Arbeit für lau

Die Wochen von September bis Weihnachten sind in der Baubranche besonders stressig. Alle Häuslebauer wollen am liebsten noch vor Weihnachten einziehen. Oder die Besitzer von Häusern haben Angst, dass ihre Heizung über die Feiertage ausfallen könnte und wollen schnell noch mal einen Termin zur Wartung der Heizungsanlage. Wobei erfahrungsgemäß genau dann anschließend etwas kaputt geht, was garantiert ohne Wartung nicht kaputtgegangen wäre, zumindest nicht kurz danach. Murphys Gesetz!

Zu den laufenden Bauprojekten kommen die Bauvorhaben fürs nächste Frühjahr, deren Planung gerade anläuft. Dementsprechend hektisch geht es momentan bei uns auf Arbeit zu. Alle miteinander, ob im Büro oder draußen auf den Baustellen könnten in diesen Wochen Tag und Nacht arbeiten. Wobei vor allem im Büro ein Teil der Arbeit für die Katz ist. Warum?

Ganz einfach: Neben dem Schreibtisch meiner Kollegin stapeln sich die Schütten mit den Bauvorhaben, für die wir Angebote gemacht haben, für die wir aber keinen Auftrag erhalten haben. Ein Angebot ist für den Kunden immer kostenlos. Er entscheidet, ob er es annimmt oder ablehnt. Wenn ich zusammenrechne, wie viele Angebote allein ich in diesem Jahr bereits zusammengestellt habe, aus denen nichts geworden ist, kommen mindestens 4 bis 6 Wochen heraus, die ich vergebens gearbeitet habe. Das ist im Handwerk aber völlig normal. Man muss damit rechnen, dass vierzig bis fünfzig Prozent der Angebote nicht zustande kommen. Das heißt, man muss sich für viele Bauvorhaben ins Zeug legen, um genügend Aufträge zusammenzubekommen.

Man könnte meinen, dass man dann die Angebote eben Pi mal Daumen zusammenstellen muss. Kann man machen, sollte man aber nicht, wenn man sich nicht verkalkulieren will. Man muss berücksichtigen, dass die Großhändler alle halbe Jahre ihre Preise anpassen, dass es zu unvorhergesehenen Problemen kommen kann, dass man vom Kunden durchaus ans Angebot gebunden wird und Nachträge nur bedingt durchsetzen kann. Zu hoch sollte man aber auch nicht kalkulieren, sonst braucht man das Angebot gar nicht erst abgeben.

Hin wie her, es ist schwierig hier den goldenen Mittelweg zu finden. Was meistens hilft, wenn man eine Zusage haben möchte, ist dass man etwas mehr Anstrengungen investiert. Ein schöner Plan, eine sauber dargelegte Kostenauflistung und eine professionelle Aufmachung schon beim Angebot überzeugen zumindest diejenigen Kunden, denen nicht nur daran gelegen ist, alles möglichst billig zu bekommen. Aber wie gesagt, das klappt nicht immer.

Momentan brauchen wir uns aber über mangelnde Aufträge nicht zu beschweren. Wir müssen manche Bauvorhaben, die an uns herangetragen werden, sogar ablehnen, einfach, weil wir das personell nicht auf die Reihe kriegen. Denn hier liegt das eigentliche Problem, woran nicht nur die Baubranche, sondern das ganze Handwerk krankt – fehlendes Fachpersonal.

Einen guten Facharbeiter oder einen engagierten Azubi zu finden, ist fast schon so selten wie ein Sechser im Lotto. Unseren Azubi aus dem September hat der Chef wieder vor die Tür setzen müssen, wegen mangelnder Motivation und großer Klappe. Sprich der Junge blieb einfach in den Herbstferien zu Hause, weil er meinte, es seien ja Ferien und sein Verhalten auf der Baustelle ließ so zu wünschen übrig, dass ihn am Ende keiner der Gesellen mehr mitnehmen wollte.

Wenn so jemand dann mitbekommt, dass man sich hin und wieder für umsonst anstrengen muss, geht wahrscheinlich gar nichts mehr. Da sorge ich mich ernsthaft ein wenig um die Zukunft. Ich für meinen Teil habe Spaß an der Arbeit und mache sie gern, selbst wenn ich weiß, dass daraus vielleicht nichts wird, denn manchmal ist es besser so.

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