Bewusstseinskrise

Quelle: Perrypedia

PERRY RHODAN NEO Band 377 – »Invasion der Posbis« von Lucy Guth

Dem Solsystem steht wieder einmal eine Invasion bevor. Tausende von Fragmentraumern und Dreizackschiffen der Posbi-Rebellen dringen ins Heimatsystem der Terraner und in die Systeme ihre Kolonien ein. Zunächst üben die Posbis Zurückhaltung, doch dann beginnen sie mit einem Angriff auf die Flottenwerft der Terraner auf Titan. Protektor Reginald Bull bittet alle Verbündeten der Menschheit um Hilfe. Als einzige schicken die Arkoniden eine Flotte unter der Führung von Zalara da Keranth, die sich Bulls Kommando nur wiederstrebend unterstellt.
Derweil wollen Perry Rhodan, seine Frau Thora und seine Tochter Nathalie mit Thomas Rhodan Kontakt aufnehmen. Dessen Bewusstsein wurde offensichtlich in das Zentralplasma der Posbis integriert und hat sich inzwischen über einen Großteil der Posbis verteilt. Für den Kontakt brauchen sie Roi Danton, dessen Bewusstsein von NATHAN wieder in seinen Robotkörper zurückübertragen werden konnte.
Auf einem Asteroiden in einem Sonnensystem am Rande der Lokalen Blase versuchen sie mit Dantons Hilfe ins Kommunikationsnetzwerk der Posbis einzudringen und an Thomas Rhodan zu appellieren. Sie erfahren das Thomas befürchtet, im Zuge des Projekts Metamorph ausgelöscht zu werden. Perry kann  seinen Sohn Thomas umstimmen, den Angriff auf die Erde abzubrechen, kurz bevor die Rebellen-Posbis die Verteidiger der Erde vernichtend schlagen können.
Doch Thomas richtet seine Angst und Wut nun gegen die Nakken. Gemeinsam mit den Hamamesh und den Arkonidischen Schiffen kann die Terranische Flotte den Heimatplaneten der Nakken so lange verteidigen, bis alle Nakken evakuiert sind.
Danach setzt Perry Rhodan gemeinsam mit Thora und Nathalie die Reise zur Hauptwelt der positronisch-biologischen Roboter fort, um seinen Sohn aus dem Zentralplasma zu befreien.

Uff! Irgendwie habe ich das Gefühl, das hier ein Roman fehlt. Denn die Erkenntnisse die Lucy Guth zu Beginn des Romans über Thomas Rhodan zusammenfasst, wurden bisher nicht in dieser Deutlichkeit vermittelt. Es gab Andeutungen um den Sohn Rhodans. Es gab Vermutungen, aber es wurde in den bisherigen Romanen der Staffel nie geklärt, wie genau er mit den Posbi-Rebellen in Verbindung steht. Das jetzt in einem Rückblick zu erfahren, irritiert mich. Gab es doch im vorangegangenen Roman genug Platz um das groß und breit zu erzählen. So ist es nun mehr »Tell« statt »Show«. Das ist der erste große Negativpunkt in einer bisher sehr gut funktionierenden Staffel.

Lucy Guth gelingt es jedoch, durch ihre schön gezeichneten Figuren diesen Fauxpas zu überspielen. Herausragend ist dabei die Beziehung zwischen Reginald Bull und der Arkonidin Zalara da Keranth erzählt. Mit Bulls Assistentin Hollie Delacour hat die Autorin wieder einen sogenannten Underdog-Charakter etabliert, also jemanden der nicht zu den zentralen Figuren der Serie gehört, sondern der den Blickwinkel eines Normalsterblichen hat. Das ist ihr schon einmal mit der Positronikspezialistin Donna Stetson geglückt.

Wegen des Romantitels, hatte ich zunächst befürchtet, den halben NEO lang von irgendwelchen Raumschlachten lesen zu müssen. Das hielt sich zum Glück die Waage mit den Abenteuern von Rhodans Familie und Roi Danton in der Posbistation auf dem Asteroiden. Wobei es hier ein Wiedersehen mit den beiden Posbis Kaveri und Atju aus der Posbistaffel gibt. Die hatte ich so gar nicht mehr in Erinnerung.

Höhepunkt war jedoch die »geistige« Auseinandersetzung zwischen Roi Danton und Thomas Rhodan, die sich mal einen Körper geteilt haben. Der Showdown im Spiegelsaal von Versailles mit den verschiedenen Inkarnationen von Roi Danton ist gut geschrieben und wunderbar auf dem Titelbild des Romans visualisiert.

Die einzige Stelle an der ich ein wenig die Stirn runzeln musste, war beim Angriff von Thomas‘ Posbis auf den Heimatplaneten der Nakken. Im Vorgängerroman haben wir mitbekommen, wozu die Nakken fähig sind. Sie waren in der Lage Perry Rhodan kurzzeitig aus dem Gefüge der Raumzeit und sogar aus den Erinnerungen eines jeden Menschen zu tilgen. Nun scheinen sie gegenüber des Angriffs der Posbi komplett hilflos zu sein und müssen von den Hamamesh evakuiert werden. Wenn sie eine derartige mentale Macht besitzen, warum haben sie die Posbis nicht selbst aufhalten können? Sie hätten sie doch ebensogut aus der Raumzeit tilgen können.

»Invasion der Posbis« bringt viele Erkenntnisse zum Verhalten der Posbis und dem Zusammenhang mit Thomas Rhodan da Zoltral. Leider werden die mir diese nicht gezeigt, sondern nur erzählt. Das finde ich ausgesprochen schade.

Eine spektakuläre Verfilmung

Normalerweise sind Buchverfilmungen nicht immer so nah am Original, wie es die Autoren gern hätten oder wie es für die Geschichte zuträglich wäre. Bei der Verfilmung von Andy Weirs Roman »Der Astronaut« ist das anders. Der gerade in den Kinos angelaufene Streifen ist eine eins zu eins Verfilmung des Buchs. Ich habe jedenfalls nichts vermisst, was im Roman angesprochen worden wäre.

