Christinas Multiversum

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Welt im Schmiedefeuer

Quelle: Perrypedia

PERRY RHODAN NEO Band 156 – »Die Schmiede des Meisters« von Oliver Plaschka

Das ich ein Fan des Autors bin, habe ich schon mehrfach erwähnt, um so mehr freut es mich, dass er zur aktuellen Staffel einen Roman beisteuern durfte. Meine Erwartungen wurden nicht enttäuscht, denn dem »Meister der Harmonie« gelingt es wiedermal eine rundum gelungenen Geschichte zu erzählen. Die Abläufe passen perfekt ineinander, der Plot ist nicht überladen und auch die Charaktere sind überzeugend. Und da sich die Geschichte um die Meister der Insel in Andromeda auch über die nächsten Staffeln hinziehen wird, ist es nicht weiter schlimm, wenn dieser Roman so gut wie keinen Handlungsfortschritt innerhalb des Staffelkorsetts bietet.

Analog zu Band 154 von Susan Schwartz erzählt Oliver Plaschka ebenfalls die Geschichte aus den Augen einer jungen Frau, die auf einem Planeten der Thetiser lebt. Anders als seine Autorenkollegin widmet sich der Autor dabei keinen ungewöhnlichen Umweltbedingungen, sondern den gesellschaftlichen Umständen auf einer Industriewelt. Die Welt Soom im Kur’shsystem ist eine Diktatur der Arbeit. Arbeit ist das höchste Gut der hier lebenden Thetiser. Sie produzieren ohne nachzudenken, gehen in ihrer Arbeitet auf und opfern ihr ganzes Leben um Meister Molat zu dienen. Eine planetenweite Überwachung, mediale Beeinflussung und bedingungslose Treue zum System begleiten die Bewohner des Systems von der Geburt bis zum Tod. Ein System aus Klassen teilt die Thetiser in Sektionale und Sektorale in Arbeiter und Intelligenz. Beherrscht werden sie von einem Kreis aus Transsektionalen, die dem Meister unterstellt sind und in seinem Sinne regieren sollen. Dass dem nicht immer so ist und dass die Meister der Insel noch viel verschlagener sind, bildet die Grundaussage dieses Gesellschaftsromans. Denn eine Gruppe junger Menschen, die sich L’Urka nennt, verweigert sich dem System und zettelt eine Revolution an. Als die Rädelsführerin öffentlich hingerichtet werden soll, kommt es zu einer überraschenden Intervention durch Meister Molat höchstpersönlich.

Perry Rhodan und Co sind nur Beobachter in diesem »Spiel«, eigentlich sind sie nur Bittsteller ohne die Möglichkeit zu intervenieren. Denn Leibnitz hat mit einer Transsektionalen vereinbart, dass die MAGELLAN im Austausch gegen Posbitechnologie die dringend benötigten Ersatzteile bekommt. So sind Perry Rhodan die Hände gebunden, als die wie Punks auftretenden L’Urka ihn um Hilfe bitten. Der Perry Rhodan der EA hätte nicht lange gefackelt und sich auf die Seite der Aufständigen geschlagen, der NEO-Perry, der bereits miterleben musste, wie sein Eingriff in die Belange einer fremden Spezies zur Katastrophe führte, hält sich auffällig zurück. Selbst als die Mitglieder seines Teams, Luan Perparim und Abha Prajapati, an sein Mitgefühl appellieren, bleibt er hart. Rhodan steht zwischen den Stühlen und zum ersten Mal entscheidet er sich bewusst für seine eigenen Leute. Die Darstellung des moralischen Dilemmas ist Oliver Plaschka, wie ich finde, ausgesprochen gut gelungen. Da schimmerte stellenweise so ein bisschen Star Trek hervor. Das ist intelligent und unterhaltsam erzählt.

Das Schicksal der L’Urka, vor allem das der Protagonistin Gor-Amash und ihrer Freundin der Rädelsführerin La-Roulon, berührt. Nicht nur weil ihre Rebellion von vornherein zum Scheitern verurteilt ist, es ist vor allem das Zwischenmenschliche, was mich berührt. Die beiden jungen Frauen sind mehr als nur Freunde, sie sind Liebende. Eine Liebe, die letztendlich am Scheitern der Revolution und der Arglist des Meisters zerbricht. Der Autor beschreibt die Beziehung feinfühlig und zurückhaltend, wodurch sie Glaubwürdigkeit erlangt.

Die bedeutendste Information, die ich als  Leser aus dem Roman mitnehme, ist jene, die auch Perry Rhodan beschäftigt. Denn Meister Molat richtet sich persönlich an ihn. Es sieht so aus, als würde er Rhodan kennen. Die Frage lautet: woher? Und was bedeutet das letztendlich für die MAGELLAN?

Das die Thetiser einst Menschen waren, wird an einem Detail klar. Die Armbänder, mit denen die Bevölkerung kontrolliert wird, dienen auch dazu, sich vor den Auswirkungen des Nervenfeuers zu schützen. Eines Überbleibsel aus grauer Vorzeit, als sie ihren Heimatplaneten verlassen mussten und unter dem Fehlen der gewohnten Sonnenstrahlung erkrankten. Ähnliche Armbänder tauchten bereits in Band 152 auf.

»Die Schmiede des Meisters« ist ein außergewöhnlicher Roman, in dem Oliver Plaschka mal wieder beweist, dass spannende Science Fiction, emotionale Beziehungsdramen und anspruchsvolle Gesellschaftskritik á la »1984« einander nicht ausschließen. Von mir gibt es daher eine unbedingte Leseempfehlung.

Basar der Überraschungen

Quelle: Perrypedia

PERRY RHODAN NEO Band 155 – »Der Andromeda-Basar« von Madeleine Puljic

Eine ordentliche Leistung liefert die junge Autorin auch in ihrem dritten Roman für NEO ab. Nichts weniger als die bunte Welt eines Basars macht sie zum Schauplatz ihres Romans, der mit einigen echten Überraschungen punkten kann. Die MAGELLAN landet auf dem Raumhafen im Oomophsystem und muss sich zunächst mit der thetisischen Bürokratie auseinandersetzen, um dann festzustellen, dass ihre Wünsche auf dem Basar nicht erfüllt werden können. Die immer noch anhaltenden Suche nach Ersatzteilen und Materialien nervt inzwischen ein wenig und ist hoffentlich im nächsten Roman abgeschlossen. Ich ging bisher immer davon aus, dass die Paddler schon vieles repariert hatten, aber irgendwie scheint es nicht lange gehalten zu haben.

