb erneut sabotiert?

Man nehme eine Prise »Star Trek III – Auf der Suche nach Mr. Spock« mixe sie mit ein wenig »Ocean’s Eleven« und einer Folge von »Star Trek –Voyager« und fertig ist »Rettet Rhodan!«. Oliver Plaschka gelingt der Spagat zwischen Science Fiction und Gaunerkomödie so gut, dass man verblüfft die Augen reibt, wie harmonisch alles zusammenpasst.

Da sind zum einen Rhodans tiefsinnige Gedanken über das Leben und den Tod, sowie die Reaktionen seiner Familie besonders von Thora, die mich emotional mitgerissen haben. Auf der anderen Seite steht der clevere Plan von Bully und Thora, die FANTASY zu stehlen. Der ist genial durchdacht, auch wenn es wahrscheinlich leichter gewesen wäre, man hätte NATHAN von Anfang an eingeweiht. Denn das Mondgehirn ist sicher nicht so leicht zu täuschen, wie die terranischen Sicherheitsleute. Schön sind aber auch die Blickwinkel der niederen Ränge auf das Vorhaben. Sie bieten eine sehr schöne Ergänzung zu den bekannten Figuren. Auch der neue Pilot im Team – Mentro Kosum – scheint ein interessanter Charakter zu sein.

Bewundernswert finde ich, wie es dem Autor gelingt, all die unterschiedlichen Handlungsebenen und die verschiedenen Perspektiven zu einer spannenden Geschichte zu verknüpfen, ohne dass man als Leser an irgendeiner Stelle überfordert wäre. Eine Geschichte mit so vielen handelnden Figuren zu erzählen ist enorm schwierig und kann leicht daneben gehen. Oliver Plaschka sorgt mit einer klaren Gliederung in vier Handlungsabschnitte dafür, dass die Kombination aus sieben Perspektivträgern problemlos gelingt.

Sprachlich rangiert auch dieser NEO auf hohem Niveau, wenn auch nicht so herausragend wie sein Band 203 »Tekener«. Bemerkenswert sind einige Dialoge, besonders das Streitgespräch zwischen Thora und Rhodan. Das ist witzig und intelligent zugleich und fühlt sich echt an.

Nur am Ende des Romans bin ich bei einer Kleinigkeit nicht so richtig einverstanden. Warum melden die beiden Techniker der FANTASY ihrem obersten Vorgesetzten Deringhouse nicht, was sie entdeckt haben? Zum einen das Problem mit dem Linearantrieb und zum anderen das seltsame Verhalten von Froser Metscho. Beide waren beim verhängnisvollen Jungfernflug der FANTASY dabei. Spätestens in der aktuellen Situation hätten bei beiden alle Alarmglocken läuten müssen. Ebenso unverständlich erscheint mir, dass man sich zwar um die verschwundene Chefingenieurin Gedanken macht, aber keine Konsequenzen ableitet. Das kam mir schon im letzten Roman merkwürdig vor. Eine Frau verschwindet spurlos und keiner, weder ihre Freunde oder ihr Arbeitgeber, forschen ernsthaft nach?

»Rettet Rhodan!« ist ein unterhaltsamer Roman, der den einen oder anderen amüsanten Dialog bereithält und dennoch sehr tief aus seinen Figuren schöpft. Schon allein dass man Rhodan zwingt, über seinen Schatten zu springen und »gegen das Gesetz« zu verstoßen, ist ein Novum bei NEO. Wie der Autor daraus eine komplexe und vor allem glaubhafte Geschichte macht, halte ich für mehr als gelungen.

2 thoughts on “Rhodans Eleven

  1. Hallo und wie immer vielen Dank für die ausführliche Besprechung! Es freut mich, dass mein kleiner Heist Spaß machte — zum genauen Ablauf des Diebstahls gab es nicht schrecklich viele Vorgaben, aber mir war beim Lesen des Expos gleich klar, dass dies der spannendste Teil des Romans wird und entsprechend viel Platz braucht. Auch bei den Inspirationen liegst du goldrichtig … selten war so viel Star Trek in einem NEO :)

    Zu den Punkten, die nicht so überzeugt haben: Bei Juna Baharum ging man davon aus, dass die Chefingeneurin abgetaucht ist und Terrania verlassen hat. Froser Metscho hat nach dem Mord an ihr entsprechende Hinweise gefälscht. Silvie, Nadine und Giordano mutmaßen aufgrund dessen, dass Juna vielleicht sogar was mit dem Unglück zu tun hatte, also Mist baute und dann kalte Füße bekam.

    Dass Silvia und Giordano am Ende nicht sofort zu Deringhouse gehen, ist natürlich eine Konstruktion, damit sie der Wahrheit ganz, ganz nahe kommen … und das Wissen dann mit ihnen stirbt. Die Begründung ist, dass Deringhouse miese Laune hat und die beiden noch zu unsicher sind, ihren direkten Vorgesetzten (Froser Metscho) zu umgehen. Außerdem wollen sie nicht verantwortlich sein, dass der lebensrettende Flug abgebrochen wird. Und sie glauben, dass sie einen (hust) Warpkernbruch, wenn es denn dazu kommt, noch verhindern können (was sie dann ja auch tatsächlich noch schaffen). Natürlich ist es ein klarer Fall von menschlichem Versagen … als das wollte ich es auch schildern. Kann natürlich trotzdem sein, dass die Begründungen nicht stark genug im Text verankert waren oder nicht so gut funktionieren, wie ich mir das vorstellte.

    Dass Rhodan und seine Freunde mal gegen die Regeln spielen durften, finde ich auch super. Ich bin sehr gespannt auf den Fallout … ich weiß auch schon, in welchem Band der kommt :)

    1. Danke Oliver, für die umfassende Erklärung. Das mit der verschwundenen Chefingenieurin ist ein gutes Beispiel für den Spruch »Show don’t tell«. Es wurde mir erzählt aber nicht gezeigt. Als Leser habe ich miterlebt, wie Metscho die Frau ermordet hat. Aber mir wurde nicht in aller Konsequenz gezeigt, wie er die Spuren verwischt und wie sich ihre Freunde bzw. ihr Arbeitgeber bemühen, etwas über sie herauszufinden. Alles was ich über Junas Verschwinden erfahre, stammt aus dem Hörensagen der Figuren. Vielleicht ist es deshalb für mich nicht nachvollziehbar. Rüdiger hätte das bereits im letzten Roman deutlicher zeigen müssen.

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