Zum Inhalt (Auszug aus meinem Blogeintrag zum Roman »Der Astronaut«): Wissenschaftler Ryland Grace wacht in einem Raumschiff auf und kann sich an nichts mehr erinnern. Er stellt fest, dass seine beiden Mitastronauten tot sind und sein Raumschiff sich in einem fremden Sonnensystem befindet. Nach und nach kommen seine Erinnerungen zurück und er erkennt, warum er auf diese Mission geschickt wurde. Es geht darum, an dem fremden Ort das Überleben der Menschheit zu sichern. Eine Aufgabe die schier übermenschlich ist. Doch da bekommt Ryland Hilfe, die er nie erwartet hätte.

Als ich 2022 den Roman gelesen habe, hat er mich schwer beeindruckt. Es ist eine unglaublich spannende Geschichte, die ein bisschen technisches Hintergrundwissen erfordert. Beim Film braucht man das Wissen nicht unbedingt, da stehen die Bilder im Vordergrund. Es ist also ein Film, der jeden anzusprechen vermag. Dabei wechseln sich die Szenen auf der Haile Mary im fremden Sonnensystem mit den Erinnerungen von Ryland auf der Erde ab.

Die schauspielerischen Leistungen sind ebenfalls großartig, allen voran die von Sandra Hüller. Die Thüringerin brilliert in der Rolle einer Regierungsvertreterin, kühl, distanziert und bestimmt, dennoch merkt man ihr an, das ihr das Schicksal von Ryland nahe geht. So wie Matt Damon in »Der Marsianer« trägt Ryan Gosling beinahe den kompletten Film. Den etwas unkoordinierten Lehrer, der unfreiwillig zum Retter der Menschheit wird, nimmt man ihm in jeder Szene ab. Er ist beinahe noch näher an der Romanfigur wie seinerzeit Matt Damon an Mark Watney.

Unterstützt werden die genialen Aufnahmen aus dem Raumschiff und im All von einem bunten Soundtrack, bei dem von Country über Klassik bis hin zum Pop eigentlich alles dabei ist. Sogar Sandra Hüller wagt sich ans Mikrophon und singt mit »Sign of the Times« einen Song, der wie die Faust aufs Auge zur Untergangsstimmung auf der Erde passt.

Besonders gut finde ich, dass das überraschende Ende genauso umgesetzt wurde wie im Buch. Das wird vielen Zuschauer, die den Roman von Andy Weir nicht kennen, den Boden unter den Füßen wegziehen.

Das Besondere an dem Film, obwohl der Untergang der Menschheit droht, ist es keine Dystopie. Im Gegenteil es ist ein mutmachender Streifen mit viel Humor und einem Weitblick, was wir gemeinsam erreichen könnten, wenn wir aufhören würden uns die Köpfe einzuschlagen.

Mein Tipp für alle SF-Fans, geht ins Kino und schaut euch diesen Film an. Die zweieinhalb Stunden sind spannend bis zum Schluss.

Die Prophezeiung der Nakken

Quelle: Perrypedia

PERRY RHODAN NEO Band 376 – »Als die Flüsse schwiegen« von Stefan Pannor und Oliver Müller

Mit dem Tesserakt bringt der Posbi Algron Perry Rhodan und Sud zum neuen Exilplaneten der Nakken in der Milchstraße. Hier soll Perry Rhodan Näheres über das Projekt Metamorph erfahren, das die Ursache für die Angriffe der Posbis auf terranische Raumschiffe und Planeten ist. Doch die Lage ist komplizierter. Seit ihrem Übergang ins Einsteinuniversum tragen die Nakken eine Prophezeiung weiter. Es geht um einen Mann der nicht stirbt und der die Bildung des vereinten Bewusstseins der Nakken verhindern wird. Das bringt Perry Rhodan in höchste Gefahr, denn die Nakken versuchen mit geistigen Mitteln zu beweisen, das er nicht der Unsterbliche sein kann und versuchen ihn aus der Raumzeit und damit aus der Erinnerung aller zu tilgen.
Perry entkommt nur knapp der Vernichtung und die Verbindung der Nakken nimmt irreparablen Schaden. Er erfährt aber, dass sich die Nakken mit dem Zellplasma der Posbis zu einem Bewusstsein vereinen wollen.
Währenddessen reisen Perrys Frau Thora und seine Tochter zu einem Planeten von dem sie Hypersignale empfangen. Auf der vorindustriellen Welt treffen sie eine Zivilisation, deren Existenz von einer Hyperquelle abhängt. Doch diese wird gerade von einem unbekannten Wesen attackiert.
Nathalie und Thora gelingt es, das Wesen an der vollständigen Zerstörung der Quelle zu hindern und so die Zivilisation zu retten. Im Anschluss versetzt die durch die Auseinandersetzung erstarkte Nathalie sich und Thora zu Perry Rhodan auf den Tesserakt.

Nach den bodenständigen Romanen aus dem ersten Teil der Staffel »Metamorph« wird es nun wieder kosmisch. Grundsätzlich finde ich die Idee mit den Nakken und ihrer selbsterfüllenden Prophezeiung gut. Mit der Umsetzung hatte ich allerdings ein paar Probleme. Die Namen der beteiligten Nakken sind mal gleich und mal ähnlich und dann wieder verschieden. Ich bin mir nicht sicher, ob das wirklich so beabsichtigt war. Es hat mich aber verwirrt. Die Prophezeiung von Bethanya, die im Rest des Romans Svaethanya genannt wird, entsteht aus einer Rivalität zwischen ihr und einem Nakken namens Zhemlon und zwar noch in dem Universum vor dem von Perry. Auch Zhemlon taucht in den Erzählungen der Nakken in diversen Inkarnationen wieder auf, allerdings ohne Namensänderung. Das ist alles ein wenig verwirrend.

