Christinas Multiversum

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Handyverträge von Anno dazumal

Die großen Mobilfunkanbieter scheinen ein Problem zu haben, vielleicht sogar mehrere. Seit die EU die Auslandstarife egalisiert hat, verdient es sich wohl nicht mehr so gut und da müssen anscheinend Mittel und Wege gefunden werden, um an Geld zu kommen.

Ich hatte für meine Eltern einen Handyvertrag abgeschlossen. Irgendwann Mitte der 2000er muss das gewesen sein, also noch zu Zeiten als Smartphones noch nicht das Nonplusultra waren. Nun erzählte mir meine Mutter am Wochenende, dass seit Tagen jemand Unbekanntes auf ihrem Handy anrief und mich sprechen wolle. Ich war verdutzt, kennen doch die Nummer meiner Mutter nur wenige Eingeweihte. Und vor allem, woher wussten die Anruferin meinen Namen?

Heute morgen klingelte es wieder. Eine Frauenstimme nuschelte mir einen Namen entgegen und fragte, ob ich denn diejenige welche bin. Dann schwafelte sie etwas von einem Handytarif. Ich fragte erstmal ziemlich patzig, wie sie denn zu dieser Nummer und meinem Namen käme. Das stände doch hier in den Vertragsdaten, offenbarte sie mir. Da begann ich zu verstehen, fragte aber sicherheitshalber noch mal nach, von welcher Firma sie denn anrief. Es stellte sich heraus, dass es mein Mobilfunkanbieter war und sie mir mitteilen wollten, dass der Handytarif meiner Eltern nicht mehr verlängert werden könne, weil er nicht »der neuesten Technik« entspräche. Das wäre auch aus einer SMS hervorgegangen, die sie vor ein paar Tagen verschickt hätten.

Ich versuchte ihr klarzumachen, das meine Mutter mit fast 80 Jahren keine Ahnung habe, was eine SMS ist und schon gar nicht, wie sie die auf dem winzigen Handydisplay ihres Nokia-Handys lesen kann. Die Frau war hartnäckig und glaubte fest, dass sie jetzt auf der Stelle mit mir über einen Tarifwechsel verhandeln könne. Ich stand mit gepackten Koffern in der Küche und wollte gleich zum Bahnhof fahren, um rechtzeitig meinen Zug zu bekommen. Es war also der schlechtmöglichste Zeitpunkt, um einen neuen Handytarif auszuhandeln. Ich gab ihr kurzerhand meine Handynummer, die sie laut meiner Vertragsnummer eigentlich wissen müsste und vertröstete sie auf den heutigen Abend.

Denn ich wollte mich erst einmal kundig machen, was es denn für Handytarife gibt, die dem nahe kommen, was meine Eltern brauchen, nämlich nur, um zum telefonieren. Und siehe da, sowas gibt es nicht mehr. Kein Anbieter schon gar nicht meiner, hat irgendeinen Tarif mit dem man nur telefonieren kann. Hinzu kommt, dass meine Eltern zwar einen Vertrag haben, dafür aber keine Grundgebühr bezahlen, sondern nur das, was sie wirklich vertelefonieren und das sind im Monat maximal 1-2 Euro. Sowas gibt es aber anscheinend nicht mehr. Dafür gibt es eigentlich keinen Handyvertrag mehr, an dem nicht irgendwelche Datenpacks und was weiß ich inbegriffen sind. Ich will das aber nicht. Ich möchte für meine Eltern einen Tarif, mit dem sie nur telefonieren können. Es sollte auch kein Prepaid-Tarif sein, weil ich nicht immer da bin, um ihnen das Handy aufzuladen.

Jedenfalls hat bis jetzt niemand von meinem Anbieter bei mir zurückgerufen. Das liegt wahrscheinlich einfach daran, dass, sobald ich das Haus betrete, ich keinen Handyempfang mehr habe und mich Anrufe und SMS nur sporadisch erreichen. Darum sollten sich die Mobilfunkanbieter endlich mal kümmern, dann wäre ich auch bereit, mehr Geld für einen Vertrag zu bezahlen. Aber solange das nicht geschieht und die sich nicht bei mir melden, sitze ich das jetzt einfach aus. Mal sehen was passiert, ob sie meine Eltern wirklich Ende März, wenn der Vertrag abläuft, einfach vom Netz trennen. Ich bin gespannt.

3 Responses to “Handyverträge von Anno dazumal”

  1. Februar 6th, 2019 at 7:11

    Jonas says:

    Das macht ein Computerprogramm, das ist emotionslos. Da gabs hier in der Tageszeitung gerade vor kurzem einen interessanten Artikel. Bin nicht mehr ganz sicher ob ich sie noch komplett zusammen bekomme. Auf jeden Fall war der Vater verstorben und der Sohn wollte, dass die anfallenden Rechnungen ab nun von einem anderen Konto abgebucht werden. Daraufhin kamen Mahnungen aber auch auf mehrfache Mail hin keine Umstellung der Kontonummer. Was ja das Problem beseitigt hätte. Erklärung!! Die Mahnungen werden automatisch vom System generiert. Die für die Umstellung zuständige Kollegin war dagegen längerfristig erkrankt und einen Ersatz gabs keinen :-O
    Was soll man da noch sagen?

  2. Februar 6th, 2019 at 9:08

    Christina Hacker says:

    Ich erzähle hier lieber nicht, was mir vergangenen Freitag mit der Allianz-Versicherung passiert ist. Da glaubt man nicht, dass sowas überhaupt möglich ist.

  3. Februar 9th, 2019 at 15:23

    Lars Jürgenson says:

    Auch wenn da ein System automatisch auswählt, wer unter welcher Nummer belästigt wird, sollte man ja denken, dass der Mensch, der den Anruf tätigt, merkt, dass die angerufene Person nicht versteht, worum es geht, und stattdessen den Vertragsinhaber anruft … (was ja sowieso sinnvoller wäre).

    Die Frage ist, ob man denen glauben darf, dass der Vertrag wirklich nicht verlängert werden „kann“, oder ob es plötzlich doch geht, wenn du drauf bestehst, bzw. bis März einfach nichts machst.

    Ich weiß nicht, ob du Tipps willst, aber eine Möglichkeit, die dem nahe kommt, was deine Eltern bisher hatten, ist die: Einen Prepaid-Tarif ohne Grundgebühr nehmen und dann so einstellen, dass das Guthaben sich automatisch auflädt, wenn es unter einen bestimmten Betrag (z. B. 5 Euro) sinkt. Das heisst, du musst zum Aufladen nicht da sein / nichts tun, und trotzdem bezahlen deine Eltern nur, was sie vertelefonieren.

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