Christinas Multiversum

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Technospektakel

Quelle: Perrypedia

PERRY RHODAN NEO Band 189 – »Die Leiden des Androiden« von Rainer Schorm

Der Androide Seka Ow geht in seiner Aufgabe als Diener der Bestien auf. Er betreut einen Teil des Synchrofarks, das mittels des Nexus eine Passage zum Creaversum öffnen soll. Als ein unbekanntes Objekt durch den Nexus in den Einsteinraum einbricht und im Synchrofark einschlägt, scheint alles aus dem Ruder zu laufen und Seka Ow droht das Ende seiner Existenz. Doch dann nimmt ihn ein Bestienschiff auf und er bekommt einen neuen Herren.
Das Treiben am Synchrofark wird auf der MAGELLAN mit Argusaugen beobachtet. Doch die Chancen für Rhodan und seine Crew, das Vorhaben der Bestien und damit ANDROS zu stoppen, stehen schlecht. Bis sie plötzlich ein Unbekannter in einem Bestienschiff kontaktiert. Mit seiner Hilfe können Rhodan, Tolot, Leyden und Gucky das Synchrofark zerstören und das Objekt aus dem Creauniversum bergen. Der Inhalt der Kapsel hält für die Menschen eine Überraschung bereit. Es ist John Marshall.

Ein Leser, der in der Science Fiction völlig unbedarft ist, würde bei dem Roman von Rainer Schorm vermutlich überhaupt nichts verstehen. Selbst mir fiel es zuweilen schwer, allen Ideen und technischen Zusammenhänge des Autor zu folgen. Da steht mir wahrscheinlich mein Bedürfnis im Weg, alles verstehen zu wollen und alles zu hinterfragen. Rainer Schorm gibt sich ehrlich Mühe, seine Ideen klingen durchdacht und auf den ersten Blick auch logisch, aber er fordert mich als Leser auch. Was nicht einmal so schlecht ist. Dennoch wünschte ich mir bei seinen Romanen am Ende ein Glossar, in dem all die unbekannten Begriffe erklärt werden, mit denen er im Text um sich wirft. Das würde mir das Nachschlagen ersparen und für einen geschmeidigeren Lesefluss sorgen.

Die Sichtweise des Androiden setzt der Autor gekonnt um. Man fühlt mit ihm, obwohl er keine biologische Lebensform ist, oder vielleicht auch gerade deshalb. Man hat Mitleid mit dem Kerl, der eigentlich nur der Diener einer höheren Macht ist, die seinen Wert nur bedingt zu schätzen weiß. Das macht die Figur sehr menschlich und verzeiht den einen oder anderen komplizierten Sachverhalt, mit dem sich der Androide auseinandersetzen muss. Dieser Part ist die große Stärke des Romans.

Die Geschichte hat aber auch eine schwache Seite. Der Text strotzt vor Anschlussfehlern aus den vergangenen Romanen. Seka Ow, wurde zuletzt von Masmer Tronkh auf Layl festgehalten, um die Ankunft von ANDROS vorzubereiten. Jetzt ist er wieder auf seinem alten Posten auf dem Synchrofark, ohne das dies hinreichend erklärt wurde. Auch der Kontakt mit ANDROS, den Kai Hirdt im letzten Roman angerissen hatte, wurde nicht weiter thematisiert. Stattdessen war wieder nur von dem Besucher die Rede, der sich aber als ein völlig anderer entpuppte.

So geht es weiter. Masmer Tronkh hatte Tolot am Ende von Band 188 eines seiner Herzen herausgerissen, was zu einer Behandlung auf der DOLAN und einer Überführung des Haluter in die Krankenstation der MAGELLAN führte. Auch Gucky war am Ende des Romans schwer angeschlagen und wurde von der Positronik der DOLAN zur eigenen Sicherheit betäubt. Diese nicht unbedeutenden Details werden mit keiner Silbe erwähnt. Stattdessen tischt uns Rainer Schorm die Erklärung auf, dass die beiden unter dem Einfluss des Dunklen Schrein stehen und deshalb auf der Krankenstation behandelt werden müssen, ohne das dies später im Roman zu irgendeiner Konsequenz führt.

Da frage ich mich, ob es am fehlerhaften Exposé lag, oder eher an der mangelnden Kommunikation zwischen den beiden Autoren. Mir scheint, das Kai Hirdt in seinem Roman einiges vorweggenommen hat, was erst später in der Staffel relevant werden soll. Vielleicht hat er aber auch seinen Roman zu spät abgegeben und Rainer Schorm konnte, nicht mehr darauf reagieren. Sei es wie es sei, aber solche Sachen sind ärgerlich und dürfen nicht passieren. Zumal es nicht das erste Mal in dieser Staffel war. Zum Beispiel fragt Gucky Rhodan, was ANDROS mit dem Synchrofark bezweckt. Hier bleibt ihm der Protektor eine Antwort schuldig, obwohl er von ES weiß, warum ANDROS das tut. Das wurde von Rüdiger Schäfer bereits in Band 180 eindeutig dargelegt.

Das am Ende Tuire Sitareh plötzlich als Lichtgestalt in der Zentrale erscheint und Rhodan auffordert, sofort zur Erde zurückzukehren, fällt im Übrigen auch in diese Kategorie. Hatte nicht schon Ruben Wickenhäuser in Band 187 Rhodan einen ähnlichen Gedanken ins Gehirn gelegt? Warum zögert der Protektor so lange nach Hause zu fliegen?