Hinzu kommt, das sich diese Kapitel mit denen von Thora und Nathalie abwechseln. Das nimmt der Geschichte einen Großteil der Spannung, weil man immer wieder herausgerissen wird und sich auf die andere Handlung einstellen muss, aus der man dann ebenfalls wieder herausgerissen wird. Beide Geschichten wären in separaten Romanen besser aufgehoben gewesen.

Die Idee mit der vorindustriellen Zivilisation, die von einer Priesterkaste geführt wird, ist zwar reichlich Klischeebelastet, lebt aber durch seine lebendig gezeichneten Protagonisten. Allerdings frage ich mich, ob es nicht besser wäre, auch bei PERRY RHODAN eine »Oberste Direktive« einzuführen, welche die Einmischung in fremde Zivilisationen verbietet. Denn Thora und Nathalie verhalten sich doch sehr blauäugig beim Umgang mit den Dorfbewohnern.

Ich möchte mich nicht festlegen, wer von den beiden Autoren welchen Teil geschrieben hat. Ich habe einen Verdacht, der aber auch falsch sein kann. Es ist aber ein gutes Zeichen, denn die beiden Handlungsstränge wirken zumindest stilistisch homogen. Für sich alleinstehend, wären sie eine runde Sache gewesen. Dann hätte man beide Handlungen auch ausweiten können. So sind sich die beiden Handlungen eher gegenseitig im Weg.

In »Als die Flüsse schwiegen« erfährt man endlich etwas mehr über das Projekt Metamorph, das eine Vereinigung der Nakken mit dem Zentralplasma der Posbis darstellt. Dazu muss man sich aber zuerst durch zwei kosmische und teils verwirrende Handlungen arbeiten.

Krimidinner auf der MAGELLAN

Quelle: Perrypedia

PERRY RHODAN NEO Band 375 – »Die MAGELLAN-Intrige« von Dietmar Schmidt

Die Eltern, der von den Posbis verschleppten Cybora-Kinder, haben die MAGELLAN gekapert. Obwohl ihnen das Schicksal der Kinder unbekannt ist, wollen sie von den Posbis gewaltsam ihre Freilassung erpressen. Damit ihnen auf dem Weg zur Heimatwelt des Zentralplasmas Perry Rhodan nicht in die Quere kommt, haben sie ihn und die Besatzung der MAGELLAN in einem Beiboot ausgesetzt und sogar einen Mordversuch an Rhodan und seiner Crew verübt, in dem sie Mikrobomben in dem Beiboot versteckten. Als diese Information zu den Eltern durchdringt, kommt es zum Streit zwischen den Eltern und Ex-Admiral Zurn, der sich zum Anführer der Mission ernannt hat. Als dieser auch noch erklärt, dass man das Zentralplasma mit der nicht mehr funktionsfähigen Transformkanone auf der MAGELLAN erpressen will, beginnen einige der Eltern am Erfolg der Mission zu zweifeln und senden ein Signal aus, damit Perry Rhodan die MAGELLAN orten kann.
Mit Algrons Tesserakt kann Rhodan die MAGELLAN einholen. Kurz darauf materialisieren drei Dreizackschiffe der Anderposbis und greifen die MAGELLAN an. Die Menschen können kurzzeitig flüchten, werden von den Anderposbis unter dem Kommando von Rhodans Sohn Thomas aber schnell wieder eingeholt. Es entbrennt ein Raumgefecht, in dem die MAGELLAN und die Flotte der Cyboraner über kurz oder lang unterliegen werden. Doch bevor es zur Vernichtung der Schiffe kommen kann, taucht ein weiterer Fragmentraumer der Posbis auf. Es sind die Cybora-Kinder, die die Lage entschärfen, in dem sie die Dreizackschiffe vernichten.
Sid Gonzales bewohnt nun allein den Körper von Sud. Er erhält die Diagnose, dass er nur noch Tage überleben wird, wenn er das Intarsium nicht zurückerhält. Rhodan bittet Algron um Hilfe. Die Posbis bieten Sid an, ihn und Sue, deren Bewusstsein in einem Vario 800 steckt, wieder zu vereinen, doch die beiden wollen ihre Individualität behalten. Da wird bei dem Gefecht mit den Dreizackschiffen eines der Cybora-Kinder verletzt. Die Verletzung ist so schwer, das nur die Heilkräfte von Sud den Jungen retten können. Da beschließen Sid und Sue sich wieder zu Sud vereinigen zu lassen.
Das Elternpaar, das für den Einsatz der Mikrobomben verantwortlich ist, wird vom eigenen Sohn entlarvt und zur Erde gebracht. Während die MAGELLAN ihre Reise zur Welt des Zentralplasmas fortsetzt, fliegen Perry Rhodan und Sud mit Algrons Tesserakt ein anderes Ziel an.

Bei der ersten Hälfte des Romans fühlte ich mich in eine Episode von »Law and Order« versetzt. Da wird diskutiert und ermittelt, dass es eine wahre Freude ist. Gut fand ich, wie Dietmar Schmidt aus der Sicht einer Mutter erzählt, die Anwältin ist, und die schnell begreift, wir hirnrissig diese Mission zur Befreiung der Kinder ist. Das hätte ihr vielleicht schon früher klar werden müssen, aber durch das irre Gebaren des Ex-Admirals werden alle zunächst manipuliert. Nach und nach wird ihnen aber klar, dass die Rettungsmission kaum umsetzbar ist, und die Eltern beginnen miteinander zu streiten. Als Rhodan dann auch noch jene Elternteile anschleppen lässt, die bisher nicht an der Rettungsmission beteiligt sind, eskaliert die Lage. Der Ex-Admiral hat sich die Loyalität der Cyboranischen Besatzung und der Positronik DIDEROT versichert. Rhodan muss argumentieren und Kompromisse eingehen, wenn er die Situation entschärfen will. Das ist eine sehr clevere und für NEO ungewöhnliche Handlung, die sich die Exposéautoren da ausgedacht haben. Und bei der man erkennt, dass sie auf die Stärken des Autors zugeschnitten ist.