Die Autorin beschreibt das Durcheinander des Basars sehr lebhaft. Stellenweise erinnerte mich es mich an den Basar aus »Valerian – die Stadt der tausend Planeten«, wenn auch ohne dessen Ausgelassenheit. Ein Grund mag die beständige Überwachung durch die thetisischen Polizeikräfte sein. Das und der Charakter des leitenden Offiziers Jeewoo, der erst seine Untergebenen und später die Crew der MAGELLAN drangsaliert, zeigt die Brutalität mit der die Thetiser Andromeda im Griff haben. Auch die Information, dass sie für einen Krieg rüsten, ist für den weiteren Verlauf der Serie von Bedeutung.

Die größte Überraschung ist jedoch der Terraner Leibnitz, der mit einem Mehandorschiff in Andromeda gestrandet ist. Vor allem seine unbekannte Herkunft, über die man erst spät im Roman erfährt, macht für mich den Reiz aus. Das ist eindeutig das beste Spannungselement im ganzen Roman.

Am Ende wird die Handlung leider etwas hektisch. Da spürt man ganz deutlich, dass Madeleine Puljic noch viel zu erzählen hatte, aber nur noch eine begrenzte Anzahl an Seiten vorhanden war. Die Winkelzüge, mit der die Autorin die Auflösung herbeiführt, waren dann auch nicht so stimmig. Perry Rhodan und seine Mitstreiter können sich nur mit viel Glück aus der verfahrenen Situation befreien. Das moralische Dilemma in das Tani Hanafe gebracht wird, hätte diese schon frühzeitig selbst erkennen müssen, womit die nachfolgende Befreiungsaktion hätte vermieden werden können. Das war ein bisschen unrund und konnte nur durch einen Gucky in Topform aufgelöst werden. Das ist aber auch das einzig beklagenswerte an dem Roman. Alles andere, vor allem der Handlungsstrang um Leibnitz, hat mir ausgesprochen gut gefallen.

Noch eine kleine Anmerkung für Insider: Einige der Dialogzeilen klangen verdächtig nach Kai Hirdt. »Ein Geschäft ist ein Geschäft ist ein Geschäft …« Leichte Abwandlung der Erwerbsregel Nummer 16 der Ferengi. »Ein Vertrag ist ein Vertrag … bis sich ein besserer Vertrag ergibt.« Sehr schön!

Fazit: »Der Andromeda-Basar« ist ein unterhaltsamer Roman, der einige spannende Neuigkeiten zur Staffel enthüllt und mir endlich die langgewünschte Erklärung gibt, warum Rhodan unbedingt nach Andromeda aufbrechen musste und nicht in der Milchstrasse nach der verschollenen Menschheit sucht.

Meinen Dank an die Autorin!

Der Funke ist übergesprungen

Quelle: Perrypedia

PERRY RHODAN NEO Band 154 – »Die magnetische Welt« von Susan Schwartz

»Die magnetische Welt« ist seit langem mal wieder ein NEO-Roman von Susan Schwartz, der mich von Anfang an überzeugt hat. Man sollte der Autorin öfters die Möglichkeit geben, eigene Figuren und Geschichten zu entwickeln. Dann bekommen ihre Romane auch die notwendige Tiefe, und werden nicht zu einer Aneinanderreihung von Actionszenen und Nahkämpfen.

Die Geschichte um die junge Kerra, deren Bruder Kors auf der Suche nach Erzen in eine Felsspalte gestürzt und für tot erklärt wurde, ist überzeugend geschrieben. Der Autorin gelingt es, das Volk der Etrinonen mit all ihren körperlichen Merkmalen und ungewöhnlichen Sitten fassbar zu machen. Dabei bindet sie den Leser mehr an die Figur der Kerra, als an die Terraner, die mit der jungen Etrinonin agieren. Leyden und Co verblassen neben der starken Protagonistin. Es ist womöglich der einzige Weg, Kerras Reaktion für den Leser nachvollziehbar zu machen. Denn, als sie erfährt, dass ihr Volk von Meister Etrin einst genetisch verändert wurde und bis heute ausgebeutet wird, nimmt sie das mit stoischer Gelassenheit hin und offenbart den irdischen Wissenschaftlern eine überraschend weitsichtige Haltung. Kerra sagt offen, dass das Wissen um das Schicksal ihres Volkes niemanden weiterbringen wird. Im Gegenteil, es könnte das Gleichgewicht der Gemeinschaft zerstören und das Ende ihrer Zivilisation heraufbeschwören.
Ich finde gut, wie Leyden und seine Mitstreiter darüber nachdenken müssen, ob eine Einmischung ihrerseits nicht schädlicher ist, als der Status Quo.

Natürlich diente auch diese Geschichte, um darzulegen wie skrupellos die Meister der Insel sind. Schließlich haben sie auch in diesem System den Hauptstern in einen Magnetar verwandelt und dabei Millarden intelligenter Thetiser geopfert, und sie sogar noch manipuliert, um sie für ihre Zwecke einzusetzen. Ihr Imperium benötigt Metalle, die nur durch extreme Bedingungen wie eine Supernova entstehen können. Aber Erzabbau auf einer Welt deren Magnetfeld mit dem des Magnetars interferiert, kann nicht ohne humanoide Unterstützung funktionieren. Dies hat sogar Miras Etrin, Faktor IV, begriffen, der das Projekt leitet und einst die Randbedingungen festlegte. Diese und weitere Informationen holt sich Leyden aus der Positronik des geheimen Stützpunktes, der über das Leben der Etrinonen wacht. Wie genau der Physiker das macht, bekommen wir als Leser leider nicht erklärt, weil wir es nur durch die Augen von Kerra beobachten. Aber das hat mich in diesem Fall nicht einmal gestört.

