Autonome Tätigkeiten

Der Nachbar hat ein neues Auto. Rundum ausgestattet mit Sensoren und Messfühlern fährt es fast von allein. Na ja nicht ganz, aber es verfügt neben einem Navi auch über einen Brems- und Spurhalteassistent, parkt sich selbst ein und was weiß ich noch. Wenn ich das höre, frage ich mich immer: Was hat das noch mit Autofahren zu tun?

Ich persönlich stehe schon mit Navigationsgeräten auf Kriegsfuß. Sicher mag das bequem sein, wenn man allein im Auto sitzt und durch eine fremde Stadt fährt. Aber veröden wir damit nicht unseren angeborenen Orientierungssinn? Was ist so schwierig, sich zuvor auf einer Karte anzusehen, wohin man fahren muss? Nein, schwierig ist das nicht, aber man muss Zeit und Kopf investieren und dafür haben viele Leute einfach nicht mehr die Geduld. Sie verlassen sich lieber auf satellitengestützte Hilfsmittel, die sie unter Umständen in einen See führen. Meist sind das die gleichen Leute, die darüber schimpfen, wie unsinnig und teuer doch die Raumfahrt ist.
Ich liebe Karten und ich sitze gern im Auto neben meinem Mann und navigiere ihn zuverlässig dahin, wo wir hin möchten. Und wenn man sich doch mal verfährt, kann man immer noch anhalten und jemandem nach dem Weg fragen. Das ist auch eine Form der Kommunikation.

Wenn ich jetzt noch daran denke, dass mein Auto auch im Gefahrenfall für mich bremst (Das mag ohne Frage eine gute Idee sein.) dann kommt mir der fatale Gedanke, dass ich mich als Autofahrer, ja gar nicht mehr so richtig konzentrieren muss, das Auto nimmt es mir doch ab. Wie gut und wie sicher fahre ich denn dann noch? Bin ich bei all den Assistenzsystemen denn nicht eigentlich nur noch Passagier statt Fahrer? Da kann man sich auch Chauffieren lassen, ist doch im Grunde genommen dasselbe. Mal davon abgesehen, mache ich mich als Mensch nicht nur von der Technik abhängig, sondern lasse auch meine eigenen Sinne abstumpfen.

Eine besondere Form der Autonomie ist die von technischem „Spielzeug“. Letzte Woche kamen wir bei einem Spaziergang an einem Grundstück vorbei, auf dem ein kleiner runder sich selbststeuernde Rasenmäher unterwegs war. Es war nett anzusehen, wie sich das kleine Gefährt entlang einer unsichtbaren Begrenzung bewegte und dabei den Rasen auf fünf Zentimetern Länge hielt. Aber braucht Mensch das wirklich; bzw. wie lange kann man von den Anschaffungskosten dieses Robotmähers (ca. 1600 EUR) jemanden bezahlen, der alle zwei Wochen den Rasen mäht? Bei 25 Euro im Monat und sechs Monaten im Jahr, plus den Anschaffungskosten für den manuell betriebenen Rasenmäher kann man etwa neun Jahre lang jemanden beschäftigen, der einen den Rasen kurz hält. Davor ist bei dem Robotrasenmäher längst der Akku kaputt gegangen. Dem beschäftigten Menschen dagegen hätte man über Jahre hinweg ein kleines Taschengeld beschert.

An sich ist das Übertragen unliebsamer Tätigkeiten auf Roboter, neben reiner Bequemlichkeit auch eine Art Entmenschlichung. Genauso, wie wir das Navigieren und Fahren mehr und mehr dem Auto überlassen.

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