Anzeigen für Adleraugen

Ich war am Wochenende mal wieder mit der Deutschen Bahn unterwegs. Sagen wir mal so, es lief erstaunlich pünktlich ab, bis auf die Viertelstunde, die der Regionalzug am Freitagmorgen verspätet losfuhr. Begründung: Grenzkontrollen!

Frage: Warum gibt es eigentlich noch immer Grenzkontrollen zwischen Deutschland und Österreich? Die wurden während der Flüchtlingskrise 2015 eingeführt und nie wieder abgeschafft. Das ist doch eine eklatante Verletzung der Schengener Verträge. Oder sehe ich das falsch?

Jedenfalls war ich überrascht, dass ich sowohl am Freitag als auch am Montag pünktlich angekommen bin. Die Sprints beim Umsteigen zähle ich inzwischen als Fitnesstraining. Einzig, die Regionalbahnen waren wieder pumpvoll. Ich frage mich ja, wer da eigentlich fährt? Diejenigen, die sonst immer gefahren sind, jedenfalls nicht. Ansonsten sieht man da Gestalten, denen möchte man nicht im Dunkeln begegnen und eigentlich auch nicht zu nahe kommen. Wahrscheinlich sind einige von denen, die jetzt mit dem 9-Euro-Ticket unterwegs sind, noch nie mit einem öffentlichen Verkehrsmittel gefahren, denn es mangelt massiv an Anstand und Benehmen. Da wird sich schon in den Zug reingedrängelt, da sind die Leute noch beim Aussteigen. Ich musste eine Familie lautstark auffordern, damit sie die Passagiere aus der Regionalbahn erst einmal haben aussteigen lassen. Dann werden die Sitze mit Koffer, Taschen und Füßen belegt, obwohl Leute in den Gängen stehen müssen, weil sie keinen Sitzplatz haben. Wenn man dann höflich daraufhin weist, das andere vielleicht auch sitzen wollen, wird man noch blöd angemacht. Die Zugbegleiter lassen sich gar nicht mehr sehen, wahrscheinlich eben aus dem Grund, oder weil sie ohnehin nicht mehr durch den Zug kommen. Das ist schon echt lästig. Die Bahner haben jedenfalls die Schnauze gestrichen voll. Ich kann es ihnen nicht verübeln.

Ich bin auch für einen bezahlbaren Nahverkehr, aber diese Aktion ist völlig falsch. Vielleicht sollte man sich vorher erstmal bei der Bahn erkundigen, ob die überhaupt die Ressourcen für so eine Aktion haben. Und außerdem finde ich 9 Euro im Monat einfach zu wenig Geld. 29 Euro hätte ich angemessener gefunden. Oder gleich ein 365 Euro Ticket fürs ganze Jahr. Mich wundert übrigens nicht, dass der CO2-Ausstoß durch das 9-Euro-Ticket nicht weniger geworden ist. Diejenigen, die konnten, sind nämlich aufs Auto umgestiegen.

Theorie

Das Beste an der Deutschen Bahn ist aber die zunehmende Digitalisierung. Da entdecke ich doch im Schaukasten des Wagenstandanzeigers ein Plakat. Dort steht, dass es ab sofort keinen Wagenstandsanzeiger mehr in Papierform gibt. Dafür sollen die Wagen in Echtzeit am Display angezeigt werden. Einerseits eine vernünftige Sache, denke ich, da die Anzeige in den letzten Jahren sowieso kaum mehr mit der Wirklichkeit übereingestimmt hat. Andererseits sollte aber die Anzeige das dann auch können. Was nämlich nicht überall der Fall ist. Die neueste Generation der Anzeigen am Bahnsteig kann das nämlich nicht.

Wirklichkeit

In Traunstein hat man vor kurzem die Displays getauscht. Weil man auf der neuen Anzeige, ja so viele Informationen mehr anzeigen kann. Das Problem ist aber, dass jemand, der nicht über einen Adlerähnlichen Blick verfügt, die angezeigten Informationen kaum entziffern kann. Hat es vorher gereicht, zehn Meter von der Anzeige wegzustehen, um alles gut zu erkennen, so kann man den Text jetzt nicht mal mehr lesen, wenn man zwei Meter davor steht. Das Beste ist ja. Dort wird die Wagenreihung aus Platzgründen nur zirka angezeigt, also nur erste und zweite Klasse ohne Wagennummern. Was für ein super Service. Da braucht man hellseherische Fähigkeiten, um zu wissen, wo jetzt der Wagen zum Stillstand kommen wird, in den man einsteigen möchte.

Welch ein Fortschritt! Ich frage mich ja immer: Wer heckt sowas aus? Wahrscheinlich niemand, der mit dem Zug fährt. Das muss man doch vorher testen, wie groß eine Anzeige sein muss, damit man sie auch in größerem Abstand auf einem Bahnsteig noch lesen kann. Dafür gibt es doch auch sicher irgendeine DIN-Norm.

Ich sehe schon, die Unfähigkeit verbreitet sich überall mit zunehmender Geschwindigkeit. Bei der Deutschen Bahn anscheinend noch schneller als anderswo.

3 thoughts on “Anzeigen für Adleraugen

  1. Diese Mini-Anzeigen sind mir auch schon unangenehm aufgefallen. Dazu passt eine weitere neue Idiotie: Bei manchen ICEs (ich nehme an, es sind welche einer neueren Generation) werden die digitalen Wagenstandsanzeiger erst aktiviert, wenn der Zug schon fast am Bahnsteig zum stehen gekommen ist. Wenn die Wagen mal wieder abweichend gereiht sind, sieht man das also erst so spät, dass man entweder am Bahnsteig rennen oder sich nach dem Einsteigen durch die Menschenmassen quälen muss. Grrr!

  2. Wie wahr. Wer erleben möchte, wie ein modernes, effizientes Bahnsystem funktionieren kann, dem empfehle ich eine Reise nach Japan. Pünktliche saubere Züge. Markierungen am Bahnsteig, die angeben, wo welcher Wagen hält – und es stimmt! Getrennte Wagen für Gäste ohne Reservierung. Gute Taktung. Sitzplätze, auf denen man immer in Fahrtrichtung sitzt u.v.m.

  3. Oh ja, die neuen Anzeigen. Keine Ahnung für was das gut sein soll. Auf Großbahnhöfen, okay, wenn alle 5 Minuten ein anderer Zug auf dem Bahnsteig steht.

    Aber auf einem kleineren Regionalbahnhof haste dann stehen 16:00 Uhr, 17:00, 18:00 Uhr, alles die gleichen Züge in die gleiche Richtung . Da macht das keinen Sinn, zumal man es einfach nicht mehr lesen kann. Gleisänderungen oder so erkennt man eher an dem weißen Balken über der regulären Anzeige, als dass man wirklich lesen könnte was da steht.

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