Das einzige was man dem Roman vielleicht vorwerfen kann, ist die Menge an Personal. Zwei Elternteile von je sieben Kindern, dazu noch das bekannte Personal und die eine oder andere Personalie aus der Crew der MAGELLAN. Schon das Triumvirat Sid+Sue=Sud sind drei Leute, die allein schon den Roman füllen könnten. Es ist nicht ganz einfach in der Fülle der Protagonisten und Antagonisten den Überblick zu behalten. Dennoch, der Spaß an der Geschichte überwiegt und man freut sich tatsächlich auf den nächsten Roman. Etwas das in den vergangenen Staffeln nicht immer der Fall war.

»Die MAGELLAN-Intrige« ist ein spannender Roman, der sich nahtlos an den Erfolg der Vorgängerromane anschließt. Der Handlungsfortschritt in der Staffel ist zwar nur marginal, aber die Ausführung des Krimis durch Dietmar Schmidt absolut lesenswert.

Eher Thriller als Requiem

Quelle: Perrypedia

PERRY RHODAN NEO Band 374 – »Requiem für eine Unsterbliche« von Stefan Pannor

Nachdem Perry Rhodan ins Solsystem zurückkehrt, wird er sofort in eine Auseinandersetzung zwischen den Terranern und Algrons Posbis verwickelt. Der Tesserakt der Perry Rhodan und die Einzelteile von Roi Danton ins Solsystem eskortiert hat, hatte seitdem Position über der Lunar Research Area und damit über NATHAN bezogen. Nun dringen die Posbis ins Innere der Forschungsstation auf dem Erdmond ein. Die Terraner sehen darin einen Angriff und wollen die Posbis aufhalten. Es droht die Zerstörung der Basis. Rhodan verhandelt mit Algron und kann ihn und seine Posbis zum Rückzug bewegen. Dafür will dieser Rhodan und die MAGELLAN zur Zentralwelt der Posbis begleiten.
Bei einem Zwischenstopp im Spica-System erzwingen die Eltern der Cybora-Kinder ihre Teilnahme an der Expedition, um die Verschollenen mit einer eigenen Streitmacht zurückzuholen. Dabei gelingt es den Cyboranern, die Besatzung der MAGELLAN mittels Naniten auszuschalten und das Fernraumschiff zu übernehmen. Rhodan und die Mannschaft werden in der CIRINJA, einem der Cyboranischen Schiffe, mit defektem Antrieb und ausgefallenem Hyperfunk im All ausgesetzt.
Hilfe kommt aus einer unerwarteten Richtung. Das Mentamalgam Sud arbeitet als Ärztin an Bord der MAGELLAN. Sie wird von den Posbis Algrons entführt und ihrem Intarsium beraubt. Dadurch trennen sich die vor knapp 400 Jahren verschmolzenen Bewusstseine von Sue Mirafiore und Sid Gonzales wieder. Beide ringen um die Vorherrschaft über Suds Körper. Sid geht als Gewinner aus dem inneren Konflikt hervor, während Sue verschwindet. Der Teleporter kann seine einstigen Fähigkeiten abrufen und teleportiert von Bord. Mit Hilfe des Hyperfunks in seinem Raumanzug kann er Rhodan kontaktieren und von der CIRINJA eingefangen werden. Mit seinem Anzug-Hyperfunk ist die Besatzung der CIRINJA in der Lage Hilfe herbeizurufen.

Wow! Was für eine Geschichte. Da ist alles dabei, was Spannung erzeugt. Außerdem wird es von Stefan Pannor so glaubhaft geschildert, dass man den Roman nur schwer wieder aus der Hand legen kann. Ich finde es gut, dass Perry Rhodan in dieser Staffel mal nicht wie der große Held dargestellt wird, dem alle zu Füßen liegen, und der nur mit dem Finger schnippen braucht, damit ihm jeder Wunsch erfüllt wird. Denn, wenn wir ehrlich sind, würden wir uns doch auch nicht von jemandem etwas sagen lassen, der schon vor 400 Jahren gelebt hat.

Insofern finde ich es ein bisschen schade, dass es keine großen Reibereien gibt, ob Rhodan die MAGELLAN für die Expedition bekommen kann, wie im ersten Band der Staffel, als Reglinald Bull nur ein kleines Schiff für Perry abstellen wollte. Aber offenbar ist den Politikern um den Ersten Terraner Aurelian Voss ein Schulschiff wie die MAGELLAN nicht so wichtig, inklusive der jungen Kadetten an Bord. Man lässt Rhodan also mit einer unerfahrenen Besatzung in die Tiefen den Leerraums aufbrechen, damit er das Posbiproblem lösen kann. Wahrscheinlich glaubt eh keiner der Bürokraten der Terranischen Union an einen Erfolg, was die Selbstüberschätzung von Politikern sehr plastisch macht. Man kennt das aus eigener Erfahrung.

Der Hammer ist aber die Übernahme der MAGELLAN durch die Cyboraner. Da wird Rhodan mit seinen eigenen Waffen geschlagen und ihm das Raumschiff unter dem Hintern weg geklaut. Sensationelle Idee. Wobei die Vorbereitung des Coup einen kleinen Haken hat. Wieso führt die erste Transition der MAGELLAN ausgerechnet ins Spicasystem zu den Cyboranern? Wenn da nicht die neue Kommandantin der MAGELLAN mit den Cyboranern unter einer Decke steckt. Oder sie hat den Befehl, ins Spicasystem zu fliegen, direkt von Aurelian Voss bekommen und es Perry Rhodan verschwiegen. Hin wie her, das alles ist ein brillanter Plot, der zudem noch perfekt umgesetzt wurde.

Nostalgisch wird es in den Kapiteln um das Mentamalgam Sud. Da lässt der Autor die Geschehnisse aus den allerersten NEO-Bänden aufleben. Damals als die Serie eigentlich »John Marshall« hätte heißen müssen, weil sich ein großer Teil der Handlung, um den Telepathen und seine Arbeit im Shelter dreht. Ich gestehe, dass ich mit der Figur der Sud nie richtig warm geworden bin, aber wie Stefan Pannor ihr »Ende« schildert, finde ich sehr gelungen.