Überrascht war ich vom plötzlichen Auftritt von Hak Gekkoor. Den Etrionen hatte ich schon beinahe vergessen. Mich wundert nur, dass er nicht als Meister der Insel auftrat. Schließlich hat er Faktor II auf dem Gewissen. Wie mit der Zerstörung des Synchrofarks sein Leben ein unspektakuläres Ende findet, fand ich dann doch etwas schade. Das Geschenk, was er Masmer Tronkh überbringen soll, und das ihm von dem großen Unbekannten in dem Bestienraumer abgenommen und an Rhodan übergeben wird, wirft eine Menge neuer Fragen auf.

Überhaupt: Wer ist der Unbekannte in dem Bestienraumer? Wo kommt er her und auf welcher Seite steht er? Auch hier bleiben mehr Fragen zurück, als der Roman beantwortet. Laut Seka Ow ist das Ringen beendet, warum und wieso, erfährt man leider nicht. Auch nicht, wohin die Laurins verschwunden sind, oder ob sie den Bestien zum Opfer gefallen sind. Dafür scheint der Dunkle Schrein eine Entität zu beherbergen, die nicht nur älter als das Universum ist, sondern auch ziemlich gefährlich. Auch hier frage ich mich, warum sich die Bestien nicht dafür interessieren? Wenn sie etwas darüber wissen, warum gehen sie dann so sorglos damit um?

Diese vielen irritierenden Fragen und internen Unstimmigkeiten ziehen sich nicht nur durch den Roman, sondern durch die komplette ALLIANZ-Staffel. Ich hoffe, dass Rüdiger Schäfer im Abschlussband zumindest ein wenig Licht ins Dunkel bringt und das eine oder andere gerade biegen kann.

An dieser Stelle möchte ich ein großes Lob an den Lektor Dieter Schmidt aussprechen. Ich kann mir nur bedingt vorstellen, wie viel Arbeit ein Roman mit so komplexen Beschreibungen macht. Das ihm da das eine oder andere überflüssige Adjektiv oder hin und wieder auch eine Phrase durchrutscht, kann ich in dem Fall sogar verstehen.

»Die Leiden des Androiden« ist ein herausfordernder Roman mit einer starken Hauptfigur, der aber unter zu vielen Anschlussfehlern und Unstimmigkeiten leidet. Da wünsche ich mir in Zukunft mehr Sorgfalt bei Autoren und Expokraten.

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2 Responses to “Technospektakel”

  1. Dezember 16th, 2018 at 17:47

    Lars Jürgenson says:

    Hier bin ich mal nicht ganz deiner Meinung (wäre ja auch langweilig sonst): Obwohl ich die Charakterisierung von Seka Ow interessant fand, waren mir in diesem Roman die Kapitel um ihn meistens ein Dorn im Auge — sie unterbrachen für mich den Spannungsbogen der Handlung um die Zerstörung des Synchrofarks. Ich glaube, ich hätte es besser gefunden, die beiden Handlungen in getrennten Romanen (oder Romanhälften) zu erzählen, als hin und her zu wechseln.

    Die Anschlussfehler, die du erwähnst, sind mir auch sauer aufgestoßen. Noch einer: Die Terraner scheinen durchgehend davon auszugehen, dass eine Zerstörung des Synchrofarks die Bestien signifikant zurückwerfen wird, weil es Jahre dauern würde, ein neues Synchrofark zu bauen. Wenn ich mich recht erinnere, wird das sogar irgendwann explizit gesagt. Allerdings: Die Bestien waren während der Abwesenheit der FERNAO (zwei bis drei Tage, höchstens), das Kriiyrsystem zu übernehmen, und das Synchrofark zu erbauen. Also kann es so lange nicht dauern?

    (Man kann das fanwanken — vielleicht wurde das Synchrofark an anderer Stelle über Jahre erbaut, und/oder die notwendigen Ressourcen stehen nicht mehr zur Verfügung, etc. Nur: Woher sollen die Terraner das wissen? Schlussendlich wird der Bau eines neuen Synchrofarks unmöglich / nutzlos, weil die Sprengung den Nexus „versiegelt“ — aber: wussten die Terraner, dass das geschehen würde, und falls ja, woher? Hier wäre eine Erklärung zu erwarten gewesen …)

    Auch: In diesem Roman bleibt weiterhin unklar, was mit den Naiir geschehen ist. Wurden sie vertrieben? Militärisch ausgelöscht? Wir wissen es nicht. Aber: Die MAGELLAN war die ganze Zeit vor Ort! Auch wenn sie sich verstecken musste, sollten Deringhouse &co. doch zumindest eine Ahnung haben, was passiert ist.

    Insgesamt habe ich „Die Allianz“ durchaus genossen, insbesondere die drei Romane von Kai Hirdt. Aber ich denke auch, dass (z. B.) „Die Blues“ als Staffel schlüssiger war (wenn auch am Ende etwas überstürzt).

  2. Dezember 16th, 2018 at 18:15

    Christina Hacker says:

    Du hast Recht. Das ist mir noch gar nicht aufgefallen. Lange können die Bestien nicht gebraucht haben, um das Synchrofark zu bauen. Außer es ist den Menschen und den Naiir nicht aufgefallen, was ein wenig unglaubwürdig wäre. Vielleicht gab es eine Zeitdilatation bei der Rückkehr der FERNAO. Aber das hätte die Besatzung der MAGELLAN mitbekommen.
    Am Ende sagt Tuire noch, dass der Bau des Synchrofark nur ein Testlauf gewesen ist und ANDROS eigentlich im Solsystem zuschlagen will. Das macht das alles irgendwie noch verworrener. Bei der Blues-Staffel war vieles schlüssiger.

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