Apokalyptisch gute Kneipentour

The-worlds-end-logoGestern Abend gab’s mal wieder Fernsehen aus der Konserve, was soviel heißt, das wir uns eine Blu-ray aus dem umfangreichen Angebot unseres Wandregals reingezogen haben.
„The World’s End“ stammte aus der letzten „4 für 3 Aktion“ vom Müller Drogeriemarkt. Wir hatten den Film unteranderem deshalb mitgenommen, weil der Hauptdarsteller, Simon Pegg, für seine tollen Komödien bekannt ist, außerdem spielt er ja den Scotty in den beiden neuen Star Trek Filmen. Neben ihm tauchen im Film auch noch so bekannte Namen auf, wie Martin Freeman (Sherlock, Hobbit), Nick Frost (Paul-Ein Alien auf der Flucht) und in einer kleinen Nebenrolle Pierce Brosnan. Ich schicke mal vorweg, das sich die Anschaffung auf jeden Fall gelohnt hat. Übrigens passt der Film herrlich zu Halloween. Nicht, dass ich dem Fest etwas abgewinnen könnte, aber man kommt dem Hype ja nicht aus.

Und wie rezensiert man diesen Film nun ohne zu Spoilern? Keine Ahnung, aber ich versuche es trotzdem.

Es beginnt mit einem Rückblick auf die Sauftour einer Gruppe Teenies. 12 Pubs an einem Abend und in jedem sollte mindestens ein Bier gezischt werden. Natürlich geht das total in die Hose, weil die meisten alsbald versacken. Für den Leader der Truppe Gary King (Simon Pegg) war es dennoch die beste Nacht seines Lebens. Nie erwachsen geworden, will er es nun mit 40 nochmal wissen. Er trommelt die alte Clique zusammen, die alle außer ihm längst im bürgerlichen Leben angekommen sind und sie fahren gemeinsam in die Heimat. Dort begeben sie sich auf die „Goldene Meile“ von Pub zu Pub, doch irgendwann ist bei den Freunden die Luft raus.
Bis dahin dachte ich OK: Saufen, provozieren, Frauen anbaggern und Blödsinn anstellen, das klingt wie „Peter Pank“, riss mich aber nicht wirklich vom Hocker. Und dann passierte etwas völlig Unerwartetes. Ich saß mit offenen Mund da und staunte. Denn das was ich sah, war so abgedreht, das es keine Worte dafür gibt. Der Film entwickelte sich in eine völlig andere Richtung und erinnerte mich stark an eine Mischung aus „From Disk Till Dawn“ und „Matrix“. Jetzt weiter zu erzählen, wäre ungut, weil es potentiellen Zuschauern die Spannung nehmen würde. Ich verrate nur so viel, das der Film in Richtung SF abgleitet und rate jedem, einfach anschauen und wundern. Der britische Humor gemischt mit rasanter Action und intelligentem Witz ist mehr als sehenswert.

Grüße aus den Achtzigern

Unser gestriger Filmabend fand mal wieder auf Arte statt. Die senden neben aktuellen Serienhinguckern wie „Real Humans“ ab und an auch Highlights der Filmgeschichte.

So zum Beispiel „Fame – Der Weg zum Ruhm“, ein Werk aus den frühen Achtzigern, den ich selbst noch aus dem Kino kenne. (Ja, dieser Film hat es sogar in die Kinos der DDR geschafft. Jahre später zwar, aber immerhin.) In der ARD lief zu jener Zeit auch die gleichnamige Serie. Ist schon komisch, das ich mich auch nach drei Jahrzehnten noch an die Namen der Hauptfiguren erinnern konnte. Überhaupt spülte der Film einer Menge positiver Erinnerungen an diese Zeit hervor. Zum Beispiel das unbesorgte Gefühl, auf eine hoffnungsvolle Zukunft, obwohl die damals wohl genauso unvorhersehbar war wie heute. Es muss wohl am Alter gelegen haben, das man sich weniger Gedanken gemacht hat.

Ende der Woche läuft wieder so ein Streifen, der mich in meine Jugendzeit zurückführt, dann jedoch auf Tele 5. „La Boum – Die Fete“ – Filme wie dieser haben eine ganze Generation von Teenies geprägt, mich eingeschlossen. In Ermangelung eines Videorekorders, habe ich damals, wie wahrscheinlich viele andere auch, den Film mit Mikrofon und Kassettenrekorder mitgeschnitten. (Sehr zum Leidwesen meiner genervten Eltern, die dann nämlich weder Zeitung lesen, noch sprechen durften.) Die Kassetten liefen dann in Endlosschleife während der Hausaufgaben. Und so kommt es, das ich die Dialoge heute noch fehlerfrei mitsprechen kann.