Die plastische Schilderung von fantastischen Welten ist die Stärke von Susan Schwartz und ich finde, dass ihr dies an Etrinon besonders gut gelungen ist. Sie versucht all die Effekte anschaulich zu schildern, die eine solche Welt in sich trägt. Auch wenn sie nicht alle potentiellen Gefahren einbezieht. Auf einem Planeten auf dem ständig und überall ein Ladungsaustausch stattfindet, auf dem im Boden ungeheure elektrische Potentiale lauern, könnte man ungeschützt kaum einen Schritt tun. (Ich sage nur Schrittspannung.) Dennoch hatte ich beim Lesen Spaß. Was ich ganz besonders begrüße, es gab keine einzige Kampfszene.

Die Nebenhandlung um Rhodan auf der MAGELLAN ist im Vergleich zur Geschichte auf Etrinon eher dünn. Die Besatzung beobachtet erst einen seltsamen Asteroiden und entdeckt dann einen weiteren Situationstransmitter. Das die MAGELLAN am Ende nicht selbst durch den Transmitter geht, sondern nur eine Sonde schickt, ist verglichen zum alten MdI-Zyklus ein richtiges Novum.

Als Fazit kann ich nur sagen, der Funke ist übergesprungen und das nicht nur zwischen den Protagonisten und ihrem Planeten, sondern auch bei mir. Ein funktionierender Plot, eine fantastische Welt und eine berührende Geschichte, die zum Nachdenken anregt … so macht NEO Spaß.

Im Bann des Magnetars

Quelle: Perrypedia.de

PERRY RHODAN NEO Band 153 – »Der Atem des toten Sterns« von Rainer Schorm

Am Treffpunkt mit der MAGELLAN platzt die FERNAO mit Perry Rhodan in die Hinterlassenschaften einer Supernova. Inmitten der Hölle aus Teilchenströmen und Magnetfeldern um einen frisch geborenen Neutronenstern, suchen sie nicht nur nach Hinweisen auf das verschollene Explorerschiff, sondern finden auch Hinweise auf eine Zivilisation. Auf dem letzten verbliebenen Planeten des Systems dringen Rhodan und seine Wissenschaftler in eine verlassene Station vor, deren steuernde künstliche Intelligenz gerade zum Leben erwacht. Doch bevor Perry und sein Team nähere Erkenntnisse gewinnen können, scheint die Besitzerin der Station – eine der 12 Faufoas – zurückzukehren. Und die ist über die ungebetenen Gäste nicht erfreut …

Ganz ehrlich, es ist furios, was Rainer Schorm in diesem Roman abliefert. Das ist, glaube ich, sein bisher bester Beitrag zur NEO-Serie. Da war alles drin, was ich mir von einem guten Science Fiction-Roman wünsche. Eine fesselnde Handlung eingebettet in einen phantastischen Hintergrund. Das ist harte Science Fiction wie ich sie liebe. Die vielen wissenschaftlichen Fakten, die der Autor in die Geschichte einwebt, sind in ihrer Fülle kaum zu erfassen und manchmal auch kaum zu verstehen. Mir hat das jedenfalls richtig viel Spaß bereitet. Ich musste meinen Kopf anstrengen und bekam obendrein eine spannende Handlung geliefert.

Rainer Schorm verleiht seinen Figuren so viel Bissigkeit, wie kein anderer NEO-Autor. Ich erfasste manch tiefsinnigen Wortwitz in den Dialogen erst beim zweiten Lesen. Manchmal ist mir das zu aufgesetzt, aber hier hat es gepasst. Und wer sich so wunderbare Charaktere wie Rufus Darnell ausdenkt, dem sitzt sowieso der Schalk im Nacken. Ich erinnere mich noch gern an Dr. Brömmers mit seiner Frosch-KI, der gehörte auch zu Rainer Schorms »Erfindungen«. Ich frage mich, was aus dem Wissenschaftler geworden ist. Vielleicht bekommen wir irgendwann einmal eine Antwort darauf.

In »Der Atem des toten Sterns« zeigt der Autor sein ganzes Können. Nicht nur versucht er die wissenschaftlichen Hintergründe glaubhaft zu erläutern, er zaubert auch keine plötzlichen Lösungen aus dem Hut. Da ist alles gut durchdacht. Und man spürt hier und da, wie er den Zweiflern unter den Fans schon beim Lesen den Wind aus den Segeln nimmt. Das hat mir sehr oft ein breites Lächeln ins Gesicht gezaubert.

Außer einem Perspektivfehler auf der ersten Seite – ein Satz, der nicht mal notwendig gewesen wäre und der dem Lektor wahrscheinlich durchgerutscht ist – habe ich an diesem Roman auch stilistisch nichts zu beanstanden.

Fazit: »Der Atem des toten Sterns« ist ein mit vielen Fakten vollgestopfter Roman. Der Autor konfrontiert den Leser mit wissenschaftlichen Theorien und kann daraus ein durchaus stimmiges Bild erzeugen. Das mag nicht jedermanns Geschmack sein, wer sich jedoch darauf einlässt, dem wird eine superspannende Geschichte geboten. Von mir bekommt Band 153 von PR-NEO eine unbedingte Leseempfehlung.

Großen Dank an den Autor, das war Spitze!

ATLAN im Anflug

Cover der SOL 87

Ich darf an dieser Stelle ganz stolz das Cover der nächsten SOL präsentieren. Es stammt von Günter Puschmann. Er vereinigt darin Risszeichnung und Grafik und ich finde das Experiment ausgesprochen gelungen. Es ist echt mal was Neues.

Darauf zu sehen ist übrigens der Arkonide Atlan und das hat einen bestimmten Grund. Am 17. August 1962 erschien der Heftroman »Der Einsame der Zeit«. Darin tauchte Atlan zum ersten Mal in der PERRY RHODAN-Serie auf. Er trat damit einen Siegeszug an, mit dem sein Erschaffer K. H. Scheer wohl selbst nicht gerechnet hat.

Die SOL widmet anlässlich des 55-jährigen Atlan-Jubiläums dem beliebten Charakter einen Schwerpunkt, mit mehreren Artikeln, zwei Interviews und zwei Kurzgeschichten. Darunter eine exklusive Geschichte von Rüdiger Schäfer, dem Atlan-Experten und PERRY RHODAN NEO Exposéautor.