»Requiem für eine Unsterbliche« ist ein großartiger NEO-Roman, der mir unheimlich viel Freude bereitet hat. Und das nicht nur wegen der vielen tollen Wendungen in der Handlung, sondern auch durch die erzählerische Stärke mit der der Autor die Geschichte umsetzt. Was mich zu der Frage bringt: Warum hat man Stefan Pannor nicht schon früher in die NEO-Serie geholt?

Zwischen Herzgeflecht und Arkonidenmutter

Quelle: Perrypedia

PERRY RHODAN NEO Band 372 – »Jenseits der Stimmen« von Rüdiger Schäfer

Thora folgt der Spur ihrer Tochter Nathalie nach Olymp. Die wurde anscheinend von den Mehandor entführt, die sie an das Ava-Tor-Konsortium verkaufen wollen. Mit Hilfe des terranischen Geheimdienstes SolAb kann die Arkonidin die Mehandor-Matriarchin und ihre Sippe überwältigen und ihre Tochter befreien. Beide kehren wohlbehalten ins Solsystem zurück, wo sie auf dem Mond mit NATHAN und Perry Rhodan zusammentreffen. Da erreicht sie der Notruf eines Posbiraumers, auf dem sich die entführten cyboranischen Kinder befinden.
Die sieben Kinder wurden auf einen Fragmentraumer der Posbis verfrachtet und sollten nach Pharaduat, der Heimatwelt des Zentralplasmas Anich, gebracht werden. Doch etwas an Bord sorgt dafür, dass sich die Kinder geistig zusammenschließen und letztendlich die Posbis und den Fragmentraumer kontrollieren können. Selbst das Herzgeflecht des Fragmentraumers kann sich den geistigen Kräften der Sieben nicht widersetzen.
Anstatt nach Cybora zurückzukehren, beschließen die Kinder ihren Tod zu inszenieren und unterzutauchen. Sie senden einen Notruf aus und versenken in einem theatralischen Akt den Fragmentraumer in der Chromosphäre einer Sonne. Vor den Augen der Schiffsbesatzung der Terranischen Union lassen sie die Posbis Plasmaladungen zünden und versetzen das Schiff mittels Gedankenkraft in den Hyperraum. Alle glauben, die Kinder seien tot und verlassen das System. Doch der Fragmentraumer taucht aus der Sonne wieder hervor. Die Kinder sind nun auf sich gestellt und ahnen, dass ihre geistige Verbindung möglicherweise so mächtig ist, dass sie die Kontrolle darüber verlieren könnten, mit allen Konsequenzen.

Man merkt der Handlungszusammenfassung an, dass in dem Roman nicht allzu viel passiert. Rüdiger Schäfer bedient sich nur zweier Perspektiven, der von Thora und der von Lyrie – eines der sieben entführten Kinder. Man bekommt also jede Menge Innenansichten präsentiert und viele weise Gedanken. Was in den meisten Romanen des Autors gut umgesetzt ist, funktioniert bei diesem gar nicht. Der Roman las sich so zäh wie ein Telefonbuch. Ich schleppte mich von Kapitel zu Kapitel, doch statt neuer abwechslungsreicher Informationen erhielt ich immer wieder die gleichen blumigen Beschreibungen der Gefühlswelt von Lyrie und des sogenannten Konnektivs, was die Kinder ausgebildet haben. Eine eher esoterische statt bodenständige Verbindung, deren Art und Entstehung nicht erklärt wird.

Der Posbi PATR-CX17, genannt Patch, der das Mädchen auf Schritt und tritt begleitet, klingt in Tonfall und Ausdrucksweise wie C-3PO aus den Star Wars-Filmen. Ohnehin agieren die Kinder eher wie Erwachsene. Sie sind 13 Jahre alt und haben weder Heimweh noch übermäßige Angst. Im Gegenteil, sie fällen eine höchst logische Entscheidung und inszenieren ihren Tod, um den medizinisch psychologischen Untersuchungen auf ihrer Heimatwelt zu entgehen. Dabei werden diejenigen, die das vielleicht nicht möchten, mittels des Konnektivs auf Linie gebracht. Das fand ich nicht gut und auch nicht glaubhaft. Klar mögen diese Kinder nach ihrer Geburt mental verändert worden sein, aber es sind trotzdem noch Kinder. Ich finde das Ruben Wickenhäuser sie in Band 370 kindgerechter geschildert hat. Man hat von ihm mehr über die einzelnen Jungen und Mädchen erfahren, als durch Rüdiger Schäfer.

Thora auf Mission – eine Arkonidenmutter sucht nach ihrer Tochter und agiert knallhart, als sie die Entführer in die Finger bekommt. Das hat mir gut gefallen und ich hätte mir für diesen Handlungsstrang mehr Raum gewünscht. Denn er wird groß und spannend aufgebaut, um plötzlich einfach so zu enden. Ich hatte angenommen, das Thora und Nathalie auf dem Rückflug ins Solsystem noch mal angegriffen werden, aber sie kommen problemlos bei NATHAN an und treffen sich mit Perry Rhodan zum »Kaffeekränzchen«. Da war ich etwas enttäuscht.

So richtig aufgewacht bin ich erst im letzten Drittel des Romans, als auf dem Fragmentraumer vor Lyrie plötzlich ein Nakk auftaucht. Doch das Auftauchen ist nur kurz und es wird schnell, meiner Meinung nach zu schnell, darüber hinweggegangen. Auch ein Versprechen, das im Roman nicht eingelöst wird.

»Jenseits der Stimmen« verspricht viel und löst nur wenig davon ein. Zumindest was meinen Wünsche an einen NEO-Roman angeht. Rüdiger Schäfer schreibt gewohnt gefühlsbetont, kann mich dieses Mal aber nicht packen. Es waren mir einfach zu viele Innenansichten und ein zu wenig an Handlung.