Trotz aller positiver Euphorie machen einen die Erinnerungen doch etwas wehmütig, nämlich dann, wenn man erkennen muss, wie lange das alles schon her ist. Seufz!

Herzkino

Unbeugsame
Quelle: ZDF

Ich gebe zu in den letzten Jahren wenig deutsche Fernsehfilme gesehen zu haben. Wenn man weder auf Tatort noch auf Rosamunde Pilcher steht, tut man sich im öffentlich-rechtlichen Fern-sehen schwer. Die wenigen guten Fernseh-produktionen sind meist Biografien bedeutender Persönlichkeiten. Das ich an dieser Stelle einen herausragenden deutschen Film vorstellen kann, der weder eine Biografie ist und auch noch unter dem Label Herzkino im ZDF lief, verdanke ich eigentlich meiner Mutter. Sie war es nämlich, die mir schon Tage vor der Ausstrahlung (am 8.5.2014) von diesem Film vorschwärmte. Und weil an diesem Abend nichts anderes lief, sahen wir ihn uns gemeinsam an. Und was soll ich sagen…ich war sehr positiv überrascht.

„Julia und der Offizier“, so der Titel, sollte ja ursprünglich „Die Unbeugsame“ heißen, was auch besser gepasst hätte. Es geht um eine junge Frau – Julia Welling – aus Berlin, die in der Mitte der 60er Jahre im tiefsten Bayern ein Kinderheim aufbauen und führen soll. Doch das ist leichter gesagt als getan. Ein großes Hindernis ist das Misstrauen gegen Julia, weil sie eine Frau ist, die so gar nicht dem Frauenbild der 60er entspricht. Erst bringt sie Pfarrer und Bürgermeister gegen sich auf, die bereits einen Handel über eine Immobilie für das Kinderheim quasi unter der Hand abgeschlossen haben und sich das Gebäude als völlig ungeeignet entpuppt.  Dann verhandelt sie eigenständig mit Major David Carter über den Kauf eines Kasernengebäudes, da der amerikanische Stützpunkt aufgegeben wird. Als sie dann auch noch einen Bauernjungen vor seinem gewalttätigen Vater schützt, eskaliert die Situation. Trotz aller Widerstände boxt sich Julia durch und gewinnt dabei nicht nur die Anerkennung des amerikanischen Majors sondern auch dessen Zuneigung. Doch Julia mag keine Soldaten und verhält sich ihm gegenüber kühl.
Einzig das abrupte Ende des Films lässt einen unbefriedigt zurück. Nämlich dann, wenn Julia David endlich ihre Liebe gesteht und erfährt das er nach Vietnam abkommandiert wurde.

Das der Film nur am Rande eine Liebesgeschichte ist, wird bereits sehr früh deutlich. Hier geht es mehr um Emanzipation, Entnazifizierung, Korruption, bornierte Kirchenvertreter, Selbstbestimmung und die menschenverachtende Praxis gegen Frauen und Kinder in den 50er und 60er Jahren. Allein, das sich der Arzt im Sprechzimmer vor seiner Patientin eine Zigarette anzündet, sagt so einiges darüber aus, dass die Sixtis nicht so schön waren, wie man ihnen immer bescheinigt.

Für das 60er Feeling sorgt vor allem der tolle Soundtrack mit: Four Tops („I Can’t Help Myself“), Supremes („Where Did Our Love Go“), The Searchers („Needles And Pins“), Who („My Generation“), Sarah Vaughan („All or Nothing At All“), Byrds („Mr. Tambourine Man“), Bobby Darin („Dream Lover“) and Simon & Garfunkel („Sound Of Silence“). Auch vom Look her ist der Film Stil- und Genresicher inszeniert. Gedreht wurde übrigens im bayrischen Lenggries.

Die beiden Hauptdarsteller Henriette Richter-Röhl als Julia Welling und David Rott als Major David Carter kann man nur als Traumpaar bezeichnen. Selten habe ich eine ehrlichere Darstellung eines Liebespaares gesehen, das unter dem Druck von Gesellschaft und Geschichte steht. Richter-Röhl mit Minirock und Dutt spielt alle an die Wand und David Rott in der Uniform des Majors und mit gespielten Akzent ist so überzeugend, das man glatt vergisst, das er ein deutscher Schauspieler ist.

Für mich ist es einer der besten Filme, die ich in diesem Jahr im deutschen Fernsehen gesehen habe und gehört ab sofort in die Sammlung meiner Lieblingsfilme.
Außerdem hat David Rott von nun an einen Fan mehr. ;)

Jeder, der interessiert ist, kann sich HIER ein paar wenige Ausschnitte aus dem Film ansehen.