Weiterhin berichten wir von den 2. Perry Rhodan Tagen Osnabrück der PRFZ, es gibt ein Interview mit Rüdiger Schäfer zum NEO-Band 150 und viele weitere Artikel.

Die SOL wird voraussichtlich in der ersten Augustwoche verschickt.

Versuchskanichen auf einem Gefängnisplaneten

Quelle: Perrypedia

PERRY RHODAN NEO Band 152 – »Der Feind meines Feindes« von Kai Hirdt

Der Inhalt des Romans ist so komplex, dass ich auf den Spoiler verweisen muss, den ich im PR-Forum gepostet habe.

Ohne Frage ist »Der Feind meines Feindes« eine spannende Geschichte, in der es vor Seitenhieben in den spitzzüngigen Dialogen nur so wimmelt. Und auch die Fähigkeit des Autors, das Geschehen ansprechend zu visualisieren ist stets präsent. Die Charakterisierung der Thetiser als unmoralische und gefühllose Militaristen ist ihm gut gelungen. Wenn auch die Gewalt, die sie gegen ihre Gefangenen einsetzen, mich nicht so berührt hat, wie seinerzeit die Beschreibung des Barackenlagers von Rainer Schorm in NEO 109. Auch die Aachaonen mit ihrem Hang zur Aggression sind als Opfer überraschend vielschichtig gezeichnet. Rhodan kann sich am Ende nicht sicher sein, wem er trauen soll und wem nicht. Es werden viele versteckte Spuren gelegt: das Retrovirus oder die schwarzen Armbänder, die die Thetiser tragen. Fragen, die sicher in den kommenden Romanen beantwortet werden.

Einige Ideen, die in die Geschichte einfließen, sind clever wenn auch nicht originell. So basiert die Idee des Oxley-Orter auf den Subraumsignaturen bei Star Trek. Und auch hier spielt der Zufall Rhodan und seinen Mannen die Spuren der Aachaonen in die Hände. Das sich der Protektor höchst selbst mit der FERNAO und schließlich mit einer Spacejet auf die Verfolgung macht, wirkt ebenso konstruiert, wie die Haverie, die die Disk schließlich zum Absturz auf dem Dschungelplaneten bringt. Als Rhodan und seine zwei Begleiter Autum Legacy und Eric Leyden aus der abstürzenden Jet aussteigen, ist es die erste Stelle, an der ich mich richtiggehend geärgert habe. Das war oberflächlich beschrieben und wenig durchdacht. Sie gehen durch das Loch, das der Strukturfeldkonverter gerissen hat, obwohl da eine Schleuse sein müsste, sonst wären die drei schon nach dem Abwurf ins All geblasen worden. Später ist da auch eine Schleuse.

Ich muss leider anmerken, dass an vielen Stellen im Roman die Logik an einem seidenen Faden hängt, weil der Autor auf Biegen und Brechen Spannung erzeugen will, es jedoch auf Kosten der Wahrscheinlichkeit tut.

Die Komplexität der Handlung ist überwältigend und ich bewundere, wie Kai Hirdt beim Schreiben den Überblick behalten hat. Als Leser konnte ich manchen Wendungen nicht recht folgen. So zum Beispiel als Rhodan auf dem Gefängnisplaneten auf ein Barackenlager der Thetiser trifft und die gefangenen Aachaonen, gegen die überwältigten Wachen und die thetisische Wissenschaftlerin austauschen. Hier habe ich kurzzeitig den Überblick verloren, wer jetzt gegen wen ausgewechselt wurde. Ähnlich ging es mir bei der Szene als Leyden den thetisischen Gleiter in der Luft gekapert hat. Plötzlich ist auch Legacy in der Luft, obwohl sie Stunden zuvor ihren Rückentornister (in dem der Antrieb steckt) abgeworfen und zurückgelassen hat. Hm!

Das Bully mit Gucky und dem Mutanten Josue Moncadas aufbricht, um seine Frau und seine Freunde zu retten, kann ich noch nachvollziehen, aber wie leicht ihnen manche Dinge fallen, bis sie wieder an ein Hindernis geraten, verursachte bei mir dann doch das eine oder andere Stirnrunzeln. Dies zieht sich ohnehin durch den ganzen Roman. Da werden Situationen für die Protagonisten erst verschärft, um sie im nächsten Augenblick durch einen fragwürdigen Trick wieder aufzulösen. Das erinnert mich stark an den Stil, den Susan Schwartz normalerweise in ihren NEO-Romanen verwendet. Ich persönlich stelle Glaubwürdigkeit über Spannung. Aber das ist Geschmackssache. Zudem wünschte ich mir, dass der Autor etwas mehr Wert auf die technischen Möglichkeiten und Hintergründe legen würde. In Kombination mit seinem Erzähltalent, würde das mehr Harmonie in die Geschichte bringen und es kämen dabei wahrscheinlich kleine Meisterwerke heraus. So bleibt trotz der lebhaften Geschichte ein fader Beigeschmack.

Fazit: »Der Feind meines Feindes« ist ein lesenswerter Roman mit vielen Wendungen, einer ungeheuer komplexen Handlung und vielen Informationen zum laufenden Zyklus. An einigen Stellen wirkt die Geschichte ein wenig zu konstruiert und auf Grund ihrer Komplexität manchmal auch etwas zu oberflächlich.

Freigepaddelt

Quelle: Perrypedia

PERRY RHODAN NEO Band 151 – »Werkstatt im Weltraum« von Arno Endler

In seinem zweiten Beitrag zu PERRY RHODAN NEO legt Arno Endler einen solide erzählten Roman vor. Er arbeitet das Exposé stringent ab, aufgelockert durch mal mehr oder weniger witzige Passagen. Seine Charakterisierung der Paddler finde ich durchaus gelungen. Sie erinnern mich (als Star Trek Fan) an eine Mischung aus Denobulanern und Ferengi. Einerseits sexuell sehr offen, andererseits verschlagene Geschäftemacher. Ihre Fähigkeit, mit Händen und Kopf feste Materie zu durchdringen, macht sie nicht nur zu etwas einzigartigem, sondern führt auch zu einigen witzigen Situationen.