Lustiges vom Mars

So, zweiter Versuch: Der erste ist beim Aktualisieren des Browser verschwunden. Die Arbeit einer halben Stunde einfach futsch …

Die Rezensionen in Fanzines überblättere ich meistens. Nicht, das sie mich nicht interessieren, sondern weil ich auf die Idee kommen könnte, das Buch zu kaufen. Irgendwann kommen unsere Bücherregale an ihre Grenzen. Bei der letzten Ausgabe des »Paradise« vom Terranischen Club EdEN kam ich aber nicht aus. Die hatten zur Rezension eines Comics ein Interview mit dem Zeichner abgedruckt und eine Leseprobe. Die hat mich so begeistert, dass ich mir den Comic glatt bestellt habe.

»Elon & Jeff on Mars« ist eine wunderbare Satire über zwei Milliardäre. Die Ähnlichkeiten zu lebenden Personen sind beabsichtigt.

Elon Dusk Chef des Automobilherstellers »Edison« und Jeff Jezos der Gründer von »TheShop« veranstalten einen Wettflug zum Mars. Warum? Weil sie es können! Dort angekommen, langweilen sie sich alsbald und wollen zurück. Doch ihre KI hat andere Pläne …

Der Autor des Comics Marc-Uwe Kling, ja der mit den Känguru-Chroniken, hat den beiden Milliardären witzige und sehr passende Dialoge in den Mund gelegt. Die Dekadenz und die Abgehobenheit wird deutlich gemacht und auch das Scheitern der beiden an den einfachsten Handgriffen. Ihre Rivalität ist köstlich inszeniert und Matt Damon, der für Dusk seine Figur aus »Der Marsianer« verkörpern muss, ist super eingeflochten.

Zeichner Bernd Kissel hat die Charaktere sehr gut getroffen und die Geschichte im frankobelgischen Stil hervorragend umgesetzt. Es macht extrem Spaß den Comic zu lesen.

Jedem der toll gezeichnete Satire mag und mal herzhaft lachen möchte, empfehle ich diesen Comic.

Ende und Anfang eines Universums

Quelle: Perrypedia

PERRY RHODAN NEO Band 369 – »Das Konzil« von Rüdiger Schäfer

Nach seinem Zusammenbruch wird Perry Rhodan Zeuge der Lebensgeschichte des letzten Zgmahkonen Dramoth. In einem Universum vor dem der Menschen erkennen die Bewohner, dass ihr Universum sterben wird. Sie beschließen, sich in das Nachfolgeuniversum zu retten. Wissenschaftler aus sieben fortschrittlichen Zivilisationen, dem Konzil der Sieben, entwickeln eine Möglichkeit Teile ihrer Galaxie in Granulone zu verkapseln und von ihrem sterbenden Universum zu trennen.
Dramoth als führender Wissenschaftler ist bereit, sich während eines Testlaufs für das Projekt zu opfern. Doch die Strahlung, die ihn trifft, tötet ihn nicht, sondern wandelt seine Körperstruktur um. Er wird unsterblich und erlebt das Ende seines Universums und die Geburt eines neuen Universums mit. Doch das Projekt hat fatale Folgen für das junge Universum, bei dem es sich um das uns bekannte NEOversum handelt. Dieser Geburtsfehler erklärt die unzähligen kosmischen Bedrohungen, gegen die Perry Rhodan und die Menschheit in der Vergangenheit zu kämpfen hatten. Vom Creaversum über Catron bis zur Symaios, für all diese Phänomene liegt die Ursache in der von den Granulonen gestörten Geburt des Universums.
Dramoth erkennt das und möchte es am liebsten rückgängig machen, doch die Zgmakohnen sind während ihrer Isolation im Granulon ausgestorben. Das Konzil der Sieben ist zerfallen. Es gibt niemandem, der ihm helfen kann. Außerdem planen die Laren den Durchbruch ins Einsteinuniversum, in dem sie die Frequenz des Quantenflimmerns des Einsteinraums ihrem eigenen anpassen. Durch den Kollaps des Vela-Pulsars ist die Verbindung zwar unterbrochen, doch die Laren könnten Mittel und Wege finden, sie wieder herzustellen und die Milchstraßenvölker zu bedrohen.
Dramoth tritt dem todkranken Perry Rhodan gegenüber und warnt ihn, dass die Gefahr durch die Laren keineswegs vorüber ist. In einem letzten großen Akt überträgt er seine Lebensenergie auf den sterbenden Terraner, dann findet der unsterbliche Zgmakohne seine letzte Ruhe.
Perrys Körper regeneriert sich schnell und bald sieht er sich mit dem Aufstand der Posbis in der Lokalen Blase der nächsten Katastrophe gegenüber.

Wow! Was für eine komplexe Erzählung. Ich mag ja die technischen und wissenschaftlichen Erläuterungen von Rüdiger Schäfer sehr. Er hat sich fundiertes Wissen über die Entstehung des Kosmos angeeignet und lässt uns nun in großer Detailtreue daran teilhaben. Allein für die Darstellung der Zivilisation der Zgmakohnen hätte er einen Literaturpreis verdient. Das klingt fremdartig und vertraut zu gleich. Aber manchen Leser könnte die Vielzahl an Fremdwörtern und das Technobabble abschrecken, weil es eine hohe Konzentration beim Lesen erfordert.

Die Zitate, die der Autor seinen Protagonisten in den Mund legt, zeugen von großer Klugheit und einem riesigen Erfahrungsschatz. Ebenso die philosophische Ansichten der fremden Gesellschaften. Mit den zwischenmenschlichen (bzw. zwischenspezies) Interaktionen kann mich der Autor ebenfalls einfangen. Ich stelle mir dabei immer die Frage, wie viel davon auf seinen eigenen Erfahrungen basiert.

Der Roman kommt ohne nennenswerte Aktion aus und nur mit einer beschränkten Anzahl an Dialogen, dennoch ist er zu keiner Zeit langweilig. Was beweist, dass es keine Raumschlachten oder Zweikämpfe und auch keine Dialoge benötigt, um eine spannende Geschichte zu erzählen. Die Spannung entsteht aus dem inneren Konflikt Dramoths, seinen Bedenken und seinen Schuldgefühlen.