Feel-Good-Movie

Männer wie wirEs gibt Filme, die holen einem aus jedem Tief heraus. „Männer wie wir“ ist so ein Film. Immer wenn ich ihn sehe, fühle ich mich hinterher viel besser und das liegt nicht nur an der witzig-romantischen Geschichte, sondern vor allem an den Darstellern.

Die Handlung ist schnell zusammengefasst: Torwart Ecki verpatzt seiner Mannschaft den Aufstieg und fliegt nach seinem ungewollten Coming-Out aus dem Team. Um mit den Vorurteilen seiner Freunde „Schwule können nicht Fußball spielen“ aufzuräumen, verspricht er ihnen eine Revanche mit einer schwulen Fußballmannschaft, die er aber erst noch finden muss. Also macht sich Ecki in Dortmund auf die Suche nach Mitspielern und verliebt sich dabei in Zivi Sven.

Witzig und mit vielen Klischees versteht es Regisseurin Sherry Hormann das Thema „Schwule Fußballer“ glaubhaft umzusetzen. Die brillante Besetzung mit namhaften Nebendarstellern wie: Christian Berkel, Dietmar Bär, Rolf Zacher, Saskia Vester und Mariele Millowitsch nimmt jedes noch so ausgetretene Klischee beider Seiten auf die Schippe und beleuchtet das Innenleben der Betroffenen aus vielen Perspektiven.

Es sind jedoch die beiden Hauptdarsteller, die den Film erst zu etwas Besonderem machen. Maximilian Brückner offenbart in der Rolle des Ecki eine Unschuld, die so anrührend ist, dass er die Zuschauer schon in den ersten Filmminuten in seinen Bann zieht. Dabei ist es kaum zu glauben, das Brückner ein gestandner Bayer ist.
David Rott als Zivi Sven sorgt mit Charme und Aussehen dafür, dass ihm nicht nur die Herzen der weiblichen Zuschauer zufliegen. Seine Darstellung des Sven als gefestigter Charakter, der weiß wo er steht, bildet einen schönen Kontrast zu Brückners unstetem Ecki, der sich erst noch finden muss.
Die Liebesszene im Aufzug, die für die beiden damals noch jungen Darsteller eine große Herausforderung gewesen sein muss, ist für mich die beste schwule Liebesszene, die ich kenne. Sie ist so authentisch und ehrlich, das sich zu keiner Zeit ein befremdliches Gefühl beim Zusehen einstellt. Für mich ein „must-see“ der Filmgeschichte. Wer sich selbst davon überzeugen möchte, kann dies HIER tun.

Paparazzo – Ein Film, besser als sein Ruf

PaparazzoIch möchte an dieser Stelle mal eine Lanze für diesen unbekannten Zweiteiler brechen. Denn genau da liegt das Problem. Wäre der Film gekürzt und in einem Stück herausgekommen, hätte er das Publikum sicher mitreisen können.

Wer sich genauer über den Film informiert, erfährt, dass er erst Jahre nach seiner Entstehung und unter dem Pseudonym Alan Smitee erschienen ist. Das lag vor allem daran, dass sich die Produzenten und Regisseur Stephan Wagner nicht über die letzte Schnittfassung einigen konnten. Schade, denn es wäre sicher interessant gewesen, zu sehen, wie Wagner den Stoff umgesetzt hätte.

Denn an der Geschichte selbst liegt es nicht, sie ist facettenreich und spannend. Man weiß bis zum Schluss nicht, wo sie einen hinführt. Der Film zeigt in knallharten und verstörenden Bildern, die gar nicht so heile Welt hinter der Kamera.

Auch die Darsteller erbringen in ihren Rollen bisweilen großartige Leistungen. Hier wären vor allem Agata Buzek und David Rott zu nennen. Ersterer gebührt großer Respekt, dafür, das sie sich an die harten Sex-Szenen heran getraut hat, denn das war sicher kein leichter Dreh. David Rott versucht sich durch die Rolle des Gonzo ganz klar vom Image des Frauenlieblings zu lösen und man nimmt ihm den Sinneswandel vom kaltschnäuzigen Paparazzo zum moralisch geläuterten Freund ohne Zögern ab.

Mich hat der Film jedenfalls bis zur letzten Sekunde in Atem gehalten und noch viele Tage später beschäftigt.

Alles in allem kann man sagen, auch wenn der Zweiteiler seine Längen hat, ist es lohnend ihn sich anzusehen.
Doch Vorsicht! Viele der Szenen sind nichts für schwache Gemüter und wer Scheu vor drastischen Sex- und Gewaltszenen hat, sollte unbedingt die Finger davon lassen.