Arno Endler beleuchtet in seiner Geschichte mehr die Beziehungen zwischen den Figuren der Serie. So greift er die Beziehung zwischen Tani Hanafe und Tim Schablonski aus der Posbi-Staffel wieder auf. Ebenfalls erfährt man, wie es Christopher Lente und seinem Partner ergangen ist. Charaktere, die der Autor in seinem vorhergehenden NEO Band 137 – »Schlacht um die Sonne« vorstellte. Das alles ist nett geschrieben, ich fürchte jedoch, dass einige NEO-Leser damit nichts anfangen können, weil sie eher an spannender SF interessiert sind. Interessant fand ich, dass der Autor Rhodans schlechtes Gewissen anspricht. Der Protektor macht sich Gedanken, dass er die Menschheit verloren hat. Aus meiner Sicht hat er sie nicht nur verloren, er hat er sie im Stich gelassen, als er nach Andromeda aufgebrochen ist.

Ein paar Ungereimtheiten fielen mir vor allem im zweiten Teil des Romans auf. Als Rhodan, Sitareh, Rainbow und Chefingenieur Schablonski sowie Kalak und einer Paddlerin mit einem Paddler-Schiff in ein nahegelegenes System aufbrechen, um Ersatzteile und Material zu besorgen. Ich glaube nicht, dass Perry Rhodan so unvorsichtig ist, dass er auf einem fremden Planeten eine unbekannte Frucht isst, ohne sich vorher zu versichern, ob sie überhaupt für seinen Metabolismus verträglich ist. Er vergiftet sich trotz Zellaktivator! Es grenzt schon an fahrlässige Dummheit, so etwas zu tun. Das hätte mit jeder anderen Figur funktioniert, aber nicht mit Perry Rhodan. Ohnehin werden die Menschen als ein bisschen zu vertrauenswürdig gegenüber den Paddlern dargestellt. Sie spüren, dass die Paddler ihnen etwas verschweigen und tun dennoch nichts dagegen. Zumindest hätte man Luan Perparim nicht nur auf die Schriftsprache der Paddler, sondern vor allem auf ihre Zeichensprache ansetzen müssen. Das die Paddler ohne zu Zögern Sascha Fuszienowicz erschießen, passt wiederum nicht zu ihrem Wesen. Sie sind verschlagen, aber sie sind keine Killer. Das sagt die Sippenmutter am Ende ja selbst. Außerdem hätte ein Betäubungsschuss sicher auch genügt.

Arno Endler gibt sich große Mühe eine ansprechende Geschichte zu erzählen – der rote Faden ist erkennbar – aber einiges passt dann doch nicht zusammen. Weshalb ist die MAGELLAN sowohl den Schiffen der Aachaonen, als auch der Thetiser waffentechnisch so überlegen? Das ging viel zu leicht, vor allem weil das Schiff noch ein Prototyp ist und die Mannschaft gerade erst beginnt sich einzuspielen. Warum greift Gucky nicht schneller ein, als Tani Hanafe auf der KA-Preiswert in Gefahr gerät? So sieht es aus, als bräuchte er dazu Rhodans Erlaubnis, was den Mausbiber bisher noch nie gestört hat. An der Stelle hätte es einer zusätzliche Erklärung bedurft.

Stilistisch ist »Werkstatt im Weltraum« der deutlich bessere Roman der beiden NEOs von Arno Endler. Aber auch hier störten mich die vielen kurzen Kapitel und die dadurch etwas zerpflückte Handlung. Dabei hätte er einige der Kapitel gut zusammenfassen können. Der Autor versucht dadurch mehr Spannung in den Roman zu bringen, erreicht dies meiner Meinung nach aber nicht, weil die Spannungsbögen zu kurz sind, um zu fesseln. Im Gegenteil, die kurzen Abschnitte laden regelrecht dazu ein, das Buch aus der Hand zu legen. Anfangs stolperte ich zudem über seltsame Wortschöpfungen wie Kubikmeterwürfel und Arbeitsdrillich, dass ließ dann im Laufe des Romans jedoch nach.

An dieser Stelle noch ein großes Lob an Dirk Schulz für das starke Cover. Es reiht sich in die Liste meiner Lieblingscover ganz vorn ein.

Mein Fazit: »Werkstatt im Weltraum« ist ein solide geschriebener Roman ohne herausragende Besonderheiten, der vor allem von der Charakterisierung der Paddler und den Beziehungsproblemen der Nebendarsteller lebt. Der Autor will dem Leser das Abenteuer aus der Sicht der unteren Ränge zeigen und das ist keine so schlechte Herangehensweise. Durchaus lesenswert.

Sprung ins Ungewisse

Quelle: Perrypedia

PERRY RHODAN NEO Band 150 – »Sprung nach Andromeda« von Rüdiger Schäfer

Es bereitet mir Schwierigkeiten den Roman richtig einzuordnen. Eigentlich sollte es der Abschluss der METEORA-Staffel sein, doch dazu vermisse ich auf dem Cover den Hinweis zur laufenden Staffel. Zu einem richtigen Einstiegsband gehört eben ein Staffelanfang und eine runde Zahl auf dem Umschlag. Daher ist der Roman wohl irgendetwas dazwischen und so liest er sich meiner Meinung nach auch. Er ist »weder Fisch noch Fleisch«, wie man so schön sagt. Und das meine ich, obwohl ich Rüdiger Schäfers Romane bisher immer zu schätzen wusste. Nicht das der Roman schlecht geschrieben wäre, nein, im Gegenteil. Doch dieses Mal vermag der Autor trotz seines angenehmen Schreibstils bei mir keine Begeisterung auslösen, dafür gefällt mir die Richtung nicht, in die sich die Serie entwickelt.

