Selbstüberschätzung von Hobbyautoren

Sechs Schreibseminare, ein Schreibcoaching und fast dreißig Jahren Schreibpraxis, dennoch bezeichne ich mich als »Möchtegernautorin«. Was auch irgendwie passt. Außer Veröffentlichungen im Fanbereich kann ich nicht viel vorweisen. Manch einer wird mir zustimmen, ein andere vielleicht wegen meiner redaktionellen Tätigkeit für die PERRY RHODAN- Serie widersprechen. Wenn ich ein größeres Ego hätte, würde ich sicher selbstbewusster auftreten. So ein bisschen mehr Ego schadet nicht. Allerdings gibt es unter den Hobbyautoren immer wieder einige, die schwer an Selbstüberschätzung leiden und das nicht mal mitbekommen, sondern damit auch noch offen hausieren gehen.

Dieser Tage kochte im PR-Forum mal wieder eine solche Diskussion hoch. Da gibt es einen Fan, der unbedingt mal einen PERRY RHODAN-Roman schreiben möchte. Mit diesem Wunsch steht er nicht allein da. Diesen Wunsch hegen insgeheim viele Fans. Die Wenigsten würden das aber so offen kommunizieren. Das er das tut ist, an sich auch nicht weiter wild. Es haben sich sogar PR-Autoren gefunden, die dem Foristen Vorschläge gemacht haben, es doch zunächst mit einer STELLARIS-Kurzgeschichte zu versuchen.

Offenbar gefällt das dem Autor nicht, weil die STELLARIS-Geschichten einen moralischen Konflikt enthalten müssen. (Wie eigentlich jede gute Geschichte und jeder gute Roman.) Vielleicht scheut er aber auch die Arbeit, die eine Überarbeitung eines solchen Textes nach sich zieht. Es wäre nicht das erste Mal, dass ein Hobbyautor daran scheitert. Das musste ich gerade leidvoll erfahren, als ein Autor die garantierte Veröffentlichung seiner FanEdition ausgeschlagen hat, weil ihm die Überarbeitung seines Manuskriptes zu mühevoll erschien. Drei Wochen Lektoratsarbeit von mir für die Katz.

Jedenfalls hat heute Susan Schwartz, langjährige PERRY RHODAN-Autorin und Verlegerin, im Forum etwas dazu geschrieben. Sie, die Schreibkurse und Coaching anbietet, bringt es auf den Punkt. »Man kommt … nicht als perfekter Autor auf die Welt, es ist ein langer dorniger Weg.« Selbstüberschätzung hilft da nicht weiter, auch kein großes Ego. Letztendlich werden solche Autoren meist von den Lesern überführt, wenn das Ergebnis nicht stimmt und keiner ihre Bücher liest.

Ich denke darüber nach, den Autor zu fragen, ob er nicht eine FanEdition schreiben möchte. Zwar bekommt man dafür kein Honorar, aber immerhin eine Analyse des Exposés sowie ein professionelles Lektorat. Und was noch wichtiger ist, die PRFZ garantiert dem Autor eine garantierte Veröffentlichung.

Ich danke Susan Schwartz für ihre deutlichen Worte, und das sie den Mut hatte, sich im PR-Forum so offen dazu zu äußern. Wer den Wortlaut nachlesen möchte, den verweise ich auf den Foreneintrag:

5https://forum.perry-rhodan.net/viewtopic.php?p=691235#p691235

 

7 thoughts on “Selbstüberschätzung von Hobbyautoren

  1. Au weia, das Internet-Phänomen. Solche Leute gab e früher auch schon, die sich in Fanzines und auf Leserbriefseiten ausgelassen haben, aber da erschien das noch harmloser. Bei allen Segnungen des Internets hat es doch die Hemmschwellen für Menschen, die keine Hirn-Mund-Schranke (bzw. Hirn-Tastatur-Schranke) besitzen, sehr herabgesetzt. :-)
    BTW: Wo ich gerade die Expertin am anderen Ende habe. Wieviel Kenntnis der aktuellen PR-Handlung braucht es denn für eine Stellaris-Geschichte?

    1. „Bei allen Segnungen des Internets hat es doch die Hemmschwellen für Menschen, die keine Hirn-Mund-Schranke (bzw. Hirn-Tastatur-Schranke) besitzen, sehr herabgesetzt. “

      Ich denke nicht, dass die Hemmschwelle herabgesetzt wurde. Lediglich die technische Schwelle der Veröffentlichung wurde deutlich geringer. Musste man früher einen Brief frankiert zur Post bringen oder ein Fanzine selbst herstellen oder jemand finden der das Pamphlet stellvertretend abdruckt, so ist es heute nur noch ein Klick auf eine Taste und schon hat man etwas ans globale schwarze Brett genagelt.

      Deshalb denke ich nicht, dass es heute weniger Hirn gibt als früher, es braucht nur weniger um den Nichtinhalt zu verbreiten.

        1. Passt schon, offensichtlich interpretieren wir das Wort Hemmschwelle unterschiedlich. Für mich ist das etwas psychologisches, im inneren Dialog ausgefochtenes. Technische Hürden zähle ich da nicht dazu.

  2. Wohl wahr. Mittlerweile nenne ich mich selbst Autor, ich glaube, das geht unter dem Strich jetzt doch in Ordnung. Aber der Weg bis hierhin war steinig, schräg, kurvig und völlig verrückt. Und ich bin in einigen FB-Gruppen für Autoren. Da begegnen einem tatsächlich sehr skurrile Gestalten, die sie auch Autor nennen, bei denen ich aber nur den Kopf schütteln kann. Völlige Selbstüberschätzung oder manchmal auch totale Fehleinschätzung sind da nicht selten.

    1. Ich habe kürzlich von einem befreundeten Autor die schöne Formulierung gehört: „Es gibt genug Leute, die skrupellos genug sind, ihre Schreibe zu veröffentlichen.“ Klingt hart, aber wenn ich gerade in der Selfpublisher-Szene (die ich hiermit ganz ausdrücklich NICHT generell verdamme!) immer wieder auf Diskussionen stoße, in den man sich *ernsthaft* darüber unterhält, ob ein Lektorat wirklich nötig sei, dann kann ich das Körnchen Wahrheit darin sehen.

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