Zeichen der Dürre

Herbst in den Bergen

»Hörst du das?«, fragte mein Mann.
Ich lauschte, doch da war nichts. »Nein.«
»Eben, da sind keinerlei Geräusche.«
»Stimmt.«
Wir standen zwischen hohen Bergen, am Ufer des Weitsees und um uns herum herrschte absolute Stille. Der Moment hielt leider nur ein paar Augenblicke an, dann näherte sich von fern das Brummen eines Autos auf der Uferstraße und störte die Ruhe.

Eine halbe Stunde vorher spazierten wir bei minus fünf Grad durch das mit Reif überzogene Gras zum Ufer des Mittersee. Auf Grund der Trockenheit ist der Bergsee nur noch eine Pfütze. Bis zum Wasser legten wir einen weiten Weg über den ausgetrockneten Boden zurück. Mein Mann erzählte, dass in den frühen neunziger Jahren der See bis fast an den Waldrand reichte. Heute hat er gerade mal eine Tiefe von 75 Zentimeter. Die ausbleibende Schneeschmelze und anhaltende Trockenheit hat den See verkümmern lassen. Im Schatten der Berge sah er an diesem Morgen wie ein verwunschener Ort aus. Ich wäre gern noch länger geblieben, aber es war so bitter kalt, dass wir zum Auto zurück gingen und zum Weitsee weiterfuhren.

Hier schien die Sonne. Der See dampfte in der kalten Luft. Der Wasserspiegel war nicht so stark gefallen, weil der See durch eine unterirdische Quelle gespeist wird. Die zunehmende Verlandung ist aber auch hier vor allem im oberen Bereich des Sees zu sehen. Nichtsdestotrotz sind die Alpseen zwischen Ruhpolding und Reit im Winkel einer der schönsten Orte in der Gegend. Im Sommer kann man an mehreren Stellen sogar baden. An diesem Novembertag war das Wasser aber kaum wärmer als die Luft. Wir spazierten in der Sonne, bewunderten die Färbung des Waldes, das Blau des Himmels, die steil emporragenden Felsgipfel und natürlich das blaugrüne Wasser der Seen.

Ein kalter aber schöner Sonntagsausflug im November.

Eine Studie in Grau
Am Weitsee
Eine Insel im See
Die Reste des Mittersee

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