Zirka drei Jahre nach der Evakuierung der Erde arbeiten die verbliebenen 60 Millionen Menschen im Sonnensystem – die jetzt auf dem Mars leben, weil die Erde unbewohnbar ist – am Bau eines Explorerschiffes. Ohne Frage, es ist ein großartiges Schiff und in die Beschreibungen sind sehr viele gute Ideen geflossen. Die MAGELLAN soll dazu dienen, um zur Nachbargalaxie Andromeda aufzubrechen. An Bord 8000 ausgesuchte Wissenschaftler, Techniker und Mutanten um in Andromeda … Ja, was eigentlich? Wozu bricht dieses Schiff auf? Nur weil der Protektor Perry Rhodan von dunklen Ahnungen heimgesucht wird, davon dass sich in Andromeda Unheil zusammenbraut, welches die Milchstrasse heimsuchen könnte? Ach, tatsächlich! Das wäre in etwa so, wie wenn Angela Merkel die Mobilmachung gegen die USA ausruft, weil sie schlecht geträumt hat (vielleicht sogar von Donald Trump). Auf der anderen Seite ist das Memeterschiff plus drei Begleitkorvetten mit 11 Milliarden Menschen in den Tiefen des Raums verschwunden, ohne das einer der Verbliebenen weiß wohin. Wäre es da nicht meine allererste Aufgabe als Protektor der Menschheit aufzubrechen und sie zu suchen? Perry Rhodan betont immer wieder seine moralische Integrität. Aber das Leben von 11 Milliarden Menschen scheint ihm weniger wichtig, als die angebliche Bedrohung aus Andromeda. Da hätte ich mir vom Autor etwas handfesteres gewünscht als nur Ahnungen. Vielleicht eine Botschaft von ES oder ein aufgefangener Hyperkomspruch, irgendetwas, das physikalisch beweist, dass da tatsächlich etwas dran ist.

Reden wir jetzt nicht davon, wie es den wenigen Menschen im Sonnensystem gelingen konnte, innerhalb von drei Jahren einen 2.400 Meter durchessenden Kugelraumer zu bauen und außerdem noch einen neuartigen Antrieb zu entwickeln. Da in der Vergangenheit bei NEO solche Entwicklungen immer sehr schnell vorangetrieben wurden, kann ich diese Tatsache inzwischen verschmerzen. Aber den Abflug des Schiffes so zu forcieren, dass man im Grunde mit einem nur unzureichend getesteten Prototypen aufbricht … Nein, dazu hätte es deutlich mehr an Argumentation gebraucht.

Nach den Start nutzt die MAGELLAN zu den herkömmliche Transitionen zunächst die Sonnentransmitter, deren Koordinaten und Zugangsrechte man einst von den Posbis bekommen hatte. Erst tief im Leerraum kann der neue LTG-Antrieb (Langstrecken-Transientengleiter) aktiviert werden, mit dem man Sprünge von bis zu 1600 Lichtjahren zurücklegen kann. Dazu muss man das Schiff auf 95 Prozent Lichtgeschwindigkeit beschleunigen, was etwa eine halbe Stunde dauert und mit dem neuen Feldantrieb sehr energiesparend vonstatten gehen soll. Nach dem Sprung kann sofort wieder beschleunigt werden, was zu einem Aktionsradius von 76.800 Lichtjahren pro Tag führt. Hoffentlich hat der Feldantrieb auch einen Kompensator für relativistische Effekte, denn ohne wird Perry Rhodan sein blaues Wunder erleben, sollte er irgendwann mal wieder zur Erde zurückkommen. Der Fehler der mich schon in der damaligen EA geärgert hat – fliegen mit fast Lichtgeschwindigkeit – wird nun in NEO munter fortgeführt, ohne das es hinreichend erklärt, oder irgendwie angesprochen wurde. Das sollte einem so erfahrenen Autor wie Rüdiger Schäfer nicht passieren.

In den Wochen nach dem ersten Einsatz kommt es zu vereinzelten Sichtungen von Spinnen auf dem Raumschiff. Diese vermehren sich rasant und wachsen innerhalb von Tagen zu richtigen Monstern heran. Die Kapitel sind spannend und gruselig, unteranderem weil sie aus der Sicht eines einfachen Technikers geschrieben sind. Ich empfehle sie nicht als Lektüre vor dem Einschlafen, da ich selbst mitten in der Nacht aufwachte und erschrocken um mich schlug, weil ich etwas im Gesicht gespürt habe. Wahrscheinlich war es nur ein verirrtes Haar. Das Szenario an Bord der MAGELLAN erinnert fast zu sehr an einschlägige Gruselfilme und die Hinweise, die der Autor auslegt, lassen sehr früh den wahren Grunde der Spinneninvasion erahnen. Die letztendliche Erklärung wäre ein Knüller, hätte man sie nicht in der Handlungen der vergangenen beiden Staffeln überstrapaziert. Eine durch Strahlung verursachte Manipulation des menschlichen Gehirns ist beim dritten Mal einfach nicht mehr originell, egal wie glaubhaft es erklärt wird.

Am Ende schafft es die MAGELLAN, wenn auch beschädigt, den Abgrund zwischen den Galaxien zu überwinden. Gerade als sich alle fragen, wie sie die Schäden am Schiff reparieren können, welche die Mannschaft auf der Jagd nach den Spinnen selbst verursacht hat, ereilt ein Hilferuf die MAGELLAN. Es ist kein Geringerer als der Paddler Kalak von der KA-preiswert. Ich hatte gehofft, dass mir dieses peinliche Kapitel aus dem MdI-Zyklus erspart bleibt, leider ist dem wohl nicht so.

Ich bin unsicher, was ich von diesem Jubiläumsband halten soll. Einerseits ist er sehr schön geschrieben, hält große persönlichen Momente für Perry Rhodan & Co bereit und vermittelt eine Aufbruchstimmung, die man in den vergangenen Romanen vermisst hat. Andererseits fehlt mir ein wenig der Hintergrund zum »Warum« und den allgemeinen Umständen nach der Evakuierung. So habe ich trotz der Aufbruchstimmung eher das Gefühl, etwas Unerledigtes zurückzulassen. Ich bin mir jetzt schon sicher, dass eine der nächsten Staffeln den Titel »Suche nach der Menschheit« tragen wird.

