Appetithäppchen vom neuen Geheimprojekt

Experiment! Ich veröffentliche heute einen kurzen Auszug aus meinem neuen Roman. Mal sehen ob und welche Reaktionen das auslöst. :)

Ich falle. Mein rechter Arm trifft den Bühnenrand. Der Aufprall schlägt mir die Bierflasche aus der Hand, die im hohen Bogen davonfliegt. Goldene Flüssigkeitstropfen spritzen durch die Luft und die Flasche verschwindet außerhalb meines Sichtfelds im Gewühl der tobenden Massen. Ich rudere mit den Armen, versuche das verlorene Gleichgewicht wiederzufinden, leider vergeblich. Als ich mit dem Rücken auf den Boden knalle, presst es mir die Luft aus den Lungen. Ich liege da wie ein hilfloser Käfer, die Gliedmaßen zappelnd von mir gestreckt. Um mich herum ist es laut und düster, einzig das Stroboskoplicht sendet Blitze aus, die die Konturen meiner Umgebung zu Geistererscheinungen wandeln. Roboterhaft hüpfen Stiefel mit dicken Sohlen neben mir auf und ab und kommen mir dabei viel zu nahe.
Au! Ich bekomme einen Tritt in die Seite, dann noch einen. Ich sollte machen, dass ich hochkomme, schießt es mir durch den Kopf, doch mein alkoholvernebelter Verstand ist zu träge, um den Gedanken in die Tat umzusetzen.
Plötzlich ergreift jemand meinen Arm. Ein kleines bleiches Etwas von Hand umschließt mein Handgelenk und zerrt daran. Eine hohe Stimme schreit mir etwas zu, das im Lärm des lauten Hardcore untergeht. Ich rolle mich zur Seite, muss immer wieder den Stiefeln ausweichen und komme endlich auf die Knie. Die kleine Hand hält immer noch mein Handgelenk umklammert. Das flackernde Licht erschwert mir die Orientierung. Ich blicke hoch. Zwei wasserblaue Augen tauchen kurzzeitig aus dem Dunkel auf, bis sie wieder im düsteren Grau verschwimmen.
„Steh endlich auf, du Wichser!“, glaube ich zu hören. Die Worte sind freundschaftlich gemeint, auch wenn sie zunächst nicht so klingen. Da muss ich plötzlich lachen, das liegt zum einen daran weil ich besoffen bin, und zum anderen stelle ich mir gerade vor, welches Bild ich abgegeben muss. Ein gefallener Punk in einer Meute pogender „Bankerter“.
Wieder zerrt mich jemand am Arm, so als wolle er mir den selbigen rausreißen. Diese in ihrer Art hilflosen Bemühungen sind irgendwie lustig. Doch schon nach dem nächsten Tritt den ich erhalte, gebe ich mir einen Schubs. Lachend komme ich auf die Füße und schwanke.
Hier oben ist es heller. Ich erkenne Details, die mir bisher verborgen geblieben sind. Da ist meine Retterin, eine kleine Punkette. Sie hält noch immer meinen Arm. Ihre kurz geschnittenen blondierten Haare sind bunt gefärbt und stehen in vielen dünnen Stacheln vom Kopf ab. So sieht sie aus wie ein Igel-Albino, der in einen Tuschkasten gefallen ist. Ich strecke meine Hand aus und fahre ihr über die störrischen Haarspitzen.
„Eh, spinnst du oder was.“ Ihr süßes Gesicht, verzieht sich zu einem Ausdruck voller Abscheu, die kleine Stubsnase reckt sich empört nach oben.
Ich lache und torkle von einem Stoß getroffen nach vorn. Sie fängt mich auf, bevor ich erneut zu Boden gehen kann. Wir stehen immer noch mitten im Pogomop. „Ich brauch ein neues Bier“, lalle ich und grinse sie an, „Will’ste auch?“
Sie nickt und zieht mich am Arm aus dem Gedrängel.

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