Eines ist mir aber dann doch nicht so klar geworden. Rüdiger Schäfer schreibt zu Dramoth: »Seine Unsterblichkeit war nie ein Geschenk gewesen, sondern eine Funktion. Er blieb am Leben, solang die Granulone existierten – und die Granulone existierten, solang er am Leben blieb.«
Wenn er am Ende in Perrys Armen stirbt, sollte das nicht auch das Ende für die Granulone bedeuten? Und damit auch für die Bedrohung durch die Laren?

Die Zwischenkapitel aus der Sicht Thoras, gehen ebenfalls ans Herz. Da ist eine starke selbstbewusste Frau, die sich um ihren geliebten Mann sorgt und zugleich als Anführerin Zuversicht ausstrahlen muss. Ihre emotionale Zerrissenheit hat Rüdiger Schäfer sehr gut eingefangen und transportiert sie auf die Leser. Damit hat er mich nicht nur einmal im Roman zum Weinen gebracht.

»Das Konzil« setzt einen starken Schlussstrich unter eine eher schwache Staffel. Der Roman punktet, durch die vielen kosmologischen Details und eine starke emotionale Bindung an den Protagonisten. Der Roman erklärt zudem viele offene Fragen und setzt den Kosmologischen Entwicklungen des NEOversums ein vorläufiges Ende. Lesenswert ist der Roman auf alle Fälle.

Mein Staffelfazit

Vielleicht war die Bedrohung durch die Laren zu überdimensioniert. Sie lässt Perry und Co kaum eigene Angriffspunkte und keine Möglichkeiten zur Lösung der Probleme. Gefangen in einem fremden Teiluniversum mit übermächtigen Gegnern und ohne starke Verbündete hatten die Terraner von Anfang an keine Chance. Das daraus resultierende Flüchten, Verstecken, enttarnt werden und wieder Flüchten ist der einzige rote Faden zwischen den Geschichten.

Es gab ein paar gute Einzelromane, aber auch viele Schwachstellen. Die Ungereimtheiten innerhalb des Weltenbaus waren deutlich stärker ausgeprägt als in anderen Staffeln. Da scheint die Absprache untereinander nicht so richtig funktioniert haben. Woran man sehr gut erkennt, das PERRY RHODAN Teamarbeit ist und jeder seinen Teil zur Serie beitragen muss, damit sie reibungslos funktioniert. Das gilt bei NEO genauso wie bei der Hauptserie.

Außerdem merkte man den von Rüdiger Schäfer als »Übergangsstaffel« bezeichneten zehn Romanen an, welchen Einfluss Rainer Schorm auf die Serie gehabt hat und wie wichtig er für NEO in den vergangenen Jahren gewesen ist. Sein Ideenreichtum und die Fähigkeit das Große und Ganze im Blick zu behalten, fehlte und zementiert sich in dem chaotischen Verlauf der Pulsar-Staffel, bei der die Auflösung am Schluss die komplette Handlung erklärt. Anstatt, dass die einzelnen Romane eine Spur zum Finale legen zu lassen.

Nun, schauen wir nach vorn auf die nächste Phase der NEO-Serie mit dem neuen Expokratenteam Rüdiger Schäfer und Kai Hirdt.

Vogelwilde Action

Quelle: Perrypedia

PERRY RHODAN NEO Band 366 – »Der Umbrische Gong« von Jacqueline Mayerhofer

Die Flucht von Perry Rhodan und seinen Gefährten zurück ins Einsteinuniversum scheitert und lässt sie auf einer Raumstation der Greikos materialisieren. Das vogelänliche Volk des Konzils der Sieben ist weit fortgeschritten und kommuniziert über Emotionen. Sie stellen die Mediatoren, über die die Konzilsvölker miteinander in Kontakt stehen.
Die Greikos wissen um die Pläne der Laren, einen Feldzug gegen die Milchstraße zu führen. Um sie daran zu hindern dieses Wissen an die Zgmahkonen weiterzugeben, lässt Hotrena-Taak die Raumstation einnehmen und die Greikos einfangen. Diese bitten Perry Rhodan um Hilfe. Etwas das der Terraner selbstverständlich nicht ablehnen kann.

Rhodan und seine Begleiter geraten zwischen die Fronten von Hotrena-Taaks Säuberungsaktionen auf der Raumstation. Sie helfen die Vogelwesen zusammenzuführen, um sie mit einem SEV-Raumer in Sicherheit zu bringen. Dafür müssen sie eine Wanderung auf dem Pfad der Koexistenz unternehmen und die Geheimnisse des Umbrischen Gongs lüften. Am Ende entkommen sie, während die Greikos ein großes Opfer bringen. Sie sind nämlich symbiotisch mit dem Gong und ihrer Station verbunden. Eine Flucht bedeutet, dass sie auf Dauer verkümmern werden.
Hotrena-Taak ist entsprechend erbost darüber, dass ihr die Terraner erneut durch die Lappen gegangen sind und lässt nun jegliche Zurückhaltung fallen. Sie hetzt ihre gefährlichsten Kämpfer auf die Flüchtigen. Unter ihnen Aveline Celestaris.

Nach dem Roman von Stefan Pannor hatte mich wieder die Lust am NEO-lesen gepackt. Die Romane von Jacqueline Mayerhofer gefielen mir bisher ganz gut. Das ist auch bei diesem Roman der Fall. Die Autorin kann sehr gut Kampfszenen schreiben. Da sitzt jeder Hieb. Jeder Einsatz von Waffen ist bis ins Kleinste durchchoreografiert. Man bekommt eine gute visuelle Vorstellung von dem Kampf. Und Kämpfe gibt es in diesem NEO genügend. Perry Rhodan, seine Frau Thora und sogar seine Tochter Nathalie stehen dem kämpferischen Können des Laren-Rebellen Roctin-Par in nichts nach. Wobei der Lare von Jaqueline Mayerhofer etwas anders charakterisiert wird, als von den Autoren und Autorinnen zuvor. Dieser Roctin-Par ist widerspenstiger und auch skrupelloser, was viel besser zu der Philosophie der Laren passt, die sich gesellschaftlich doch sehr von den Terranern unterscheiden. Dies führt dazu, dass er zwischenzeitlich mit Perry Rhodan aneinander gerät und sich die beiden prügeln müssen, bevor sie auf den Pfad der Koexistenz zurückfinden. Das hat mir gut gefallen.