Selbstverständlich möchte man mit Band 150 neue Leser anlocken. Aber muss man dafür wirklich die Stammleser vor den Kopf schlagen? Ich bin der Meinung, dass NEO seit Band 149 nicht mehr die Serie ist, die sie war. Und ich kann nachvollziehen, wenn es Leser gibt, die ihr den Rücken kehren. Das hätte ich als normaler Leser vielleicht auch getan, als Rezensent bleibt mir jedoch nur, dass Geschehene zu akzeptieren und mich dem Ungewissen bei PERRY RHODAN NEO zu stellen.

Um jeden Preis

Quelle: Perrypedia

PERRY RHODAN NEO Band 149 – »Preis der Freiheit« von Madeleine Puljic

Eine harte Aufgabe stellte man der jungen Autorin für ihren ersten eigenständigen NEO-Roman. Eine Aufgabe, die sie mit Bravour gelöst hat. Das Zusammenfügen der diversen Handlungsstränge gelingt ihr nicht nur mühelos, sondern auch mit Spannung und großer Tiefe.

Perry Rhodan trifft just an jenem Tag im Sonnensystem ein, an dem die Evakuierung der Menschheit durch die Memeter ansteht. Thora und Reginald Bull, sowie die terranische Regierungsspitze haben sich auf die LESLIE POUNDER zurückgezogen und hoffen, das Unfassbare noch abwenden zu können. Als METEORA im System auftaucht und sich um die Sonne legt, um den Spalt im Inneren des Sterns zu schließen, wissen die Menschen zunächst nicht, was passiert. Während Rhodan mit den Memetern verhandelt, um die Evakuierung der Erde zu verhindern, kehrt auch Atlan ins Sonnensystem zurück und attackiert die Halatiumintelligenz. Mit weitreichenden Folgen, METEORA stirbt, die Sonne zerbricht und macht das Weiterleben der Menschheit auf der Erde unmöglich. Rhodan bleibt eine letzte Option, auf das Evakuierungsangebot der Memeter einzugehen. Doch will die Menschheit überhaupt ins Paradies übersiedeln?

Es ist harter Tobak, den uns die Exprokraten in »Preis der Freiheit« präsentieren. Nicht weniger als das Ende der Menschheit droht, zumindest aber die Zerstörung der Sonne und damit auch die Lebensgrundlage jeden Lebens im Sonnensystem. Die Autorin versucht diese Konsequenzen möglichst vielschichtig auszuleuchten, doch es bleibt ihr anhand der Dichte der Handlung kaum Zeit. Es passiert alles Schlag auf Schlag, ob es Atlans Angriff gegen METEORA ist, oder Tuire Sitarehs Versuch den Arkoniden mit dem Zünden der Bujun von seinen Taten abzuhalten. Der Gedanke, Atlan als Gegenspieler auftreten zu lassen, ist überraschend, vor allem weil man kaum etwas über seine Absichten erfährt. Die Glaubwürdigkeit ist an dieser Stelle hauchdünn, da hätte man im Vorfeld mehr investieren müssen. Und sind wir ehrlich, eigentlich ist es doch Tuire der bei NEO die Position einnimmt, die Atlan in der Erstauflage inne hat.
Spannend und mit vielen originellen Details inszeniert die Autorin auch den verzweifelten Kampf von Jason Whistler zunächst gegen das Bakennetzwerk der Memeter und am Ende gegen seinen eigenen Computervirus, der dazu führt, dass einige Menschen sich gegen die notwendige Evakuierung sträuben. Die Autorin beschreibt sehr gut beide Seiten, jene, die dafür und jene die dagegen sind. Wie sie im Kampf gegen das Unvermeidliche dann doch zusammenstehen, um allen Terranern das Überleben zu ermöglichen. In diesem Prozess lösen sich die kleinkarierten Denkweisen von Nationen und Glaubensrichtungen auf und die Beteiligten handeln als gemeinsame Spezies.
Dies wurde von den Exposéautoren bewusst so ausgetüftelt, um eine spontane Einigung zu erzwingen. Ich denke, dass das tatsächlich funktionieren könnte. Dramaturgisch halte ich es jedoch für einen Fehler, weil man den Lesern nämlich genau das nimmt, was sie sich von der Serie erhoffen. Viele von uns waren gespannt, wie der Weg in eine positiven Zukunft aussehen könnte, wollten begierig die Schritte und Rückschritte der Menschen im Einigungsprozess verfolgen. Und jetzt wurde uns der Spaß einfach so genommen.
Man kann es den Expokraten nicht verdenken, dass sie den kurzen Weg gehen, den leichteren. Vielleicht auch, weil man einen solchen Prozess nicht einfach in zehn Bänden beschreiben kann. Überhaupt leidet diese Staffel auch daran, dass zwar viel erzählt, aber wenig gesagt wurde. Es fehlten definitiv weitere Romane, die sich mit den Vorkommnissen auf der Erde beschäftigen, dafür bekamen wir in aller Ausführlichkeit die Gesellschaft der Gurrads präsentiert. Ein Manko, das ich schon beim letzten Roman angeprangert hatte. Es fehlte auch mindestens ein Roman, der Atlans Verhalten erklärt und wie er zu der seltsamen Sphäre gekommen ist, die sich außerhalb der Zeit bewegt und damit nicht einmal von den Memetern angegriffen werden kann. In diesem Zusammenhang fiel auch wieder der Name Mirona Thetin. Ebenfalls ein Punkt, auf den leider nicht weiter eingegangen wird. Ich warte übrigens immer noch auf eine Erklärung aus der letzten Staffel, was aus den Daten wurde, die man aus dem Speicherkristall des Asteroiden geborgen hatte und die Mirona dort deponiert hatte. War da nicht die Rede davon, sie jemandem … zu übergeben?

Madeleine Puljic versucht all das aufzufangen und emotional zu begleiten. Ihre Charakterisierung der Figuren ist nachvollziehbar und glaubwürdig. Thoras Schuldgefühle, weil sie ihre Kinder in Sicherheit weiß, während das Schicksal Millionen anderer in Ungewissheit versinkt, oder Reginald Bull, der unter den Nachwirkungen seines Herzanfalls leidet. Beides ist mit viel Feingefühl und Herzblut geschrieben. Dafür das sie gleichermaßen die Spannung und das Tempo der Geschichte hochhalten kann, und ihr keiner der vielen Fäden aus der Hand gleitet, verdient sie meinen vollen Respekt und machte mir das Lesen dieses NEO-Romans zu einem Vergnügen. Es ist unter anderem ihr Verdienst, dass auf der letzten Seite bei mir ein paar Tränen kullerten, anstatt mich über das Ende zu ärgern.

