Silvesterboykott

Paris 2016-17

Ich war nie die große Partygängerin. Silvester fand für mich meist daheim auf der Couch statt. Ich erinnere mich, in München mal auf zwei oder drei Silvesterpartys gewesen zu sein, aber in den letzten Jahren, fand ich Silvester eher doof.

Man hockt da, wartet bis es Mitternacht ist, frißt unnötig irgendwelche Snacks in sich rein, die einen erstens nicht bekommen und zweitens auf den Hüften landen und freut sich, wenn man endlich ins Bett gehen kann. Das Fernsehprogramm ist noch grauenhafter als sonst. Auf Pro7 läuft die hundertste Wiederholung von »Schuh des Manitu«. ARD und ZDF strahlen irgendwelche Schlagerpartys aus, in denen Leute frierend vorm Brandenburger Tor stehen, anstatt gemütlich daheim im Warmen zu sitzen.

Ich habe Silvester in NYC erlebt, frierend bei Minus fünfzehn Grad im Central Park, weil man schon am Nachmittag am Times Square nicht mehr aus der U-Bahn kam vor Menschen. Es war kalt, das Feuerwerk war unspektakulär und der Weg zurück nach Queens fand in vollgestopften Zügen statt. Ich bin anschließend erstmal in die Badewanne, damit mir wieder warm geworden ist.

2016/2017 waren wir Silvester in Paris. Was haben wir gemacht: Wir haben im Hotelzimmer bist kurz vor Mitternacht gewartet, standen dann am Les Colonnes de la Barrière du Trône in der Kälte – um uns rollte der Verkehr – und wir haben mit alkoholfreiem Sekt angestoßen.

Nein, ich kann nicht sagen, dass ich ein großer Fan von Silvester bin. Ich bleibe eigentlich nur auf, um das Feuerwerk zu sehen. Da das in diesem Jahr ausfällt – hin und wieder hört man es draußen trotzdem knallen – habe ich beschlossen, diesen Abend so wie jeden Abend zu verbringen. Mein Mann und ich werden uns eine Pizza teilen, wir werden einen Film gucken und zwischen zehn und elf Uhr ins Bett gehen. Das Telefon schalten wir aus, falls wer anruft.

Das Jahr 2020 war anders, da kann man Silvester auch mal ausfallen lassen. Zu feiern gibt es ohnehin wenig bis nichts. Selbst wenn 2021 die Pandemie eingedämmt werden kann, die wirtschaftlichen und gesellschaftlichen Folgen werden uns noch Jahre, wenn nicht Jahrzehnte beschäftigen. Denn die richtig harte Welle, nämlich die Pleitewelle steht uns noch bevor. Die nachfolgenden Generationen, die das ausbaden und bezahlen müssen, werden uns später mal Vorwürfe machen, wie wir es soweit haben kommen lassen. Da mögen sich unsere unfähigen Politiker noch so stolz auf die Brust klopfen. Das dicke Ende kommt erst noch.

In dem Sinne ein Happy New Year, vielleicht wird es nicht ganz so »unhappy« wie 2020.

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