Orakeln über die SOL

Quelle: Perrypedia

PERRY RHODAN-Mission SOL 6 – »Das Orakel von Takess« von Hermann Ritter

Stilistisch hat mir der Roman von Hermann Ritter außerordentlich gut gefallen, viel besser als die beiden Vorgängerromane. Der Autor schreibt in einem angenehmen Sprachduktus. Ich hätte mir hin und wieder weniger genaue Beschreibungen der Szenerie gewünscht, weil mir das mehr Spielraum für die eigene Phantasie lässt und für das Voranschreiten der Handlung förderlicher ist. Doch das ist Jammern auf hohem Niveau. Ich würde mich freuen in Zukunft mehr vom ehemaligen Autor der Clubnachrichten zu lesen.

Was den Inhalt des Romans angeht, bin ich nicht ganz so euphorisch. Dabei hat mich weniger das Wallfahrten von Perry und Co gestört, als das unsägliche Verhalten von Mahlia Meyun. Ganz ehrlich, ich hatte mich echt gefreut, als Kai Hirdt im ersten Band diesen Charakter eingeführt hatte. Endlich eine taffe Frau, die auch mal Gefühle zeigt und dennoch ihren Weg geht. Eine Frau die intelligent ist, über Autorität verfügt und schwierige Entscheidung zu treffen weiß.

Leider ist nach Band 6 der Miniserie nicht mehr viel von dieser Frau übrig. Mahlia gebärdet sich zunehmend trotzig, weinerlich und scheint auch nicht mehr rational denken zu können. Klar hat sie einiges mitmachen müssen, aber sie verzagt und gibt anderen die Schuld, statt sich zusammenzureißen und vorwärts zu blicken. Das Exposé hat der Figur ihren Schimmer genommen, sie von der Protagonistin zur Antagonistin gemacht. Am liebsten würde ich ihr und dem Exposéautor dafür in den Hintern treten.

Vielleicht war der Charakter von vornherein zum Scheitern verurteilt. Ist es glaubwürdig, dass eine Mutter ihre beiden Kinder zurücklässt, um einem Fremden auf eine ungewisse Mission zu folgen, die ihr persönlich nichts bringt? Hätte es nicht näher gelegen, dass sie sich für die Talbewohner einsetzt, um ihnen und ihrer Familie da rauszuhelfen? Was glaubt sie, wie die Talbewohner sie empfangen, jetzt, Wochen später? Sie haben sie doch schon beim letzten Mal zum Teufel gejagt.

Die Herausforderung bei der Figur der Mahlia liegt darin, dass sie Mann und Kinder hat. Da bleiben nur wenige Optionen. Fühlt sie sich der Familie verbunden, wäre sie nicht weggegangen. Fühlt sie sich der Gemeinschaft der Talbewohner verbunden, hätte sie sich bei Rhodan für deren Schicksal eingesetzt. Fühlt sie sich aber Perry Rhodan verbunden – und so sah es zunächst aus – dann sollte sie ihre Entscheidung nicht ständig hinterfragen. Sie hatte die Wahl. Sie traf die Entscheidung mit ihm zu gehen, dann muss sie das jetzt auch durchstehen.

Ich finde gerade das macht doch eine starke Persönlichkeit aus: jemand der sich von Schicksalsschlägen nicht gleich aus der Bahn werfen lässt. Jemand der einmal getroffene Entscheidungen, seien es auch Fehlentscheidungen, akzeptiert und das beste draus macht. Jemand, der an der Verzweiflung wächst. Natürlich darf die Figur bedauern, aber letztendlich muss sie vorwärts blicken.

Ich gehe mal von mir aus. Ich habe schon viele Entscheidungen im Leben getroffen, einige waren nicht so clever, wie gedacht. Aber ich habe mich immer zusammengerissen und nie die Schuld für meine Lage bei anderen gesucht. Ich habe weitergemacht und auf Chancen gewartet. Ich habe mich von Rückschlägen nicht umwerfen lassen, dass sollte übrigens niemand. Aufgeben war für mich nie eine Option. Aufgeben und sich einigeln ist leicht, sich durchzubeißen schwieriger aber lohnenswerter, auch wenn man das in dem Moment vielleicht nicht so sieht. Wenn Kai Hirdt Mahlia so darstellen wollte, dann kommt das leider überhaupt nicht rüber.

Mahlia muss klar sein, dass eine Rückkehr in ihr gewohntes Leben nicht möglich ist, weil sich auch das Leben im Dorf geändert hat. Soviel Intelligenz traue ich ihr zu, dass sie das begreift. Leider ist alles was ich bei der Figur noch spüre, Verbitterung. Damit hat sie sich bei mir als Leserin, und ich meine das vom Standpunkt als Frau, disqualifiziert. Den Charakter so zu verweichlichen, war in meinen Augen kein guter Schachzug und macht sie keineswegs so glaubwürdig, wie vom Exposéautor erhofft. Schade!

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