Denn ich finde, dass sich Rüdiger Schäfer und Rainer Schorm zu einfach aus der Affäre gezogen haben. Es ist immer leichter, die Entwicklung eines fremden Volkes zu beschreiben, als die des Eigenen. Wenn man nicht nur Extrapolieren will, braucht es große Visionen und geduldige Leser, die sich auch langfristig darauf einlassen wollen. Denn die Geschichte einer globalen Vereinigung erzählt sich nicht von heute auf morgen. Für mich geht mit dem Ende der Menschheit auf der Erde der Reiz verloren, der mich schon in den ersten NEO-Bänden gefesselt hatte, die Nähe zur Gegenwart. Es ist einer der Punkte, weswegen mir NEO stets wichtiger und vor allem näher war, als die EA. Jetzt bricht man zwar nach Andromeda auf, aber das interessiert mich persönlich weniger, weil ich den MdI-Zyklus der Erstauflage für völlig überschätzt halte. Viele Fans haben verklärte Erinnerungen daran. Würde sie die Romane heute lesen, ginge viel von der damaligen Faszination verloren.
Mir ist Andromeda nicht so wichtig. Ich hätte lieber mehr darüber gelesen, wie aus der Erde ein geeintes Terra entsteht und aus den Menschen Terraner werden. Die von den Exposéautoren erdachte, brachiale Methode tut mir nicht nur weh, sondern macht mich auch traurig. Denn es ist nur ein weiteres Beispiel dafür, dass wir zu großen Visionen für die Zukunft nicht mehr fähig zu sein scheinen.

Fazit: Ein fulminanter Roman von Madeleine Puljic, die gekonnt Spannung und Emotionen zu einer atemberaubenden Geschichte verwebt. »Preis der Freiheit« ist aber auch ein vorzeitiges Staffelfinale, das der Serie sehr viele ihrer Möglichkeiten nimmt. Schade eigentlich!

Aus dem Schatten einer Singularität

Quelle: Perrypedia

PERRY RHODAN NEO Band 148 – »Schatten über Ambaphal« von Rainer Schorm

Rainer Schorm schildert das Leben der Gurrads mit dem schwarzen Loch und die Abhängigkeit der Autarkie von dem Phänomen auf ungewöhnliche Weise. Sogenannte Ambatare (weibliche Gurrads) sind in der Lage mit Hilfe der Konterdrogen Helmenkit und Pankit mit der Entität zu kommunizieren, die sie Amba nennen. Es scheint sich dabei um eine Wesenheit zu handeln, die sich hinter dem Ereignishorizont vor etwas versteckt. Das Auftauchen von Perry Rhodan und Tuire Sitareh versetzt Amba in Aufregung, so dass es zu gravitativen Störungen kommt, die den Anflug ihres Schiffes stören. Nach einigen Schwierigkeiten gelingt es ihnen zusammen mit Vanjak in die Hauptstadt Cata Amba vorzudringen, wo sie von einer Gruppe Mutama gestellt werden. Auch hier erinnerte mich die Begrüßungsszenen zwischen Vanjak und seiner verflossenen Flamme Serona ein bisschen zu sehr an das Verhalten der Klingonen bei Star Trek, Beißen und Kratzen inklusive. Während Tuire mit den Mutama auf die gut vorbereitete Mission geht, um die Projektoren zu zerstören, begleitet Serona Rhodan zum Gan Choma, damit er seine Frage nach METEORA stellen kann. Beides gelingt, hat aber tiefgreifende Auswirkungen auf das schwarze Loch, bei denen Rhodan nicht sicher sein kann, ob sie für die Terraner positiv oder negativ sind.

So nach und nach gelingt es Rainer Schorm mich von seinen Qualitäten als Autor zu begeistern. Der letzte Roman von ihm liegt jetzt fünf Hefte zurück und ich stellte beim Lesen fest, was mir in den letzten fünf Geschichten gefehlt hat – die Technikbeschreibungen. »Schatten über Ambaphal« fühlte sich vom ersten Wort nach Science Fiction an. Seien es die Kapitel in denen es um das schwarze Loch geht oder um den Handlungsstrang, in dem Tuire Sitareh den Plan der Mutama unterstützt, das Netzwerk aus Projektoren auszuschalten, das Suurt abriegelt. Beides ist spannend und vor allem glaubhaft erzählt. Der Autor versucht zumindest sich an bekannten wissenschaftlichen Theorien zu orientieren. Natürlich muss die Singularität um Ambaphal eine Besonderheit sein, denn ich kann mir nicht vorstellen, wie ein Planet einen stabilen Orbit um ein schwarzes Loch halten soll. Selbst ein siebenfacher Schwarzschildradius erscheint mir zu nah. Zumindest müsste es erhebliche Dilatationseffekte geben, da in der Nähe einer Singularität die Zeit bekanntlich langsamer vergeht. Die Idee mit den beiden Drogen, die sich gegenseitig beeinflussen, halte ich immer noch nicht für elegant, aber zumindest bietet sie eine passende Erklärung, warum nur ausgesuchte Gurrads mit Amba kommunizieren können und zeigen die wahre Scheinheiligkeit der Autarkie. Das Auftauchen von Harno hat mich dagegen sehr überrascht und ich musste tatsächlich erst einmal nachlesen, wann die Entität bei NEO aufgetaucht war, nämlich in PR-NEO 15.

»Schatten über Ambaphal« ist ein guter Roman, an dem es wenig auszusetzen gibt. Der Autor zeigt seine Klasse in der Beschreibung schwieriger technisch-wissenschaftlichen Vorgänge, ohne damit zu übertreiben. Die Geschichte ist spannend und intelligent geschrieben und macht neugierig auf den nächsten Band. Mehr kann man als Leser eigentlich nicht verlangen.