Herausragend ist auch die Darstellung der Greikos. Die wie Schreitvögel aussehenden Konzilmitglieder sind sehr fremdartig, was ihre Technologie und vor allem ihre Kommunikation angeht. Das friedliebende Volk sind geborene Diplomaten, weil sie Gefühle von anderen aufnehmen und ihre Emotionen weitergeben sowie in ihrem Gesprächspartner Gerüche, Bilder und Vibrationen hervorrufen können. Wie das genau funktioniert, bleibt den Terranern verborgen.

Als ebenfalls exotisch erweist sich die Raumstation der Greikos, mit dem Umbrischen Gong. Ich frage mich ja, ob das mit dem Begriff Umbrakinetin zusammenhängt. Wir werden sehen. Denn zu Beginn und am Ende des Romans wird das Schicksal von Aveline Celestaris gezeigt, die von Hotrena-Taak mit kruden Methoden zur Kooperation gezwungen wird.

Eine kleine Information, die beinahe untergeht: Während sich Perry Rhodan auf der Station der Greikos durchkämpft, vergehen für ihn und seine Begleiter nur Stunden. Außerhalb der Station sind inzwischen mehrere Wochen oder sogar Monate vergangen. Ein weiteres Indiz, dass in den Granulonen außerhalb des bekannten Universums mehr seltsame Dinge vorgehen, als die Terraner es sich vorstellen können. Die Leser eingeschlossen.

Mit »Der Umbrische Gong« kommt endlich Bewegung in die festgefahrene Staffel-Handlung. Wir lernen ein weiteres Konzilvolk kennen und werden zum ersten Mal gewahr, mit welcher Skrupellosigkeit Hotrena-Taak ihre Invasionspläne vorantreibt.

Eine neue Hoffnung

Quelle: Perrypedia

PERRY RHODAN NEO 365 – »Neues Leben« von Stefan Pannor

Jahre sind inzwischen vergangen seit Perry Rhodan und seine Gefährten im Vela Pulsar verschwunden sind. Die Suche nach den Verschollenen wird deshalb eingestellt. Einzig Reginald Bull, der Protektor der Terranischen Union will die Hoffnung nicht aufgeben, das Rhodan tot ist.
Doch das ist nicht sein eigentliches Problem. Er sieht sich mit einer Reihe seltsamer Vorgänge konfrontiert, an denen stets die wertvollsten Helfer der Menschen beteiligt sind: die Posbis. Kleinere Zwischenfälle wie entführte Babys auf Cybora, Posbis die auf dem Mond Suizid begehen oder der Einsturz einer von Posbis erbauten Station in der Antarktis fügen sich erst dann zu einem Puzzle zusammen, als Reg auf dem Mars von einer Gruppe Terroristen entführt und bedroht wird. Als die Journalistin Seritha Adoras bei dem Angriff stirbt, begreift der Protektor, dass an den Ermittlungen der Journalistin etwas dran sein muss.
Die Ereignisse überschlagen sich, als die Maschinenwesen sich der TERRANIA II entgegenstellen und fragen: »Seit ihr neues Leben?«

Wann hatte ich das letzte Mal ein ähnlich starkes Gefühl einen echten NEO-Roman zu lesen? Ich weiß es nicht mehr, aber es ist schon ein paar Staffeln her. Stefan Pannor hat mir mit seinem bodenständigen und dennoch futuristischen NEO den Glauben an die Serie zurückgegeben.

Reginald Bull hat in der Rolle des Protektors schon so einiges durchgemacht. Immer wieder stand er bei Krisen an vorderster Front, während Perry Rhodan in den Weiten des Weltraums unterwegs war. Es ist schön zu lesen, dass die Freundschaft der beiden so unterschiedlichen Männer nicht oder nur wenig darunter gelitten hat. Bull ist Rhodan nach wie vor eng verbunden und will es nicht akzeptieren, als man ihn für tot erklärt.

Die Journalistin Seritha Adoras, die mehr Cyborg als Mensch ist, hat Bulls Zwiespalt und seine Bedeutung für die Terraner erkannt und möchte über ihn schreiben. Sie scheint zunächst die einzige zu sein, der das ungewöhnliche Verhalten der Posbis auffällt. Bei ihren Ermittlungen wird sie irgendwann selbst zum Opfer. Ich finde gut, wie Stefan Pannor hier die Bedrohung deutlich macht, ohne die Hintergründe aufzudecken. Vieles bleibt noch im Dunkeln, dennoch bekommt man ein mulmiges Gefühl, von dem was da passiert.

Bis auf ein oder zwei kleinere Details sieht es so aus, als stecke der Autor fest in der Materie. Für ein NEO-Debüt ist der Roman erstaunlich dicht an der Handlung und den Figuren dran. Ich bin mir nicht sicher, ob es gute journalistische Recherche war, oder ob der Autor selbst die Serie liest. Das habe ich ihn beim NEO-Panel leider nicht gefragt.

»Neues Leben« ist nach den Irrungen und Wirrungen dieser und der vergangenen Staffel mit ihrer Gigantomie ein erfrischender Exkurs zurück in die gute alte NEO-Zeit, als es »nur« um innenpolitische Rangeleien, rätselhafte Geschehnisse und die innere Zerrissenheit der Charaktere ging. Genau das vermisse ich seit einiger Zeit und wünsche mir sehr, in den folgenden Staffeln wieder mehr davon zu lesen.