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Haluterseele

Quelle: Perrypedia

PERRY RHODAN NEO Band 188 – »Die Bestie in mir« von Kai Hirdt

Im Kriiyrsystem sind die Laurins genauso verschwunden, wie die MAGELLAN. Dafür arbeiten Bestien zwischen den beiden Pulsaren an einer riesigen Konstruktion, deren Sinn selbst Eric Leyden und Icho Tolot verborgen bleibt.
Um das Geheimnis zu ergründen starten Tolot, Rhodan, Gucky und Leyden mit der DOLAN zu einem Himmelfahrtskommando. Auf den Planeten Layl geraten sie nicht nur einmal in Gefahr von den Bestien und dem Dunklen Schrein der Laurins getötet zu werden. Vor allem Icho Tolot muss sich mit der Frage herumschlagen, was er zu opfern bereit ist, um die Bestien zu vernichten.

Im Hirn eines Haluters, so könnte man einen Teil des Romans zusammenfassen. Wobei Kai Hirdt Tolots Dilemma sehr gut einfängt. Auf der einen Seite ist die Wut auf die Bestien und das Wissen um deren Gefährlichkeit, andererseits ist es seine pazifistische Neigung, mit der er immer wieder hadert. Die Passagen lassen tief in die Haluterseele blicken und zeigen, dass auch Tolot nur ein »Mensch« ist. Hervorragend!

Die Geschichte ist actionreichen und spannend bis zum Schluss. Auch wenn manche Szenen arg konstruiert wirken. Rhodan und Leyden agieren teils in MacGyver-Manier, um die Hindernisse zu überwinden, die ihnen der Autor in den Weg legt. Was anfangs nicht mal schlecht ist, aber bei der Häufigkeit irgendwann auffällt. Das fühlte sich nicht entwickelt an.

Am Einsatz Guckys wird deutlich, wie schwierig die Figur ist. Seine übermächtigen Fähigkeiten müssen immer wieder eingebremst werden, damit die Spannung erhalten bleibt, und das merkt man an diesem Roman besonders deutlich. Da hätte ich mir beinahe gewünscht, der Ilt wäre an Bord geblieben.

Ein Höhepunkt ist der verbale Schlagabtausch zwischen Rhodan und Leyden im Biotop der Laurin. Aber auch hier wird deutlich, dass der Autor eine Krücke bemühen muss, um dem Protektor urmenschliche Züge zu verleihen. In diesem Fall ist es die Strahlung des Dunklen Schrein, die die Aggressivität der beiden steigert, und zu Wortgefechten führt, die man einem Perry Rhodan nie zugetraut hätte. Das meine ich an dieser Stelle nicht negativ. Kai Hirdt nutzt die ihm gegebenen Optionen optimal, um der Figur mehr Tiefe zu verleihen, ohne das der Leser Rhodan »out of character« erlebt.

Was den Handlungsfortschritt in der Staffel anbelangt, so werden wieder einige Puzzlestücke zusammengefügt. ANDROS hat also die Bestien beauftragt, einen weiteren Durchbruch ins Creaversum zu schaffen, vielleicht sogar ein neues Suprahet. Mit welcher Rücksichtslosigkeit ANDROS agiert, um sein eigenes Leid zu lindern, ist für ein solches Wesen schon erstaunlich. Welche Rolle die Laurins aber in diesem Komplott spielen, und auf welcher Seite sie stehen, ist nach wie vor unklar. Mir scheint es, als bröckle die Allianz um ANDROS. Erst die Methans, dann die Goldenen, jetzt die Laurins. Das Geisteswesen nutzt nun die hörigsten der Mitglieder, um mit Nachdruck sein Ziel zu erreichen. Das die Sitharak, die hier auch mitmischen, nicht zur Allianz gehören, war eine neue Information für mich. Ich bin jedenfalls sehr erwartungsvoll, wie es weitergeht.

Bei den letzten Szenen im Buch, als Tolot mit Masmer Tronkh kämpft und Hilfe von einem Unsichtbaren erhält, kam mir der Gedanke, dass möglicherweise Tuire Sitareh dahinter stecken könnte. Der Aulore ist ja beim letzten Besuch auf Layl verschwunden und seitdem nicht wieder aufgetaucht. Mich wundert ein wenig, dass in jedem der vergangenen Romane der Tod von Tim Schablonski angesprochen wird, aber keiner auch nur einen Gedaken an Tuire Sitareh verschwendet. Da erhoffe ich mir baldige Aufklärung.

»Die Bestie in mir« ist ein spannender Roman, der Icho Tolot in den Mittelpunkt der Handlung stellt und mit vielen Ideen aufwartet. Wobei ich glaube, dass der Roman noch tiefgründiger geworden wäre, wenn Tolot allein nach Layl gegangen wäre. Aber der Rhodan-Leyden Konflikt reißt das raus, einfach weil er unglaublichen Spaß macht.

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3 Responses to “Haluterseele”

  1. Dezember 16th, 2018 at 17:07

    Lars Jürgenson says:

    Wieder kann ich nur zustimmen! Tolots innerer Konflikt ist sehr schön herausgearbeitet, und der Konflikt Rhodan/Leyden war sehr amüsant.

    Wie du (glaube ich?) finde ich es etwas schade, dass Kai Hirdt zu solchen „Kunstgriffen“ greifen muss, um den sonst so übermenschlich beherrschten/moralischen Rhodan als Menschen zu zeigen. Das ist mit ein Grund für meine (vermutlich unpopuläre) Vorliebe für Romane, in der „unser Mann im All“ nicht vorkommt (in der EA stärker als in Neo …).

  2. Dezember 16th, 2018 at 17:18

    Christina Hacker says:

    Ich glaube, vielen (wenn nicht allen) Autoren geht es ähnlich. Das Problem ist in der EA noch größer als bei NEO. Wie denkt ein Mensch, der mehr 3000 Jahre alt ist? Das ist schwer vermittelbar.

  3. Dezember 16th, 2018 at 17:55

    Lars Jürgenson says:

    Yep … in der EA gibt es noch die „Entschuldigung“, dass Rhodan eben nach 3000 Jahren sehr abgeklärt ist. Schwer zu vermitteln, aber wenigstens gibt es eine Erklärung für die un/übermenschliche Natur Rhodans (nur: warum trifft dasselbe nicht auf Reginald Bull oder Gucky zu, denen viel menschlichere Züge erlaubt werden?).

    Bei NEO wurden große Zeitsprünge bisher vermieden, was mir gefällt. Dafür war/ist Rhodan hier von Anfang an sehr „übermenschlich“. Das ist schade. Ich wünsche mir jedenfalls, dass Perry Rhodan öfter erlaubt wird, genervt und/oder ungeduldig zu sein, oder auch mal aus emotionalen Gründen einen Fehler zu machen.

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