Christinas Multiversum

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Kassettenkind

Mein SKR-700

Viele Punkbands bringen ihre Songs wieder oder immer noch auf Vinyl heraus. Mangels Plattenspieler könnte ich die nicht mal abspielen. Ich könnte den wahrscheinlich auch gar nicht bedienen. Wenn ich als Kind irgendwas auf Platte anhören wollte, so haben die immer meine Eltern aufgelegt. Fasziniert war ich damals aber nicht von dem Plattenspieler, sondern am meisten von dem Marderhaarpinsel, mit dem man die Staubkörner von den Platten entfernte.

Später besaß ich selbst auch ein oder zwei eigene Platten. Eine haben mir meine Eltern im Intershop gekauft, eine andere erreichte mich in einem Westpaket. Irgendwo habe ich die auch noch und meine Eltern haben noch mindestens zwei, wenn nicht gar drei Plattenspieler herumstehen (und ein Grammophon), aber wie gesagt, ich wüsste wirklich nicht mehr, wie man die bedient.

Ab 1988 war ich Kassettenkind, denn da bekam ich zur Jugendweihe und Konfirmation meinen ersten Kassettenrekorder. Einen SKR 700 – gute DDR-Ware. Der hat damals mit 1540 Ostmark ein Vermögen gekostet (für das Geld mussten meine Eltern zwei bis drei Monate arbeiten), aber dafür funktioniert er heute noch. Der Rekorder hatte den Vorteil, dass ein Radio integriert war und man die Lieblingssongs direkt und ohne Kabel aufnehmen konnte. Ein Mikro hatte er aber auch. So kam es, das ich 1988 und 1989 jeden Freitagabend vor dem Radio verbrachte und bei der Hitparade auf Bayern 3 eifrig mitgeschnitten habe. Und wehe der Moderator hat in den noch laufenden Song reingequatscht …

Irgendwann kam ich auf die Idee mangels Videorekorder auch Filme und Serien vom Fernsehen aufzunehmen. Leider hatte unser alter Fernseher keine Buchse für das »Überspiel- /Diodenkabel« und ich musste das integrierte Mikrophon des SKR benutzen. So wurden die Eltern kurzerhand zum Schweigen verurteilt, während im Fernsehen der Lieblingsfilm lief und ich hektisch die Kassette drehte, wenn eine Seite fertig bespielt war. Später hörte ich das Aufgenommene immer während der Hausaufgaben. So kommt es, dass ich einige Filme aus meiner Jugendzeit noch heute Wort für Wort mitsprechen kann – so oft habe ich die Kassetten gehört.

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